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| Tahiti | ||
|---|---|---|
| NASA-Bild von Tahiti | ||
| GewÀsser | Pazifischer Ozean | |
| Inselgruppe | Gesellschaftsinseln | |
| Geographische Lage | 17° 41âČ S, 149° 27âČ W-17.6766666667-149.4544444442241Koordinaten: 17° 41âČ S, 149° 27âČ W | |
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| LĂ€nge | 61 km | |
| Breite | 29 km | |
| FlĂ€che | 1.042 kmÂČ | |
| Höchste Erhebung | Mont Orohena 2.241 m | |
| Einwohner | 178.133 (2007) 171 Einw./kmÂČ | |
| Hauptort | Papeete | |
| Karte von Tahiti und Moorea | ||
Tahiti, Ă€ltere Namen Otaheite, King George Island, Isla de Amat oder Sagittaria, ist eine Insel im SĂŒd-Pazifik, die politisch zu Französisch-Polynesien gehört. Sie hat eine FlĂ€che von 1.042 kmÂČ und etwa 178.000 Einwohner (Stand: August 2007).[1] Hauptstadt und gröĂte Stadt der Insel ist Papeete. Tahiti liegt in der Zeitzone UTC-10.
Inhaltsverzeichnis |
Tahiti zĂ€hlt geografisch zu den Gesellschaftsinseln (französisch : Ăles de la SociĂ©tĂ©), genauer zu den Inseln ĂŒber dem Winde (französisch : Ăles du Vent). Sie ist die gröĂte und bevölkerungsreichste Insel des Archipels. Tahiti ist eine Doppelinsel aus Tahiti Nui (GroĂ-Tahiti) und dem kleineren und dĂŒnner besiedelten Tahiti Iti (Klein-Tahiti), die durch den Isthmus von Taravao verbunden sind.
Das Landschaftsbild ist von steilen Gipfeln geprĂ€gt, deren höchster, der Mont Orohena auf Tahiti Nui, 2.241 m emporragt. Die höchste Erhebung auf Tahiti Iti ist der Mont Ronui mit 1.332 Metern. FlieĂgewĂ€sser haben tiefe TĂ€ler eingegraben, die von schroffen Felsgraten begrenzt werden. Das Inselinnere ist dicht mit tropischer Vegetation bewachsen und wird von unbefestigten Wegen und FuĂpfaden nur stellenweise erschlossen. Die Siedlungen befinden sich in dem schmalen KĂŒstenstreifen, der Norden und Westen von Tahiti ist am dichtesten besiedelt. Das Inselinnere ist unbewohnt.
Entgegen der verbreiteten Meinung ist Tahiti keineswegs von weiĂen StrĂ€nden umgeben. Die Insel hat nur verhĂ€ltnismĂ€Ăig wenige natĂŒrliche StrĂ€nde, die ĂŒberwiegend aus schwarzem, basaltischen Sand bestehen und hauptsĂ€chlich entlang der WestkĂŒste verteilt sind. Die gepflegten, weiĂen HotelstrĂ€nde sind in der Regel kĂŒnstlich angelegt.
Tahiti besteht aus zwei erloschenen Vulkanen, die aus einem Hot Spot unter der Pazifischen Platte entstanden sind. Die Insel bewegt sich mit der Pazifischen Platte mit ca. 12,5 cm pro Jahr in Richtung Nordwest.[2] Die beiden Vulkane haben die Inselteile Tahiti Nui und Tahiti Iti ausgebildet, sie zeigen aus der Luft die Form einer Acht. Tahiti ist ein Atoll, dessen relativ stabile Zentralinsel mit einer Geschwindigkeit von nur 0,25 mm pro Jahr versinkt.
FĂŒr die beiden Inselteile wurde ein Alter von 10.000 bis 70.000 Jahre ermittelt.[3] Die Riffbildung des geologisch recht jungen Atolls ist noch nicht fortgeschritten, das Saumriff um die Insel ist noch nicht vollstĂ€ndig geschlossen.
Das Klima ist tropisch-feucht. Die Jahresdurchschnittstemperatur betrĂ€gt 26 °C, wobei sich die einzelnen Monate nur unwesentlich unterscheiden. Im Jahresmittel fallen 1.737 mm Regen (zum Vergleich: Köln 797 mm). Die regenreichsten Monate sind Dezember und Januar mit mehr als 300 mm Regen. Die RegenfĂ€lle sind aber â wie in den Tropen ĂŒblich â heftig und nur von kurzer Dauer. Eher trocken sind die Monate August und September mit durchschnittlich weniger als 50 mm Regen.[4]
| Tahiti | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm (ErklÀrung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Tahiti
Quelle: WMO
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Die Vegetation Französisch Polynesiens ist von zwei Besonderheiten gekennzeichnet: einem hohen Anteil endemischer Pflanzen bei einer relativen Artenarmut. Die isolierte Lage der Inseln und die Tatsache, dass sie niemals mit einer kontinentalen Landmasse verbunden waren, erklĂ€rt die hohe Zahl endemischer Pflanzen. Im SĂŒdpazifik breiteten sich die Pflanzen von West nach Ost aus. Das fĂŒhrte dazu, dass die BiodiversitĂ€t der Inseln nach Osten zu abnimmt. So weisen die im Westen gelegenen Inseln Neuguinea und Neukaledoniens gegenĂŒber Tahiti eine weit höhere Anzahl von Arten auf. Deutlich artenĂ€rmer sind dagegen die Pitcairninseln und die Osterinsel im Ă€uĂersten Osten des Pazifiks.
Die gebirgigen Teile Tahitis sind mit einem ĂŒppig wachsenden, gröĂtenteils noch naturbelassenen Bergregenwald bedeckt. In den stĂ€ndig feuchten und schattigen TĂ€lern wachsen Farne, darunter zahlreiche endemische Arten. Die Farne haben einen Anteil von rund 30 % an den in Polynesien wachsenden Pflanzen.
Traditionell kultivierten die Polynesier zahlreiche BlĂŒtenpflanzen fĂŒr die Ausgestaltung ihrer Feste und religiösen Zeremonien, darunter den Hibiskus, die Tiare (Gardenia tahitensis),, aus der das Monoi-Ăl oder Monoi Tiare de Tahiti hergestellt wird, die Bougainvillea und den duftenden Jasmin, die man auch heute noch in jedem Hausgarten finden kann.
Inzwischen hat der Mensch die Flora auf dem dicht besiedelten Tahiti entscheidend verĂ€ndert. Bereits die ersten polynesischen Siedler fĂŒhrten ursprĂŒnglich nicht auf der Insel heimische Nutzpflanzen ein, zum Beispiel den Taro. Um die terrassierten Felder fĂŒr den Nassfeldanbau des Taro (Ă€hnlich wie in Asien fĂŒr den Reis) anzulegen, wurde die Landschaft bereits in protohistorischer Zeit groĂflĂ€chig umgestaltet.
Weitere Pflanzen brachten die EuropĂ€er nach Tahiti, die sich teilweise ausgewildert und zu einem Problem fĂŒr die einheimische Flora entwickelt haben. Ein Beispiel ist die ursprĂŒnglich aus SĂŒdamerika stammende Guave. Die Pflanze wurde wegen ihrer wohlschmeckenden FrĂŒchte eingefĂŒhrt und fand auf Tahiti beste Wachstumsbedingungen vor. Mittlerweile ĂŒberwuchern GuavenbĂŒsche groĂflĂ€chig auch unzugĂ€ngliche Inselbereiche und bedrohen so indigene Pflanzengemeinschaften.
Tropische FrĂŒchte werden ĂŒberwiegend fĂŒr den eigenen Bedarf angebaut, die Mitte des 19. Jahrhunderts von den Franzosen eingefĂŒhrte GewĂŒrzvanille wird hingegen exportiert und ist wegen ihrer hervorragenden QualitĂ€t sehr begehrt.
Die gröĂeren Tiere Polynesiens wurden alle vom Menschen eingefĂŒhrt. Bereits die ersten Siedler brachten Hunde, Schweine, HĂŒhner und die Pazifische Ratte als Nahrungstiere mit, die EuropĂ€er fĂŒhrten Ziegen, KĂŒhe, Schafe und Pferde ein.
Endemische oder indigene Landvogelarten wie die Rotschnabelralle, der Tahiti-Laufsittich oder die Tahititaube waren wenige Jahre nach Ankunft der EuropÀer ausgestorben. Heutzutage kommen noch der sehr seltene Tahiti-Monarch (Pomarea nigra), die Purpurkappen-Fruchttaube (Ptilinopus purpuratus), die gefÀhrdete Tahiti-Fruchttaube (Ducula aurorae) sowie der Tahitiliest (Todirhamphus veneratus) vor.[5]
An indigenen Landtieren kommen Insekten, Krebse, Schnecken und Eidechsen vor.
FĂŒr den Menschen gefĂ€hrliche Tiere gibt es auf Tahiti nicht, insbesondere keine Schlangen. Unangenehm sind Sandflöhe am Strand, eine giftige HundertfĂŒĂerart aus der Familie der Scolopender und die im Landesinnern ĂŒberall prĂ€senten StechmĂŒcken.
Die Meeresfauna des Korallenriffes ist sehr artenreich. Neben Hunderten verschiedenartiger Korallenfische kann der Taucher und Schnorchler zahlreiche Mollusken, Kraken, StachelhÀuter und Krebstiere des tropischen Meeres beobachten. Hinter dem Riff gibt es Haie, Rochen, Schwertfische, Meeresschildkröten und, besonders von August bis November, gelegentlich auch Wale.
Tahiti wurde â wie die anderen Gesellschaftsinseln auch â etwa um 200 v. Chr. von Tonga und Samoa aus besiedelt.[6] Spuren der ersten Siedler sind kaum vorhanden. Da natĂŒrliche Höhlen und FelsĂŒberhĂ€nge, anders als zum Beispiel auf den Marquesas, auf Tahiti weitgehend fehlen, vermutete der amerikanische Anthropologe Kenneth P. Emory, dass die ersten Einwohner wahrscheinlich in strandnahen Kleinsiedlungen der KĂŒstenebene lebten.[7] Von der Geografie der Insel mit ihren abgeschlossenen, sich zum Meer hin öffnenden TĂ€lern begĂŒnstigt, bildeten sich mit zunehmendem Bevölkerungswachstum alsbald unabhĂ€ngige StammesfĂŒrstentĂŒmer heraus, die sich wiederum in einzelne Clans aufspalteten. Die Stammesgesellschaft war streng hierarchisch gegliedert und in mehrere soziale Ebenen geschichtet.
Im Wesentlichen gab es drei Kasten:
Das Herrschaftssystem Tahitis bezog sowohl Merkmale der mittelalterlich-europÀischen Feudalgesellschaft als auch der Kastengesellschaft hinduistischer PrÀgung ein.[8] Religiöse und weltliche Macht waren eng verzahnt, teilweise in denselben Personen vereint.
Eine besondere Rolle innerhalb der polynesischen Gesellschaft Tahitis nahm der Geheimbund der Arioi ein, der sowohl von religiöser, als auch von machtpolitischer Bedeutung war, letzteres durch ReprÀsentation und Prachtentfaltung zum Ruhm der HerrscherhÀuser.
â Hauptartikel: Arioi
Zur Zeit der KulturblĂŒte, d. h. vor der europĂ€ischen Entdeckung, hatte Tahiti vermutlich 35.000 Einwohner.[9] Zur ErnĂ€hrung der Bevölkerung war ein ausgeklĂŒgeltes System der Landnutzung angelegt worden, dessen kunstvoll be- und entwĂ€sserte Anbauterrassen fĂŒr Taro stellenweise heute noch archĂ€ologisch nachweisbar sind. Weitere bedeutende Kulturpflanzen waren die Brotfrucht, die Kokospalme und die Tahitikastanie (Inocarpus fagifer aus der Familie der Fabaceae).
Im Gegensatz zu seiner heutigen Bedeutung war Tahiti vor der europÀischen Okkupation nicht das politische und religiöse Zentrum der Gesellschaftsinseln. Diese Rolle fiel Raiatea zu, der mythischen GeburtsstÀtte des Kriegsgottes Oro, wo auch der Marae Taputapuatea, die heiligste aller Kultplattformen Polynesiens stand.
Die MachtverhÀltnisse der Gesellschaftsinseln waren bis zum Eingreifen der EuropÀer weitgehend ausgeglichen, auf Tahiti gelang es zunÀchst keinem Stamm, die Oberherrschaft zu erringen.
Es ist nicht abschlieĂend geklĂ€rt, welcher EuropĂ€er als âEntdeckerâ Tahitis gelten kann. Der Portugiese Pedro FernĂĄndez de QuirĂłs sichtete am 10. Februar 1606 eine bewohnte Insel, die er Sagittaria nannte und bei der es sich um Tahiti gehandelt haben könnte. Eine BestĂ€tigung dafĂŒr gibt es jedoch nicht. So gilt heute der EnglĂ€nder Samuel Wallis als erster EuropĂ€er, der am 21. Juni 1767[10] Tahiti betrat. Er nannte die Insel King George Island. Bereits im folgenden Jahr, am 6. April 1768, landete der Franzose Louis Antoine de Bougainville, blieb neun Tage und bezeichnete Tahiti euphorisch als âLa Nouvelle CythĂšreâ (das neue Kythera; gemeint ist die Liebesinsel der Aphrodite).
Im Bewusstsein der EuropĂ€er sind besonders die Besuche von James Cook geblieben. Am 13. April 1769 ankerte er mit seinem Schiff Endeavour in der Matavai Bucht, ca. 10 km nördlich des heutigen Papeete. Er hatte den Auftrag den Venustransit zu beobachten und errichtete zu diesem Zweck eine Sternwarte. Heute befindet sich an dieser Stelle der Leuchtturm Pointe VĂ©nus. Mit Cook reiste der Botaniker Joseph Banks, der wĂ€hrend des dreimonatigen Aufenthaltes umfangreiche botanische Studien durchfĂŒhrte. Seine dabei gewonnen Erkenntnisse fĂŒhrten zu der verhĂ€ngnisvollen Fahrt der Bounty von 1787 nach Tahiti, mit der die britische AdmiralitĂ€t William Bligh beauftragte.
Am 12. November 1772 ankerte die spanische Fregatte El Ăguila in der Baie de Tautira auf Tahiti Iti. Ihr KapitĂ€n Domingo de Boenechea hatte den Auftrag von Manuel dâAmat i de Junyent (1704â1782, Gouverneur von Chile und Vizekönig von Peru) Tahiti fĂŒr Spanien zu annektieren. Er nannte die Insel nach seinem Auftraggeber Isla de Amat.[11] Die Annexion blieb jedoch ohne politische Nachwirkungen.
Am 17. August 1773 kehrte James Cook nach Tahiti zurĂŒck. In seiner Begleitung befanden sich die beiden naturwissenschaftlich gebildeten Deutschen Johann Reinhold Forster und Georg Forster. Die Berichte der frĂŒhen Entdecker bestimmten lange Zeit (und teilweise heute noch) das Bild der EuropĂ€er von der SĂŒdsee.
âEin Arkadien, dessen Könige wir sein werdenâ
â Joseph Banks
Bougainvilles romantisch angehauchter Reisebericht Voyage autour du monde sowie Georg Forsters 1777 erschienene Reisebeschreibung A Voyage Round The World[12] schienen Jean-Jacques Rousseaus Menschenbild vom âEdlen Wildenâ zu bestĂ€tigen, den die EuropĂ€er auf Tahiti gefunden zu haben glaubten.
Der dritte Besuch Cooks auf Tahiti dauerte von Mitte August bis September 1777. Auf Einladung eines HÀuptlings nahm er an einer religiösen Zeremonie an einem Marae teil, die in einem Menschenopfer endete.
Die europĂ€ischen Schiffe steuerten in der Regel die Matavai-Bucht an. Die Bucht â Wallis nannte sie vorausschauend âRoyal Bayâ â gehörte zum StammesfĂŒrstentum Pare, dessen Ariki war PomarĂ© I. Er wurde daher von den EuropĂ€ern als âKönigâ der gesamten Insel betrachtet, obwohl er nur einer von acht unabhĂ€ngigen StammesfĂŒrsten war. Da es fĂŒr die europĂ€ischen Besucher zudem nĂŒtzlich war, nur einen Ansprechpartner zu haben, unterstĂŒtzten sie die PomarĂ©-Dynastie in ihren StammesrivalitĂ€ten auch militĂ€risch, sodass PomarĂ© I. um 1780 die gesamte Insel seiner Herrschaft unterwerfen konnte. PomarĂ©s Eroberungskriege und die von den EuropĂ€ern eingeschleppten Krankheiten fĂŒhrten zu einem dramatischen BevölkerungsrĂŒckgang. Missionare schĂ€tzten 1804 die Bevölkerungszahl Tahitis nur noch auf 6.000 Menschen.[13]
Im Jahr 1796 beschloss die London Missionary Society das Schiff Duff unter dem Kommando von KapitĂ€n James Wilson auszurĂŒsten, um Missionare nach Tahiti, Tonga, den Marquesas, Hawaii und Palau zu entsenden. An Bord befanden sich 30 Missionare, davon vier ordinierte Geistliche.[14] Ein acht Jahre spĂ€ter zur Zentrale der Society entsandter Bericht beschreibt die Erfolge der Zivilisation und der Mission der âEingeborenenâ Tahitis aber als eher gering.
Zwischenzeitlich hatten sich auch entlaufene Matrosen, WalfĂ€nger, HĂ€ndler und Abenteurer auf der Insel angesiedelt, die Alkohol und Feuerwaffen an die Bewohner verkauften. Die traditionellen Stammeskriege bekamen dadurch eine neue und besonders verhĂ€ngnisvolle QualitĂ€t, was zu einem weiteren BevölkerungsrĂŒckgang fĂŒhrte.
PomarĂ© II. setzte ab 1803 die Kriege zur Festigung seiner Herrschaft fort, wurde jedoch 1808 geschlagen und flĂŒchtete nach Moorea. Als Folge musste die Missionsstation aufgegeben werden. 1811 kehrte PomarĂ© II. nach Tahiti zurĂŒck â und mit ihm die Missionare. Er lieĂ sich 1812 taufen und in den Folgejahren traten weitere fĂŒhrende Ariki zum Christentum ĂŒber. 1819 fĂŒhrte er einen von den Missionaren verfassten Strafkatalog ein, der fĂŒr alle Praktiken, die im Gegensatz zur christlichen Lehre standen, drastische Strafen vorsah. So war zum Beispiel fĂŒr âBlasphemie, Idolatrie und RĂŒckkehr zur Götzendienereiâ die Todesstrafe und fĂŒr âUnzucht (d. h. auĂereheliche geschlechtliche Beziehungen), begangen, verhehlt oder den Missionaren verborgenâ, mehrjĂ€hrige Zwangsarbeit vorgesehen.[15]
Auf den Gambierinseln hatte sich die französische katholische Mission unter dem Orden âPĂšres et religieuses des SacrĂ©s-CĆurs de Picpusâ (kurz: Picpusiens) etabliert. Sie beobachteten die protestantische Mission auf Tahiti mit Argwohn und Besorgnis. 1836 landeten die französischen Missionare Laval und Caret auf Tahiti, um den katholischen Glauben zu predigen. Da sie nicht ohne Erfolg waren, verfĂŒgte der Missionar und amtierende britische Konsul George Pritchard ihre Ausweisung. Diese MaĂnahme fĂŒhrte zur Entsendung zweier französischer Kriegsschiffe.
Am 15. November 1836 betrat Charles Darwin wÀhrend seiner Weltreise von 1831 bis 1836 Tahiti. Die Beagle ankerte in der Matavai-Bucht.
Am 10. September 1839 erreichte Charles Wilkes im Rahmen der United States Exploring Expedition Tahiti. Er baute seine tragbaren Observatorien, im Gedenken an James Cook, am Pointe VĂ©nus auf. Die ihn begleitenden Wissenschaftler fĂŒhrten insbesondere anthropologische, ethnologische und botanische Studien durch. Einen interessanten Hinweis auf das VerhĂ€ltnis der Bevölkerung zum Christentum gibt uns das Tagebuch des 1. Offiziers William Reynolds:
1842 erfolgte eine erneute französische Intervention, deren Kommandeur Abel Aubert Dupetit-Thouars am 9. September 1842 das vorlĂ€ufige französische Protektorat verkĂŒndete. Er nutzte dabei geschickt die vorĂŒbergehende Abwesenheit des britischen Konsuls Pritchard. Im November 1843 wurde das Protektorat durch Abmachungen zwischen Dupetit-Touars und Königin PomarĂ© IV. vertraglich bestĂ€tigt und 1844 auch von Frankreich formell anerkannt.
Ihr Sohn Pomaré V. dankte am 29. Juni 1880 ab. Als Folge fiel der gesamte Archipel an Frankreich. Pomaré V. war der letzte König von Tahiti, er starb 1891 an den Folgen seiner Trunksucht.
Wegen des Verdachtes der Beteiligung an einer Meuterei auf dem australischen WalfĂ€nger Lucy Ann war der Schriftsteller Herman Melville 1842 in Papeete inhaftiert. Ihm gelang aber die Flucht aus dem GefĂ€ngnis. SpĂ€ter verarbeitete er diese Erlebnisse in dem Roman Omoo. Von 1891 bis 1893 lebte der Maler Paul Gauguin auf Tahiti. In dieser Zeit entstanden zahlreiche GemĂ€lde, die das Bild vom âParadies SĂŒdseeâ in Europa weiter festigten. 1895 kehrte er nach Tahiti zurĂŒck. Er legte sich mit der Kolonialverwaltung und den Missionaren an und musste 1901 nach Atuona auf der Insel Hiva Oa ĂŒbersiedeln, wo er 1903 starb.
Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges ankerten die deutschen Panzerkreuzer SMS Scharnhorst und SMS Gneisenau vor Papeete, um Kohle aufzunehmen. Als ihnen das verweigert wurde und der französische Kommandant mit einer KĂŒstenbatterie das Feuer eröffnen lieĂ, beschoss die Schiffsartillerie Papeete und zerstörte dabei einige HĂ€user. WĂ€hrend des Krieges lief auch der legendĂ€re âSeeteufelâ Felix Graf von Luckner mit seinem Hilfskreuzer Seeadler mehrere Male Tahiti an. Eine Kanone des Schiffes steht heute in einem kleinen Park vor dem PostgebĂ€ude von Papeete.
Am 23. Oktober 1987 kam es in einigen Vororten von Papeete, ausgelöst durch einen Streik der Hafenarbeiter, zu Ausschreitungen, als sich arbeitslose Jugendliche wegen ihrer Perspektivlosigkeit und schlechter Bildungs- und Berufschancen gegen die französische Administration auflehnten. Eigens eingeflogene KrĂ€fte der Gendarmerie Nationale konnten die Unruhen aber schnell beenden.[17] Weitere schwere Unruhen entstanden am 7. September 1995, nachdem Frankreich trotz internationaler Proteste am Tag zuvor einen unterirdischen Kernwaffentest auf dem Mururoa-Atoll durchgefĂŒhrt hatte.[18]
Politisch gehört Tahiti heute zu Französisch-Polynesien. Die Insel ist Französisches Ăbersee-Territorium und damit der EU angegliedert. Sie wird durch eine Unterabteilung (Subdivision administrative des Ăles du Vent) des Hochkommissariats von Französisch-Polynesien (Haut-commissariat de la RĂ©publique en PolynĂ©sie française) mit Sitz in Papeete verwaltet.
Tahiti gliedert sich politisch in zwölf eigenstĂ€ndige Gemeinden (Communes des Ăles du Vent):
| Gemeinde | Einwohner[1] | Teilgemeinden (Communes associées) |
|---|---|---|
| Arue | 9.319 | verwaltet auch die Insel Tetiaroa |
| Faaâa | 28.421 | |
| Hitiaâa O Te Ra | 8.319 | Hitiaa, Mahaena, Papenoo und Tiarei |
| Mahina | 13.609 | |
| Paea | 12.327 | |
| Papara | 9.659 | |
| Papeete | 20.521 | |
| Pirae | 14.850 | |
| Punaauia | 23.762. | |
| Taiarapu-Est | 10.569 | Afaahiti, Faaone, Pueu, Tautira und die Insel Mehetia |
| Taiarapu-Ouest | 6.181 | Teahupoo, Toahotu und Vairao |
| Teva I Uta | 7.861 | Mataiea und Papeari |
Politisch zĂ€hlt zu Tahiti auĂerdem noch die Gemeinde Moorea-Maiao mit den Teilgemeinden Afareaitu, Haapiti, Paopao, Papetoai, Teavaro und Ăle de Maiao
Amtssprache ist Französisch. WÀhrung ist (noch) der an den Euro gebundene CFP-Franc. Der Verwaltungshaushalt Tahitis wird mit Mitteln aus Frankreich und der EU subventioniert.
GröĂte Stadt ist Papeete im Nordwesten von Tahiti Nui, gleichzeitig auch der Verwaltungssitz von Französisch-Polynesien, mit rund 20.000 Einwohnern. AuĂerdem gibt es auf Tahiti zwei weitere Kommunen mit ĂŒber 20.000 Einwohnern: Faaâa und Punaauia.
Die Insel beherbergt etwa 70 % der Gesamtbevölkerung Französisch-Polynesiens. Das hÀngt wesentlich mit ihrer zentralen Funktion in Politik und Wirtschaft zusammen. Der Lebensstandard ist der höchste in der Region. Die Bevölkerung setzt sich aus 83 % Polynesiern, 11 % EuropÀern, 4 % Asiaten und 2 % Mischlingen zusammen.
Der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist mittlerweile der Tourismus. Tahiti ist, neben Bora Bora, die touristisch am besten erschlossene Insel Polynesiens. Es finden sich Hotels aller Preisklassen, das Preisniveau ist allerdings auĂerordentlich hoch.
Das zweite wirtschaftliche Standbein ist der Handel mit Perlen. Vor der Insel selbst finden sich zwar keine Perlenfarmen, aber Tahiti hat sich in den letzten Jahren zum Zentrum des Handels mit schwarzen Perlen entwickelt. Das fĂŒhrt so weit, dass schwarze Perlen mittlerweile als âTahitiperlenâ angeboten werden, obwohl sie tatsĂ€chlich von den Austral-, Gesellschafts- und Marquesas-Inseln sowie dem Tuamotu-Archipel stammen.
Mit zunehmender Beliebtheit der alternativen Kosmetik und Heilkunst gewinnen zwei weitere Erzeugnisse Tahitis an Bedeutung: Monoi-Ăl, ein traditionelles Pflegemittel aus natĂŒrlichen Bestandteilen und der Saft der Noni-FrĂŒchte, dem gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden.
Tahiti ist das wirtschaftliche Drehkreuz fĂŒr Französisch-Polynesien. Hafen und Flughafen haben Verteilerfunktion fĂŒr die ĂŒbrigen Inseln der Region.
Im Norden von Tahiti-Nui, unweit der Stadt Papeete, liegt der recht groĂe AĂ©roport international Tahiti Faa'a.
Das groĂe Hafenbecken kann auch gröĂere Fracht- und Passagierschiffe aufnehmen. Die Anlegestellen fĂŒr Kreuzfahrtschiffe befinden sich unmittelbar am Boulevard PomarĂ© in der NĂ€he des Stadtzentrums von Papeete.