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Thomas Stearns Eliot (* 26. September 1888 in St. Louis, Missouri, USA; â 4. Januar 1965 in London) war ein englischsprachiger Lyriker, Dramatiker und Kritiker, der als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne gilt. Im Jahr 1948 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Eliot wurde in St. Louis/USA als Sohn einer angesehenen Bostoner Familie geboren. ZunĂ€chst studierte er in Harvard, spĂ€ter an der Sorbonne in Paris Mathematik, Philosophie sowie europĂ€ische und asiatische Sprachen. 1911 kehrte er als Doktorand an die Harvard-UniversitĂ€t zurĂŒck, bevor er 1914 endgĂŒltig nach Europa ging. Seine erste Station dort war Marburg, wo er an einem Ferienkurs der UniversitĂ€t teilnahm. Als der Erste Weltkrieg begann, zog er zunĂ€chst nach London und schlieĂlich nach Oxford. In dieser Zeit veröffentlichte er sein erstes bedeutendes Gedicht The Love Song of J. Alfred Prufrock. Nach Amerika kehrte er in der Folge nur noch als Besucher zurĂŒck.
In England arbeitete er zunĂ€chst als Bankangestellter, wurde dann jedoch Direktor eines angesehenen Verlagshauses. 1915 heiratete er Vivienne Haigh Wood. Bei einer Reise nach Paris im Jahr 1920 begegnete er erstmals James Joyce, mit dem ihn spĂ€ter eine Freundschaft verband. 1922 grĂŒndete er die literarische Zeitschrift The Criterion, deren Herausgeber er bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1939 blieb. Im selben Jahr erschien sein erstes Hauptwerk, das Versepos Das wĂŒste Land (englischer Originaltitel The Waste Land), und wurde mit dem Dial-Preis fĂŒr besondere Verdienste um die amerikanische Literatur ausgezeichnet. Eliot wurde damit auf einen Schlag berĂŒhmt.
1927 erwarb Eliot die britische StaatsbĂŒrgerschaft und trat der Church of England bei. Sein Auftreten in dieser Zeit war betont britisch, was soweit ging, dass er sich einen englischen Akzent zulegte. Viele Aspekte der amerikanischen Tradition lehnte er ab. Dennoch reiste er zunĂ€chst zurĂŒck in die USA, um zwei weitere Jahre in Harvard zu unterrichten.
1935 erfolgte die Veröffentlichung des Dramas Murder in the Cathedral. Im Lauf der nĂ€chsten beiden Jahrzehnte kamen verschiedene Essays heraus, 1944 auĂerdem das bedeutende lyrische Werk Four Quartets. 1952 wurde T. S. Eliot PrĂ€sident der Londoner Bibliothek. Im Lauf der Jahre erhielt er zahlreiche Ehrendoktortitel, unter anderem von der Sorbonne, Yale University, Oxford und MĂŒnchen. Bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte er weitere Essays und Dramen, unter anderem The Confidential Clerk und The Elder Statesman.
T.S. Eliot verstarb am 4. Januar 1965 im Alter von 76 Jahren in London.
Der Schwerpunkt in Eliots Werk lag auf der Lyrik. Er gilt als hervorragende Dichterpersönlichkeit seiner Zeit, der seine Vorbilder in Vergil, Dante und William Shakespeare sah. AuĂerdem rĂ€umte er der metaphysischen Dichtung einen hohen Stellenwert ein. In einer 1921 veröffentlichten Schrift hob er besonders den englischen Poeten John Donne hervor und löste damit eine internationale Diskussion der metaphysischen Dichter aus. Einflussreiche kritische Essays schrieb er auch ĂŒber die Lyrik der Romantik. Eliots Themen waren Zeit und Ewigkeit, das Ringen um die Wiedergeburt des Geistes, Aussöhnung mit den Geistern der Vergangenheit. Seine Dramatik war vor allem durch William Butler Yeats inspiriert. Er machte auch freie Rhythmen und abstrakte Dichtung, teilweise mit musikalischen Kompositionselementen, in Europa populĂ€r.
Eliot betrachtete Literatur als Möglichkeit, in der chaotischen Wirklichkeit eine Ordnung aufzudecken und damit direkten Einfluss auf das individuelle Leben zu nehmen. Seine Denkweise war vom Buddhismus, vom christlichen Mystizismus und von der antiken Philosophie beeinflusst. Dabei vertrat er die Auffassung, dass man die Gegenwart nur verstehen könne, wenn man sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandersetzt.[1] Er selbst ĂŒbte einen starken Einfluss auf einige bedeutende spĂ€tere Denkströmungen aus, darunter den Existenzialismus.
T. S. Eliots Weltbild war vor allem durch den christlichen Glauben, wie er in der hochkirchlichen Richtung der anglikanischen Kirche (Church of England) zum Ausdruck kommt, und durch Denker wie Augustinus geprĂ€gt. Er lehnte eine gesellschaftliche Ausrichtung an weltlichen Werten weitgehend ab und forderte, die Kultur an der Religion auszurichten, da sie in anderer Weise nicht funktionieren könne. Liberalismus, Humanismus oder Marxismus betrachtete er als gescheitert. Politische Ausrichtungen, die sich nicht am Glauben orientierten, mĂŒssten in seinen Augen zwangslĂ€ufig zu Totalitarismus oder Anarchie fĂŒhren. Der Glaube ist dabei nicht beliebig, sondern muss eine Akzeptanz der Dogmen und der Kirche einschlieĂen. Eine Gesellschaft, die sich an diesen GrundsĂ€tzen nicht orientiert, lĂ€uft fĂŒr Eliot Gefahr, sich aufzulösen.[2]
GroĂes Misstrauen brachte Eliot dem Fortschrittsgedanken entgegen, der im Zeitalter der Moderne eine groĂe Rolle spielte. Teilweise liegt dies daran, dass er eine strenge Aufteilung der Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ablehnte und transzendentalere Vorstellungen von der Zeit hatte. Die Vergangenheit und die Zukunft sind fĂŒr ihn immer auch mit in der Gegenwart enthalten. Zeit ist fĂŒr ihn nicht ohne einen Bezug zu Ewigkeit denkbar, Geschichte nicht ohne einen Bezug zu Gott. Weltlicher Fortschritt beruht daher fĂŒr ihn auf den falschen Werten, er ist stets an der Zukunft orientiert, was in Eliots Gedankenmodell jedoch keinen Sinn ergibt und im Gegenteil dazu fĂŒhren kann, Menschen blind fĂŒr wichtigere Werte zu machen.[3]
Ein Vorwurf, dem sich T. S. Eliot immer wieder ausgesetzt sah, ist der des Antisemitismus. Besonders eine Passage in seinem Gedicht Gerontion und eine Vorlesungsreihe, die er 1933 in Virginia hielt, wurden als explizit antisemitisch wahrgenommen. Obwohl sich Eliot nach dem Zweiten Weltkrieg implizit zumindest teilweise von derartigen Ansichten distanzierte, spielen antisemitische GrundzĂŒge seines Denkens auch in der aktuellen Eliot-Forschung noch eine Rolle.[4]
Dem Drama wandte sich T. S. Eliot erst verhĂ€ltnismĂ€Ăig spĂ€t zu, in den 1930er Jahren. Stark beeinflusst war er von William Butler Yeats. Eliot war ein AnhĂ€nger des Versdramas, in dem er die VorzĂŒge literarischer und musikalischer Werke vereinigt sah. Dramatiker wie Henrik Ibsen oder Anton Tschechow kritisierte er fĂŒr ihre Verwendung von Prosa, die in seinen Augen ihre Ausdrucksmöglichkeiten einschrĂ€nkte. Verse betrachtete er demgegenĂŒber als klar ĂŒberlegen, da sie eine tiefere und weniger artikulierte Grundlage hĂ€tten und dadurch eine stĂ€rkere Wirkung ausĂŒbten.[5]
Ein Problem des Versdramas war fĂŒr Eliot seine Entfremdung vom Leben seiner Zeit. Den ĂŒblichen Blankvers betrachtete er als untauglich, die Lebenswirklichkeit wiederzugeben, da sich die Alltagssprache zu weit von ihm entfernt habe. Einen groĂen Teil der im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert in Blankvers verfassten Dramen kritisierte er daher fĂŒr ihre KĂŒnstlichkeit. FĂŒr Eliot war eine AnnĂ€herung an die Alltagssprache notwendig, um das Theaterpublikum emotional wieder erreichen zu können.[6] Die von ihm gewĂ€hlten Metren sind daher relativ frei, typisch sind Verse mit drei Betonungen und unterschiedlichen Silbenzahlen, die er flexibel handhabte.
Ăhnlich wie die Sprache, sind auch die Figuren und SchauplĂ€tze seiner Dramen zeitgenössisch und oftmals alltĂ€glich. HĂ€ufig liegen dabei jedoch religiöse oder mythologische Elemente zu Grunde, die teils offensichtlich hervortreten, teils eher versteckt bleiben. Dabei stand fĂŒr Eliot weniger die Modernisierung der Mythen im Vordergrund, sondern eher die Absicht, Allgemeinmenschliches, das sich fĂŒr ihn in diesen Mythen ausdrĂŒckte, dem modernen Publikum erfahrbar zu machen.[7]
Ein wichtiger deutscher Ăbersetzer einiger Werke Eliots war zu seiner Zeit Rudolf Alexander Schröder (1878â1962).
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eliot, T. S. |
| ALTERNATIVNAMEN | Eliot, Thomas Stearns (vollstÀndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Lyriker, Dramatiker und Essayist |
| GEBURTSDATUM | 26. September 1888 |
| GEBURTSORT | St. Louis, USA |
| STERBEDATUM | 4. Januar 1965 |
| STERBEORT | London |