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Thujon

Strukturformel
Strukturformel von Thujon
Struktur ohne Stereochemie
Allgemeines
Name Thujon
Andere Namen
  • Absinthol
  • 1-Isopropyl-4-methylbicyclo[3.1.0]hexan-3-on
  • IUPAC: 4-Methyl-1-(propan-2-yl)bicyclo[3.1.0]hexan-3-on
  • (–)-3-Isothujon
  • 3-Thujanon
  • α-Thujon
  • L-Thujon
Summenformel C10H16O
CAS-Nummer
  • 546-80-5 (α-Thujon)
  • 471-15-8 (ÎČ-Thujon)
Kurzbeschreibung

farblose FlĂŒssigkeit[1]

Eigenschaften
Molare Masse 152,24 g·mol−1
Aggregatzustand

flĂŒssig

Dichte

0,92 g·cm−3 (20 °C)[1]

Siedepunkt

200–202 °C[1]

Dampfdruck

3 hPa[2] (20 °C)

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]

(−)-α-Thujon

07 – Achtung

Achtung

H- und P-SĂ€tze H: 302
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: keine P-SĂ€tze [3]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
GesundheitsschÀdlich
Gesundheits-
schÀdlich
(Xn)
R- und S-SĂ€tze R: 22
S: keine S-SĂ€tze
LD50

500 mg·kg−1 (Ratte, oral) [1]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Unter Thujonen (Absinthol, Tanaceton) versteht man Stereoisomere des 1-Isopropyl-4-methylbicyclo[3.1.0]hexan-3-ons, es handelt sich also um bicyclische Monoterpen-Ketone, farblose FlĂŒssigkeiten mit mentholartigem Geruch. Als Bestandteil ihrer Ă€therischen Öle sind Thujone unter anderem in Thuja, Thymian, Wermut, Rainfarn, Rosmarin, Beifuß und im Echten Salbei enthalten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Struktur konnte im Jahr 1900 von Friedrich Wilhelm Semmler aufgeklÀrt werden.

Vorkommen

In der Wermutpflanze (Artemisia absinthium) kommen α- und ÎČ-Thujone vor.[4] Bei der Herstellung von Absinth werden Thujone aus den BlĂ€ttern des Wermutkrauts (Folia absinthii) oder der ganzen Pflanze (Herba absinthii) extrahiert. Thujone finden sich daneben auch in vielen anderen Artemisien und z. B. auch mit einem Anteil von bis zu 60 % in den Ă€therischen Ölen des Echten Salbeis (Salvia officinalis) und ebenfalls in der getrockneten Form des weißen Salbeis (Salvia apiana), welches u. a. zum RĂ€uchern verwendet wird. Thujaöl enthĂ€lt 40 (−)-α-Thujon, Rainfarnöl 58 % (+)-ÎČ-Thujon.[5]

Wirkungen

Thujone sind Nervengifte, die in höherer Dosierung Verwirrtheit und epileptische KrĂ€mpfe (Konvulsionen) hervorrufen können. Auch andere Symptome, wie z. B. Schwindel, Halluzinationen und Wahnvorstellungen, die nach Einnahme thujonhaltiger alkoholischer GetrĂ€nke beobachtet werden konnten, wurden diesen Wirkstoffen zugeschrieben. Ebenso werden diese GetrĂ€nke, insbesondere der Absinth, wegen einer angeblichen euphorisierenden und aphrodisierenden Wirkung beworben. Da der zulĂ€ssige Thujongehalt in alkoholischen GetrĂ€nken auf maximal 35 mg je kg begrenzt wurde und auch bei historischen Absinthen keine höheren Werte nachgewiesen werden konnten, wird die Wirkung des Absinthkonsums heutzutage eher dem Alkohol zugeschrieben.[6] Die Symptome des chronischen Absinthkonsums (Absinthismus) sind identisch denen eines Alkoholismus.[7] Eine Studie[8] im Jahr 2008 wies in Proben aus der Zeit vor dem Verbot nur Konzentrationen von durchschnittlich 25 mg/l nach. Eine psychotrope Wirkung ist bei diesen Werten Ă€ußerst unwahrscheinlich.

FĂŒr die beschriebenen konvulsiven Wirkungen der Thujone werden insbesondere GABAA-Rezeptoren verantwortlich gemacht. Als Antagonisten und Modulatoren dieser Rezeptoren hemmen Thujone die antikonvulsive Wirkung der Îł-AminobuttersĂ€ure (GABA), wenngleich mit schwacher Potenz.[9] Auch eine Desensibilisierung von 5-HT3-Rezeptoren kann an den beobachteten Effekten beteiligt sein.[10] Ein möglicher gemeinsamer Wirkmechanismus mit dem Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol ĂŒber eine Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren, der auf Grund entfernter Analogien der MolekĂŒlstruktur und klinischen Wirkungen vermutet wurde,[11] konnte hingegen nicht bestĂ€tigt werden.[12] FĂŒr den bitteren Geschmack der Thujone wird eine Aktivierung des Geschmacksrezeptors TAS2R14 verantwortlich gemacht.[13]

Gesetzliche Vorschriften

Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Durch die Aromenverordnung[14] wird der Thujongehalt in Lebensmitteln begrenzt. In GetrĂ€nken und anderen Lebensmitteln dĂŒrfen maximal 0,5 mg/kg enthalten sein. Lebensmittel, die Salbeizubereitungen enthalten, dĂŒrfen höchstens 25 mg/kg Thujone enthalten. Die Grenze in alkoholischen GetrĂ€nken (Sonderregelung) hĂ€ngt von dem Alkoholgehalt der Spirituose ab:

Branntweine:

  • maximal 5 mg/kg bei einem Alkoholgehalt bis zu 25 % Vol.
  • maximal 10 mg/kg bei einem Alkoholgehalt ĂŒber 25 % Vol.

Bitter-Spirituosen:

  • maximal 35 mg/kg bei einem Alkoholgehalt ĂŒber 25 % Vol.

Außerhalb von Lebensmitteln fĂ€llt Thujon unter die Definition von § 2 Abs. 1 des AMG, sobald es fĂŒr die Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt ist. Somit ist Herstellung und Verkauf einer Substanz nach dem AMG reguliert, unabhĂ€ngig davon in welcher Form die Substanz vorliegt, wenn sie in Bestimmung § 2 Abs. 1 erfĂŒllt.[15]'[16] Der Verkauf und die Herstellung von Arzneimitteln ohne Genehmigung ist strafbar nach AMG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1, StPO § 354a. Dies wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu der frei verfĂŒgbaren Chemikalie Butyro-1,4-lacton bestĂ€tigt, welche nach dem AMG als Arzneimittel eingestuft wird, sobald sie fĂŒr den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt ist.[17]'[18]

Die Tabakverordnung verbietet den Zusatz von Thujon zu Tabakprodukten.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g Datenblatt α-Thujon bei Carl Roth, abgerufen am 14. Dezember 2010.
  2. ↑ a b c Erowid
  3. ↑ a b Datenblatt (−)-α-Thujone bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 24. April 2011.
  4. ↑ Datenblatt α- und ÎČ-Thujon (Isomerengemisch) bei Carl Roth, abgerufen am 14. Dezember 2010.
  5. ↑ Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online – Version 3.12. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2011
  6. ↑ Olsen, R.W. (2000): Absinthe and Îł-aminobutyric acid receptors. In: Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. Bd. 97, S. 4417–4418.
  7. ↑ Padosch S.A., Lachenmeier D.W. & Kröner L.U. (2006): Absinthism: a fictitious 19th century syndrome with present impact. In: Subst. Abuse Treat. Prev. Policy. Bd. 1, S. 14.
  8. ↑ Lachenmeier D., Nathan-Maister D., Breaux T., Sohnius E.-M., Schoeberl K., Kuballa T. (2008): Chemical Composition of Vintage Preban Absinthe with Special Reference to Thujone, Fenchone, Pinocamphone, Methanol, Copper, and Antimony Concentrations J. Agric. Food Chem., 56 (9), S. 3073–3081.
  9. ↑ Hold K.M., Sirisoma N.S., Ikeda T., Narahashi T. & Casida J.E. (2000): α-thujone (the active component of absinthe): Îł-aminobutyric acid type A receptor modulation and metabolic detoxification. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A.. Bd. 97, S. 3826–3831.
  10. ↑ Deiml T., Haseneder R., ZieglgĂ€nsberger W., Rammes G., Eisensamer B., Rupprecht R. & Hapfelmeier G. (2004): α-Thujone reduces 5-HT3 receptor activity by an effect on the agonist-reduced desensitization. In: Neuropharmacology. Bd. 46, S. 192–201.
  11. ↑ del Castillo J., Anderson M. & Rubottom G.M. (1975): Marijuana, absinthe and the central nervous system. In: Nature. Bd. 253, S. 365–366.
  12. ↑ Meschler J.P. & Howlett A.C. (1999): Thujone exhibits low affinity for cannabinoid receptors but fails to evoke cannabimimetic responses. In: Pharmacol. Biochem. Behav. Bd. 62, S. 473–480.
  13. ↑ Behrens M., Brockhoff A., Kuhn C., Bufe B., Winnig M. & Meyerhof W. (2004): The human taste receptor hTAS2R14 responds to a variety of different bitter compounds. In: Biochem. Biophys. Res. Commun. Bd. 319, S. 479–485; PMID 15178431.
  14. ↑ Aromenverordnung (PDF, 33 kB)
  15. ↑ [1]Kommentar zum Arzneimittelgesetz (AMG), pp. 64-66, Erwin Deutsch, Hans-Dieter Lippert (2010, Springer)
  16. ↑ [2] ArzneimittelG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1
  17. ↑ [3]Strafrecht: Handel mit Gamma-Butyrolacton (GBL; liquid ecstasy) zu Konsumzwecken
  18. ↑ [4]BGH-Urteil vom 8. Dezember 2009 (Aktenzeichen: 1 StR 277/09), 'Das unerlaubte Inverkehrbringen von Gamma-Butyrolacton (GBL) zu Konsumzwecken ist nach dem Arzneimittelgesetz strafbar.'

Weblinks

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