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Theodor Eicke (* 17. Oktober 1892 in Hampont, Lothringen; â 26. Februar 1943 bei Michailowka, sĂŒdlich von Charkow) war SS-ObergruppenfĂŒhrer und General der Waffen-SS. Als Kommandant des KZ Dachau und Inspekteur der Konzentrationslager war er maĂgeblich am Aufbau des deutschen Konzentrationslagersystems beteiligt. Im Zweiten Weltkrieg war Eicke Kommandeur der SS-Division âTotenkopfâ, die aus den WachverbĂ€nden der Konzentrationslager entstanden war.
Inhaltsverzeichnis |
Theodor Eicke wurde als jĂŒngstes von elf Kindern eines Bahnhofsvorstehers im damals zum Deutschen Reich gehörenden Reichsland ElsaĂ-Lothringen geboren.[1] Eickes Vater wird als deutscher Patriot beschrieben, seine Mutter soll hĂ€ufig bei ihren Verwandten in Paris zu Besuch gewesen sein; Geschwister Eickes sollen im Ersten Weltkrieg auf französischer Seite gekĂ€mpft haben.[2] Eicke besuchte ab 1899 die Volks- und Realschule, verlieĂ jedoch die Schule ohne Abschluss.
1909 trat er in das 23. Bayerische Infanterieregiment in Landau als Freiwilliger ein. Beim MilitĂ€r schlug er eine Verwaltungslaufbahn ein: Ab 1. Oktober 1913 war er Zahlmeisteraspirant beim 3. Bayerischen Chevaulegersregiment in Dieuze; bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wechselte er als Unterzahlmeister zum 22. Bayerischen Infanterieregiment. 1916 wurde er zum 2. Bayerischen FuĂartillerie-Regiment versetzt, ab 1917 diente er als Zahlmeister in der 6. Ersatz-MG-Kompanie des II. Armee-Korps. Mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet, schied er Anfang 1919 infolge der Verminderung der HeeresstĂ€rke nach dem Kriegsende aus dem MilitĂ€rdienst aus.
Theodor Eicke heiratete am 26. Dezember 1914; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Ein Sohn fiel im Dezember 1941 als Leutnant wÀhrend des Zweiten Weltkrieges.
Im Zivilleben nahm Eicke ein Studium am Technikum im thĂŒringischen Ilmenau auf, musste die Ausbildung aber im September 1919 abbrechen, offenbar weil seine Schwiegereltern ihm die finanzielle UnterstĂŒtzung entzogen. Die folgenden Jahre versuchte Eicke im Polizeidienst verschiedener StĂ€dte unterzukommen: von Dezember 1919 bis Juni 1920 eine âinformatorische BeschĂ€ftigungâ[3] bei der Polizei in Ilmenau, nach einer einjĂ€hrigen Ausbildung an der Polizeischule in Cottbus eine kurzfristige BeschĂ€ftigung als OffiziersanwĂ€rter bei der Schutzpolizei in Weimar, im Herbst 1921 vorĂŒbergehend als Kriminalhilfsbeamter in Sorau und dann bis Februar 1923 als Polizeihilfsmeister in Ludwigshafen.
In spĂ€teren, in der Zeit des Nationalsozialismus entstandenen LebenslĂ€ufen fĂŒhrte Eicke seine mehrfachen Entlassungen aus dem Polizeidienst auf seine âaktive BekĂ€mpfung der Novemberrepublikâ zurĂŒck oder sah sich âdurch roten Terror hinausgedrĂ€ngtâ. Angesichts der VerhĂ€ltnisse bei der Polizei in den Anfangsjahren der Weimarer Republik ist dies nicht sehr plausibel, möglicherweise sind die GrĂŒnde in Eickes persönlichem Verhalten zu suchen.[4] Zudem war Eicke im Gegensatz zu vielen anderen bedeutenden Nationalsozialisten in dieser Zeit weder Mitglied in einer rechtsradikalen oder völkischen Organisation noch in einem der zahlreichen Freikorps.
Am 1. Februar 1923 fand Eicke eine BeschĂ€ftigung als kaufmĂ€nnischer Angestellter bei der BASF in Ludwigshafen. 1925 wurde er als âSicherheitskommissarâ stellvertretender Leiter des Sicherheitsdienstes in dem Chemieunternehmen, das 1926 Teil der I.G. Farben wurde.
| Eickes SS-RĂ€nge[5] | Ernennung |
|---|---|
| SS-Mann | 29. Juli 1930 |
| SS-OberscharfĂŒhrer | 27. November 1930 |
| SS-SturmbannfĂŒhrer | 15. Februar 1931 |
| SS-StandartenfĂŒhrer | 15. November 1931 |
| SS-OberfĂŒhrer | 21. Oktober 1932 |
| SS-BrigadefĂŒhrer | 30. Januar 1934 |
| SS-GruppenfĂŒhrer | 11. Juli 1934 |
| SS-GruppenfĂŒhrer und Generalleutnant der Waffen-SS |
14. November 1939 |
| SS-ObergruppenfĂŒhrer und General der Waffen-SS |
20. April 1942 |
Am 28. August 1928 trat Eicke der SA in Frankenthal bei. Am 1. Dezember 1928 wurde er Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnr. 114.901); Eicke gehörte zu den MitbegrĂŒndern der NSDAP in Eppstein. Am 29. Juli 1930 trat Eicke von der SA zur SS (SS-Nr. 2.921) ĂŒber.
Eicke fĂŒhrte ab 27. November 1930 den SS-Sturm 147 in Ludwigshafen, dem er schon vorher angehörte. Im FrĂŒhjahr 1931 erhielt Eicke von Sepp Dietrich den Befehl, die SS in der Vorderpfalz neu aufzubauen. Eicke fĂŒhrte diesen Auftrag âschnell und erfolgreichâ[6] aus und ĂŒbernahm die FĂŒhrung des Sturmbanns II/10 der 10. SS-Standarte. In der Folgezeit trat Eicke als Organisator der SS auch in der Westpfalz in Erscheinung, so dass ein dritter Sturmbann der Standarte gegrĂŒndet wurde. Die Ernennung zum SS-StandartenfĂŒhrer im November 1931 nahm Himmler persönlich vor.[7] 1932 fĂŒhrte Eicke das Kommando ĂŒber 1.000 der damals rund 25.000 SS-Mitglieder.
Der Aufbau der SS in der damals bayerischen Pfalz war von Konflikten mit Gauleiter Josef BĂŒrckel begleitet. BĂŒrckel, der als Eicke in âSelbstbewuĂtsein und Skrupellosigkeitâ[8] ebenbĂŒrtig geschildert wird, leitete seit 1926 den Gau Pfalz. BĂŒrckel gelang es rasch, nicht nur die NSDAP, sondern auch die SA und die SS in seinem Gau unter Kontrolle zu bekommen. Letzteres Ă€nderte sich mit Eickes Aufstieg in der SS: Eicke betonte die EigenstĂ€ndigkeit der SS und widersetzte sich den Anordnungen und Befehlen des Gauleiters.
Am 6. MĂ€rz 1932 wurde Eicke wegen eines Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz verhaftet. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden 80 Sprengkörper und die Mitgliederliste seiner SS-Standarte gefunden.[9] In Vernehmungen erklĂ€rte Eicke, die SprengsĂ€tze seien fĂŒr die Zeit nach der bald erwarteten MachtĂŒbernahme Hitlers gedacht gewesen, fĂŒr die mit einem BĂŒrgerkrieg gegen die KPD gerechnet wurde. Das Material fĂŒr die Bomben stammte aus einem Teil des Ludwigshafener I.G. Farbenwerks, in dem besonders viele NSDAP-Mitglieder beschĂ€ftigt waren. Wegen seiner Verhaftung wurde Eicke von der I.G. Farben entlassen. Er selbst baute offenbar die Bomben schon im FrĂŒhjahr 1931 zusammen. In der Nacht vom 21. zum 22. Juni 1931 zĂŒndeten rivalisierende Gruppen innerhalb der Pirmasenser NSDAP eine Bombe am Haus von Rudolf Ramm, dem damaligen Ortsgruppenleiter von Pirmasens. Eickes Vorgesetzter, SS-StandartenfĂŒhrer Fritz Berni, wurde verhaftet, wĂ€hrend Eicke acht Monate unentdeckt blieb und Berni als FĂŒhrer der SS-Standarte folgte.[10]
Im Konflikt mit Gauleiter BĂŒrckel erklĂ€rte Eicke spĂ€ter, BĂŒrckel habe ihm und Fritz Berni den Befehl fĂŒr den Bau der Bomben erteilt.[11] Ebenso fĂŒhrte er seine Verhaftung auf einen âVerratâ durch BĂŒrckel zurĂŒck. Die Herstellung der Bomben stand im Widerspruch zu Hitlers damaliger Strategie, die Macht auf legalem Wege zu erobern, wie er sie im Ulmer Reichswehrprozess im September 1930 bekundet hatte.
Am 15. Juli 1932 wurde Eicke in Pirmasens zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Tag spĂ€ter wurde ihm ein sechswöchiger Hafturlaub gewĂ€hrt: Eicke hatte seine HaftunfĂ€higkeit wegen angeblicher Nervenstörungen vorgetĂ€uscht. Er kehrte zunĂ€chst nach Ludwigshafen zurĂŒck, wo es zu neuen Konflikten mit Gauleiter BĂŒrckel kam. Anfang September 1932 erhielt Eicke den Befehl Himmlers, ĂŒber MĂŒnchen nach Italien zu flĂŒchten. In MĂŒnchen traf Himmler mit dem FlĂŒchtigen zusammen.[12]
Das faschistische Italien unter Benito Mussolini hatte fĂŒr flĂŒchtige Nationalsozialisten aus Deutschland und Ăsterreich Lager eingerichtet. Eicke ĂŒbernahm die Leitung eines solchen Lagers in Malcesine am Gardasee. Eickes Auftreten in Italien fĂŒhrte zu weiteren Konflikten. Am 4. November 1932 forderte die österreichische Landesleitung der NSDAP die Einleitung eines Verfahrens gegen Eicke wegen ParteischĂ€digung: Eicke hatte zusammen mit 30 uniformierten SS-MĂ€nnern an einer Feier zum 10. Jahrestag des Marsches auf Rom am Bozener Siegesdenkmal teilgenommen. Die österreichischen Nationalsozialisten sahen nicht nur ihre eigene Haltung in der SĂŒdtirolfrage in BedrĂ€ngnis gebracht, sondern bemĂ€ngelten auch, dass es sich um ein Denkmal fĂŒr einen italienischen Sieg ĂŒber Deutschland und Ăsterreich handele. Der Gau Rheinpfalz forderte ebenfalls ein Verfahren gegen Eicke.[13]
Auch von Italien aus informierte sich Eicke ĂŒber die VorgĂ€nge in der NSDAP der Pfalz. In zwei Briefen vom 30. Januar 1933 drohte er, auf noch versteckte Bomben zurĂŒckzugreifen, die ânicht alle fĂŒr den roten Laden, sondern auch fĂŒr die Schweine in den eigenen Reihen bestimmtâ seien. Er habe eine âMenge Feiglingeâ gedeckt, âdenen der Mut zur Verantwortung gĂ€nzlich fehlt. Diese Halunken sind immer in vorderster Reihe anzutreffen, wenn es gilt, höhere freiwerdende Posten zu besetzenâ.[14]
Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler kehrte Eicke am 16. Februar aus Italien zunĂ€chst nach ThĂŒringen zurĂŒck. Die PfĂ€lzer Gauleitung nahm Eickes Drohungen ernst: Ende des Monats erschien der stellvertretende Gauleiter Ernst Ludwig Leyser bei der Schutzpolizei und forderte fĂŒr Gauleiter BĂŒrckel und weitere fĂŒhrende Parteimitglieder Polizeischutz.[15] Als Eicke am 10. MĂ€rz 1933 nach Ludwigshafen zurĂŒckkehrte, war die Situation in der Stadt gespannt: Der radikale FlĂŒgel der Nationalsozialisten wollte die Ablösung fĂŒhrender Polizeibeamter der Stadt, auch deshalb, weil die Polizei scharf gegen SS-VerbĂ€nde vorgegangen war, die nach den Reichstagswahlen am 5. MĂ€rz aufmarschiert waren. Eicke wandte sich am 12. MĂ€rz zunĂ€chst schriftlich an Gauleiter BĂŒrckel: Er forderte die Wiederherstellung seiner âEhreâ sowie die Aufhebung seines, vom Gauleiter mehr oder weniger eigenmĂ€chtig verfĂŒgten Parteiausschlusses.[16] Am 17. MĂ€rz eskalierte die Situation: Mitglieder der SA und SS in Ludwigshafen erfuhren von Verhandlungen zwischen Vertretern der NSDAP-Kreisleitung und den strittigen Polizeibeamten. Der Verhandlungsort wurde gestĂŒrmt und die Verhandlungsteilnehmer in âSchutzhaftâ genommen. Die Gauleitung lieĂ die Schutzpolizei das GebĂ€ude unter Einsatz von berittener Polizei, Panzerwagen und TrĂ€nengas rĂ€umen und die Beteiligten festnehmen. Ob Eicke am GebĂ€udesturm selbst teilgenommen hat, ist umstritten.[17]
Vier Tage spĂ€ter wurde Eicke selbst in âSchutzhaftâ genommen. Er schilderte die Verhaftung in einem Schreiben an Himmler: âAm 21. 3. 1933, vormittags 10 Uhr, erschienen 4 Kriminalbeamte in meiner Wohnung und erklĂ€rten mich fĂŒr verhaftet. Ich griff nach meiner Pistole und erklĂ€rte, daĂ sie wohl einen toten, aber keinen lebenden Eicke aus dem Haus brĂ€chten, jedoch sei ich unter Abgabe meines Ehrenwortes bereit, Punkt 12 Uhr freiwillig im GefĂ€ngnis zu erscheinen, denn ein SS-OberfĂŒhrer lĂ€Ăt sich nicht gefangen nehmen. Nach lĂ€ngerem Ăberlegen zogen die Herren ab.â[18] Eicke reagierte auf die vermutlich von Gauleiter BĂŒrckel in die Wege geleitete Verhaftung mit einem zweitĂ€gigen Hungerstreik. Daraufhin wurde er in die âPsychiatrische und Nervenklinik der UniversitĂ€t WĂŒrzburgâ eingewiesen. Am 3. April ordnete Himmler die Streichung Eickes aus den Listen der SS an, Eicke habe sein gegebenes Ehrenwort nicht eingehalten. Himmler fĂŒhrte dies auf den zerrĂŒtteten Gesundheitszustand und einen Nervenzusammenbruch Eickes zurĂŒck.
Aus der Psychiatrie wandte sich Eicke mehrfach schriftlich an Himmler. Diese Briefe unterscheiden sich deutlich von sonstigen schriftlichen ĂuĂerungen Eickes, der normalerweise sehr spontan und ohne viel RĂŒcksicht auf Rechtschreibregeln schrieb.[19] Eicke bat um die Aufhebung seiner âSchutzhaftâ: Dies sei notwendig, âda ich als Soldat Adolf Hitlers meine Existenz verlor und nun fĂŒr meine Familie zur Schaufel greifen muĂ. Erst vor wenigen Tagen teilte mir meine Familie mit, daĂ sie ohne einen Pfennig Geld sei und sich von den restigen Winterkartoffeln ernĂ€hren muĂâ.[20] Als Reaktion auf Eickes Briefe arrangierte Himmler zunĂ€chst nur die finanzielle UnterstĂŒtzung von Eickes Familie. Eickes behandelnder Arzt, Werner Heyde, schickte am 22. April folgenden Befund an Himmler: âDie mehrwöchigen Beobachtungen und vielfachen Untersuchungen haben [âŠ] keinerlei Anzeichen einer Geistes- oder Gehirnkrankheit bei E. erkennen lassen, es sind auch nicht die Anzeigen einer abnormalen Persönlichkeitsveranlagung im Sinne der Psychopathie erkennbar gewesen. Herr E. hat sich hier musterhaft gefĂŒhrt und fiel durch sein ruhiges, beherrschtes Wesen sehr angenehm auf, er machte keinesfalls den Eindruck einer intrigierenden Persönlichkeit.â[21] Heyde trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein, nach seinen eigenen spĂ€teren Angaben auf Empfehlung von Eicke. Ab 1939 war Heyde in fĂŒhrender Funktion an der Ermordung von Kranken und Behinderten in der Aktion T4 beteiligt. Himmler antwortete Heyde am 2. Juni: âIch habe noch einmal Zeit darĂŒber verstreichen lassen mĂŒssen, da die Beruhigung in Ludwigshafen noch nicht vor sich gegangen ist. Persönlich bin ich ĂŒberzeugt, dass Eicke vom Gau Pfalz manches Unrecht geschehen ist [âŠ]. Ich gebe gern mein EinverstĂ€ndnis, dass Eicke zu Pfingsten aus der Klinik entlassen wird, doch ich bitte Sie, Eicke zuzureden, dass er fĂŒr die Zeit, die er noch in Ludwigshafen zubringt, absolut sich still verhĂ€lt [âŠ]. Ich habe vor, Eicke in irgend einer, möglichst Staatsstellung zu verwenden, bloss darf er mir die Sache nicht zu schwer und unmöglich machen.â[22]
âHimmler bestimmte am 26. Juni 1933 einen Mann zum Kommandanten in Dachau, der zu diesem Zeitpunkt â gemessen an bĂŒrgerlichen Karrierevorstellungen und auch aus der Perspektive der SS â als gescheiterte Persönlichkeit galt: einen erwerbslosen, vorbestraften Psychiatriepatienten, der wegen diverser Querelen innerhalb der SS aus deren Listen gestrichen war, Theodor Eicke. Himmler gab Eicke eine Chance, sich zu rehabilitieren, weil er sich fĂŒr die âalten KĂ€mpferâ verantwortlich fĂŒhlte. Eicke nutzte diese, erwies sich als personalpolitischer GlĂŒcksgriff.â
â Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS.[23]
Am 22. MĂ€rz 1933 waren die ersten HĂ€ftlinge im KZ Dachau eingetroffen.[24] Unter dem ersten Lagerkommandanten Hilmar WĂ€ckerle kam es zu einer Reihe von Morden an HĂ€ftlingen durch die SS, die Ermittlungen der bayerischen Justiz auch gegen WĂ€ckerle nach sich zogen. Himmler versuchte in seinen Funktionen als MĂŒnchner PolizeiprĂ€sident und Politischer Polizeikommandeur fĂŒr Bayern, die Ermittlungen zu behindern; eine der von ihm dabei angewandten Methoden war der Austausch des Kommandanten WĂ€ckerle durch Eicke.
Eicke entwickelte in kurzer Zeit das âDachauer Modellâ: Es lĂ€sst sich âals Versuch beschreiben, den Terror zu systematisieren und zu zentralisierenâ.[25] Die frĂŒhen Konzentrationslager waren regional sehr unterschiedlich, von einem groĂen MaĂ an Improvisation geprĂ€gt, die Gefangenen waren der WillkĂŒr und dem Sadismus der Bewacher ausgesetzt, die Ăffentlichkeit war durch Presseberichte zumindest teilweise ĂŒber die ZustĂ€nde in den Lagern informiert. Eicke erlieĂ im Oktober 1933 die âDisziplinar- und Strafordnung fĂŒr das Gefangenenlagerâ und eine Dienstvorschrift fĂŒr Wachposten: Diesen wurde Straffreiheit zugesichert, wenn sie einen HĂ€ftling bei einem Fluchtversuch erschossen. Durch die strikte Unterbindung von Fluchten schottete Eicke das Lager nach auĂen gleichermaĂen gegen die Justiz wie gegen die Ăffentlichkeit ab. Zu den möglichen Strafen gehörten Essensentzug, Postsperre, Dunkelhaft, PrĂŒgelstrafe, PfahlhĂ€ngen und die Todesstrafe. Die Lagerordnung erweckte den Eindruck eines genau geregelten Strafkatalogs, fĂŒr die HĂ€ftlinge Ă€nderte sich jedoch wenig: Die Dienstvorschrift fĂŒr Wachposten untersagte zwar die spontane Bestrafung durch die Wachposten, diese waren aber gehalten, âVergehenâ der HĂ€ftlinge der Lagerleitung zu melden. Die Bestrafung erfolgte ohne ĂberprĂŒfung der Beschuldigungen, aber unter zentraler Kontrolle. Auch unter Eicke gingen die Morde in Dachau weiter, teilweise soll Eicke persönlich an Morden beteiligt gewesen sein.
Von Eicke stammte auch das in Dachau zuerst eingefĂŒhrte Modell der Lagerverwaltung: An der Spitze stand der Lagerkommandant, der fĂŒr die Sicherheit des Konzentrationslagers verantwortlich war. Ihm unterstand ein in mehrere Abteilungen untergliederter Kommandanturstab; getrennt hiervon war die Wachtruppe, die je nach GröĂe des Konzentrationslagers eine unterschiedliche Anzahl von Wachkompanien umfasste.
WĂ€hrend des sogenannten âRöhm-Putschesâ, der von Hitler befohlenen und zwischen dem 30. Juni und 2. Juli 1934 vollzogenen Ermordung der SA-FĂŒhrung und anderer Konkurrenten um die Macht oder sonstwie unliebsamer Personen, war Eicke teils direkt und teils indirekt an zahlreichen Morden beteiligt.[26] Am 30. Juni reiste Eicke vom KZ Lichtenburg, mit dessen Reorganisation er zu dieser Zeit befasst war, nach Berlin und von dort ins KZ Dachau. Einige Indizien sprechen dafĂŒr, dass er wĂ€hrend seines Aufenthaltes in Berlin den ehemaligen Reichsorganisationsleiter der NSDAP Gregor Strasser im Keller des Geheimen Staatspolizeiamtes erschoss. Unter anderem erklĂ€rte der ehemalige Oranienburg-HĂ€ftling Elfterwalde spĂ€ter, Eicke habe sich ihm gegenĂŒber im Juli 1934 der Tat gerĂŒhmt.[27]
Im KZ Dachau und in dessen Umgebung ermordete die SS nach Eickes Ankunft 20 Menschen: Am frĂŒhen Abend des 30. Juni wurde der ehemalige bayerische MinisterprĂ€sident Gustav Ritter von Kahr in Dachau eingeliefert und auf Befehl Eickes im Arrestraum der Kommandantur erschossen. Ebenfalls im Arrestbereich wurde der aufgrund einer Verwechselung nach Dachau verschleppte Musikkritiker Wilhelm Eduard Schmid erschossen. In der Nacht zum 1. Juli wurden der antinazistische Journalist Fritz Gerlich und der in Ungnade gefallene ehemalige Frontbann-FĂŒhrer Paul Röhrbein auf dem SchieĂstand von Dachau erschossen, wĂ€hrend Ernestine Zoref am Rand des Lagers erschossen wurde. In den WĂ€ldern auĂerhalb von Dachau wurden in derselben Nacht der ehemalige Bayernbund-FĂŒhrer Otto Ballerstedt und der Leiter des MĂŒnchener Studentenwerkes Fritz Beck umgebracht.
Am frĂŒhen Abend des 1. Juli fuhr Eicke auf persönliche Weisung Hitlers in das GefĂ€ngnis MĂŒnchen-Stadelheim, um den am Tag zuvor von Hitler verhafteten Ernst Röhm zu erschieĂen: Nachdem er sich zusammen mit dem FĂŒhrer der Dachauer Wachtruppe Michel Lippert Zugang zu Röhm verschafft hatte, gab er diesem auf Hitlers Wunsch Gelegenheit zum Suizid mit einer Pistole, die Röhm aber nicht nutzte. Ăber den weiteren Ablauf gibt es unterschiedliche Darstellungen: WĂ€hrend Lippert 1957 vor Gericht behauptete, Eicke habe Röhm alleine erschossen, erklĂ€rte ein GefĂ€ngniswĂ€rter, Eicke habe die SchĂŒsse zusammen mit Lippert abgefeuert. AnschlieĂend lieĂ Eicke sich vier weitere HĂ€ftlinge aus Stadelheim aushĂ€ndigen (Hans Schweighart, Max Vogel, Edmund Paul Neumayer und Erich Schiweck), die er nach Dachau ĂŒberfĂŒhren und dort erschieĂen lieĂ. Am frĂŒhen Morgen des 2. Juli lieĂ er dann noch drei weitere HĂ€ftlinge aus Stadelheim in Dachau exekutieren (Martin SchĂ€tzl, Johann König und Julius Uhl).[28] Ferner starben am 1. Juli in Dachau die politischen HĂ€ftlinge Julius Adler, Erich Gans, Walter HĂ€bich und Adam Hereth, wĂ€hrend der Journalist Bernhard Stempfle in der Nacht zum 2. Juli nahe dem Lager getötet wurde.
Himmler hatte â ausgehend von seinen Funktionen in Bayern â nach und nach die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die politische Polizei der LĂ€nder in seiner Person vereinen können; im April 1934 ĂŒbernahm er von Göring auch die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Gestapo in PreuĂen.[29] Ende Mai 1934 beauftragte Himmler Eicke mit der Reorganisation des KZ Lichtenburg. Schrittweise ĂŒbernahm Eicke weitere Lager: Anfang Juli das bald aufgelöste KZ Oranienburg, ebenfalls im Juli das KZ Esterwegen im Emsland und zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt das KZ Sachsenburg. Alle beibehaltenen Lager reorganisierte Eicke nach dem âDachauer Modellâ, die Dachauer Lagerordnung wurde mit geringfĂŒgigen Ănderungen ĂŒbernommen.
Schon Ende Mai 1934 bezeichnete sich Eicke selbst als âInspekteur der Konzentrationslagerâ. Am 20. Juni 1934 wurde er als Kommandeur des KZ Dachau abgelöst und Himmlers Stab als ReichsfĂŒhrer-SS zugeordnet. Am 10. Dezember 1934 wurde die Inspektion der Konzentrationslager (IKL) gebildet; als Dienststelle der Gestapo wurde sie eine staatliche Einrichtung.[30] Eicke wurde Leiter der Inspektion, die zunĂ€chst im Gestapo-GebĂ€ude in der Berliner Prinz-Albrecht-StraĂe 8 untergebracht war. Die IKL blieb eine kleine Dienststelle, Ende 1935 zĂ€hlte sie elf, Ende 1938 waren es 45 Mitarbeiter. Seinen Mitarbeitern ĂŒberlieĂ Eicke bei Routineangelegenheiten viel Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Ab 1934 entstanden verschiedene Abteilungen der IKL, von besonderer Bedeutung waren dabei die politische Abteilung (ab 1937 unter Arthur Liebehenschel), die Verwaltungsabteilung (ab 1936 geleitet von Anton Kaindl) und der âLeitende Arztâ (zunĂ€chst Friedrich Dermietzel, ab 1937 Karl Genzken). Wichtigster Mitarbeiter Eickes war ab 1936 Richard GlĂŒcks als StabsfĂŒhrer und Stellvertreter Eickes. Die IKL entschied dabei ĂŒber die Haftbedingungen in den Konzentrationslagern, wĂ€hrend die Gestapo fĂŒr die Einweisung der HĂ€ftlinge zustĂ€ndig war. Die Zusammenarbeit Eickes mit Reinhard Heydrich und Werner Best von der Gestapo verlief dabei weitgehend reibungslos, auch wenn sich Eicke im August 1936 bei Himmler ĂŒber Best beschwerte.[31]
Zwischen 1935 und 1937 reorganisierte Eicke im Auftrag Himmlers die der IKL unterstellten Konzentrationslager:[32] Alle vorhandenen kleineren Lager wurden aufgelöst. Einzige Ausnahme war das KZ Dachau, das im Sommer 1937 erheblich erweitert wurde. Anstelle der aufgelösten, in vorhandenen GebĂ€uden untergebrachten Lager entstanden zwei groĂe Neubauten, denen Kasernen der SS-WachverbĂ€nde angegliedert waren: Im Sommer 1936 wurde das KZ Sachsenhausen eröffnet, in dessen NĂ€he im August 1938 auch die IKL angesiedelt wurde. Im Sommer 1937 wurde das KZ Buchenwald in der NĂ€he von Weimar errichtet. Mit Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald gab es Ende 1937 drei groĂe Lager fĂŒr insgesamt 15.000 bis 20.000 HĂ€ftlinge.
Im August 1938 wurde der Sitz der IKL von Berlin ins KZ Sachsenhausen verlegt. Im Juni 1939 bezog Eicke dort eine Villa, die als Dienstwohnung mit EmpfangsrÀumen eingerichtet war.[33]
Ab 1937 konzentrierte sich Eicke auf seine Funktion als FĂŒhrer der SS-TotenkopfverbĂ€nde, seine Aufgaben in der IKL ĂŒbernahm schrittweise Richard GlĂŒcks, der am 15. November 1939 auch formell âInspekteur der Konzentrationslagerâ wurde.[34] GlĂŒcks Ă€nderte wenig an den von Eicke geschaffenen Strukturen, im Zweifel suchte er Eickes Rat.
Jedem Konzentrationslager, das ab 1934 der IKL unterstand, war ein SS-Wachverband zugeordnet; spĂ€testens ab MĂ€rz 1935 war Eicke âInspekteur der WachverbĂ€ndeâ.[35] Ab dem 29. MĂ€rz 1936[36] trug Eicke den Titel âFĂŒhrer der SS-TotenkopfverbĂ€ndeâ. In diesen Funktionen war Eicke dem SS-Hauptamt und damit Himmler als ReichsfĂŒhrer der SS unterstellt; als âInspekteur der Konzentrationslagerâ war er hingegen der Gestapo und damit Himmler als Polizeichef zugeordnet. Die doppelte Unterstellung â einerseits Teil der SS, andererseits dem staatlichen Apparat angegliedert â wurde von Eicke vermengt; er setzte sie zur Absicherung und zum Ausbau des eigenen Machtbereichs ein.[37]
Zu den AnfĂ€ngen der SS-WachverbĂ€nde Ă€uĂerte sich Eicke im August 1936 rĂŒckblickend: âDie SS-TotenkopfverbĂ€nde sind aus einer korrupten Wachabteilung von knapp 120 Mann von Dachau ausgehend im Herbst 1934 entstanden. Es gab Zeiten, wo kein Rock, kein Stiefel und kein Strumpf vorhanden waren. [âŠ] Wir galten allgemein als notwendiges Ăbel, das nur Geld kostet: unscheinbare MĂ€nner hinter Stacheldraht. [âŠ] Untreue, Unterschlagung und Korruption habe ich angetroffen. Binnen vier Wochen habe ich rund 60 Mann deshalb entlassen mĂŒssen.â[38] Mit der Ăbernahme der Konzentrationslager 1934 verband Eicke oft die Auswechslung des fĂŒhrenden Personals; zu Lagerkommandanten wurden hĂ€ufig âalte KĂ€mpferâ ernannt, die sich bereits vor der Machtergreifung fĂŒr die Nationalsozialisten engagiert hatten. Mehrere Personalentscheidungen Eickes mussten spĂ€ter revidiert werden, weil sich neue Lagerkommandanten wie Hans Helwig im KZ Sachsenhausen als ungeeignet erwiesen.[39]
Ausgehend von den Erfahrungen bei der Bewachung der Konzentrationslager zwischen 1933 und 1936 entwickelte Eicke eine Ausbildung der WachverbĂ€nde, die heute als âDachauer Schuleâ bezeichnet wird.[40] Nach HĂ€ftlingsberichten waren die tĂ€glichen Kontrollen dann von besonderer BrutalitĂ€t gekennzeichnet, wenn ein âNeuerâ zum âAnlernenâ mit dabei war. Dieser wurde gezielt zu Misshandlungen aufgefordert, hatte oft Hemmungen, die er meist ablegte, wenn er von seinen Vorgesetzten als âFeiglingâ bezeichnet worden war. Auf diese Weise gewöhnte Eicke die SS-MĂ€nner gezielt daran, Gewalt auszuĂŒben. Hierzu gehörte auch der Vollzug der PrĂŒgelstrafe und das eigenhĂ€ndige Foltern oder Töten von HĂ€ftlingen. Die Behandlung der HĂ€ftlinge legitimierte Eicke mit den âInteressen des Vaterlandesâ und mit einem Feindbild, das die angebliche GefĂ€hrlichkeit der HĂ€ftlinge betonte. âToleranz bedeutet SchwĂ€che. Aus dieser Erkenntnis heraus wird dort rĂŒcksichtslos zugegriffen werden, wo es im Interesse des Vaterlandes notwendig erscheintâ, hieĂ es in Eickes Dachauer Lagerordnung von 1933.[41] Von den FĂŒhrern in den Konzentrationslagern erwartete Eicke, dass sie ein âmitreiĂendes Vorbildâ und eine âAutoritĂ€tâ darstellen, sonst entwickle sich ein Konzentrationslager âsehr bald zu einem gefĂ€hrlichen PulverfaĂ, welches durch die TĂŒcke der Verbrecher fast tĂ€glich zur Explosion zu bringen versucht wirdâ.[42] Ab 1936 stand bei der Besetzung von FĂŒhrungspositionen nicht mehr die Versorgung âalter KĂ€mpferâ im Vordergrund, entscheidend war die von Eicke definierte âBefĂ€higungâ zum Dienst in den Konzentrationslagern. Zu denen, die die âDachauer Schuleâ durchliefen und dann wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges Kommandanten von Konzentrationslagern wurden, gehörten Rudolf HöĂ, Paul Werner Hoppe, Josef Kramer, Richard Baer und Martin Gottfried WeiĂ.
Innerhalb der TotenkopfverbĂ€nde wechselten sich eine Woche Wachdienst in den Konzentrationslagern mit drei Wochen militĂ€rischer und politischer Schulung ab.[43] Ziel der Schulungen war fĂŒr Eicke ein âpolitischer Soldatâ; Themen der politischen Schulungen waren Geschichte und Parteiprogramm der NSDAP, Geschichte und rassische Ăberzeugungen der SS sowie die Analyse der Feinde des Nationalsozialismus: Juden, Freimaurer, der Bolschewismus und die Kirchen. Besonderen Wert legte Eicke auf Korpsgeist und Kameradschaft innerhalb der TotenkopfverbĂ€nde. Bei seinen regelmĂ€Ăigen Besuchen der Konzentrationslager redete Eicke mit den einfachen Dienstgraden in Abwesenheit der direkten Vorgesetzten. SS-FĂŒhrer forderte er auf, gelegentlich in der Kantine der Mannschaften zu essen.
Aus der Definition der KZ-HĂ€ftlinge als gefĂ€hrliche Staatsfeinde entstand Eickes Vorstellung, die TotenkopfverbĂ€nde seien eine Elite innerhalb der sich selbst als Elite verstehenden SS.[44] Nur einer solchen Elite könne die Bewachung der gefĂ€hrlichsten Feinde des Staates anvertraut werden. Das SelbstverstĂ€ndnis als âpolitischer Soldatâ brach dabei â mehr als in anderen Teilen der spĂ€teren Waffen-SS â mit militĂ€rischen Traditionen des Offizierskorps: âDer höchste SS-FĂŒhrer ist gut genug, um sich neben den jĂŒngsten SS-Mann im Kameradschaftsheim oder in der Mannschaftsstube an den gleichen Tisch zu setzenâ, so Eicke in einem Befehl.[45] In Organisationsfragen wurde auf das Vorbild des MilitĂ€rs zurĂŒckgegriffen. Seine Leistungen beim Aufbau der TotenkopfverbĂ€nde stellte Eicke im August 1936 in einen Schreiben an Himmler heraus.[46] Anlass des Schreibens waren GerĂŒchte innerhalb der SS, wonach die TotenkopfverbĂ€nde Eickes FĂŒhrung entzogen und den SS-Oberabschnitten unterstellt werden sollten.
Die TotenkopfverbĂ€nde waren anfĂ€nglich in fĂŒnf Sturmbanne gegliedert, die parallel zu den Konzentrationslagern organisiert waren.[47] Im Sommer 1937 wurden die TotenkopfverbĂ€nde in den drei Standarten âOberbayernâ, âBrandenburgâ und âThĂŒringenâ zusammengefasst, die den Hauptlagern Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald zugeordnet waren. Gleichzeitig nahm die StĂ€rke der TotenkopfverbĂ€nde zu: Anfang 1935 waren es etwa 2.000, Ende 1937 knapp 5.000 und Ende 1938 ungefĂ€hr 9.000 Mann. Ein Erlass Hitlers vom 17. August 1938 beschrieb die Aufgabe der TotenkopfverbĂ€nde als die âLösung von Sonderaufgaben polizeilicher Naturâ. Ein zweiter Erlass vom 18. Mai 1939 legte fĂŒr den Mobilmachungsfall fest, dass die TotenkopfverbĂ€nde den Ersatz fĂŒr AusfĂ€lle der SS-VerfĂŒgungstruppe stellen sollten. Damit hatten die TotenkopfverbĂ€nde auch eine militĂ€rische Funktion ĂŒbernommen.
Nach dem deutschen Angriff auf Polen fĂŒhrte Eicke am 7. September 1939 Standarten der TotenkopfverbĂ€nde nach Polen.[48] Die Standarten operierten in Verbindung mit SS-Einsatzgruppen im rĂŒckwĂ€rtigen Heeresgebiet. Eingesetzt wurden die Standarten in den von der 8. und 10. Armee eroberten polnischen Gebieten, ihre Aufgaben waren âSĂ€uberungs- und SicherheitsmaĂnahmenâ: Hierzu zĂ€hlte nach einem erhaltenen TĂ€tigkeitsbericht die Gefangennahme und standrechtliche ErschieĂung von âPlĂŒnderernâ und âInsurgentenâ. Andere Menschen â Juden und Polen â wurden bei angeblichen Fluchtversuchen erschossen. Einheiten der TotenkopfverbĂ€nde waren an MassenerschieĂungen in Bromberg beteiligt; in WĆocĆawek plĂŒnderten sie jĂŒdische LĂ€den, zerstörten die Synagoge und erschossen fĂŒhrende Mitglieder der jĂŒdischen Gemeinde. Eicke leitete die Aktionen der TotenkopfverbĂ€nde von Hitlers Sonderzug aus; vom 10. September bis zum 1. Oktober 1939 war er hierfĂŒr der âHöhere SS- und PolizeifĂŒhrerâ (HSSPF) Ost in Krakau.
Am 16. Oktober 1939 wurde Eicke beauftragt, aus den TotenkopfverbĂ€nden eine SS-Division aufzustellen, die dann Teil der Waffen-SS wurde.[49] Zur Ausbildung der Totenkopfdivision wurde ab Oktober 1939 das GelĂ€nde des Konzentrationslagers Dachau benutzt, die dortigen HĂ€ftlinge wurden auf andere Konzentrationslager verteilt. Im Dezember 1939 wurde die SS-Totenkopfdivision in den Raum Ludwigsburg-Heilbronn, im MĂ€rz 1940 nach Korbach bei Kassel verlegt. Die AusrĂŒstung der Division bereitete Eicke anfĂ€nglich erhebliche Probleme, da sich die Wehrmacht erst im FrĂŒhjahr 1940 bereit zeigte, militĂ€risches GerĂ€t in gröĂeren Mengen zur VerfĂŒgung zu stellen. Er griff daher zunĂ€chst auf VorrĂ€te der SS insbesondere in den Konzentrationslagern zurĂŒck; âbald galt er als der originellste, findigste â und erfolgreichste â Dieb von Waffen, VorrĂ€ten und AusrĂŒstung in der SSâ.[50] Die Totenkopfdivision war auf eine SollstĂ€rke von 15.000 Mann ausgelegt; knapp die HĂ€lfte davon kam aus den drei ursprĂŒnglichen Totenkopfstandarten, die anderen waren zuvor bei der Allgemeinen SS, der Ordnungspolizei und den neueren Totenkopfeinheiten. ZunĂ€chst gab es erhebliche Probleme mit der Disziplin der neuen Rekruten, auf die Eicke mit drastischen Strafen reagierte. Als Divisionskommandeur war er nach dem MilitĂ€rstrafrecht der Gerichtsherr und die letzte Instanz. Zu den verhĂ€ngten Strafen gehörte die Versetzung als WachmĂ€nner in die Konzentrationslager, auch Einweisungen in ein KZ als HĂ€ftling wurden praktiziert. Eicke fĂŒhrte eine doppelte Zensur der Feldpost ein; Mitteilungen ĂŒber MissstĂ€nde innerhalb der Division wurden als Geheimnisverrat angesehen.
Besondere Bedeutung maĂ Eicke der weltanschaulichen Schulung seiner Soldaten bei.[51] Eicke baute dabei auf dem in den Konzentrationslagern entwickelten Feindbild auf; der âinnere Feindâ, die KZ-HĂ€ftlinge, wurde ersetzt durch den âĂ€uĂeren Feindâ, der als âjĂŒdisch-bolschewistischer Untermenschâ das deutsche Volk vernichten wolle. Das vorhandene Elitebewusstsein wurde ergĂ€nzt durch militĂ€rische Tugenden wie Selbstaufopferung, Verachtung von Feigheit und Entbehrungen und die Verherrlichung des Kriegstodes. FĂŒr komplexe Theorien ĂŒber militĂ€rische Operationen interessierte sich Eicke nicht; er setzte auf einen konzentrierten Einsatz aller verfĂŒgbaren Soldaten, Waffen und Fahrzeuge an vorderster Front und auf Angriffe, die mit Fanatismus und HĂ€rte vorgetragen wurden.
Beim deutschen Angriff im Westen am 10. Mai 1940 befand sich die âTotenkopfâ-Division zunĂ€chst in der Reserve.[52] Eickes Division war ab dem 23. Mai am ZurĂŒckdrĂ€ngen alliierter KrĂ€fte Richtung DĂŒnkirchen beteiligt: Die âTotenkopfâ-Division erlitt dabei erhebliche Verluste, als sie bei BĂ©thune den La-BassĂ©e-Kanal ĂŒberqueren wollte. Eicke hatte entgegen den ihm gegebenen Befehlen eine sofortige Ăberquerung des Kanals versucht. Nach einer Ruhepause in Boulogne wurde die Division beim VorstoĂ in den SĂŒden Frankreichs eingesetzt.
Eine Einheit der âTotenkopfâ-Division war am 27. Mai am Massaker von Le Paradis beteiligt, bei dem etwa 100 britische Soldaten, die sich zuvor ergeben hatten, mit mehreren Handgranaten und zwei schweren Maschinengewehren ermordet wurden.[53] Die Ermordung der britischen Soldaten stand im Widerspruch zu ausdrĂŒcklichen Befehlen der Wehrmacht, der verantwortliche SS-ObersturmfĂŒhrer Fritz Knöchlein wurde wĂ€hrend des Krieges nicht zur Rechenschaft gezogen. Knöchlein wurde nach Kriegsende auf Grund der Aussagen zweier Ăberlebender zum Tode verurteilt und hingerichtet. Tagesmeldungen der Division lassen zudem vermuten, dass marokkanische Soldaten in französischen Einheiten nicht gefangen genommen, sondern getötet wurden.[54]
Nach dem Waffenstillstand am 22. Juni diente die âTotenkopfâ-Division als Besatzungstruppe in Avallon und im Gebiet von Bordeaux.[55] Eicke nutzte die Zeit zur ideologischen Schulung, zur verbesserten AusrĂŒstung und zum Training seiner Einheit. Ein Schwerpunkt der Ausbildung war ab November 1940 die mobile KriegsfĂŒhrung in ausgedehnten und offenen Gebieten und die rasche Verlegung der Division ĂŒber gröĂere Entfernungen.
Gleichzeitig entwickelten sich zwischen Himmler und Eicke Konflikte. Eicke sah auch die âTotenkopfâ-Division als Elite innerhalb der elitĂ€ren SS; mehrfach schickte er SS-Mitglieder, die seiner Meinung nach ârassisch minderwertigâ waren, als fĂŒr seine Division ungeeignet zurĂŒck. Weiterhin griff Eicke eigenmĂ€chtig auf Nachschubdepots der SS zurĂŒck, insbesondere solche in den Konzentrationslagern. Himmler war zu dieser Zeit bemĂŒht, eine einheitliche Befehlsgewalt ĂŒber die sich rasch vergröĂernde Waffen-SS in die eigene Hand zu bekommen. Als Eicke ĂŒber den Regimentskommandeur Matthias Kleinheisterkamp wegen angeblicher Befehlsverweigerung Hausarrest verhĂ€ngte, wandte sich Himmler am 30. Januar 1941 schriftlich an Eicke: âEine Unmöglichkeit ist es aber, einen Regimentskommandeur wegen einer Kleinigkeit zu bestrafen und diese Strafe zum Gaudium aller im Divisionsbefehl bekanntzugeben. Noch wahnsinniger ist die Bekanntgabe von Bestrafungen von SS-FĂŒhrern, weil sie geschlechtskrank geworden sind. Lieber Eicke, wenn ich so etwas lese, zweifele ich an Ihrem Verstand. Und hier sind die Augenblicke, in denen ich zweifle, ob Sie wirklich eine Division fĂŒhren können. Kommen Sie mir nun nicht damit, dass irgend jemand Sie bei mir angeschossen hat. Erstens neige ich nicht dazu, auf Intrigen zu hören, und zweitens haben Sie ja derartige wahnsinnige Dinge selbst im Divisionsbefehl niedergelegt.â [56]
Anfang Juni 1941 wurde die âTotenkopfâ-Division nach Marienwerder bei Danzig verlegt.[57] Beim Angriff auf die Sowjetunion war die Division der Heeresgruppe Nord zugeteilt. Ab dem 25. Juni 1941 durchkĂ€mmte die âTotenkopfâ-Division WĂ€lder in der Umgebung des litauischen Jurbarkas nach den Resten sowjetischer Einheiten, die am ersten Tag des Krieges an der Grenze zerschlagen worden waren. Anfang Juli stieĂ die Division bei Opotschka an der Stalin-Linie auf erbitterten Widerstand. Am 11. Juli hatte die âTotenkopfâ-Division bei einer anfĂ€nglichen StĂ€rke von 17.400 Mann etwa 1.700 Gefallene, Vermisste oder Verwundete zu verzeichnen. Am 7. Juli wurde Eicke am rechten FuĂ verwundet, als sein Befehlswagen auf eine Landmine auffuhr. Eicke wurde ausgeflogen und zuerst in die Berliner CharitĂ© eingeliefert; spĂ€ter hielt er sich in seiner Villa in der NĂ€he des KZ Sachsenhausen auf.
Ende Juli oder Anfang August nahm Eicke an einer Besprechung im KZ Sachsenhausen teil, bei der die Ermordung der âpolitischen Kommissareâ der Roten Armee geplant wurde.[58] GemÀà dem Kommissarbefehl waren alle in Gefangenschaft geratenen Kommissare zu ermorden; Reinhard Heydrich hatte im Juli festgelegt, dass die Kommissare aus den Kriegsgefangenenlagern auszusondern und im nĂ€chstgelegenen Konzentrationslager zu exekutieren seien. Nach spĂ€teren Aussagen von Teilnehmern der Besprechung hielt Eicke die einleitende Rede, in der er die Exekutionen als Vergeltung fĂŒr die ErschieĂung deutscher Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft rechtfertigte. Die âInspektion der Konzentrationslagerâ (IKL) koordinierte die Morde innerhalb des Systems der Konzentrationslager; zum Zeitpunkt der Besprechung hatte Eicke keinerlei ZustĂ€ndigkeiten innerhalb der IKL. Das Verfahren der Exekutionen wurde in der Besprechung festgelegt: In mehreren Konzentrationslagern wurde eine Genickschussanlage gebaut, in der die Kommissare von einem Nebenraum durch einen schmalen Spalt in der Wand erschossen wurden. Den Opfern wurde dabei Ă€hnlich wie bei der Aktion 14f13 eine Ă€rztliche Untersuchung vorgetĂ€uscht. Mitte September inspizierte Eicke zusammen mit einer Gruppe von 25 höheren SS-FĂŒhrern eine der Exekutionen im KZ Sachsenhausen.
Als Eicke am 21. September an die Front zurĂŒckkehrte, war die deutsche Offensive zum Stillstand gekommen.[59] Die âTotenkopfâ-Division befand sich in einem sumpfigen Gebiet sĂŒdwestlich des Ilmensees, fĂŒr das die gut motorisierte Einheit kaum geeignet war. In Eickes Abwesenheit hatte sich der Zustand der Division erheblich verschlechtert; andere SS-Einheiten hatten die Versetzung von Offizieren und Unteroffizieren der âTotenkopfâ-Division veranlasst. Als Eicke den Regimentskommandanten Mathias Kleinheisterkamp eigenmĂ€chtig nach Hause schickte, schrieb Himmler am 28. November âeinen ernsten Briefâ an Eicke: âLieber Eicke, ich kann mich, nachdem ich Kleinheisterkamp gesehen habe â des Eindrucks nicht erwahren, dass, wenn hier jemand krank und mit den Nerven am Ende ist, Sie es sein mĂŒssen und nicht Kleinheisterkamp [âŠ].â[60] Himmler stellte zudem klar, dass die âTotenkopfâ-Division seinem Befehl unterstehe und Eicke keine Sonderrechte habe.
Eine Offensive der Roten Armee ab Januar 1942 fĂŒhrte am 8. Februar zur Bildung des Kessels von Demjansk, in dem ein GroĂteil der âTotenkopfâ-Division eingeschlossen wurde.[61] Innerhalb des Kessels wurden zwei gemischte Kampfgruppen aus Einheiten der âTotenkopfâ-Division und Wehrmacht gebildet; Eicke ĂŒbernahm die FĂŒhrung der gröĂeren Kampfgruppe. Die Soldaten der âTotenkopfâ-Division waren weit besser als die der Wehrmacht gegen die Temperaturen bis 40 Grad unter null geschĂŒtzt: Eicke hatte groĂe Mengen an Winterbekleidung vom Höheren SS- und PolizeifĂŒhrer in Riga, Friedrich Jeckeln, erhalten. Die Bekleidung entstammte teils den VorrĂ€ten der SS, teils dem Besitz von Juden, die in Riga ermordet worden waren. Nach anhaltenden KĂ€mpfen gelang es am 22. April, einen Versorgungskorridor zu den bei Demjansk eingekesselten Truppen herzustellen. Am 5. Mai wurde Eicke die FĂŒhrung eines Korps ĂŒbertragen, das aus SS- und Wehrmachtseinheiten, den etwa 14.000 Ăberlebenden der sechs Divisionen aus dem Kessel von Demjansk, bestand. Eicke bemĂŒhte sich mehrfach weitgehend erfolglos bei Himmler, seiner Division eine Ruhepause zu verschaffen oder Ersatzleute und zusĂ€tzliche AusrĂŒstung zu erhalten. Im Sommer 1942 waren Einheiten der âTotenkopfâ-Division an der Selektierung von russischen Kriegsgefangenen beteiligt, die dann zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt wurden.[62] Erhaltene Akten der Division belegen, dass der âKommissarbefehlâ zumindest im ersten Jahr nach dem Angriff auf die Sowjetunion konsequent umgesetzt wurde.
Am 26. Dezember 1941 war Eicke das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden, am 20. April 1942 erhielt er das Eichenlaub dazu. Die Verleihung des Eichenlaubes nahm Hitler am 26. Juni vor.[63] Nach Eickes eigenen Angaben soll Hitler dabei die Verlegung der âTotenkopfâ-Division nach Frankreich fĂŒr August zugesagt haben. Im Juli und August war Eicke in Deutschland im Urlaub. In dieser Zeit wurde die âTotenkopfâ-Division vom damaligen SS-BrigadefĂŒhrer Max Simon gefĂŒhrt. Immer noch in einem exponierten Frontabschnitt bei Demjansk eingesetzt, erlitt die Division weitere schwere Verluste. Die endgĂŒltige Entscheidung ĂŒber die Neuaufstellung der âTotenkopfâ-Division fiel am 26. August; die letzten Einheiten wurden in der ersten OktoberhĂ€lfte aus Demjansk abgezogen. In dieser Zeit pendelte Eicke zwischen Deutschland und Demjansk, da im Sennelager bei Paderborn bereits Rekruten fĂŒr die Neuaufstellung der Division ausgebildet wurden.
Ende Oktober 1942 wurden alte und neue Teile der Division zur Neuaufstellung im SĂŒdwesten Frankreichs zusammengefĂŒhrt.[64] Am 9. November wurde die Division in SS-Panzergrenadier-Division âTotenkopfâ umbenannt. Am 10. November beteiligte sich die Division an dem âUnternehmen Antonâ, der Besetzung des bislang nicht unter Kontrolle deutscher Truppen stehenden Teils Frankreichs. Bis 18. Dezember ĂŒbernahm die Division den KĂŒstenschutz zwischen BĂ©ziers und Montpellier. FĂŒr die Panzergrenadier-Division war eine groĂzĂŒgige Ausstattung vorgesehen, weil die VerbĂ€nde der Waffen-SS nach dem Willen von Hitler und Himmler an Krisenherden eingesetzt werden sollten. TatsĂ€chlich gab es jedoch insbesondere bei der Ausstattung mit Panzern Verzögerungen. Deshalb erreichte Eicke bei Himmler einen vierwöchigen Aufschub der fĂŒr den Jahresanfang 1943 geplanten Verlegung der Division an die Ostfront.
Am 30. Januar 1943 wurde die Panzergrenadier-Division âTotenkopfâ von Bordeaux nach Poltawa in die Ukraine verlegt.[65] Zusammen mit zwei weiteren VerbĂ€nden der Waffen-SS, den Divisionen âLeibstandarte Adolf Hitlerâ und âDas Reichâ, unter dem gemeinsamen Befehl von Paul Hausser stieĂ sie nach Pawlograd vor. Die Einheiten der Waffen-SS gingen erfolgreich gegen Truppen der Roten Armee vor, die kurz zuvor die Stadt Charkow zurĂŒckerobert hatten.
Am 26. Februar kam Eicke bei einem AufklĂ€rungsflug zu Tode, als sein Fieseler Storch durch sowjetische Flak zwischen den Dörfern Michailowka und Artelnoje abgeschossen wurde.[66] Am 1. MĂ€rz fand die Beisetzung im nahegelegenen Ort Otdochnina statt, am gleichen Tag wurde Eickes Tod öffentlich bekannt gegeben. Nach Eicke wurde ein SS-Panzergrenadier-Regiment der âTotenkopfâ-Division benannt. Bei Himmler gingen zahlreiche Beileidsschreiben ein, auch von Gauleiter BĂŒrckel: Nach den Worten von BĂŒrckel seien âhin und wieder in der Kampfzeit missverstĂ€ndliche Dingeâ zwischen ihm und Eicke vorgekommen, er sei âglĂŒcklichâ, dass diese MissverstĂ€ndnisse spĂ€ter in einem GesprĂ€ch hĂ€tten beseitigt werden können.[67] Der Völkische Beobachter veröffentlichte am 4. MĂ€rz 1943 einen ausfĂŒhrlichen Nachruf auf Eicke.[68]
Der Historiker Tom Segev kam 1977 in einer Studie ĂŒber die Kommandanten der Konzentrationslager zu folgender EinschĂ€tzung von Eickes Persönlichkeit:
âEicke [âŠ] war die Unverfrorenheit in Person und litt bestimmt nicht an mangelndem Selbstvertrauen. Die Unterlagen, die er hinterlassen hat, belegen eine bestĂ€ndige Angst, daĂ ihn irgendwo irgend jemand diskriminierte, ihn dessen beraubte, was ihm zustand, oder seine Ehre in Zweifel zog. StĂ€ndig sah er ĂŒber die Schulter, als erwarte er einen Angriff; stets war er bereit, sich zu verteidigen. In diesem Sinne fand er in der nationalsozialistischen Bewegung tatsĂ€chlich seinen richtigen Platz, da sie eine ganze Menge von Leuten dieses Schlages zu ihren Mitgliedern zĂ€hlte. Man pflegte hier ganz bewuĂt den Mythos des imaginĂ€ren Gegners, der nicht nur gegen die Sache, sondern gegen jeden einzelnen Deutschen intrigierte. [âŠ] Eicke identifizierte seinen eigenen Kampf gegen seine Widersacher mit dem allgemeinen Kampf der Bewegung [âŠ].â[69]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eicke, Theodor |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (NSDAP), MdR, SS-ObergruppenfĂŒhrer der SS-TotenkopfverbĂ€nde und General der Waffen-SS, Kommandant des KZ Dachau und Inspekteur der Konzentrationslager |
| GEBURTSDATUM | 17. Oktober 1892 |
| GEBURTSORT | Hampont, Kreis ChĂąteau-Salins in ElsaĂ-Lothringen |
| STERBEDATUM | 26. Februar 1943 |
| STERBEORT | beim Dorf Michailowka, sĂŒdlich von Charkow (Ukraine) |