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Der Teufel (von griechisch ÎÎčÎŹÎČολοÏ, DiĂĄbolos, wörtlich âder Durcheinanderwerferâ im Sinne von âVerwirrerâ, âFaktenverdreherâ, âVerleumderâ; lateinisch diabolus) wird in verschiedenen Religionen als eigenstĂ€ndiges, ĂŒbernatĂŒrliches Wesen angesehen.
Er spielt in der christlichen und der islamischen Theologie eine besondere Rolle als Personifizierung des Bösen.
FĂŒhrende Kirchenlehrer, PĂ€pste und Reformatoren charakterisieren den Teufel auch als real existierende Person mit dem Namen Satan (heb. Ś©ÖžŚŚÖžŚ, Satan âAnklĂ€gerâ, Arab.: ŰŽÙ۷ۧÙ, Ć ayáčÄn). Der hebrĂ€ische Begriff Satan hat jedoch eine entscheidend andere Bedeutung als im biblischen Christentum.
Im Buddhismus nimmt Mara[1] oder auch Devadatta die Stelle eines âteuflischenâ DĂ€monenwesens ein.
Inhaltsverzeichnis |
Im Christentum ist der Teufel (mit wenigen Ausnahmen wie z. B. die Christadelphians, die nicht an einen ĂŒbernatĂŒrlichen gefallenen Engel namens Satan oder Teufel glauben) der Inbegriff des Bösen, er wird auch (abweichend von der alttestamentlichen Bedeutung dieser Namen) âSatanâ oder âLuziferâ genannt[2]. Der Teufel wird hier als ein eigenstĂ€ndiges Geistwesen vorgestellt, das danach mit seinem freien Willen nicht unter der direkten Herrschaft und der direkten Befehlsgewalt Gottes steht. Der Teufel wird dabei als ein gefallener Engel angesehen, der gegen Gott rebellierte und seitdem die Welt heimsucht.
Im Christentum hat sich zudem die Vorstellung entwickelt, dass der Teufel die Schlange im Garten in Eden war, die die Menschen zur ErbsĂŒnde verfĂŒhrte, und so das Opfer des Jesus von Nazareth als einzig mögliche Erlösung erforderte. In der Tradition des Christentums wird der Teufel als Urheber der LĂŒgen und des Bösen in der Welt angesehen. Viele fundamentalistische, darunter auch freikirchliche, Christen nehmen dabei an, dass ein unglĂ€ubiger Mensch vom Teufel besessen sein oder selbst als solcher wirken kann. Die meisten liberalen Christen sehen die Bedeutung des Teufels jedoch in metaphorischer Weise. Die Antwort auf die Frage âWarum gibt es das Böse in der Welt?â wird so in liberalen christlichen Kreisen, in ĂŒbertragener Weise mit dem Teufel beantwortet, obwohl die Existenz eines personifizierten Geistwesens, das in der Welt herumgeistert, abgelehnt wird.[3]. Allerdings haben diese Annahmen ĂŒber den Teufel weder in der hebrĂ€ischen Bibel oder im Judentum ihren Ursprung, noch wurden sie zu Lebzeiten des Jesus von Nazareth gelehrt. Vielmehr entstammen sie den volkstĂŒmlichen mythologischen Vorstellungen des Mittelalters und einer damaligen Lesart der biblischen Schriften (siehe Kapitel Judentum, weiter unten).
Viele der christlichen Teufelsvorstellungen gehen auf das Neue Testament zurĂŒck. Dort wird der Teufel als âDer groĂe Drache, die uralte Schlange, die Widerwirker und Satan heiĂtâ (Offenbarung 12,7 EU) und âFĂŒrst des Vollmachtsgebiets der Luftâ (Epheser 2,2 EU) bezeichnet. In Offenbarung 12,9 und 20,2 wird der Satan als die Urschlange bezeichnet. Auch die Aussage Jesu aus dem Johannesevangelium (8,44 EU) stĂŒtzt dies, da dort Satan und nicht die Schlange als der Vater der LĂŒge bezeichnet wird. Besonders ausfĂŒhrlich wird der Teufel im apokryphen Ăthiopischen Henochbuch als Azazel als einer jener Gottessöhne erwĂ€hnt, die mit den Menschentöchtern die Nephilim, die âRiesen der Vorzeitâ zeugten.
Ebenfalls im Neuen Testament wird der Satan mit einem Engel des Lichts verglichen (2. Korintherbrief 11,14) und als personifiziertes Geistwesen vorgestellt, das stets als Teufel agiere. So heiĂt es: âder Widerwirker sĂŒndigte von Anfang anâ (1. Johannes 3,8). Und auĂerdem war er âein Menschentöter von Anfang an und hat nicht in der Wahrheit gestanden, weil keine Wahrheit in ihm istâ (Johannes 8,44).
Bei Jesaja 14 findet sich ein Spottlied auf den König von Babel, von dem eine Stelle spĂ€ter von christlicher Tradition auf den Satan bezogen wurde, ursprĂŒnglich aber eine Anspielung auf die Gestalt des Helel aus der babylonischen Religion ist, das GegenstĂŒck zum griechischen Gott Helios. Der Bezug auf den König wird schon anfĂ€nglich klargemacht:
Die Stelle selbst lautet:â4 da wirst du dieses Spottlied anstimmen ĂŒber den König von Babel und sagen: Wie hat aufgehört der UnterdrĂŒcker, aufgehört das AnstĂŒrmen!â
â12 Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte! Wie bist du zu Boden geschmettert, ĂberwĂ€ltiger der Nationen! 13 Und du, du sagtest in deinem Herzen: »Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch ĂŒber den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im Ă€uĂersten Norden. 14 Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleichmachen.« - 15 Doch in den Scheol wirst du hinabgestĂŒrzt, in die tiefste Grube.â
(Zitiert nach revidierter Elberfelder Ăbersetzung)
Die christlichen KirchenvĂ€ter sahen in dem zuletzt zitierten Text eine Parallele auf den in Lukas 10,18 beschriebenen Fall Satans (âIch sah Satan vom Himmel fallen wie einen Blitzâ). Eine theologische BegrĂŒndung fĂŒr die Gleichsetzung besteht darin, dass die Stadt Babylon in der Offenbarung mit dem Teufel am jĂŒngsten Tag gemeinsam von Gott vernichtet werde. Andere wenden dagegen ein, dass eine angenommene gleichzeitige Vernichtung keine IdentitĂ€t bedeute.
Auf Ă€hnliche Weise wurden auch Teile von Ezechiel 28 nach christlichem VerstĂ€ndnis auf den Fall des Satans bezogen. Dort spricht der Prophet vom Ende des Königs von Tyrus, der wegen seines Hochmuts, in dem er sich fĂŒr einen Gott hĂ€lt, angeklagt wird. In den Versen 14-15 heiĂt es dann an den König gerichtet:(Ebenfalls zitiert nach der revidierten Elberfelder Ăbersetzung. Modernere Ăbersetzungen, die dem Wortlaut der HebrĂ€ischen Bibel nĂ€her kommen wollen, sprechen aber nur davon, dass der König einem Cherub beigesellt wurde.)âDu warst ein mit ausgebreiteten [FlĂŒgeln] schirmender Cherub, und ich hatte dich [dazu] gemacht; du warst auf Gottes heiligem Berg, mitten unter feurigen Steinen gingst du einher. Vollkommen warst du in deinen Wegen von dem Tag an, als du geschaffen wurdest, bis sich Unrecht an dir fand.â
Paulus bezeichnet den Teufel als den Gott dieser Welt (2. Korintherbrief 4,4) und in den Evangelien tritt der Teufel in der Rolle des Versuchers auf, der Jesus zu einem Missbrauch seiner göttlichen Macht verleiten will (MatthĂ€us 4). In den christlichen ErzĂ€hlungen bezieht sich Jesus darĂŒber hinaus in diversen Gleichnissen auf den Teufel. U. a. das Gleichnis vom Unkraut und Weizen, beschreibt eine BegrĂŒndung der Existenz des Teufels:
Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13,24-30 EU): 24 âMit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann (Gott), der guten Samen auf seinen Acker sĂ€te. WĂ€hrend nun die Leute schliefen, kam sein Feind, sĂ€te Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg. Als die Saat aufging und sich die Ăhren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesĂ€t? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreiĂen? Er entgegnete: Nein, sonst reiĂt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in BĂŒndel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.â
Vor dem TausendjĂ€hrigen Reich gibt es (nach der christlichen Offenbarung des Johannes) einen Kampf zwischen den KrĂ€ften des Guten (Michael und seine Engel) und Satan, der damit endet, dass der Teufel und seine AnhĂ€nger auf die Erde geworfen werden (Höllensturz; Offenbarung 12). FĂŒr die Dauer des TausendjĂ€hrigen Reichs wird er aber gefesselt (Offb 20, Verse 1-3), um danach wieder kurz freigelassen zu werden (Offb 20, Vers 7). Er verfĂŒhrt dann fĂŒr eine gewisse Zeit Menschen, ehe er in einem Feuersee landet (Offb 20,11).
In der FrĂŒhen Neuzeit, genauer etwa seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bis weit ins 18. Jahrhundert hinein, trug der christliche Glaube an die Existenz des Teufels, als Personifikation des Bösen und Gegenspieler Jesu, der als Wesen mit ĂŒbermenschlicher Macht und freiem Willen gegen Gott und die christlichen GlĂ€ubigen arbeitet, wesentlich zur damaligen Hexenverfolgung bei. Papst Innozenz VIII. dehnte die Inquisition 1484 durch die Hexenbulle weiter aus. In dieser pĂ€pstlichen Bulle, bezeichnete Innozenz VIII. feierlich das Hexenwesen als etwas Reales. Der eifrige Inquisitor Heinrich Kramer veröffentlichte 1487 eine Darstellung des Inquisitionsprozesses im Hexenhammer (malleus maleficarum).
Der Hauptvorwurf, der den Hexen bzw. Hexenmeistern damals gemacht wurde, war, dass sie einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hĂ€tten und darĂŒber hinaus mit ihm Geschlechtsverkehr (die so genannte Teufelsbuhlschaft) treiben wĂŒrden, also eine damalige christliche Form des juristischen Zirkelschlusses, der dem Justizmissbrauch, dem Unrecht und der Bereicherung TĂŒr und Tor öffnete.
Die volkstĂŒmliche Darstellung des christlichen Teufels geht oft auf ursprĂŒnglich heidnische Götter zurĂŒck, die in christlicher Weise umgedeutet, konvertiert und als Teufel abgewertet wurden. Es besteht eine weitgehende Ă€uĂere Ăbereinstimmung mit dem griechischen Gott Pan. Der Teufel wird meist schwarz und behaart, mit einem oder zwei Bocks- oder PferdefĂŒĂen, Widderhörnern, einem Schwanz, hĂ€sslichem Gesicht und langer Habichtsnase dargestellt. Bei seinem Verschwinden hinterlasse er zudem einen argen Gestank. Die âHabichtsnaseâ ist als eine aufaddierte Form der Darstellung antijudaistischer Stereotype zu verstehen. Die christliche Bibel enthielt in frĂŒher Zeit zudem die falsche Ăbersetzung, derzufolge Moses Hörner, wie der Teufel, trage[4], nachdem er der Schechina Gottes gewahr worden war.
Der angebliche Wohnort des oder der Teufel ist die Hölle. Der Begriff Hölle wiederum ist von dem Namen der germanischen Unterwelt Hel abgeleitet (die Herrscherin ĂŒber diese Unterwelt trĂ€gt ebenfalls den Namen Hel).
Manchmal wird der Teufel auch gedeutet als der Archetypus des lĂŒsternen und potenten Mannes sowie ein Symbol fĂŒr die inneren Triebe und KrĂ€fte, die in den Menschen ruhen. HĂ€ufig ist das JĂ€gergewand eine Verkleidung des Teufels, so etwa in Jeremias Gotthelfs Die schwarze Spinne. Auch in der Legende vom RattenfĂ€nger von Hameln entfĂŒhrt dieser die Kinder im JĂ€gerkleid.
In der gegenwĂ€rtigen theologischen Reflexion wird das christliche VerstĂ€ndnis der Figur des Teufels so gut wie nicht mehr thematisiert. Selbst wenn an der Existenz des Teufels im Katechismus der Katholischen Kirche festgehalten wird und Papst Johannes Paul II. wĂ€hrend seines Pontifikates sie wiederholt bekrĂ€ftigt hat, gibt es keine dogmatische Definition des Teufels. Die katholische Lehre gibt mithin die katholische Lesart der christlichen Bibel wieder. Seitens der Bibelkritik hingegen scheint der Teufel als theologischer Begriff das Programm der Entmythologisierung der neutestamentlichen VerkĂŒndigung von Rudolf Bultmann nicht ĂŒberlebt zu haben. Das rezente Volkschristentum ist dagegen eher den Teufelsvorstellungen des christlichen Mittelalters verhaftet geblieben.
Der katholische Literaturwissenschaftler und Anthropologe RenĂ© Girard interpretiert das christliche VerstĂ€ndnis der Figur des Teufels bzw. Satans in seiner Analyse der neutestamentlichen Texte, als eines der Hauptmotive der christlichen Offenbarung. Im Rahmen der von ihm formulierten mimetischen Theorie ist die Teufelsdarstellung in den Evangelien ein Paradigma des mimetischen Zyklus: Der Teufel ist der Versucher und der Stifter des Begehrens und des âĂrgernissesâ (skĂĄndalon), sein Wirken ist die sich selbst austreibende mimetische (=nachahmende) Gewalt und er ist der âMörder vom Anfangâ, der das mythische Religionssystem, den kirchlichen Christusmythos, das ist die Gottwerdung und Anbetung des jĂŒdischen Wanderpredigers, Rabbiners und Messias Jesus von Nazareth und die Trennung vom Judentum, hervorbringt. In der BloĂstellung der menschlichen (mimetischen) Gewalt durch die Passion und im darauffolgenden Ende des heilbringenden Opferkultes der archaischen Welt sei der Sinn des Triumphes des Kreuzes ĂŒber die âGewalten und die MĂ€chteâ des Kolosserbriefes (2,14-15) sowie jene TĂ€uschung der âHerrscher dieser Weltâ des 1. Korintherbriefes (2,6-8) zu sehen, wenn man diese und Ă€hnliche Begriffe mit Satan gleichsetzt, wie die KirchenvĂ€ter es machten. Girards Auffassung ist von manchen theologischen Kreisen rezipiert worden, allerdings sind seine Gedanken in der christlichen Dogmatik ungewöhnlich und in der kirchlichen Ăffentlichkeit noch kaum bekannt. Er verweist jedoch auf OrigenesâČ und seine These des vom Kreuz getĂ€uschten Satans als TrĂ€ger âeine(r) wichtige(n) Intuitionâ, die in der westlichen Kirche âunter den Verdacht, âmagisches Denkenâ zu seinâ geriet. Es bleibt abzuwarten, ob diese Deutung in der Exegese weiteren Anklang finden wird.
Im freikirchlichen protestantischen Raum nimmt die Figur des Teufels und die Warnung vor seinem Wesen und Wirken vielfach weiterhin einen nicht unbetrÀchtlichen Raum ein.
Im Islam ist Iblis (arabisch ۄۚÙÙŰł) der Widersacher der Menschen. Nach islamischer Lehre ist Iblis ein Schaitan (arabisch: ۧÙŰŽÙ۷ۧÙ, bedeutungs- und herkunftsgleich mit hebrĂ€isch Ś©ŚŚ = Satan), d. h. ein vom Guten abgewandter Dschinn, und nur ein Geschöpf Allahs/Gottes.
Der Teufel weigert sich aus Hochmut, sich vor Adam auf den Befehl Gottes niederzuwerfen, da er (Iblis) aus rauchlosem Feuer geschaffen ist und den Menschen (aus Lehm geschaffen) als minderwertig betrachtet.
(11.)Er (Gott) sprach: âWas hinderte dich daran, dich niederzuwerfen, nachdem ich es dir befohlen habe?â Er (der Teufel) sagte: âIch bin besser als er (Adam). Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn aber erschufst Du aus Lehm.â (12.) Er (Gott) sprach: âHinab mit dir von hier! Es ziemt sich nicht fĂŒr dich, hier hochmĂŒtig zu sein. Hinaus denn; du bist wahrlich einer der Erniedrigten.â (13.) Er (der Teufel) sagte: âGib mir eine Frist bis zum Tag der Auferstehung.â (15.) Er sprach: âFĂŒrwahr, die Frist ist dir gewĂ€hrt.â (16.) Er sagte: âWie Du mich in die Irre gehen lieĂt, werde ich ihnen auf deinem geraden Weg auflauern.â (17.) âDann will ich von vorn und von hinten, von ihrer rechten und ihrer linken ĂŒber sie kommen, und Du wirst die Mehrzahl von ihnen undankbar finden.â (18.) Er sprach: âWeg von hier, verachtet und verstoĂen! Wahrlich, wer von ihnen dir folgt, mit euch allesamt fĂŒlle ich die Hölle!â
Der Teufel bat Gott, ihm eine Frist bis zum jĂŒngsten Gericht zu gewĂ€hren, um versuchen zu können, die Menschen vom Rechten Weg abzubringen. Gott gewĂ€hrte ihm diese Frist und sagte, dass Er die Hölle mit dem Teufel und denen, die ihm folgen werden, fĂŒllen wird (vgl. Sure 7, A'rĂąf (Die Anhöhnen), Vers 12-18)
Es gehört zu den PrĂŒfungen der Menschheit, sich zu entscheiden, d.h. fĂŒr Gott oder fĂŒr Schaitan. Somit ist Schaitan, ob er es will oder nicht, Gottesdiener, weil auch er nur Werkzeug in Gottes Plan ist, dem er sich nicht entziehen kann. Am Tag des Gerichts wird er seine Strafe bekommen. Dem Islam ist die Vorstellung fremd, dass Schaitan Widersacher Gottes oder eine Art KrĂ€fte-Gegenpol ist. Das Prinzip Gut gegen Böse als GegenkrĂ€fte ist hier nicht anwendbar, denn nur Gott ist der absolut MĂ€chtige, Schaitan ist dagegen lediglich Versucher der Menschen, dem Gott eine Frist gesetzt hat. Schaitan ist nicht allmĂ€chtig - aber gefĂ€hrlich fĂŒr die Menschen, solange sie wanken und sich Gott nicht völlig ergeben.
Es gibt keinen Teufel im christlichen Sinne im Judentum. In der Ăbersetzung der hebrĂ€ischen Texte von Hiob 1 und Sacharja 3 ins Griechische wurde das jĂŒdische ha-Satan zu diabolos (âTeufelâ) der Septuaginta. Die Vorstellungen von Satan sind im Judentum aber deutlich verschieden von den Vorstellungen und der Verwendung des Begriffs Satan im Christentum und im Islam. Weil das âAlte Testamentâ der christlichen Bibel in etwa wortgleich vom Tanach ĂŒbernommen wurde, jedoch in der Deutung und der Lehre sowie in den Diskussionen der jeweiligen Gelehrten erheblich von der Tradition und Lehre der hebrĂ€ischen Bibel abweicht, ergeben sich hier bedeutende Unterschiede.
Siehe den Hauptartikel: Satan
Satan ist in der hebrĂ€ischen Bibel vor allem der Titel eines AnklĂ€gers am göttlichen Gerichtshof. Die hebrĂ€ische Bezeichnung Satan (Ś©ŚŚ, Sin-Teth-Nun) bedeutet soviel wie âAnklĂ€gerâ. Die Bezeichnung kann auch fĂŒr Menschen verwendet werden, das hebrĂ€ische Wort wird dann im Allgemeinen ohne den bestimmten Artikel benutzt (Numeri 22,22.32; 1. Samuel 29,4; 1. Könige 5,18; 11,14.23.25; Psalm 109,6; als Verben im Sinne von âAnfeindungenâ in Psalm 38,21; 71,13; 109,4.20.29). Ăblicherweise wird der Titel Satan verschiedenen Engeln verliehen und kann dann auch allein bezeichnend sein.
Wichtiges Unterscheidungskriterium zu den Satans- und Teufelsbegriffen anderer Religionen ist, dass Satan im Judentum nicht als etwas Personifiziertes oder gar als das personifizierte Böse betrachtet und gelehrt wird. So sind die Vorstellungen eines personenhaften Satan als Gegenspieler der GlĂ€ubigen oder etwa eigenstĂ€ndiger âVersucherâ und Gegenspieler Jesu, des personifizierten Guten, Vorstellungen des Christentums, die jenen des Islam Ă€hneln. Im Judentum wird sowohl das Gute als auch das Böse als zwei Seiten einer Zusammengehörigkeit gesehen, die beide z. B. in Gott, dem ewigen Wesen, begrĂŒndet sind. Gut und Böse sind von dieser Welt, der Gott, das ewige Wesen, transzendent gegenĂŒbersteht. Der Satan, wenn der Titel einem Engel in einem Zusammenhang oder in einer ErzĂ€hlung gegeben wurde, handelt dabei stets nicht eigenmĂ€chtig und nicht nach eigenem Willen, sondern im Auftrag Gottes und steht voll unter der Kontrolle und dem Willen Gottes. Der Titel Satan wird in der hebrĂ€ischen Bibel und anderen heiligen Schriften des Judentums verschiedenen Engeln und Menschen verliehen.
Die ausfĂŒhrlichste Darstellung, in der ein Engel mit dem Titel Satan in Gottes Auftrag wirkt, findet sich im Buch Hiob der hebrĂ€ischen Bibel. Die ErzĂ€hlung beginnt mit der Szene am himmlischen Gerichtshof, bei dem Engel und Gott anwesend sind. Aufgrund des Einwands eines Engels in dieser göttlichen Gerichtshofsrunde, der als AnklĂ€ger, also als Satan fungiert, kommt es zu einem Vorwurf an Gott. Der fromme und wohlhabende Hiob halte Gott nur deshalb die Treue, weil Gott um ihn herum kein UnglĂŒck zulasse. Daraufhin gestattet Gott Satan, Hiobs Gottvertrauen auf die Probe zu stellen. Trotz der UnglĂŒcke und trotz der leidvollen Krankheit, die den nichtsahnenden Hiob daraufhin in Form der sprichwörtlichen Hiobsbotschaften durch den Satan im Auftrage Gottes ereilen, akzeptiert Hiob sein trauriges Los und flucht seinem Gott nicht. Er kritisiert ihn jedoch und besteht darauf, dass er nichts Unrechtes getan habe. Hiobs Freunde sind davon ĂŒberzeugt, dass er ein Unrecht begangen haben mĂŒsse, denn Gott lasse es nicht zu, dass ein Unschuldiger so viel UnglĂŒck zu erleiden habe. Damit wird der Einwand des Engels widerlegt, es gebe keinen Menschen, der Gott in jeder Situation treu bliebe oder von Gott abfalle, sobald es ihm aus menschlicher Sicht schlecht ergehe. In zwei weiteren FĂ€llen tritt ein Satan als Versucher (1. Buch der Chronik 21,1) oder AnklĂ€ger (Sacharja 3,1) des sĂŒndigen Menschen vor Gott auf. Im 4. Buch Mose, auch Numeri, ist Satan nicht negativ handelnd, sondern wird von Gott gesandt, um Schlimmeres fĂŒr Balaam zu verhindern.
In den auĂerbiblischen volkstĂŒmlichen jĂŒdischen ErzĂ€hlungen des europĂ€ischen Mittelalters wird der Titel Satan manchmal einem Engel, der von Gott verstoĂen wird, weil er sich selbst gottgleich stellen wollte, gegeben. Die Geschichten, in denen dies geschieht, sind dabei in vollem Bewusstsein und Kenntnis der Lehren des Judentums, die solche Vorstellungen stets ablehnten, gegenĂŒberstellend erzĂ€hlt. Er gilt als TrĂ€ger des Prinzips des Bösen. Hier werden auf alte Begrifflichkeiten des persischen Kulturkreises, in dem das duale Prinzip des Kampfs Gut gegen Böse eine groĂe Rolle spielt, und die Vorstellungen der umgebenen christlichen Kultur angespielt. Es sind daher eher phantastische ErzĂ€hlungen oder Schauergeschichten und nicht biblische jĂŒdische Lehren oder lehrhafte jĂŒdische ErzĂ€hlungen der Tradition. Evtl. werden die Vorstellungen des Christentums auch nur illustratorisch nacherzĂ€hlt, um die Position der Christen, die in Widerspruch zu denen des Judentums stehen, vorzustellen.
Im Jesidentum existiert die Gestalt des Bösen nicht. Die jesidische Vorstellung ist, dass Gott allmĂ€chtig ist und neben Gott keine zweite Kraft existieren kann. Die Jesiden sprechen das Wort des Bösen nicht aus, weil allein der Ausspruch dieses Wortes die Anzweiflung der Einzigartigkeit Gottes sei. Nach jesidischer Vorstellung wĂ€re Gott schwach, wenn er noch eine zweite Kraft neben sich existieren lieĂe. Diese Vorstellung wĂ€re mit der Allmacht Gottes nicht vereinbar.
Die Religion Zarathustras, der Zarathustrismus, ist dualistisch geprĂ€gt: âUnd im Anbeginn waren diese beiden Geister, die Zwillinge, die nach ihrem eigenen Worte das Gute und das Böse im Denken, Reden und Tun heiĂen. Zwischen ihnen haben die Guthandelnden richtig gewĂ€hlt.â
GĂ©rald MessadiĂ© sieht den Wandel Satans vom AnklĂ€ger in Gottes Rat zum Gegenspieler Gottes als Ăbernahme des Ahriman aus dem Zoroastrismus an; dort sind der böse Welterschaffer und der gute Gott Ahura Mazda in der Tat Gegenspieler.
Im Zarathustrismus (auch Zoroastrismus) gelangen die Seelen nach dem Tod ĂŒber die Äinvat-BrĂŒcke. Hier wird Gericht gehalten: FĂŒr den rechtschaffenen Menschen ist die BrĂŒcke breit wie ein Pfad, fĂŒr den anderen schmal wie eine Messerspitze. Die Guten gelangen in die seligen Gefilde des Paradieses GarodemĂ€na (spĂ€ter Garotman), den âOrt der LobgesĂ€ngeâ; die Seele des Bösen aber kommt an den âschlechtesten Ortâ, d. h. in die Hölle. Die DĂ€monen des Zoroastrismus werden Daeva, Drudsch und Pairikas (Peri) genannt und teils als Unholdinnen gedacht, die mit bösen Menschen in fleischlichem Verkehr stehen und die guten zu verfĂŒhren trachten, teils als tĂŒckische DĂ€monen, welche Trockenheit, Missernten, Seuchen und andere Plagen ĂŒber die Welt verhĂ€ngen.
Die Schöpfungsgeschichte des Zarathustrismus besagt, dass Ahura Mazda (Gott) in den ersten 3000 Jahren durch einen langherrschenden Windhauch zuerst den eiförmigen Himmel und daraufhin die Erde und die Pflanzen erschuf. Im zweiten Zyklus von 3000 Jahren entstanden die Urstiere und danach der Urmensch. Danach erfolgte der Einbruch des Anramainyu (der âTeufelâ), welcher den Urmenschen und den Urstier tötete und eine Periode des Kampfes eröffnete, die ihr Ende erst mit der Geburt des Zarathustra erreichte. Dieses Ereignis fiel in das 31. Jahr der Regierung des Königs Vistaspa. Und von da an werden wieder 3000 Jahre vergehen, bis der Heiland Saoschjant geboren wird, welcher die bösen Geister vernichten und eine neue, unvergĂ€ngliche Welt herbeifĂŒhren wird; auch die Toten sollen dann auferstehen.
Statt des einen Messias werden an anderen Stellen deren drei genannt, wodurch sich also diese Lehre von der entsprechenden des Alten Testaments unterscheidet. Dagegen stimmt die Lehre von der Auferstehung sogar in Details mit der christlichen ĂŒberein, so dass die Annahme einer Entlehnung der letzteren aus der Religion der den HebrĂ€ern benachbarten Zarathustristen eine gewisse Wahrscheinlichkeit fĂŒr sich hat. Speziell die Begriffe Himmel und Hölle waren im alten Judentum nicht bekannt.
Hauptartikel: Luzifer
Der auĂerdem oft verwendete Begriff Luzifer ist nichtjĂŒdischen Ursprungs: In der Antike war Luzifer der Name fĂŒr den Planeten Venus; im antiken Babylon wurde die Venus als âTagessternâ, âSohn der MorgendĂ€mmerungâ oder auch âMorgensternâ oder âAbendsternâ bezeichnet. Die römische Mythologie kennt Luzifer als Sohn der Aurora, der Göttin der Morgenröte. In der griechischen Mythologie ist die Göttin Eos das GegenstĂŒck zu der römischen Aurora. Und auch hier hatte diese Göttin einen Sohn, welcher Phosphoros oder EosphĂłros (griech. âLichttrĂ€gerâ) hieĂ. Dieser entspricht also dem römischen Lucifer (lat. âLichttrĂ€gerâ beziehungsweise âLichtbringerâ). Da in Jesaja 14,12 ein aus den Himmeln hinabstĂŒrzender âEngel [eigentlich Cherub, s.u.] der Morgenröteâ ErwĂ€hnung findet, wurde in der Vulgata der âGlanzsternâ von Jesaja 14,12 als âluciferâ wiedergegeben.
Manche Menschen nehmen an, dass die Nennung des Namens des Teufels dazu fĂŒhren könne, dass dieser herbeigerufen wird. Es gibt daher eine Vielzahl von verhĂŒllenden Bezeichnungen und Umschreibungen fĂŒr den Teufel. Ein anderer Grund fĂŒr die Benutzung einer Umschreibung kann es sein, einen Aspekt seines Wesens besonders zu betonen. Beispiele:
Es gibt viele Gottheiten aus anderen Mythologien, die innerhalb des Christentums mit dem Teufel identifiziert wurden.
Im Jahr 1922 befasste sich der Psychoanalytiker Sigmund Freud mit dem christlich-volkstĂŒmlichen Teufelsglauben. In dem 1923 erschienenen Aufsatz Eine Teufelsneurose im siebzehnten Jahrhundert (XIII, S. 317 bis 353) bewertete er die kirchliche Seelsorge als nicht hilfreich im Umgang mit kranken Menschen. Die Diagnose zum Krankheitsbild des bayerischen katholischen Christen, Malers und TeufelsbĂŒndlers Christoph Haitzmann, der sich 1669 mit eigenem Blut dem Teufel[6] verschrieben hatte lautete: âNicht aufgearbeitete Depression infolge des Verlustes einer nahe stehenden Personâ. Die Legende hat folgende Ereignisse hierzu ĂŒberliefert: Am 8. September 1677 zum Tag âMariae Geburtâ erschien wĂ€hrend einer exorzistischen Praktik um Mitternacht in der Wallfahrtskirche Mariazell der Teufel als geflĂŒgelter Drache dem Christoph Haitzmann im Beisein von Mönchen.
âVom bösen DĂ€mon wissen wir, dass er als Widerpart Gottes gedacht ist und doch seiner Natur sehr nahe steht ⊠Es braucht nicht viel analytischen Scharfsinns, um zu erraten, dass Gott und Teufel ursprĂŒnglich identisch waren, eine einzige Gestalt, die spĂ€ter in zwei mit entgegengesetzten Eigenschaften zerlegt wurde⊠Es ist der uns wohl bekannte Vorgang der Zerlegung einer Vorstellung mit ⊠ambivalentem Inhalt in zwei scharf kontrastierende GegensĂ€tze.â
â S. Freud in Eine Teufelsneurose im Siebzehnten Jahrhundert, Die Geschichte des Malers Christoph Haitzmann; XIII, S. 331ff[7]
Viele bekannte Schauspieler haben im Laufe der Zeit den Teufel verkörpert, wobei unterschiedlichste AnsÀtze, von sehr humoristisch bis ausgesprochen ernsthaft und böse, gewÀhlt wurden:
Viele weitere Filme beschÀftigen sich mit dem Teufel, ohne dass er physisch direkt in Erscheinung tritt: