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TerroranschlÀge am 11. September 2001

Brennende TĂŒrme des World Trade Centers. Vorn links: Freiheitsstatue (um 9:30 Uhr EDT)

Die TerroranschlĂ€ge oder AnschlĂ€ge am (vom) 11. September 2001 (auch im Singular oder kurz 11. September[1]; englisch September 11 attacks bzw. Nine-Eleven oder in Zahlen 9/11)[2], einem Dienstag, waren vier koordinierte Selbstmordattentate auf wichtige zivile und militĂ€rische GebĂ€ude in den Vereinigten Staaten von Amerika. Drei Verkehrsflugzeuge wurden von jeweils fĂŒnf, eines von vier TĂ€tern zwischen 8:10 Uhr und etwa 9:30 Uhr Ortszeit auf InlandsflĂŒgen entfĂŒhrt. Die TĂ€ter lenkten zwei davon in die TĂŒrme des World Trade Centers (WTC) in New York City und eines in das Pentagon in Arlington (Virginia). Das vierte Flugzeug, das wahrscheinlich ein RegierungsgebĂ€ude in Washington D.C. treffen sollte, brachte der Pilot der EntfĂŒhrer wĂ€hrend KĂ€mpfen mit Passagieren bei Shanksville (Pennsylvania) zum Absturz.

Die AnschlÀge verursachten den Tod von etwa 3000 Menschen und gelten als terroristischer Massenmord.[3] Von den ungefÀhr 17.400 Menschen, die sich in den WTC-GebÀuden aufhielten, konnten sich ca. 87 Prozent retten.

Die 19 FlugzeugentfĂŒhrer gehörten zur islamistischen Terrororganisation al-Qaida. Die USA und ihre VerbĂŒndeten reagierten mit dem Krieg in Afghanistan seit 2001, um al-Qaida zu zerschlagen, deren AnfĂŒhrer Osama bin Laden zu fassen oder zu töten und das Regime der Taliban zu entmachten. Die USA begrĂŒndeten auch den Irakkrieg 2003 mit den AnschlĂ€gen. Bin Laden bekannte sich 2004 erstmals dazu, die AnschlĂ€ge initiiert zu haben.

Der 11. September 2001 wird oft als historische ZÀsur bewertet.[4] Viele Historiker widersprechen dieser EinschÀtzung jedoch: Nach zehn Jahren sei das noch ungewiss und hÀnge stark von der gewÀhlten Perspektive ab.[5]

Inhaltsverzeichnis

AnschlÀge

Verlauf

Zeit
(Eastern Daylight Time)
Ereignis
8:46 Uhr Flug AA 11 schlĂ€gt im WTC 1 (Nordturm) ein
9:03 Uhr Flug UA 175 schlĂ€gt im WTC 2 (SĂŒdturm) ein
9:37 Uhr Flug AA 77 fliegt in das Pentagon
9:59 Uhr WTC 2 stĂŒrzt ein
10:03 Uhr Flug UA 93 stĂŒrzt bei Shanksville ab
10:28 Uhr WTC 1 stĂŒrzt ein
17:20 Uhr WTC 7 stĂŒrzt ein
Skizze der TĂŒrme mit Lage der FlugzeugeinschlĂ€ge
li: SĂŒdturm (WTC2)
re: Nordturm (WTC1)

Um 8:15 Ortszeit (EDT), so wurde spĂ€ter ermittelt, entfĂŒhrten die TĂ€ter das in Boston gestartete Flugzeug von American-Airlines-Flug 11. Um 8.20 Uhr stellten sie sein Transpondersignal ab, so dass es fĂŒr die LuftĂŒberwachung unsichtbar wurde. Eine Stewardess informierte die Bodenkontrolle kurz darauf ĂŒber die EntfĂŒhrung.

Gegen 8:38 Uhr informierte die zivile Flugaufsicht die zentrale Luftverteidigung (NORAD) ĂŒber den Vorfall und bat darum, Flug AA-11 visuell zu ĂŒberprĂŒfen. Um 8:45 Uhr starteten zwei F-15 mit dieser Aufgabe. Die Fluglotsen konnten deren Piloten jedoch die aktuelle Position des Fluges wegen des fehlenden Transpondersignals nicht sofort mitteilen.

Um 8:46 Uhr flog das erste entfĂŒhrte Flugzeug in den Nordturm des WTC. DarĂŒber berichtete live ab 8:48 zuerst der New Yorker Fernsehsender WNYW. Man ging zunĂ€chst von einem Unfall aus und forderte die Menschen im SĂŒdturm des WTC auf, Ruhe zu bewahren und am Arbeitsplatz zu bleiben.

Einschlag (Explosion) von Flug UA 175 im SĂŒdturm (Aufnahme von Norden)

Um 8:15 Uhr war United-Airlines-Flug 175 in Boston gestartet. Um 8:46 Uhr wurde dieses Flugzeug entfĂŒhrt. Um 9:03 Uhr flog es von SĂŒden her in den SĂŒdturm des WTC. Damit wurde US-Behörden und vielen TV-Zuschauern klar, dass hier gezielte Angriffe ausgefĂŒhrt wurden.

American-Airlines-Flug 77 wurde zwischen 8:50 und 9:00 Uhr entfĂŒhrt und traf das Pentagon in Arlington bei Washington um 9:37 Uhr. Es schlug eine Bresche durch drei GebĂ€udeteile der Westseite; das explodierte Flugbenzin löste einen Großbrand aus. Infolge der SchĂ€den und BrĂ€nde stĂŒrzte einer der Abschnitte gegen 10:10 Uhr ein. Nach diesem dritten Anschlag forderten die Federal Aviation Administration (FAA) und die lokalen, regionalen und nationalen Flugleitstellen gegen 9:45 Uhr alle Passagierflugzeuge im Luftraum der USA unter Androhung eines Abschusses auf, den nĂ€chstmöglichen Flughafen zur Landung anzusteuern.

EinschlagsschÀden im Pentagon, 14. September 2001

United-Airlines-Flug 93 war bereits entfĂŒhrt worden und hatte, wie die FlugĂŒberwachung in Cleveland bemerkte, den Kurs um 9:36 Uhr in eine sĂŒdöstliche Richtung geĂ€ndert.[6] Um 9:55 Uhr wĂ€hlte sich einer der EntfĂŒhrer als Pilot in die Anflughilfe des Ronald-Reagan-Flughafens ein und ließ so den Flug nach Washington DC dirigieren.[7] Die FlugĂŒberwachung bestĂ€tigte den Kurswechsel.[8] Als Anschlagsziel wurden spĂ€ter das Weiße Haus oder das Kapitol oder der Landsitz des US-PrĂ€sidenten in Camp David vermutet. In einem Interview mit dem Al Jazeera-Redakteur Yosri Fouda vom Juni 2002 sagte das al-Qaeda-Mitglied Ramzi Binalshib, das vierte Flugzeug habe das Kapitol treffen sollen.[9]

Nachdem Passagiere bei Bordanrufen mit Verwandten von den AnschlĂ€gen auf das WTC erfahren hatten, versuchten einige, die EntfĂŒhrer zu ĂŒberwĂ€ltigen. Daraufhin lenkte der Pilot der EntfĂŒhrer das Flugzeug um 10:03 Uhr zu Boden.[10] Es zerschellte bei Shanksville, rund 100 Kilometer östlich von Pittsburgh. Erst nach seinem Absturz erreichte die Northeast Air Defense Sector (NEADS) in Rome (New York) ein Befehl, entfĂŒhrte Flugzeuge abzufangen und eventuell abzuschießen.

Beim Aufprall der ersten beiden Flugzeuge waren rund 90 Kubikmeter Flugbenzin (Kerosin) explodiert, hatten sich ĂŒber die FahrstuhlschĂ€chte in vielen Stockwerken der WTC-GebĂ€ude verteilt und, genĂ€hrt durch brennbare Materialien, anhaltende BrĂ€nde verursacht. Der SĂŒdturm stĂŒrzte um 9:59 Uhr, der Nordturm um 10:28 Uhr (56 bzw. 102 Minuten nach den EinschlĂ€gen) ein.

RettungseinsÀtze

RettungseinsĂ€tze oder -versuche begannen spĂ€testens nach dem zweiten Einschlag in das WTC. Die New Yorker Feuerwehr (FDNY) wollte die im Nordturm tĂ€tigen Angestellten nach dem ersten Einschlag evakuieren und eventuell BrĂ€nde löschen. Dieses Ziel gab sie jedoch bald nach dem zweiten Einschlag auf, da man nun mit TeileinstĂŒrzen der GebĂ€ude rechnete. Die Hafenbehörde von New York unterstĂŒtzte die stĂ€dtische Feuerwehr und Polizei bei Evakuierungs- und Löschversuchen im WTC mit eigenen Polizei- und Rettungseinheiten. Deren Arbeit wurde erschwert, weil die FlugzeugeinschlĂ€ge einige ihrer Leitstellen in den WTC-TĂŒrmen zerstört hatten. Trotz eines RĂ€umungsbefehls setzten einige Feuerwehreinheiten im Nordturm ihre Evakuierungen fort; viele davon wurden beim Einsturz des SĂŒdturms verschĂŒttet. Begonnene Bergungsversuche mussten nach dem Einsturz des Nordturms erweitert werden. Zudem waren nun weitere GebĂ€ude im Umkreis von 500 Metern durch TrĂŒmmerschĂ€den einsturzgefĂ€hrdet. Die Befehlsinfrastruktur des FDNY war großenteils zerstört und musste neu aufgebaut werden.

Die New Yorker Polizei sperrte zunĂ€chst die nĂ€here, dann auch die weitere Umgebung des WTC ab, unterstĂŒtzte die Evakuierung der TĂŒrme und begann, den Ablauf der Angriffe zu ermitteln. Mit HelikopterflĂŒgen erhielt die PolizeifĂŒhrung Informationen ĂŒber die Lage in den TĂŒrmen, die die Einsatzleitung der Feuerwehr jedoch kaum erreichten. Trotzdem konnten sich rund 87 Prozent der ungefĂ€hr 17.400 Menschen, die sich zum Zeitpunkt des ersten Einschlags in den WTC-GebĂ€uden fanden, selbst retten oder wurden von Feuerwehr, Hafenbehörde und Polizei gerettet.[11] Ab dem 12. September retteten sie nur noch wenige Überlebende in der direkten Nachbarschaft.

TrĂŒmmer des eingestĂŒrzten World Trade Centers
Beteiligt waren ferner die Stadtverwaltung, New Yorks BĂŒrgermeister Rudy Giuliani mit seinem Stab, der Staat New York, die Bundesregierung, das FBI, die FEMA, das National Military Command Center (NMCC) und weitere staatliche Behörden.

Bis Mai 2002 waren etwa 40.000 Personen an Rettungs- und AufrĂ€umarbeiten an Ground Zero beteiligt. Sie und andere wurden dabei in unterschiedlichem Maß mit Schadstoffen vom WTC in der Atemluft belastet. Ausmaß und BewĂ€ltigung der gesundheitlichen SpĂ€tfolgen werden in den USA seit etwa 2005 verstĂ€rkt diskutiert. Die Stadt New York bewilligte im November 2010 ein Hilfspaket von 625 Millionen US-Dollar fĂŒr zehntausend betroffene Helfer. Zudem unterschrieb US-PrĂ€sident Barack Obama am 2. Januar 2011 ein Gesetz, wonach Polizisten, Feuerwehrleute und andere Helfer insgesamt 4,2 Milliarden US-Dollar EntschĂ€digungszahlungen fĂŒr gesundheitliche SpĂ€tfolgen erhalten sollen.[12]

Reste des zerstörten World Trade Centers

Tote und Verletzte

Die AnschlĂ€ge töteten mindestens 2.970, mit den 19 FlugzeugentfĂŒhrern also mindestens 2.989 Menschen.

Eine erste Liste aus New York City vom August 2002 nannte 2.726 im oder beim WTC Getötete.[13] SpĂ€ter wurden zwischen 2.746[14][15] und 2.823[16][17] in New York Getötete genannt. Davon starben alle 147 Passagiere und die zehn EntfĂŒhrer durch die FlugzeugeinschlĂ€ge. Etwa 200 Personen stĂŒrzten aus den TĂŒrmen in den Tod, sei es bewusstlos durch Rauchvergiftung oder absichtlich, um einer Verbrennung zu entgehen.[18] 2.123 Personen starben durch die EinstĂŒrze, darunter 411 Helfer (343 Feuerwehrleute, 60 Polizisten und acht SanitĂ€ter).[19][20][21] Man schĂ€tzt, dass bis zu 1.400 davon in den Etagen der FlugzeugeinschlĂ€ge und in den Stockwerken darĂŒber starben, davon etwa 800 im Nordturm, 600 im SĂŒdturm.

184 Menschen starben im Pentagon[22], davon 59 Passagiere.[23][24] 40 Passagiere starben bei Shanksville[19][25], darunter neun MinderjÀhrige.[26] 372 Todesopfer waren AuslÀnder, darunter elf Deutsche.[27]

Da nicht alle Opferfamilien vermisste Angehörige meldeten oder Todesbescheinigungen beantragten und nicht alle Verfahren dazu abgeschlossen waren, weichen die Zahlen verschiedener privater oder behördlicher Opferlisten voneinander ab. Bei den AufrĂ€umarbeiten erfolgte SterbefĂ€lle blieben unberĂŒcksichtigt. [28] Weitere TodesfĂ€lle gab es spĂ€ter bei den Helfern der AufrĂ€umarbeiten. Ob diese an deren SpĂ€tfolgen starben, ist zum Teil umstritten.[29]

Die Zahl der am 11. September akut Verletzten wird auf ĂŒber 6000 geschĂ€tzt. Über 3.200 Kinder verloren durch die AnschlĂ€ge Eltern.[30] Viele davon erlitten traumatische TrennungsĂ€ngste.[31] FĂŒr die SchĂ€den und Opferangehörigen legte die US-Bundesregierung ein Acht-Milliarden-US-Dollar-Programm auf, sogenannte Liberty Bonds.[32]

Bis zum 23. Februar 2005 arbeitete das gerichtsmedizinische Institut von New York an der gentechnischen Identifizierung von Körperbestandteilen der Opfer. 1.600 Opfer konnten auf diese Weise identifiziert werden. Etwas ĂŒber 10.000 Fragmente blieben bislang unidentifizierbar. Von 1.100 in New York getöteten Personen fehlen jegliche Körperbestandteile, so dass sie nicht identifiziert werden konnten.[33] Am 2. April 2009 konnte das 1624. Opfer beim WTC identifiziert werden.[34]

TĂ€ter

FlugzeugentfĂŒhrer

Das FBI gab die aus Passagierlisten und mit Klarnamen gebuchten Sitzplatznummern ermittelten Namen aller 19 FlugzeugentfĂŒhrer am 13. September 2001 bekannt:[35]

Am 27. September 2001 veröffentlichte das FBI Fotos und persönliche Daten der 19 EntfĂŒhrer, darunter alternative Namensschreibweisen, da einige Namen mit denen lebender Personen verwechselt worden waren.[36] Am 28. September veröffentlichte das FBI einen vierseitigen handschriftlichen Brief, dessen Kopien man an drei Stellen gefunden hatte, und ordnete ihn den Piloten von drei der vier entfĂŒhrten FlĂŒge zu.[37] Attas Exemplar wurde in einer zu spĂ€t aufgegebenen Reisetasche am Flughafen Boston gefunden. In diesem mit einer „Fibel fĂŒr SelbstmordattentĂ€ter“ kombinierten Testament stand etwa: „Öffne dein Herz, heiße den Tod im Namen Gottes willkommen... denn du bist nur einen kurzen Moment entfernt von dem guten, ewigen Leben in der Gesellschaft von MĂ€rtyrern.“[38] Abdelghani Mzoudi bestĂ€tigte die Echtheit des Dokuments im Oktober 2001.[39]

Die IdentitĂ€t von drei der 19 AttentĂ€ter wurde durch DNS-Spuren sicher bestĂ€tigt; weitere DNS-Spuren von neun Personen, die zu keinem der bekannten Passagiere gehörten, wurden den AttentĂ€tern zugeordnet.[40] 15 von ihnen waren StaatsbĂŒrger Saudi-Arabiens.[41]

2002 veröffentlichte das FBI einen Zeitablauf zum Werdegang der EntfĂŒhrer.[42] Sie stammten alle aus wohlhabenden, angesehenen, eher sĂ€kular eingestellten Familien und genossen eine Ausbildung, die sie zu Auslandsstudien qualifizierte. Erst dort suchten und fanden sie Kontakte zu radikal-islamischen Predigern, die den Dschihad gegen den Westen propagierten. Zu ihrer Ideologie gehörten der Glaube an eine jĂŒdische Weltverschwörung, das Bild eines imperialistischen Westens, der die islamische Welt kolonisiere und fortgesetzt demĂŒtige, und ein Hass auf die von der Globalisierung erzeugte weltweite soziale Ungerechtigkeit. Seit 1996 wollte Atta, drei Jahre spĂ€ter wollten auch seine Freunde einen MĂ€rtyrertod sterben. Dabei planten sie zunĂ€chst keinen Selbstmordanschlag im Westen; die Entscheidung dazu fiel eventuell nach dem ersten Kontakt mit einem al-Qaida-Mitglied im Herbst 1998.[43]

Die Marienstraße mit Haus Nummer 54 in Hamburg-Eißendorf, dem Wohnsitz einiger AttentĂ€ter von 1998 bis 2001

Atta, Jarrah, Alshehhi und Ramzi Binalshibh lebten seit 1998 in Hamburg und gehörten dort zu einer Gruppe islamistischer Studenten an der Technischen UniversitĂ€t Hamburg-Harburg. Sie sollen nach Zeugenaussagen dort als „Hamburger Terrorzelle“ seit FrĂŒhjahr 1999 die AnschlĂ€ge auf das WTC und das Pentagon zu planen begonnen haben.[44] Im November 1999 reisten sie nach Afghanistan und trafen im Dezember Bin Laden in Kandahar, der sie und andere wegen technischer und sprachlicher FĂ€higkeiten fĂŒr die AnschlĂ€ge auswĂ€hlte und in seinen Trainingslagern ideologisch und technisch darauf vorbereitete. Dort verkĂŒndeten sie am 18. Januar 2000 auch ihren letzten Willen, kurz bevor sie zurĂŒck nach Hamburg flogen.[45]

Im Mai 2000 erhielten Atta, Alshehhi und Jarrah Einreisevisa fĂŒr die USA, nicht aber Binalshibh, worauf Bin Laden als Ersatz Hani Hanjour, der in den USA studierte, bestimmte. In Florida und Arizona absolvierten diese vier bis Dezember 2000 eine verkĂŒrzte Pilotenausbildung fĂŒr Passagierlinienflugzeuge und erwarben eine Lizenz zum Steuern von DĂŒsenjets. Jarrah und Hanjour buchten ÜbungsflĂŒge mit Kleinflugzeugen im Raum New York und Washington D.C., um Flugrouten, Luftverkehr und Topografie kennenzulernen. Atta erhielt bei Treffen mit Bin al-Shibh im FrĂŒhjahr 2001 in Europa nĂ€here Instruktionen von Bin Laden und erfuhr als einziger auch die Anschlagsziele. Er koordinierte alle beteiligten AttentĂ€ter, die Bin Laden ausgesucht hatte und die im April 2001 in die USA eingereist waren. Er soll auch den 11. September als Anschlagstermin festgelegt haben.[46]

Der FBI-Antiterrorexperte Dale Watson bezeugte 2002 die Verbindungen der 19 AttentÀter zu al-Qaida und zu Bin Laden.[47] Das FBI setzte seine Ermittlungen mit etwa 7.000 von 11.000 Angestellten unter der Bezeichnung PENTTBOM jahrelang fort.[48]

Auftraggeber

Die US-Regierung beschuldigte Osama bin Laden (1957–2011) aufgrund der von ihren Geheimdiensten gesammelten Indizien, die AnschlĂ€ge initiiert, in Auftrag gegeben und mitfinanziert zu haben. Dieser bestritt anfangs jede Verbindung zu den AnschlĂ€gen.[49] Im November 2001 wurde in Kandahar ein Videoband entdeckt, in dem er mit Mitgliedern seiner Gruppe ĂŒber die Anschlagsplanung sprach, einige EntfĂŒhrer namentlich nannte, sie lobte und erklĂ€rte, er habe ihnen die Anschlagsziele erst in den USA genannt und nicht mit dem vollstĂ€ndigen Einsturz der WTC-GebĂ€ude gerechnet. Nachdem einige Experten auf Fehler in der offiziellen englischen Übersetzung dieses „GestĂ€ndnisvideos“ hinwiesen[50], prĂŒften andere die Übersetzung nach und fanden neun Namen beteiligter EntfĂŒhrer und weitere Hinweise auf Vorkenntnisse von den AnschlĂ€gen in Bin Ladens Aussagen.[51]

Im MĂ€rz 2002 schilderten Ramzi bin asch-Schaiba und Khalid Scheich Mohammed dem Al Jazeera-Redakteur Yosri Fouda in Karatschi detailliert die etwa zehnjĂ€hrige Vorbereitung der AnschlĂ€ge im Auftrag Bin Ladens.[52] Anhand abgehörter TelefongesprĂ€che, GeldĂŒberweisungen und Zeugenaussagen sehen die USA Khalid und Mohammed Atef als Hauptplaner der AnschlĂ€ge an. Muhammad Haidar Zammar gilt als Rekrutierer der AttentĂ€ter.

Am 1. November 2004, drei Tage vor der Wiederwahl von George W. Bush, wandte sich Bin Laden an die US-Bevölkerung und erklĂ€rte, wann und warum er auf die Idee der AnschlĂ€ge gekommen sei und dass weitere dieser Art folgen wĂŒrden, falls die USA ihre Politik nicht Ă€nderten.[53] Es folgten weitere deutliche Aussagen in spĂ€teren Bin-Laden-Videos.[54]

Vorgeschichte

→ Hauptartikel: al-Qaida

Die Terrorgruppe al-Qaida orientiert sich seit dem Zweiten Golfkrieg der USA gegen den Irak 1991 und der anschließenden Stationierung von US-MilitĂ€r in Saudi-Arabien auf den Kampf gegen „den Westen“ und seine Werte. Ihre Mitglieder sehen die USA als den „großen Satan“, der den „kleinen Satan“ (den Staat Israel) decke, um die islamische Nation zu unterdrĂŒcken, zu spalten, ihre ReichtĂŒmer auszubeuten und sie an ihrer Einigung und an der Ausbreitung des Islam zu hindern. Sie behaupten, der Westen sei von „UnglĂ€ubigen“ und „KreuzzĂŒglern“ (Juden und Christen) beherrscht. Daraus leiten sie das Recht zum wahllosen Töten von Zivilisten und BĂŒrgern verschiedenster Nationen ab, darunter auch Muslimen in den USA.

Al-Qaida-Mitglieder verĂŒbten AnschlĂ€ge gegen US-amerikanische Ziele, darunter den Sprengstoffanschlag auf das WTC (1993), Bombenattentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania (1998) und einen Selbstmordanschlag auf das Kriegsschiff USS Cole (DDG-67) im Jemen (2000). Die USA antworteten unter PrĂ€sident Bill Clinton 1998 mit Raketenangriffen auf vermutete afghanische Ausbildungslager der al-Qaida und bombardierten irrtĂŒmlich die als Chemiewaffenfabrik geltende Asch-Schifa-Arzneimittelfabrik im Sudan.

Die ebenfalls von der al-Qaida geplante und gescheiterte Operation Bojinka war ein erster Versuch, Flugzeuge als Bomben zu benutzen, indem sie in wichtige GebÀude gelenkt werden.

Folgen

Erstreaktionen in den USA

Berater Andrew Card informierte US-PrĂ€sident Georg W. Bush bei einer SchĂŒlervorlesung in Sarasota (Florida) gegen 9:00 Uhr Ortszeit vom ersten, kurz darauf vom zweiten Anschlag auf das WTC:[55] „Ein zweites Flugzeug hat den zweiten Turm getroffen. Amerika wird angegriffen.“ Bush setzte die Schulveranstaltung vor laufender Kamera noch sieben Minuten lang fort.[56] Er gab nach kurzer Besprechung mit seinem Stab eine erste Stellungnahme ab und flog dann mit dem PrĂ€sidentflugzeug Air Force One zu verschiedenen US-Air-Force-StĂŒtzpunkten. Gegen 19:00 Uhr erreichte er nach einem Zwischenstop Washington D.C. und das Weiße Haus.

Detail einer Gedenktafel am Zaun der St. Paul's Chapel in der NĂ€he des Ground Zero
WandgemÀlde: The human spirit

Verzweifelte Angehörige brachten in den ersten Tagen an AbsperrzĂ€unen und WandflĂ€chen Vermisstenanzeigen an. Sehr schnell entwickelten sich diese Orte zu spontanen GedenkstĂ€tten, nachdem weitere Menschen mittels Fotos, Kerzen, Briefen und GegenstĂ€nden (z. B. Spielzeug von vermissten Kindern) Anteil nahmen.

In einer großen, landesweit im Fernsehen ĂŒbertragenen Trauerfeier im Footballstadion von New York gedachten Vertreter aller in New York beheimateten Gruppen und Religionen gemeinsam der Toten und bekrĂ€ftigten gegenseitig ihre multikulturelle Toleranz als wesentliches Merkmal der Weltmetropole New York.

Bereits an den ersten Tagen nach den AnschlĂ€gen gab es Angebote den Opfern zu helfen: Blutspenden, kostenfreie Hotelbenutzung, medizinische Versorgung und Medikamente fĂŒr Menschen ohne Aufenthaltsnachweis oder mietfreien BĂŒroraum fĂŒr GruppenzusammenkĂŒnfte usw. SpĂ€ter gab es eine Vielzahl von Konzerten oder CDs, deren Einnahmen zum großen Teil an die Funds ging. Zum Teil entstanden neue Hilfsfonds oder es wurde innerhalb bestehender Hilfsfonds ein neuer Schwerpunkt fĂŒr betroffene Familien und Kinder gegrĂŒndet. Bekannt wurden z. B. die Coalition of 9/11 Families, Children of September 11th, der New York Police and Fire Widows' and Children's Benefit Fund oder der New York Times 9/11 Neediest Cases Fund. 2001 wurden viele Selbsthilfegruppen gegrĂŒndet, deren spezielle Schwerpunkte sich aus der Gruppenzusammensetzung der Opfer und der Situation der Angehörigen ergaben.

In den ersten Tagen nach den AnschlĂ€gen wurden hunderte Muslime, Araber oder arabisch aussehende und Turban tragende Menschen, oft Sikhs, in den USA beleidigt, angegriffen, bedroht und einige ermordet. Auch wurden BrandanschlĂ€ge auf islamische Einrichtungen verĂŒbt.[57] US-PrĂ€sident Bush besuchte daraufhin am 17. September 2001 eine Moschee, verurteilte die Angriffe, unterschied den Islam vom Terror und rief zu Toleranz gegenĂŒber muslimischen US-BĂŒrgern auf.[58]

Anteilnahme der Weltöffentlichkeit

Mit einer Schweigeminute und Trauerfeiern gedachten viele Menschen weltweit in den Folgetagen der Opfer der AnschlĂ€ge. FĂŒhrende Politiker vieler Staaten verurteilten diese und sandten Beileidsschreiben an die USA.[59]

BundesprĂ€sident Johannes Rau erklĂ€rte am Abend des 11. September 2001:[60] „Hass zerstört die Welt und Hass vernichtet Menschen. Darum geht es ĂŒberall...: Dem Hass zu widerstehen und der NĂ€chstenliebe Raum zu schaffen. Wer nicht hasst, sagt auch Nein zur Gewalt. Wer Nein zu Gewalt sagt, macht das Leben unserer Kinder erst möglich.“ Am 14. September 2001 bei einer von rund 200.000 Personen besuchten SolidaritĂ€tsdemonstration in Berlin sagte Rau:[61] „Hass darf uns nicht zum Hass verfĂŒhren. Hass blendet. [...] Der beste Schutz gegen Terror, Gewalt und Krieg ist eine gerechte internationale Ordnung.“ Dies wurde als Kontrast zu der von Bundeskanzler Gerhard Schröder zuvor erklĂ€rten „uneingeschrĂ€nkten SolidaritĂ€t“ und Absage an einen Krieg aufgefasst.[62]

In London fand ein Trauergottesdienst in der St. Paul's Cathedral statt und die Guards vor dem Buckingham Palace spielten die amerikanische Nationalhymne.

Krieg gegen das Talibanregime in Afghanistan

→ Hauptartikel: Krieg in Afghanistan seit 2001

Am 12. September 2001 verurteilte der UN-Sicherheitsrat mit Resolution 1368 die AnschlĂ€ge einstimmig und erlaubte den USA militĂ€rische Selbstverteidigung.[63] Die NATO rief erstmals seit ihrem Bestehen den „BĂŒndnisfall“ aus: Ein kriegerischer Angriff auf das Staatsgebiet eines NATO-Mitgliedsstaates sei geschehen, der nach Artikel 5 des NATO-Vertrages als Angriff auf alle Vertragspartner zu werten sei und deren militĂ€rischen Beistand erfordere.[64]

Am 20. September 2001 erklĂ€rte US-PrĂ€sident Bush in einer außerordentlichen RegierungserklĂ€rung vor dem US-Kongress zunĂ€chst den Dank der USA fĂŒr die internationale SolidaritĂ€t und hob den „treuen Freund“ Großbritannien besonders hervor. Dann benannte er das internationale Terrornetzwerk al-Qaida unter Osama bin Laden als fĂŒr die AnschlĂ€ge verantwortliche Organisation, auf die alle Beweise hindeuteten, und verlangte Bin Ladens sofortige Auslieferung durch das Regime der Taliban in Afghanistan. Andernfalls kĂŒndigte er einen „Krieg gegen den Terror“ an. Dabei betonte er den Unterschied zwischen dem afghanischen Volk und seiner Regierung, deren Menschenrechtsverletzungen er kritisierte. Ferner forderte er alle Nationen ultimativ auf, sich fĂŒr die UnterstĂŒtzung der USA zu entscheiden: „Entweder seid ihr auf unserer Seite oder auf der der Terroristen.“ Dann differenzierte er den Islam vom Terror im Namen Allahs: Er respektiere den Glauben der Muslime; al-Qaida befinde sich in einem gotteslĂ€sterlichen Gegensatz dazu. Er nannte AnschlĂ€ge auf Muslime in den USA „unamerikanisch.“[65] Die Rede wurde parteiĂŒbergreifend begrĂŒĂŸt; die Zustimmungsraten fĂŒr Bush stiegen in den USA zeitweise auf ĂŒber 90 Prozent.

PrÀsident Bush bei seiner Rede am 20. September 2001

WĂ€hrend Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Afghanistan baldmöglichst angreifen wollte, erreichte Außenminister Colin Powell, dass den Taliban zuvor ein Ultimatum zur Auslieferung Bin Ladens gestellt wurde. Deren Angebot, ihn nach islamischem Gastrecht an ein befreundetes islamisches Land auszuliefern, wurde abgelehnt. Am 7. Oktober 2001 begann die US-Armee mit Bombenangriffen auf Taliban-Stellungen und Infrastruktur in Afghanistan. Eigene Bodentruppen schlossen die USA zunĂ€chst aus. Am 13. November nahm die mit ihnen verbĂŒndete Nordallianz Kabul kampflos ein; Kunduz wurde am 25. November, Kandahar am 7. Dezember besetzt. Bis zum Jahresende wurde das Regime unter Mullah Omar gestĂŒrzt. Bin Laden konnte bei der Schlacht um Tora Bora im Dezember entkommen. Annahmen, er sei im Grenzgebiet zu Pakistan untergetaucht, stellten sich 2011 als falsch heraus.

Ab Dezember 2001 unterstĂŒtzten einige europĂ€ische Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland mit Bundeswehrsoldaten, die weiteren Sicherheits- und Aufbau-Missionen OEF und ISAF.[66]

Innenpolitische Maßnahmen

Unter dem Begriff Disaster Preparedness verstĂ€rkte die US-Regierung Mittel, Personal, Kompetenzen und Aufgaben fĂŒr den Katastrophenschutz, die Flughafensicherheit und Luftsicherheit.

Im Oktober 2001 wies VizeprĂ€sident Dick Cheney acht Inlandsgeheimdienste an, ein bestehendes Gesetz aus den 1970er Jahren, das Schleppnetz- und Rasterfahndung ohne richterliche Anordnung verbot, zu umgehen. Am 26. Oktober 2001 trat der USA PATRIOT Act in Kraft, der „inlĂ€ndischen Terrorismus“ als Beeinflussen der Regierung durch EinschĂŒchterung oder Zwang definiert und US-Bundesbehörden weitreichende Eingriffe in BĂŒrgerrechte fĂŒr Anti-Terror-Ermittlungen erlaubt: etwa das Überwachen verdĂ€chtigter Personen ohne richterliche Anordnung, das geheime Abhören von Telefonaten, Speichern von Verbindungsdaten und Ausspionieren von E-Mail-Kontakten, das Einholen von personengebundenen Informationen bei Versicherungen, Geldinstituten und Arbeitgebern, das Inhaftieren und Ausweisen terrorverdĂ€chtiger AuslĂ€nder ohne Angaben und richterliche PrĂŒfung von Verdachtsmomenten und mit erschwerten HaftprĂŒfungsrechten. Danach wurden bis 2003 ĂŒber 5000 AuslĂ€nder, meist junge mĂ€nnliche Muslime mit Kontakten in arabischen Staaten, verhaftet, davon 531 ausgewiesen, manche bis zu acht Monaten festgehalten, aber keiner von ihnen wurde angeklagt. - Zwar erklĂ€rte der Supreme Court einige dieser Bestimmungen seit 2004 fĂŒr verfassungswidrig. Doch im MĂ€rz 2006 verlĂ€ngerte der US-Kongress 14 von 16 Bestimmungen des Patriot Act unbefristet. Bush brach die Gesetzesauflage, dem Kongress vollstĂ€ndig Auskunft ĂŒber die Umsetzung der Maßnahmen zu geben. - Insgesamt wurden in den USA neben dem zentralen Ministerium fĂŒr Heimatsicherheit mit 170.000 BeschĂ€ftigten 263 Sicherheitsbehörden neu gegrĂŒndet oder reorganisiert; 1200 staatliche Organisationen und 1931 private Firmen befassen sich seither mit Gefahrenabwehr.[67]

Ähnliche Gesetze verabschiedeten auch andere westliche Staaten, verschĂ€rften Einreisebedingungen und weiteten PersonenĂŒberwachung aus. Die Bundesrepublik Deutschland fĂŒhrte die Rasterfahndung und Kronzeugenregelung aus der RAF-BekĂ€mpfung der 1970er Jahre wieder ein und verabschiedete zwei „Antiterrorpakete“. GesetzesentwĂŒrfe zur EinfĂŒhrung einer PrĂ€ventionshaft (2004), zur TelekommunikationsĂŒberwachung (2005), zur Erlaubnis von AbschĂŒssen entfĂŒhrter Flugzeuge und zur prĂ€ventiven Rasterfahndung (2006), zur geheimen Online-Durchsuchung privater Computer (2008) sowie zur Vorratsdatenspeicherung (2010) erklĂ€rte das Bundesverfassungsgericht jeweils fĂŒr verfassungswidrig.[68]

Der EuropĂ€ische Rat beschloss am 21. September 2001, den Terrorismus im Gebiet der EuropĂ€ischen Union (EU) vorrangig zu bekĂ€mpfen. Mit dem Gemeinsamen Standpunkt 931 vom 27. Dezember 2001 trafen die EU-Mitgliedstaaten einstimmig zusĂ€tzliche Maßnahmen zur TerrorbekĂ€mpfung. Besonders mit Verordnung (EG) Nr. 2580/2001 wurde eine einheitliche Liste mit Personen, Vereinigungen oder Körperschaften beschlossen, die zur TerrorbekĂ€mpfung und -prĂ€vention mit Finanzsanktionen belegt werden (Einfrieren von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen, Bereitstellungsverbot von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen) dĂŒrfen. Damit und mit der so genannten EU-Terrorliste erfĂŒllte die EU die UN-Resolution 1373.

Umgang mit TerrorverdÀchtigen

Im Afghanistankrieg und im Zuge weiterer Ermittlungen nahm die US-Armee ĂŒber 1.000 VerdĂ€chtige gefangen, grĂ¶ĂŸtenteils Personen arabischer oder asiatischer Herkunft. Sie wurden in das Internierungslager GuantĂĄnamo Bay, das MilitĂ€rgefĂ€ngnis Bagram und andere Lager außerhalb der USA gebracht, dort von der Außenwelt isoliert und jahrelang ohne Anklage und Bekanntgabe ihrer IdentitĂ€t festgehalten. Rechtlich definierte die US-Regierung sie als „irregulĂ€re KĂ€mpfer“ und versuchte so, sie geltendem Völkerrecht, etwa Artikel 4 des III. Genfer Abkommens ĂŒber die Behandlung von Kriegsgefangenen, und US-Strafrecht zu entziehen. Ferner benutzten Verhörsspezialisten der CIA bei einigen als HauptverdĂ€chtige geltenden Gefangenen Methoden wie Schlafentzug und Waterboarding, die nach internationalem Recht als Folter definiert sind. Dies fĂŒhrte zu anhaltenden internationalen Protesten von Menschenrechtsorganisationen[69] und verbĂŒndeten westlichen Staaten.

Die Folterpraktiken und MilitĂ€rausnahmeverfahren, denen die Gefangenen unterzogen und unterstellt wurden, stießen auch in den USA auf Widerspruch. Eine Klage auf öffentliche Strafverfahren vor US-Gerichten wurde in der Berufungsinstanz abgewiesen.[70] Ein Urteil im Juni 2008 verpflichtete die US-Regierung, diese Gefangenen nach US-amerikanischen Rechtsstandards zu behandeln. Im November 2009 kĂŒndigte US-Justizminister Eric Holder an, dass die mutmaßlichen Drahtzieher der TerroranschlĂ€ge vor ein Zivilgericht in New York gestellt werden. Chalid Scheich Mohammed und vier Mitangeklagte aus dem Lager GuantĂĄnamo sollen sich in der NĂ€he des frĂŒheren World Trade Center fĂŒr ihre Taten verantworten. Die Zivilverfahren sollen die bisherigen MilitĂ€rverfahren vor umstrittenen Sondertribunalen in GuantĂĄnamo ersetzen, die vom frĂŒheren US-PrĂ€sidenten George W. Bush eingesetzt worden waren. Manche Opferangehörige kritisierten diese Entscheidung.[71]

Irakkrieg

→ Hauptartikel: Irakkrieg

Im September 2002 leitete Bush aus dem Kampf gegen den Terror das Recht der USA auf PrĂ€ventivschlĂ€ge ab (sogenannte Bush-Doktrin) und begrĂŒndete den seit Ende September 2001 angestrebten Irakkrieg zum einen mit einer angeblichen Zusammenarbeit des Diktators Saddam Hussein mit Al-Qaida, zum anderen mit seiner angeblichen VerfĂŒgung ĂŒber Massenvernichtungsmittel, die er gegen die USA und in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen einsetzen könne und wolle. Deutschland, Frankreich, Russland und China lehnten diese Doktrin, die US-KriegsbegrĂŒndungen und ihre Teilnahme am Irakkrieg ab. Der UN-Sicherheitsrat verweigerte den USA im Februar 2003 die Legitimation des Irakkrieges. Die US-Regierung bildete daraufhin eine „Koalition der Willigen“, an der auch einige NATO-Staaten teilnahmen, und begann den Irakkrieg im MĂ€rz 2003 ohne UN-Mandat. Er fĂŒhrte zum Sturz Saddam Husseins, gefolgt von jahrelangen TerroranschlĂ€gen eines neuen, irakischen Zweigs der al-Qaeda und anderer Gruppen im Irak.

Internationale Beziehungen

Der Politikwissenschaftler Jochen Hippler ordnete 2003 den Afghanistan- und den Irakkrieg der USA nicht nur als Reaktion auf die AnschlĂ€ge ein, sondern auch als Fortsetzung einer unilateralen US-Außenpolitik. Diese habe ihre Stellung als einzige verbliebene Supermacht nach dem Kalten Krieg genutzt, um ein seit etwa 1995 vorliegendes neokonservatives Programm zu verwirklichen, „Schurkenstaaten“ und feindliche Regimes zu entmachten, US-Macht im Mittleren Osten und Zentralasien auszudehnen und ihre weltweite FĂŒhrungsrolle zu stĂ€rken. Diese Sicht vertreten auch Wissenschaftler in den USA, etwa George Leaman.[72]

Die TerroranschlĂ€ge hĂ€tten diese Politik zunĂ€chst erheblich erleichtert, doch der mit VorwĂ€nden herbeigefĂŒhrte Sturz des Baath-Regimes habe Gewalt und Terror im Irak enorm verschĂ€rft, die Kluft zwischen vom Westen unterstĂŒtzten arabischen Diktaturen und ihrer Bevölkerung vertieft und so die InstabilitĂ€t der Nahostregion verstĂ€rkt. Zugleich habe er die internationale SolidaritĂ€t mit den USA beendet, die AutoritĂ€t der UNO und des Völkerrechts und das VerhĂ€ltnis des Westens zur islamischen Welt beschĂ€digt, eine Kluft zwischen USA und Europa und zwischen UnterstĂŒtzer- und Ablehnerstaaten in der EU erzeugt und so eine einheitliche Außen- und MilitĂ€rpolitik der EU erschwert.[73]

Gedenken

Gedenken: Tribute in Light, 2004

JÀhrlich am 11. September wurde mit Gedenkfeiern an die Opfer der AnschlÀge erinnert. Dabei wurden unter anderem in New York die Namen von den 2791 Menschen, die hier bei dem Anschlag ums Leben kamen, in alphabetischer Reihenfolge verlesen.[74] Nachts leuchtete unter anderem in NYC eine Lichtinstallation, der Tribute in Light.

An der Stelle des World Trade Centers befindet sich eine GedenkstĂ€tte im Ausbau - sie wurde am 11 September 2011 eingeweiht. Der Entwurf des National September 11 Memorial and Museum stammt von Daniel Libeskind, Michael Arad und dem Landschaftsarchitekten Peter Walker. Es handelt sich dabei um zwei Wasserbecken, die den Grundriss der beiden HochhaustĂŒrme anzeigen (wie „FußabdrĂŒcke“) - ihr Name Reflecting Absence ist ĂŒbersetzbar mit ‚Nachdenken darĂŒber, was fehlt‘.[75] Außerdem gehören ein Pavillon mit Museum zum Mahnmal. Dem Bau der GedenkstĂ€tte ging eine Diskussion der Frage voraus, ob sie direkt an der Stelle, an der die Opfer starben, errichtet werden soll.

Am 10. Juni 2006 wurde an der Außenwand der Feuerwache Liberty Street, genau gegenĂŒber vom ehemaligen WTC-Komplex, ein Denkmal der Feuerwehr (FDNY, vor allem ein Wandrelief) und 2008 das Pentagon Memorial in Arlington als flĂ€chenhafte Installation bei Washington eingeweiht.[22]

Wiederaufbau

FĂŒnf weitere WTC-GebĂ€ude, darunter das benachbarte WTC 7, wurden ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahn-Stationen. 23 weitere GebĂ€ude, die das WTC umgaben, wurden zum Teil so schwer beschĂ€digt, dass sie spĂ€ter abgerissen wurden. Komplett zerstört wurde die kleine St. Nicholas Greek Orthodox Church, stark beschĂ€digt wurden das ehemalige Bankers Trust Building), 90 West Street, 130 Cedar Street, das New York Telephone Building, 30 West Broadway, drei GebĂ€ude des World Financial Centers sowie ein Wintergarten dazwischen. Fast alle beschĂ€digten GebĂ€ude konnten wiederhergestellt werden. Das schwer beschĂ€digte Deutsche Bank Building (130 Liberty Street) wurde nach langem Versicherungsstreit bis 2009 abgerissen.[76][77] Zuvor war es jahrelang komplett schwarz umhĂŒllt und trug eine große US-Flagge auf der zum Ground Zero gerichteten Seite. An der Stelle entsteht das neue Five World Trade Center. Auch das GebĂ€ude 30 West Broadway wurde 2009 abgerissen. Ein Ă€hnlich großer Nachfolgebau soll bis 2012 fertiggestellt werden.[78]

Baustelle One World Trade Center (August 2011)

One World Trade Center (neu, AbkĂŒrzung 1 WTC) (erster Name des Entwurfs Freedom Tower, deutsch: Freiheitsturm) wird als Nachfolgebebauung seit dem 27. April 2006 an der Stelle des zerstörten und abgetragenen World Trade Centers gebaut. Das HauptgebĂ€ude wurde von dem Architekten David Childs entworfen. Dem ging eine lange Diskussion um die Art der Neubebauung voraus.

Das GebĂ€ude soll 541,3 Meter hoch werden, was 1776 Fuß entspricht. Dies soll an die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten von 1776 erinnern. Im Jahr 2002 hatte die Stadt New York zunĂ€chst das angesehene BĂŒro Beyer Blinder Belle mit der Erstellung von sechs unterschiedlichen EntwĂŒrfen beauftragt. Diese fielen jedoch in der Meinung vieler New Yorker durch, da die darin geplanten HochhĂ€user auf dem GelĂ€nde niedriger waren als das frĂŒhere World Trade Center und vor allem nicht spektakulĂ€r genug seien.[79] Der Turm befindet sich nun in Bau. Daneben sollen drei weitere GebĂ€ude entstehen (Two World Trade Center, Three World Trade Center und Four World Trade Center).

Ein neu errichtetes GebÀude mit der Bezeichnung 7 World Trade Center des VorgÀngerbauwerkes wurde im Mai 2006 eröffnet.

Ursachenforschung

Fundstellen von TrĂŒmmerteilen der beiden Flugzeuge in NYC

Physikalische Einsturzursachen

Die Katastrophenschutzbehörde FEMA untersuchte bis Mai 2002 erstmals die GebÀudesicherheit und bautechnischen Probleme, die den Einsturz der WTC-GebÀude verursachten.[80] Nachdem ihr Bericht als unzureichend kritisiert wurde, erhielt das National Institute of Standards and Technology (NIST) einen genau definierten Forschungsauftrag, den es in eigener Regie in Einzelaufgaben unterteilte und an Experten verschiedener Fachrichtungen delegierte.[81] Es gab in der Folge mehrere Berichte heraus:[82]

Im September 2005 erschien eine ausfĂŒhrliche Studie ĂŒber alle relevanten Aspekte der EinstĂŒrze von WTC 1–6.[83] An den dreijĂ€hrigen Untersuchungen waren ĂŒber 300 Experten und Wissenschaftler beteiligt. Die Leiter bzw. Projektleiter waren Shyam Sunder, William Grosshandler (Stv. Lt. und Project 4), H.S. Lew (Project 1), Fahim Sadek (Project 2), Frank Gayle (MSEL, Project 3), Richard Gann (Project 5), Jason Averill (Project 7) und Randy Lawson (Project 8). Zwei Fact Sheets vom August 2006 und Dezember 2007 fassten die Antworten des NIST auf die wichtigsten Fragen zum technischen Ablauf der EinstĂŒrze und deren ErklĂ€rung zusammen.[84] Der angekĂŒndigte Abschlussbericht fĂŒr WTC 7 war mehrfach verschoben worden. Am 21. August 2008 stellte Shyam Sunder den in drei Jahren erstellten Final Report dazu vor.[85]

UnabhĂ€ngig von offiziellen AuftrĂ€gen untersuchten einige Wissenschaftler die WTC-EinstĂŒrze und gaben AufsĂ€tze dazu heraus.[86] Die bisher detailliertesten HochprĂ€zisionssimulationen wurden von Wissenschaftlern der Purdue University (Indiana) durchgefĂŒhrt. Sie erschienen 2007 und belegten, dass im Nordturm 17 von 47 senkrechten TrĂ€gersĂ€ulen zerstört wurden, so dass der Einsturz nach knapp zweistĂŒndigem Feuer unausweichlich wurde. Zuvor war das NIST von nur sechs zerstörten TrĂ€gersĂ€ulen ausgegangen.[87]

Verhalten von US-Behörden

Auf DrĂ€ngen von Opfervereinen setzte das US-ReprĂ€sentantenhaus gegen erhebliche WiderstĂ€nde der US-Regierung eine parlamentarische Untersuchungskommission ein („9/11 Commission“). Durch die Unterschrift von PrĂ€sident George W. Bush 2004 wurde der Entwurf der „Congressional legislation“ schließlich zum gesetzlichen Auftrag. Die Kommission bestand aus je fĂŒnf Abgeordneten der Demokratischen und Republikanischen Partei unter dem Vorsitz von Ex-Gouverneur Thomas Kean. Sie sollte Vorgeschichte, Verlauf der AnschlĂ€ge und Reaktionen der US-Behörden darauf aufklĂ€ren, um mittelfristige politische Schlussfolgerungen zu ermöglichen. Die technischen Aspekte gehörten nicht zu ihrem Auftrag. Sie nahm Oktober 2002 ihre Arbeit auf und fĂŒhrte öffentliche Anhörungen von Augenzeugen, Opferangehörigen und Regierungspersonal durch, darunter auch von Bush, VizeprĂ€sident Dick Cheney und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice.

Der 9/11 Commission Report erschien am 22. Juli 2004.[88] Er stellte den Ablauf der AnschlĂ€ge von der Einreise der TĂ€ter in die USA bis zum Einschlagszeitpunkt minutiös dar und zeigte gravierende systemische Fehler: etwa fehlende Durchleuchtung von Inlandspassagieren vor dem Einchecken am Flughafen, zu langwierige und umstĂ€ndliche Verfahrenswege und Befehlshierarchien, die ein rasches Eingreifen der NORAD verhinderten, unterlassene Weitergabe von brisanten Informationen des FBI ĂŒber ĂŒberwachte Personen an die CIA und eine UnterschĂ€tzung der akuten Bedrohungslage durch die Bush-Regierung. Diese war im Vorfeld sowohl von eigenen Sicherheitsexperten als auch auslĂ€ndischen Geheimdiensten mehrfach und intensiv, zuletzt durch eine Aktennotiz von Richard Clarke am 6. August 2001, vor einem bevorstehenden großen Anschlag von al-Qaida in den USA gewarnt worden. Abstimmungsprobleme, MissverstĂ€ndnisse, InformationsmĂ€ngel, Nichtweitergabe von Befehlen, unklare Vorgaben und falsche Reaktionen auf allen Ebenen wurden im Detail nachgewiesen und scharf kritisiert. Infolge dieser Analyse wurden etwa die Einsatzrichtlinien des FDNY, der New Yorker Polizei, des FBI und der CIA geĂ€ndert. Das Ministerium fĂŒr Innere Sicherheit wurde neu gegrĂŒndet und die StĂ€dte-Kampagne „Preparedness“ eingerichtet.

Je ein Ausschuss des Senats und des ReprĂ€sentantenhauses fĂŒhrten von Februar bis Dezember 2002 die „Gemeinsame Untersuchung der AktivitĂ€ten der Geheimdienste vor und nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001“ durch. Der Abschlussbericht, inklusive der Minderheitenvoten, umfasste 832 Seiten.[89] 2002 erschien auch der „Gemeinsame Bericht der FeuerwehrfĂŒhrung und der Beratungsfirma McKinsey & Co“ ĂŒber FĂŒhrungsstrukturen und Einsatzrichtlinien am 11. September 2001 und daraus zu ziehende Konsequenzen.[90]

Soziale, ökonomische und politische HintergrĂŒnde

Zu den lĂ€ngerfristigen und tiefergehenden Ursachen des islamistischen Terrors gibt es verschiedene Theorien: „Antiimperialistische“ ErklĂ€rungsmuster machen den Westen, besonders die Nahostpolitik der USA und Israels, fĂŒr den Hass und die Radikalisierung vieler Muslime verantwortlich. Weil die Mudschaheddin in Afghanistan seit 1980 erhebliche militĂ€rische, finanzielle und logistische UnterstĂŒtzung der USA erhielten, um die Sowjetarmee im Sowjetisch-Afghanischen Krieg erfolgreich bekĂ€mpfen zu können, wurde Bin Laden oft als Produkt der CIA und seine Anschlagsplanung als Folge einer verfehlten US-Außenpolitik im Kalten Krieg betrachtet. Diese sei schließlich auf die USA selbst zurĂŒckgefallen (Blowback).

Auch das Versagen der reichen westlichen Industriestaaten gegenĂŒber dem Problem der Armut durch eine einseitige Globalisierung habe dem Terror (nicht jedoch ihren Drahtziehern) einen NĂ€hrboden geschaffen. Diese Sicht vertreten vielfach linke Intellektuelle wie Noam Chomsky oder Menschenrechtler wie die Inderin Arundhati Roy.

Aus kultursoziologischer Perspektive wird das PhĂ€nomen des so genannten Islamischen Terrorismus auch als Frontbildung gegen kulturelle Modernisierung im jeweiligen Heimatland gedeutet. Die Verunsicherung, die mit dem BrĂŒchigwerden alter tradierter Strukturen und Ideologien einhergehe, werde durch verstĂ€rkte Besinnung auf die eigenen Wurzeln (z. B. den Salafismus) kompensiert und im terroristischen Kampf gegen die westliche Welt ausgelebt. Durch den spektakulĂ€ren Anschlag im Zentrum der westlichen Welt wollten die TĂ€ter die Verletzlichkeit der „Juden und Kreuzfahrer“ symbolisch demonstrieren. In dieser Perspektive wird die Ideologie der TĂ€ter als „Islamfaschismus“ gedeutet und die Komponente des Antisemitismus darin betont.

KĂŒnstlerische Rezeption

Musik

Viele Musiker reagierten auf die AnschlÀge mit besonderen Werken. In vielen dieser Titel standen Betroffenheit, Trauer, Gedenken und der Wunsch nach Toleranz im Vordergrund.

In den USA wurde der Song „Only Time“ von Enya in der Version mit eingeblendeten Stimmen Betroffener zur inoffiziellen Hymne zum 11. September. Das Hardcore Techno-Lied „We Will Never Forget“ von American Hardcore Alliance gedenkt der Opfer. Der Country-Musiker Alan Jackson komponierte den Song „Where were you when the world stopped turning?“, Darryl Worley den Song „Have You Forgotten?“. Weitere solche Themenwerke sind das Studioalbum „The Rising“ von Bruce Springsteen, „Let's Roll“ mit Bezug auf den Widerstand der Passagiere auf Flug UA-93 von Neil Young, „Believe“ von Yellowcard, der Instrumentaltitel „Darkness of Sept. 11th“ des Guitaristen Chris Mike und „Towers On Fire“ von der brasilianischen Thrash/Death Metal Band Torture Squad. „When the Eagle Cries“ von Iced Earth bezieht sich auf den Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, dessen TrĂ€nen die Trauer der USA symbolisieren. Der deutsche Rapper Curse veröffentlichte am 16. September 2001 den Freetrack „Nichts wird mehr so sein wie es war“, in dem er zu mehr Toleranz und Verantwortung aufforderte.

Andere widmeten ihre Auftritte und Aufnahmen den Opfern. Michael Jackson schrieb das Lied „What More Can I Give“ mit dem Ziel, 50 Millionen Dollar fĂŒr die Opferangehörigen einzunehmen. Paul McCartney war am 11. September 2001 in New York und schrieb danach den Song „Freedom“ fĂŒr ein Tribute-Konzert. Sting widmete sein fĂŒr den 11. September in der Toskana angesetztes Konzert den Opfern, nachdem seine ausgewĂ€hlten KonzertgĂ€ste sich gegen eine Absage ausgesprochen hatten. Die Konzertaufnahme erschien als Live-Album mit dem Titel „All This Time“, der Klassiker „Fragile“ daraus erschien auf dem Album „America: A Tribute to Heroes“. Der Saxophonist Sonny Rollins gab am 15. September 2001 ein Konzert in Boston, dessen Live-Aufnahme unter dem Titel „Without a song: the 9/11 Concert“ erschien.

Einige Musiker befassten sich mit den Folgen der AnschlĂ€ge: so die Band Tomte mit ihrem Song „New York“ oder die Eagles mit „Hole In The World“ (2003). Die Gruppe Mono fĂŒr Alle! setzt sich mit ihrem Lied „11. September“ kritisch mit dem Gedenken daran auseinander. „Heads Will Roll“ von Pro-Pain beschreibt RachegefĂŒhle und kritisiert die Entwicklung zum Irakkrieg. Der Techno-Musiker Chris Korda fĂŒgte in einem umstrittenen Musikvideo „I Like To Watch“ Medienbilder von den AnschlĂ€gen mit pornografischen Filmausschnitten zusammen. Die Duisburger Hip Hop-Band Die Bandbreite kritisiert mit ihrem Titel „9/11 Selbst gemacht“ die vorherige US-Politik.

Malerei und Bildhauerei

Nach den TerroranschlĂ€gen am 11. September 2001 gestaltete Eric Fischl die Werkreihe ten breaths mit Gouachen und Plastiken, die stĂŒrzende und abgestĂŒrzte Personen zeigen. Die Skulptur Tumbling Woman, die eine Frau im freien Fall darstellt, wurde in den USA kontrovers diskutiert. Die Werkreihe verarbeitet die Pressebilder von den Verzweifelten, die sich nach den AnschlĂ€gen aus den Fenstern der brennenden TĂŒrme vom World Trade Center in die Tiefe stĂŒrzten, um dem Feuertod zu entgehen.

Von Gerhard Richter wurde das Bild „September“ in Auseinandersetzung mit dem Ereignis angefertigt.[91]

Roman- und andere Autoren

In seinem 2003 erschienenen Roman Windows on the World erzÀhlt Frédéric Beigbeder minutiös von einem Vater und seinen zwei Söhnen, die sich wÀhrend der AnschlÀge im Restaurant Windows on the World im Nordturm des World Trade Centers befinden.

Jonathan Safran Foers 2005 erschienener Roman Extrem laut und unglaublich nah erzÀhlt die Geschichte eines traumatisierten neunjÀhrigen Jungen, dessen Vater bei den AnschlÀgen ums Leben gekommen ist.

Der Protagonist von Don DeLillos 2007 erschienenem Roman Falling Man ist ein Überlebender der AnschlĂ€ge. Leitmotivisch ziehen sich durch den Roman die Auftritte eines PerformancekĂŒnstlers namens Falling Man, der an einem Seil hĂ€ngend die berĂŒhmt gewordene Fotografie The Falling Man von Richard Drew nachstellt.

Der 2006 erschienene Roman Die Habenichtse von Katharina Hacker spielt vor dem Hintergrund der TerroranschlÀge und des beginnenden Irakkriegs.

Der "Satiriker" Wiglaf Droste begrĂŒĂŸte 2011 in einem Beitrag der Zeitung Junge Welt ausdrĂŒcklich die Angriffe auf die Twin Towers, wobei er u. a. tödliche Folgen der US-Politik fĂŒr Menschen in der 3. Welt mit den Opfern von 9/11 aufrechnete:

Auch solche Rechthabereien unter Landsleuten[92] lassen mich wehmĂŒtig davon trĂ€umen, die Flugreisen am 11. September 2001 hĂ€tten Deutschland zum Ziel gehabt. FĂŒr die USA hat es wirtschaftlich mittlerweile grĂ¶ĂŸte Bedeutung, ob in China ein Sack Reis umfĂ€llt; der Einsturz zweier hĂ€ĂŸlicher und sehr verzichtbarer TĂŒrme hat nur nationalfolkloristische Bedeutung. FĂŒr mich wird der 11. September 2001 bleiben als die Geburtsstunde der bemannten fliegenden Architekturkritik. Das IngenieurbĂŒro bin Laden & Erben könnte weiterhin viel zur Verschönerung der Welt beitragen. Gegen blindundtaube Hirne/ hilft recht gut die Abrißbirne. Um es prĂ€sidial zu sagen: auch und gerade in Deutschland.[93]

Filme

Manhattan am 12. September, NASA-Satellitenbild

2008 nennt die IMDB 158 Titel zu diesem Thema.[94][95]

Verschwörungstheorien

Zu den AnschlĂ€gen vom 11. September haben sich viele Verschwörungstheorien entwickelt. Deren Vertreter gehen meist davon aus, dass die US-Regierung und/oder ihre Geheimdienste die AnschlĂ€ge wissentlich zugelassen oder selbst durchgefĂŒhrt haben. Sie bezweifeln die ermittelten Ursachen fĂŒr die AnschlagsschĂ€den und vermuten andere Ursachen, etwa eine kontrollierte Sprengung der WTC-GebĂ€ude. AnhĂ€nger des so genannten „9-11-Truth-Movement“ fordern seit 2005 eine neue Untersuchung der Ereignisse. Ihren verschiedenen Thesen widersprechen neben den Experten der FEMA und des NIST auch unabhĂ€ngige Wissenschaftler.

Literatur

Verlauf
Folgen
HintergrĂŒnde, Ursachen
  • Lawrence Wright: Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September. (2006) 5. Auflage, Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2007, ISBN 3-421-04303-5.
  • Tore Bjorgo (Hrsg.): Root Causes of Terrorism: Myths, Reality and Ways Forward. Taylor & Francis, 2005, ISBN 0415351499.
  • Michael Bothe: Der 11. September - Ursachen und Folgen. Winter, Heidelberg 2003, ISBN 3-825315460.
Einzelaspekte
  • Helga Embacher/ Margit Reiter: Europa und der 11. September 2001. Böhlau Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3205786771.
  • ClĂ©ment ChĂ©roux: Diplopie. Bildpolitik des 11. September. Konstanz University Press, Konstanz 2011, ISBN 978-3-86253-007-6.
  • Brian A. Monahan: The shock of the news. Media coverage and the making of 9/11. New York University Press, New York u.a. 2010, ISBN 0-8147-9554-4.

Weblinks

Ablauf

Gedenken:

  • Memorial-Liste der Opfer der AnschlĂ€ge vom 11. September (englisch; alphabetisch nach den Anschlagsorten; auf der Site cnn.com)
Allgemein
Bilanz
Bilddokumente
 Commons: TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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