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Die fast 2500 Jahre alte Temperamentenlehre kategorisiert Menschen nach ihrer Grund-Wesensart und ist heute wissenschaftlich gesehen eine überholte Theorie.
Inhaltsverzeichnis |
Sie geht auf die Humoralpathologie (Viersäftelehre) zurück, die Hippokrates von Kós (griech. Arzt, 460–375 v. Chr.) zugeschrieben wird. Innerhalb des Corpus Hippocraticum wurde sie in der Schrift „Die Natur des Menschen“ erstmals entwickelt, welche dem Polybos, Schwiegersohn und Schüler des Hippokrates zugeschrieben wird.
Die Verknüpfung der Viersäftelehre mit der Lehre von den vier Temperamenten erfolgte durch Galenus von Pergamon, der den vier Flüssigkeiten des Körpers („humores“) je ein Temperament zuordnete. Je nach Vorherrschaft einer dieser vier Flüssigkeiten bilde sich das damit verbundene Temperament besonders hervor. Galen griff dabei eine Auffassung auf, die in gewissen Bereichen, z.B. der Melancholie, bereits zuvor gebildet worden war und systematisierte sie:
Im Mittelalter wurde die Temperamentenlehre Galens noch durch die Zuordnung von entsprechenden Elementen, Himmelsrichtungen, Jahreszeiten, Sternzeichen und Tonarten ergänzt.
Die vier Temperamente lassen sich sehr einfach an einem simplen Szenario verdeutlichen. Man stelle sich vor, ein großer Stein versperre einem Menschen seinen Weg.
Johann Nepomuk Nestroy schrieb 1837 die Posse "Das Haus der Temperamente", in der die Bühne vier Wohnungen zeigt, die von vier Familien mit den unterschiedlichen Temperamenten bewohnt werden.
Die Temperamentenlehre wurde viele Jahrhunderte akzeptiert und inspirierte moderne Persönlichkeitspsychologen wie Hans Eysenck (1916–1997), der in seinem Persönlichkeitszirkel die Eigenschaft „instabil“ zwischen melancholisch und cholerisch, „extrovertiert“ zwischen cholerisch und sanguinisch, „stabil“ zwischen sanguinisch und phlegmatisch sowie „introvertiert“ zwischen phlegmatisch und melancholisch einordnete.
Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und Waldorfschule, entwickelte neben einer Vielzahl die Pädagogik betreffenden Thesen, eine Variante der Temperamentenlehre. Sie teilt, wie ihre griechische Vorläuferin, die Menschen in vier Grundtypen – Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker – ein, wobei Mischformen dieser Typen auftreten können.