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Sturmius (selten auch Sturmio, in den Quellen jedoch zumeist in nicht latinisierter Form Sturmi, Sturmis, gelegentlich auch Styrmi, Styrme, in älterer Sekundärliteratur meist Sturm genannt)[1]; * wohl nach 700 als Spross „einer westbayerischen Grundherrenfamilie aus dem Sempt-Isengebiet unweit von Freising“[2]; † ca. 17. Dezember 779 in Fulda) war Missionar, Gründer und erster Abt des Klosters Fulda.
Inhaltsverzeichnis |
Sturmis Leben fällt in die Epoche der angelsächsischen Mission des 8. Jahrhunderts auf dem Kontinent. Als Schüler des bedeutendsten der angelsächsischen Missionare, die damals als monachi peregrini (Pilgermönche) zur Verbreitung des christlichen Glaubens unter den noch unbekehrten oder nur oberflächlich mit dem Christentum in Berührung gekommenen germanischen Stämmen der Bayern, Alemannen, Mainfranken, Thüringer, Friesen und Sachsen auf den Kontinent kamen,[3] des Winfried Bonifatius, unterstützte er diesen beim Aufbau einer kirchlichen Organisation und Infrastruktur im mainfränkisch-thüringischen Raum. Entscheidend war seine Rolle als Gründerabt der späteren Reichsabtei Fulda, die eine wichtige Rolle als Stützpunkt der Sachsenmission und auch bei der militärischen Sicherung des von Karl dem Großen eroberten Sachsen (Eresburg) sowie als kulturelles Zentrum im rechtsrheinischen Germanien nördlich der Mainlinie spielte. Wichtig für die Zukunft des Klosters war Sturmis erfolgreicher Kampf für dessen Unabhängigkeit und um die Reliquien des Bonifatius, die auch von Mainz als seinem Amtssitz und Dokkum, seinem Sterbeort, beansprucht wurden.
Die meisten Informationen stammen aus der von Sturmis Verwandtem und späterem Fuldaer Abt Eigil von Fulda verfassten Vita Sturmi, für deren vieldiskutierte, für die Interpretation wichtige Datierung sich ein später Ansatz in die Zeit 818-820 durchzusetzen scheint, woraus sich ergibt, dass der Rückblick auf die Gründergestalt und Gründungsgeschichte aus der Perspektive der nach Abt Ratgars Sturz 817 eingeleiteten monastischen Reform erfolgt.[4] Die frühe Sturmi-Chronologie ist unsicher. Umstritten ist, bei welcher der drei Reisen des Winfried Bonifatius nach Bayern es zur Begegnung mit Sturmi kam, der ihm noch als Knabe (wohl als puer oblatus) von seinen Eltern anvertraut wurde. Am wahrscheinlichsten ist die erste Reise (um 719), während die auch erwogene Ansetzung während einer der beiden späteren Reisen von vermutlich 734 und 738, als ersterer die Neuordnung der Kirchenorganisation im bayerischen bzw. österreichischen Gebiet durchführte (Gründung der Bistümer Salzburg, Regensburg und Passau, sowie Freising), verschiedene chronologische Schwierigkeiten mit sich bringen würde.[5] Er schloss sich Bonifatius an und wurde im Benediktinerkloster Fritzlar bei Abt Wigbert ausgebildet. Im nordhessischen Raum war er als Missionar unterwegs, wo er nach unsicherer Überlieferung 736, wahrscheinlich aber erst 742/743 in Haerulfisfeld (heute Bad Hersfeld) eine mönchische Einsiedelei errichtete.[6] Zu einem unbestimmten Zeitpunkt wurde er in Fritzlar zum Priester geweiht. Im Jahre 744 wurde er von Bonifatius beauftragt, in einem Gebiet namens Eichloha (vermutlich war es der Name einer Zentmark oder Hundertschaft im Altgau Buchonia) ein Kloster zu gründen. Der Grundbesitz, vier Meilen um das neue Kloster, war eine Schenkung des fränkischen Hausmeiers Karlmann, die auf dessen Initiative von den lokalen Grundbesitzern ergänzt wurde. Da letztere an Sturmi tradiert haben sollen[7], dürfte dieser, und nicht Bonifatius, auch der Empfänger der Karlmannstiftung gewesen sein. Das Kloster errichtete Sturmi an einer Furt über die Fulda, wo sich vermutlich ein etwa 50 Jahre zuvor von Sachsen verwüsteter Herrenhof befunden hatte.
Nach der Gründungsphase wurde Abt Sturmi in den Jahren 747 und 748 für einen längeren Aufenthalt im Kloster des Heiligen Benedikt von Nursia Monte Cassino nach Italien gesandt, um dort die vermeintlich urbenediktinischen consuetudines (Lebensformen) kennenzulernen und sie in Fulda einführen zu können. 751 erreichte Bonifatius, der angesichts seines schwindenden Einflusses und der Unsicherheit hinsichtlich seiner Nachfolge um die Zukunft seines Missions- und Reformwerkes besorgt gewesen sein muss, durch das in seinem Auftrag von Lullus erwirkte sog. Zachariasprivileg von Papst Zacharias I. eine begrenzte Exemption für die Abtei, die somit – eher symbolisch – direkt dem Papst unterstellt und dadurch unabhängig von bischöflicher und weltlicher Gewalt wurde. Zuständig für Weihen und andere bischöfliche Amtshandlungen blieb jedoch weiterhin der Diözesan, in dessen Sprengel die Amtshandlung vorzunehmen war. Er durfte allerdings nicht auf eigene Initiative tätig werden, sondern hatte die Einladung (Invitatio) durch Abt und Konvent abzuwarten. Dies sollte nach dem Tode von Bonifatius zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Bonifatiusschülern, dem Bischof und späteren Erzbischof von Mainz Lullus und Sturmi führen.
Trotz dieser Umstände gelang es Sturmi, sich gegen die Bischöfe von Utrecht und Mainz durchzusetzen und Bonifatius in Fulda beisetzen zu lassen. Dies steigerte die Bedeutung der Abtei Fulda stark. Die Abtei erhielt dadurch viele Schenkungen und wurde zu einem bedeuteten Wallfahrtsort im ostfränkischen Reich, an den auch viele Angelsachsen pilgerten.
Sturmi konnte sich auch gegen die Bischöfe von Mainz (bzw. nach älterer Auffassung Würzburg) behaupten, die versuchten, die Exemption der Abtei rückgängig zu machen. Sturmi wurde in diesem Zusammenhang bei dem Hausmeier Pippin denunziert, von diesem abgesetzt und von 763 bis 765 in die Abtei Jumièges (Normandie)in die Verbannung geschickt, während das Kloster Fulda, unter Beschlagnahmung des Zachariasprivilegs, Bischof Lullus von Mainz unterstellt wurde. Er wurde jedoch 765 rehabilitiert, und das Zachariasprivileg wurde zurückerstattet. 774 erhielt die Abtei Fulda von Karl dem Großen den Königsschutz und damit den Status eines Königsklosters bzw. einer Reichsabtei. In diesem Jahr erhielt Sturmi für die Abtei ein Missionsgebiet an der Diemel und der Weser. Das Stift Sankt Bonifatii in Hameln wurde von Sturmius gegründet. Auch Minden gehörte in dieses Missionsgebiet. 779 begleitete Sturmi Karl den Großen auf einem Feldzug nach Sachsen, wo er erkrankte. Bald nach seiner Rückkehr nach Fulda starb er.
Bereits die Wahl des herausgehobenen Begräbnisortes, der Ostchor der Salvatorbasilika, wo kurz danach auch die Nichte des Bonifatius, die später ebenfalls als Heilige verehrte Äbtissin Lioba von Tauberbischofsheim († um 782), bestattet wurde, lässt erkennen, dass sich ein schrittweiser Übergang von Memoria zu kultischer Verehrung anbahnte. Die weiteren Schritte wurden von Abt Eigil von Fulda, einem Verwandten Sturmis, der über zwanzig Jahre in Fulda unter Sturm Mönch gewesen war, vorangetrieben. Nach der 818 wegen des Kryptenbaus in der neuen Ratgerbasilika erforderlich gewordenen Umgebettung der beiden "geistlichen Kinder"" des Bonifatius, erfolgte 820 deren feierliche Translation in das südliche Seitenschiff zum Ignatiusaltar. Spätestens von diesem Zeitpunkt an galt Sturmi als Heiliger und hatte einen herausgehobenen Platz in der Altarlandschaft der Salvatorbasilika, die als Abbild der Heilsgeschichte und der Geschichte des Mönchtums konzipiert war.ref>Vgl. Becht-Jördens: Sturmi oder Bonifatius. S. 133-154; Gereon Becht-Jördens: Die Vita Aegil des Brun Candidus als Quelle zu Fragen aus der Geschichte Fuldas im Zeitalter der anianischen Reform. In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte. 42, 1992, S. 19-48, hier S. 36-39; Gereon Becht-Jördens Text, Bild und Architektur als Träger einer ekklesiologischen Konzeption von Klostergeschichte. Die karolingische Vita Aegil des Brun Candidus von Fulda (ca. 840). In: Gottfried Kerscher (Hrsg.): Hagiographie und Kunst. Der Heiligenkult in Schrift, Bild und Architektur. Dietrich Reimer, Berlin 1993, S. 75-106, hier S. 94.</ref> Eigil war auch der Autor der wohl im Hinblick auf die Translation und Neuordnung der Anniversarfeier 820 verfassten Vita Sturmi[8] und veranlasste auch die Konzeption einer Sturmi-Messe für den Anniversartag, wohl durch Hrabanus Maurus. In dem wohl auf karolingische Vorbilder zurückgehenden illuminierten Fuldaer Sakramentar aus Göttingen (um 975) erscheint Sturmi in einer eschatologischen Bildkomposition zum Allerheiligenfest als Seelenführer seiner Mönche und kommendiert auf dem Frontispiz, als heiliger Abt nimbiert, den Hrabanus Maurus den Päpsten Gelasius I. und Gregor dem Großen.[9]. Sturmi wurde so zur Repräsentationsfigur der asketischen Anfänge des Klosters und seiner vermeintlich urbenediktinischen Tradition. Während Lioba erneut 836 erneut umgebettet wurde und ihre endgültige Ruhestätte in St. Peter auf dem Petersberg fand, befinden sich die Reliquien Sturmis bis heute im Dom zu Fulda, allerdings aufgrund der Baumaßnahmen des 18. Jahrhunderts nicht mehr am ursprünglichen Ort. 1139 sprach Papst Innozenz II. Sturmi, dessen zunächst von seinem Verwandten Abt Eigil († 822) so entschieden geförderter Kult später zunächst in den Hintergrund getreten zu sein scheint, offiziell heilig.[10]
Der katholische, evangelische und orthodoxe Gedenktag ist der 17. Dezember, der Tag des Hl. Ignatius, auf den die Anniversarfeier Sturmis wegen der Nähe seines Todestages zu diesem Heiligenfest von Abt Eigil verlegt worden war.
Siehe auch: Ikonografie
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
| --- | Abt von Fulda 744–779 |
Baugulf |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sturmius |
| ALTERNATIVNAMEN | Sankt Sturmius; Sturm; Sturmi |
| KURZBESCHREIBUNG | Missionar, Gründer und erster Abt des Klosters Fulda |
| GEBURTSDATUM | nach 700 |
| STERBEDATUM | um 17. Dezember 779 |
| STERBEORT | Fulda |