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Ein Synthetic Aperture Radar (AbkĂŒrzung: SAR; deutsch etwa: âRadar mit synthetischer Aperturâ) gehört zur Klasse der abbildenden Radare und wird als Sensor zur Fernerkundung genutzt. Es wird wie ein Side-Looking-Airborne-Radar aus Flugzeugen oder Satelliten eingesetzt und liefert wie diese eine 2-dimensionale Darstellung eines GelĂ€ndeausschnitts durch Abtastung der ErdoberflĂ€che mit elektromagnetischen Wellen, allerdings mit einem sehr viel höheren Auflösungsvermögen. Alle RadargerĂ€te, die nicht das Verfahren fĂŒr SAR anwenden, werden als Real Aperture Radar (AbkĂŒrzung: RAR; deutsch: âRadar mit echter Aperturâ) bezeichnet.
Die von einem SAR erzeugten Abbildungen sind aufgrund ihrer Ăhnlichkeit mit fotografischen Aufnahmen verhĂ€ltnismĂ€Ăig leicht interpretierbar und werden fĂŒr Erderkundungs-, Kartierungs- und AufklĂ€rungszwecke verwendet. Ein SAR ist im Gegensatz zu optischen Sensoren bei nahezu allen Witterungsbedingungen einsatzfĂ€hig, da TrĂŒbungen der AtmosphĂ€re durch Nebel, Regen oder Schnee die Mikrowellenstrahlung im Vergleich zu Lichtstrahlen weitaus weniger schwĂ€chen. DarĂŒber hinaus kann ein SAR, wie jeder aktive Radarsensor, auch bei Nacht eingesetzt werden. Man spricht in dieser Beziehung auch von einem aktiven Fernerkundungssystem, das die beobachteten Objekte selbst beleuchtet.
WÀhrend sich die geometrische Auflösung eines RAR wegen des divergierenden Antennenstrahls mit zunehmendem Objektabstand verschlechtert, kann mit einem SAR eine unter bestimmten Bedingungen von der SchrÀgentfernung und der WellenlÀnge unabhÀngige Ortsauflösung bis herab in den Meter- und Dezimeterbereich erzielt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Wenn von einem Radar mit synthetischer Apertur gesprochen wird, so wird meist das sogenannte focused SAR gemeint: eine zusÀtzliche Fokussierung der einzelnen Signale wird dadurch erreicht, dass Phasenunterschiede, die durch Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnene Antennenpositionen entstehen, durch den Signalprozessor ausgeglichen werden. Werden keine Phasenkorrekturen an den Echosignalen vorgenommen, spricht man von unfocused SAR.
Das SAR-Prinzip erfordert eine senkrecht zur Strahlrichtung bewegte Antenne, deren Position jederzeit exakt bekannt ist. Die Bewegungsrichtung wird ĂŒblicherweise als Along Track oder Azimuth (dt.: âFlugrichtung oder Azimutâ) und die Querkoordinate dazu als Cross Track oder Range (dt.: âQuerrichtung oder Entfernungâ) bezeichnet. In der Literatur wird Along Track auch als Cross Range bezeichnet. Footprint nennt man den Bereich, den die reale Antenne momentan erfasst, Swath (dt. Schwad) den GelĂ€ndestreifen, den der Footprint durch die Fortbewegung der realen Antenne ĂŒberstreicht. Die Geometrie entspricht der eines einfachen Side-Looking-Airborne-Radar.
Das Prinzip der synthetischen Apertur (hier noch unfokussiert) besteht darin, die Momentaufnahme einer groĂen Antenne durch viele Aufnahmen einer kleinen, bewegten Antenne zu ersetzen. Im Verlauf dieser Bewegung wird jedes Objekt im Zielgebiet unter verĂ€nderlichem Blickwinkel angestrahlt und entsprechend aufgenommen. Sofern der Weg der realen Antenne hinreichend genau bekannt und die Szenerie unbeweglich ist, kann aus IntensitĂ€t und Phasenlage der empfangenen Radarechos die Apertur einer groĂen Antenne synthetisiert und so eine hohe Ortsauflösung in Bewegungsrichtung der Antenne erzielt werden. Praktisch kann man sich das als eine sehr groĂe Phased-Array-Antenne vorstellen, deren Einzelstrahler nicht parallel verschaltet sind, sondern deren Positionen durch eine kleine Antenne zeitlich nacheinander aufgenommen werden. Durch den Radarsignalprozessor werden die einzelnen Amplituden und Phasenlagen so miteinander verbunden, als ob eine Phased-Array-Antenne mit einer sehr groĂen Apertur verwendet worden wĂ€re. Das azimutale Auflösungsvermögen ist hier noch entfernungsabhĂ€ngig und betrĂ€gt œ(λâR)œ [1] mit R als die Entfernung und λ als die verwendete WellenlĂ€nge.
Modernere Rechentechnik ermöglicht, dass fĂŒr jedes einzelne abgebildete Pixel die Phase des von diesen Ort empfangenen Signals geĂ€ndert werden kann. Das SAR kann so fĂŒr jede einzelne Entfernung die Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnen Antennenpositionen korrigieren. Orte, die sich nĂ€her am Radar befinden, haben aufgrund der trigonometrischen VerhĂ€ltnisse gröĂere Laufzeitunterschiede, als Orte, die sich weiter weg befinden. Dieser Laufzeitunterschied wird als Phasenunterschied gemessen. Aus den aufgezeichneten Echodaten wird fĂŒr jeden angestrahlten Ort eine eigene synthetische Antenne berechnet, deren Winkelauflösung im Azimut so gewĂ€hlt wird, dass fĂŒr alle betrachteten Entfernungen die geometrische Along-Track-Auflösung gleich ist.
Dabei ist das folgende PhĂ€nomen zu beobachten: FĂŒr die gleiche Winkelauflösung benötigt eine synthetische Apertur nur die halbe LĂ€nge einer realen Apertur.
Eine anschauliche ErklĂ€rung dafĂŒr ist: Bei einer realen Apertur beziehen sich EntfernungsĂ€nderungen und somit messbare Phasenverschiebungen der Radarechos eines aus Sicht der Antenne parallel vorbei wandernden Objekts immer auf den Ort der Antennenmitte. Bei einer synthetischen Apertur wirken sich zusĂ€tzlich die Entfernungs- und PhasenĂ€nderungen infolge der nacheinander unterschiedlichen Position der realen Antenne lĂ€ngs der synthetischen Apertur aus.
Damit eine synthetische Apertur realisiert werden kann, ist es zwingend notwendig, dass das Radarsystem voll kohĂ€rent arbeitet. Das heiĂt, die Phasenbeziehung zwischen Sende- und Empfangssignal und von Sendepuls zu Sendepuls muss exakt bekannt sein. Dazu bedient man sich ĂŒblicherweise einer hochkonstanten Frequenzquelle, von der alle benötigten Misch- und Abtastfrequenzen sowie alle zeitlich periodischen VorgĂ€nge abgeleitet werden.
Die mit einem SAR erzielbare bestmögliche Auflösung ist gleich der halben LÀnge der realen Antenne in Azimut- bzw. Flugrichtung, d.h. bei einer Verkleinerung der azimutalen AntennenlÀnge LAz (in der Abbildung oben mit L bezeichnet) der realen Antenne verbessert sich die AuflösefÀhigkeit Ύ Az gemÀà :
Zur Herleitung sind im Diagramm oben drei Flugpositionen 1, 2 und 3 der in Azimutrichtung bewegten Antenne eingezeichnet. Wie beim RAR betrÀgt die azimutale Winkelauflösung <math>\varphi_{Az}</math> bei der WellenlÀnge λ:
Position 2 markiere den Ort des minimalen Abstandes von einem Objekt im Punkt P zur Flugbahn. Ist S0 die zugehörige SchrÀgentfernung, dann hat die Achse dAz der bestrahlten FlÀche die LÀnge:
Der Punkt P wird nicht nur von der mittleren Flugposition 2, sondern auch von jeder Position zwischen 1 und 3 bestrahlt. Der Abstand M der Positionen 1â3 entspricht somit genau dem Durchmesser dAz des Antennenleuchtflecks in der fraglichen Entfernung S0. Das SAR nutzt sĂ€mtliche empfangenen Informationen vom Objekt im Punkt P, die von allen Aufnahmen im Bereich M=dAz stammen. Rechentechnisch wird nach Aufnahme und Speicherung aller Werte eine Antenne mit der azimutalen LĂ€nge dAz simuliert, die gemÀà der oben erwĂ€hnten Eigenschaft der synthetischen Apertur mit einer gemÀà Gl. (3) halbierten Auflösung:
dAz ist aber aus Gl. (3) bekannt. Ersetzen von dAz in Gl. (4) fĂŒhrt zu Gl. (1):
Damit ist die Auflösung der synthetischen Apertur unabhÀngig von WellenlÀnge und Objektentfernung.
Eine andere Beschreibung des SAR-Prinzips liefert die Betrachtung der Doppler-Verschiebung der von einem Objekt reflektierten Echosignale: Beim Eintritt in den Strahlenkegel der Antenne werden die von einem Objekt zurĂŒckgeworfenen Echos aufgrund der abnehmenden Entfernung in Richtung höherer Frequenzen verschoben. Nach Passieren des Minimalabstandes (miss distance, genau in Querabposition) vergröĂert sich der Abstand wieder und die empfangenen Signale werden zu niedrigeren Frequenzen hin verschoben.
Im EmpfĂ€nger wird die Mittenfrequenz des Echosignals durch Mischung mit der Mittenfrequenz des Sendesignals auf Null gebracht (Superhet- oder Ăberlagerungsprinzip). Die verbleibenden Abweichungen von Null bezeichnet man als Dopplerfrequenz oder kurz Doppler. Den Dopplerverlauf der Echos eines Objektes von zunĂ€chst positiven Werten durch Null zu negativen Werten nennt man Dopplerhistorie.
Jedes Objekt mit derselben Entfernung zur Flugbahn hat auch dieselbe Dopplerhistorie, allerdings zeitlich verschoben, so wie es der Anordnung lÀngs des Flugwegs und der Fluggeschwindigkeit entspricht.
Objekte in anderen Entfernungen haben dagegen entweder, wenn sie nĂ€her liegen, eine zeitlich kĂŒrzere oder, wenn sie entfernter liegen, eine lĂ€ngere Dopplerhistorie bei gleichem Frequenzumfang, der als Dopplerbandbreite bezeichnet wird.
Bei nicht zu groĂem Abstrahlwinkel der realen Antenne kann die Dopplerhistorie als linearer Verlauf der Frequenz ĂŒber der Zeit angesehen werden, d. h., das auf Null abgemischte Echosignal eines Objektes mit Mittenfrequenz Null stellt ein linear frequenzmoduliertes Signal dar.
Diese als (Down-)Chirp bezeichnete Signalform liegt infolge des gepulsten und kohĂ€renten Sendesignals als Folge von komplexwertigen Einzelwerten vor. Multipliziert man diese Einzelwerte mit korrespondierenden Werten eines gleichartigen Chirps, jedoch mit ansteigender Frequenz (Up-Chirp), so heben sich die den FrequenzĂ€nderungen zugrunde liegenden Phasendrehungen auf. Die Addition der resultierenden Einzelwerte liefert nun das Ergebnis der synthetischen Apertur fĂŒr das speziell betrachtete Objekt.
Diesen Vorgang nennt man Korrelation. Die fĂŒr jede Entfernung passend zu erzeugende Korrelationsfunktion wird Replika genannt. Sie entspricht im Idealfall den konjugiert komplexen Echowerten eines punktförmigen Zieles.
WÀhrend eine angepasste Korrelationsfunktion eine konstruktive Addition aller EinzelbeitrÀge bewirkt, hat eine nicht angepasste Funktion lediglich ein zufÀlliges Additionsergebnis zur Folge. Auf diese Weise wird das Echo des betrachteten Objekts, welches gleichzeitig mit den Echos anderer, ebenfalls angestrahlter Objekte am RadarempfÀnger eintrifft, aus dem Signalgemisch ausgefiltert.
Die Radarantenne bewege sich gleichförmig und unbeschleunigt mit der Geschwindigkeit v0. Wenn <math>\varphi</math> der sich stÀndig Àndernde azimutale Winkel ist, den die Richtung zum Objekt bei P mit der Antennenachse bildet, ist die dem Winkel zugeordnete Dopplerverschiebung des Echosignals dieses Objekts gegeben durch:
Die NĂ€herung ist fĂŒr nicht zu groĂe Winkelöffnungen der realen Antenne gĂŒltig. Die gesamte Dopplerbandbreite BD des Echosignals ergibt sich, wenn man die maximal genutzten Azimutwinkel einsetzt und die Werte voneinander subtrahiert:
\approx \frac{v_0}{L_{Az}} - \frac{-v_0}{L_{Az}} = \frac{2 v_0}{L_{Az}} </math> Die Frequenz eines Signals der Dauer T kann bestenfalls mit einer Frequenzauflösung ÎŽf = 1/T bestimmt werden. Auf das SAR-Signal angewendet heiĂt dies, dass die bestmögliche Frequenzauflösung durch die verfĂŒgbare Beobachtungszeit bestimmt wird. Diese ist aber gleich der Zeit, die das Radar zum Durchqueren der Strecke M = dAz benötigt:
Sie wird als Aperturzeit bezeichnet. Folglich ist die Frequenzauflösung durch:
begrenzt. GemÀà Gl. (6) entspricht diese Dopplerfrequenzauflösung einer rÀumlichen Winkelauflösung von:
Dies entspricht einem rÀumlichen Abstand in Azimut von:
Folglich ist dies die bestmögliche Auflösung eines SAR in Azimut.
Zur Bildung der synthetischen Apertur kann man sich eine Filterbank vorstellen, bei der:
Filter aneinandergereiht die gesamte Dopplerbandbreite abdecken. Die Echos eines Objekts erscheinen, entsprechend ihrer momentanen Dopplerverschiebung, nacheinander am Ausgang eines jeden Filters. Erfasst man diese Signale und addiert sie zeit- und phasenrichtig, so wird das Ergebnis eine K-fach höhere Amplitude aufweisen, verglichen mit einem Signal am Ausgang eines Filters. Die Energie dieses Nutzsignals steigt also auf den KÂČ-fachen Wert, die Energie unerwĂŒnschter Signalbestandteile, wie Rauschen oder Echos von Nachbarobjekten dagegen, wegen der zufĂ€lligen Natur der Additionen, nur auf das K-fache. Damit verbessert sich der Störabstand (SNR = Signal-to-Noise-Ratio) â das ist das VerhĂ€ltnis von Nutzenergie zu Störenergie â ebenfalls um das K-fache.
Der Wert K = TSAR BD wird als Zeit-Bandbreitenprodukt bezeichnet. Wie man leicht nachrechnen kann, ist die Auflösung gleich der synthetischen AperturlÀnge, dividiert durch das Zeit-Bandbreitenprodukt sowie gleich der Fluggeschwindigkeit dividiert durch die Dopplerbandbreite:
Um in 10 km Entfernung eine Azimut-Auflösung von 1 m zu erzielen, ist bei einer Verwendung einer realen Antenne eine AperturlĂ€nge von 10 km / 1 m = 10.000 WellenlĂ€ngen erforderlich. Bei 10 GHz Sendefrequenz, entsprechend 3 cm WellenlĂ€nge, sind das rund 300 m, also eine praktisch nicht realisierbare GröĂe. Wie oben erwĂ€hnt, braucht eine entsprechende synthetische Apertur nur halb so lang zu sein. Die gleiche Auflösung wird also mit Echodaten bewerkstelligt, die lĂ€ngs einer Strecke von 5.000 WellenlĂ€ngen bzw. 150 m aufgezeichnet wurden. Die reale Antenne muss aber sicherstellen, dass das betreffende Objekt wĂ€hrend des ganzen Weges angestrahlt werden kann. Dazu ist eine reale AperturlĂ€nge in Azimut von 10 km / 5.000 = 2 m erforderlich.
Das Zeit-Bandbreitenprodukt betrÀgt nach Gl. (12) dann 2 à 3 cm à 10 km / (2 m à 2 m) = 150, so wie es gemÀà Gl. (13) auch sein muss. Bei einer Fluggeschwindigkeit von 100 m/s ist die Dopplerbandbreite 100 Hz, die Aperturzeit 1,5 s und die bestmögliche Frequenzauflösung 0,67 Hz.
Die Bildkoordinate senkrecht zur Flugrichtung (Range) wird ebenso wie beim RAR (auch: Side-Looking-Airborne-Radar,SLAR) durch Entfernungsmessung erzeugt. Diese erfolgt durch Auswertung der unterschiedlichen Signallaufzeiten der Echos verschieden weit entfernter Objekte. Eine solche Messung kann nur in radialer Richtung (= Ausbreitungsrichtung des Sendesignals) erfolgen. Damit eine BodenflÀche in Querrichtung durch eine Entfernungsmessung abgebildet werden kann, muss die Antennenblickrichtung eine seitliche Komponente aufweisen. Somit ist der (auf den Boden projizierte) Flugweg eines SAR immer in einem gewissen Abstand parallel zur nahen Kante des Schwades.
Die Auflösung in radialer Richtung (Slant Range) wird grundsÀtzlich durch die Signalbandbreite des verwendeten Sendesignals bestimmt. Bei steilen Einfallswinkeln verschlechtert sich die erzielbare Range-Auflösung in der Ebene (Ground-Range Resolution) entsprechend der Projektion der radialen Auflösungsstrecke auf den ebenen Boden. Bei 45° Einfallswinkel ist sie daher um den Faktor 1,4 schlechter als in radialer Richtung. Bei senkrechtem Einfall ist eine Entfernungsauflösung in der Ebene nicht mehr definiert.
Damit sich eine bildhafte Darstellung des abgeflogenen GelĂ€ndes ergibt, ist es sinnvoll, die Ground-Range-Auflösung vergleichbar zur Azimut-Auflösung zu wĂ€hlen. MaĂgebend fĂŒr die Slant-Range-Auflösung ist zunĂ€chst die Bandbreite <math>B_\mathrm{R}</math> des gesendeten Radarsignals:
c ist die Lichtgeschwindigkeit. FĂŒr 1 m Auflösung sind also 150 MHz Signalbandbreite erforderlich.
GegenĂŒber der Slant-Range-Auflösung ist die Ground-Range-Auflösung infolge der Projektion umso stĂ€rker herabgesetzt, je steiler der Streifwinkel Δ des einfallenden Strahls gegenĂŒber dem Boden ist:
Daher wird die Entfernungsauflösung hÀufig entsprechend feiner als die Azimut-Auflösung gewÀhlt (bei 45° also etwa 70% vom Azimutwert).
In den ersten Dekaden der Radarentwicklung verwendete man unmodulierte Pulse, d. h. Signale, die zum Beispiel aus einem kontinuierlichen Signal (CW von engl. Continuous Wave) durch kurzes Hochtasten der Senderöhre 'ausgeschnitten' wurden. Ein solches Signal hat eine Bandbreite, die seiner Dauer umgekehrt proportional ist:
Steigende Auflösungsanforderungen fĂŒhrten demnach zu immer kĂŒrzeren Pulsen; den dadurch reduzierten Energieinhalt versuchte man durch immer höhere Sendeleistungen zu kompensieren. Je nach Frequenzbereich konnten 10 MW oder höhere Pulsleistungen realisiert werden. Einer Erhöhung der Pulswiederholfrequenz (PRF, Pulse Repetition Frequency) zur Verbesserung der Energiebilanz stehen hĂ€ufig andere Gesichtspunkte, wie u.a. die Entfernungseindeutigkeit, entgegen.
Weil sich die Pulsleistung aus technischen GrĂŒnden (Spannungsfestigkeit der Bauteile) nicht beliebig steigern lĂ€sst, ging man in den 60er Jahren zunehmend zu den Pulskompressionsverfahren ĂŒber. Hierzu wird ein vergleichsweise langer Puls wĂ€hrend der Aussendung in seiner Frequenz geĂ€ndert. Am hĂ€ufigsten wird eine lineare Frequenzmodulation (LFM) angewendet, bei der sich die Sendefrequenz linear von einer unteren Grenze bis zu einer oberen Grenze (Up-Chirp) oder umgekehrt (Down-Chirp) Ă€ndert. Der Begriff Chirp kommt daher, weil sich ein akustisches LFM-Signal wie Zwitschern anhört. FledermĂ€use verwenden ĂŒbrigens diese Signalform im Ultraschallbereich.
EmpfÀngerseitig wird dieses Signal durch geeignete Verfahren in einen der Bandbreite entsprechenden kurzen Puls verwandelt.
Zu Beginn verwendete man analoge SAW-Komponenten (SAW = surface acoustic wave, dt. akustische OberflĂ€chenwelle) zur Pulsexpansion und âkompression. Ein kurzer Puls regt eine akustische OberflĂ€chenwelle an, die ĂŒber ein Substrat mit dispersiven Eigenschaften lĂ€uft. Am anderen Ende des Substrates kommen die verschiedenen Frequenzanteile zu unterschiedlichen Zeiten an und bilden so den erwĂŒnschten LFM-Puls. Zur Kompression wird ein gleichartiges SAW-Bauteil mit komplementĂ€rer Charakteristik verwendet und der gestreckte Puls so wieder zeitlich unter Beibehaltung seiner Bandbreite auf seine ursprĂŒngliche LĂ€nge komprimiert.
Seit etwa Mitte der 1980er Jahre die Digitaltechnik in Frequenzbereiche jenseits von 100 MHz vorgestoĂen ist, werden praktisch nur noch digitale Signalprozessoren verwendet. Diese verwenden schnelle Digital-Analogwandler, die aus vorher berechneten Daten das Signal â ggf. in mehreren zusammenzusetzenden Frequenzabschnitten â synthetisch erzeugen. Beim Empfang wird das Echo unkomprimiert digitalisiert und die Pulskompression durch ein Korrelationsverfahren im Rechner vorgenommen. Der Vorteil der digitalen Technik liegt darin, dass die Replika fĂŒr die Kompression unmittelbar aus dem Sendesignal durch Einschleifen in den EmpfĂ€nger gewonnen werden kann. Die im Sendesignal enthaltenen Abweichungen von der idealen Form, zum Beispiel durch Verzerrungen im Hochfrequenz-SendeverstĂ€rker (HPA von engl. High Power Amplifier), werden somit unmittelbar erfasst. Durch Bildung der konjugiert komplexen Funktion aus den abgetasteten Daten wird die Replika erzeugt. Eine Kompression mit dieser Referenzfunktion entspricht einer Filterung mit einem angepassten Filter (engl. Matched Filter), welches, bei weiĂem Hintergrundrauschen, das Ausgangssignal mit dem höchstmöglichen Signal/Rausch-Abstand (engl. Signal/Noise-, kurz S/N-Ratio) liefert.
Die Eigenschaften der Pulskompression entsprechen denjenigen des SAR-Signals im Dopplerbereich. So gibt auch hier das Zeit-Bandbreitenprodukt (hĂ€ufig gröĂer als 1000) den VerkĂŒrzungsfaktor fĂŒr das Chirp-Signal ebenso wie den Gewinn an Störabstand.
AbschlieĂend sei noch bemerkt, dass die fĂŒr eine bestimmte Auflösung erforderliche Bandbreite auf mehrere Pulse verteilt werden kann (Frequency-Step-Verfahren). Dadurch sinken kostspielige Bandbreitenanforderungen an die Radarkomponenten. Gleichzeitig steigt jedoch die KomplexitĂ€t der radarinternen Steuerung und des SAR-Prozessors.
Von den vielen bekannten Antennentypen sind nur drei bei SAR-Anwendungen gebrÀuchlich:
Zu Beginn der SAR-Technologie in den 1950 bis 1960er Jahren gab es nur die analoge Signalverarbeitung. Zur Pulskompression benutzte man SAW-Techniken und zur SAR-Fokussierung optische Prozessoren in Form konisch und zylindrisch geschliffener Linsen. Der Nachteil: die Linsen waren nur fĂŒr eine genau definierte Geometrie bzgl. Höhe und Seitenabstand verwendbar. Mit diesen Verfahren gelang es zwar, Auflösungen im m-Bereich zu realisieren, jedoch fĂŒhrte die fehlende Bewegungskompensation nur in AusnahmefĂ€llen zu optimalen Resultaten.
Erst mit der EinfĂŒhrung schnellerer Rechner und Analog-/Digitalwandler zu Anfang der 1980er Jahre erlebte das SAR-Prinzip den erhofften Durchbruch. Bedingt durch die anfangs kĂ€rgliche Rechenleistung suchte man nach rechenzeitsparenden Algorithmen zur SAR-Prozessierung. Das zunĂ€chst zur Anwendung gekommene Prinzip war der Range-Doppler-Prozessor, bei dem die Fokussierung in den beiden Koordinaten hauptsĂ€chlich durch die schnelle Fourier-Transformation (FFT von engl. Fast Fourier Transformation) erledigt wurden. Diese Prozessoren arbeiteten noch off-line mit Datenaufzeichnung und lieferten die Ergebnisse erst nach der jeweiligen Befliegung. Inzwischen sind weitere Algorithmen (Chirp Scaling, Frequency Scaling u. v. a.) verfĂŒgbar. Diese nun erlauben eine echtzeitfĂ€hige SAR-Prozessierung auch fĂŒr sehr spezielle SAR-Modi (s. u.).
Eine SAR-Fokussierung hat nur dann ein gutes Ergebnis zur Folge, wenn der Ort der Antenne weniger als etwa λ/16 von der idealen Flugbahn abweicht. Bei 10 GHz Sendefrequenz sind das weniger als 2 mm! Eine der wichtigsten Aufgaben eines SAR-Prozessors fĂŒr Systeme im Lufteinsatz ist daher heute die Bewegungskompensation. Dazu werden einerseits die Lage- und Bewegungsdaten hochempfindlicher, GPS-gestĂŒtzter Kreiselplattformen aufgezeichnet und ausgewertet und zusĂ€tzlich Autofokus-Rechenverfahren angewendet, um die unvermeidlichen Abweichungen von einer idealen Flugbahn zu erkennen und zu beseitigen. Autofokusverfahren erfordern ein mehrfaches Berechnen von SAR-Bildausschnitten, um daraus die Bewegungsfehler zu ermitteln. Daher ist die erforderliche RechenkapazitĂ€t bei Echtzeitanforderungen erheblich höher als bei Systemen ohne Autofokus-FĂ€higkeit.
Die mittels SAR gewonnenen Abbildungen weisen einige Besonderheiten auf, die bei der Auswertung berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen:
Durch seine vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere in der Fernerkundung, hat SAR eine weltweite Bedeutung erlangt, so dass die GrĂŒndung einer eigenen, speziell auf SAR fokussierten Tagung notwendig erschien. Die EUSAR ist schwerpunktmĂ€Ăig dem Radarsensor, seinen Technologien einschlieĂlich bilderzeugender Signalverarbeitung und Bildverarbeitung gewidmet, bietet aber auch ein Forum fĂŒr Anwender von SAR-Daten. EUSAR ist bis heute die einzige auf SAR spezialisierte Tagung weltweit.
Flugzeuggetragene SAR-Systeme werden, aufgrund ihrer AllwetterfĂ€higkeit, vorwiegend fĂŒr militĂ€rische AufklĂ€rung eingesetzt. Die derzeit (2005) technisch erzielbare geometrische Auflösung liegt bei unter 15 cm, was eine HF-Bandbreite von mehr als 1 GHz erforderlich macht. Da AufklĂ€rungsradar mehrere Betriebsmodi besitzt, arbeitet dies System stets mit elektronisch schwenkbaren passiven oder zunehmend auch aktiven Array-Antennen mit LĂ€ngen von 1â4 m in Azimut. Auf Bewegungskompensation und EchtzeitfĂ€higkeit wird groĂer Wert gelegt, d. h., die Systeme erzeugen hoch aufgelöste Abbildungen an Bord und ĂŒbermitteln sie den auswertenden Stellen am Boden. Die dazu erforderliche RechenkapazitĂ€t erfordert, sowohl beim Einbauvolumen, als auch bei der PrimĂ€renergie, den gröĂten Teil der an Bord verfĂŒgbaren Ressourcen. Siehe auch SOSTAR-X.
Eine andere Klasse stellen Mini-SARs fĂŒr den Einsatz an Bord von Marschflugkörpern (Drohnen) dar. Hier ist kleinstmöglichstes Bauvolumen bei hoher Auflösung (< 1 m) und mĂ€Ăiger Streifenbreite (1â3 km) gefragt. Inzwischen kann auch bei diesen Anwendungen die erforderliche ProzessorkapazitĂ€t an Bord installiert werden, so dass nur noch schon aufgearbeitete End-Ergebnisse per Telemetrie zum Boden ĂŒbertragen werden mĂŒssen. Bei hohen TrĂ€gergeschwindigkeiten sind die erforderlichen MaĂnahmen zur Bewegungskompensation gering, so dass der Prozessor an Bord durch diese Unter-Aufgabe nur verhĂ€ltnismĂ€Ăig wenig belastet ist.
Zivil wird das SAR praktisch ausschlieĂlich zu Kartierungszwecken, fast stets in der Form des interferometrischen SAR an Bord von Turboprop-Maschinen aus eingesetzt. Deren geometrische Auflösung liegt ĂŒblicherweise im Bereich 0,5â2 m. Das Jet Propulsion Laboratory verwendet zur Zeit eine Gulfstream III u. a. zur Erforschung der Folgen der Ălpest im Golf von Mexiko. [2]
AnfĂ€nglich wurde Satelliten-SAR als reine Forschungsprojekte realisiert, derzeitig tritt es in die Phase zunehmender militĂ€rischer und ziviler Nutzung ein. MilitĂ€risch wird die AufklĂ€rung eines jeden Punktes auf der Erde innerhalb gegebener Zeiten mit Auflösungen im Bereich unter 1 m verlangt. Dazu sind mehrere Satelliten mit gleicher AusrĂŒstung und abgestimmten Flugbahnen erforderlich. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sind Abstriche bei der Ausstattung unumgĂ€nglich. So ist die anfangs vor Jahren noch geforderte aktive Array-Antenne bei praktischen Systemen (zum Beispiel SAR-Lupe) lĂ€ngst einer einfachen Reflektorantenne gewichen.
Auf ziviler Seite werden die forschungsorientierten SAR-Systeme der Vergangenheit allmĂ€hlich durch kommerzielle Angebote zur Abbildung kundenspezifischer Areale abgelöst. Auch hier fĂŒhrt der Zwang zur Kostensenkung zur Bevorzugung möglichst einfacher Systeme.
Das Foto rechts zeigt ein SAR-Bildbeispiel. Die kleinen weiĂen Punkte sind Ălstationen, die schwarzen FlĂ€chen dĂŒnne Ălschichten. Die langperiodischen Wasserwellen oben sind sog. innere Wellen, die kleinen Wellen mit WellenlĂ€ngen um 100 m, siehe unterer Pfeil, sind durch Wind erzeugte OberflĂ€chenwellen. Die Detailauflösung des 25 x 34 kmÂČ groĂen Areals ist besser als 100 m.
Von den Raumsonden Venera 15, 16 und Magellan wurde nach dem SAR-Verfahren der Planet Venus kartiert. Die Raumsonde Cassini-Huygens kartiert mit dem SAR-Verfahren den Saturnmond Titan.
Weitere Informationen ĂŒber bereits realisierte oder in der Entstehung begriffene Satelliten-SAR-Systeme können den hier angefĂŒhrten Seiten entnommen werden:
In Erdumlaufbahnen
Um andere Himmelskörper
Eine sehr anschauliche Darstellung zum Thema findet man bei:
In Einzelkapiteln weitreichender Zusammenstellungen von Radaranwendungen und -technologien wird das SAR-Prinzip in den BĂŒchern des Radar-"Papstes" Skolnik abgehandelt:
Mehr auf der Theorie der Signalverarbeitung basierende Abhandlungen findet man bei:
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