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Synthetic Aperture Radar

Radaraufnahme (SIR-C/X-SAR) des Vulkans Teide auf Teneriffa aus dem Space Shuttle Endeavour

Ein Synthetic Aperture Radar (AbkĂŒrzung: SAR; deutsch etwa: „Radar mit synthetischer Apertur“) gehört zur Klasse der abbildenden Radare und wird als Sensor zur Fernerkundung genutzt. Es wird wie ein Side-Looking-Airborne-Radar aus Flugzeugen oder Satelliten eingesetzt und liefert wie diese eine 2-dimensionale Darstellung eines GelĂ€ndeausschnitts durch Abtastung der ErdoberflĂ€che mit elektromagnetischen Wellen, allerdings mit einem sehr viel höheren Auflösungsvermögen. Alle RadargerĂ€te, die nicht das Verfahren fĂŒr SAR anwenden, werden als Real Aperture Radar (AbkĂŒrzung: RAR; deutsch: „Radar mit echter Apertur“) bezeichnet.

Die von einem SAR erzeugten Abbildungen sind aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit fotografischen Aufnahmen verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig leicht interpretierbar und werden fĂŒr Erderkundungs-, Kartierungs- und AufklĂ€rungszwecke verwendet. Ein SAR ist im Gegensatz zu optischen Sensoren bei nahezu allen Witterungsbedingungen einsatzfĂ€hig, da TrĂŒbungen der AtmosphĂ€re durch Nebel, Regen oder Schnee die Mikrowellenstrahlung im Vergleich zu Lichtstrahlen weitaus weniger schwĂ€chen. DarĂŒber hinaus kann ein SAR, wie jeder aktive Radarsensor, auch bei Nacht eingesetzt werden. Man spricht in dieser Beziehung auch von einem aktiven Fernerkundungssystem, das die beobachteten Objekte selbst beleuchtet.

WÀhrend sich die geometrische Auflösung eines RAR wegen des divergierenden Antennenstrahls mit zunehmendem Objektabstand verschlechtert, kann mit einem SAR eine unter bestimmten Bedingungen von der SchrÀgentfernung und der WellenlÀnge unabhÀngige Ortsauflösung bis herab in den Meter- und Dezimeterbereich erzielt werden.

Inhaltsverzeichnis

Die synthetische Apertur

Wenn von einem Radar mit synthetischer Apertur gesprochen wird, so wird meist das sogenannte focused SAR gemeint: eine zusÀtzliche Fokussierung der einzelnen Signale wird dadurch erreicht, dass Phasenunterschiede, die durch Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnene Antennenpositionen entstehen, durch den Signalprozessor ausgeglichen werden. Werden keine Phasenkorrekturen an den Echosignalen vorgenommen, spricht man von unfocused SAR.

RAR-Aufnahmen zur Erzeugung eines SAR-Bildes

Funktionsweise eines SAR

Das SAR-Prinzip erfordert eine senkrecht zur Strahlrichtung bewegte Antenne, deren Position jederzeit exakt bekannt ist. Die Bewegungsrichtung wird ĂŒblicherweise als Along Track oder Azimuth (dt.: ‚Flugrichtung oder Azimut‘) und die Querkoordinate dazu als Cross Track oder Range (dt.: ‚Querrichtung oder Entfernung‘) bezeichnet. In der Literatur wird Along Track auch als Cross Range bezeichnet. Footprint nennt man den Bereich, den die reale Antenne momentan erfasst, Swath (dt. Schwad) den GelĂ€ndestreifen, den der Footprint durch die Fortbewegung der realen Antenne ĂŒberstreicht. Die Geometrie entspricht der eines einfachen Side-Looking-Airborne-Radar.

Das Prinzip der synthetischen Apertur (hier noch unfokussiert) besteht darin, die Momentaufnahme einer großen Antenne durch viele Aufnahmen einer kleinen, bewegten Antenne zu ersetzen. Im Verlauf dieser Bewegung wird jedes Objekt im Zielgebiet unter verĂ€nderlichem Blickwinkel angestrahlt und entsprechend aufgenommen. Sofern der Weg der realen Antenne hinreichend genau bekannt und die Szenerie unbeweglich ist, kann aus IntensitĂ€t und Phasenlage der empfangenen Radarechos die Apertur einer großen Antenne synthetisiert und so eine hohe Ortsauflösung in Bewegungsrichtung der Antenne erzielt werden. Praktisch kann man sich das als eine sehr große Phased-Array-Antenne vorstellen, deren Einzelstrahler nicht parallel verschaltet sind, sondern deren Positionen durch eine kleine Antenne zeitlich nacheinander aufgenommen werden. Durch den Radarsignalprozessor werden die einzelnen Amplituden und Phasenlagen so miteinander verbunden, als ob eine Phased-Array-Antenne mit einer sehr großen Apertur verwendet worden wĂ€re. Das azimutale Auflösungsvermögen ist hier noch entfernungsabhĂ€ngig und betrĂ€gt œ(λ∙R)œ [1] mit R als die Entfernung und λ als die verwendete WellenlĂ€nge.

Modernere Rechentechnik ermöglicht, dass fĂŒr jedes einzelne abgebildete Pixel die Phase des von diesen Ort empfangenen Signals geĂ€ndert werden kann. Das SAR kann so fĂŒr jede einzelne Entfernung die Laufzeitunterschiede zwischen den einzelnen Antennenpositionen korrigieren. Orte, die sich nĂ€her am Radar befinden, haben aufgrund der trigonometrischen VerhĂ€ltnisse grĂ¶ĂŸere Laufzeitunterschiede, als Orte, die sich weiter weg befinden. Dieser Laufzeitunterschied wird als Phasenunterschied gemessen. Aus den aufgezeichneten Echodaten wird fĂŒr jeden angestrahlten Ort eine eigene synthetische Antenne berechnet, deren Winkelauflösung im Azimut so gewĂ€hlt wird, dass fĂŒr alle betrachteten Entfernungen die geometrische Along-Track-Auflösung gleich ist.

Dabei ist das folgende PhĂ€nomen zu beobachten: FĂŒr die gleiche Winkelauflösung benötigt eine synthetische Apertur nur die halbe LĂ€nge einer realen Apertur.

Eine anschauliche ErklĂ€rung dafĂŒr ist: Bei einer realen Apertur beziehen sich EntfernungsĂ€nderungen und somit messbare Phasenverschiebungen der Radarechos eines aus Sicht der Antenne parallel vorbei wandernden Objekts immer auf den Ort der Antennenmitte. Bei einer synthetischen Apertur wirken sich zusĂ€tzlich die Entfernungs- und PhasenĂ€nderungen infolge der nacheinander unterschiedlichen Position der realen Antenne lĂ€ngs der synthetischen Apertur aus.

Damit eine synthetische Apertur realisiert werden kann, ist es zwingend notwendig, dass das Radarsystem voll kohĂ€rent arbeitet. Das heißt, die Phasenbeziehung zwischen Sende- und Empfangssignal und von Sendepuls zu Sendepuls muss exakt bekannt sein. Dazu bedient man sich ĂŒblicherweise einer hochkonstanten Frequenzquelle, von der alle benötigten Misch- und Abtastfrequenzen sowie alle zeitlich periodischen VorgĂ€nge abgeleitet werden.

Herleitung der geometrischen Auflösung in Azimut

Die mit einem SAR erzielbare bestmögliche Auflösung ist gleich der halben LĂ€nge der realen Antenne in Azimut- bzw. Flugrichtung, d.h. bei einer Verkleinerung der azimutalen AntennenlĂ€nge LAz (in der Abbildung oben mit L bezeichnet) der realen Antenne verbessert sich die AuflösefĂ€higkeit ÎŽ Az gemĂ€ĂŸ :

(1) <math> \delta_{Az} = \frac{L_{Az}}{2} </math>

Zur Herleitung sind im Diagramm oben drei Flugpositionen 1, 2 und 3 der in Azimutrichtung bewegten Antenne eingezeichnet. Wie beim RAR betrÀgt die azimutale Winkelauflösung <math>\varphi_{Az}</math> bei der WellenlÀnge λ:

(2) <math> \varphi_{Az} = \frac{\lambda}{L_{Az}} </math>'

Position 2 markiere den Ort des minimalen Abstandes von einem Objekt im Punkt P zur Flugbahn. Ist S0 die zugehörige SchrÀgentfernung, dann hat die Achse dAz der bestrahlten FlÀche die LÀnge:

(3) <math> d_{Az} = \varphi_{Az} S_0 = \frac{\lambda S_0}{L_{Az}} </math>

Der Punkt P wird nicht nur von der mittleren Flugposition 2, sondern auch von jeder Position zwischen 1 und 3 bestrahlt. Der Abstand M der Positionen 1–3 entspricht somit genau dem Durchmesser dAz des Antennenleuchtflecks in der fraglichen Entfernung S0. Das SAR nutzt sĂ€mtliche empfangenen Informationen vom Objekt im Punkt P, die von allen Aufnahmen im Bereich M=dAz stammen. Rechentechnisch wird nach Aufnahme und Speicherung aller Werte eine Antenne mit der azimutalen LĂ€nge dAz simuliert, die gemĂ€ĂŸ der oben erwĂ€hnten Eigenschaft der synthetischen Apertur mit einer gemĂ€ĂŸ Gl. (3) halbierten Auflösung:

(4) <math> \delta_{Az} = \frac{\lambda S_0}{2 d_{Az}} </math>

dAz ist aber aus Gl. (3) bekannt. Ersetzen von dAz in Gl. (4) fĂŒhrt zu Gl. (1):

(5) <math> \delta_{Az} = \frac{\lambda S_0}{2} \frac{L_{Az}}{\lambda S_0} = \frac{L_{Az}}{2}</math>

Damit ist die Auflösung der synthetischen Apertur unabhÀngig von WellenlÀnge und Objektentfernung.

Alternative Beschreibung des SAR-Prinzips

Eine andere Beschreibung des SAR-Prinzips liefert die Betrachtung der Doppler-Verschiebung der von einem Objekt reflektierten Echosignale: Beim Eintritt in den Strahlenkegel der Antenne werden die von einem Objekt zurĂŒckgeworfenen Echos aufgrund der abnehmenden Entfernung in Richtung höherer Frequenzen verschoben. Nach Passieren des Minimalabstandes (miss distance, genau in Querabposition) vergrĂ¶ĂŸert sich der Abstand wieder und die empfangenen Signale werden zu niedrigeren Frequenzen hin verschoben.

Im EmpfĂ€nger wird die Mittenfrequenz des Echosignals durch Mischung mit der Mittenfrequenz des Sendesignals auf Null gebracht (Superhet- oder Überlagerungsprinzip). Die verbleibenden Abweichungen von Null bezeichnet man als Dopplerfrequenz oder kurz Doppler. Den Dopplerverlauf der Echos eines Objektes von zunĂ€chst positiven Werten durch Null zu negativen Werten nennt man Dopplerhistorie.

Jedes Objekt mit derselben Entfernung zur Flugbahn hat auch dieselbe Dopplerhistorie, allerdings zeitlich verschoben, so wie es der Anordnung lÀngs des Flugwegs und der Fluggeschwindigkeit entspricht.

Objekte in anderen Entfernungen haben dagegen entweder, wenn sie nĂ€her liegen, eine zeitlich kĂŒrzere oder, wenn sie entfernter liegen, eine lĂ€ngere Dopplerhistorie bei gleichem Frequenzumfang, der als Dopplerbandbreite bezeichnet wird.

Bei nicht zu großem Abstrahlwinkel der realen Antenne kann die Dopplerhistorie als linearer Verlauf der Frequenz ĂŒber der Zeit angesehen werden, d. h., das auf Null abgemischte Echosignal eines Objektes mit Mittenfrequenz Null stellt ein linear frequenzmoduliertes Signal dar.

Diese als (Down-)Chirp bezeichnete Signalform liegt infolge des gepulsten und kohĂ€renten Sendesignals als Folge von komplexwertigen Einzelwerten vor. Multipliziert man diese Einzelwerte mit korrespondierenden Werten eines gleichartigen Chirps, jedoch mit ansteigender Frequenz (Up-Chirp), so heben sich die den FrequenzĂ€nderungen zugrunde liegenden Phasendrehungen auf. Die Addition der resultierenden Einzelwerte liefert nun das Ergebnis der synthetischen Apertur fĂŒr das speziell betrachtete Objekt.

Diesen Vorgang nennt man Korrelation. Die fĂŒr jede Entfernung passend zu erzeugende Korrelationsfunktion wird Replika genannt. Sie entspricht im Idealfall den konjugiert komplexen Echowerten eines punktförmigen Zieles.

WÀhrend eine angepasste Korrelationsfunktion eine konstruktive Addition aller EinzelbeitrÀge bewirkt, hat eine nicht angepasste Funktion lediglich ein zufÀlliges Additionsergebnis zur Folge. Auf diese Weise wird das Echo des betrachteten Objekts, welches gleichzeitig mit den Echos anderer, ebenfalls angestrahlter Objekte am RadarempfÀnger eintrifft, aus dem Signalgemisch ausgefiltert.

Alternative Herleitung der geometrischen Auflösung in Azimut

Die Radarantenne bewege sich gleichförmig und unbeschleunigt mit der Geschwindigkeit v0. Wenn <math>\varphi</math> der sich stÀndig Àndernde azimutale Winkel ist, den die Richtung zum Objekt bei P mit der Antennenachse bildet, ist die dem Winkel zugeordnete Dopplerverschiebung des Echosignals dieses Objekts gegeben durch:

(6) <math>f_D(\varphi) = 2 \frac{v_0}{\lambda} \sin \varphi \approx 2 \frac{v_0}{\lambda} \varphi </math>

Die NĂ€herung ist fĂŒr nicht zu große Winkelöffnungen der realen Antenne gĂŒltig. Die gesamte Dopplerbandbreite BD des Echosignals ergibt sich, wenn man die maximal genutzten Azimutwinkel einsetzt und die Werte voneinander subtrahiert:

(7) <math> B_D = f_D \left ( \frac{\varphi_{Az}}{2} \right ) - f_D \left ( \frac{-\varphi_{Az} }{2} \right )

\approx \frac{v_0}{L_{Az}} - \frac{-v_0}{L_{Az}} = \frac{2 v_0}{L_{Az}} </math> Die Frequenz eines Signals der Dauer T kann bestenfalls mit einer Frequenzauflösung ÎŽf = 1/T bestimmt werden. Auf das SAR-Signal angewendet heißt dies, dass die bestmögliche Frequenzauflösung durch die verfĂŒgbare Beobachtungszeit bestimmt wird. Diese ist aber gleich der Zeit, die das Radar zum Durchqueren der Strecke M = dAz benötigt:

(8) <math> T_{SAR} = \frac{d_{Az}}{v_0} = \frac{\lambda S_0}{v_0 L_{Az}} </math>

Sie wird als Aperturzeit bezeichnet. Folglich ist die Frequenzauflösung durch:

(9) <math> \delta f_D = \frac{1}{T_{SAR}} = \frac{v_0 L_{Az}}{\lambda S_0} </math>

begrenzt. GemĂ€ĂŸ Gl. (6) entspricht diese Dopplerfrequenzauflösung einer rĂ€umlichen Winkelauflösung von:

(10) <math> \delta \varphi \approx \frac{\lambda}{2 v_0} \delta f_D = \frac{L_{Az}}{2 S_0} </math>

Dies entspricht einem rÀumlichen Abstand in Azimut von:

(11) <math> \delta_{Az} = S_0 \delta \varphi = \frac{L_{Az}}{2} </math>

Folglich ist dies die bestmögliche Auflösung eines SAR in Azimut.

Zur Bildung der synthetischen Apertur kann man sich eine Filterbank vorstellen, bei der:

(12) <math> K = \frac{B_D}{\delta f_D} = 2 \frac{\lambda S_0}{L_{Az}^2} = T_{SAR} B_D </math>

Filter aneinandergereiht die gesamte Dopplerbandbreite abdecken. Die Echos eines Objekts erscheinen, entsprechend ihrer momentanen Dopplerverschiebung, nacheinander am Ausgang eines jeden Filters. Erfasst man diese Signale und addiert sie zeit- und phasenrichtig, so wird das Ergebnis eine K-fach höhere Amplitude aufweisen, verglichen mit einem Signal am Ausgang eines Filters. Die Energie dieses Nutzsignals steigt also auf den KÂČ-fachen Wert, die Energie unerwĂŒnschter Signalbestandteile, wie Rauschen oder Echos von Nachbarobjekten dagegen, wegen der zufĂ€lligen Natur der Additionen, nur auf das K-fache. Damit verbessert sich der Störabstand (SNR = Signal-to-Noise-Ratio) – das ist das VerhĂ€ltnis von Nutzenergie zu Störenergie – ebenfalls um das K-fache.

Der Wert K = TSAR BD wird als Zeit-Bandbreitenprodukt bezeichnet. Wie man leicht nachrechnen kann, ist die Auflösung gleich der synthetischen AperturlÀnge, dividiert durch das Zeit-Bandbreitenprodukt sowie gleich der Fluggeschwindigkeit dividiert durch die Dopplerbandbreite:

(13) <math> \delta_{Az} = \frac{L_{SAR}}{T_{SAR} B_D} = \frac{v_0 T_{SAR} }{T_{SAR} B_D} = \frac{v_0}{B_D} </math>

SAR-Beispiel

Um in 10 km Entfernung eine Azimut-Auflösung von 1 m zu erzielen, ist bei einer Verwendung einer realen Antenne eine AperturlĂ€nge von 10 km / 1 m = 10.000 WellenlĂ€ngen erforderlich. Bei 10 GHz Sendefrequenz, entsprechend 3 cm WellenlĂ€nge, sind das rund 300 m, also eine praktisch nicht realisierbare GrĂ¶ĂŸe. Wie oben erwĂ€hnt, braucht eine entsprechende synthetische Apertur nur halb so lang zu sein. Die gleiche Auflösung wird also mit Echodaten bewerkstelligt, die lĂ€ngs einer Strecke von 5.000 WellenlĂ€ngen bzw. 150 m aufgezeichnet wurden. Die reale Antenne muss aber sicherstellen, dass das betreffende Objekt wĂ€hrend des ganzen Weges angestrahlt werden kann. Dazu ist eine reale AperturlĂ€nge in Azimut von 10 km / 5.000 = 2 m erforderlich.

Das Zeit-Bandbreitenprodukt betrĂ€gt nach Gl. (12) dann 2 Ă— 3 cm Ă— 10 km / (2 m Ă— 2 m) = 150, so wie es gemĂ€ĂŸ Gl. (13) auch sein muss. Bei einer Fluggeschwindigkeit von 100 m/s ist die Dopplerbandbreite 100 Hz, die Aperturzeit 1,5 s und die bestmögliche Frequenzauflösung 0,67 Hz.

Auflösung in Range

Die Bildkoordinate senkrecht zur Flugrichtung (Range) wird ebenso wie beim RAR (auch: Side-Looking-Airborne-Radar,SLAR) durch Entfernungsmessung erzeugt. Diese erfolgt durch Auswertung der unterschiedlichen Signallaufzeiten der Echos verschieden weit entfernter Objekte. Eine solche Messung kann nur in radialer Richtung (= Ausbreitungsrichtung des Sendesignals) erfolgen. Damit eine BodenflÀche in Querrichtung durch eine Entfernungsmessung abgebildet werden kann, muss die Antennenblickrichtung eine seitliche Komponente aufweisen. Somit ist der (auf den Boden projizierte) Flugweg eines SAR immer in einem gewissen Abstand parallel zur nahen Kante des Schwades.

Die Auflösung in radialer Richtung (Slant Range) wird grundsÀtzlich durch die Signalbandbreite des verwendeten Sendesignals bestimmt. Bei steilen Einfallswinkeln verschlechtert sich die erzielbare Range-Auflösung in der Ebene (Ground-Range Resolution) entsprechend der Projektion der radialen Auflösungsstrecke auf den ebenen Boden. Bei 45° Einfallswinkel ist sie daher um den Faktor 1,4 schlechter als in radialer Richtung. Bei senkrechtem Einfall ist eine Entfernungsauflösung in der Ebene nicht mehr definiert.

Wesentliche Elemente eines SAR

Pulskompression

Damit sich eine bildhafte Darstellung des abgeflogenen GelĂ€ndes ergibt, ist es sinnvoll, die Ground-Range-Auflösung vergleichbar zur Azimut-Auflösung zu wĂ€hlen. Maßgebend fĂŒr die Slant-Range-Auflösung ist zunĂ€chst die Bandbreite <math>B_\mathrm{R}</math> des gesendeten Radarsignals:

(14) <math> \delta_\mathrm{Sl} = \frac{c}{2 B_\mathrm{R}}</math>

c ist die Lichtgeschwindigkeit. FĂŒr 1 m Auflösung sind also 150 MHz Signalbandbreite erforderlich.

GegenĂŒber der Slant-Range-Auflösung ist die Ground-Range-Auflösung infolge der Projektion umso stĂ€rker herabgesetzt, je steiler der Streifwinkel Δ des einfallenden Strahls gegenĂŒber dem Boden ist:

(15) <math> \delta_\mathrm{Gr} = \frac{c}{2 B_\mathrm{R} \cos \epsilon} </math>

Daher wird die Entfernungsauflösung hÀufig entsprechend feiner als die Azimut-Auflösung gewÀhlt (bei 45° also etwa 70% vom Azimutwert).

In den ersten Dekaden der Radarentwicklung verwendete man unmodulierte Pulse, d. h. Signale, die zum Beispiel aus einem kontinuierlichen Signal (CW von engl. Continuous Wave) durch kurzes Hochtasten der Senderöhre 'ausgeschnitten' wurden. Ein solches Signal hat eine Bandbreite, die seiner Dauer umgekehrt proportional ist:

(16) <math> B_\mathrm{Rect} = \frac{1}{T_\mathrm{Rect}} </math>

Steigende Auflösungsanforderungen fĂŒhrten demnach zu immer kĂŒrzeren Pulsen; den dadurch reduzierten Energieinhalt versuchte man durch immer höhere Sendeleistungen zu kompensieren. Je nach Frequenzbereich konnten 10 MW oder höhere Pulsleistungen realisiert werden. Einer Erhöhung der Pulswiederholfrequenz (PRF, Pulse Repetition Frequency) zur Verbesserung der Energiebilanz stehen hĂ€ufig andere Gesichtspunkte, wie u.a. die Entfernungseindeutigkeit, entgegen.

Weil sich die Pulsleistung aus technischen GrĂŒnden (Spannungsfestigkeit der Bauteile) nicht beliebig steigern lĂ€sst, ging man in den 60er Jahren zunehmend zu den Pulskompressionsverfahren ĂŒber. Hierzu wird ein vergleichsweise langer Puls wĂ€hrend der Aussendung in seiner Frequenz geĂ€ndert. Am hĂ€ufigsten wird eine lineare Frequenzmodulation (LFM) angewendet, bei der sich die Sendefrequenz linear von einer unteren Grenze bis zu einer oberen Grenze (Up-Chirp) oder umgekehrt (Down-Chirp) Ă€ndert. Der Begriff Chirp kommt daher, weil sich ein akustisches LFM-Signal wie Zwitschern anhört. FledermĂ€use verwenden ĂŒbrigens diese Signalform im Ultraschallbereich.

EmpfÀngerseitig wird dieses Signal durch geeignete Verfahren in einen der Bandbreite entsprechenden kurzen Puls verwandelt.

Pulskompression mit einem SAW-Filter

Zu Beginn verwendete man analoge SAW-Komponenten (SAW = surface acoustic wave, dt. akustische OberflĂ€chenwelle) zur Pulsexpansion und –kompression. Ein kurzer Puls regt eine akustische OberflĂ€chenwelle an, die ĂŒber ein Substrat mit dispersiven Eigenschaften lĂ€uft. Am anderen Ende des Substrates kommen die verschiedenen Frequenzanteile zu unterschiedlichen Zeiten an und bilden so den erwĂŒnschten LFM-Puls. Zur Kompression wird ein gleichartiges SAW-Bauteil mit komplementĂ€rer Charakteristik verwendet und der gestreckte Puls so wieder zeitlich unter Beibehaltung seiner Bandbreite auf seine ursprĂŒngliche LĂ€nge komprimiert.

Seit etwa Mitte der 1980er Jahre die Digitaltechnik in Frequenzbereiche jenseits von 100 MHz vorgestoßen ist, werden praktisch nur noch digitale Signalprozessoren verwendet. Diese verwenden schnelle Digital-Analogwandler, die aus vorher berechneten Daten das Signal – ggf. in mehreren zusammenzusetzenden Frequenzabschnitten – synthetisch erzeugen. Beim Empfang wird das Echo unkomprimiert digitalisiert und die Pulskompression durch ein Korrelationsverfahren im Rechner vorgenommen. Der Vorteil der digitalen Technik liegt darin, dass die Replika fĂŒr die Kompression unmittelbar aus dem Sendesignal durch Einschleifen in den EmpfĂ€nger gewonnen werden kann. Die im Sendesignal enthaltenen Abweichungen von der idealen Form, zum Beispiel durch Verzerrungen im Hochfrequenz-SendeverstĂ€rker (HPA von engl. High Power Amplifier), werden somit unmittelbar erfasst. Durch Bildung der konjugiert komplexen Funktion aus den abgetasteten Daten wird die Replika erzeugt. Eine Kompression mit dieser Referenzfunktion entspricht einer Filterung mit einem angepassten Filter (engl. Matched Filter), welches, bei weißem Hintergrundrauschen, das Ausgangssignal mit dem höchstmöglichen Signal/Rausch-Abstand (engl. Signal/Noise-, kurz S/N-Ratio) liefert.

Die Eigenschaften der Pulskompression entsprechen denjenigen des SAR-Signals im Dopplerbereich. So gibt auch hier das Zeit-Bandbreitenprodukt (hĂ€ufig grĂ¶ĂŸer als 1000) den VerkĂŒrzungsfaktor fĂŒr das Chirp-Signal ebenso wie den Gewinn an Störabstand.

Abschließend sei noch bemerkt, dass die fĂŒr eine bestimmte Auflösung erforderliche Bandbreite auf mehrere Pulse verteilt werden kann (Frequency-Step-Verfahren). Dadurch sinken kostspielige Bandbreitenanforderungen an die Radarkomponenten. Gleichzeitig steigt jedoch die KomplexitĂ€t der radarinternen Steuerung und des SAR-Prozessors.

Antenne

Von den vielen bekannten Antennentypen sind nur drei bei SAR-Anwendungen gebrÀuchlich:

  • Reflektorantenne: Dieser Typ Antenne Ă€hnelt den vielfach verwendeten Satelliten-TV-Empfangsantennen. Die Eigenschaften wie GrĂ¶ĂŸe, BĂŒndelungsfĂ€higkeit, Nebenzipfelverhalten u. a. werden unverĂ€nderlich beim Entwurf festgelegt. FĂŒr eine Schwenkung im Raum (zum Beispiel bei Elevation oder Azimut) muss eine mechanische Drehvorrichtung und/oder mehrere Feed-Elemente vorgesehen werden. Der Vorteil dieses Antennentyps liegt in seiner Eignung fĂŒr große Bandbreiten bei kostengĂŒnstiger Realisierung. Die Reflektorantenne erfordert einen HF-LeistungsverstĂ€rker (HPA, High Power Amplifier) als Quelle fĂŒr das Sendesignal. Die praktisch erforderlichen HF-Leistungen im Bereich von etwa 1 bis 10 kW können gegenwĂ€rtig nur durch RöhrenverstĂ€rker, meist Wanderfeldröhren (Traveling Wave Tube Amplifier, kurz TWTA) bereitgestellt werden.
  • Passive Array-Antenne: Eine Phased Array Antenne setzt sich aus vielen Einzelstrahlern zusammen, die auf einer ebenen FlĂ€che in einem regelmĂ€ĂŸigen Raster angeordnet sind. Jeder dieser Strahler oder auch eine Strahlergruppe ist ĂŒber einen Phasenschieber mit einem Speisenetzwerk verbunden. Die Blickrichtung der Antenne kann durch Änderung der Phasenschiebereinstellungen in einem weiten Bereich (bei Festinstallationen bis zu ±60°) elektronisch geschwenkt werden. Der Vorteil ist die praktisch verzögerungsfrei agierende Strahlsteuerung, wie sie bei Multimode-RadargerĂ€ten und speziellen SAR-Modi hĂ€ufig erforderlich ist. Nachteilig sind die im Vergleich zur Reflektorantenne hohen Kosten. Große Schwenkwinkel und hohe Signalbandbreite erfordern spezielle Speisenetzwerke mit in Echtzeit steuerbarer Laufzeit (engl. True Time Delay, kurz TTD), um der Dispersion der Signale zu begegnen. Auch die passive Array-Antenne benötigt eine zentrale Leistungsquelle in Form eines HPA.
  • Aktive Array-Antenne: Diese erst in neuerer Zeit realisierbare Antenne ist eine Array-Antenne, bei der jeder Strahler oder kleine Gruppen von Strahlern jeweils einen eigenen SendeverstĂ€rker und ein eigenes Empfangsteil besitzen (Active Electronically Scanned Array). Die AgilitĂ€t dieses Antennentyps entspricht derjenigen der passiven Array-Antenne, wobei ein zusĂ€tzlicher Freiheitsgrad durch selektive Abschaltmöglichkeit einzelner SendeverstĂ€rker hinzukommt. Der hohe Aufwand wird durch einige Vorteile gerechtfertigt. So gestattet die verteilte Erzeugung der Sendeenergie, HalbleiterverstĂ€rker mit niedriger Betriebsspannung zu benutzen. Außerdem fĂŒhrt der Ausfall einzelner VerstĂ€rker nicht zur Unbrauchbarkeit des Gesamt-Systems (Redundanz).

SAR-Prozessor

Zu Beginn der SAR-Technologie in den 1950 bis 1960er Jahren gab es nur die analoge Signalverarbeitung. Zur Pulskompression benutzte man SAW-Techniken und zur SAR-Fokussierung optische Prozessoren in Form konisch und zylindrisch geschliffener Linsen. Der Nachteil: die Linsen waren nur fĂŒr eine genau definierte Geometrie bzgl. Höhe und Seitenabstand verwendbar. Mit diesen Verfahren gelang es zwar, Auflösungen im m-Bereich zu realisieren, jedoch fĂŒhrte die fehlende Bewegungskompensation nur in AusnahmefĂ€llen zu optimalen Resultaten.

Erst mit der EinfĂŒhrung schnellerer Rechner und Analog-/Digitalwandler zu Anfang der 1980er Jahre erlebte das SAR-Prinzip den erhofften Durchbruch. Bedingt durch die anfangs kĂ€rgliche Rechenleistung suchte man nach rechenzeitsparenden Algorithmen zur SAR-Prozessierung. Das zunĂ€chst zur Anwendung gekommene Prinzip war der Range-Doppler-Prozessor, bei dem die Fokussierung in den beiden Koordinaten hauptsĂ€chlich durch die schnelle Fourier-Transformation (FFT von engl. Fast Fourier Transformation) erledigt wurden. Diese Prozessoren arbeiteten noch off-line mit Datenaufzeichnung und lieferten die Ergebnisse erst nach der jeweiligen Befliegung. Inzwischen sind weitere Algorithmen (Chirp Scaling, Frequency Scaling u. v. a.) verfĂŒgbar. Diese nun erlauben eine echtzeitfĂ€hige SAR-Prozessierung auch fĂŒr sehr spezielle SAR-Modi (s. u.).

Eine SAR-Fokussierung hat nur dann ein gutes Ergebnis zur Folge, wenn der Ort der Antenne weniger als etwa λ/16 von der idealen Flugbahn abweicht. Bei 10 GHz Sendefrequenz sind das weniger als 2 mm! Eine der wichtigsten Aufgaben eines SAR-Prozessors fĂŒr Systeme im Lufteinsatz ist daher heute die Bewegungskompensation. Dazu werden einerseits die Lage- und Bewegungsdaten hochempfindlicher, GPS-gestĂŒtzter Kreiselplattformen aufgezeichnet und ausgewertet und zusĂ€tzlich Autofokus-Rechenverfahren angewendet, um die unvermeidlichen Abweichungen von einer idealen Flugbahn zu erkennen und zu beseitigen. Autofokusverfahren erfordern ein mehrfaches Berechnen von SAR-Bildausschnitten, um daraus die Bewegungsfehler zu ermitteln. Daher ist die erforderliche RechenkapazitĂ€t bei Echtzeitanforderungen erheblich höher als bei Systemen ohne Autofokus-FĂ€higkeit.

Spezielle SAR-Verfahren

geometrische SAR modes: a) stripmap-SAR (Standard); b) spotlight-SAR; c) Scan-SAR
Stripmap-SAR
Dieses Verfahren ist das Standardverfahren: Das Antennendiagramm wird im Cross Track oder Range Bereich nicht geschwenkt. Der Schwad liegt parallel zum ground track (Projektion des Flugweges auf die ErdoberflÀche).
Squinted SAR
Ein SAR-Bild kann auch dann erzeugt werden, wenn die Blickrichtung der Antenne nicht querab, sondern schrĂ€g nach vorn oder hinten gerichtet ist. Die Prozessierung erfordert zusĂ€tzliche Algorithmen zur Korrektur der sich nicht rechtwinklig schneidenden Koordinaten Range und Doppler. In Vorausrichtung und unterhalb des Flugweges versagt das SAR-Prinzip aus prinzipiellen GrĂŒnden.
Spotlight-SAR
Bei diesem SAR-Verfahren wird die Azimut-Auflösung gegenĂŒber der in (1) angegebenen Grenze dadurch verbessert, dass die Antenne fĂŒr lĂ€ngere Zeit fest auf ein bestimmtes Zielgebiet (Spot) gerichtet bleibt; im Azimut also entsprechend gedreht wird. Dadurch erhöht sich das Zeit-Bandbreitenprodukt und mithin verbessert sich die erzielbare Auflösung. Dies geschieht allerdings auf Kosten der insgesamt abbildbaren FlĂ€che, denn der nĂ€chste Spot kann erst in einem durch die Beobachtungszeit und die Fluggeschwindigkeit bestimmten Abstand ins Visier genommen werden.
Scan-SAR
Hierbei macht man von der AgilitĂ€t einer passiven oder aktiven Array-Antenne Gebrauch, indem mehrere Streifen in verschiedenen AbstĂ€nden und Squint-Winkeln quasi gleichzeitig nach einem ausgeklĂŒgelten Ablaufplan bedient werden.
Interferometrisches SAR
Bedingt durch die kohĂ€rente SAR-Signalverarbeitung, eignet sich das SAR auch fĂŒr dreidimensionale Abbildungen. Dazu wird in einer geringen Höhe oberhalb der SAR-Antenne eine zweite Antenne mit komplettem Empfangszug installiert. Die aus beiden EmpfĂ€ngern stammenden komplexen SAR-Bilder unterscheiden sich aufgrund der unterschiedlichen Echo-Laufwege in der Phase. Dieser Phasenunterschied kann zur Bestimmung der Objekthöhen und somit zur Erstellung eines dreidimensionalen GelĂ€ndemodells genutzt werden. Bei Vorhandensein eines festen Bezugspunktes lassen sich durch differenzielle Interferometrie exakte Höhen mit Genauigkeiten bis in den mm-Bereich hinein bestimmen.
Das Verfahren funktioniert auch bei Systemen mit nur einer Empfangsantenne. Dazu wertet man die Aufnahme-Daten zweier paralleler Flugwege interferometrisch aus (Two-Pass Interferometrie). Wegen des zeitlichen Abstandes beider Aufnahmen werden bewegte Elemente jedoch nicht erfasst.
Polarimetrisches SAR
Ein polarimetrisches Radar ist in der Lage Wellen unterschiedlicher Polarisierung zu senden und zu empfangen. Aus der Polarisierung der empfangenen Wellen bzw. der PolarisationsĂ€nderung lassen sich weitere Informationen ĂŒber das abgebildete GelĂ€nde gewinnen, die zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Wald und HĂ€usern erleichtern.
Inverses SAR (ISAR)
Das ISAR stellt eine Umkehr des klassischen SAR-Prinzips dar: die Radarantenne steht fest und das beobachtete Objekt bewegt sich. Die erzielbare Auflösung wird durch das Zeit-Bandbreitenprodukt der Echosignale bestimmt. Das Verfahren wird zum Beispiel zur Abbildung von Satelliten verwendet. Ferner kann ein im Seegang oder durch eigene Fahrt bewegtes Schiff durch ISAR so abgebildet werden, dass der Schiffstyp erkennbar wird.
Bi- und multistatisches SAR
Bei bistatischem bzw. multistatischem SAR sind Sender und EmpfĂ€nger auf zwei bzw. mehreren TrĂ€gerplattformen montiert. Somit können mehr Informationen ĂŒber die RĂŒckstreueigenschaften mit flexibleren Ein- und Ausfallswinkeln gewonnen werden. Eine technische Schwierigkeit ist dabei die Synchronisation der Oszillatoren. Auch mĂŒssen bei der Prozessierung neue Verfahren angewendet werden.

Besonderheiten der Abbildung durch SAR

Foreshortening: die Vorderflanke eines Berges erscheint verkĂŒrzt

Die mittels SAR gewonnenen Abbildungen weisen einige Besonderheiten auf, die bei der Auswertung berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen:

  • VerkĂŒrzung (Foreshortening): Unter Foreshortening bezeichnet man eine verkĂŒrzte Darstellung tatsĂ€chlicher Entfernungen (Stauchung von Entfernungen). Man stelle sich einen Berg vor, der von den Radar-Strahlen eines SAR abgetastet wird. Die Basis des Berges (im Bild: a) reflektiert zuerst die Radar-Strahlen, danach den Gipfel (im Bild: b). Liegen die beiden Zeitpunkte der Reflexion sehr dicht beieinander, wird die tatsĂ€chliche Entfernung (a â€“ b) zwischen Basis und Gipfel des Berges gestaucht (a' â€“ b') wiedergegeben. Dieser Effekt erschwert die Interpretation einer Gebirgslandschaft.
  • Überlagerung (Lay-Over): Bei einem hohen Objekt, wie beispielsweise einem Turm, hat die Turmspitze einen geringeren Abstand zum Radar als der Fußpunkt. Die Spitze des Turmes wird frĂŒher, also nĂ€her, abgebildet. So entsteht der Eindruck eines Überhanges in einem Radar-Bild: der Punkt b' wĂŒrde noch vor dem Punkt a' dargestellt. Dies kann wie beim Foreshortening bei Abbildungen von gebirgigen GelĂ€nden zu Interpretationsschwierigkeiten fĂŒhren.
  • Schattenwurf: Bedingt durch die Ausleuchtung mittels mitgefĂŒhrter „Lichtquelle“ weisen die Abbildungen Schatten, also Orte ohne reflektierte Echos, auf. Diese entstehen, wie bei der optischen Abbildung, dort, wo Gebiete durch höhere Objekte vom Radarstrahl abgeschattet werden. Der Effekt ist umso ausgeprĂ€gter, je flacher der Streifwinkel und je höher das schattenwerfende Objekt ist. Andererseits erlauben die Schatten auch ein gutes Interpretieren der plastisch wirkenden Abbildungen. Ein Streifwinkel von 5° gilt als untere Grenze fĂŒr gut auswertbare SAR-Bilder.
SAR-Bild von Schiffen im Mittelmeer
  • Bewegtzielverschiebung: Ein bewegtes Objekt wird am falschen Ort abgebildet. Dies erfolgt deshalb, weil sich zu der Dopplerhistorie eines festen Objekts der Dopplerversatz des bewegten Objekts addiert bzw. subtrahiert. Dies entspricht aber der Historie eines spĂ€ter oder frĂŒher angeordneten Objekts. Ein Objekt, dass sich vom Satelliten aus gesehen fortbewegt, erscheint in Azimuthrichtung nĂ€her. Das SAR-Foto rechts wurde von einem Satelliten aufgenommen, der nach Norden, also vom unteren zum oberen Bildrand, geflogen ist und seinen SAR-Sensor nach Osten, also nach rechts, ausgerichtet hatte. Schiffe sind als helle Reflexionen zu erkennen. Ölabsonderungen auf ihrem Fahrtweg dĂ€mpfen OberflĂ€chenwellen. Von dort wird Radarstrahlung nur geringfĂŒgig reflektiert, die Fahrspur erscheint schwarz. AusgeprĂ€gte Bugwellen sind zu erkennen. Schiffe, die sich von rechts nach links auf den Satelliten zu bewegen, erscheinen in Flugrichtung des Satelliten nach oben versetzt. Die Schiffe befinden sich oberhalb ihrer Fahrspur. Entsprechend erscheinen die nach rechts fahrenden Schiffe im unteren Bildteil unterhalb der dunklen Fahrlinie.
  • Speckle: Unter Speckle versteht man die Eigenart einer kohĂ€renten Abbildung, dass flĂ€chige Objekte, wie zum Beispiel bestellte Äcker, von Bildpunkt zu Bildpunkt, aufgrund der zufĂ€lligen Zusammensetzung der Echos aus EinzelbeitrĂ€gen, völlig andere Werte annehmen können. Bilder mit Speckle wirken daher zerrissen und körnig. Speckle kann, auf Kosten der Auflösung, durch die Anwendung des Multilook-Verfahrens reduziert werden. Dazu werden mehrere schlechter aufgelöste SAR-Bilder aus unterschiedlichen Dopplerbereichen berechnet und anschließend inkohĂ€rent (energiemĂ€ĂŸig) addiert. Die zufĂ€llige Verteilung der Werte eines FlĂ€chen-Bildpunkts sorgt fĂŒr eine Reduzierung des Speckle.

SAR-Anwendungen

Durch seine vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere in der Fernerkundung, hat SAR eine weltweite Bedeutung erlangt, so dass die GrĂŒndung einer eigenen, speziell auf SAR fokussierten Tagung notwendig erschien. Die EUSAR ist schwerpunktmĂ€ĂŸig dem Radarsensor, seinen Technologien einschließlich bilderzeugender Signalverarbeitung und Bildverarbeitung gewidmet, bietet aber auch ein Forum fĂŒr Anwender von SAR-Daten. EUSAR ist bis heute die einzige auf SAR spezialisierte Tagung weltweit.

Flugzeug-SAR

Flugzeuggetragene SAR-Systeme werden, aufgrund ihrer AllwetterfĂ€higkeit, vorwiegend fĂŒr militĂ€rische AufklĂ€rung eingesetzt. Die derzeit (2005) technisch erzielbare geometrische Auflösung liegt bei unter 15 cm, was eine HF-Bandbreite von mehr als 1 GHz erforderlich macht. Da AufklĂ€rungsradar mehrere Betriebsmodi besitzt, arbeitet dies System stets mit elektronisch schwenkbaren passiven oder zunehmend auch aktiven Array-Antennen mit LĂ€ngen von 1–4 m in Azimut. Auf Bewegungskompensation und EchtzeitfĂ€higkeit wird großer Wert gelegt, d. h., die Systeme erzeugen hoch aufgelöste Abbildungen an Bord und ĂŒbermitteln sie den auswertenden Stellen am Boden. Die dazu erforderliche RechenkapazitĂ€t erfordert, sowohl beim Einbauvolumen, als auch bei der PrimĂ€renergie, den grĂ¶ĂŸten Teil der an Bord verfĂŒgbaren Ressourcen. Siehe auch SOSTAR-X.

Eine andere Klasse stellen Mini-SARs fĂŒr den Einsatz an Bord von Marschflugkörpern (Drohnen) dar. Hier ist kleinstmöglichstes Bauvolumen bei hoher Auflösung (< 1 m) und mĂ€ĂŸiger Streifenbreite (1–3 km) gefragt. Inzwischen kann auch bei diesen Anwendungen die erforderliche ProzessorkapazitĂ€t an Bord installiert werden, so dass nur noch schon aufgearbeitete End-Ergebnisse per Telemetrie zum Boden ĂŒbertragen werden mĂŒssen. Bei hohen TrĂ€gergeschwindigkeiten sind die erforderlichen Maßnahmen zur Bewegungskompensation gering, so dass der Prozessor an Bord durch diese Unter-Aufgabe nur verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig belastet ist.

Zivil wird das SAR praktisch ausschließlich zu Kartierungszwecken, fast stets in der Form des interferometrischen SAR an Bord von Turboprop-Maschinen aus eingesetzt. Deren geometrische Auflösung liegt ĂŒblicherweise im Bereich 0,5–2 m. Das Jet Propulsion Laboratory verwendet zur Zeit eine Gulfstream III u. a. zur Erforschung der Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko. [2]

Satelliten-SAR

SAR-Bild des indischen Ozeans.
Seasat, der erste SAR-Satellit zur Erdbeobachtung

AnfĂ€nglich wurde Satelliten-SAR als reine Forschungsprojekte realisiert, derzeitig tritt es in die Phase zunehmender militĂ€rischer und ziviler Nutzung ein. MilitĂ€risch wird die AufklĂ€rung eines jeden Punktes auf der Erde innerhalb gegebener Zeiten mit Auflösungen im Bereich unter 1 m verlangt. Dazu sind mehrere Satelliten mit gleicher AusrĂŒstung und abgestimmten Flugbahnen erforderlich. Um die Kosten im Rahmen zu halten, sind Abstriche bei der Ausstattung unumgĂ€nglich. So ist die anfangs vor Jahren noch geforderte aktive Array-Antenne bei praktischen Systemen (zum Beispiel SAR-Lupe) lĂ€ngst einer einfachen Reflektorantenne gewichen.

Auf ziviler Seite werden die forschungsorientierten SAR-Systeme der Vergangenheit allmĂ€hlich durch kommerzielle Angebote zur Abbildung kundenspezifischer Areale abgelöst. Auch hier fĂŒhrt der Zwang zur Kostensenkung zur Bevorzugung möglichst einfacher Systeme.

Das Foto rechts zeigt ein SAR-Bildbeispiel. Die kleinen weißen Punkte sind Ölstationen, die schwarzen FlĂ€chen dĂŒnne Ölschichten. Die langperiodischen Wasserwellen oben sind sog. innere Wellen, die kleinen Wellen mit WellenlĂ€ngen um 100 m, siehe unterer Pfeil, sind durch Wind erzeugte OberflĂ€chenwellen. Die Detailauflösung des 25 x 34 kmÂČ großen Areals ist besser als 100 m.

Von den Raumsonden Venera 15, 16 und Magellan wurde nach dem SAR-Verfahren der Planet Venus kartiert. Die Raumsonde Cassini-Huygens kartiert mit dem SAR-Verfahren den Saturnmond Titan.

Weitere Informationen ĂŒber bereits realisierte oder in der Entstehung begriffene Satelliten-SAR-Systeme können den hier angefĂŒhrten Seiten entnommen werden:

In Erdumlaufbahnen

Um andere Himmelskörper

Weblinks

Literaturhinweise

Eine sehr anschauliche Darstellung zum Thema findet man bei:

  • Hovanessian, Shahan A.: Introduction to Synthetic Array and Imaging Radar; Artech House, Dedham, MA; 1980
  • Stimson, George W.: Introduction to Airborne Radar; Hughes Aircraft Comp., El Seghundo, CA; 1983

In Einzelkapiteln weitreichender Zusammenstellungen von Radaranwendungen und -technologien wird das SAR-Prinzip in den BĂŒchern des Radar-"Papstes" Skolnik abgehandelt:

  • Skolnik, Merrill, I.: Introduction to Radar Systems; McGraw-Hill Kogakusha Ltd., Tokyo; 1980; ISBN 0-07-066572-9
  • Skolnik, Merrill, I.: Radar Handbook (3nd Ed.); McGraw-Hill, New York; 1990, (Chapter 17)

Mehr auf der Theorie der Signalverarbeitung basierende Abhandlungen findet man bei:

  • Barton, David K.: Radars Vol. 3, Pulse Compression; Artech House, Dedham, MA; 1975
  • Wehner, Donald R.: High Resolution Radar; Artech House, Norwood, MA; 1987; ISBN 0-89006-194-7

Einzelnachweise

  1. ↑ L. J. Cutrona, „Synthetic aperture radar“, in M. Skolnik, Radar Handbook, 2nd Ed., New York: McGraw-Hill, 1990; 1st Ed., New York: McGraw-Hill, 1970
  2. ↑ NASA UAVSAR; Science uavsar.jpl.nasa.gov, abgerufen am 5. August 2010
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