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Theobromin

Strukturformel
Struktur von Theobromin
Allgemeines
Name Theobromin
Andere Namen
  • 3,7-Dimethylxanthin
  • Santheose
Summenformel C7H8N4O2
CAS-Nummer 83-67-0
PubChem 5429
ATC-Code
Kurzbeschreibung

weißer Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 180,16 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

357 °C[1]

pKs-Wert

9,9[2]

Löslichkeit

wenig löslich in Wasser (0,33 g·l−1 bei 25 Â°C)[2]

Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
07 – Achtung

Achtung

H- und P-SĂ€tze H: 302
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: keine P-SĂ€tze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
GesundheitsschÀdlich
Gesundheits-
schÀdlich
(Xn)
R- und S-SĂ€tze R: 22-40
S: 22-36/37
LD50
  • 1265 mg·kg−1 (Ratte, oral)[5]
  • 837 mg·kg−1 (Maus, oral)[5]
  • 200 mg·kg−1 (Katze, oral)[2][6]
  • 300 mg·kg−1 (Hund, oral)[2][5]
Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Theobromin (von griech. „theos“, „Gott“ und „broma“, „Speise“) ist wie Coffein eine organische chemische Verbindung, ein Alkaloid aus der Gruppe der Methylxanthine. Es besitzt auch eine dem Coffein Ă€hnliche anregende Wirkung. Theobromin kommt in einigen Pflanzen wie dem Kakaobaum, den KolabĂ€umen sowie in Teepflanzen vor.

Inhaltsverzeichnis

NatĂŒrliches Vorkommen

Theobromin findet sich in Kakaobohnen des Kakaobaums (Theobroma cacao) (1–2,5 %), in der Nuss der KolabĂ€ume Cola (0,1 %), den BlĂ€ttern der Teepflanze Camellia sinensis (0,05 %) und dem Mate-Strauch Ilex paraguariensis. In den FrĂŒchten und BlĂ€ttern ist es fast vollstĂ€ndig an Gerbstoffe oder ChlorogensĂ€ure gebunden. Erst eine Fermentation bzw. der Röstprozess setzt das Alkaloid frei.[7] Dunkle Schokolade enthĂ€lt 3–10 Gramm Theobromin pro Kilogramm, Milchschokolade enthĂ€lt 0,6–4 Gramm pro Kilogramm Schokolade.[8]

Eigenschaften

Es handelt sich bei Theobromin um das 3,7-Dimethylxanthin, wĂ€hrend Coffein als 1,3,7-Trimethylxanthin eine zusĂ€tzliche Methylgruppe trĂ€gt. Ausserdem ist es sowohl ein Isomer von Theophyllin (1,3-Dimethylxanthin) wie von Paraxanthin (1,7-Dimethylxanthin). Theobromin ist eine weiße, in kaltem Wasser gering, in heißem Wasser besser lösliche Verbindung. Sie ist mit einem pKs-Wert von 9,9 eine schwache SĂ€ure.[2]

Biologische Wirkung

Wirkung auf den Menschen

Theobromin besitzt eine diuretische, gefĂ€ĂŸerweiternde sowie herzstimulierende Wirkung und relaxiert die glatte Muskulatur. Insgesamt Ă€hnelt die Wirkung von Theobromin auf den menschlichen Organismus der des Coffeins, ist aber deutlich schwĂ€cher. Als anregende Substanz wird es oft mit Coffein verwechselt; es hat aber auch deutlich andere Effekte auf den Organismus, da es mild und dauerhaft anregend, aber auch stimmungsaufhellend wirkt.[9] Das Alkaloid kommt in Pflanzen in ungefĂ€hrlichen Mengen vor, so dass es nahezu nicht ĂŒberdosiert werden kann. Hohe Dosen von Theobromin (> 100 g Kakaopulver) bewirkten bei Testpersonen akut Augenflimmern, Pulsbeschleunigung und Kopfschmerzen. Chronische hohe Aufnahme von etwa 1,5 g/Tag ĂŒber einen Zeitraum von 10 Tagen verursachte Kopfschmerzen, SchweißausbrĂŒche und Zittern. Aus den LD50-Werten von Ratten und MĂ€usen auf den Menschen hochgerechnete Werte ergaben etwa 280 mg/kg Körpergewicht, d. h. fĂŒr einen 65 kg schweren Menschen wĂ€re eine Dosis von etwa 18 g Theobromin tödlich.[10]

Nach einer amerikanischen Studie, die von 1996 bis 2000 an 2291 Schwangeren durchgefĂŒhrt wurde, kann der Genuss von Schokolade das Risiko von PrĂ€eklampsie bei Schwangeren senken. Die Anzahl der Frauen mit entsprechenden Symptomen war dabei direkt negativ abhĂ€ngig vom Spiegel des in der Schokolade enthaltenen Theobromin im Serum.[11][12]

Wirkung auf Tiere

→ Hauptartikel: Theobrominvergiftung

Gering toxisch ist Theobromin allerdings nur fĂŒr den Menschen, Ratten und MĂ€use, denn diese besitzen ein Enzym, das diesen Stoff im Körper schnell abbaut. Bei einigen anderen Tieren wie etwa Hunden, Katzen, Pferden oder Keas[13] fehlt dieses Enzym. Sie bauen Theobromin somit wesentlich langsamer ab, weshalb es fĂŒr diese Tiere sogar tödlich sein kann. FĂŒr kleine Hunde wie einen Yorkshire-Terrier kann bereits – je nach Gewicht – eine halbe Tafel Zartbitterschokolade letal wirksam sein. Beim Hund wurde die tödliche Dosis LD50 von Theobromin bei etwa 300 mg/kg Körpergewicht,[2][5] bei Katzen bei 200 mg/kg ermittelt.[2][6] Bei einem nach Aufnahme von Schokolade verendeten Kea wurde eine Dosis von 250 mg/kg festgestellt.[13]

Einsatz als Arzneistoff

Eine Studie von Omar Usmani et al. vom Imperial College in London aus dem Jahre 2004, veröffentlicht im FASEB Journal,[14] kommt zur Schlussfolgerung, dass Theobromin ein vielversprechender Wirkstoff zur Linderung von HustenanfĂ€llen sein kann. In dieser Studie wurde bei gesunden Probanden mit durch Capsaicin induziertem Husten eine stĂ€rkere antitussive Wirkung durch Theobromin als durch das sonst als HustenbekĂ€mpfungsmittel etablierte Codein festgestellt. Gleichzeitig wies Theobromin weniger Nebenwirkungen auf als Codein (MĂŒdigkeit, RauschzustĂ€nde, Suchtpotential).[15]

Chemischer Nachweis

Der Nachweis kann ĂŒber die Murexid-Reaktion (Xanthinnachweis) erfolgen. Ein quantitativer Nachweis in Lebensmitteln erfolgt meist mittels HPLC.[16]

Rechtslage

In Deutschland fĂ€llt Theobromin unter die Definition von § 2 Abs. 1 des AMG, sobald es fĂŒr die Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt ist. Somit ist Herstellung und Verkauf einer Substanz nach dem AMG reguliert, unabhĂ€ngig davon in welcher Form die Substanz vorliegt, wenn sie in Bestimmung § 2 Abs. 1 erfĂŒllt.[17]'[18] Der Verkauf und die Herstellung von Arzneimitteln ohne Genehmigung ist strafbar nach AMG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1, StPO § 354a. Dies wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu der frei verfĂŒgbaren Chemikalie Butyro-1,4-lacton bestĂ€tigt, welche nach dem AMG als Arzneimittel eingestuft wird, sobald sie fĂŒr den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt ist.[19]'[20]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Eintrag zu Theobromin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 6. Juni 2008 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ a b c d e f g Theobromin bei ChemIDplus.
  3. ↑ a b Datenblatt Theobromine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 24. April 2011.
  4. ↑ Datenblatt Theobromin bei Carl Roth, abgerufen am 14. Dezember 2010.
  5. ↑ a b c d Datenblatt Theobromin bei AlfaAesar, abgerufen am 14. Dezember 2010 (JavaScript erforderlich).
  6. ↑ a b Prehled Prumyslove Toxikologie; Organicke Latky, Marhold, J., Prague, Czechoslovakia, Avicenum, 1986, S. 1372.
  7. ↑ Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu Theobromin im Lexikon der Biologie, abgerufen am 20. Mai 2009.
  8. ↑ Blogbeitrag mit Bezug auf das Schweizer Lebensmittelbuch.
  9. ↑ Olaf Adam, Peter Schauder, GĂŒnter OllenschlĂ€ger: ErnĂ€hrungsmedizin: PrĂ€vention und Therapie. 3. Auflage, Elsevier,Urban&FischerVerlag, 2006, ISBN 978-3-437-22921-3, S. 463.
  10. ↑ F. v. Bruchhausen, S. Greiner, R. HĂ€nsel, G. Heubl, H. Hager, E. Stahl-Biskup, W. Reuss: Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Band 6: Drogen P–Z. 5. Auflage, Springer, 1994, ISBN 978-3-540-52639-1, S. 943–954.
  11. ↑ Informationskreis Mundhygiene und ErnĂ€hrungsverhalten, Pressedienst Nr. 06, Juni 2008.
  12. ↑ E. W. Triche, L. M. Grosso, K. Belanger, A. S. Darefsky, N. L. Benowitz, M. B. Bracken: Chocolate Consumption in Pregnancy and Reduced Likelihood of Preeclampsia. Epidemiology, Mai 2008, Vol. 19, Iss. 3, S. 459–464; doi:10.1097/EDE.0b013e31816a1d17.
  13. ↑ a b EFSA: Theobromine as undesirable substances in animal feed. Scientific Opinion of the Panel on Contaminants in the Food Chain. The EFSA Journal (2008) 725, S. 41.
  14. ↑ Omar S. Usmani et al.: Theobromine inhibits sensory nerve activation and cough. In: The FASEB Journal: Official Publication of the Federation of American Societies for Experimental Biology. 19, Nr. 2, Februar 2005, S. 231–233. PMID 15548587. Abgerufen am 6. April 2010.
  15. ↑ Chocolate could be cough medicine. In: BBC-News vom 25. November 2004.
  16. ↑ Reinhard Matissek, Gabriele Steiner: Lebensmittelanalytik: GrundzĂŒge, Methoden, Anwendungen. 3. Auflage, Springer, 2005, ISBN 978-3-540-62513-1, S. 181–184.
  17. ↑ [1]Kommentar zum Arzneimittelgesetz (AMG), pp. 64-66, Erwin Deutsch, Hans-Dieter Lippert (2010, Springer)
  18. ↑ [2] ArzneimittelG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1
  19. ↑ [3]Strafrecht: Handel mit Gamma-Butyrolacton (GBL; liquid ecstasy) zu Konsumzwecken
  20. ↑ [4]BGH-Urteil vom 8. Dezember 2009 (Aktenzeichen: 1 StR 277/09), 'Das unerlaubte Inverkehrbringen von Gamma-Butyrolacton (GBL) zu Konsumzwecken ist nach dem Arzneimittelgesetz strafbar.'
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