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Als Textgeschichte des Neuen Testaments wird die Überlieferung des Textes durch Handschriften bezeichnet.
Die handschriftliche Überlieferung des Neuen Testaments ist besser und umfangreicher als die jedes anderen antiken Literaturdenkmals. Die ältesten Textzeugen liegen der Entstehungszeit der Originale sehr nahe.
Die für die Textgeschichte wesentlichen Handschriften werden aufgeteilt in Papyri, Majuskeln, Minuskeln, Lektionare und frühe Übersetzungen.
Inhaltsverzeichnis |
Als Material für die Handschriften wurden Papyrus und Pergament verwendet.
Papyrus war das „Papier der Antike“. Es wurde aus den gepressten Stängeln der Papyrusstaude hergestellt. In feuchtem Klima sind Papyri nicht sehr haltbar, in trockenem jedoch so lange, dass Funde von antiken Papyri seit dem 19. Jahrhundert in Ägypten und Palästina für Aufsehen sorgten. Papyrus ist ziemlich brüchig, sodass die meisten Fundstücke Fragmente mit nur wenigen Buchstaben sind. Pergament ist widerstandsfähiger gegen Feuchte und Bruch, daher sind viel mehr Handschriften auf Pergament erhalten geblieben, auch wenn diese zur Zeit ihrer Entstehung vermutlich klar in der Minderzahl waren.
Die Handschriften sind entweder Rollen – vor der Beschriftung werden mehrere Papyrus- oder Pergamentblätter seitlich aneinandergeklebt und auf einen Stock gerollt – oder Kodizes, eine frühe Form unserer Bücher.
Neutestamentliche Handschriften sind einzig in Kodex-Form überliefert. Das lässt sich auch an kleinsten Bruchstücken sicher entscheiden, da Blätter eines Kodex immer beidseitig beschrieben wurden (außer vielleicht beim letzten Blatt des gesamten Kodex). Einseitig beschriebene neutestamentliche Handschriftenreste sind äußerst selten und gehören nicht zu üblichen Schriftrollen (vgl. dazu die Handschriftenlisten bei Aland: Der Text des Neuen Testaments).
Ob neutestamentliche Handschriften eventuell von Anfang an in Kodex-Form geschrieben wurden, es also nie neutestamentliche Schriften in Rollenform gegeben hat, ist derzeit nicht sicher aussagbar. Die ältesten neutestamentlichen Papyri stammen aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert.
Papyri sind die ältesten erhaltenen Handschriften des Neuen Testaments. Sie stammen aus dem 2. bis 7. Jahrhundert. Papyri wurden ab dem 19. Jahrhundert entdeckt, als Ägypten und andere Länder des nahen Ostens für archäologische Ausgrabungen erschlossen wurden.
Einige wichtige Papyri-Sammlungen sind nach dem Käufer (Chester Beatty, Martin Bodmer) oder nach dem Fundort (Oxyrhynchus) benannt. Papyri werden in der Textkritik mit Zahlen abgekürzt, die mit <math>\mathfrak{P}</math> beginnen. Es sind heute über 4000 Papyri bekannt. Davon enthalten etwas mehr als 100 Teile des NTs, die jedoch zum Teil nur sehr kleine Bruchstücke sind.
Einige Papyri stammen mit Sicherheit aus dem 2. Jahrhundert. So wird der berühmte Johannes-Papyrus <math>\mathfrak{P}</math>52 auf 125–150 datiert.[1] Noch weitreichendere Frühdatierungen von Fragmenten, teilweise bis in die erste Hälfte des ersten Jahrhunderts, sind in der Wissenschaft umstritten. Einige Forscher ordnen beispielsweise Papyrus 7Q5 als neutestamentlichen Papyrus ein. Ein prominenter Vertreter dieser frühen Datierung war Carsten Peter Thiede. Die Papyri <math>\mathfrak{P}</math>64 (vgl. engl. Wikipedia-Artikel) und Papyrus <math>\mathfrak{P}</math>67 dürfen nach wie vor als Papyri des zweiten Jahrhunderts betrachtet werden.
Die wichtigsten Papyri sind
Majuskeln nennt man in Großbuchstaben auf Pergament geschriebene Handschriften. Pergament ist ein teureres, aber haltbareres Material als Papyrus. In der Zeit des Neuen Testaments wurde es besonders für wertvolle Dokumente verwendet.
Heute sind etwa 300 Majuskeln bekannt, die aus dem 4. bis 9. Jahrhundert stammen. Sie werden in der Textkritik mit Großbuchstaben abgekürzt, oder mit Zahlen, die mit einer Null beginnen.
Die wichtigsten davon sind
Minuskeln nennt man die in Kleinbuchstaben der Minuskelschrift geschriebene Handschriften, die aus dem 9. bis 15. Jahrhundert stammen. Es sind etwa 2900 Minuskeln katalogisiert.
Das geringe Alter beschränkt den Wert der Minuskeln für die Textkritik, es gibt jedoch einige, die nah mit wesentlich älteren Handschriften verwandt sind. Zum Beispiel die Minuskeln 33, 579, 892 und 2427[3] sind in der höchsten Qualitätsstufe eingeteilt.
Ein Lektionar des Neuen Testaments ist eine Abschrift eines liturgischen Buches zur Lesung, welches auch Teile des Neuen Testaments enthält. Lektionare können in Unzialen oder Minuskeln der griechischen Buchstaben geschrieben sein. Als Schreibmaterial dient Pergament, Papyrus, Vellum oder Papier.
Es werden fünf verschiedene syrische Übersetzungen des Neuen Testaments unterschieden, die zwischen dem zweiten und sechsten Jahrhundert entstanden sind: die altsyrische Übersetzung, die Peschitta, die philoxenische, die harcleanische und die palästinisch-syrische.
Vor der bekannten Vulgata des Hieronymus aus dem späten 4. Jahrhundert gab es verschiedene lateinische Übersetzungen, die in Afrika, Italien und Gallien entstanden. Die ältesten entstanden im letzten Viertel des 2. Jahrhunderts in Afrika. Manchmal werden Sie unter dem Namen "Itala" oder Vetus Latina zusammengefasst.
Zu Beginn des 3. Jahrhunderts entstanden die ersten Übersetzungen ins Koptische. Es gibt verschiedene Dialekte, z.B. das Sahidische, das Bohairische usw.
Wulfila übersetzte die Bibel um die Mitte des 4. Jahrhunderts ins Gotische.
Die armenische Übersetzung aus dem 5. Jahrhundert, auch die "Königin der Bibelübersetzungen" gilt als genaueste der frühen Bibelübersetzungen. Von der Vulgata abgesehen, sind von keiner anderen Übersetzung annähernd so viele Manuskripte erhalten.
Gegenwärtig sind etwa 5000 Handschriften bekannt, die das ganze griechische Neue Testament oder einen Teil davon enthalten. Der größte Teil davon wurde in den letzten 200 Jahren gefunden.
Zur Zeit der Reformation war, abgesehen vom Codex Bezae, keine Handschrift bekannt, die vor dem 11. Jahrhundert entstanden war.
Im Jahr 1627 bekam König Karl I. (England) vom Patriarchen von Konstantinopel den Codex Alexandrinus geschenkt. Diese Kodex wurde im 18. Jahrhundert publiziert. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zwei der wichtigsten Majuskeln publiziert, der Codex Vaticanus und der Codex Sinaiticus.
Um 1900 wurden die Oxyrhynchus Papyri entdeckt, 1930 die Chester Beatty Papyri und 1950 die Bodmer Papyri.