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Supervulkane sind die größten bekannten Vulkane, die im Gegensatz zu „normalen“ Vulkanen auf Grund der Größe ihrer Magmakammer bei Ausbrüchen keine Vulkankegel aufbauen, sondern riesige Calderen (Einbruchskessel) im Boden hinterlassen. Der letzte Ausbruch eines Supervulkans geschah im Gebiet des Tauposees (Neuseeland) vor gut 23.000 Jahren.
Inhaltsverzeichnis |
Supervulkane sind an einer besonders großen Magmakammer unter dem Vulkangebiet zu erkennen oder hatten bei Ihrem Ausbruch eine Auswurfmenge (Ausstoßvolumen an Lava, Pyroklastika, Staub etc.) von mindestens 1000 km³.[1] So ist beispielsweise die Magmakammer des Yellowstone-Vulkans 60 km lang und 40 km breit und fasst etwa 15.000 km³ Magma.[2] Während sich das teilgeschmolzene Magma über tausende von Jahren mit Gas anreichert, hebt sich das Gebiet über der Magmakammer. Wird das Magma durch die Gasanreicherung kritisch, bricht es an mehreren weitverteilten Stellen durch das Deckgestein. Typischerweise geschieht dies durch die beim Heben des Gebietes über der Magmakammer entstehenden Risse im Boden ringförmig. Der auf diese Weise gebildete Deckel aus Gestein sinkt in die sich leerende Magmakammer und bildet so die charakteristische Caldera (Kessel). Die Wucht eines solchen Ausbruches wird mit dem Vulkanexplosivitätsindex-Wert 8 (VEI-8) und höher beschrieben. Hierbei werden Hunderte oder Tausende Kubikkilometer Lava aus der Magmakammer mit Überschallgeschwindigkeit bis zu 50 km hoch in die Stratosphäre geschleudert und „regnen“ im Umkreis von mehreren 100 Kilometern nieder. Vulkanischer Staub wird um den ganzen Globus getragen.
Solche gewaltigen Explosionen werden begleitet von Erdbeben unbekannter Stärke und Flutwellen, deren Stärke von der Lage des Vulkans abhängt. Vorhersagemodelle über den Verlauf eines solchen Ausbruchs existieren nicht, da die Wissenschaft bislang keinen derartigen Ausbruch beobachten konnte.
Neben den primären Schäden einer Supervulkanexplosion kommt es zu einer globalen Klimakatastrophe, auch als Vulkanischer Winter bezeichnet, bei welchem die Temperaturen weltweit um mehrere Grad sinken. Durch massenhaftes Verenden von Pflanzen und Tieren droht eine jahrelange Nahrungsknappheit.
Über die Zahl an Opfern lässt sich nur spekulieren. Sie ist abhängig vom Standort des Supervulkans. In einem Umkreis von 100 Kilometern wird jedes Leben durch den Ausbruch vernichtet. Auch in größerer Entfernung ist die Sterblichkeit hoch. Der Vulkanstaub ist sehr fein und dringt in jede Spalte. Durch seine Eigenschaft, in Verbindung mit Feuchtigkeit zu einer zementartigen harten Masse zu werden, können Lebewesen auch bei genügender Luftaufnahme ersticken, da die Lungen durch das Einatmen des Staubes funktionsunfähig werden – ohne Atemschutz hat man nur geringe Überlebenschancen. Werden Pflanzen von diesem Staub dicht bedeckt, ist Photosynthese be- bzw. verhindert, sodass diese Pflanzen sterben. Regen kann diese Situation nicht verhindern, sondern nur verschlimmern.
Man vermutet, dass Supervulkane bei den bekannten Ausbrüchen für Artensterben verantwortlich waren. Nach der umstrittenen Toba-Katastrophen-Theorie wurde die Menschheit auf einige tausend Menschen reduziert, als vor 75.000 Jahren der Toba-Vulkan auf Sumatra (Indonesien) ausbrach. Relikt des Ausbruchs ist der aus der Caldera gebildete Tobasee.
Aktuell sind nur wenige Supervulkane wissenschaftlich erfasst. Der wohl bekannteste Supervulkan ist der Yellowstone im Yellowstone-Nationalpark. Sein nächster Ausbruch ist nach Auffassung von Geologen fällig und es gibt Zeichen für einen in geologischen Zeiträumen (in evtl. mehreren tausend Jahren) baldigen Ausbruch. Weitere Supervulkane sind neben dem Yellowstone beispielsweise noch der Toba, der Tauposee und die La-Garita-Caldera.
Ebenfalls mit Sicherheit noch aktiv sind die Vilama-Caldera im Dreiländereck zwischen Chile, Bolivien und Argentinien und der Lazufre (Gegend zwischen Lastarria und Cordón del Azufre) an der Grenze zwischen Chile und Argentinien. In der Azufre-Region hebt sich der Boden auf einer Fläche von 50 mal 30 Kilometern jedes Jahr um 3,5 Zentimeter.[3] [4] Außerdem ist diese Region seismisch wesentlich aktiver als zum Beispiel die Yellowstone-Region. Die Azufre-Region ist schwer zugänglich und daher wissenschaftlich noch unzureichend erforscht. Möglicherweise ist der Lazufre der aktuell gefährlichste Supervulkan.
Supermassive Ausbrüche sind von folgenden Vulkanen bekannt (Auswahl), wobei hauptsächlich nur die Ausbrüche der Stärke VEI 8 den Supervulkanen zugeordnet werden.
| Vulkan | Ort | Staat | Zeit des letzten vermuteten Ausbruchs | Tephra (Materialausstoß) | VEI |
|---|---|---|---|---|---|
| La-Garita-Caldera | Colorado | USA | vor etwa 27 Millionen Jahren | 5.000 km³ | VEI 8 |
| Toba (Tobasee) | Sumatra | Indonesien | vor etwa 75.000 Jahren | 2.800 km³ | VEI 8 |
| Yellowstone Caldera (Huckleberry Ridge Eruption) | Wyoming | USA | vor 2,2 Millionen Jahren | 2.500 km³ | VEI 8 |
| La Pacana Caldera | Chile | vor etwa 4 Mio. Jahren | 2.500 km³ | VEI 8 | |
| Vilama-Caldera | Argentinien | vor 8,4 Millionen Jahren | 2.000 km³ | VEI 8 | |
| Tauposee | Nordinsel | Neuseeland | vor 22.500 − 26.500 Jahren | 1.170 km³ | VEI 8 |
| Yellowstone Caldera (Lava Creek Eruption) | Wyoming | USA | vor 640.000 Jahren | 1.000 km³ | VEI 8 |
| Pastos Grandes Caldera | Bolivien | vor etwa 2,9 Mio Jahren | 820 km³ | VEI 7 | |
| Long Valley Caldera | Kalifornien | USA | vor 760.000 Jahren | 600 km³ | VEI 7 |
| Valles-Caldera | New Mexico | USA | vor 1,12 Millionen Jahren | ≈ 600 km³ | VEI 7 |
| Aso | Kyūshū | Japan | vier große explosive Eruptionen vor 300.000 bis 80.000 Jahren | insgesamt 600 km³ | VEI 7 |
| Diamante Caldera - Maipo | Chile/Argentinien | vor etwa 450.000 Jahren | 450 km³ | VEI 7 | |
| Yellowstone Caldera (Mesa Falls Eruption) | Wyoming | USA | vor 1,2 Millionen Jahren | 280 km³ | VEI 7 |
| Bruneau-Jarbidge | Idaho | USA | vor 10 − 12 Millionen Jahren | > 250 km³ | VEI 7 |
| Sabatini Vulkankomplex | Latium | Italien | vor 374.000 Jahren | > 200 km³ | VEI 7 |
| Santorin | Kykladen | Griechenland | 1628 v. Chr. (Datierung umstritten) | 160 km³ | VEI 7 |
| Tambora | Sumbawa | Indonesien | 1815 | 160 km³ | VEI 7 |
| Kikai | Ōsumi-Inseln | Japan | um 4300 v. Chr. | 150 km³ | VEI 7 |
| Mount Mazama | Oregon | USA | um 4900 v. Chr. | 150 km³ | VEI 7 |
| Kurilensee | Kamtschatka | Russland | um 5700 v. Chr. | 130 km³ | VEI 7 |
| Aira | Kyūshū | Japan | vor 22.000 Jahren | 110 km³ | VEI 7 |
| Tauposee | Nordinsel | Neuseeland | 180 | 85–100 km³ | VEI 7 |
| Phlegräische Felder | Kampanien | Italien | vor 39.000 Jahren | 80–150 km³ | VEI 7 |