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Tempel des Amenophis III. von el-Kab

Tempel des Amenophis III.

Der Tempel des Amenophis III. von el-Kab ist die Ruine eines kleinen den Göttinnen Nechbet und Hathor geweihten Heiligtums aus der ersten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts v. Chr. in OberĂ€gypten. Das Bauwerk aus Sandstein befindet sich etwa 3,4 Kilometer nordöstlich der Umfassungsmauer des altĂ€gyptischen Ortes Necheb, dem heutigen el-Kab am Ostufer des Nils. Der Tempel steht am Rande des Wadi HilĂąl in der Arabischen WĂŒste. Im Altertum wurde die Gegend um den Kultort des Heiligtums Ra-inet (R3 jnt ‚MĂŒndung des Tales‘) genannt.[1] Bei dem Tempel handelte es sich um eine Aufbewahrungskapelle der Heiligen Barke, die fĂŒr die Prozessionen der Nechbet benutzt wurde.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Tempel des Amenophis III. von el-Kab (Ägypten)
Tempel des Amenophis III.
Tempel des Amenophis III.
Lage in Ägypten

Da in den Reliefs des Tempels zwei Könige der 18. Dynastie vertreten sind, Thutmosis IV. und Amenophis III., ist nicht sicher, wann der Bau genau entstand. Entweder wurde er vollstĂ€ndig zu Beginn der Regierungszeit Amenophis’ III. (um 1385 v. Chr.) errichtet oder von dessen Vater Thutmosis IV. begonnen und von seinem Sohn vollendet.[2]

In der Zeit nach dem Tod des Amenophis III. wurde sein Eigenname Amenhotepheqawaset (Jmn áž„tp áž„q3 W3st ‚Amun ist zufrieden, Herrscher von Theben‘) aus den Kartuschen herausgemeißelt, sein Thronname Neb-maat-Re (Nb-m3ˁt-Rˁ ‚Herr der Maat ist Re‘) hingegen blieb unversehrt. Auch der Name der Göttin Nechbet wurde sĂ€mtlichst ausgekratzt und erst spĂ€ter bei der Restaurierung des Tempels durch König Sethos I. wieder aufgesetzt. Dabei könnte hier, nach Richard Lepsius, der den Tempel 1849 besichtigte, möglicherweise vorher eine andere Gottheit verehrt worden sein, deren Name durch den der Nechbet ersetzt wurde. Lepsius benutzt bei der Beschreibung des Tempels in seinem Werk DenkmĂ€ler aus Aegypten und Aethiopien den griechischen Namen Eileithyia fĂŒr die Göttin Nechbet.[3] Allgemein wird die Zerstörung der Kartuschen und Götternamen der Zeit Echnatons zugeschrieben.[4]

Sethos I. ließ in einige der Kartuschen des Amenophis III. seinen eigenen Thronnamen Men-maat-Re (Mn-m3ˁ.t-Rˁ ‚Bleibend (BestĂ€ndig) ist die Weltordnung des Re‘) einsetzen, unter anderem in die der Reliefs des TĂŒrpfostens links des Tempeleingangs (nach Lepsius) und des TĂŒrsturzes, wo in einer Doppelszene KultlĂ€ufe des Königs vor zwei thronenden Göttinnen abgebildet sind. Eine weitere Änderung an der Fassade stellt das Proskynema des Prinzen Chaemwaset vor seinem Vater König Ramses II. mit dem Datum seines 41. Regierungsjahres rechts der EingangstĂŒr dar. In ptolemĂ€ischer Zeit wurde der Tempel nochmals restauriert. Dabei erhielt er eine von acht SĂ€ulen und sechs Pfeilern gestĂŒtzte Vorhalle. Die Decke im eigentlichen Tempelhaus wurde mit einer Bemalung versehen, auf der die Kartuschen des Königs Ptolemaios VIII. Euergetes II. zu erkennen sind.[3][5]

Eingang zum Tempel 2011
Eingangsreliefs 1843

EuropĂ€ische Gelehrte der Neuzeit besuchten den Tempel erstmals im Jahr 1799 im Rahmen der Ă€gyptischen Expedition von Napoleon Bonaparte. WĂ€hrend der königlich-preußischen Expedition nach Ägypten (1842–1846) unter Richard Lepsius wurden Ende 1843 Abzeichnungen der Reliefs und Inschriften gefertigt. Erste fotografische Aufnahmen des Tempels entstanden 1898 durch Joseph John Tylor.

Beschreibung

Der Tempel des Amenophis III. ist etwa 10 Meter breit und einschließlich der ehemaligen ptolemĂ€ischen Vorhalle ĂŒber 16 Meter lang.[6] Von der Vorhalle stehen noch vier StĂŒmpfe der ehemals sechs Pfeiler und die unteren Teile der acht SĂ€ulen. Der Boden hinter dem im SĂŒdwesten liegenden offenen Zugang zur Vorhalle ist mit Sandsteinplatten ausgelegt. Die FlĂ€che wird durch sechs erhaltene untere Außenmauerreste und die Front des Tempelhauses begrenzt. Die verbliebenen Teile der Vorhalle sind ungeschmĂŒckt, sie besitzen weder Reliefs noch Bemalungen. Das sich anschließende Tempelhaus hat sich im Gegensatz zur Vorhalle fast vollstĂ€ndig erhalten. Es handelt sich um ein Bauwerk auf rechteckigem Grundriss, dessen Eingang heute mit einer MetalltĂŒr verschlossen ist. Das Dach des Tempels wird von vier 2,95 Meter hohen polygonalen HathorsĂ€ulen getragen,[7] wobei die Kapitelle der sechzehnseitigen SĂ€ulen nur je einen Kopf der Göttin Hathor zum Innengang blickend aufweisen.[3] Der mittlere Gang zwischen den SĂ€ulen fĂŒhrt zu einer Nische an der RĂŒckseite des Tempels, in der sich das Kultbild befand.[8]

Die TĂŒrpfosten links und rechts der EingangstĂŒr geben in je zwei unterschiedlich beschĂ€digten Kolumnen von Hieroglyphen spiegelbildlich dieselben Widmungsinschriften wieder. Auf den inneren Kolumnen steht: „Horus, starker Stier, der als Maat erscheint, der König von Ober- und UnterĂ€gypten, der Herr der beiden LĂ€nder, Neb-maat-Re, ... geliebt.“ Außen heißt es: „Die beiden Herrinnen, der den Gesetzen Bestand gibt, der die beiden LĂ€nder beruhigt, der Sohn des Re, von seinem eigenen Leib, [Amenophis (‚Amun ist zufrieden‘), Herrscher von Theben], ... geliebt.“ Im Gegensatz zum linken TĂŒrpfosten ist auf dem TĂŒrsturz die von Sethos I. aufgesetzte Kartusche des eigenen Thronnamens Men-maat-Re noch kenntlich. Die Namen der zwei daneben thronenden Göttinnen hingegen fehlen. Vor der linken Göttin ist der König, ursprĂŒnglich sicher Amenophis III., beim rituellen Vasenlauf, vor der rechten Göttin beim Ruderlauf zu sehen.[8] Wie die Abbildung Chaemwasets vor Ramses II. anlĂ€sslich dessen fĂŒnften ThronjubilĂ€ums im 41. Regierungsjahr auf der rechten Seite des Eingangs,[9] scheinen auch die Einschnitzungen von Schiffen neben dem linken TĂŒrpfosten aus der Zeit nach der Restaurierung Sethos’ I. zu stammen.[10]

Abbildungen des Thutmosis IV. und des Amenophis III.

Der Innenraum des Tempels, das Heiligtum oder auch Sanktuar, wird an den WĂ€nden unterhalb der Decke von einem gemalten Fries eingerahmt, der einen Wechsel von Königskartuschen Amenophis’ III. und Hathorköpfen zeigt, wobei die Eigennamenkartuschen des Königs, wie ĂŒberall, entfernt sind.[11] Der Fries zieht sich auch, hier als Relief ausgearbeitet, entlang der lĂ€ngs liegenden Balken aus Sandstein ĂŒber den Hathorpfeilern in der Tempelmitte.[12] An der SĂŒdwestwand des Innenraums sind links und rechts der EingangstĂŒr die Könige Thutmosis IV. und Amenophis III., Vater und Sohn, vor Opfertischen sitzend mit ihren RĂŒcken zur TĂŒr dargestellt. Die Eigennamenkartuschen Thutmosis’ IV. sind im Gegensatz zu denen seines Sohnes unbeschĂ€digt. Die Bildnisse der Könige sind durch die senkrechte Hieroglyphenzeile eines parenthetischen Widmungsvermerks voneinander getrennt, der beider Thronnamenkartuschen enthĂ€lt. Die Widmung lautet (nach Wolfgang Helck): „Es war aber seine MajestĂ€t des Königs von Ober- und UnterĂ€gypten Neb-maat-Re (Nb-m3ˁt-Rˁ), der dieses Denkmal seines Vaters, des guten Gottes Men-cheperu-Re (Mn-áž«prw-Rˁ), veschönert hat in alle Ewigkeit.“[8] Weitere Inschriften ĂŒber den Königen werden von jeweils einem seine Schwingen ausbreitenden Geier flankiert, dem Sinnbild der Nechbet (Náž«bt ‚Herrin‘) und OberĂ€gyptens.[13]

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass in dem durch Sethos I. restaurierten Zustand des Tempels die Göttin Nechbet in zwei verschiedenen Formen vorkommt. Neben der Hauptform erscheint Nebet-ra-inet (Nbt r3 jnt ‚Herrin des Taleingangs‘), eine Verkörperung des sĂ€ugenden Aspekts der Nechbet, der in diesem Tempel besonders verehrt wurde. Nebet-ra-inet ist eine Abspaltung der Nechbet, entspricht aber ikonografisch der Göttin. Der Ägyptologe Wolfgang Waitkus sieht in ihr, in Bezugnahme auf die Schrift Necheb und Nechbet: Untersuchungen zur Geschichte des Kultortes Elkab von Hartwig Hartmann, eine Hathorform, die mit der Ortsgöttin Nechbet eine Verbindung eingegangen ist.[8] Die Göttin Hathor (កwt កr ‚Mutterschoß des Horus‘) verkörperte in der altĂ€gyptischen Religion eine allumfassende Muttergottheit.

Amenophis III. vor Nebet-ra-inet, der Herrin des Taleingangs

Die Reliefs der inneren SeitenwĂ€nde des Tempels sind inhaltlich Ă€hnlich aufgebaut. Einer der Unterschiede bezieht sich auf die Erscheinungsformen der Göttin Nechbet. Auf der rechten Seite des Heiligtums, der SĂŒdostwand, ist sie als Nebet-ra-inet bezeichnet. ZunĂ€chst ist Amenophis III. neben den Ecken zur Eingangswand bei der PrĂ€sentation von Opfern an die Götterbarken der Nechbet beziehungsweise der Nebet-ra-inet zu sehen. Hinter den Barken steht er mit WeihgefĂ€ĂŸen vor den Göttinnen, links Nechbet, rechts Nebet-ra-inet, und libiert ein Trankopfer. Dabei trĂ€gt Amenophis III. die Henu-Krone auf dem Kopf, die Göttinnen jeweils eine Atef-Krone. In der sich anschließenden Szene vor der RĂŒckwand mit der Kultnische erhĂ€lt der vor ihnen stehende König von den thronenden Göttern das ewige Leben gereicht, symbolisiert durch das Anch-Zeichen, auf der linken Seite von Amun (Jmn ‚Der Verborgene‘), auf der rechten von Hor-nechen (កr-Náž«n ‚Horus von Hierakonpolis‘).[14][8]

Die Kultnische in der RĂŒckwand, der Nordostwand des Tempels, ist heute leer. Auch Reliefs oder Bemalungen in der Nische fehlen.[15] Auf den stark beschĂ€digten Reliefs der RĂŒckwand links und rechts der Nische prĂ€sentiert der mit der Henu-Krone versehene Amenophis III. erneut Opfergaben an die Göttinnen, wie schon an den SeitenwĂ€nden links an Nechbet,[16] rechts an Nebet-ra-inet. Die Gesichter des Königs sowie große Teile seines Körpers auf der rechten Wandseite sind zerstört.[8]

Literatur

  •  Richard Lepsius: DenkmĂ€ler aus Aegypten und Aethiopien. Textband 4: Oberaegypten, Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1901, S. 41 ff.: Tempel Amenophis’ III. (Online, abgerufen am 2. Januar 2012).</span>
  •  Joseph John Tylor, Somers Clarke: Wall drawings and monuments of El Kab. The temple of Amenhetep III. Bernard Quaritch, London 1898 (Online, englisch, abgerufen am 2. Januar 2012).</span>
  •  Hartwig Hartmann: Necheb und Nechbet: Untersuchungen zur Geschichte des Kultortes Elkab. In: Deutsche Hochschulschriften. Band 822, HĂ€nsel-Hohenhausen, Mainz 1993, ISBN 3-89349-822-2.</span>

Weblinks

 Commons: Tempel des Amenophis III. von el-Kab â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑  Wolfgang Helck (Hrsg.): Lexikon der Ägyptologie. Band V, Otto Hassarowitz, Wiesbaden 1984, ISBN 3-447-02489-5, S. 87 (Online, abgerufen am 10. Januar 2012).</span>
  2. ↑ a b Thierry Benderitter: The temple of Amenhotep III at el Kab. www.osirisnet.net, 18. Februar 2011, abgerufen am 2. Januar 2012 (english).
  3. ↑ a b c  Richard Lepsius: DenkmĂ€ler aus Aegypten und Aethiopien. Textband 4: Oberaegypten, Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1901, S. 41–45: Tempel Amenophis’ III. (Online, abgerufen am 2. Januar 2012).</span>
  4. ↑  Friedrich Wilhelm von Bissing: Ausradierungen im Tempel Amenophis’ III. zu El Kab. In: A. Erman, G. Steindorff (Hrsg.): Zeitschrift fĂŒr Ă€gyptische Sprache und Altertumskunde. 41. Band, J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1904, S. 126–130 (Online, abgerufen am 6. Januar 2012).</span>
  5. ↑  GĂŒnther Hölbl: A History of the Ptolemaic Empire. Routledge, New York 2001 (Originaltitel: Geschichte des PtolemĂ€erreiches), ISBN 0-415-20145-4, Religious culture and divine kingship from Ptolemy VI to Cleopatra VII, S. 267 (Online, abgerufen am 6. Januar 2012).</span>
  6. ↑ El-Kab – Temple of Amenophis III. www.planetware.com, abgerufen am 6. Januar 2012 (english).
  7. ↑  Edith Bernhauer: HathorsĂ€ulen und Hathorpfeiler. AltĂ€gyptische Architekturelemente vom Neuen Reich bis zur SpĂ€tzeit. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05214-7, 6 Tempel mit HathorstĂŒtzen, S. 24 (Online, abgerufen am 6. Januar 2012).</span>
  8. ↑ a b c d e f Amenophis III. – Bauten. El-Kab. www.nefershapiland.de, 23. Februar 2010, abgerufen am 6. Januar 2012.
  9. ↑ Winfried Ulrich: Ramses II. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 8. Januar 2012.
  10. ↑ Winfried Ulrich: Schiffe. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 8. Januar 2012.
  11. ↑ Winfried Ulrich: Hathorfries 1. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 8. Januar 2012.
  12. ↑ Winfried Ulrich: Hathorfries 2. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 8. Januar 2012.
  13. ↑ Winfried Ulrich: Opfergaben 1. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 8. Januar 2012.
  14. ↑  Christian Leitz (Hrsg.): Lexikon der Ă€gyptischen Götter und Götterbezeichnungen. In: Orientalia Lovaniensia Analecta. Register. Peeters, Leuven 2003, ISBN 90-429-1376-2, S. 524 (Online, abgerufen am 10. Januar 2012).</span>
  15. ↑ Winfried Ulrich: Sanktuar. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 10. Januar 2012.
  16. ↑ Winfried Ulrich: Opfergaben 3. www.aegyptologie.com, 2007, abgerufen am 10. Januar 2012.

25.138583333332.8286666667Koordinaten: 25° 8â€Č 19″ N, 32° 49â€Č 43″ O

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