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Tarot (maskulinum oder neutrum, ausgesprochen [ta'ro:][1]) ist ein 78-Blatt-Kartensatz, der zu psychologischen und divinatorischen Zwecken verwendet wird. Er wird eingeteilt in die 22 groĂen Arkana und die 56 kleinen Arkana. Arcanum steht lat. fĂŒr âGeheimnisâ, es leitet sich von arca ab, welches âKisteâ bedeutet (was in einer Kiste liegt, ist von auĂen unsichtbar, und damit geheim).
Die Geschichte der im Artikel Tarock gesondert behandelten Tarotspielkarten war bis Ende des 18. Jahrhunderts mit den als Deutungswerkzeug benutzten Tarots identisch. Seitdem enthalten Decks, welche explizit als Deutungswerkzeuge gedacht sind, zunehmend symbolische Inhalte.
Inhaltsverzeichnis |
Gesichert ist folgendes: Das Wort Tarot stammt aus dem Französischen und ist der Name eines Kartenspieles, welches auch Tarocchi (italienisch), Tarock (deutsch) oder Troccas (rĂ€toromanisch) genannt wird.[2] Bei der italienischen, deutschen und rĂ€toromanischen Bezeichnung heiĂen die TrĂŒmpfe ebenso: Bsp. Das Wort Tarocchi ist gleichbedeutend mit dem Wort Trumpf. Im französischen Sprachraum ist dies nicht der Fall. Ob nun Tarot dieselben Wurzeln hat wie Tarocchi und Tarock, kann nicht restlich aufgeklĂ€rt werden. Einige Autoren gehen von einer gemeinsamen Herkunft aus, denn die Namen Taraux und Tarocchi erscheinen erstmals im Jahre 1505 parallel sowohl in Frankreich als auch in Ferrara, Italien, andere frĂŒhe ErwĂ€hnungen folgten in Ferrara.[3]. Andere Autoren verweisen auf die Möglichkeit, dass das Wort vom französischen tarotĂ©e abstammen könne, was ĂŒbersetzt âkariertâ heiĂt und so auf die KartenrĂŒckseite verweist.[4] Eine andere ErklĂ€rung stammt ebenso aus dem französischen Sprachgebrauch: Viele Spielkarten hatten hĂ€ufig eine silberne Umrahmung mit einem spiralförmigen Band aus feinen Punkten. Diese Punkte oder Löcher wurden tares genannt. Karten mit solchen tares wurden dann tarots genannt.[4]
Die Unsicherheit der Wortherkunft fĂŒhrte bei Esoterikern zu weiteren unwissenschaftlicheren Deutungen:
So wies angeblich der französische Gelehrte Wilhelm Postel im 16. Jahrhundert darauf hin, dass die vier Buchstaben T-A-R-O auf einer Kreislinie geschrieben ein Endloswort ergeben: T-A-R-O-T. Starten wir bei R, erhalten wir R-O-T-A, was entweder lateinisch Rad heiĂt oder auch der Begriff fĂŒr das höchste römische Gericht in der katholischen Kirche (römische Kurie) ist, welches ein ordentliches pĂ€pstliches Gericht fĂŒr Berufungen in kirchlichen Prozessen darstellt und sich vorwiegend mit Ehesachen beschĂ€ftigt (nach dem Rad-Mosaik des Sitzungssaales). Entgegengesetzt der Lesrichtung ergeben sich die Worte T-O-R-A, welches das heilige Buch unter anderem im Judentum ist oder O-R-A-T, was fĂŒr die Glaubensrichtlinie der christlichen Religionen steht (lat.: er/sie/es betet)[5]. Jedoch erscheint dieses SchlĂŒsseldiagramm nur in der 1646er-A.-von-Frankenberg-Ausgabe von Postels Clavis; es erscheint in keiner Edition, die zu Postels Lebzeiten veröffentlicht wurde (erste Ed. 1547).[6]
Nach einer Legende des französischen Mystikers Papus ist der Tarot im alten Ăgypten entstanden: Das alte Ă€gyptische Reich stand einst vor einigen tausende Jahren vor der Bedrohung, zerstört zu werden. Die Weisen des Landes berieten deshalb, wie das jahrtausendealte Wissen des Reiches vor der Zerstörung bewahrt werden könne.
Der Vorschlag, es in Zeichen und Symbolen in die WĂ€nde der Pyramiden einzumeiĂeln, wurde verworfen, da auch die stĂ€rksten Mauern von Menschenhand erbaut und vergĂ€nglich seien. Auch der Vorschlag, die zehn weisesten und klĂŒgsten Köpfe des Landes in die Geheimnisse einzuweihen, die es dann anderen weitergeben könnten, fand keine Zustimmung, da schon oft aus einem Weisen ein Narr geworden sei.
So einigte man sich darauf, das Wissen und die Weisheit dem Laster anzuvertrauen, da dieses alle Schwankungen und VerĂ€nderungen der Zeit ĂŒberdauere. So ging man daran, das gesamte Wissen in Bildern auf Spielkarten zu zeichnen, die dann dem Volk ĂŒbergeben wurden, damit es seinen Lastern und Leidenschaften fröne.[7]
TatsĂ€chlich gibt es keine Beweise fĂŒr die Annahme, der Tarot beruhe originĂ€r auf Ă€gyptischen oder hebrĂ€isch-kabbalistischen Weisheitslehren.
Spielkarten sind in Europa seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bekannt, wie sich aus urkundlichen ErwĂ€hnungen von 1367, Bern, und etwas spĂ€ter ergibt. Sie scheinen sich sehr schnell ĂŒber ganz Europa verbreitet zu haben, wie man aus ErwĂ€hnungen schlieĂen kann, die sich meist auf Verbote des Kartenspiels beziehen. Ăber die Gestaltung und die Anzahl dieser Karten ist nur wenig bekannt, wesentliche Information gibt allein ein Text des Johannes von Rheinfelden 1377 aus Freiburg im Breisgau, der neben anderen Versionen als grundlegendes Spiel das immer noch gelĂ€ufige 4x13-Blatt nennt, wobei hauptsĂ€chlich König, Ober und Unter (âMarschĂ€lleâ) als Hofkarten genannt werden, aber Damen oder Königinnen auch schon bekannt sind.
Es wird vermutet, dass zunĂ€chst aus der islamischen Welt im 14. Jahrhundert ein Satz von 52 Spielkarten nach Europa kam, der aus vier Farben bestand und den Karten der kleinen Arkana entspricht. Die Herkunft der 22 Karten der groĂen Arkana ist keineswegs âungeklĂ€rtâ (widersprĂŒchlich zu vielen Internetverlautbarungen und TarotbĂŒchern), sondern in vielen Details dokumentiert und bekannt.
Weit vor diesem Zeitpunkt (die oben genannte Jahreszahl 1505, in der Taraux und Tarocchi, nicht aber Tarot erwĂ€hnt wird) sind jedoch schon sehr viele Tarotkarten und Tarot-Ă€hnliche Kompositionen entweder als tatsĂ€chliche SpielkartenblĂ€tter oder durch Dokumente belegt - nur die Bezeichnung Tarot fehlte. Stattdessen wurde der Begriff Trionfi benutzt (in unterschiedlichen Formen - triumphi, ludus triumphorum etc.). Das Ă€lteste âTrionfi-Spielâ (es wurde allerdings erst im Jahre 1449 so genannt) entstand im Zeitraum 1418 - 1425, vermutlich 1424/1425 und war zugleich das vielleicht teuerste aller Zeiten und kostete 1500 Dukaten (dieser Preis wird 1447 genannt). Es ist von drei verschiedenen Quellen belegt: einem Begleitbuch, das spĂ€testens 1425 verfasst wurde, das das Spiel beschreibt, einem Brief von 1449, der Erwerb und Versand des Spiels zum Gegenstand hat und der Notiz in einer Vita des Filippo Maria Visconti 1447, der den unglaublich anmutenden hohen Preis nennt. Das Spiel hatte (vermutlich) insgesamt 60 Karten, und 16 von ihnen zeigten griechische Gottheiten und damit keineswegs Motive, die man generell den Tarotkarten zuordnet. Der Maler ist bekannt: Michelino da Besozzo, den manche seiner Zeitgenossen fĂŒr den besten Maler ihrer Zeit hielten. Das Spiel selbst ist verloren.[8]
Die Ă€lteste Benutzung des Wortes Trionfi in Zusammenhang mit Spielkarten ist fĂŒr Februar 1442 in Ferrara belegt, als der Maler Sagramoro (schon vorher mit SpielkartenauftrĂ€gen beschĂ€ftigt), Geld fĂŒr die Produktion von vier Trionfi-BlĂ€ttern empfing[9]. Ein anderes frĂŒheres Dokument vom 1. Januar 1441 benutzt den Ausdruck Trionfi noch nicht, es scheint sich beim produzierten Gegenstand (Sagramoro ist wieder der Maler) aber um 14 spezielle Karten zu handeln, die âTrionfi-Karten-Charakterâ haben.[10] Im Oktober 1441 wird eine Trionfi-Karten-Produktion zu einer Hochzeit vermutet - diese Karten haben sich teilweise erhalten (67 Karten) und befinden sich heute im Cary-Yale-Museum (als Visconti di Modrone oder Cary-Yale-Tarocchi bezeichnet).[11][12] Es hatte - soweit erkennbar - nur teilweise Trumpf-Motive, die im sogenannten Standard-Tarot benutzt werden und es wich von der Standard-Struktur ab (es gab zusĂ€tzliche Hofkarten, weibliche Pagen und weibliche Ritter). Aus spezifischen GrĂŒnden wird vermutet, dass dieses Spiel eine 5x16-Struktur hatte.[13]
Ein weiteres Spiel (Brera-Brambilla-Tarocchi) ist ebenfalls dieser frĂŒhen Periode zuzuordnen, da sich aber nur zwei TrĂŒmpfe erhalten haben, liefert dieser Fund nur wenig Informationen.
In allen dieser frĂŒhen ErwĂ€hnungen und noch vorhandenen Produkte (1424/1425 und 1441/1442) ist entweder der MailĂ€nder Herzog Filippo Maria Visconti (1392 - 1447) verwickelt oder dessen Tochter Bianca Maria, die im Winter 1440/1441 zu einem halbjĂ€hrigen Besuch in Ferrara weilte[14] und anscheinend die Spiel- und Gestaltungs-Idee nach dorthin transportierte.
Nach diesen frĂŒhen ErwĂ€hnungen folgen weitere Dokument-Notizen zu Trionfi-Spielen erst im Jahre 1450 und kurz darauf, dann aber gehĂ€uft und gleich an mehreren Orten parallel (aus diesem Zusammenhang kann vermutet werden, dass das eigentliche Tarotspiel in diesen beiden fĂŒrstlichen Familien - Este in Ferrara und Visconti in Mailand - seinen Anfang fand).
1450 wird es fĂŒr Mailand, Ferrara und Florenz erwĂ€hnt und im Jahre 1452 in Siena. Im gleichen Jahr zeigt Sigismondo Malatesta (Rimini) Interesse an einer Trionfikarten-Produktion in Cremona (gehörte zu Mailand und war eine persönlich bevorzugte Stadt der Herzogin Bianca Maria Visconti. Ein ĂŒberliefertes Spiel, das sogenannte Pierpont-Morgan-Bergamo-Tarocchi (auch Visconti-Sforza-Tarocchi) wird diesem Jahr 1452 zugeordnet und es diente lange als Argument, dass das Tarotspiel jetzt nun vollstĂ€ndig sei. In der Komposition fehlen nur vier Karten insgesamt und von 22 Sonderkarten nur zwei - man nahm an, dass vier Karten verloren gingen (von den Originalen befinden sich 35 in der Pierpont Morgan Library, 26 in der Accademia Carrara, 13 in der privaten Sammlung der Familie Colleoni in Bergamo (der Teufel, der Turm, die Drei der Schwerter und der Ritter der MĂŒnzen fehlen).
NĂ€here Analysen ergaben jedoch, dass dieses Spiel von zwei verschiedenen KĂŒnstlern produziert wurde, 6 der 20 Trumpfkarten stammen von anderer, spĂ€terer Hand. Lange Zeit hat man diesen Umstand mit âverloren gegangenâ und âersetztâ interpretiert⊠heute tritt als alternative Ansicht daneben, dass es nur ein Spiel mit 5x14-Struktur gab, das spĂ€ter erweitert wurde.[15] Ein (spĂ€teres) Dokument von 1457 spricht eindeutig von 70 (= 5x14) Trionfi-Karten, nicht von 78.[16]
Der Schritt zum Spiel mit 22 Trumpfkarten, dem heutigen Standard-Spiel mit Turm und Teufel wird fĂŒr die Periode 1460-1470 vermutet.[17] Vermutlich erst in dieser spĂ€ten Periode fand das Spiel zur Massenproduktion, eine Entwicklung, die die zunehmende Verbreitung von Druck- und VervielfĂ€ltigungstechniken in dieser Zeit in Italien begleitete. Im Zeitraum 1490-1510 entwickelte sich in Lyon (Frankreich) eine erfolgreiche Spielkarten-Export-Struktur, das Tarot als Spiel nahm an dieser Entwicklung teil.
Michael Dummett zitiert in seinem Buch The Game of Tarot den Kartenforscher Allmande: âDie Wiederauferlegung der Steuer im Jahre 1622 provozierte einen neuen Protest von den âmaistres et ouvriers de cartes et tarotzâ von Lyon im Jahre 1623, welche sagten, dass einige schon in die Schweiz oder nach Besançon ausgewandert sind um der Steuer zu entfliehen, und, ganz besonders, dass der Herzog von Savoyen schon viele Kartenmacher an Turin und ChambĂ©ry verloren hat. Den Lyoneser Kartenmachern, glĂŒcklicher als ihre Kollegen in Rouen, gelang es die Steuer fĂŒr Lyons im Jahre 1623 rĂŒckgĂ€ngig zu machen.[18] Ihre Gesetze wurden im Jahre 1650 verbessert; Artikel 9 bezog sich weiter auf den taros.[19][20]
Tarot (Tarock, Tarocchi) als Spiel wurde ein international verbreitetes Erfolgsprodukt im 18. Jahrhundert, das Interesse lieĂ im 19. Jahrhundert wieder nach. Umso erfolgreicher wurde die Benutzung als Wahrsageinstrument, die Ende des 18. Jahrh. einsetzte und ihre höchste BlĂŒte in der Jetztzeit hat.
Die schriftliche esoterische Tradition der Tarot-Karten beginnt erst 1781, als Antoine Court de GĂ©belin, ein Schweizer Geistlicher und Freimaurer, das Buch Le monde primitif, anlyse et comprare avec le monde moderne veröffentlichte; eine populĂ€re Abhandlung ĂŒber religiöse Symbole und ihres modernen Gebrauchs. GĂ©belin wies als erster auf die Symbole des Marseiller Tarots hin, die er als Zeichen der Mysterien der Ă€gyptischen Gottheiten Isis und Thot deutete. Beweise dafĂŒr konnte die Ăgyptologie nicht liefern, dennoch ist diese Theorie auch heute noch weit verbreitet.
Einflussreicher war die âEntdeckungâ des Tarots durch okkultistisch-esoterische Gesellschaften, die in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts in den westlichen Nationen entstanden. Vor allem Eliphas LĂ©vi in seinem 1854 veröffentlichten Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (dt.: Transcendentale Magie) sowie der von ihm beeinflusste Hermetic Order of the Golden Dawn (âHermetischer Orden der goldenen Morgenröteâ, im Folgenden Golden Dawn) haben maĂgeblich zur Verbreitung des Tarots als Deutungssystem beigetragen. Insbesondere im Golden Dawn wurde viel Wert auf den Tarot als Werkzeug der Selbsterkenntnis gelegt. Eine rein divinatorische Nutzung des Tarots lehnten beide ab.
Auf Levi geht auch maĂgeblich die ZusammenfĂŒhrung des Tarots mit Elementen der Kabbala und den vier Elementen der Alchemie zurĂŒck. GĂ©belins Idee des Ă€gyptischen Ursprungs des Tarots behalten sowohl Levi als auch der Golden Dawn bei.
Innerhalb des Golden Dawns war das Tarotdeck von Oswald Wirth (1889) sehr einflussreich; dieses Deck enthĂ€lt nur die groĂen Arkana. Es beruht auf dem Marseille-Tarot, erweitert diesen aber um kabbalistische und esoterische Symbole. Sowohl Arthur Edward Waite als auch Aleister Crowley (siehe unten) waren Mitglieder des Golden Dawn.
Der Aspekt des Tarot als Initiationsweg wurde erstmal im Golden Dawn intensiv betont und lĂ€sst sich zum Beispiel anhand des Rider-Waite-Tarot studieren (zu den einzelnen Decks siehe unten). Noch stĂ€rker tritt er beim Crowley-Thoth-Tarot zu Tage, das deutliche BezĂŒge zum Ordo Templi Orientis (OTO) aufweist. Crowley weist im Book of Thoth darauf hin, Teile der Symbolik könnten nur durch OTO-Mitglieder bestimmter Grade erfasst werden.
Als Satz oder Deck bezeichnet man eine zusammengehörige, vollstÀndige Ausgabe der Tarotkarten. Es gibt mehrere hundert solcher Decks, welche sich teilweise nur in Details, teilweise aber sehr erheblich voneinander unterscheiden. Insbesondere neuere oder spezielle Decks werden hÀufig in Kombination mit einem erlÀuternden Buch angeboten.
Gelegentlich werden auch KartensÀtze als Tarot angeboten, deren Struktur und Abbildungen mit dem eigentlichen Tarotsystem nichts zu tun haben, so z. B. Lenormandkarten, Kipperkarten oder Wahrsagekarten anderer Systeme.
Ein Tarot-Deck besteht zumeist aus 78 Karten. Diese Zahl entspricht der Summe der ersten zwölf Zahlen (1+2+3+4+5+6+7+8+9+10+11+12 = 78). Da die Zahl 12 fĂŒr VollstĂ€ndigkeit steht, wird die Zahl 78 als das groĂe Ganze angesehen. Einige wenige Decks weichen von dieser Zahl ab, so hat z. B. das Universal-Tarot von Maxwell Miller nur 74 Karten, da sich der KĂŒnstler aus astrologischen und numerologischen GrĂŒnden entschloss, die Pagen-Karten zu entfernen. AuĂerdem gibt es Ausgaben, welche aus 80 Karten bestehen, da beim Druck der Karten die Papierbögen 80 Karten ergeben. Gelegentlich werden daher die beiden ĂŒberzĂ€hligen Karten mit weiteren Bildern, bei einigen Ausgaben des von Aleister Crowley entworfenen Thoth-Decks z. B. mit verworfenen EntwĂŒrfen fĂŒr den Magier, bedruckt. Manche Deutungssysteme beziehen diese Karten, die vom Schöpfer des Decks nicht als Teil des Decks betrachtet wurden, in die Auslegung mit ein. Weiterhin gibt es einige Decks, die lediglich aus den 22 Trumpfkarten der groĂen Arkana bestehen.
Die 78 Karten teilen sich in die sogenannte groĂe und kleine Arkana, gelegentlich auch âdas groĂe und kleine Arkanumâ genannt (von lat. arcanum âGeheimnisâ). Mehr zu den Arkana und den einzelnen Karten weiter unten.
Die drei bekanntesten und einflussreichsten Decks sind das Marseille-, das Rider-Waite- und das Crowley-Tarot.
Dem heutigen Tarot de Marseille sehr Ă€hnliche Decks stammen bereits aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Das heute als Marseille-Tarot bekannte Deck stammt aus dem Jahre 1760 und kommt aus der Kartenmanufaktur von Nicolas Conver aus Marseille. Die Bilder gehen auf alte Holzstiche zurĂŒck, und sind lediglich in blau, rot, gelb und grĂŒn koloriert. Dadurch wirken sie sehr âaltâ und oft grobschlĂ€chtig. Trotzdem erinnert diese Farbkonstellation an die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde, die von tragender Bedeutung auch im heutigen Tarot sind. Die Karten des kleinen Arkanums enthalten lediglich die entsprechende Anzahl der Symbole in den italienischen Farben.
Ein aus dieser Tradition entwickeltes Deck ist das Tarot de Besançon bei dem die Karten Die PĂ€pstin und Der Papst in Jupiter und Juno umbenannt wurden. Dies gilt auch fĂŒr das Nachfolgedeck namens 1JJ. Mit diesem werden die Schweizer Tarock-Varianten gespielt â Troccas im romanischsprachigen Teil des Kantons GraubĂŒnden und Troggu im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis.
Ein anderes Deck, welches sich in ihrer AusfĂŒhrung eng an das Marseille-Tarot anlehnt, ist das oben erwĂ€hnte Oswald-Wirth-Tarot.
Dieses Tarot wurde 1910 veröffentlicht. Es wurde geschaffen von Arthur Edward Waite zusammen mit der amerikanischen KĂŒnstlerin Pamela Colman Smith. Beide waren Mitglied des Golden Dawn. Das Rider des Namens leitet sich von Rider & Son, dem Londoner Verleger, ab. Dieses Deck ist zwar etwas feiner gezeichnet als das Marseille-Deck, es benutzt aber ebenfalls nur sehr wenige Farben und wirkt ob der fehlenden Nuancen auf viele Menschen etwas comichaft.
Das Rider-Waite-Tarot zeichnete sich dadurch aus, dass es nicht wie bis dahin ĂŒblich die Zahlenkarten nur mit der bloĂen Anzahl der Symbole, sondern in Anlehnung an das Sola-Busca-Tarot aus dem 15. Jahrhundert die Zahlenkarten szenisch illustriert.[21] Dadurch wurden diese Karten fĂŒr viele Menschen leichter nutzbar. Diese Ănderung soll allerdings mehr auf Pamela Colman Smith als auf Waite selber zurĂŒckzufĂŒhren sein, da Waite in seinem Buch zu diesem Deck, Der BilderschlĂŒssel zum Tarot[22], die kleine Arkana nur sehr oberflĂ€chlich, fast abschĂ€tzig betrachtet.
Trotz vieler Details und Symbole wirkt das Deck auf viele Menschen nicht ĂŒbermĂ€Ăig Ă€sthetisch. Wohl auch aus diesem Grunde gibt es von keinem Deck so viele Nachahmungen. Die sogenannten Rider-Waite-âKloneâ beschrĂ€nken sich dabei auf die reine Wiedergabe des Motivs, lediglich mit anderen kĂŒnstlerischen Mitteln, z. B. das Universal-Waite Tarot, das Cosmic Tarot und das New Palladini Tarot, aber auch das GummibĂ€rchen-Tarot, in welchem die dargestellten Personen durch GummibĂ€rchen ersetzt sind. Eine Ăbersicht der bekannteste Rider-Waite-Klone findet sich auf [23].
Das Rider-Waite Deck illustriert auch zahlreiche BĂŒcher, ebenso gibt es zu keinem anderen Deck soviel Literatur.
Lady Frieda Harris und Aleister Crowley erschufen diese teilweise Ă€gyptisierenden Tarotkarten in den 1940er-Jahren. Sie wurden 1944 zunĂ€chst in Form von Buchillustrationen im Book of Thoth[24] veröffentlicht. Gemalt wurden die Karten von der KĂŒnstlerin Lady Frieda Harris. Sie hatte bei der Gestaltung weitgehend freie Hand und besaĂ zeitlebens die Urheberrechte. Erst 25 Jahre spĂ€ter wurde das Crowley-Tarot im Jahr 1969 als Kartendeck herausgebracht. Crowley legte im Buch Thoth eine detaillierte Beschreibung und Systematik zugrunde (Basierend auf Samuel Liddell Mathers).
Crowleys sorgsam gepflegter Ruf als Schwarzmagier begĂŒnstigte den gelegentlich erhobenen Vorwurf, Tarot sei ein Werkzeug von Magiern oder Satanisten. Ungeachtet dessen ist dieses Deck populĂ€r und inspirierte zahlreiche Decks. Diese PopularitĂ€t beruht auf der von vielen Menschen als Ă€sthetisch empfundenen Darstellung und auf dem Reichtum enthaltener Symbole.
Heutzutage finanziert sich der amerikanische Caliphats-OTO unter William Breeze hauptsĂ€chlich durch die Tantiemen des Crowley-Tarots. So wurde 1998 von der Schweizer Spielkartenfirma Mueller AG in Schaffhausen ein diesbezĂŒglicher Vertrag mit dem Caliphats-GeschĂ€ftsfĂŒhrer William Breeze unterzeichnet.[25]
Decks, die auf das Crowley-Tarot zurĂŒckgehen, sind das Haindl-Tarot, das Cosmic Tribe-Tarot und das Liber - T - Tarot von Roberto Negrini und Andrea Serio.
Tarot-Decks gibt es in groĂer Vielfalt. Sie unterscheiden sich vor allem durch ihre zugrundeliegenden kulturellen, esoterischen, spirituellen oder philosophischen Systeme und durch ihre kĂŒnstlerische Gestaltung. Decks, die weit von den oben genannten Tarot-Traditionen abweichen, oder völlig unabhĂ€ngig von ihnen sind, werden im Weiteren freie Decks genannt. Systeme, die sich in vielen Decks wiederfinden, sind Kabbala, Astrologie, das I Ging und Runen.
Der von Antoine Court de GĂ©belin behauptete altĂ€gyptische Ursprung des Tarots [26] ist Ursache einer relativ groĂen Anzahl âĂ€gyptischerâ Decks. Ebenso gibt es etliche Decks, welche indigene amerikanische Kulturen, beispielsweise die Maya-Kultur, zum Thema haben. Es gibt keltische Decks, japanische, chinesische, afrikanische, und so weiter. HĂ€ufig beziehen sich Decks auch auf mehr als eine Kultur, so stellen die Hofkarten des Haindl-Tarots jeweils eine indianische, eine alt-Ă€gyptische, eine europĂ€ische und eine indische Familie aus mythologischen Figuren dieser Kulturen dar. Eine Sonderform dieser Art von Decks sind die feministischen Decks, von denen das Daughters of the Moon und das Motherpeace-Tarot die bekanntesten sind. Diese beiden Decks bestehen aus runden Karten, wĂ€hrend nahezu alle anderen Decks aus rechteckigen Karten bestehen.
Andere Decks haben als Grundlage ihrer Darstellungen die Werke von KĂŒnstlern, oder bestimmte kĂŒnstlerische oder literarische Traditionen oder Werke. So gibt es ein Shakespeare-Tarot, ein William-Blake-Tarot, ein DĂŒrer-Tarot, ein Bosch und ein Brueghel-Tarot und so weiter. Eine besondere Art von KĂŒnstler-Decks sind solche Decks, die von bildenden KĂŒnstlern als Tarot-Decks selbst entworfen wurden, so vor allem das DalĂ-Deck, der Tarotgarten von Niki de Saint Phalle, das Tarotdeck Hans Ruedi Gigers (GroĂen Arkana) und der Haindl-Tarot. Auch gibt es Decks, die fĂŒr besondere Fragestellungen gedacht sind, wie zum Beispiel das Tarot der Liebe.
Das kabbalistische Tree-of-Life Deck setzt die Kenntnis der Kabbala und Astrologie voraus. Das Tree-of-Life-Tarot enthĂ€lt keine der sonst ĂŒblichen plakativen szenischen Motive, sondern bildet lediglich die entsprechende abstrakte Symbolik der kabbalistischen Sephiroth und des Zodiak ab, basierend auf der Zuordnung des Golden Dawn.
Weiterhin gibt es viele thematische Decks, wie beispielsweise ein Edelstein- und ein Baum-Tarot. Thematische Decks ohne esoterischen Bezug sind beispielsweise das Baseball-Tarot, das Cat People-Tarot, das Halloween-Tarot oder das Vampir-Tarot.
Tarot-Decks mit Bezug zur PopulÀrkunst, sind das Alice im Wunderland-Tarot, das Oz-Tarot oder das Herr-der-Ringe-Tarot. Auch einige Pen-&-Paper-Rollenspiele benutzen eigene Tarot-Decks, zum Beispiel die Serie Mage. Zum Manga Card Captor Sakura gibt es ein Deck aus 52 sogenannten Clow-Cards.
Im Diskordianismus gibt es EntwĂŒrfe fĂŒr ein aus 73 Karten (23 TrĂŒmpfe und je 5 Zahl- und 5 Themenkarten fĂŒr jedes der 5 diskordischen Elemente) bestehendes âfreiesâ Set[27], das völlig anders strukturiert ist als die klassischen Systeme und die diskordische Dada-Mystik aufnimmt. Eine gedruckte Version gibt es davon bislang nicht.
Es gibt grundsĂ€tzlich zwei ErklĂ€rungsmöglichkeiten dafĂŒr, warum das Ergebnis einer Tarot-Lesung Relevanz fĂŒr die Beantwortung einer Frage haben kann. Die eine ist esoterisch-spirituell, die andere psychologisch.
Die groĂen Arkana bestehen aus 22 Karten, deren Sinnbilder sich von den Bildern der Spielkarten völlig unterscheiden. WĂ€hrend diese Karten im Ă€ltesten bekannten Deck, dem Visconti-Tarot, unnummeriert sind, sind 21 dieser Karten seit den VorlĂ€ufern des Marseille-Tarot aus dem 16. Jahrhundert nummeriert. Die Karte des Narren trĂ€gt traditionell entweder keine Zahl, oder sie wird mit der Null, in seltenen FĂ€llen mit der Zahl 22 gekennzeichnet. In einigen wenigen Decks wird die Karte des Narren auch zwischen oder nach den anderen Karten des groĂen Arkanums eingeordnet, und dann auch entsprechend nummeriert, oder er wird in der Tradition von Papus, Eliphas Levi und A. E. Waite als Null zwischen den Karten XX und XXI eingeordnet.
Diese 22 Karten wurden im vorletzten Jahrhundert von Oswald Wirth mit der Bedeutung als âEinweihungsstufenâ belegt und spĂ€ter von Elisabeth Haich in ihrem Tarotbuch[29] als â22 universelle Stufen des Bewusstseinsâ bezeichnet. In diesen Bereich gehören die Decks nach Oswald Wirth, der Waite-Tarot (Arthur Edward Waite) und vor allem der Marseille-Tarot. Jedem Tarotblatt wird hier ein Buchstabe des hebrĂ€ischen Alphabets zugeordnet.
Untenstehend der Vergleich der Nummerierung und Bezeichnung der Karten in den drei einflussreichsten Decks, und als Beispiel fĂŒr ein freies Deck das Tarot der UrsprĂŒnge, ein Deck mit einem urgeschichtlichen oder steinzeitlichen Thema. Bei einigen Decks trĂ€gt der Narr die Nummer XXII.
| Nummer | Marseille Tarot | Rider-Waite Tarot | Thoth Tarot (Crowley) | Tarot der UrsprĂŒnge |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Le Fou Der Narr |
Der Narr (im Original: The Fool) |
Der Narr (im Original: The Fool) |
Der Narr |
| 1 | Le Bateleur Der Magier, Gaukler |
Der Magier (im Original: The Magician) |
Der Magier (im Original: The Magus) |
Der Magier |
| 2 | La Papesse Die PĂ€pstin |
Die Hohepriesterin (im Original: The High Priestess) |
Die Hohepriesterin (im Original: The Priestess) |
Die GroĂe Mutter |
| 3 | L' Impératrice Die Herrscherin |
Die Herrscherin (im Original: The Empress) |
Die Kaiserin (im Original: The Empress) |
Die Mutter |
| 4 | L' Empereur Der Herrscher |
Der Herrscher (im Original: The Emperor) |
Der Kaiser (im Original: The Emperor) |
Der Vater |
| 5 | Le Pape Der Papst |
Der Hierophant (im Original: The Hierophant) |
Der Hohepriester (im Original: The Hierophant) |
Der Schamane |
| 6 | Les Amoureux Die Liebenden |
Die Liebenden (im Original: The Lovers) |
Die Liebenden (im Original: The Lovers) |
Die Verbindung |
| 7 | Le Chariot Der Triumphwagen |
Der Wagen (im Original: The Chariot) |
Der Wagen (im Original: The Chariot) |
Der Wagen |
| 8 | La Justice Die Gerechtigkeit |
Kraft * (im Original: Strength *) |
Ausgleichung (im Original: Adjustment) |
Der Ăberfluss |
| 9 | L' Ermite Der Einsiedler |
Der Eremit (im Original: The Hermit) |
Der Eremit (im Original: The Hermit) |
Der Eremit |
| 10 | La Roue de Fortune Rad des Lebens |
Rad des Schicksals (im Original: Wheel of Fortune) |
GlĂŒck (im Original: Fortune) |
Die Zeit |
| 11 | La Force Die Kraft |
Gerechtigkeit * (im Original: Justice *) |
Lust (im Original: Lust) |
Die Schaffenskraft |
| 12 | Le Pendu Der GehÀngte |
Der GehÀngte (im Original: The Hanged Man) |
Der GehÀngte (im Original: The Hanged Man) |
Das Opfer |
| 13 | La Mort ** Der Tod |
Tod (im Original: Death) |
Tod (im Original: Death) |
Der Tod |
| 14 | La Tempérance Der Ausgleich |
MĂ€Ăigkeit (im Original: Temperance) |
Kunst *** (im Original: Art ***) |
Die Quelle |
| 15 | Le Diable Der Teufel |
Der Teufel (im Original: The Devil) |
Der Teufel (im Original: The Devil) |
Der DĂ€mon |
| 16 | La Maison Dieu Der Turm |
Der Turm (im Original: The Tower) |
Der Turm (im Original: The Tower) |
Der Menhir |
| 17 | L' Etoile Der Stern |
Der Stern (im Original: The Star) |
Der Stern (im Original: The Star) |
Der Stern |
| 18 | La Lune Der Mond |
Der Mond (im Original: The Moon) |
Der Mond (im Original: The Moon) |
Der Mond |
| 19 | Le Soleil Die Sonne |
Die Sonne (im Original: The Sun) |
Die Sonne (im Original: The Sun) |
Die Sonne |
| 20 | Le Jugement Das Gericht |
Gericht (im Original: Judgement) |
Das Aeon (im Original: The Aeon) |
Die Beute |
| 21 | Le Monde Die Welt |
Die Welt (im Original: The World) |
Das Universum (im Original: The Universe) |
Die Welt |
| * Im Waite-Deck sind die Karten 8 und 11 ausgetauscht worden, ** In den meisten Marseille-BlÀttern trÀgt die Karte 13 gar keinen Titel, *** Crowley benannte die Karte 14 um | ||||
Eine erst in den letzten Jahrzehnten aufgekommene, mittlerweile jedoch weit verbreitete Interpretation der groĂen Arkana bringt diese mit der archetypischen Heldenreise in Verbindung. Wie jede Interpretation des Tarots ist auch diese nicht verbindlich; und fĂŒr einige unkonventionellere Decks wĂ€re sie auch nicht anwendbar. Da aber selbst Kritiker, die ihren Wert als Interpretation bestreiten, ihr zugestehen, dass sie eine gute Möglichkeit ist, sich die Reihenfolge und die grundlegende Bedeutung der Karten zu merken, ist eine Variante hier kurzgefasst aufgefĂŒhrt:
Die Reise tritt der Narr an, der wie ein kleines Kind offen fĂŒr alle und alles ist, aber sich auch um Gefahren noch keine Gedanken macht. Magier und Hohepriesterin verkörpern das handelnde, nach auĂen gerichtete und das kontemplative, nach innen gerichtete Prinzip; die beiden Ur-Richtungen menschlichen Lebens. Mutter und Vater werden verkörpert von Herrscherin und Herrscher, wobei die Herrscherin das Prinzip der uneingeschrĂ€nkten FĂŒlle und des Lebens vertritt, und der Herrscher das ordnende und schĂŒtzende Prinzip. Der Papst oder Hierophant verkörpert das tradierte Wissen oder Buchwissen, auch, aber nicht nur, in spirituellen Dingen. Diese Karten stellen die Kindheit des Helden dar. Das Ende der Kindheit bedeutet auch den Wunsch nach Partnerschaft und Liebe (die Liebenden) und der Wunsch, die Heimat zu verlassen und neues zu erfahren (der Wagen).
Die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, bringen ein Empfinden fĂŒr Gerechtigkeit und deren Notwendigkeit hervor, oder, folgt man Waites Reihenfolge, die Kraft fĂŒr weitere Taten. Der Einsiedler steht dem Reisenden mit Rat zur VerfĂŒgung, und ist gleichzeitig Hinweis auf die Möglichkeit, Erkenntnis nicht (nur) durch Handeln, sondern (auch) durch Kontemplation zu gewinnen. Der Nutzen dieser Möglichkeit erschlieĂt sich dem Reisenden, wenn er durch die Drehung des Schicksalsrads die Möglichkeit zum aktiven Handeln verliert und/oder ihm ein bestimmtes Ziel gesetzt wird. Durch diese Wendung des Schicksals erhĂ€lt der Reisende die Kraft, oder, nach Waite, die Einsicht in die Notwendigkeit der Gerechtigkeit, um als der kopfĂŒber GehĂ€ngte die Reise in die Dunkelheit einer Unterwelt (und/oder sein eigenes Inneres) anzutreten. Der Tod steht fĂŒr den Ăbergang von der Ă€uĂeren Welt in die Innen- oder Unterwelt. Erste Erkenntnis ist dann die Notwendigkeit der MĂ€Ăigung, des Ausgleichs und Austauschs zwischen widerstrebenden KrĂ€ften.
Der Teufel steht fĂŒr Illusionen, die den Reisenden zunĂ€chst blenden und gefangenhalten; oft die scheinbare ErfĂŒllung einer Sehnsucht. Diese Illusionen werden durch den Fall des Turmes zerstört, und in der Karte des Sterns findet der Reisende das Ziel seiner Suche und/oder seine innere Ruhe und sein inneres Gleichgewicht. Allerdings muss er jetzt die RĂŒckreise in die Ă€uĂere Welt antreten. Diese Reise unter dem Zeichen des Mondes ist allerdings eine gefahrenvolle, man denke an Orpheus, der seine wiedergefundene Frau auf der RĂŒckreise endgĂŒltig verlor. Erreicht der Reisende die Oberwelt und damit das Sonnenlicht wohlbehalten wieder, ist die gefĂ€hrliche Reise durch die Unterwelt beendet, das endgĂŒltige Ziel jedoch noch nicht erreicht. ZunĂ€chst stellt die Karte des Gerichts noch ein letztes Hindernis dar, so wie beispielsweise Odysseus noch die Werber um Penelope loswerden musste. Erst die Karte der Welt stellt das endgĂŒltige Ziel der Reise dar, die letztendlich die Reise zur eigenen Vervollkommnung ist; die Entwicklung zu einem Menschen, der sich sowohl seiner Ă€uĂeren als auch seiner inneren KrĂ€fte bewusst wird, und diese auch einsetzen kann.
Eine etwas andere und sehr ausfĂŒhrliche Variante der groĂen Arkana als Reise des Helden findet sich unter anderem in Tarot und die Reise des Helden[30].
Die kleinen Arkana (auch: kleines Arkanum) bestehen aus vier mal vierzehn Karten in vier unterschiedlichen Farben oder Reihen, die jeweils aus zehn Zahlenkarten (1 (=Ass) bis 10) und vier meist Hofkarten genannten Karten bestehen. Einzelne Decks verÀndern diese Anzahl, wie das obengenannte Universal-Tarot. Einige wenige Decks nummerieren entweder die Karten von 1 bis 14 durch, oder verzichten sogar auf Farben, und nummerieren diese Karten von 1 bis 56 durch. Es ist allerdings teilweise umstritten, ob es sich bei solchen Decks noch in jedem Fall um Tarot-Karten handelt, oder bereits um eigene Deutungssysteme.
Das Prinzip der Farben der Zahlenkarten ist aus normalen Kartenspielen bekannt. Sie sind beim Tarot identisch mit den Farben italienischer, spanischer und portugiesischer Kartendecks. Bei letzteren werden die vier Farben moderner, normaler Kartenspiele nach wie vor mit den alten Namen bezeichnet, auch wenn das entsprechende, ursprĂŒngliche Symbol nicht mehr vorhanden ist: Karo wird Ouros (âGoldâ), Kreuz Paus (âStĂ€beâ), Herz Copas (âKelcheâ) und Pik Espadas (âSchwerterâ) genannt. In verschiedenen Kartensystemen entsprechen sich die Bezeichnungen wie folgt:
| Tarot | Französische Karten | Deutsche Karten |
|---|---|---|
| Schwerter | Pik | Blatt |
| Kelche | Herz | Herz |
| StÀbe | Kreuz | Eichel |
| MĂŒnzen | Karo | Schellen |
Es gibt gewisse Variationen in der Benennung der Farben; wobei bei âfreienâ Decks der Variationsmöglichkeit nur wenige Grenzen gesetzt sind. Meist aber werden die vier Farben mit den vier klassischen Elementen, also Feuer, Wasser, Luft, Erde assoziiert. Gelegentlich wird ein fĂŒnftes Element, Leben oder Geist angenommen, das dann mit dem groĂen Arkanum assoziiert wird. Entsprechend wird verfahren, wenn nicht auf die europĂ€ische vier-Elemente-Lehre, sondern auf die chinesische FĂŒnf-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz) bezug genommen wird; dies ist vor allem bei Decks mit einem asiatischen Thema der Fall.
Die hĂ€ufigsten Benennungen und Zuordnungen, sowie die des Tarot der UrsprĂŒnge als Beispiel fĂŒr ein freies Deck. Die Zuordnung im Crowley-Tarot entspricht der klassischen Zuordnung (Rider-Waite), nur dass die MĂŒnzen als Scheiben bezeichnet werden.
| Element | Tarot Rider-Waite |
Tarot alternativ |
Tarot der UrsprĂŒnge |
typische Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| Feuer | StĂ€be | Ăste, Stöcke | Natur | Wille, Kraft, Intuition |
| Wasser | Kelche | Schalen, Kessel | Seele | Emotion, Instinkt |
| Luft | Schwerter | Dolche, Messer | Blut | Denken, Intellekt |
| Erde | MĂŒnzen | Pentakel, Scheiben | Schmuck | Materie, Praktisches |
Die hĂ€ufigste Variation dieser Zuordnung ist die Assoziation der Schwerter mit Feuer und der StĂ€be mit Erde. Dies erscheint einleuchtend, denn die StĂ€be wachsen aus der Erde, die Schwerter werden im Feuer geschmiedet. Auch werden die MĂŒnzen/Pentakel dem Element Luft zugeordnet. Dies leuchtet ebenfalls ein, da MĂŒnzen in Form von Geld als Tauschmittel der FlĂŒchtigkeit unterworfen sind.
Die sogenannten Hofkarten sind meist vier Karten, welche eine Person mit dem Symbol der Farbe darstellen. Traditionell sind dies König, Königin, Ritter und Page. Man kann mit einiger Berechtigung sagen, dass diese Karten den gröĂten Wandel unter den Tarotkarten durchgemacht haben, sowohl was ihre Bedeutung als auch ihre Darstellung betrifft.
Der Bedeutungswandel und die Vielfalt der Bedeutungen lassen sich auch an den sich vielen Variationen der Bezeichnungen der einzelnen Karten ablesen; wobei sehr viele der freien Decks hier von den groĂen Traditionen abweichen.
| Marseille-Tarot Rider-Waite-Tarot |
König | Königin | Ritter | Page oder Bube |
| Golden Dawn Crowleys Thoth-Tarot |
Ritter | Königin | Prinz | Prinzessin |
| Haindl-Tarot | Vater | Mutter | Sohn | Tochter |
| Tarot der UrsprĂŒnge | Mann | Frau | Tier | Kind |
| Shining Woman/Tribe | Sprecher | Gabe | Wissende/r | Ort |
AnfÀnglich symbolisierten die Hofkarten lediglich Personen, etwa wie folgt:
In einem Wahrsagesystem ergeben Karten, die etwa Eine blonde Frau bedeuten, durchaus Sinn. In einem System, welches der (Selbst-)Erkenntnis dient, wĂ€re jedoch eine Karte, welche etwa Die Macht der GefĂŒhle bedeuten kann, wesentlich sinnvoller. Auch mit der zunehmenden Verbindung der groĂen Arkana mit Archetypen schwand die Notwendigkeit weiterer Karten, die Personen reprĂ€sentieren (können).
Auch in den meisten neueren Interpretationen können Hofkarten noch Personen darstellen, wenngleich eine Interpretation bezĂŒglich des Alters oder gar der Haarfarbe weitestgehend aufgegeben wurde zugunsten der Eigenschaften von Personen; auch reprĂ€sentieren Hofkarten, wenn sie Personen reprĂ€sentieren sollen, meist Personen jeden Geschlechts, nicht nur des Dargestellten.
Daneben aber stellen die Hofkarten hĂ€ufig die unterschiedlichen EinflĂŒsse oder Anwendungen der Elemente dar. Es war zunĂ€chst der Golden Dawn, der den Hofkarten die vier Elemente zugeordnet und ihnen auch neue Namen gab:
Daraus ergibt sich beispielsweise, dass der König/Ritter der StĂ€be Feuer vom Feuer ist, die Karte also unter anderem ausgesprochene Willenskraft und Dynamik symbolisiert. Der König/Ritter der MĂŒnzen dagegen ist nach diesem System Feuer der Erde und steht unter anderem fĂŒr den Willen, materielle Dinge zu erreichen. Wie ĂŒblich beim Tarot gibt es auch Systeme, welche die Zuordnung anders vornehmen. Dies ist allerdings die hĂ€ufigste.
Die meisten heutigen Tarot-Systeme benutzen eine Mischung aus diesen beiden Systemen, in unterschiedlichen Gewichtungen, was die Hofkarten grade fĂŒr AnfĂ€nger oft zu den am schwierigsten zu erlernenden Karten macht.
Einen gĂ€nzlich anderen Ansatz stellte Rachel Pollack 1994 im Shining Women Tarot[31] vor. Dort ist die Darstellung als Personen gĂ€nzlich aufgegeben worden, und die Hofkarten heiĂen Ort, Wissende/Wissender, Gabe und Sprecher des Elements der jeweiligen Farbe. Der Ort reprĂ€sentiert etwa das Potential des Elements, oder einen Ort der Begegnung mit dem Element. Der Wissende steht fĂŒr das VerstĂ€ndnis des Elements, und dessen Bedeutung fĂŒr das eigene Leben. Die Gabe kann fĂŒr ein vertieftes VerstĂ€ndnis des Elements stehen oder dafĂŒr, dass man ein Geschenk dieses Elements enthĂ€lt; bei den StĂ€ben (Feuer) beispielsweise etwa die Kraft, etwas bestimmtes zu tun. Und der Sprecher schlieĂlich steht fĂŒr die FĂ€higkeit, das Element aktiv anwenden zu können, oder dessen Energie an andere weitergeben zu können.
Es gibt grundsĂ€tzlich zwei Möglichkeiten, die Zahlenkarten zu interpretieren. Die eine Möglichkeit ist, die Bedeutung des Elements (Farbe) mit der numerologischen Bedeutung der Zahl zu verknĂŒpfen; die andere ist es, jeder einzelnen Zahlenkarte eine eigene Bedeutung zuzuweisen. Meist beruhen diese eigenstĂ€ndigen Bedeutungen aber mindestens teilweise auf der Kombination von Element und Bedeutung der Zahl; oder sie haben sich aus solchen Deutungen entwickelt. Bei Decks oder Systemen, in denen dies nicht der Fall ist, sind Gemeinsamkeiten nicht zu entdecken. Aus diesem Grunde beschrĂ€nkt sich dieser Artikel auf eine kurze Darstellung der Methode der Kombination aus Element und Bedeutung der Zahl. Der Zahlenwert 1 entspricht den As-Karten.
Es gibt sehr viele numerologische Systeme, welche sich teilweise erheblich widersprechen. Die hÀufig im Tarot verwendeten Systeme beruhen auf der kabbalistischen Interpretation der zehn Sephiroth des Baum des Lebens.
Zusammenfassung der Bedeutungen der Zahlen nach diesem System, sowie ein konkretes Beispiel:
1 - Kether - Krone Die Notwendigkeit des Geistes, sich zu offenbaren
Essenz, Same, Wurzel, undifferenziertes Potential
Der Gedanke, ein Haus zu bauen
2 - Chokmah - Weisheit âAm Anfang war das Wortâ
Beginn, die Trennung, welche die Kommunikation ermöglicht, Richtung
Erste GesprĂ€che ĂŒber diesen Plan
3 - Binah - Verstehen Das Wort wurde gesprochen, nun muss es verstanden werden
Synthese, Harmonie, erstes Abstecken von Grenzen
Einigung ĂŒber die grundlegenden Fragen (z.B. GröĂe, Preis)
4 - Chesed - Liebe Die erste Verwirklichung und das erste Erkennen von BeschrÀnkungen
Verdichtung, StabilitÀt
GesprÀche mit Architekten, Banken, Behörden
5 - Geburah - Strenge Die Erkenntnis der (eigenen) StÀrke
Macht der Zerstörung, StÀrke die zu VerÀnderungen bewegt
Erste Schwierigkeiten (z.B. mit der Baugenehmigung) und deren Ăberwindung
6 - Tiphareth - Essenz Der manifeste Plan oder die offenbarte und verstandene Wahrheit
Selbst und Selbstbewusstsein, Harmonie
Das Ende der Planung und das Legen des Grundsteines
7 - Netzach - Sieg Die AuffĂ€cherung von AktivitĂ€ten durch GefĂŒhle
KreativitÀt, Anarchie
Der eigentliche Beginn des Baus mit dem unvermeidlich folgenden Chaos
8 - Hod - Glanz Die Unterscheidung durch Gliederung und Einordnung
Anwendung von Logik und Verstand, Gerechtigkeit und Anpassung
Der Bau des Hauses geht ordentlich und zĂŒgig vonstatten.
9 - Yesod - Fundament Die Grundlage aller manifester Erscheinungen
(Gedankliche) Vollendung, Reflexion
Das Richtfest
10 - Malkuth - Königreich Die Idee erlebt ihre Verwirklichung
Das Ende einer Sache (und gleichzeitig der Beginn einer neuen)
Das Haus steht endlich und erwartet den Umzug
Aus diesen Bedeutungen der Zahlen können sich zusammen mit den jeweiligen Elementen sehr unterschiedliche Interpretationen der einzelnen Karten ergeben. So steht die Zehn der Kelche (also Wasser=Emotionen) etwa fĂŒr die ErfĂŒllung und das GlĂŒck, die Zehn der Schwerter (Luft=Intellekt) hingegen unter anderem Ăberreaktionen, Panik, einen Tiefpunkt und/oder den Untergang.
Das Tarot ist ursprĂŒnglich ein genuines europĂ€isches esoterisches System. Allerdings gibt es spĂ€testens seit den Schriften des Golden Dawn viele sehr synkretistische AnsĂ€tze bei der Interpretation des Tarots. Es dĂŒrfte nur wenige religiöse, spirituelle und esoterische Systeme geben, die nicht irgendjemand einmal mit dem Tarot in Verbindung brachte. Der Sinn solcher Verbindungen ist dabei hĂ€ufig allerdings umstritten.
Weitestgehend unumstritten, auch da mittlerweile bereits traditionell, sind die Verbindungen zwischen Alchemie, Kabbala, und Astrologie und dem Tarot. Im folgenden sind lediglich die hĂ€ufig in Bezug auf den Tarot verwendeten Teile dieser Systeme beziehungsweise ihre Verbindung zum Tarot dargestellt; dies ist keine EinfĂŒhrung in die Systeme selbst.
Aus der Alchemie hat der Tarot vor allem die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft und ihre Bedeutung ĂŒbernommen. Ebenso wird das Tarot hĂ€ufig, analog zur alchemischen Suche nach dem Stein der Weisen, als ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis und Selbstvervollkommnung verstanden.
Nahezu alle Systeme verwenden numerologische Methoden bei der Interpretation der Karten.
Bei der Interpretation der groĂen Arkana werden hĂ€ufig numerologische Methoden herangezogen, meist aber nur simple Methoden, um eine Verbindung der Karten untereinander herzustellen. Ein Beispiel: Die Karten 1 - Der Magier und 2 - Die Hohepriesterin haben einen direkten numerologischen Bezug zur 3 - Die Herrscherin, zur 12 - Der GehĂ€ngte und zur 21 - Die Welt. Letzteres wird dahingehend interpretiert, dass sowohl die Beherrschung des handelnden, nach auĂen gerichteten Prinzips des Magiers, als auch die des kontemplativen, nach innen gerichteten Prinzips der Hohepriesterin notwendig sind, um sein volles menschliches Potential ausschöpfen zu können.
Bei der Interpretation der Zahlenkarten werden meistens komplexere numerologische Systeme verwendet, die den Zahlen 1-10 jeweils eine bestimmte Bedeutung zuweisen. Problematisch allerdings ist die Tatsache, dass es sehr viele numerologische Systeme gibt, die sich teilweise erheblich widersprechen. Allerdings beruhen die meisten im Tarot verwendeten Systeme auf der kabbalistischen Interpretation der zehn Sephiroth des Baum des Lebens.
Beim Legen der Karten wird hĂ€ufig die Summe oder Quersumme der gelegten Karten benutzt, um beispielsweise die âEssenzâ oder die âSummeâ der Legung festzustellen. Auch die sogenannten Geburtskarten oder Persönlichkeitskarten oder Ă€hnliche werden in vielen Systemen durch numerologische Methoden ermittelt.
Obwohl vermutlich unterschiedlichen Ursprungs, gibt es eine Theorie, die eine Beziehung zu den jĂŒdischen esoterischen Lehren der Kabbala herstellen möchte.
Die auf das Tarot angewandten kabbalistischen Lehren entstammen zumeist einer langen Tradition der christlich/westlichen Rezeption der Kabbala. Studenten der jĂŒdischen Kabbala, weisen hĂ€ufig auf WidersprĂŒche zwischen dieser christlichen Tradition und der ursprĂŒnglichen jĂŒdischen Kabbala und ihrer Weiterentwicklung hin.
JĂŒdische Kreise benutzen daher die Quersumme der 78 Tarotkarten um eine Beziehung zwischen den Sephiroth des kabbalistischen Baum des Lebens und der jeweiligen Tarot-Karte herzustellen.
Ein Beispiel: Die Karte TOD (XIII. Tarotkarte) hat die Quersumme 4 (= 1+3) und wird demzufolge der vierten Sephira Geburah (hebr. âStrengeâ) zugeordnet (nach der âTarot-Zuordnungâ). So können alle 78 Karten bis auf die Karte Der NARR (Zahl âNullâ), die allein der obersten Sephirah (alias 'Kether') zugehörig ist, zugeordnet werden.
In vielen Ausrichtungen werden die Wege zwischen den zehn Welten (alias âSephirothâ) des Lebensbaums â es sind nicht zufĂ€llig 22 StĂŒck â mit den 22 GroĂen Arkana des Tarots verbunden. Das ist zwar assoziativ möglich, aber inhaltlich wenig sinnig. Die 22 Wege zwischen den zehn Welten des Lebensbaums werden von den Buchstaben des HebrĂ€ischen Alphabets eingenommen â es sind wiederum 22 StĂŒck. Die 22 GroĂen Arkana des Tarots werden den zehn Welten und nicht den 22 Wegen innerhalb des Lebensbaums zugeordnet.[32]
Die offenkundige Verbindung hingegen zwischen der christlichen Kabbala und dem Tarot sind die 22 Verbindungen (alias âPfade der Weisheitâ). Diese befinden sich zwischen den zehn Sephiroth (alias âWeltenâ). Der kabbalistische Lebensbaum besteht aus zehn Welten und hat zwischen ihnen 22 Verbindungen, die den 22 Buchstaben des hebrĂ€ischen Alphabets entsprechen. Diese 22 Verbindungen können beim Tarot mit den 22 Arkana in Beziehung gesetzt werden, und die zehn Sephiroth mit den Werten der Zahlenkarten.
Auch zur westlichen Astrologie werden in vielen Deutungssystemen des Tarot Verbindungen hergestellt. Ebenso gibt es einzelne Decks, die entsprechende Verbindungen zu anderen astrologischen Systemen herstellen; auf diese soll hier aber nicht eingegangen werden. Meist werden den einzelnen Karten die Tierkreiszeichen, Planeten und/oder astrologische HĂ€user zugeordnet, oft auch eines der vier Elemente, mit denen auch die Astrologie arbeitet. Deren Eigenschaften werden dann in die Deutung der jeweiligen Karte mit einbezogen. Allerdings herrscht keineswegs Einigkeit darĂŒber, welches Zeichen zu welcher Karte gehört, und selbst einen Ăberblick zu geben wĂŒrde den Rahmen des Artikels bei weitem sprengen. Daher als Beispiel nur die Zuordnung, wie sie Crowley fĂŒr sein Tarot-System vornimmt.
| Karte | Planet / Sternzeichen |
Karte | Planet / Sternzeichen |
Karte | Planet / Sternzeichen |
|---|---|---|---|---|---|
| 0 Der Narr | Uranus | 8 Gerechtigkeit | Waage | 15 Der Teufel | Steinbock |
| 1 Der Magier | Merkur | 9 Eremit | Jungfrau | 16 Der Turm | Mars |
| 2 Die Hohepriesterin | Mond | 10 Rad des Schicksals | Jupiter | 17 Der Stern | Wassermann |
| 3 Die Herrscherin | Venus | 11 Die Kraft | Löwe | 18 Der Mond | Fische |
| 4 Der Herrscher | Widder | 12 Der GehÀngte | Neptun | 19 Die Sonne | Sonne |
| 5 Der Hierophant | Stier | 13 Der Tod | Skorpion | 20 Das Gericht/Ăon | Pluto |
| 6 Die Liebenden | Zwillinge | 14 MĂ€Ăigkeit | SchĂŒtze | 21 Die Welt | Saturn |
| 7 Der Wagen | Krebs |
Auch eine der gĂ€ngigen ErklĂ€rungen der angeblichen Wirksamkeit von Astrologie, die SynchronizitĂ€t, haben viele Tarot-Autoren ĂŒbernommen; insbesondere dann, wenn das Tarot zu divinatorischen Zwecken benutzt wird.
Beispiele fĂŒr andere Systeme, die hĂ€ufig oder gelegentlich mit dem Tarot in Verbindung gebracht werden, sind Runen, das I Ging, die keltische Mythologie, die Ă€gyptische Mythologie, neuerdings auch Engel und viele andere mehr.
WĂ€hrend viele Menschen sich auf das Lesen der Karten mit ausfĂŒhrlichen Ritualen, die etwa Kerzen, Musik und/oder Meditationen beinhalten können, vorbereiten, verzichten andere gröĂtenteils oder völlig darauf. Eine gewisse Konzentration gilt aber allgemein als ratsam.
Deck und Legesystem sollten entsprechend der Fragestellung ausgewĂ€hlt werden; dies ist jedoch, insbesondere was das Deck angeht, eine sehr subjektive Entscheidung, fĂŒr die keine Regeln existieren.
Ebenfalls eine persönliche Entscheidung ist es, ob man beim Mischen der Karten bestimmten Ritualen oder Methoden folgt. Wenn man mit umgekehrten Karten arbeiten möchte, ist es notwendig, eine Methode zum Mischen der Karten zu wÀhlen, bei der umgekehrte Karten vorkommen können; dies kann beispielsweise durch Abheben und Umdrehen von Karten geschehen.
Egal zu welchem Zweck man die Tarot-Karten deuten möchte, wenn man sich nicht darauf beschrÀnken möchte, jeweils nur eine einzelne Karte auszuwÀhlen, und diese zu interpretieren, benötigt man ein Legesystem. Ein Legesystem ist jedes System, in dem bestimmte PlÀtze bestimmt werden, und diesen PlÀtzen eine bestimmte Bedeutung zukommt. Ein Legesystem kann aus nur zwei Karten bestehen, andere Legesysteme beziehen mehr Karten ein, einige sogar alle 78. Als wichtig dabei gilt nicht, sich an ein bestimmtes System zu halten, sondern ein zur Fragestellung passendes auszuwÀhlen, oder selbst eines festzulegen. Daher ist die Anzahl der möglichen Legesysteme unbegrenzt.
Als Beispiele hier ein paar bekannte Legesysteme. Die erste mit drei Karten, und einigen möglichen Bedeutungen der Positionen, und die zweite Keltische Kreuz, die am hÀufigsten beschriebene Legemethode.
Die einfachste Art, Karten zu legen. Soll in der Denkweise der Tarot-Praktizierenden geeignet sein, um fĂŒr einen selbst Tagesvorhersagen zu treffen oder kleinere Fragen zu beantworten.
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Eines der Ă€ltesten und bekanntesten Legearten. Durch die hohe Anzahl an gelegten Karten und der umfangreichen Fragemöglichkeiten, soll sich diese sehr ausfĂŒhrliche Legeart fĂŒr alle Fragen anbieten. Falls man unsicher sei, welche Legeart zu wĂ€hlen ist, solle das keltischen Kreuz verwandt werden.
Es gibt diverse Variationen des Keltischen Kreuz. WĂ€hrend das eigentliche Legemuster bei all diesen Variationen gleich ist, bestehen insbesondere hinsichtlich der Reihenfolge und Bedeutung der Karten 3-6 Differenzen.
1: Das ist die Frage 2: Nahe Zukunft 3: Andere und Umfeld 4: Zukunft (auf lÀngere Sicht) + Quintessenzkarte[33]
Das Kreuz gibt eher eine prÀgnante Interpretation wieder, die hÀufig in die richtige Richtung weist. Die Fragestellung kann hier zahlreich umgestellt werden um somit immer neue Interpretationen der Karten zu ermöglichen. Sie wird gerne verwendet um einen Trendverlauf oder eine Tendenz zu erkennen.
1: Die Frage 2: Das sollte nicht getan werden 3: Das sollten getan werden 4: Dahin fĂŒhrt der Weg + Quintessenzkarte[33]
Das Liebesorakel ist angelehnt an das Kreuz, jedoch genau zugeschnitten auf Fragen Rund um das Thema Partnerschaft. Mit der Position drei erhĂ€lt man hier zudem eine Karte die auf den Partner eingeht. Hier kann man sehr genaue Legungen fĂŒr alle Liebes-/ und Partnerschaftsfragen durchfĂŒhren.
1: Die Frage 2: Innerliche BeweggrĂŒnde 3: Wie der Andere dazu steht 4: Was der Ratschlag ist + Quintessenzkarte[33]
Je nachdem, wie die Karten gemischt wurden, ergeben sich unter UmstĂ€nden beim Legen Karten, die auf dem Kopf stehen. Viele, vor allem neuere Tarot-Systeme drehen diese Karten einfach wieder in die ârichtigeâ Position. Historisch allerdings wurden diese Karten (und werden in einigen Systemen bis heute) als das genaue Gegenteil der Bedeutung der Karte interpretiert. WĂŒrde also eine bestimmte Karte in einer bestimmten Position Plötzlicher Reichtum bedeuten, bedeutet sie umgekehrt Plötzliche Armut. Dies wurde von vielen spĂ€teren Autoren allerdings als zu einseitig betrachtet. Umgekehrte Karten werden heute von den meisten Systemen so interpretiert, dass die grundsĂ€tzliche Bedeutung zutrifft, es aber einen problematischen Aspekt gibt.
Auch gibt es die Auffassung, dass die umgedrehten Karten historisch gesehen keine andere Bedeutung haben. Der Grund liegt in der Verwendung des Marseille Decks, welches eines der ersten Tarot Decks war. In diesem Deck sind die meisten Abbildungen so angefertigt, dass sie sich Spiegeln und es somit keine auf dem Kopf stehende Karten dabei gibt.
Wichtig ist, dass der Kartenleger vor dem Kartenlegen sich entscheidet, ob die Karten fĂŒr ihn in seiner Deutung eine andere Funktion haben, wenn sie auf dem Kopf stehen.
Insbesondere gegen die divinatorische Nutzung des Tarots wird hĂ€ufig, wie gegen alle anderen Arten der Wahrsagerei, eingewandt, dass es fĂŒr die ZuverlĂ€ssigkeit der Ergebnisse keinen Beweis gebe. Allerdings gehen die meisten neueren Autoren und Tarot-Leser davon aus, dass das Tarot ohnehin nicht unumgĂ€ngliche und ĂŒberraschend eintretende Ereignisse vorhersagen könne, sondern lediglich Tendenzen anzeige; etwa im Sinne von: âWenn sich an der Situation nichts Ă€ndert, wird X eintretenâ.
Das Tarot wird, wie andere Wahrsage- und Beratungsmethoden auch, gelegentlich zum Betrug missbraucht, etwa um âSchutzamuletteâ gegen angebliche âVerhexungenâ zu verkaufen, oder auch nur weitere Sitzungen. Gerade bei telefonischen Beratungen kommt es auch vor, dass nicht fĂŒr jeden Anrufer tatsĂ€chlich die Karten gelegt werden, sondern die Berater einige wenige vorgefertigte Legungen vorliegen haben, die dann einfach vorgetragen werden, unabhĂ€ngig von Frage und Fragesteller.
Weiterhin wird das Tarot, insbesondere von religiösen Gruppen, hĂ€ufig mit magischen Praktiken oder Satanismus in Verbindung gebracht. Dies geht nicht zuletzt auf Aleister Crowley zurĂŒck.