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Eine Textilie (zu lateinisch textilis und französisch texere „gewebt“, „gewirkt“) ist ein flexibles Material, das aus einem Verbund von Fasern besteht. Sowohl Fasern, Garn, textile Flächen wie Gewebe, Gewirke oder Gestricke und fertige Produkte (unter anderem textiler Werkstoffe wie Tuch und Textilbekleidung) werden unter dem Oberbegriff Textilien zusammengefasst. Textilien umfassen mineralische Fasern (wie Asbest, Steinwolle) ebenso wie natürliche (Tier- und Pflanzenprodukte wie Wolle oder Flachs) und synthetische Fasern (wie Viskose oder Nylon).
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Textilien verfügen über eine enorme Vielfältigkeit der Einsatzmöglichkeiten, und ihre Verwendung gehört zu den Kulturtechniken seit der Frühzeit der Menschheit. Unter Textilwesen fasst man alle Themen im Zusammenhang mit der Produktion, dem Handel und Dienstleistungsarbeiten, der Technologie und Technik, sowie der Verwendung von textilen Materialien zusammen, einschließlich der künstlerischen, kunsthandwerklichen, kulturellen, kulturgeschichtlichen und ethnographischen Aspekte, wie auch der Gewinnung der Ausgangsmaterialien in Chemie und Landwirtschaft, und der Biologie der Faserpflanzen und textiltechnisch verwertbaren Tierprodukte, und das Prüf- und Normungswesen dieser Materialien.
Inhaltsverzeichnis |
Die Wörter „Stoff“ und „Tuch“ werden, auch in der textilverarbeitenden Branche, oft synonym zu Textilie verwendet. Es gibt allerdings geringfügige Unterschiede in der Bedeutung dieser Wörter. Textilien sind alle Materialien, die aus Fasern hergestellt sind. Stoff oder Tuch bezeichnet hingegen Material, das durch Weben, Wirken, Stricken oder anderes Verbinden von Fasern eine (textile) Fläche bildet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden ausschließlich Wollwalkstoffe ‚Tuch‘ genannt. Nicht unter den Begriff Stoff/Tuch fallen aber zwei andere Großgruppen der Textilien, diejenigen, die durch Knüpftechniken verbunden werden (bis hin zu Netzen und Seilen, aber mit Überschneidungen der Methoden im Detail), und die Vliese, zu denen auch die Walkwaren (im Sinne der ursprünglichen Bedeutung von ‚Tuch‘) gehören. Werkstoffkundlich fasst man unter Stoff in der Bekleidungsbranche alle textilen Materialien als Halbzeug zusammen.[1]
Die präzise Verwendung der unterschiedlichen Begriffe regelt die heute für den deutschsprachigen Raum übliche DIN 60000:1969 Textilien – Grundbegriffe und DIN 60001 Textile Faserstoffe und zahlreiche Einzelnormen.[2]
Textilien werden vielfältig benutzt. Das weitaus bekannteste Einsatzgebiet ist die Bekleidung. Darüber hinaus werden sie im Haushalt eingesetzt in Form von Teppichen, bei Polstermöbeln, Vorhängen, Handtüchern, Bettwäsche oder als Tischdecke. In Technik und Industrie finden sich vom Beginn etwa in der Segelei und der Hebetechnik (Von Tragnetzen bis zu Hebebändern), Seilerei und Zurrgurte über Zelte, Airbags, Filter, Netze und Geotextilien, und auch der Architektur bei Dachkonstruktionen und Seilnetz-Tragwerken.[3] Im medizinischen und Hygienebereich werden Textilien bei Windeln, Taschentüchern, Krankenhaus- bzw. OP-Textilien und Verbandszeug verwendet. In jüngerer Zeit werden Textilien in Verbindung mit Harz als faserverstärkter Kunststoff in Segelbooten und Flugzeugen eingesetzt.
Werden Textilien für industrielle Zwecke und aufgrund anderer Eigenschaften als ihrem Aussehen verwendet spricht man üblicherweise von Technischen Textilien.
Die Textilindustrie stellt Textilien in großem Maßstab mittels Textilmaschinen her. Damit sie den unterschiedlichen Qualitätsansprüchen genügen, werden Textilien in der Textilveredlung (Ausrüstung) gebrauchsfähig gemacht. Nach Bestimmung unterscheidet man Textilien für
Das Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) regelt in Deutschland die Bezeichnung/Etikettierung von Textilien hinsichtlich ihres Fasergehaltes. Die Pflegekennzeichnung von Textilien mit den bekannten Symbolen ist nicht gesetzlich geregelt, sondern in einer internationalen Norm der ISO. Die Geschichte der Textilien wird an Textilforschungsinstituten und in Textilmuseen dokumentiert und erforscht.
Fasern, die Rohstoffe für alle anderen Textilien, teilen sich in zwei Hauptgruppen ein:
Hauptsächlich verwendete pflanzliche Rohstoffe sind neben Baumwolle Bastfasern wie Hanffasern, Flachs- oder Leinfasern, Nessel, Jute. Aus den harten Sisal- und Kokosfasern werden vornehmlich Bodenbeläge gefertigt. Tierische Rohstoffe sind Wolle und Seide. Ökologische Überlegungen gehen in jüngerer Zeit dahin, die Verwendung von Chemiefasern zu Gunsten von Naturfasern zu reduzieren.
Textile Flächen lassen sich mit verschiedenen Verfahren herstellen. Nach der Art der Flächenkonstruktion unterscheidet man vliesartig verbundene (z. B. Filz oder Walkstoffe) und aus Fadensystemen aufgebaute Textilien (z. B. Gewebe, Gewirke, Strickwaren).
Das Weben beruht auf einer rechtwinkligen Verkreuzung zweier Fadensysteme, so dass verschieden Arten von Bindungen entstehen. Die wichtigsten sind Leinwand-, Köper- und Atlasbindung. Samtartige Gewebe entstehen dadurch, dass Kett- oder Schussfäden kleine Schlaufen (Noppen) bilden, die aufgeschnitten den Flor ergeben. Beispiele sind Plüsch und Frottierware.
Das Stricken zählt mit dem Wirken zu den maschenstoffbildenden Verfahren. Zur Bildung einer Masche wird ein Faden zu Schleifen verformt, die miteinander verschlungen werden.
Überdies gibt es viele historische Verfahren und Nischenanwendungen, wie etwa das Malimoverfahren. Spinnen ist das grundlegende Verfahren zur Herstellung von Fäden. Meist verbindet Nähen textile Flächen.
Die ältesten nachweislich von Menschen verwendeten Textilfasern sind etwa 30.000 Jahre alt und stammen zum einen aus der Dzudzuana-Höhle im Kaukasus (Georgien)[4], zum anderen aus Dolní Věstonice und Pavlov in Mähren.[5][6][7] In der Dzudzuana-Höhle handelt es sich um Flachsfasern (zum Teil bereits gefärbt), bei den beiden Gravettien-Fundplätzen Mährens um Brennnessel-Fasern. Neben den direkten Textilnachweisen können auch die sogenannten Venusfigurinen des Gravettiens vielfältige Hinweise auf Bekleidung geben, da diese auf den Oberflächen der Figuren angedeutet wird. Dabei gibt es Bekleidungsstücke, wie zum Beispiel den Rock bei der Venus von Lespugue, oft auch textil ornamentierte Gürtel, wie bei den Figuren von Kostenki in Russland.
Etwas jünger (etwa 19.000 Jahre alt) sind die Textilnachweise von Ohalo II am See Genezareth.[8]
AMS-Datierungen von Textilfunden aus der Guitarrero-Höhle im Anden-Hochland von Peru ergaben im Jahre 2011 ein überraschend hohes Alter von etwa 11.000 BP.[9]
Die Jungsteinzeit ging einher mit der Domestizierung von Pflanzen und Tieren und der Nutzbarmachung ihrer Eigenschaften. Textilreste Mitteleuropas sind bis in die Zeit des Spätneolithikums jedoch nach wie vor nur aus Pflanzenfasern überliefert (Lein bzw. Flachsfaser, Hanf, Bastfaser). Die bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. in Südosteuropa (Sesklo-Kultur) und dem Vorderen Orient auftretenden Spinnwirtel aus gebranntem Ton belegen das Spinnen. Tönerne Spinnwirtel gibt es vereinzelt auch in der mitteleuropäischen Bandkeramik. Es ist jedoch unklar, ob diese ausschließlich für die Verarbeitung von Pflanzenfasern gedient haben oder bereits auch für das Spinnen von Tierhaaren bzw. Wolle.
Die Existenz von Webtechniken kann indirekt bereits für das 7. vorchristliche Jahrtausend bewiesen werden, da webmusterartige geometrische Wandbemalungen im türkischen Tell von Çatalhöyük stark an gewebte Kelims erinnern. Nach einer unbestätigten Mitteilung des Grabungsleiters James Mellaart aus dem Jahre 1966 seien in Schicht VI des Tells von Çatalhöyük die ältesten Reste von Filz gefunden worden.[10] Auch die ab etwa 6000 v. Chr. übliche Keramikbemalung, die sich von Anatolien über Südosteuropa (Sesklo, Karanowo-Kultur, Vinča-Kultur) bis nach Mitteleuropa (Bandkeramik) ausbreitete, weist zumeist geometrische Muster auf, wie sie für Webtechniken typisch sind. Da in Fundstellen dieser Kulturen keine tönernen Webgewichte gefunden wurden, wird die Verwendung kleiner, mobiler Webrahmen angenommen. Die älteste Abbildung eines horizontalen Webrahmens ist als Ritzzeichnung auf der Innenseite einer Keramikschale vom Fundplatz Badari (Ägypten) erhalten und wird auf etwa 4400 v. Chr. datiert.[11][12] Die Schale (Badari, Grab 3802) wird zusammen mit etwa gleich alten Leinresten im Londoner Petrie Museum of Egyptian Archaeology ausgestellt.
Erste Hinweise auf Verarbeitung von Schafwolle gibt es in Mitteleuropa erst bei spät- bzw. endneolithische Kulturen (um 3000 v. Chr.), wie bei der Chamer Kultur in Bayern. Einen Beweis für die gezielte Haltung von Wollschafen bietet die veränderte Demographie spätneolithischer Schafherden, da hier eine Zunahme älterer Hammel zu verzeichnen ist. Zu den seltenen direkten Belegen gehören Wollhaare in der französischen Seeufersiedlung Clairvaux-les-Lacs (frühes 3. Jahrtausend v. Chr.) sowie Wollreste an einem endneolithischen Feuersteindolch aus Wiepenkaten, Lkr. Stade.[13] Ebenfalls erst im Spätneolithikum kann – mit tönernen Webgewichten – für Mitteleuropa der archäologische Nachweis des Gewichtswebstuhls erbracht werden. Hier ist jedoch ebenfalls bislang unbewiesen, ob neben pflanzlichen Fasern bereits Wolle gewebt wurde.
Die Nachweise von Textilien und ihrer Tragweise vermehren sich in der Bronze- und Eisenzeit schlagartig.[14] Baumsargfunde aus der Nordischen Bronzezeit, zum Beispiel das Mädchen von Egtved, boten gute Erhaltungsbedingungen für Textilien. Aus Dänemark wurden verschiedene bronzezeitliche Wollstoffe analysiert, die von braunen und weißen Soayschafen gewonnen wurden.[15] Im prähistorischen Salzbergwerk in Hallstatt sind infolge der salzhaltigen Luft viele Textilreste erhalten geblieben. Spätestens seit der frühen Hallstattzeit ist die Technik des Brettchenwebens bekannt.
Exzellente Textilerhaltung gibt es bei Mumien aus dem westchinesischen Tarimbecken, die zwischen 1800 bis 400 v. Chr. zu datieren sind. Der „Cherchen Man“, eine Tarim-Mumie aus dem 12. Jahrhundert v. Chr., trug Kniestrümpfe aus Filz, die rot, gelb und blau gestreift waren.[16]
Neue Untersuchungsmethoden lassen die Standortbestimmung der genutzten Wollschafe und damit Rückschlüsse auf den Herstellungsort von Wolltextilien und gegebenenfalls deren Handel zu. So konnte mittels Strontiumisotopenanalyse die Herkunft der Wolle von eisenzeitlichen Textilfunden aus Dänemark ermittelt werden.[17][18]
Vorteilhafte Erhaltungsbedingungen für prähistorische Textilreste bestehen auch, wenn diese verkohlt oder zum Beispiel durch Kontakt zu Kupferartefakten mit kupferbasierten Mineralien überkrustet sind. Da Kupfer das Wachstum von Bakterien und damit den biologischen Abbau hemmt, konnten durch diesen Umstand zum Beispiel Textilreste der indianischen Hopewell-Kultur untersucht werden.[19]