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Das SuperC ist das Service-Zentrum der RWTH Aachen, das unmittelbar neben dem Hauptgebäude steht und die meisten Dienstleistungen für Studierende unter einem Dach vereint. Vom Studierendensekretariat über das Akademische Auslands- und Prüfungsamt bis hin zu einem Career Center sind alle Einrichtungen, die bislang weit über viele Gebäude verstreut lagen, an zentraler Stelle zusammengefasst. Darüber hinaus finden sich in dem Gebäude Flächen für Begegnung und Informationsaustausch, Ausstellungsflächen, Tagungs- und Seminarräume, die zu einem Treffpunkt im Kernbereich der Hochschule werden sollen.
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Der 'Erste Spatenstich' fand am 29. Mai 2006 statt, die offizielle Eröffnung nahm der scheidende Rektor der RWTH Prof. Burkhard Rauhut am 29. Juli 2008 im Beisein von NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart, Aachens Oberbürgermeister Jürgen Linden und rund 200 geladenen Gästen vor[1]. Bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme dauerte es allerdings noch bis Ende September.
Seinen Namen erhielt das Gebäude nach seinem Aussehen, einem großem C: Nach dem ursprünglichen Entwurf sollte das Gebäude auf einer Fläche von 750 m² 20 Meter hoch werden und die obere der acht Etagen etwa 17 Meter auskragen. Eine verglaste Fassade soll Offenheit gegenüber der Stadt signalisieren. Im Zuge der Umsetzung wurde die Anzahl der Etagen jedoch auf sieben reduziert, um eine für das Projekt problematische baurechtliche Einstufung als Hochhaus zu umgehen. Die Zentrale Studienberatung wird daher entgegen ursprünglichen Planungen keinen Platz im Gebäude finden.[2] Die Kosten sind mit 23 Millionen Euro angesetzt, die nicht nur durch Zuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen gedeckt werden, sondern auch durch Sponsoren und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW übernommen werden. Letzterer fungiert zugleich auch als Bauherr und Projektleiter.
Die unterste Etage des Gebäudes (und somit der untere Strich des Cs) liegt unterirdisch, weshalb das SuperC aus Blickrichtung des links von ihm gelegenen Hauptgebäudes eher an ein griechisches Γ (Gamma) erinnert. Es wird daher in Anlehnung an einen Kommentar eines Aachener Mathematikprofessors von einigen Studenten auch als „SuperΓ“ bezeichnet.[3]
Am 5. Mai 2009 wurde bekannt, dass in den Innenräumen des Gebäudes eine erhöhte Ausdünstung chemischer Substanzen aus Baumaterialien festgestellt wurde; mehrere der dort Beschäftigten klagten über Augen- und Atemwegsreizungen.[4][5] Verstärktes Lüften konnte die Belastung nur teilweise senken, ein erneuter Anstieg im Oktober macht nach Angaben der Hochschule nun eine Belastung des Teppichbodens mit dem Lösungsmittel Acetonitril wahrscheinlich.[6]
Ein weiteres Herausstellungsmerkmal des neuen Gebäudes ist die Beheizung mit Erdwärme, die im Rahmen eines Forschungsprojekts der Fakultät für Georessourcen und Materialtechnik in Kooperation mit dem Projektpartner Aix-o-therm Geoenergien nutzbar gemacht wurde.[7] Auch im Sommer könnte die Geothermie von Nutzen sein: Sie kann dann durch Hinzuschalten einer Adsorptionskältemaschine für angenehme Temperaturen sorgen. Damit will die Technische Hochschule ein Zeichen für die ökologische wie ökonomische Ausrichtung der Forschung setzen.
Um eine tiefe Erdwärmesonde zu installieren, ist es erforderlich im Untergrund des Gebäudes eine mindestens 2500 Meter tiefe Bohrung niederzubringen. Die Erdwärmesonde soll in einem geschlossenen Kreislaufsystem arbeiten, ohne einen Austausch von Wässern im Bereich der Bohrsäule. Die dafür notwendigen Bohrarbeiten wurden bereits vom 19. Juli 2004 bis zum 22. November 2004 von der Bohrfirma Anger’s Söhne aus Hessisch Lichtenau im Rahmen eines EU-Demonstrationsprojektes durchgeführt. Die Bohrung erreichte eine Endtiefe von 2544 m. Nach Beendigung der Bohrarbeiten wurden geophysikalische Messungen durchgeführt, die Verrohrung bis zur Endtiefe eingebaut und anschließend zementiert. Der Einbau des Innenrohres für die tiefe Erdwärmesonde ist derzeit (Stand: Oktober 2009) in Vorbereitung.[8] Aufgrund der Havarie eines ähnlichen Glasfaserrohres bei einer Geothermiebohrung in Arnsberg 2008 verzögert sich der Einbau bis vermutlich 2010, da erst ein geeigneter Werkstoff für derartige Bedingungen entwickelt und getestet werden muss[9].
Die Bohrarbeiten wurden durch ein geowissenschaftliches Forschungsprogramm, welches von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wurde, begleitet. Ziel der geowissenschaftlichen Untersuchungen war eine interdisziplinäre Erkundung des Aachener Untergrundes, wobei unter anderem Schwerpunkte auf die sedimentologische und tektonische Entwicklungsgeschichte der Gesteine, die Entstehung von Erdbeben in der Region Aachen und neue Erkenntnisse zur Entstehung der Aachener Thermalquellen gelegt wurden. Die Informationen über den Untergrund erhielten die Geowissenschaftler aus zerbrochenem Gesteinsmaterial (Cuttings), welches mit der Bohrspülung an die Oberfläche gebracht wurde. In verschiedenen Tiefen sind darüber hinaus immer wieder Bohrkerne zu wissenschaftlichen Zwecken entnommen wurden. Ergänzt wurden die Untersuchungen durch mehrere Messkampagnien geophysikalischer Bohrlochmessungen. Erbohrt wurden klastische Gesteine des Karbons und Devons.
Die Tiefbohrung in einer Innenstadt stellte aufgrund der begrenzten örtlichen Gegebenheiten, der unmittelbaren Nachbarschaft zu frequentierter Infrastruktur und Bebauung (z. B. Hauptgebäude der RWTH) hohe Anforderungen an den Arbeits- und Immissionsschutz. Darüber hinaus musste durch alle technischen Vorkehrungen gewährleistet sein, dass von der Tiefbohrung keine Beeinträchtigung auf die von der Aachener Kaiserbrunnen AG und den Carolus Thermen genutzten Aachener Thermalquellen ausgeht. Deshalb wurde erstmalig in Deutschland eine spezielle Bohrspülung einsetzt. Die Tiefbohrung wurde teleskopartig, d. h. mit sich nach unten verjüngenden Bohrdurchmessern (23 Zoll, 17,5 Zoll und 8,5 Zoll) abgeteuft. Weitere technische Informationen zum Bohrverlauf, Genehmigungsverfahren, der Finanzierung und Wärmeverteilung im Bohrloch finden sich bei Herzog (2005).[10]
Zwei Jahre nach dem geplanten Start 2008 wird das SuperC in Aachen noch immer nicht mit Erdwärme versorgt. Probleme gab es zum Beispiel immer wieder mit dem Material des Glasfaserkunststoffrohres, das als Innenrohr in das verrohrte Bohrloch eingebracht werden sollte. Ein baugleiches Innenrohr kollabierte 2008 in der Geothermiebohrung in Arnsberg.[11] An der RWTH Aachen wurde daraufhin ein neuer Kunststoff für das Innenrohr entwickelt und zum Patent angemeldet.[12]. Aufgrund der nicht unerheblichen, jedoch bohrtechnisch bedingten Bohrlochabweichung und der geänderten Materialeigenschaften des Kunststoffs konnte das Innenrohr nur bis eine Tiefe von 1965m eingebaut werden. In dieser Tiefe ist gemäß des geothermischer Gradienten maximal mit einer Temperatur von rund 60°C zu rechnen.[13] Externe Gutachter sollten zunächst prüfen, ob das System mit vertretbarem Aufwand nachgebessert werden kann. Am 18. Juli 2011 erklärte der Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg, dass das Konzept der Tiefengeothermiewärme in der Form nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.[14] In einer erneuten Stellungnahme seitens der Hochschule wurden Zahlen veröffentlicht, wonach die Entzugsleistung der Anlage aufgrund der geringeren Einbautiefe, des niedrigeren geothermischen Gradienten und der schnelleren Abkühlung des aufsteigenden warmen Wassers im Innenrohr wesentlich geringer ist als 2002 von den Verantwortlichen gemeinsam mit dem Projektpartner Aix-o-therm Geoenergien geplant. Anstelle der projektierten 60°C wurden im Frühjahr 2011 nur maximal 35°C am Bohrlochkopf gemessen.[15] Die damaligen Kritiker des Projektes, namentlich Experten der Bergakademie Freiberg, des Institutes für Geophysik der RWTH und des Geologischen Dienstes NRW sehen sich in den Ergebnissen bestätigt, wonach die geothermische Tiefenstufe in der Aachener Region geringer ist als von den Projektverantwortlichen angenommen und sich zudem das Gestein um das Bohrloch rascher abkühlt, um eine nachhaltige thermische Wiederergänzung im Bohrloch zu gewährleisten. Trotzdem wird weiter nach Lösungen gesucht, um zumindest einen Teil der Grundlast der Wärmeversorgung (30-40%) mit Erdwärme zu versorgen.
Der Entwurf des Gebäudes ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, den die Architektinnen Susanne Fritzer und Eva-Maria Pape im Jahr 2000 gewonnen haben. Die Architektinnen wurden im Jahr 2004 von dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW mit der Planung beauftragt. Baubeginn war Ende 2006, die Fertigstellung war im Herbst 2008.
50.77822222226.07877777778Koordinaten: 50° 46′ 42″ N, 6° 4′ 44″ O