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Eine Swastika (Sanskrit m. à€žà„à€”à€žà„à€€à€żà€ svastika âGlĂŒcksbringerâ) ist ein Kreuzsymbol mit abgewinkelten oder gebogenen Armen. Solche Symbole sind in zahlreichen Formen seit etwa 6000 Jahren in Europa und Asien, seltener auch in Afrika und Mittelamerika nachgewiesen.[1] Die vier Enden können nach rechts oder links gerichtet, recht-, spitz-, flachwinkelig oder rundgebogen und mit Kreisen, Linien, Punkten oder Ornamenten verbunden sein. Eine einheitliche Bedeutung haben sie nicht.
Die Nationalsozialisten ĂŒbernahmen ein auf der Spitze stehendes, nach rechts gewinkeltes Hakenkreuz als Symbol einer angeblichen arischen Rasse und machten es 1920 zum Parteizeichen der NSDAP und 1935 zum zentralen Bestandteil der Flagge des Deutschen Reiches.
Die politische Verwendung hakenkreuzförmiger Symbole ist in Deutschland, Ăsterreich und weiteren Staaten seit 1945 verboten. Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Abs. 3 StGB nur, wenn sie âder staatsbĂŒrgerlichen AufklĂ€rung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung ĂŒber VorgĂ€nge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder Ă€hnlichen Zwecken dientâ.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort âSvastikaâ setzt sich im Sanskrit aus den Silben su- (âgutâ) und asti (Substantiv zum Verb as- âseinâ) zusammen. Es bedeutet wörtlich: das (zum) Gutsein (gehörige), das Heilbringende. Das Kompositum svasti- bedeutet schon im Ă€ltesten Sanskrit (dem Vedischen) âHeil, Segenâ. Als Aussage wird es mit Alles ist gut ĂŒbersetzt. Das Substantiv ist hier mĂ€nnlich (âder Swastikaâ).[3] In deutschsprachiger Literatur wird es selten mĂ€nnlich oder sĂ€chlich, meist weiblich bezeichnet (âdie Swastikaâ).
Auf Lateinisch wurde das Symbol crux gammata oder grĂ€zisiert Gammadion genannt, weil seine Winkel wie vier umgekehrte griechische Buchstaben Gamma aussehen. Entsprechend werden NS-Hakenkreuze auch im Französischen oft Croix gammĂ©e genannt. Im englischen und französischen Sprachraum wird der Sanskritbegriff Swastika auch fĂŒr völkische und nationalsozialistische Hakenkreuze verwendet.
Im Deutschen sind diese Begriffe ungebrĂ€uchlich. Das Symbol wird hier Sonnenrad, frĂŒher auch WinkelmaĂkreuz, seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert jedoch meist Hakenkreuz genannt.
In der indischen Kultur und Religion (Hinduismus) sind Swastikasymbole seit etwa 5000 Jahren ĂŒblich, beginnend mit Siegeln der Indus-Kultur. Die nach rechts abgewinkelte, oft rotgefĂ€rbte Swastika ist dort dem Sonnenaufgang, Tag, Heil, Leben, mĂ€nnlichen Prinzip und dem Gott Ganesha zugeordnet. Sie wird darum in Indien fĂŒr glĂŒckbringende Dinge und Symbole verwendet. Ihr steht die âSauastikaâ mit nach links gewendeten Haken und in blauer Farbe gegenĂŒber. Sie bedeutet Sonnenuntergang, Niedergang des Lebens, Nacht, Unheil und Tod. Sie wird dem weiblichen Prinzip und der Göttin Kali zugeordnet.[4]
Die rechtsgewinkelte Swastika dreht sich in indischer Auffassung linksherum, bei der Sauastika ist es umgekehrt. Beide Versionen sind in Tempeln und auf Götterdarstellungen ĂŒblich.
Seit dem Einfluss des Buddhismus ist das Swastikasymbol in Japan auf Brust, FĂŒĂen oder HĂ€nden von Buddha-Statuen und -Tempeln zu sehen. Es wird als Weitergabe der Buddha-Natur gedeutet. Auf heutigen japanischen Landkarten und StadtplĂ€nen bezeichnet eine nach links gewinkelte Swastika den Standort eines buddhistischen Tempels.[5]
Als chinesisches Schriftzeichen steht eine Swastika (chinesisch ć, ć wĂ n) fĂŒr die Myriade (10.000) bzw. die Unendlichkeit (eigentlich chinesisch èŹ / äž). Das Symbol bedeutet âĂberflussâ und âlanges Lebenâ. Im alten China stand es manchmal fĂŒr âzwei auffliegende Störcheâ.
Kaiserin Wu Zetian (625â705) erklĂ€rte eine Swastika in einem Kreis zum Zeichen fĂŒr âSonneâ.[6] Dieses Symbol zeigt auf Verpackungen in China hergestellter Lebensmittel ihre rein vegetarische Herstellung an.
An vielen historischen chinesischen GebĂ€uden, besonders an buddhistischen Tempeln, sind Swastika-Symbole als dekorative AuĂenverzierungen unterhalb des Daches zu sehen.
Das Symbol von Falun Gong, einer aus China stammenden Qigong-Bewegung, zeigt einen roten Kreis mit einer groĂen goldenen, nach links abgewinkelten Swastika, die von einem orangefarbenen Ring mit vier weiteren Swastikasymbolen und vier Yin-und-Yang-Symbolen umschlossen wird.
Die vorbuddhistische Bön-Religion kannte eine nach rechts abgewinkelte Swastika. Die nach links abgewinkelte Swastika ist im tibetischen Buddhismus ein Symbol fĂŒr Festigkeit, Ausdauer und BestĂ€ndigkeit.[7]
Das Swastika-Symbol findet sich im 5. Jahrtausend v. Chr. auf Keramikfragmenten der Donau- bzw. VinÄa-Kultur in SĂŒdosteuropa. Es war hier also schon vor der Einwanderung der IndoeuropĂ€er in Gebrauch und wurde von diesen ĂŒbernommen.[8]
In der Minoischen Kultur auf Kreta tauchen Swastiken auf Vasenmalerei ab etwa 3500 v. Chr. auf. Diese Ornamentik setzte sich in der Geometrischen Periode der griechischen Vasenmalerei fort. Seit der Zeit Alexanders tauchen solche Symbole auch auf Soldatenhelmen auf.
Minoische Vase aus Kreta, ArchÀologisches Museum Iraklio
Kantharos, griechische Vasenmalerei der geometrischen Periode (um 780 v. Chr.)
Eine brettchengewebte Borte aus dem Grab von Hochdorf an der Enz aus der Hallstattzeit (um 500 v. Chr.) trÀgt eine Reihe von Hakenkreuzen.[9] Ob die TrÀger der Hallstattkultur mit den Kelten historischer Zeit gleichzusetzen sind, ist in der Forschung noch umstritten.
Auf deren streng geometrischen Formen folgte der kurvenreiche, verschlungene Stil der La-TĂšne-Zeit.[10] Damit erklĂ€ren manche, dass Swastiken bei den Kelten Ă€uĂerst selten gefunden werden.
Die religiös genutzte und gedeutete Swastika ist wie die verwandten Symbole des Sonnenrades (âKeltenkreuzâ) und der Triskele ein Kraftzeichen mit magischem Bezug zum Totenkult. Brakteaten aus DĂ€nemark im völkerwanderungszeitlichen Kontext enthalten u. a. Triskelen, die einen bildlichen Bezug zu Odin herstellen.[11]
Ein im Wikingerschiff von Oseberg (um 830) gefundener Eimer, der als Beutegut keltischer Herkunft aus Irland gilt, ist mit anthropomorphen BronzebeschlĂ€gen ausgestattet. Eine darauf abgebildete Figur trĂ€gt auf der Brust vier stilisierte Swastiken.[12] Die unterschiedlichen, oft farbenfrohen Darstellungen auf AlltagsgegenstĂ€nden, etwa Bekleidungsstoffen, lassen darauf schlieĂen, dass die Swastika bei den Kelten, Ă€hnlich wie bei den Germanen, keine spezifisch symbolische Bedeutung hatte.[13]
Im prĂ€historischen Mitteleuropa treten Swastikasymbole seit der jĂŒngeren Bronzezeit auf. Sie finden sich in verschiedenen, links- oder rechtsdrehendenen Formen als Verzierung oder Ornament bei GĂŒtern des alltĂ€glichen Bedarfs, besonders auf SchmuckgegenstĂ€nden. Bei den historisch als Germanen beschriebenen Gruppen findet sich die Swastika als Stilelement bis in die Völkerwanderungszeit (VWZ) in der materiellen Alltagskultur wieder.[14] Daraus folgern Forscher, dass das Symbol nicht nur im religiösen Kontext verwendet wurde, sondern auch eine ornamentale Zierfunktion und möglicherweise apotropĂ€ische Schutzfunktion hatte. Dem Sprachwissenschaftler Wolfgang Meid zufolge gibt es keinen linguistischen Hinweis auf eine religiös-kultische Verwendung.
Auf skandinavischen Felsbildern erscheint die Swastika nicht mit rechtwinkeligen Haken, sondern mit gebogenen Armen. In der bronzezeitlichen Form hat sie vier spiralförmige Arme; es ist unklar, ob es sich dabei um ein reines Schmuckmotiv oder um eine kĂŒnstlerische Bearbeitung des Swastikamotivs handelt.[15] Gebogene und spiralförmige Motive fand man durchgehend von der SpĂ€tbronzezeit bis in die spĂ€te römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit, so etwa auf Fibeln und anderen GegenstĂ€nden sowie auf wikingerzeitlichen Runensteinen, beispielsweise dem Stein von Snoldelev in DĂ€nemark.[16]
In der spÀten römischen Kaiserzeit (3./4. Jahrhundert) tritt die Swastika auf Schalenurnen in elbgermanischen GrÀberfeldern auf.[17]
Im Christentum wurden römische und germanische Kreuzsymbole auf die Kreuzigung Jesu Christi oder seine Hoheit als âLicht der Weltâ bezogen. Swastiken erscheinen nun etwa als Kreuzsymbol auf frĂŒhchristlichen Fresken und Steinplatten oder als âSchutzmittel gegen den Teufelâ, verbunden mit der MĂ€anderlinie, in der romanischen Ornamentik, sowie auf einigen gotischen Bauwerken in Europa. Auch das um 1000 im Berliner Raum nachgewiesene Spandauer Kreuz ist eine Umdeutung des heidnischen Sonnenrades zum Symbol des gekreuzigten Christus.
Auf Island wurde im 16. Jahrhundert ein magisches Zeichen namens ĂŸĂłrshamarr verwendet, das der Swastika Ă€hnelt. Daraus wurde irrtĂŒmlich gefolgert, diese habe einen Bezug zu dem Gott Thor und symbolisiere oder attribuiere diesen neben dem Mjölnir (Thorshammer).[18] Auch wurde sie in diesem Kontext irrtĂŒmlich als angelsĂ€chsisch âfylfotâ (VierfuĂ) oder doppelte Wolfsangel gedeutet. Sie ist jedoch eine Abform diverser Sonnensymbole.[19]
Seit etwa 1890 verwendeten verschiedene Firmen, MilitĂ€rverbĂ€nde und Orden in Europa und den USA das Hakenkreuz als Emblem. Dies stand zum Teil im Zusammenhang mit nationalen und antimonarchistischen UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen, seit 1918 auch mit dem Aufschwung faschistischer Strömungen in der Zwischenkriegszeit.[1] In den USA fĂŒhrte die Bahngesellschaft St. Louis, Rocky Mountain and Pacific Railroad Company als Firmensymbol bis in die spĂ€ten 1920er Jahre ein nach rechts gerichtetes, um 45 Grad verdrehtes Hakenkreuz.
Die durch die Februarrevolution 1917 in Russland zur Macht gelangte provisorische Regierung unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski druckte ein Hakenkreuz als UnabhĂ€ngigkeitszeichen auf ihre Banknoten.[20] In der Republik Polen benutzten die LuftgestĂŒtzte Kampfgas-Verteidigungs-Liga und das 1. bis 6. GebirgsjĂ€gerregiment (Podhale-SchĂŒtzen, vgl. Goralen) von 1918 bis 1939 ein Hakenkreuz als Abzeichen. Der BĂ€rentöterorden Lettlands zeigte von 1920 bis 1928 ein Hakenkreuz. In Finnland war ein aufrecht stehendes blaues Hakenkreuz von 1918 bis 1945 Hoheitszeichen der Panzerwaffe und der LuftstreitkrĂ€fte. Der Finnische Orden der WeiĂen Rose lieĂ die Hakenkreuze der Collane 1963 entfernen; der Finnische Orden des Freiheitskreuzes verwendet sie weiterhin. Auch in der heutigen Flagge des finnischen PrĂ€sidenten ist ein Hakenkreuz enthalten.
Die Coca-Cola-Company warb 1925 mit einem SchlĂŒsselanhĂ€nger in Hakenkreuzform. Die dĂ€nische Brauerei Carlsberg, die schwedische Firma ASEA und die norwegische A/S Per Kure â Norsk Motor- og Dynamofabrik hatten Hakenkreuze in ihren Markenzeichen. Das Emblem der IslĂ€ndischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft war ein Hakenkreuz.
Swastika an dem 1901 von Vilhelm Dahlerup geschaffenen Elefantentor der Brauerei Carlsberg
Goralenkreuz des 2. GebirgsjĂ€gerregiments, Polen, 1921â1939
Lettische Luftwaffe, 1919â1940
Vom finnischen MilitÀr vor 1944 und von der islÀndischen Schiffahrtlinie Eimskip als Logo verwendete Form.
Heutige Flagge der finnischen Luftwaffenakademie (Lentosotakoulu) in Kauhava
Mit dem Aufschwung der Völkerkunde wurden um 1850 hinduistische, buddhistische und germanische Swastiken wiederentdeckt. Um 1900 wurden sie in Deutschland noch nicht einheitlich politisch gedeutet. Sie fanden sich in okkulten oder neubuddhistischen Zeitschriften sowie bis 1930 im Verlagssignet der BlĂ€tter fĂŒr die Kunst, das ausgewĂ€hlte BĂŒcher aus dem Umkreis des Dichters Stefan George kennzeichnete.[21]
In der Lebensreform- und Jugendbewegung sowie bei AnhĂ€ngern der Freikörperkultur galt die Swastika als beliebter Teil eines Sonnenkults. Die Theosophie brachte sie schon mit âRassenâ in Verbindung. Al Pa kombinierte sie in seinem âAbriss einer vorgeschichtlichen Völkerkundeâ 1904 so mit dem Davidstern und dem Ă€gyptischen Kreuz, dass sie als deren umfassende Krönung erschien.[22]
Manche AnhĂ€nger Friedrich Ludwig Jahns ordneten die vier Buchstaben F des Mottos âFrisch, fromm, fröhlich, freiâ nicht wie im 1844 erfundenen Turnerkreuz, sondern in Form einer rechtslĂ€ufigen Swastika an.[23] 1888 wurde die swastika-Ă€hnliche Form in Ăsterreich allgemein ĂŒblich, um sich von der bisherigen Symbolik der Deutschen Turnerschaft zu unterscheiden, nachdem diese antisemitische Tendenzen unter Ăsterreichs Turnern kritisiert hatte. Dazu wurde das an die Swastika angelehnte F-Kreuz in einen Kreis eingebettet. Der Deutsche Turner-Bund fĂŒhrte es seit seiner GrĂŒndung 1889 unter seinen Abzeichen und machte es 1907 als erster Verein offiziell zu seinem Emblem.[24]
Alfred Schuler erhob die Swastika zum zentralen Symbol seines Denkens und Gegenzeichen zum christlichen Kreuz. Dieses sah er als kastrierte Swastika, die sich nicht mehr drehe und darum das alte Leben zum Stillstand gebracht habe.[25]
Die um 1880 entstandene Völkische Bewegung bevorzugte bis 1910 den Mjölnir als ihr Abzeichen, verwendete aber auch schon Hakenkreuze. Seit etwa 1900 erstarkte unter den Völkischen der Einfluss der Ariosophie. 1907 hisste Jörg Lanz von Liebenfels auf der von ihm erworbenen Burg Werfenstein in Ăsterreich erstmals eine Fahne mit einem roten Hakenkreuz, das den Aufstieg des arischen Heldentums symbolisieren sollte.[26] Guido von List sah das Hakenkreuz als âgermanische Runeâ und Geheimzeichen âurarischen Weistumsâ, somit als Schriftzeichen fĂŒr die Sonne in einer Ursprache, die die Arier als angebliche Rasse von KulturgrĂŒndern besessen hĂ€tten.[27]
Wilhelm Schwaner gab seit 1897 die Zeitschrift âDer Volkserzieherâ heraus, deren Titelseite 1907 erstmals ein Hakenkreuz trug. Im selben Jahr grĂŒndete er den Bund deutscher Volkserzieher, der ein Hakenkreuz als sein Abzeichen wĂ€hlte. 1912 grĂŒndete er mit dem Maler Ludwig Fahrenkrog die neuheidnische Germanische Glaubens-Gemeinschaft (GGG), deren Symbolik das Hakenkreuz (hier in gold auf blau) ebenfalls betonte. 1913 erschien Schwaners Buch âUnterm Hakenkreuz, Bundesbuch der Volkserzieherâ.[28]
Dem Vorbild der âVolkserzieherâ und der GGG folgten schon vor dem Ersten Weltkrieg viele völkische Organisationen, darunter der antisemitische und ariosophische Germanenorden und die Deutschvölkische Partei (DVP), die seit 1914 erfolglos versuchte, alle völkischen und antisemitischen Strömungen zu sammeln. 1917 machte die DVP ein Hakenkreuz zum Titelemblem ihres Parteiorgans âDeutschvölkische BlĂ€tterâ. Auch der Wandervogel machte ein Hakenkreuz 1917 zu seinem Abzeichen: Dort wurde es als âalte Germanenruneâ, âZeichen des Höherstrebens, der steten Entwicklung, des Werdensâ und Bekenntnis zum âbewussten Deutschwillenâ, der gemÀà dem Wahlspruch âaus dem Dunklen ins Helleâ strebe, erklĂ€rt.[29] Der âRassenhistorikerâ Ludwig Wilser veröffentlichte 1917 das Buch Das Hakenkreuz nach Ursprung, Vorkommen und Bedeutung, das bis 1933 mehrere Neuauflagen erlebte.
Hakenkreuze tauchten ab 1910 öfter in völkischen Romanen auf. So lieĂ Hermann Löns die Kapitelenden seines Bestsellers Der letzte Hansbur (1910) wegen der âvolkstĂŒmlichen Deutungenâ und ârein gefĂŒhlsmĂ€Ăig durch den unmittelbaren graphischen Eindruckâ mit verschiedenen Hakenkreuzen dekorieren.[30] Hermann Burte stilisierte seinen Romanhelden Wiltfeber (1912) als heimatlosen blonden Wanderer mit bewusster Analogie zum Ewigen Juden und lĂ€sst ihn bei der RĂŒckkehr in sein Heimatdorf ein Hakenkreuz in den Sand zeichnen, das einen Alteingesessenen zu der Bemerkung veranlasst: âGlaubst du daran? Ha, wenn das wieder lebendig wĂŒrde!â[31] Ernst Wiechert lieĂ seinen Roman Der Totenwolf (1924) trotz anfĂ€nglichen Protests gegen den Umschlagentwurf seines Verlegers nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch mit einem schwarzweiĂroten Schutzumschlag und dem als Sonnenrad stilisierten Hakenkreuz veröffentlichen.[32]
Im Oktober 1918 trat ein âDeutscher Volksratâ unter der FĂŒhrung des âvölkischenâ Literaten Heinrich Pudor an die Ăffentlichkeit, der mit dem Hakenkreuz als Symbol zu Pogromen gegen Juden aufforderte. In der Novemberrevolution wurde das Hakenkreuz neben Schwarz-WeiĂ-Rot zum Hauptkennzeichen der Revolutionsgegner, darunter einiger Freikorps und der rassistischen Thule-Gesellschaft. Es erschien als Graffito an WĂ€nden und auf StraĂen, als UhranhĂ€nger oder Bierzipfel, Anstecker oder Brosche, auf Zeitungen, Zeitschriften und BroschĂŒren, an Panzerwagen oder LKW. Viele Schulen mussten ein Trageverbot erlassen, um SchlĂ€gereien zu verhindern. Die Marine-Brigade Ehrhardt trug es beim Kapp-Putsch im MĂ€rz 1920 auf ihren Stahlhelmen und bekundete damit ihren Willen, die aus der Novemberrevolution entstandene Weimarer Republik zu beseitigen. FĂŒr viele Mitglieder der Freikorps war das Hakenkreuz Teil ihrer âLandsknechtmodeâ, die ihr kriegerisches Auftreten demonstrierte.[33]
Friedrich Krohn, Mitglied des Germanenordens und der Thule-Gesellschaft, schlug der DAP im Mai 1919 in seinem Memorandum Ist das Hakenkreuz als Symbol der nationalsozialistischen Partei geeignet? einen nach links gewinkelten schwarzen Swastika in einem weiĂen Kreis auf rotem Grund vor. Es sei nach buddhistischer Deutung ein Talisman fĂŒr GlĂŒck und Gesundheit. Diese Ausrichtung entsprach der der Theosophen und des Germanenordens, wĂ€hrend Guido von List und die Thule-Gesellschaft das nach rechts gewinkelte Hakenkreuz bevorzugten; darin sah Krohn ein Symbol des Untergangs und Todes.[34]
Hitler lernte das Hakenkreuz um 1895/1896 als Chorknabe im Wappen der Ăbte von Lambach[35] und seine antisemitische Deutung aus der Zeitschrift Ostara (Herausgeber: Lanz von Liebenfels) und von der Thulegesellschaft kennen.[1] Alfred LĂ€pple zufolge prĂ€gte ihn das Symbol damals noch nicht so, dass er es ĂŒbernehmen wollte.[36] Doch 1919 empfand Hitler es als groĂen Nachteil gegenĂŒber den Kommunisten, âdaĂ den Parteigenossen jedes Ă€uĂere Kennzeichen ihrer Zusammengehörigkeit fehlte [...], das den Charakter eines Symbols der Bewegung besaĂ und als solches der Internationale entgegengesetzt werden konnteâ. Ihn interessierte also weniger die Symboldeutung als die Nutzbarkeit fĂŒr NS-Propaganda: Er suchte ein âSymbol von groĂer plakatmĂ€Ăiger Wirkungâ, das auch die völkische Bewegung, die Deutschnationalen und Teile der Christen ansprechen und einbinden sollte. Als massenwirksames Zeichen erschien ihm das Hakenkreuz nun besonders geeignet. Im Kontext der Flagge stand es fĂŒr ihn vor allem fĂŒr den Antisemitismus. DemgemÀà erklĂ€rte er den Sinn der Parteifahne in Mein Kampf 1925 so:[1]
âIm Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im WeiĂ den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes fĂŒr den Sieg des arischen Menschen und [âŠ] der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.â
Aus dem Wiedererkennungswert und der raschen Reproduzierbarkeit des Hakenkreuzes erklĂ€ren manche Historiker auch die Erfolge der NSDAP im âsymbolpublizistischen BĂŒrgerkriegâ (Arnold Rabbow) der frĂŒhen 1930er Jahre.
Der Ăsterreicher Ottokar Kernstock (1848â1928) komponierte 1923 das Hakenkreuzlied fĂŒr die FĂŒrstenfelder Ortsgruppe der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei (DNSAP). Er hatte wĂ€hrend des Ersten Weltkrieges patriotische und den Krieg verherrlichende Gedichte verfasst, verwahrte sich aber nach Protesten gegen sein Hakenkreuzlied aus der Christlichsozialen Partei und der katholischen Kirche dagegen, ein âHakenkreuzlerâ zu sein. Das Lied solle vielmehr die âursprĂŒnglichen idealen Werteâ der Partei besingen. Kernstock soll auch gegen die âpropagandistische Einverleibungâ des Hakenkreuzliedes durch die DNSAP protestiert haben, als diese es im Wahlkampf in den sudetendeutschen Gebieten der Tschechoslowakei einsetzte.
1930 Ă€uĂerte Hitler sich zum VerhĂ€ltnis von Kreuz und Hakenkreuz, um seinen Rassismus und Nationalismus als Gott wohlgefĂ€llig darzustellen:
âUnd wenn mir so mancher sagt: Wie können Sie Ihr heidnisches Zeichen diesem Kampf vorantragen, wo doch das Christenkreuz allein berufen ist, diesen Kampf zu fĂŒhren? Dann sage ich: Dieses Zeichen richtet sich etwa nicht gegen das Christenkreuz, im Gegenteil, es ist die politische Auswirkung dessen, was das Christentum tatsĂ€chlich will und wollen muss. Denn endlich kann man doch nicht den Kampf, den z. B. das Zentrum fĂŒhrt oder die Bayerische Volkspartei, als den Kampf des christlichen Kreuzes bezeichnen! [âŠ] Gewiss mĂŒsste unser christliches Kreuz das hehrste Symbol des Kampfes gegen den jĂŒdisch-marxistischen-bolschewistischen Geist sein. [âŠ] Aber dann dĂŒrften nicht Parteien, die mit dem Marxismus, mit dem Atheismus, ja mit dem in der verfeinerten Form sich darstellenden Bolschewismus paktieren, das Christuskreuz als ihr Parteizeichen reklamieren.â
â Institut fĂŒr Zeitgeschichte â Hitler IV, 1, S. 33
Anders als Hitler, der den Germanenkult als altmodisch ansah und wegen mangelnder Kulturleistungen als NS-GrĂŒndungsmythos ablehnte, sahen Alfred Rosenberg, Robert Ley und Heinrich Himmler das Hakenkreuz als archaisches Heilszeichen der germanisch-arischen FrĂŒhgeschichte. Um diese pseudowissenschaftlich als Wurzel des angestrebten âDritten Reichsâ auszugeben, schrieb Rosenberg in seinem Buch Der Mythus des 20. Jahrhunderts (1930):[37]
âWird dieses Zeichen entrollt, so ist es Zeichen fĂŒr alt-neuen Mythus: die einen schauen, denken an Volksehre, an Lebensraum, an nationale Freiheit und soziale Gerechtigkeit, an Rassenreinheit und lebenerneuernde Fruchtbarkeit. Immer mehr wird es umwittert von Erinnerungen an jene Zeit, da es als Heilszeichen den nordischen Wanderern und Kriegern voranzog nach Italien, Griechenland [...] Das Symbol der organischen germanischen Wahrheit ist heute bereits unumstritten das schwarze Hakenkreuz.â
Zur Beruhigung seiner deutschnationalen bĂŒrgerlichen AnhĂ€nger hatte Hitler immer betont, dass die rote Hakenkreuzflagge nicht nur den antisemitischen ânationalen Sozialismusâ symbolisiere, sondern auch die alten Reichsfarben Schwarz-WeiĂ-Rot enthalte. GemÀà der Koalition von NSDAP und DNVP nach der Reichstagswahl 1933 (12. MĂ€rz) wurden Schwarz-WeiĂ-Rot und Hakenkreuzflagge nebeneinander zu Nationalflaggen erklĂ€rt: die Hakenkreuzflagge als allgemeine Staatsflagge und Schwarz-WeiĂ-Rot als Reichskriegsflagge. Seit dem Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 galt die Hakenkreuzflagge als einzige National- und Handelsflagge. Dabei sollte das Ineinander, nicht mehr das Nebeneinander der drei Farben die Verwandlung und Vollendung des alten Reiches zu einer neuen Ganzheit symbolisieren.
Im Zweiten Weltkrieg Ă€uĂerte Hitler in seinen âTischgesprĂ€chenâ, er habe die alten Reichsfarben abgeschafft, da diese nur fĂŒr das âBismarck-Reichâ gestanden hĂ€tten; ihm sei es darum gegangen, ein neues Symbol fĂŒr das neue âGermanische Reich deutscher Nationâ zu schaffen.
Neben den Nationalsozialisten verwendeten auch Teile der Deutschen Christen Hakenkreuze in ihren Symbolen. Nachdem sie 1933 die FĂŒhrung einiger evangelischer Landeskirchen erreicht hatten, brachten einige von ihnen dominierte Kirchengemeinden Hakenkreuze auf ihren KirchtĂŒrmen an, darunter mindestens neun allein in ThĂŒringen.[38] Auch die 1933 entstandene âDeutsche Glaubensbewegungâ, die als Gegensatz und Alternative zum Christentum völkische Kultformen herausbilden wollte, hatte als Symbol ein abgerundetes Hakenkreuz, Ă€hnlich dem der Thule-Gesellschaft.[39]
Am 10. Oktober 1945 verbot der Alliierte Kontrollrat die NSDAP, alle ihre Gliederungen und angeschlossenen VerbĂ€nde und deren Symbole. In den NĂŒrnberger Prozessen 1946 wurde die NSDAP mit allen Untergliederungen zur âverbrecherischen Organisationâ erklĂ€rt.
Die Bundesrepublik Deutschland ĂŒbernahm sĂ€mtliche Gesetze der Alliierten zur âBefreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und Militarismusâ mit Artikel 139 in ihr Grundgesetz. Daraufhin wurden Einzelgesetze zur Bestrafung von Friedensverrat, Hochverrat und GefĂ€hrdung des demokratischen Rechtsstaates (§ 80 bis § 92b) in das Strafgesetzbuch (StGB) aufgenommen. In diesem Rahmen bedroht § 86a das öffentliche âVerwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationenâ zum Zweck ihrer Verbreitung mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe. Absatz 3 nimmt solche Propagandamittel oder Handlungen von der Strafbarkeit aus, die âder staatsbĂŒrgerlichen AufklĂ€rung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung ĂŒber VorgĂ€nge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder Ă€hnlichen Zweckenâ dienen.
In Ăsterreich regelt das Verbotsgesetz 1947 den Umgang mit nationalsozialistischen Organisationen, Gedankengut und deren Symbolik und bestraft den Missbrauch.
Die EuropĂ€ische Union hat 2007 deutschen VorstöĂen, Hakenkreuzdarstellungen europaweit unter Strafe zu stellen, eine Absage erteilt. Vor allem GroĂbritannien und DĂ€nemark mit ihrer traditionell weiten Auffassung von Meinungsfreiheit und Litauen, das auch Symbole des Stalinismus verbieten wollte, verhinderten einen Konsens. Leugnungen von Völkermorden können dagegen einheitlich mit bis zu einem Jahr GefĂ€ngnis bestraft werden.[40]
Hauptartikel: Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen#Durchgestrichenes Hakenkreuz
Im Rechtsextremismus ist das Hakenkreuz nach 1945 ein verbindendes IdentitÀts- und Erkennungsmerkmal geblieben. Daraufhin haben antifaschistische Gruppen ihrerseits Symbole der Ablehnung entworfen, die ein durchgestrichenes Hakenkreuz zeigen.
Einige bundesdeutsche Gerichte, etwa das Amtsgericht Mannheim, Amtsgericht TĂŒbingen 2005 und Landgericht Stuttgart 2006, verurteilten das Tragen solcher ablehnenden Symbole oder das Versenden von Waren, auf denen sie aufgedruckt waren, als VerstöĂe gegen § 86a StGB.
Ăbergeordnete Instanzen hoben diese Urteile jedoch allesamt auf. Der Bundesgerichtshof bestĂ€tigte 2007 ein BGH-Urteil von 1973, wonach Abbildungen, die objektiv den Nationalsozialismus nicht befĂŒrworten, nicht strafbar sind, mit einem Freispruch, in dem es hieĂ:[41]
âDer Gebrauch des Kennzeichens einer verfassungswidrigen Organisation in einer Darstellung, deren Inhalt in offenkundiger und eindeutiger Weise die Gegnerschaft zu der Organisation und die BekĂ€mpfung ihrer Ideologie zum Ausdruck bringt, lĂ€uft dem Schutzzweck der Vorschrift ersichtlich nicht zuwider und wird daher vom Tatbestand des § 86a StGB nicht erfasst.â
Eine 1938 angelegte LÀrchenanpflanzung in einem Kiefernwald bei Zernikow in Hakenkreuzform wurde nach 1945 vergessen und blieb in der DDR erhalten. Die Form war nur aus der Luft und im Herbst an den verschiedenen Laubtönungen erkennbar und wurde nach Hinweisen von Piloten und internationalen Presseberichten 1995 und 2000 durch FÀllung einiger Baumreihen unkenntlich gemacht.[42] Im Tagebaugebiet Garzweiler kam bei der Freilegung einer Giebelwand eines Hauses von 1933 ein Hakenkreuz zum Vorschein. Es verschwand bald darauf mit dem Abriss der gesamten Ortschaft Spenrath.
In den USA stieĂ der jĂŒdische BĂŒrgerrechtler Avrahaum Segol 2007 und 2008 auf ein MilitĂ€rgebĂ€ude in San Diego und ein Altersheim in Alabama, deren Grundrisse aus der Vogelperspektive als Hakenkreuze erkennbar sind. Er vermutete darin eine versteckte Hommage an deutsche Wissenschaftler, die in der NS-Zeit deutsche Waffen entwickelt und danach am amerikanischen Raketenprogramm mitgewirkt hatten. Die TrĂ€gerinstitutionen widersprachen dieser Deutung und betonten, die Form sei keine vorsĂ€tzliche NS-Propaganda gewesen. Sie versprachen aber dennoch, die GebĂ€ude umbauen zu lassen.[43]
Im Codierungssystem Unicode hat das Swastikasymbol die Codenummern U+534D (dezimal 21325, ć) und U+5350 (dezimal 21328, ć) und zĂ€hlt zu den vereinheitlichten CJK-Schriftzeichen.
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