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TeilverhÀltnis

Unter dem TeilverhĂ€ltnis versteht man in der Geometrie eine Zahl, die die Position eines Punktes in Bezug auf eine gegebene Strecke festlegt. Als Formelzeichen wird hĂ€ufig <math>\lambda</math> verwendet. Teilt der Punkt <math>T</math> die Strecke <math>\left[ AB \right]</math>, so schreibt man fĂŒr das TeilverhĂ€ltnis <math>\lambda=\operatorname{TV}(ABT)</math> oder, wenn die Bedeutung aus dem Zusammenhang klar ist, hĂ€ufiger noch einfach <math>\lambda=(ABT)</math>.

Beispiel fĂŒr ein TeilverhĂ€ltnis: Die Seitenhalbierende <math>s_a</math> wird vom Schwerpunkt <math>S</math> des Dreiecks im VerhĂ€ltnis 2:1 geteilt. Dabei wird die Seitenhalbierende von der Ecke <math>A</math> zur gegenĂŒberliegenden Mitte <math>M_a</math> der Strecke <math>a</math> hin orientiert; formalisiert: <math>\operatorname{TV}(AM_{a}S)=2</math>.

Die Mitte <math>M</math> einer Strecke teilt zum Beispiel die Strecke <math> \left[ AB \right]</math> im VerhĂ€ltnis 1:1, d.h. <math>\lambda=(ABM)=1</math>. Ein weiteres einfaches Beispiel ist die in der Abbildung dargestellte Aussage ĂŒber den Schwerpunkt und die Seitenhalbierenden in einem beliebigen Dreieck.

Ein (Ă€ußeres) TeilverhĂ€ltnis wird zusĂ€tzlich fĂŒr den Fall definiert, dass <math>T</math> nicht auf der Strecke <math>\left[ AB \right]</math> liegt, sondern auf deren VerlĂ€ngerung (Ă€ußere Teilung). Zusammen ergeben inneres und Ă€ußeres TeilverhĂ€ltnis den Begriff TeilverhĂ€ltnis in der affinen Geometrie, mit dem eine wichtige Invariante unter affinen Abbildungen beschrieben werden kann. Dieses allgemeinere TeilverhĂ€ltnis hĂ€ngt eng mit affinen Koordinatensystemen zusammen: Affine Koordinaten können stets aus TeilverhĂ€ltnissen berechnet werden und umgekehrt.

Das DoppelverhÀltnis wird Àhnlich gebildet wie das TeilverhÀltnis und hat in Projektiven RÀumen eine vergleichbare Bedeutung.

Im Falle einer zweidimensionalen Geometrie (Ebene) wird ein TeilverhĂ€ltnis in der synthetischen Geometrie allgemeiner auch fĂŒr bestimmte nichtdesarguesche Ebenen definiert. → Siehe Affine Translationsebene.

Inhaltsverzeichnis

Elementargeometrische Definition

Innere Teilung

Innere und Ă€ußere Teilung einer Strecke

Gegeben seien eine Strecke [AB] und ein von B verschiedener Punkt T auf [AB]. Dann ist das TeilverhÀltnis definiert durch

<math>\lambda = (ABT) = +\,\frac{\overline{AT}}{\overline{TB}}</math>

Einfache TeilverhĂ€ltnisse werden in der Regel als BrĂŒche angegeben; statt λ = 1,5 schreibt man „TeilverhĂ€ltnis 3:2“ und spricht dies „3 zu 2“.

Wenn T mit B zusammenfĂ€llt, kann man λ = âˆž festsetzen.

Äußere Teilung

Liegt T auf der Geraden AB, jedoch nicht auf der Strecke [AB], so ist

<math>\lambda = (ABT) = -\,\frac{\overline{AT}}{\overline{TB}}</math>

Bei einer Ă€ußeren Teilung ist das TeilverhĂ€ltnis also stets eine negative Zahl. Statt „λ = âˆ’1,5“ sagt man jedoch in der Regel „T teilt [AB] außen im VerhĂ€ltnis 3:2“

Vertauschung von A und B

Beim TeilverhĂ€ltnis wird [AB] als „gerichtete Strecke“ aufgefasst; es wird also zwischen Anfangs- und Endpunkt der Strecke unterschieden. Teilt ein Punkt die Strecke [AB] im TeilverhĂ€ltnis λ, so teilt er [BA] im TeilverhĂ€ltnis 1/λ. Als Formel:

<math>(ABT)\cdot(BAT)=1</math> fĂŒr T â‰  A und T â‰  B

Dies gilt fĂŒr die innere wie auch fĂŒr die Ă€ußere Teilung.

Zeichnerisches Ermitteln des Teilpunkts

Die Strecke [AB] wird durch T innen im VerhÀltnis 5:3 geteilt

Um den Teilpunkt zu finden, verwendet man eine Konstruktion nach dem zweiten Strahlensatz: Soll die Strecke [AB] im VerhĂ€ltnis m:n geteilt werden, so zeichnet man durch A und durch B zwei parallele Geraden. Auf der Parallelen durch A trĂ€gt man m-mal, auf der Parallelen durch B n-mal die gleiche Strecke ab. Bei innerer Teilung muss das Abtragen in verschiedener Richtung, bei Ă€ußerer Teilung in gleicher Richtung erfolgen. Man zeichnet die Gerade durch die Endpunkte der abgetragenen Strecken. Ihr Schnittpunkt mit der Geraden AB ist der gesuchte Teilpunkt.

Die Strecke [AB] wird durch T außen im VerhĂ€ltnis 5:3 geteilt


Einheitliche Definition des TeilverhÀltnisses

Die Fallunterscheidung in innere und Ă€ußere Teilung lĂ€sst sich dadurch vermeiden, dass man das Konzept der gerichteten Strecke verwendet und den LĂ€ngen der gerichteten Strecken ein Vorzeichen zuschreibt: Der Wert von <math>l_g(AT)</math> (gerichtete StreckenlĂ€nge) beziehungsweise <math>l_g(BT)</math> soll negativ sein, wenn die entsprechende Strecke entgegengesetzt zu [AB] verlĂ€uft.

Mit dieser Festsetzung kann man (fĂŒr T≠B) einheitlich definieren:

<math>\lambda = (ABT) = \frac{l_g(AT)}{l_g(TB)}</math>

Die gerichteten Strecken können auch als Vektoren aufgefasst werden. Da fĂŒr Vektoren der Quotient nicht definiert ist, setzt man dann fest:

Das TeilverhĂ€ltnis des Punktes T bezĂŒglich der Strecke [AB] ist die (fĂŒr <math>\overrightarrow{TB}\ne\vec 0</math>) eindeutig bestimmte Zahl <math>\lambda</math>, fĂŒr die gilt

<math>\overrightarrow{AT} \, = \, \lambda \, \overrightarrow{TB}</math>.

Eine einheitliche Darstellung erhĂ€lt man ebenfalls, wenn AB eine Zahlengerade ist. Haben A, B und T die Zahlenwerte a, b und t (t≠b), so ist

<math>\lambda = \frac{t-a}{b-t}</math>,

und das Vorzeichen ergibt sich automatisch.

Sind die Punkte in einem Parallelkoordinatensystem gegeben durch A(a|a'), und B(b|b') und T(t|t'), so ist

<math>\lambda = \frac{t-a}{b-t} = \frac{t'-a'}{b'-t'}</math>.

Die TeilverhÀltnisse der Koordinatenabschnitte sind also dieselben wie die auf der Geraden AB. Dies folgt aus dem ersten Strahlensatz.

Goldener Schnitt: (ABS) lĂ€sst sich nicht als VerhĂ€ltnis ganzer Zahlen ausdrĂŒcken

Irrationale TeilverhÀltnisse

Nicht fĂŒr jeden Teilpunkt T ist es möglich, das TeilverhĂ€ltnis als ein VerhĂ€ltnis ganzer Zahlen anzugeben. Dies herausgefunden zu haben ist eine hervorragende Leistung bereits der griechischen Mathematik. So ist zum Beispiel das TeilverhĂ€ltnis beim goldenen Schnitt (λ = 1/2 + âˆš5 /2) eine irrationale Zahl, die sich nicht in der Form m:n (mit ganzzahligem m und n) schreiben lĂ€sst.

Dagegen entspricht jedem Punkt T der Geraden AB (außer dem Punkt B) eine reelle Zahl als TeilverhĂ€ltnis (ABT). Umgekehrt kann man sagen, dass die TeilverhĂ€ltnisse (ABT), wenn T die Gerade AB durchwandert, alle reellen Zahlen und den Wert ∞ annehmen.

TeilverhÀltnis beim Teilen der Einheitsstrecke

Das TeilverhÀltnis erzeugt also eine umkehrbar eindeutige Abbildung der (bei B gelochten) Gerade AB auf die Menge der reellen Zahlen. Nimmt man als Strecke [AB] das Intervall [0;1] der Zahlengeraden und als Teilpunkt den Punkt x, so entspricht dieser Abbildung der Funktionsterm <math>\lambda = \frac {x}{1-x}</math>.

Rechnerische Bestimmung des Teilpunkts

Wenn die Strecke <math>\left[ AB \right]</math> und das TeilverhÀltnis <math>\lambda\,</math>, in dem <math>T</math> die Strecke teilt, gegeben sind, berechnet man die gerichtete LÀnge der Strecke <math>\left[ AT \right]</math> nach der Formel

<math>l_g(AT) = \frac{\lambda}{1+\lambda}\ \cdot l_g(AB)</math>

Liegt <math>\lambda</math> zwischen 0 und −1, so ergibt sich fĂŒr <math>l_g(AT)</math> ein negativer Wert. <math>T</math>ist dann auf der Seite der Verbindungsgeraden <math>AB</math> einzutragen, auf der (von <math>A</math> aus gesehen) <math>B</math> nicht liegt.

Die Gleichung kann man auch als Vektorgleichung fĂŒr die Verbindungsvektoren lesen:

<math>\overrightarrow{AT} = \frac{\lambda}{1+\lambda}\ \cdot \overrightarrow{AB}.</math>

TeilverhÀltnis und affine Koordinaten

Sind die Punkte <math>A(a|a')</math> und <math>B(b|b')</math> der affinen Ebene durch ihre inhomogenen affinen Koordinaten gegeben, so sind die entsprechenden Koordinaten von <math>T(t|t')</math>:

<math>t=\frac{1}{1+\lambda}(a+\lambda \,b), \ t'=\frac{1}{1+\lambda}(a'+\lambda \,b')</math>.

Analog können in affinen RÀumen mit mehr als 2 Dimensionen alle inhomogenen Koordinaten von <math>T</math> aus den entsprechenden Koordinaten von <math>A</math> und <math>B</math> berechnet werden: Sind <math>A</math> und <math>B</math> durch ihre Ortsvektoren gegeben, dann ist

<math>\overrightarrow{OT} = \frac{1}{1+\lambda} \cdot (\overrightarrow{OA} + \lambda \cdot \overrightarrow{OB})\,</math> der Ortsvektor von <math>T</math>.

Koordinatensysteme auf der Verbindungsgeraden, Geradengleichung

Das Hebelgesetz an einer Wippe kann den Zusammenhang zwischen TeilverhĂ€ltnis und baryzentrischen Koordinaten anschaulich machen: Wenn das Gewicht des linken Punktes <math>A</math> 20 mal so groß ist, wie das Gewicht des rechten Punktes <math>B</math>, teilt der Schwerpunkt, in dem die Wippe unterstĂŒtzt werden muss, die Verbindungsstrecke (von <math>A</math>, dem Auflagepunkt des grĂ¶ĂŸeren Gewichts aus gesehen) im VerhĂ€ltnis 1:20.

Andererseits kann man auch auf der Verbindungsgeraden <math> AB </math> alleine ein affines Koordinatensystem mit Ursprung <math>A</math> und "Einheitspunkt" <math>B</math> einfĂŒhren. Dann lĂ€sst sich der Ortsvektor eines beliebigen Punktes auf der Geraden eineindeutig durch einen Parameterwert <math>\tau</math> in der Geradengleichung in Parameterform

<math> g=AB: \overrightarrow{OT}= \overrightarrow{OA}+\tau\cdot \overrightarrow{AB}\,</math> darstellen. Gleichwertig ist <math>\overrightarrow{AT}=\tau \cdot \overrightarrow{AB}.</math>

Der Parameterwert <math>\tau</math> ist dann die inhomogene affine Koordinate von <math>T</math> bezĂŒglich des affinen Koordinatensystems <math>(A,B)</math>. Ein Vergleich mit dem TeilverhĂ€ltnis <math>\lambda</math> liefert die Umrechnungsformeln

<math>\tau=\frac{\lambda}{1+\lambda}\,</math> und <math> \lambda= \frac{\tau}{1-\tau}.</math>

In der baryzentrischen Darstellung gilt fĂŒr den Ortsvektor <math>\overrightarrow{OT}</math> eines Punktes <math>T</math> auf der Geraden <math> AB </math>:

<math> \overrightarrow{OT}=\lambda_0 \cdot \overrightarrow{OA}+ \lambda_1\cdot\overrightarrow{OB};\quad \lambda_0+\lambda_1=1.</math>

Hier ist das TeilverhĂ€ltnis <math>\lambda = \lambda_1 \,:\, \lambda_0</math>, die Koordinaten <math>(\lambda_0; \lambda_1)</math> sind die baryzentrischen Koordinaten von <math>T</math> bezĂŒglich des Koordinatensystems <math>(A,B)</math>. Das Bild rechts veranschaulicht ein Beispiel, in dem <math>T</math> der Schwerpunkt der beiden Massen auf der Wippe, <math>\lambda_0=\frac{20}{21}</math>, <math>\lambda_1=\frac{1}{21}</math> ist - diese Zahlen können hier als relative Gewichte der Auflagepunkte auf der Wippe angesehen werden - und die Streckenteilung im umgekehrten VerhĂ€ltnis zum GewichtsverhĂ€ltnis erfolgt: <math>\lambda=1:20</math>.

Invariante der Affinen Geometrie

Das TeilverhÀltnis ist eine Invariante jeder affinen Abbildung, d.h. es behÀlt bei Anwendung einer solchen Abbildung (beispielsweise einer Spiegelung, einer zentrischen Streckung oder einer Scherung) seinen Wert, sofern nicht die ganze Gerade, auf der das TeilverhÀltnis berechnet wird, auf einen einzigen Punkt abgebildet wird. Die Eigenschaft kann als kennzeichnendes Merkmal der affinen Geometrie angesehen werden.

→ Die Beschreibung einer "Geometrie" durch ihre Invarianten wird im Hauptartikel Erlanger Programm dargelegt.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Hermann Schaal, Ekkehart GlĂ€ssner: Lineare Algebra und analytische Geometrie, Band 1, 255 Seiten, Vieweg; Braunschweig, Wiesbaden 1976, ISBN 3-528-03056-9
  • Uwe Storch, Hartmut Wiebe: Lehrbuch der Mathematik, Band II: Lineare Algebra. BI-Wissenschafts-Verlag, 1990, ISBN 3-411-14101-8
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