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Tuwinische Volksrepublik

Tьвa Arat Respublik (Tuwinisch)

Туви́нская Наро́дная Респу́блика (Russisch)
Tuwinische Volksrepublik (Tannu-Tuwa)

Flagge von Tannu-Tuwa
Wappen Tannu-Tuwa
Flagge Wappen
Wahlspruch: Proletarier aller Länder und unterrückter Völker des Ostens, vereinigt Euch!
Amtssprache Tuwinisch, Russisch
Hauptstadt Kysyl
Staatsform Volksrepublik
Staatsoberhaupt Vorsitzender des Präsidium des kleinen Churals[1]
Regierungschef Vorsitzender des Ministerrats[2]
Fläche ca. 165.750[3] km²
Einwohnerzahl ca. 65.000[4]
Bevölkerungsdichte 0,39 Einwohner pro km²
Währung Russischer Rubel (1914-1934)
Tögrög (1934-1936)
Akşa (1936-1944)[5]
Unabhängigkeit 14. August 1921 Formale Unabhängigkeitserklärung, bis 1911 Teil Chinas, danach unter russischem Protektorat)[6]
Nationalhymne Tuwinsche Internationale[7]
Nationalfeiertag 14. August (Unabhängigkeitstag)[8]
Zeitzone UTC+8
Tuva in Russia.svg
Karte der Tuwinischen Volksrepublik
Karte der Tuwinischen Volksrepublik

Die Tuwinische Volksrepublik (auch Tannu-Tuwa; tuwinisches Lateinalphabet bis 1940: Tьвa Arat Respublik, kyrillisches Alphabet ab 1940: Тыва Арат Республик; russisch: Туви́нская Наро́дная Респу́блика) war von 1921 bis 1944 ein unabhängiger Staat im Süden Sibiriens. Trotz der offiziellen Umbenennung des Landes in „Tuwinische Volksrepublik“ im Jahr 1926 wurde auch danach in der Literatur und auf den meisten Karten vorwiegend die frühere Landesbezeichnung „Tannu-Tuwa“ oder die Bezeichnung „Volksrepublik Tannu-Tuwa“ verwendet. 1944 wurde Tannu-Tuwa als Autonomes Gebiet (Autonome Oblast Tuwa) Teil der Sowjetunion. Seit 1992 ist Tuwa (auch Tuwinien) eine autonome Republik im südlichen Teil des asiatischen Russlands.

Inhaltsverzeichnis

Republik Urjanchai

1911 spaltete sich in Folge der Xinhai-Revolution das damals als Äußere Mongolei (heute: Mongolei) bezeichnete Gebiet, zu dem auch die Provinz Tannu-Urjanchai gehörte, von China ab. Unterstützt durch das zaristische Russland bildete sich eine separatistische Bewegung, die am 15. Februar 1912 die Unabhängigkeit von Tuwa unter dem Namen „Republik Urjanchai“ proklamierte.[9]

Russisches Protektorat

Im April 1914 errichtete das Zarenreich auf dem größten Teil des tuwinischen Gebietes das „Protektorat Urjanchajski Kraj“ (Урянхайский край, Region Urjanchai), um seine Händler und die rund 4000 russischen Siedler zu unterstützen. Zur Verwaltung des Gebietes gründeten die Beauftragten der russischen Regierung die Siedlung Belozarsk (russisch Белоцарск, Weiße Stadt des Zaren).

Russischer Bürgerkrieg

Nach dem Vertrag von Kjachta war Tannu-Tuwa von 1914 bis 1918 formal unabhängig, China übte die Schutzherrschaft über das Gebiet aus. Vom 5. Juli 1918 bis zum 15. Juli 1919 okkupierte die Weiße Armee des Admirals Alexander Wassiljewitsch Koltschak den größten Teil des Landes (Gouverneur war Pjotr Iwanowitsch Turtschaninow), chinesische Truppen eroberten den Südwesten und mongolische Truppen unter Chatanbaatar Magsardschaw den Süden Tannu-Tuwas. Von Juli 1919 bis Februar 1920 besetzte die russische Rote Armee das Land. Vom 19. Februar 1920 bis Juni 1921 wurde es unter dem Gouverneur Yan Shi-chao erneut von China annektiert.

Republik Tannu-Tuwa

Am 14. August 1921 wurde auf einem Kongress russischer Siedler die Unabhängigkeit der „Volksrepublik Tuwa“ erklärt, 1922 die Gründung der „Republik Tannu-Tuwa Ulus“ (tuwinisch: Tahdy-Tywa Ulus Respublika (Ulus = Befehlsbereich, Staat, Volk)) proklamiert. Die erste Regierung der Räterepublik führte von 1921 bis 1924 der Adlige Mongush Buyan-Badyrgy, das feudale Oberhaupt des Choschun (Bezirks) Daa (mongolisch: Nojon Bujan-Badrachuund).

Tuwinische Volksrepublik

1924 wurde Donduk Kuular Vorsitzender des Kleinen Churals, des tuwinischen Parlaments, und damit Staatsoberhaupt. Kuular machte den Buddhismus zur Staatsreligion. Er versuchte, die Zuwanderung russischer Siedler sowie die sowjetische Propaganda im Land einzuschränken und eine engere Anbindung an die Mongolische Volksrepublik herzustellen. Donduk Kuular verfolgte die Absicht, Tuwa in eine lamaistische Theokratie umzuwandeln. Im November 1926 ließ sich Donduk Kuular zum Ministerpräsidenten wählen, das Land wurde in „Tuwinische Volksrepublik“ (Tyva Arat Respublik/ TAR) umbenannt.

Flagge der Tuwinischen Volksrepublik 1926–1930
Briefmarke von 1927

Die Hauptstadt Belozarsk (seit 1918 Chem-Beldyr) erhielt 1926 den Namen Kyzyl („Rot“ in den Turksprachen, russisch Кызыл). Die offizielle Landeswährung war zunächst der russische bzw. sowjetische Rubel unter der Bezeichnung Lan, von 1934 bis 1944 der tuwinische Akşa, der an den Rubel gebunden war. Ein Vertrag zwischen der Sowjetunion und der Mongolischen Volksrepublik bestätigte 1926 die Unabhängigkeit des Landes.

Im Januar 1929 inszenierte die Sowjetunion einen kommunistischen Staatsstreich in der Tuwinischen Volksrepublik. Donduk Kuular wurde als Ministerpräsident abgesetzt, verhaftet und 1932 auf Befehl Stalins hingerichtet. 1930 wurden fünf junge tuwinische Absolventen der Kommunistischen Universität für die Arbeiter des Ostens, der gleichen Gruppe, die Kuular exekutieren ließ, zu Sonderkommissaren für Tuwa ernannt. Strikt der Linie Josef Stalins folgend, "säuberten" sie die Tuwinische Kommunistische Partei von ungefähr einem Drittel ihrer Mitglieder und verstärkten den Druck zur Kollektivierung der Landwirtschaft in dem traditionell nomadischen Land. Die neue Regierung machte den Versuch, den Buddhismus und den Schamanismus in Tuwa zu zerstören, eine Politik, die ebenfalls von Stalin ausging. Das Land wurde zu einem Satellitenstaat Moskaus.

Als Beweis für den Erfolg dieser Aktivitäten kann die Abnahme der Anzahl der Lamas im Land gesehen werden: 1929 gab es 25 buddhistische Klöster und ungefähr 4.000 Lamas und Schamanen; 1931 gab es gerade noch ein buddhistisches Kloster, 15 Lamas und ungefähr 725 Schamanen. Die Versuche zur Ausrottung des Nomadismus waren schwieriger. Eine Zählung zeigte, dass 1931 82,2 % der Tuwiner Nomaden waren.

Saltschak Toka, einer der fünf Sonderkommissare, wurde Generalsekretär der 1932 gegründeten Tuwinischen Revolutionären Volkspartei (TPRP). Tuwa trat am 25. Juni 1941, drei Tage nach der UdSSR, auf der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Ein tuwinisches Infanterieregiment und ein Kavalleriebataillon kämpften in der Roten Armee, ein tuwinischer Panzersoldat erhielt den Ehrentitel Held der Sowjetunion.[10] 1944 wurden in Tannu-Tuwa Uranvorkommen entdeckt.

Am 11. Oktober 1944 wurde Tuwa auf Antrag des Churals zu einer Autonomen Region der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) und ab 10. Oktober 1961 unter der Bezeichnung Tuwinische ASSR zur Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik innerhalb der RSFSR, damit war die formale Unabhängigkeit Tannu-Tuwas beendet.

Autonome Republik Russlands

In der Periode des Zerfalls der Sowjetunion erklärte Tuwa im November 1991 seine Unabhängigkeit, die aber von den Regierungen der RSFSR und der formal noch bestehenden UdSSR nicht anerkannt wurde. Am 31. März 1992 war Tuwa einer der Unterzeichner des Vertrags zur Schaffung der Russischen Föderation.

51.698333333394.3897222222Koordinaten: 51° 42′ N, 94° 23′ O

Literatur

  • Philip Walters: Religion in Tuva: Restoration or Innovation? In: Religion, State & Society. Band 29, Nr. 1, 2001, ISSN 0963-7494, S. 23–38
  • Otto Mänchen-Helfen: Reise ins asiatische Tuwa. Der Bücherkreis, Berlin 1931.
  • Georg Cleinow: Neu-Sibirien (Sib-krai). Eine Studie zum Aufmarsch der Sowjetmacht in Asien. Verlag von Reimar Hobbing, Berlin 1928
  • V. Bounak: Un pays de l'Asie peu connu. Le Tanna-Touva. In: Internationales Archiv fur Ethnographie. Nr. 29, 1928
  • V. Bounak: La republique de Tanna-Touva. In: Anthropos. 1929, S. 1–117. ISSN 0003-5572
  • Toomas Alatalu: Tuva. A State Reawakens. In: Soviet Studies. Band 44, Nr. 5, 1992, ISSN 1465-3427, S. 881–895
  • Robert A. Rupen: Tuva. In: Asian Survey. Band 5, Nr. 12, 1965, ISSN 0004-4687, S. 609–615
  • William Ballis: Soviet Russia's Asiatic Frontier Technique. Tana [sic!] Tuva. In: Pacific Affairs. Band 14, Nr. 1, 1941, ISSN 1715-3379, S. 91–96
  • K. B.: Tannu Tuva Showing Signs of Industrial Activity. In: Far Eastern Survey. Band 6, Nr. 7, 1937, ISSN 0362-8949, S. 81
  • David J. Dallin: Soviet Russia and the Far East. Yale University Press, New Haven 1948
  • Chahryar Adle (Hrsg.): Towards the Contemporary Period: From the Mid-nineteenth to the End of the Twentieth Century (= History of Civilizations of Central Asia. Band 6). UNESCO Publishing, Paris 2005, ISBN 978-92-3-103985-0, S. 328–328 (PDF, 8,77 MB)

Weblinks

 Commons: Tuvinian People's Republic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. worldstatesmen.org
  2. worldstatesmen.org
  3. Mortimer Epstein (Hrsg.): The Statesman's Yearbook. Statistical and Historical Annual of the States of the World for the Year 1945. 82. Auflage, Macmillan & Co. Ltd., London 1945, doi:10.1057/9780230270749 S. 810 (PDF, 1,5 MB)
  4. Mortimer Epstein (Hrsg.): The Statesman's Yearbook. Statistical and Historical Annual of the States of the World for the Year 1945. 82. Auflage, Macmillan & Co. Ltd., London 1945, doi:10.1057/9780230270749 S. 810 (PDF, 1,5 MB)
  5. worldstatesmen.org
  6. Toomas Alatalu: Tuva. A State Reawakens. In: Soviet Studies. Band 44, Nr. 5, 1992, ISSN 1465-3427, S. 881–895
  7. worldstatesmen.org
  8. worldstatesmen.org
  9. Toomas Alatalu: Tuva. A State Reawakens. In: Soviet Studies. Band 44, Nr. 5, 1992, ISSN 1465-3427, S. 881–895
  10. The World at War, Tannu Tuva 1911–1944
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