Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Taurin

Dieser Artikel behandelt 2-AminoethansulfonsÀure. Das aus Artemisia-Arten isolierte Sesquiterpen Gracilin wird ebenfalls als Taurin bezeichnet.
Strukturformel
Strukturformel von Taurin
Allgemeines
Name Taurin
Andere Namen
  • IUPAC: 2-AminoethansulfonsĂ€ure
  • 2-Sulfoethylamin
  • ß-AminoethansulfonsĂ€ure
Summenformel C2H7NO3S
CAS-Nummer 107-35-7
PubChem 1123
Kurzbeschreibung

monokline, farblose und geruchlose Prismen [1]

Eigenschaften
Molare Masse 125,14 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

328 °C (Zersetzung ab 300 Â°C) [1]

pKs-Wert
  • pKs1 = 1,5 [1]
  • pKs2 = 8,74 [1]
Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-SĂ€tze H: 315-319-335
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 261-​305+351+338 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-SĂ€tze R: 36-37-38
S: (2)-26-36
LD50

> 5000 mg·kg−1 (Ratte, peroral) [4]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Taurin (INN) oder 2-AminoethansulfonsÀure ist eine organische SÀure mit einer Aminogruppe und enthÀlt eine SulfonsÀuregruppe, die keine Peptide bilden kann. Taurin ist deshalb eine AminosulfonsÀure. Taurin ist ein Abbauprodukt der AminosÀuren Cystein und Methionin. Entgegen landlÀufiger Meinung ist es selbst keine AminosÀure, da es keine Carboxygruppe enthÀlt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Taurin wurde 1827 erstmals von den Chemikern Leopold Gmelin und Friedrich Tiedemann aus der Galle von Ochsen (Bos taurus) isoliert und zunĂ€chst Gallen-Asparagin genannt. Taurin liegt in der Galle als so genannte TaurocholsĂ€ure vor, einem CholsĂ€ureamid, aus der es durch saure Hydrolyse freigesetzt werden kann. Der Begriff „Taurin“ stammt von der lateinischen Bezeichnung fĂŒr Stiergalle, Fel tauri, bzw. vom griechischen Wort tauros fĂŒr „Stier“ ab und wird 1838 erstmals in der Literatur erwĂ€hnt. Diesem Trivialnamen hat Taurin vermutlich die Entstehung der zahlreichen Legenden um seine Wirkung zu verdanken.[1]

Chemische und physikalische Eigenschaften

Taurin ist eine farblose kristalline Substanz, die sich ab 300 Â°C zersetzt und bei 328 Â°C schmilzt.[1] Taurin ist bis zu ca. 100 g/l in Wasser löslich. Die gute Wasserlöslichkeit und der hohe Schmelzpunkt erklĂ€ren sich – Ă€hnlich wie AminosĂ€uren – durch die Bildung des Zwitterions (H3N+-C2H4-SO3-).

Die Salze von Taurin heißen Taurinate.

Taurin wird industriell durch Addition von Sulfit an Ethylenimin hergestellt.[1].

Biologische Eigenschaften

Cystein (1) wird durch die Cysteindioxygenase[5] zu 3-Sulfinoalanin (2) oxidiert. Dieses wird zu Hypotaurin (3) decarboxyliert, was die Sulfinoalanindecarboxylase[6] katalysiert. Schließlich wird Hypotaurin zu Taurin (4) unter NAD+-Verbrauch durch die Hypotaurindehydrogenase[7] oxidiert.

Der erwachsene menschliche Körper kann Taurin aus der AminosĂ€ure Cystein selbst herstellen. Dabei wird Cystein unter Sauerstoff- und NAD+-Verbrauch in mehreren Zwischenschritten zu Taurin oxidiert (vgl. auch Abbildung unten). Eine Zufuhr durch Nahrungsmittel ist bei Erwachsenen nicht nötig. Ein gesunder Mensch hat zwischen 0,43 und 1 g Taurin je 1 kg Körpergewicht im Körper. Dieses findet sich vor allem in Muskeln, Gehirn, Herz und Blut[1]. Ein zweiter Entstehungsweg ergibt sich beim Abbau von Coenzym A durch Decarboxylierung von Cysteamin.

Muttermilch enthĂ€lt eine Konzentration zwischen 25 bis 50 Milligramm Taurin pro Liter.

Hunde können Taurin selbst herstellen. Katzen bilden nur geringe Mengen, weshalb sie Taurin als NĂ€hrstoff aus ihrer Nahrung aufnehmen mĂŒssen.

Biologische Wirkung

Zu den wenigen klar definierten Aufgaben von Taurin im Stoffwechsel gehören die Bildung von GallensĂ€urenkonjugaten, die Beeinflussung der SignalĂŒbertragung und die potentielle Rolle bei der Entwicklung des Zentralnervensystems und der Herzfunktion. Taurin stimuliert den Einstrom und die Membranbindung von Calcium. Außerdem unterstĂŒtzt es die Bewegung von Natrium und Kalium durch die Zellmembran. Die dadurch unterstĂŒtzte Stabilisierung des Membranpotentials weist eine Steigerung der Kontraktion und eine antiarrhythmische Wirkung am Herz auf. Taurin ist ein starkes Antioxidans und kann Gewebe vor oxidativen SchĂ€den schĂŒtzen. Eine niedrige intramuskulĂ€re Taurinkonzentration ist charakteristisch fĂŒr chronisches Nierenversagen.[8] Taurinmangel fĂŒhrt im menschlichen Körper zu Störungen des Immunsystems.

Außerdem wurde im Tierversuch eine entzĂŒndungshemmende Wirkung von Taurin festgestellt.[9] Eine Taurinverarmung der Gewebepools, vor allem des Lungengewebes, fĂŒhrt zu EntzĂŒndungen. Forscher der School of Pharmacy der UniversitĂ€t London stellten fest, dass Taurin durch Alkohol hervorgerufene LeberschĂ€den mindern kann.[10] In einer Studie mit Ausdauersportlern konnte kein leistungssteigernder Effekt nachgewiesen werden.[11] Teilweise wird lediglich ein Placebo-Effekt angenommen. [12]

Im Tierversuch bei Ratten senkte Taurin den Blutdruck und fĂŒhrte bei gleichzeitiger Gabe von Salz zu einer lebensbedrohlichen HypernatriĂ€mie.[13] Außerdem beschleunigte es durch Beeinflussung des Insulinspiegels den Stoffwechsel;[14] dies wiederum erklĂ€rt die verstĂ€rkende Wirkung von Taurin in Energy-Drinks, in denen es neben Koffein und Zucker einer der Hauptbestandteile ist. Eine Dose (250 ml) des bekanntesten Energy-Drinks Red Bull enthĂ€lt z. B. 1000 mg (= 1 g) Taurin.[15] Zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt liegen Hinweise darauf vor, dass Taurin bei Niereninsuffizienz und bei LungenentzĂŒndung zugefĂŒhrt werden sollte.[8] Seit 2007 enthalten Shampoos und auch Duschgels des Herstellers Schwarzkopf (Henkel-Konzern) Taurin als Inhaltsstoff (beispielsweise in den Produkten ACTIV Dr. Hoting oder Fa for men speedster).

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g h i Thieme Chemistry (Hrsg.): Eintrag zu Taurin im Römpp Online. Version 3.19. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2011, abgerufen am 19. Dezember 2011.
  2. ↑ a b c Datenblatt Taurine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011.
  3. ↑ Sicherheitsdatenblatt: Taurin
  4. ↑ Taurin bei ChemIDplus
  5. ↑ EC-Nummer 1.13.11.20 (Cysteindioxygenase)
  6. ↑ EC-Nummer 4.1.1.29 (Sulfinoalanindecarboxylase)
  7. ↑ EC-Nummer 1.8.1.3 (Hypotaurindehydrogenase)
  8. ↑ a b P. FĂŒrst, H.-K. Biesalki u. a.: ErnĂ€hrungsmedizin. Thieme-Verlag, Stuttgart, 2004, S. 95.
  9. ↑ Schuller-Levis, G.B. und Park E. (2004): Taurine and its chloramine: modulators of immunity. In: Neurochem Res. Bd. 29, S. 118–126. PMID 14992270 doi:10.1023/B:NERE.0000010440.37629.17
  10. ↑ Artikel auf BBC News: The ultimative hangover cure?
  11. ↑ EU.L.E.n-Spiegel 1995 / H. 1 / S. 6–7
  12. ↑ Paul Benjamin Reszel: Tri-Wissen: Taurin – Nichts genaues weiß man nicht. Einfluss auf die LeistungsfĂ€higkeit. Artikel bei Triathlon.de, abgerufen am 20. August 2010.
  13. ↑ EU.L.E.n-Spiegel 1996 / H. 5 / S. 9
  14. ↑ A. T. Nandhini u. a.: Taurine modifies insulin signaling enzymes in the fructose-fed insulin resistant rats. In: Diabetes Metab 31, 2005, S. 337–344. PMID 16369195
  15. ↑ Qualitative Bestimmung von Taurin in Red Bull im HPLC-Verfahren

Weblinks

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.