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Tabakrauchen (verkĂŒrzt: Rauchen) ist das Inhalieren von Tabakrauch, der durch das Verbrennen (eigentlich Glimmen) tabakhaltiger Erzeugnisse wie Zigaretten, Zigarillos oder Shishatabak entsteht. Zigarren und Pfeifen werden eigentlich âgepafftâ, obwohl man umgangssprachlich hier oft vom Rauchen spricht. Der Ăbergang ist flieĂend, manchmal wird Tabakrauch von Wasserpfeifen oder Zigarillos gepafft, manchmal inhaliert.
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| F17.1 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak (SchÀdlicher Gebrauch) | |
| F17.2 | Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak (AbhÀngigkeitssyndrom) | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2011) | ||
Seitdem die gesundheitsschÀdigenden Folgen des Rauchens sowie des Passivrauchens wissenschaftlich belegt wurden, wird das Thema öffentlich verstÀrkt wahrgenommen und diskutiert. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr 5 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.[1]
Das Rauchen war in verschiedenen altamerikanischen Kulturen schon lange ĂŒblich und wurde dort in erster Linie rituell betrieben. Ălteste Darstellungen rauchender Maya-Priester sind schon von 600â500 v. Chr. bekannt. Die Priester der Maya zĂŒndeten heilige Feuer an und inhalierten dann den Tabakrauch [2]. Nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, der am 6. November 1492 zum ersten Mal den Tabakkonsum von Einheimischen auf der heutigen Insel Kuba dokumentierte, tauchten 1497 erste Berichte ĂŒber die Tabakpflanze in Europa auf. SpĂ€ter gelangte auch Tabak nach Europa, wo womöglich bereits andere Pflanzen geraucht worden waren (beispielsweise Lavendel). EuropĂ€er hatten Tabakrauch zunĂ€chst durch die Nase inhaliert.
Bald war das Rauchen so verbreitet, dass Zar Michail Romanow den Tabakkonsum im 16./17. Jahrhundert mit Strafen wie Verbannung, Exkommunikation und Hinrichtung zu bekĂ€mpfen versuchte â wĂ€hrend andernorts 1625 erstmals die Tabaksteuer eingefĂŒhrt wurde. Ab dem frĂŒhen 19. Jahrhundert war das Rauchen dann wieder sozial weitgehend akzeptiert und als Mittel zum Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Gelassenheit und Ăberlegenheit positiv besetzt.
Im Dritten Reich wurde das Rauchen wieder reglementiert, unter anderem mit der propagierten Aussage âDie deutsche Frau raucht nichtâ eine Senkung der Frauenquote unter den Rauchern erreicht. Nach dem Krieg fanden die MaĂnahmen gegen das Rauchen ein vorlĂ€ufiges Ende. Der US-Konzern Philip Morris versuchte Rauchverbote in Anzeigen mit dieser âNazi-Connectionâ in Misskredit zu bringen (Vergleich von Nichtraucherzonen mit Judenghettos [3]), doch ohne Erfolg.
Mit zunehmender Verbreitung der medizinischen Erkenntnisse ĂŒber die gesundheitsschĂ€dlichen Folgen des Rauchens hat sich die allgemeine EinschĂ€tzung des Rauchens stark zum Negativen hin gewendet. Personen des öffentlichen Lebens vermeiden es heute zugunsten ihres Ansehens als Vorbild meist, sich zum Rauchen zu bekennen.
Der Anteil von Rauchern in bildungsnahen Schichten ist deutlich niedriger als in bildungsfernen Schichten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet 2004, dass in China unter Menschen ohne Schulbildung siebenmal hÀufiger Raucher anzutreffen sind als unter Menschen mit Hochschulabschluss.
In Deutschland betrĂ€gt laut einer 2004 veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) der Raucheranteil unter MĂ€nnern mit einem Einkommen von weniger als 730 ⏠im Monat 43 %; bei MĂ€nnern mit einem Einkommen oberhalb dieser Schwelle liegt der Anteil nur bei 23 %. Von Personen, die einfache, angelernte TĂ€tigkeiten ausĂŒben, rauchen etwa 50 %. Der Anteil der Raucher in der Gruppe der Ărzte sowie Gymnasial- und Hochschullehrer liegt dagegen bei nur 15 %. In der Gruppe der 18- bis 19-JĂ€hrigen mit Hauptschulabschluss liegt der Anteil der Raucher bei 64 %; bei gleichaltrigen Abiturienten betrĂ€gt der Anteil hingegen 39 %.
Auch das Statistische Bundesamt bestÀtigte 2006: Bei Menschen mit einem Abschluss an einer UniversitÀt/Promotion liegt der Raucheranteil bei nur 16 %.
In Deutschland rauchen 37 % der Personen der Unterschicht, 33 % in der Mittelschicht und 28 % in der Oberschicht.
Zu den Berufen mit der höchsten Raucherquote zĂ€hlen Bauhilfsarbeiter (54 % Raucher), StraĂenbauer (52 % Raucher), Transportarbeiter (52 % Raucher), Dachdecker (51 % Raucher) und Berufskraftfahrer (40 % Raucher). Unter den Berufen mit der niedrigsten Raucherquote gibt es nur einen manuellen Beruf, nĂ€mlich Landwirt (17 % Raucher). Andere Berufe mit einer niedrigen Raucherquote sind Elektroingenieur (17 % Raucher), Volksschullehrer (16 % Raucher), Hochschullehrer (15 % Raucher) und Gymnasiallehrer (13 % Raucher).
Die finanzielle Belastung fĂŒr deutsche Raucher, die eine Schachtel Zigaretten tĂ€glich rauchen, betrug im Jahr 2004 ungefĂ€hr 1300 Euro pro Jahr. Der relative Anteil an Ausgaben fĂŒr Tabakwaren ist in finanziell schwachen Haushalten gröĂer als in finanziell starken Haushalten. In einkommensschwachen Gruppen, besonders bei Alleinerziehenden, kann dieser Anteil 10 bis 20 % des verfĂŒgbaren Einkommens betragen.
Ein ErklĂ€rungsmodell fĂŒr die hohe Raucherquote unter weniger gebildeten Menschen ist das von Johannes Siegrist entwickelte Modell der Gratifikationskrise. Nach diesem Modell kommen BeschĂ€ftigte mit niedriger Qualifikation wie zum Beispiel Bauhilfsarbeiter hĂ€ufig in eine emotionale Krise. Sie verausgaben sich beruflich, bekommen jedoch von der Gesellschaft trotzdem wenig Anerkennung. Die emotionale Krise kann zu vermehrtem Rauchen fĂŒhren.
Eine weitere Studie zur gesundheitlichen Situation von Jugendlichen, die Anfang Juni 2004 von der WHO veröffentlicht und in Deutschland von der UniversitĂ€t Bielefeld betreut wurde, bezeichnet deutsche Jugendliche als âEuropameisterâ beim Rauchen: Der Studie zufolge, der in Deutschland Befragungen von 5600 Jugendlichen zugrunde liegen, geben 25 % der 15-jĂ€hrigen Jungen und 27 % der gleichaltrigen MĂ€dchen an, tĂ€glich zu rauchen. Die Studie zeigt einen Zusammenhang auf zwischen dem Befund und Indizien fĂŒr geringe Lebenszufriedenheit, eine negative gesundheitliche SelbsteinschĂ€tzung und geringen Schulerfolg der rauchenden Jugendlichen. Deutschland verfĂŒgte mindestens bis vor wenigen Jahren ĂŒber das dichteste Netz von Zigarettenautomaten auf der Welt: 800.000 auf 82 Millionen Einwohner.[4] Im Jahr 2010 wurden vom Bundesverband Deutscher Tabakwaren-GroĂhĂ€ndler und Automatenaufsteller e.V. (BDTA) noch 380.000 Automaten betrieben.[5]
Laut einer vergleichenden Studie von 2006 rauchten 25,1 % der Medizinstudenten und 20,6 % der Medizinstudentinnen der UniversitÀt Göttingen, wÀhrend in London die entsprechenden Zahlen nur 10,9 % und 9,1 % waren.[6]
In der Schweiz liegt der Anteil der Raucher 2002 bei den 15- bis 24-jÀhrigen MÀnnern bei 39,9 % und bei den Frauen 34,8 %.
Eltern rauchen hĂ€ufiger als kinderlose Paare. Besonders hĂ€ufig rauchen junge Eltern. Junge MĂŒtter (25 bis 29 Jahre) mit Kindern unter sechs Jahren rauchen zu 50 %. Was das Rauchen im Haushalt betrifft, mĂŒssen die VĂ€ter mit einbezogen werden. So gerechnet sind 60 Prozent aller Haushalte mit Kindern unter sechs Jahren nicht rauchfrei. In der unteren sozialen Schicht wird sogar in drei von vier Haushalten mit Kindern unter sechs Jahren geraucht. In der oberen Schicht ist es nur ein Drittel. Im Rauchverhalten der schwangeren Frauen zeigt sich ebenfalls ein sozialer Trend. In der Oberschicht rauchen 24 % und in der Mittelschicht 17 % der schwangeren Frauen. In der unteren Schicht sind es 40 %.
Verschiedene christliche oder andere religiöse Gruppen sind der Auffassung, dass Tabakrauchen und andere sĂŒchtigmachende Substanzen nicht zu einem Leben nach dem Willen Gottes passen. Dazu gehören zum Beispiel die Siebenten-Tags-Adventisten sowie die Zeugen Jehovas. BegrĂŒndet wird diese Einstellung unter anderem mit Anweisungen aus der Bibel, zum Beispiel 1. Korintherbrief 3, 16+17: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (Zitiert nach der Schlachter-Bibel, Ausgabe 2000)
Der berĂŒhmte Rabbi Yisrael Meir Kagan (1838â1933) sprach sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gegen das Rauchen aus. Er bezeichnete das Rauchen als Gesundheitsgefahr und Zeitverschwendung. Rabbi Moshe Feinstein (1895â1986) meinte, dass die Halacha das Rauchen gestatte; trotzdem sagte er, es sei nicht empfehlenswert. Feinstein lehnt jedoch das Rauchen innerhalb von GebĂ€uden vollkommen ab, weil es auch die Gesundheit Unbeteiligter schĂ€dige. Rabbi Solomon Freehof sprach sich ebenfalls gegen das Rauchen aus.
Die fĂŒhrenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der Tabakforschung sind der Meinung, dass der soziale Kontext einer Person und die gesellschaftliche Einstellung gegenĂŒber dem Rauchen die wichtigsten Faktoren zur Entstehung der TabakabhĂ€ngigkeit schlechthin sind.
Wer ĂŒber lĂ€ngere Zeit einer sozialen Gruppe angehört, in der die meisten Mitglieder rauchen (zum Beispiel in der Familie, einer Wohngemeinschaft oder der Clique), erliegt einem höheren Risiko, selbst Raucher zu werden. Auch Partnerschaften zweier Menschen, bei denen beide nur gelegentlich rauchen, können zu einer Steigerung des Rauchens fĂŒhren, weil es in einer Partnerschaft mehr Gelegenheiten gibt, gemeinsam zu rauchen.
Als weiteren Entstehungsgrund fĂŒr Tabakkonsum geben die Forscher an, dass in weiten Teilen der öffentlichen Wahrnehmung mit dem Rauchen positive Eigenschaften wie zum Beispiel der Förderung der Kommunikation und Entspannung assoziiert werden. Diese Ansicht pflegt insbesondere die Tabakwerbung.
Obwohl Suchtverhalten bei den meisten Rauchern einen groĂen Anteil der Rauchgewohnheit ausmacht, gibt es neben sozialen und soziodynamischen GrĂŒnden fĂŒr das Rauchen auch andere Aspekte, die viele Raucher als angenehm empfinden.
Die Wirkung von Nikotin, auch in Kombination mit Koffein, morgens oder nach lĂ€ngeren ermĂŒdenden TĂ€tigkeiten, beschreiben Raucher als anregend. Besonders Menschen mit Schlafstörungen und chronisch verschobener innerer Uhr (sogenannte Nachtmenschen) sind fĂŒr dieses Verhaltensmuster am Morgen empfĂ€nglich.[7] NatĂŒrlich behindern die aufputschenden MaĂnahmen am Tag den nĂ€chsten Nachtschlaf auch wieder, so dass es fĂŒr die Betroffenen schwer wird, aus diesem Kreislauf auszubrechen.
Ein weiterer Aspekt ist das Sich-Zeit-Verschaffen. Die âZigarettenpauseâ dient als Zeit der Erholung und der sozialen Kommunikation, in ihr wird fĂŒr einige Minuten Abstand von Arbeit und Stress gewonnen. Rauchen senkt die Appetitschwelle. Es wirkt daher spezifisch dĂ€mpfend auf das Essverhalten. Das beschreiben Raucher im Kampf gegen tatsĂ€chliches oder vermeintliches Ăbergewicht als angenehm bzw. hilfreich.
Insbesondere Jugendliche empfinden die soziale Wirkung des Rauchens als positiven Impuls. Jugendliche und Heranwachsende, die sich lĂ€ngere Zeit in einem rauchenden Milieu (z.B. in Gesellschaft rauchender Eltern und Kollegen) aufhalten, sind fĂŒr diese subjektiv empfundene Wirkung sehr empfĂ€nglich. Das hierdurch ausgelöste GefĂŒhl der Dazugehörigkeit wird von vielen, insbesondere auch jungen Rauchern, als angenehme Wirkungsweise dargestellt.
Beim Rauchen wird das in der Zigarette enthaltene Nikotin freigesetzt, wovon bis zu 95 % im Körper verfĂŒgbar ist (BioverfĂŒgbarkeit). Ein Teil des aufgenommenen Nikotins erreicht innerhalb von 7 bis 8 Sekunden das Gehirn, wo es auf die so genannten nicotinergen Acetylcholinrezeptoren wirkt und eine Reihe physiologischer Reaktionen auslöst, in deren Verlauf die AusschĂŒttung bestimmter Botenstoffe aktiviert wird. Das hohe Suchtpotenzial wird neben der direkten Wirkung auf die nicotinergen Acetylcholinrezeptoren vor allem der Beeinflussung des Dopaminsystems, insbesondere dem Belohnungszentrum des Gehirns, dem Nucleus accumbens, zugeschrieben. Durch das Dopamin wird maĂgeblich der Belohnungseffekt des Rauchens vermittelt, so dass dieses die Aufnahme des Nikotins unmittelbar als existenziell notwendige Handlung interpretiert.
Die ebenfalls angeregte AusschĂŒttung des Noradrenalins bewirkt eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die vermehrte AusschĂŒttung des Acetylcholins löst einen Lernprozess im Gehirn aus, welcher die beschriebenen Effekte nachhaltig, jedoch unbewusst in das GedĂ€chtnis des Konsumenten einspeichert.
Die regelmĂ€Ăige Nikotinaufnahme fĂŒhrt zu einer Vermehrung der zentralen nicotinergen Acetylcholinrezeptoren, wodurch es beim Ausbleiben der Nikotinzufuhr zu Entzugssymptomen kommt, die zunĂ€chst nur unbewusst wahrgenommen werden und zum erneuten Konsum von Tabakerzeugnissen fĂŒhren.
Die von den Zigarettenherstellern dem Tabak beigegebenen Stoffe wie Ammoniumsalze und Menthol beschleunigen das Anfluten des Nikotins im Blut. Der These, dass der Zusatz von Ammoniumverbindungen zum Zigarettentabak die Aufnahme von Nikotin aus dem Rauch verstĂ€rkt, widerspricht eine wissenschaftliche Studie aus dem Herbst 2011. Sie wurde von einem staatlichen Forschungsinstitut in den Niederlanden durchgefĂŒhrt und zeigte, dass der Ammoniumgehalt im Tabak keinen Einfluss auf die Nikotinaufnahme hat.[8] Menthol dĂ€mpft den Hustenreiz und betĂ€ubt die schmerzenden Atemwege. Zuckerstoffe und Kakao nehmen dem Rauch die SchĂ€rfe, wodurch es einfacher wird, den Rauch zu inhalieren. Mediziner-Organisationen sind der Auffassung, die Beimengung dieser Stoffe diene dazu, insbesondere Kindern und Jugendlichen den Einstieg in die Raucherkarriere zu erleichtern.
Neue Forschungen haben gezeigt, dass Raucher eher als Nichtraucher dazu neigen, die Konsequenzen alternativer Handlungen in ihren Entscheidungen unberĂŒcksichtigt zu lassen. In Verhaltensexperimenten mit fiktiven Aktienpaketen wurde deutlich, dass Nichtraucher beim Entwickeln einer Anlegestrategie auch den entgangenen Gewinn von Anlegealternativen in ihre Ăberlegungen einbezogen, wĂ€hrend das bei Rauchern nicht der Fall war. Die Forscher schlieĂen daraus, dass Raucher nach der gleichen Verhaltensweise auch die positiven Auswirkungen des Nichtrauchens verdrĂ€ngen und deshalb ĂŒberhaupt nicht erwĂ€gen, mit dem Rauchen aufzuhören.[9]
Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die starke GesundheitsschĂ€dlichkeit des Rauchens allgemein bekannt. Die Gesundheitsgefahren durch Rauchen sind sowohl epidemiologisch als auch durch biochemisch-molekularbiologische Untersuchungen zweifelsfrei belegt. Tabakrauch enthĂ€lt einige tausend Stoffe, von denen viele bereits fĂŒr sich genommen krebserregend sind.
Das Bundesverfassungsgericht stellte 1997 fest, dass Rauchen gesundheitsschĂ€dlich ist. Weiterhin wurde höchstrichterlich festgestellt, dass nach heutigem medizinischem Kenntnisstand gesichert ist, dass Rauchen Krebs sowie Herz- und GefĂ€Ăkrankheiten verursacht und damit zu tödlichen Krankheiten und Gesundheitsgefahren fĂŒr nicht rauchende Mitmenschen fĂŒhrt. Bei Tabakerzeugnissen handelt es sich um Genussmittel, bei deren bestimmungsgemĂ€Ăer Verwendung GesundheitsschĂ€den regelmĂ€Ăig auftreten (BVerfG, B. v. 22. Januar 1997, Az. 2 BvR 1915/91, in: BVerfGE 95, 173).
Die Schadstoff-Aufnahme beim Tabakrauchen ist enorm: Wer ĂŒber einen Zeitraum von 20 Jahren tĂ€glich eine Schachtel (=20 Zigaretten) raucht, nimmt mit seiner Lunge insgesamt 6 kg Rauchstaub auf und jĂ€hrlich eine Tasse Teer (âKondensatâ). Die Lebenserwartung sinkt â statistisch gesehen â um sechs Jahre (bzw. â22 Minuten pro Zigarette) (bei zehn Zigaretten tĂ€glich um drei Jahre, bei zwei Schachteln tĂ€glich um rund acht Jahre). Das Nikotin verursacht Durchblutungsstörungen, das Kohlenmonoxid Sauerstoffmangel in allen Organen â und auĂerdem sind Stoffe wie BlausĂ€ure, Benzol und Benzo[a]pyren im Zigarettenrauch nachweisbar.
Das Einatmen von Tabakrauch ist ein gesicherter Risikofaktor fĂŒr die folgenden Erkrankungen:
Durch das Rauchen steigt das â im Vergleich zur Gesamtbevölkerung â relative Risiko fĂŒr Krebserkrankungen am deutlichsten, gefolgt von den Magen- und DarmgeschwĂŒren, den chronischen Lungenerkrankungen und den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders deutlich wird die Risikozunahme beim Lungenkrebs: Mehr als 85 % der Lungenkrebspatienten, aber â je nach Altersgruppe, Geschlecht und Population â nur etwa 25 bis 35 Prozent der Normalbevölkerung, sind Raucher. Auch bei ehemaligen Rauchern bleibt ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bestehen. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass die AktivitĂ€t von Genen, die fĂŒr die Reparatur der DNA zustĂ€ndig sind und die Entwicklung von Lungenkrebs aufhalten könnten, bei Rauchern dauerhaft herabgesetzt ist. Nachdem die Diagnose Lungenkrebs gestellt wurde liegt die Wahrscheinlichkeit die nĂ€chsten fĂŒnf Jahre zu ĂŒberleben bei nur 15 bis 18 %.[11]
Rauchen begĂŒnstigt auch die Entstehung der anderen obengenannten Krebsarten und ist der stĂ€rkste Risikofaktor fĂŒr Herzinfarkte und HerzgefĂ€Ăerkrankungen (98 % aller Infarktpatienten unter 40 Jahren sind Raucher). Plötzliche, beim Aufstehen und Losgehen auftretende Schmerzen unterhalb der Kniekehle können auf ein Erkrankungen der Beinarterien hindeuten, bei deren Verschluss (Arteriosklerose) Zehen, spĂ€ter FĂŒĂe und Unterschenkel absterben können. Ein Lungenemphysem (LungenblĂ€hung) erlaubt es dem Patienten nur noch mit MĂŒhe auszuatmen. Die LungenblĂ€schen entleeren die ausgeatmete Luft nur noch zum Teil, platzen schlieĂlich, und durch die verminderte SauerstoffsĂ€ttigung des Blutes können die Patienten im spĂ€teren Verlauf nur noch durch unnatĂŒrlich schnelles Atmen bzw. mit Hilfe von Sauerstoff-AtemgerĂ€ten ĂŒberleben.
Weiterhin besteht die Gefahr, dass das Rauchen den Verlauf einer vorliegenden chronischen Erkrankung ungĂŒnstig beeinflusst. So ist das Risiko eines Voranschreitens der Behinderung bei der Multiplen Sklerose deutlich erhöht.[12]
Die verbreitete Annahme, Zigaretten mit reduziertem Nikotin- und Teergehalt seien weniger schĂ€dlich als ânormaleâ Zigaretten ist mittlerweile hinreichend widerlegt. So konnte gezeigt werden, dass das von den sogenannten Light-Zigaretten ausgehende Gesundheitsrisiko genauso hoch ist wie das der Zigaretten mit höherem Teer- und Nikotingehalt.[13] Aus diesem Grund ist die Verwendung solcher fĂŒr den Konsumenten irrefĂŒhrender Begriffe wie âlightâ in der EU seit 2003 untersagt. DarĂŒber hinaus belegt eine aktuelle Studie, dass Rauchern von âLight-Zigarettenâ das Aufgeben des Tabakrauchens sogar erheblich schwerer fĂ€llt als Rauchern von Zigaretten mit höherem Teer- und Nikotingehalt.
Studien, die Hinweise auf einen möglichen Schutz vor der Alzheimer-Krankheit und anderen Demenzerkrankungen durch das Rauchen ergeben hatten, gelten mittlerweile als widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall. In mehreren Metasstudien wurde festgestellt, dass Raucher ein signifikant höheres Risiko fĂŒr eine Demenz durch Alzheimer-Krankheit haben als Nichtraucher. Das Risiko fĂŒr eine vaskulĂ€re Demenz und leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen ist nicht oder nur geringfĂŒgig erhöht.[14]
Das in der Regel unfreiwillige Passivrauchen kann identische Symptome und Krankheiten verursachen. Bei Kindern von Rauchern ist eine deutlich höhere InfektionsanfÀlligkeit zu beobachten. Nikotin und weitere metabolische Giftstoffe aus dem Tabakrauch lassen sich noch nach Monaten im Haar beziehungsweise im Körper und im Urin nachweisen.
In einer 2010 veröffentlichten Studie der Southwest Foundation for Biomedical Research in San Antonio, Texas, identifizierten Wissenschaftler mehr als 300 Gene, deren Funktion durch das Rauchen verĂ€ndert wird. Zudem beeintrĂ€chtigt der Tabakkonsum laut dieser Studie nicht nur einzelne, sondern auch ganze Netzwerke von Genen. Diese Gene stehen im direkten Zusammenhang mit den durch Zigarettenrauch verursachten Erkrankungen. Besonders das Immunsystem wĂŒrde durch die verĂ€nderte GenaktivitĂ€t negativ beeinflusst, da viele fĂŒr die Abwehr von Krankheitserregern relevanten Gene in ihrer Funktion gestört seien. Das Rauchen begĂŒnstige zudem ĂŒbermĂ€Ăig viele Prozesse, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. [15]
Rauchen ist â im Wesentlichen bedingt durch die gefĂ€Ăverengende Wirkung[16][17] â eine der Hauptursachen fĂŒr Erektile Dysfunktion.[18][19][20][21]
DarĂŒber hinaus reduziert das Rauchen die QualitĂ€t der Spermien, was in einer verminderten Fruchtbarkeit resultiert.[18]
Was aufgrund der negativen Auswirkungen der Tabakrauch-Inhaltsstoffe auf das Immunsystem schon seit langem in der Praxis festgestellt wurde, wurde im November 2006 fĂŒr orthopĂ€dische Verletzungen streng evidenzbasiert in zwei Kontrollgruppen-Studien an Tieren als nachgewiesen publiziert. Knochen- und BĂ€nderverletzungen heilen unter der Einwirkung von Tabakrauch-Ausgesetztsein (Passivrauchen) deutlich langsamer als bei jenen Lebewesen, die dem nicht ausgesetzt waren. MĂ€use, die regelmĂ€Ăig Zigarettenrauch ausgesetzt waren und einen chirurgisch zugefĂŒgten Knochenbruch ausheilen mussten, hatten einen stark verringerten Spiegel von Typ II-Kollagen. Der Heilungsprozess verlief also deutlich langsamer. Auch in einer weiteren Studie zu Heilprozessen bei Verletzungen des BĂ€nderapparats erwiesen sich die unter kontrollierten Laborbedingungen dem Tabakrauch ausgesetzten Tiere als deutlich geringer regenerationsfĂ€hig. Bereits nach einer Woche des ĂŒber zwei Monate angelegten Forschungsplans hatten die MĂ€use der Kontrollgruppe eine deutlich höhere Zelldichte im Wundgebiet.[22] US-amerikanische statistische Analysen klinischer Daten zeigen ohnehin, dass Raucher unter den Patienten nachweislich hĂ€ufiger betroffen sind von HĂŒftfrakturen und Knocheninfektionen sowie Verzögerungen bei der Wund- und Frakturheilung erleiden.[23]
Der Heilungsprozess nach dem Einsatz von Zahnimplantaten wird durch den Konsum von Nikotin erheblich erschwert, da dieses die GefĂ€Ăe verengt und das Zahnfleisch nicht mehr normal durchblutet wird.
Eine weitere Gefahr fĂŒr die Gesundheit geht von radioaktiven Stoffen aus. Sie sind im Zigarettenrauch enthalten, weil die BlĂ€tter der Tabakpflanze mit den Trichomen eine Struktur besitzen, die mit Schwermetallen besetzte Staubteilchen besonders gut aus der Luft herausfiltert. Unter diesen Schwermetallen befinden sich auch radioaktive.[24]
Die radioaktiven Nuklide stammen zum Teil noch aus oberirdischen Tests von Nuklearwaffen in den 1950er/1960er Jahren und SatellitenabstĂŒrzen der 1970er Jahre.[25] Der gröĂte Teil der RadioaktivitĂ€t stammt jedoch von Polonium-210, das in der Erde der Anbauregionen natĂŒrlich vorkommt oder durch PhosphatdĂŒnger auf das Feld gelangt.
Zur jĂ€hrlichen Strahlenbelastung durch das Rauchen existieren verschiedene Untersuchungen. So gibt es mehrere Studien, die bei einem Konsum von 30 Zigaretten am Tag effektive Dosen pro Jahr von 0,16 mSv bis 1,31 mSv angeben[26][27][28]. Eine andere Studie des amerikanischen National Council on Radiation Protection & Measurements kommt zu wesentlich höheren Dosen, bei denen bei gleichem Konsum eine durchschnittliche Lungendosis von 160 mSv/a bzw. eine effektive Ăquivalenzdosis von 13 mSv/a angegeben wird[29].
Die jĂ€hrliche Gesamtstrahlenbelastung liegt in Deutschland im Durchschnitt bei 4,05 mSv. Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass die durch Tabakrauch inhalierten Radionuklide zu einem signifikanten Anteil fĂŒr Lungenkrebserkrankungen verantwortlich sind[30].
Durch Zigarettenrauchen entsteht Feinstaub, der besonders in geschlossenen RĂ€umen eine hohe Konzentration erreichen kann. Das wies eine Untersuchung des Dublin Institute of Technology unter Leitung von Patrick Goodman nach.[31] Die Arbeitsgruppe untersuchte die LuftqualitĂ€t und den Gesundheitszustand von Angestellten in Bars und Kneipen Dublins sieben Monate vor EinfĂŒhrung des allgemeinen Rauchverbots in Irland am 29. MĂ€rz 2004 und genau ein Jahr danach. Man stellte fest, dass die Feinstaub-Konzentration in dem Zeitraum um 83 % gesunken war. Da dieser Feinstaub als krebserregend gilt, geht von ihm vermutlich eine besondere GesundheitsgefĂ€hrdung aus. Auch die Konzentration des ebenfalls als krebserregend geltenden Benzols sank um 80 %. AuĂerdem unterzogen sich 81 Angestellte einem Lungenfunktionstest, bei dem sich herausstellte, dass beim zweiten Test die Menge des ausgeatmeten Kohlenmonoxids im Schnitt um 79 % gesunken war.
Beim Rauchen von Filterzigaretten werden feinste Staubpartikel aus dem Filter mitinhaliert. In einer Stellungnahme des Bundesinstituts fĂŒr gesundheitlichen Verbraucherschutz und VeterinĂ€rmedizin vom 4. Juni 2002, die im Jahr 2012 nicht mehr im Web verfĂŒgbar ist, heiĂt es dazu: âEs wurde beschrieben, dass beim Rauchen von Zigaretten mit Celluloseacetatfiltern Celluloseacetatfasern, die mit âTeerâ bzw. polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen beschichtet sind, in den Mund gelangen und dass derartige Fasern in den Lungen von Patienten, die an Lungenkrebs erkrankt waren, entdeckt werden konnten. Auch das Verschlucken solcher Fasern wurde theoretisch erwogen. Des Weiteren wurde bewiesen, dass beim Rauchen von Zigaretten mit Aktivkohle-haltigen Filter Kohlepartikel freigesetzt wurden. Daraus wurde die Vermutung abgeleitet, dass mit Tabakrauch-Toxinen beschichtete Kohlepartikel beim Rauchen inhaliert oder geschluckt werden könnten."
Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft werden 30 % bis 40 % aller Mangelgeburten und bis zu 14 % aller FrĂŒhgeburten durch Rauchen in der Schwangerschaft verursacht.[32] Starke Raucherinnen werden auch seltener schwanger als andere Frauen.[33] In Deutschland rauchten in 2006 17,3 % der MĂŒtter wĂ€hrend der Schwangerschaft â doppelt so viel wie in den USA oder in Schweden.[32]
Rauchen in der Schwangerschaft gefĂ€hrdet den Embryo bzw. Fötus, da die von der Mutter eingeatmeten Giftstoffe ĂŒber den Blutkreislauf in den kindlichen Organismus gelangen. Einige Karzinogene, die im Tabakrauch enthalten sind, können auch im Blut Ungeborener nachgewiesen werden und eine höhere Anzahl an Nikotinrezeptoren im Gehirn macht spĂ€testens im Jugendalter die Entwicklung einer AbhĂ€ngigkeit wahrscheinlich. Durch das Rauchen werden die BlutgefĂ€Ăe der Plazenta verengt und somit die Sauerstoffversorgung des Kindes beeintrĂ€chtigt. Starkes Rauchen schĂ€digt den Uterus und verringert die FertilitĂ€t, denn die befruchtete Eizelle kann sich nur schwerer im Endometrium einnisten. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko fĂŒr Fehlgeburt, Fehlbildungen (zum Beispiel die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), Mangelentwicklung und FrĂŒhgeburtlichkeit. Die Geburtsgewichte von Babys rauchender MĂŒtter sind im Durchschnitt deutlich niedriger als die von Babys, deren MĂŒtter nicht rauchen (Nichtraucher: 11 Prozent unter 2500 Gramm; bis zehn Zigaretten pro Tag: 17 Prozent unter 2500 Gramm; mehr als 20 Zigaretten pro Tag: 25 Prozent unter 2500 Gramm). Auch eine Risikoerhöhung fĂŒr die Kinder, spĂ€ter am plötzlichen Kindstod zu sterben oder an LeukĂ€mie zu erkranken, wird durch das Rauchen hervorgerufen. Auch eine Risikoerhöhung fĂŒr genetische Abweichungen ist mittlerweile nachgewiesen. Die Fehlbildungsrate steigt mit dem Zigarettenrauchen von Mutter und Vater ĂŒber den Durchschnitt. Neueren Studien zufolge (siehe Links) ist auch eine SchĂ€digung der Chromosomen des Kindes durch den Nikotinkonsum der Schwangeren möglich. Erwiesen ist die erhöhte AnfĂ€lligkeit der Kinder rauchender MĂŒtter fĂŒr Allergie-, Bronchitis- und Asthmaerkrankungen sowie fĂŒr MittelohrentzĂŒndungen (2- bis 3-mal hĂ€ufiger als im Durchschnitt). Im Schulalter sind Kinder aus Raucherhaushalten hĂ€ufiger ĂŒbergewichtig und verhaltensauffĂ€llig (KonzentrationsschwĂ€che, Unaufmerksamkeit, HyperaktivitĂ€t, ImpulsivitĂ€t, aggressives Verhalten, Störungen der Lautsprachentwicklung). Rauchen der Mutter bzw. Eltern wĂ€hrend der Schwangerschaft schĂ€digt nach den neuesten Untersuchungen US-amerikanischer Forscher sogar die Gesundheit von deren Enkelkindern. Es scheint inzwischen nachgewiesen zu sein, dass Rauchen wĂ€hrend der Schwangerschaft die SamenqualitĂ€t der mĂ€nnlichen Nachkommen so signifikant herabsetzt, dass deren Chancen, spĂ€ter selbst Kinder zu bekommen deutlich vermindert sind.[34] Das könnte auch Grund fĂŒr die zur Zeit offensichtlich fallende mĂ€nnliche Fruchtbarkeit sein: Die MĂŒttergeneration der jetzt 20- bis 40-JĂ€hrigen ist die erste, in der Frauen in groĂem Stil geraucht haben.
Die Berliner Charité fand in einer Studie Hinweise darauf, dass Raucher in manchen Gehirngebieten weniger Graue Substanz besitzen als Nichtraucher.[35]
Raucher neigen möglicherweise hĂ€ufiger zum Selbstmord als Nichtraucher. In einer Studie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen in MĂŒnchen (Alter 14-24 Jahre)[36] lag das Risko fĂŒr einen Selbstmordversuch wĂ€hrend der 4jĂ€hrigen Beobachtungszeit fĂŒr diejenigen, die zu Beginn der Studie Nichtraucher waren, bei 1,2%, fĂŒr regelmĂ€Ăige, nicht-abhĂ€ngige Raucher bei 2,7%, und fĂŒr abhĂ€ngige Raucher bei 4,2%. Unklar ist, ob Rauchen die Folge oder die Ursache der erhöhten Selbstmordneigung ist oder ob beides auf eine andere, gemeinsame Ursache zurĂŒckgeht.
Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa sechs bis zehn Jahre niedriger. Dabei sind die betreffenden statistischen Auswertungen aufgrund der multiplen einwirkenden Risikofaktoren fĂŒr die Lebenserwartung in ihrer jeweiligen Aussagekraft fraglich. So spielt zum Beispiel statistisch auch eine wesentliche Rolle, dass Raucher, unabhĂ€ngig vom Tabakkonsum, aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur ein allgemein höheres Lebensrisiko haben, beispielsweise durch schnelleres Fahren, höheren Alkoholkonsum, sorgloseren Umgang mit SonnenbrĂ€nden und/oder eine allgemein höhere Risikobereitschaft. Kritiker können nicht ausschlieĂen, dass diese Faktoren in den genannten Ergebnissen bereits eingerechnet sind.
Zu solchen Erkenntnissen gelangt man mit Hilfe von ausgefeilten statistischen Methoden, zum Beispiel mit sogenannten Statistischen Zwillingen. Statistische Zwillinge sind Personen, die aus einer groĂen Zahl von Probanden ausgewĂ€hlt worden sind, weil 25 Faktoren, die gesundheitliche Bedeutung haben, bei ihnen ĂŒbereinstimmen. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Familienstand, GröĂe und Gewicht, Vorerkrankungen, erbliche Disposition fĂŒr Krebs, aber auch Erziehung und Religion, Stadtwohnung oder Landwohnung sowie Abstammung und NationalitĂ€t. In dem zu untersuchenden Faktor stimmten sie aber nicht ĂŒberein: die einen rauchten, die anderen nicht. Hammond hat beginnend in den 1950er Jahren 36.975 derartige statistische Zwillingspaare im Alter zwischen 40 und 80 Jahren ĂŒber einige Jahre untersucht. Am Ende der Beobachtungszeit waren 1.385 Raucher, aber nur 662 Nichtraucher gestorben; das ist eine Quote von mehr als 2 zu 1. Von den Nichtrauchern starben zwölf an Lungenkrebs, von den Rauchern hingegen 110.[37]
Das biologische Alter von Rauchern ist um 4,6 Jahre höher als das ihrer Altersgenossen, da durch das Rauchen wichtige Teile der DNA behindert oder zerstört werden, nĂ€mlich die Telomere. Diese schĂŒtzen die DNA. Sind sie kaum oder nicht mehr vorhanden altert und erkrankt man schneller.
Das Sterberisiko steigt innerhalb von 20 Jahren um 56 %, wenn man sich wenig bewegt, um 52 % durch Rauchen, um 31 % durch schlechte ErnÀhrung und um 26 % durch viel Alkohol.[38]
Je frĂŒher das Rauchen beginnt, desto gröĂer das Risiko eines frĂŒheren Todes â erst nach 15 Jahren Abstinenz vom Rauchen ist das Risiko eines Todes aufgrund von HerzgefĂ€Ăerkrankungen wieder so gering wie bei Menschen, die noch nie geraucht haben. Insgesamt ist das Risiko einer Erkrankung bzw. des Todes infolge Rauchens abhĂ€ngig von:
Eine 2011 veröffentlichte Studie, die Daten aus 30 europĂ€ischen LĂ€ndern untersuchte, kam zu dem Schluss, dass zwischen 40 und 60 Prozent des Geschlechterunterschieds in der Lebenserwartung auf das Rauchen von Tabak zurĂŒckzufĂŒhren seien.[39]
Eine groĂe Metastudie der Northwestern University in Chicago (18 verschiedene Studien analysiert. Die Studie wurde 2012 veröffentlicht im New England Journal of Medicine. Mehr als 250.000 MĂ€nner und Frauen (alle im Alter von 45 bis 75) wurden untersucht und mindestens zehn Jahre lang begleitet (= LĂ€ngsschnittstudie).[40] Ein Ergebnis: Schon einer der groĂen vier Risikofaktoren â Rauchen, Diabetes, zu hoher Blutdruck oder Cholesterinspiegel â kann das normale Risiko auf etwa das Zehnfache steigern.[41]
In Deutschland wurden 2008 rund 5,2 % aller SterbefĂ€lle auf fĂŒr Raucher symptomatische Krebserkrankungen zurĂŒckgefĂŒhrt. Allein Lungenkrebs forderte 42.319 Todesopfer. Insgesamt starben 2008 in Deutschland 43.380 Menschen infolge von Krebserkrankungen, die auf den Konsum von Tabak zurĂŒckgefĂŒhrt werden konnten.[42] Den Angaben der Deutschen Hauptstelle fĂŒr Suchtfragen zufolge, ist von jĂ€hrlich zirka 110.000 bis 140.000 tabakbedingten TodesfĂ€llen auszugehen [43] (zum Vergleich: 2009 wurden 1.331 Drogentote durch illegale Rauschmittel registriert). Die Zahl der Toten durch Alkoholmissbrauch wird auf ĂŒber 70.000 geschĂ€tzt, wobei bei 74 % dieser FĂ€lle Mischkonsum mit Tabak vorliegt.[44]
Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO schĂ€tzen, dass in diesem Jahrhundert etwa eine Milliarde Menschen aufgrund des Rauchens von Tabak sterben werden. Weltweit fordert das Rauchen etwa 5,4 Millionen Tote pro Jahr, was laut Douglas Bettcher von der WHO so viele Tote sind, wie wenn jede Stunde ein Jumbojet abstĂŒrzen wĂŒrde.[45] Durch Passivrauchen sterben jĂ€hrlich weltweit etwa 600.000 Menschen, davon alleine 165.000 Kinder, die sich dem Rauch besonders schwer entziehen können.[46]
Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zĂ€hlte Lungenkrebs zu den Ă€uĂerst seltenen Krankheiten. So betrug beispielsweise der Anteil von Lungenkrebs an allen Krebserkrankungen die 1878 bei Autopsien am pathologischen Institut der UniversitĂ€t Dresden lediglich 1 %. Die HĂ€ufigkeit dieser Erkrankung nahm in den folgenden Jahren immer weiter zu. 1918 erreichte Lungenkrebs einen Anteil von fast 10 und 1927 von ĂŒber 14 % aller Krebserkrankungen. Das Handbuch der speziellen Pathologie und Therapie vermerkte in der Ausgabe des Jahres 1930, dass die bösartigen LungengeschwĂŒlste zu Beginn des neuen Jahrhunderts und noch stĂ€rker nach dem Ersten Weltkrieg zunahmen. Die meisten Tumoren wurden dabei bei MĂ€nnern beobachtet. Die Ăberlebenszeit zwischen Erstdiagnose und Tod betrug ĂŒblicherweise 6 bis 24 Monate, wobei in fast allen FĂ€llen der Erkrankung eine langjĂ€hrige chronische Bronchitis vorausging. Im Handbuch wurden die möglichen Ursachen fĂŒr die Zunahme der Lungenkrebsinzidenz diskutiert. Die durch die Industrie verursachte Luftverschmutzung mit toxischen Gasen und Staub, das Asphaltieren der StraĂen, die Zunahme des motorisierten StraĂenverkehrs, die Exposition mit chemischen Kampfstoffen wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs, die Spanische Grippe (1918) und die Exposition mit Benzol bzw. Benzin wurden in Betracht gezogen. Das Tabakrauchen wurde dabei nur am Rande als mögliche Ursache angesprochen. Es wurde ausgefĂŒhrt, dass bisher die meisten Studien keinen Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs aufzeigen konnten.[47] Bereits ein Jahr zuvor veröffentlichte der Dresdner Arzt Fritz Lickint einen Ăbersichtsartikel (Tabak und Tabakrauch als Ă€tiologischer Faktor des Carcinoms),[48] in dem er den Tabakrauch als krebsauslösenden Faktor identifizierte. Theodor Fahr Ă€uĂerte bereits 1923 bei einer Tagung der Deutschen Pathologischen Gesellschaft als einer der ersten Wissenschaftler den Verdacht, dass zwischen Rauchen und Bronchialkarzinom ein Zusammenhang besteht:
âAls Reiz fĂŒr die Entstehung des Bronchialkrebses kommt m. E. nur eine chronisch wirkende SchĂ€dlichkeit in Betracht, schwerlich eine Vergiftung mit Kampfgasen, viel eher das Inhalieren beim Zigarettenrauchen, welches zweifellos zugenommen hat.â
â T. Fahr: Diskussionsbemerkung zu TeutschlĂ€nder: âĂber Metaplasie und Krebsbildungenâ. In: Verh Dtsch Path Ges Band 19, 1923, S. 192.
Der Terry-Report lieferte den ersten toxikologischen und somit wissenschaftlich sicheren Beweis dafĂŒr, dass Zigarettenrauchen zu einem deutlich erhöhten Auftreten von Lungentumoren (-krebs) fĂŒhrt. Auch Kehlkopf-, Mundhöhlen-, Speiseröhren-, Blasen- und Pankreastumore können vom Tabakrauch erzeugt werden. Als der Report erschien und die SchĂ€dlichkeit eingeatmeten Teerkondensates fĂŒr StraĂenbau- und Fabrikarbeiter sowie Raucher bekannt wurde, gaben viele Ărzte in GroĂbritannien das Rauchen auf. Zur gleichen Zeit, von 1953 bis 1965, lief jedoch bereits eine Langzeitstudie ĂŒber die Anzahl der TodesfĂ€lle. Das Ergebnis zeigte, dass die Zahl der lungenkrebsbedingten TodesfĂ€lle bei 35- bis 64jĂ€hrigen MĂ€nnern in GroĂbritannien um 7 % stieg â die der Ărzte sank im gleichen Zeitraum um 38 %. Von fĂŒnf Nichtrauchern erreichte einer nicht mehr das Rentenalter â von Rauchern (Zigarettenkonsum: 25 StĂŒck tĂ€glich und âauf Lungeâ) hingegen zwei.
ZusĂ€tzlich gefĂ€hrdet waren untersuchte Raucherinnen, die die Antibabypille nahmen: Sie erkrankten achtmal hĂ€ufiger an Schlaganfall, Thrombose und Herzinfarkt. Bei schwangeren Raucherinnen wurde zusĂ€tzlich die Plazenta weniger durchblutet, so dass die Leibesfrucht weniger NĂ€hr- und Sauerstoff enthielt. Das Risiko einer Fehl- bzw. FrĂŒhgeburt wurde bei einem Konsum von 20 Zigaretten tĂ€glich doppelt so groĂ wie das der Nichtraucherinnen, und das Geburtsgewicht der SĂ€uglinge fiel um durchschnittlich 200 g. Die schulischen Leistungen elfjĂ€hriger Kinder, deren MĂŒtter wĂ€hrend der Schwangerschaft geraucht hatten, lagen so zum Beispiel im Durchschnitt etwa drei Monate zurĂŒck gegenĂŒber den nicht derart vorgeschĂ€digten Kindern.
1986/87 wurden in den USA und GroĂbritannien weitere umfangreiche Behördenberichte ĂŒber die SchĂ€dlichkeit von Zigarettenrauch vorgelegt. Demnach ist das Risiko, durch Passivrauchen an Lungenkrebs zu erkranken, fĂŒr den nichtrauchenden Partner von rauchenden Ehepartnern zwei- bis dreimal so hoch wie das durchschnittliche Risiko fĂŒr Nichtraucher. Statistisch gesehen wird von 1000 jungen MĂ€nnern, die rauchen, einer ermordet. Sechs davon kommen durch VerkehrsunfĂ€lle ums Leben, aber 250 sterben an FolgeschĂ€den und -krankheiten des Rauchens. Die Lebenserwartung sinkt also pro Zigarette um zirka 15 Minuten, d. h., bei 20 Zigaretten tĂ€glich hat man eine um fĂŒnf Jahre kĂŒrzere Lebenserwartung, bei 40 tĂ€glich etwa acht Jahre weniger. Mitte der 1990er Jahre wurde schlieĂlich der Nachweis erbracht, dass das Benzo[a]pyren im Tabakrauch das Tumorsuppressor-Gen p53 beschĂ€digt, das fĂŒr die Reparatur von Defekten in der DNA zustĂ€ndig ist und dadurch vor Krebs schĂŒtzt. Damit war neben Forschungsergebnissen durch Statistiken und Tierversuchen auch der direkte kausale Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs belegt.
Laut Mikrozensus 2009 rauchte rund jeder Vierte (25,7 %) in der Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren. Die Rate der Ex-Raucher lag bei 19,7 %. Das durchschnittliche Alter bei Rauchbeginn betrug 17,8 Jahre (in der Altersgruppe der 15 bis 20jÀhrigen 15,4 Jahre).[49]
| Alter | MĂ€nner | Frauen |
|---|---|---|
| 15â20 | 19,9 % | 15,0 % |
| 20â25 | 39,9 % | 32,8 % |
| 25â30 | 44,3 % | 32,2 % |
| 30â35 | 42,5 % | 28,3 % |
| 35â40 | 39,0 % | 27,9 % |
| 40â45 | 38,3 % | 30,3 % |
| 45â50 | 38,9 % | 31,1 % |
| 50â55 | 36,7 % | 28,3 % |
| 55â60 | 30,7 % | 22,2 % |
| 60â65 | 24,9 % | 16,8 % |
| 65â70 | 17,0 % | 11,0 % |
| 70â75 | 12,5 % | 6,7 % |
| ĂŒber 75 | 8,0 % | 3,6 % |
Pro Tag wurden in Deutschland in 2010 rund 229 Millionen Zigaretten geraucht. Das entspricht zirka 1.021 Zigaretten pro Einwohner und Jahr.[50]
| Rauchverhalten | Frauen, 18 bis 29 | Frauen, 30 bis 44 | Frauen, 45 bis 64 | Frauen, 65 u. Àlter | Frauen, gesamt | MÀnner, 18 bis 29 | MÀnner, 30 bis 44 | MÀnner, 45 bis 64 | MÀnner, 65 u. Àlter | MÀnner, gesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| TĂ€gliche Raucher | 33,6 % | 29,3 % | 22,0 % | 5,1 % | 21,9 % | 39,3 % | 36,0 % | 26,1 % | 11,8 % | 29,2 % |
| Gelegenheitsraucher | 11,0 % | 7,4 % | 5,3 % | 2,4 % | 6,1 % | 14,4 % | 8,3 % | 6,9 % | 3,8 % | 8,1 % |
| Exraucher | 14,6 % | 24,1 % | 25,5 % | 21,2 % | 22,3 % | 14,7 % | 23,9 % | 38,2 % | 52,1 % | 31,8 % |
| Nieraucher | 40,8 % | 39,2 % | 47,2 % | 71,3 % | 49,7 % | 31,5 % | 31,8 % | 28,8 % | 32,4 % | 30,9 % |
Anzahl der gerauchten Zigaretten am Tag (Basis: Raucher).
| Zigaretten | Anteil |
|---|---|
| 0â4 | 7 % |
| 5â9 | 14 % |
| 10â14 | 22 % |
| 15â19 | 18 % |
| 20â24 | 24 % |
| 25â29 | 5 % |
| 30â34 | 5 % |
| 35â39 | 1 % |
| 40 und mehr | 4 % |
Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung (Alter ĂŒber 15 Jahre) der jeweiligen LĂ€nder[53]
| Land | Raucheranteil | ||
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Durch EG-Gesundheitsminister wurden innerhalb der EG auf Zigarettenpackungen und anderen Tabakwarenverpackungen gröĂere und dringendere Warnhinweise wie etwa âRauchen kann tödlich seinâ, âRauchen lĂ€sst Ihre Haut alternâ oder auch âRauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod fĂŒhrenâ eingefĂŒhrt. Desgleichen wird darauf hingewiesen, dass Rauchen sehr schnell abhĂ€ngig mache und man deshalb gar nicht erst anfangen sollte.
Die EU hatte im 2004 eine Auswahl von Bildwarnhinweisen vorgestellt, die die Mitgliedsstaaten verwenden können. In Deutschland wird seitdem ĂŒber die EinfĂŒhrung der Bildwarnhinweise nachgedacht aber nichts umgesetzt. GroĂbritannien und Belgien haben die Bildwarnhinweise inzwischen eingefĂŒhrt.[54]
Ein weiteres politisches Instrument zur EindÀmmung des Rauchens ist die Tabaksteuer. Der aufklÀrende oder pÀdagogische Nutzen kann im Zusammenhang mit den ebenfalls erzielten Steuereinnahmen ambivalent gesehen werden.
Seit die gesundheitsschĂ€dlichen Wirkungen des Rauchens medizinisch erwiesen sind, gab es in verschiedenen LĂ€ndern immer wieder und mit steigender Tendenz Appelle an politische EntscheidungstrĂ€ger, von staatlicher Seite dem Rauchen entgegenzuwirken. Die ĂŒbergeordneten GrĂŒnde derartiger Appelle sind die Aufforderung an den Staat, einer gesundheitlichen FĂŒrsorgepflicht gegenĂŒber den BĂŒrgern zu genĂŒgen, sowie der Hinweis auf den durch die gesundheitlichen Folgen verursachten volkswirtschaftlichen Schaden.
Der Staat seinerseits tut sich hĂ€ufig schwer mit derartigen Forderungen, da er sich in einem Dilemma befindet, das von gegensĂ€tzlichen Interessen geprĂ€gt ist: Auf der einen Seite möchte man sich um die Volksgesundheit bemĂŒhen, andererseits soll die persönliche Entscheidungsfreiheit der BĂŒrger nicht mehr als nötig eingeschrĂ€nkt werden, und man ist wohl auch deshalb an fortgesetztem Tabakkonsum der BĂŒrger interessiert, weil die Tabaksteuer eine wichtige staatliche Einnahmequelle darstellt.
Vorreiter fĂŒr Rauchverbote sind die USA, wo in der Regel kommunale Verordnungen vorschreiben, an welchen Orten Tabakrauch geduldet wird und an welchen nicht. Hier sind bereits FĂ€lle bekannt, wo in einer Kommune das Rauchen in der Ăffentlichkeit (also auch auf öffentlichen StraĂen und PlĂ€tzen) generell verboten wurde. In New York City wurde 2003 das Rauchen in Restaurants verboten. Zugleich gelten hier extrem hohe Zigarettenpreise. Als weltweit erstes Land fĂŒhrte das im Himalaya gelegene Königreich Bhutan am 17. Dezember 2004 ein landesweit gĂŒltiges Rauchverbot in der Ăffentlichkeit ein.
Viele Staaten bemĂŒhen sich, Raucher zu motivieren, freiwillig mit dem Rauchen aufzuhören. Neben der Erhöhung der Tabaksteuer gehören dazu auch Kampagnen und MaĂnahmen, die dem Rauchen zu einem negativen Image verhelfen sollen. Beispielsweise hat das kalifornische Tabakkontrollprogramm von 1989 das Ziel, die sozialen Normen zu verĂ€ndern und Tabak âweniger begehrenswert, weniger akzeptabel und weniger verfĂŒgbarâ zu machen, was zu einer deutlichen Verringerung des Tabakkonsums fĂŒhrte [55].
Zur Abwendung von Brand- und Gesundheitsgefahren ist das Rauchen inzwischen an vielen Orten verboten. Das gilt insbesondere fĂŒr Schulen, Restaurants, ArbeitsplĂ€tze, Tankstellen, Vereine (zum Beispiel am SchieĂstand von SchĂŒtzenvereinen), KrankenhĂ€user, KindergĂ€rten, Kurheime, GeschĂ€fte und Waldgebiete (Waldbrand).
Um Orte zu kennzeichnen, an denen ein Rauchverbot gilt, wurde schon vor langer Zeit ein genormtes Verbotsschild entwickelt.
Untersuchungen der Uni WĂŒrzburg zeigen eine paradoxe Wirkung von Rauchverbotsschildern, die eine eben angezĂŒndete Zigarette darstellen. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Rauchverlangen durch solche Reize angefacht wird (Craving). Als Alternative schlagen die Forscher Bilder von Zigaretten im abgerauchten Zustand vor.
Die EG-weit beschlossene Richtlinie 2003/33/EG sieht ein weitreichendes Verbot der Werbung fĂŒr Tabakerzeugnisse vor. So ist Tabakwerbung generell verboten in:
Aber auch das Sponsoring, zum Beispiel von Formel-1-Rennen ist betroffen.
Luxemburg und Deutschland setzten diese Richtlinie nach allen anderen EG-LĂ€ndern erst Ende 2006 in nationales Recht um. Die Bundesregierung, sowohl die Kohl- als auch die Schröder-Regierung, war in BrĂŒssel mehrmals vergeblich gegen das Werbeverbot, unter anderem gerichtlich, vorgegangen.
Die industrielle Produktion von Tabak und Tabakerzeugnissen stellt in einigen der Ă€rmeren LĂ€nder der Welt einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, fĂŒhrt dort aber teilweise auch zu erheblichen UmweltschĂ€den und starker wirtschaftlicher AbhĂ€ngigkeit von den Tabakimporteuren.[56]
Im Jahr 1995 veröffentlichte der Ărztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e. V. (ĂARG) zusammen mit der Nichtraucher-Initiative Deutschland e. V. eine Berechnung [57], die den Schaden am Bruttosozialprodukt (BSP) durch das Rauchen betrachtet. Nach dieser Kalkulation belief sich der Schaden 1991 auf
(Originalzahlen in DM, hier umgerechnet in Euro)
Durch das entgangene BSP von 41,6 Mrd. Euro gingen Steuereinnahmen in Höhe von 25,3 Prozent, also 10,5 Mrd. Euro, verloren. Dem standen Einnahmen aus der Tabaksteuer in Höhe von 10 Mrd. Euro gegenĂŒber. Der ĂARG kommt deshalb zu dem Schluss, dass der Staat unter dem Strich am Rauchen nicht verdient. Allerdings bezieht sich die Berechnung auf das BSP der alten BundeslĂ€nder, wĂ€hrend sie in anderen Tabellen auch Daten aus den neuen BundeslĂ€ndern verwendet. Die Berechnung kann daher nur eine grobe AbschĂ€tzung geben. Laut einer Studie aus dem Jahr 2008 sind in Deutschland rauchende Arbeitnehmer im Mittel 2,5 Tage pro Jahr hĂ€ufiger krank als nichtrauchende Kollegen, die Kosten der Folgekrankheiten belasten den Staat jĂ€hrlich mit 17 Milliarden Euro.[58] Eine Studie aus Schweden ermittelte eine Differenz von 8 bis 11 Krankheitstagen zwischen rauchenden und nichtrauchenden Arbeitnehmern.[59]
| Betrag | Ursache |
|---|---|
| 24 Euro | Arbeitsausfall durch Krankheit und Tod |
| 12 Euro | sonstige Kosten (Umwelt, Familie etc.) |
| 4 Euro | Behandlung von rauchbedingten Krankheiten |
| 2 Euro | Herstellung einer Schachtel Zigaretten |
| - 2 Euro | Tabaksteuer und Einsparungen bei der Altersrente |
| 40 Euro | Kosten einer Schachtel Zigaretten[60][61] |
Durch die Verringerung der Lebenserwartung hat das Rauchen einen deutlich entlastenden Effekt auf das Rentensystem. Weiterhin sinkt aufgrund der geringeren Lebenserwartung von Rauchern der Kostenaufwand, den diese voraussichtlich fĂŒr das Gesundheitswesen durch teure Behandlung von altersbedingten Erkrankungen und vor allem fĂŒr die Pflegeversicherung im Alter durch zunehmend dementen Zustand verursachen. Die Studie âThe Health Care Costs of Smokingâ sagt dazu: âFalls alle Raucher aufhören wĂŒrden zu rauchen, wĂŒrden die Gesundheitskosten zuerst niedriger sein, aber nach 15 Jahren wĂŒrden sie höher sein als in der Gegenwart.â Andere Studien kommen jedoch zum gegenteiligen Ergebnis.[62]
Dazu kommen volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsausfall und verlorene Lebenszeit. Michael Adams, Professor fĂŒr Wirtschaftsrecht, beziffert die Kosten auf 13 Milliarden Euro fĂŒr rauchbedingte Krankheiten und 39 Milliarden Euro fĂŒr die vernichtete Lebenserwartung.[63] Andere Berechnungen ermitteln den eigentlich erforderlichen Preis fĂŒr eine Schachtel Zigaretten aufgrund der nebenstehenden Bilanz in Höhe von 40 Euro.[61]
Die University of California hat errechnet, dass der US-Bundesstaat Kalifornien durch ein Anti-Tabak-Programm, das unter anderem das Image des Rauchens gezielt verschlechterte und dadurch den Tabakkonsum deutlich verringern konnte, im Zeitraum von 1989 bis 2004 zirka 86 Milliarden Dollar einsparen konnte.[64]
Die Weltwirtschaft werde laut einer Studie der Welt-Lungenstiftung und der Amerikanischen Krebsgesellschaft im Zusammenhang mit dem Konsum von Tabak aufgrund von Behandlungskosten, verlorener ProduktivitÀt und UmweltschÀden jÀhrlich mit 500 Milliarden Dollar belastet.[65]
In alleiniger Betrachtung des Gesundheitssystems errechneten Forscher vom niederlĂ€ndischen Institut fĂŒr öffentliche Gesundheit und Umwelt, dass die durch den Tabak-Konsum verursachten Kosten fĂŒr das Gesundheitssystem von den âEinsparungenâ durch das frĂŒhere Ableben der Raucher kompensiert werden. Im Alter von 20 bis zu ihrem Tod verursachen Raucher demnach 220.000 Euro Behandlungskosten, Nicht-Raucher hingegen 281.000 Euro. Die geringeren Rentenzahlungen und sinkende Tabaksteuereinnahmen sowie höhere ArbeitsausfĂ€lle von Rauchern und Fettleibigen wurden nicht berĂŒcksichtigt - also auch nicht die daraus folgenden volkswirtschaftlichen Verluste, die die Behandlungskosten bei weitem ĂŒbertrĂ€fen.[66]
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