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Telex (für TELeprinter EXchange) ist ein System zur Übermittlung von Textnachrichten über ein mit dem Telefonnetz vergleichbares, vermittelndes Telekommunikationsnetz, dem Telex-Netz, bei dem Fernschreiber verwendet werden. Es war im 20. Jahrhundert ein wichtiges Kommunikationsmittel für Unternehmen und Behörden. Mit dem Aufkommen der Kommunikationsformen Fax und E-Mail verlor es rapide an Bedeutung und wird heute nur noch in wenigen Nischenbereichen benutzt.
Heute noch eingesetzte Telex-Systeme verfügen über Leistungsmerkmale wie Kurzwahl, Direktruf, Rundschreiben, Zuschreiben von Gebühren, Teilnehmerbetriebsklasse etc.
Inhaltsverzeichnis |
Ein Fernschreiber im ursprünglichen Sinne besteht nur aus einem Sender und einem Empfänger, welche über einen gemeinsamen Motor angetrieben werden. Um den Fernschreiber an das Telex-Netz anzubinden, wird ein Fernschaltgerät verwendet, welches die Anrufsignalisierung übernimmt, die Maschine ein- und ausschaltet und gegebenenfalls die Signale zwischen dem Fernschreiber und dem Telex-Netz physikalisch umsetzt.
Für die Anbindung des Teilnehmers an die Vermittlungsstelle existieren verschiedene Ansätze, welche meist eine Zweidrahtleitung, in einigen Fällen jedoch auch eine Vierdrahtleitung zum Teilnehmer voraussetzen.
Die klassische Verbindung zwischen Fernschreiber und Fernschaltgerät ist die 40-mA-Stromschleife. In spätere Fernschreiber wurde das Fernschaltgerät oft direkt eingebaut. Im Bereich der elektronischen Maschinen werden an dieser Stelle andere Anbindungen genutzt. Die logische Unterscheidung zwischen Fernschaltgerät und Fernschreiber wurde jedoch weitgehend beibehalten.
In handvermittelten Telex-Netzen wird der Teilnehmer über eine Zweidrahtleitung angeschlossen.
Das ursprünglich in Deutschland verwendete automatische System TW39 (TW steht dabei für "Teilnehmerwahl") ist technisch weitgehend kompatibel zum handvermittelten System. TW39-fähige Fernschaltgeräte sind gleichzeitig vollwertige HV-Fernschaltgeräte. Sie verfügen zusätzlich über eine Wählscheibe sowie teilweise über eine Erkennung der Wahlaufforderung der Vermittlungsstelle.
Der Verbindungsaufbau im TW39-System verläuft folgendermaßen:
Das beschriebene Verfahren entspricht der „Signalisierung B“ auf Zweidrahtleitungen mit Einfachstrom.
Es existierte jedoch auch noch eine Anbindung mit Doppelstrom über Vierdrahtleitungen. Dieses Verfahren war jedoch im praktischen Einsatz beim Teilnehmer sehr selten. Hier wurde die „Signalisierung A“ verwendet. Das Fernschaltgerät musste dabei zwischen Einfachstrom des Fernschreibers und Doppelstrom des Anschlusses umsetzen.
Beim Doppelstromanschluss kommen zwei Stromschleifen zur Anwendung: Eine in der Vermittlungsstelle gespeiste zur Übertragung von dort zum Teilnehmer und eine im Fernschaltgerät gespeiste zur Übertragung in die Vermittlungsstelle. Dabei werden beide Schleifen nicht unterbrochen. Die Kodierung der Daten und der Anrufsignalisierung geschieht durch Änderung der Leitungspolarität. Dabei wird von Trennlage (logisch 1) und Zeichenlage (logisch 0) unterschieden.
Das von der Firma Siemens entwickelte System wurde Anfang der 1970er-Jahre eingeführt. Zur Anbindung des Teilnehmers an die Vermittlungsstelle wird eine Zweidrahtleitung genutzt, auch eine Telefonstandleitung zur Vermittlungsstelle ist möglich. Die Informationen werden Frequenzumtastung-moduliert übertragen. Aus logischer Sicht entspricht das einem TW39-Fernanschluss mit je einer Leitung für jede Richtung. Daher wird auch die Signalisierung A wie bei TW39 benutzt, allerdings ohne Nummernschalterwahl. Die Wahl wird wieder wie bei der Handvermittlung über den Fernschreiber ausgeführt, jedoch automatisch. Dazu muss die Wahl mit einem Pluszeichen abgeschlossen werden. Da der Fernschreiber schon während der Wahl angeschaltet ist, fragt die Vermittlungsstelle beim Angerufenen automatisch den Kennungsgeber ab. So weiß der Anrufer durch Empfang der Kennung des Angerufenen, dass er verbunden ist. Bei Fehlern ist die ED1000-Vermittlung in der Lage, die Fehlerursache in kurzen Meldungen auszugeben, bevor die Verbindung getrennt wird.
Elektronische Fernschreiber haben ein ED1000-Fernschaltgerät meist als Standardausstattung eingebaut. Es ist aber auch möglich, mittels eines „AGT“ genannten Adapters, TW39-Endgeräte an einer ED1000-Leitung zu betreiben.
Telex-Netze wurden weltweit seit den 1930er-Jahren aufgebaut, verlieren aber seit den 1980er-Jahren als Kommunikationsmedium ihre Bedeutung und wurden zunehmend durch modernere Medien wie Telefax und später E-Mail abgelöst.
Hauptgründe für den allgemeinen Niedergang des Telexsystems waren:
Viele der verbliebenen Nutzer stammen aus der Banken- und Finanzbranche und hätten aus Sicherheitsbedenken (sowohl Fax als auch E-Mail sind dagegen best-effort-Techniken) bisher nicht umstellen können. Allerdings wird auch diese Anwendung durch Fortschritte bei Verschlüsselung und Zertifizierung digitaler Kommunikation verschwinden.
In großen Unternehmen, Botschaften, Flughäfen und dergleichen werden Fernschreiber noch verwendet beim Nachrichtenaustausch mit vielen kleinen und technisch weniger entwickelten Ländern, da hier Telexverbindungen am zuverlässigsten funktionieren. Bei der Flugsicherung ist das Fernschreiben immer noch Standard, wenn es um die Übertragung flugbetrieblicher Informationen zwischen den Flugsicherungsstellen geht.
Auch das Militär vieler Länder betreibt weiterhin Telexnetze. Zwar sind diese (aufgrund ihrer hierarchischen Sterntopologie) anfälliger gegen die Zerstörung von Knotenpunkten als z. B. das Internet, jedoch bietet die vergleichsweise simple Technik eine höhere Sicherheit gegen EM-Impulse oder Hackerangriffe.
Im Deutschen Reich wurde der erste Fernschreiber-Dienst 1933 eingeführt, nachdem seit 1926 ein Versuchsbetrieb stattgefunden hatte. In der Bundesrepublik Deutschland wurde das Telex-Netz von der Deutschen Bundespost weiter ausgebaut und hatte eine Geschwindigkeit von 50 Baud – das entspricht rund 6,67 Zeichen pro Sekunde. 1978 gab es in Westdeutschland und West-Berlin insgesamt 123.298 Telexanschlüsse. Ende der 1990er Jahre existierten nur noch wenige tausend Anschlüsse an dem von der Deutschen Telekom betriebenen Telex-Netz. Besonders bei Nachrichtenredaktionen waren Telexgeräte noch weit verbreitet. Am 31. Dezember 2007 beendete schließlich die Deutsche Telekom den Dienst. Telex-Anschlüsse sind in Deutschland jedoch weiterhin durch die Firma Swisstelex beziehbar.
In der Schweiz zählen noch rund 300 Geschäftskunden der Swisscom, die diesen Bereich an die Firma Swisstelex ausgegliedert hat, auf den Telex.[1] Dieser Zahl standen in der Blütezeit (1987) etwa 40.000 Nutzer gegenüber.
In Österreich wurde der Telex-Dienst mit Ablauf des dritten Quartals 2006 eingestellt. 2002 hatte "Legacy Communications Luze GmbH" den Dienst von der Telekom Austria übernommen und einer geschlossenen Benutzergruppe zur Verfügung gestellt.