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Tiger

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tiger (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Tiger
Bengaltiger (Panthera tigris tigris)

Bengaltiger (Panthera tigris tigris)

Systematik
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Panthera
Art: Tiger
Wissenschaftlicher Name
Panthera tigris
(Linnaeus, 1758)
Unterarten

Der Tiger (Panthera tigris) ist eine in Asien verbreitete Großkatze. Er ist die grĂ¶ĂŸte aller lebenden Katzenarten und aufgrund des charakteristischen dunklen Streifenmusters auf goldgelbem bis rotbraunem Grund unverwechselbar. Man unterscheidet acht bis neun Unterarten, wobei die grĂ¶ĂŸten Unterschiede zwischen den kleinen, kontrastreichen Sumatratigern und den großen, eher blass gefĂ€rbten Sibirischen Tigern bestehen. Sumatratiger erreichen eine durchschnittliche KopfrumpflĂ€nge von etwa 140 cm, eine SchwanzlĂ€nge von rund 60 cm und ein Gewicht von etwa 120 kg (MĂ€nnchen) beziehungsweise 90 kg (Weibchen). MĂ€nnliche Sibirische Tiger dagegen erreichen eine KopfrumpflĂ€nge von 2 m und mehr, besitzen einen rund 90 cm langen Schwanz und wiegen etwa 250 kg. Sibirische Tigerweibchen sind mit etwa 150 kg Körpergewicht allerdings deutlich kleiner als die MĂ€nnchen. Damit ist diese Unterart nach dem EisbĂ€ren und BraunbĂ€ren das grĂ¶ĂŸte landbewohnende Raubtier. Als typische Unterarten, die im Erscheinungsbild zwischen diesen Extremen stehen, können der indische Bengaltiger und der Indochinesische Tiger gelten. UrsprĂŒnglich stellte der heute ausgestorbene Balitiger die kleinste Unterart dar.

Tiger leben in der Regel einzelgĂ€ngerisch und ernĂ€hren sich in erster Linie von grĂ¶ĂŸeren Huftieren. Dabei bewohnen sie unterschiedlichste LebensrĂ€ume, wie tropische RegenwĂ€lder, GraslĂ€nder, Sumpfgebiete oder boreale WĂ€lder. UrsprĂŒnglich war der Tiger vom Kaukasus und dem Fernen Osten Russlands ĂŒber Ost-China, den Indischen Subkontinent und Hinterindien bis Sumatra, Java und Bali verbreitet. Heute ist er aus großen Teilen seines ehemaligen Verbreitungsgebietes verschwunden und drei Unterarten sind bereits ausgestorben. Insgesamt gibt es SchĂ€tzungen zufolge noch 3000 bis 5000 wildlebende Tiger, die nun grĂ¶ĂŸtenteils auf isolierte Schutzgebiete beschrĂ€nkt sind. Die Art wird von der IUCN als „stark gefĂ€hrdet“ (Endangered) eingestuft.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

FĂ€rbung und Haarkleid

Amurtiger
Sumatratiger
Weiblicher Amurtiger im Sommerfell

Die Grundfarbe der Oberseite schwankt je nach Unterart zwischen Goldgelb und Rotorange. Die Unterseite sowie Teile des Gesichts und die Innenseiten der Beine sind weiß oder hellbeige. Die RĂŒckseite der Ohren ist schwarz mit einer auffallenden weißen Markierung. Die dunklen Querstreifen ziehen sich vom Kopf ĂŒber den ganzen Körper bis zur Schwanzspitze, der dadurch geringelt erscheint. Die Beine sind in Ă€hnlicher Weise gestreift. Die Vorderbeine zeigen allerdings hĂ€ufig eine deutliche Streifenreduktion. Am hellsten gefĂ€rbt sind in der Regel die Tiger der sibirischen Unterart. Allerdings sind viele Bengaltiger aus Nord- oder Zentralindien beinahe ebenso hell gefĂ€rbt. Am dunkelsten und krĂ€ftigsten gefĂ€rbt sind in der Regel die Tiger Indonesiens und der Malaiischen Halbinsel. IntermediĂ€r in der FĂ€rbung sind beziehungsweise waren offenbar die SĂŒdchinesischen und Kaspischen Tiger. Die Tiger der nördlichen Populationen unterscheiden sich darĂŒber hinaus durch einen grĂ¶ĂŸeren Anteil der weißen FlĂ€chen. Tiger aus dem SĂŒden des Verbreitungsgebietes besitzen meist viele sehr dunkle und oft auch recht breite Streifen, die vielfach an ihren Enden in Gruppen von Flecken zerfallen. Derartige Flecken treten bei nördlichen Tigern seltener auf. Die Kaspischen Tiger aus Vorderasien hatten dagegen in der Regel relativ enge, dĂŒnne Streifen. Bengaltiger, die bisweilen recht hell sein können, unterscheiden sich von alten sibirischen Tigern etwa dadurch, dass ihre Flankenstreifen intensiv schwarz sind, wĂ€hrend sie bei der nördlichen Form in der Regel grau oder braun sind. Diesen geographischen Unterschieden steht allerdings eine hohe VariabilitĂ€t innerhalb der Populationen gegenĂŒber.[1] Die Nase des Tigers ist im Allgemeinen rosarot, zeigt aber mit zunehmendem Alter vermehrt schwarze Punkte.[2]

Kopf eines Bengaltigers

Das Fell ist bei den meisten Formen relativ kurz, bei den Sibirischen Tigern wegen des kalten Klimas aber dicht und langhaarig. Die LĂ€nge der Haare eines Bengaltigers liegt im Sommer bei etwa 8 bis 15 mm, wobei die Haare am Bauch mit 20 bis 30 mm lĂ€nger sind. Im Gegensatz dazu messen die Haare eines Sibirischen Tigers im Sommer 15 bis 17 mm am RĂŒcken und 25 bis 45 mm am Bauch. Die RĂŒckenhaare des Bengaltigers sind im Winter 17 bis 25 mm lang, die Bauchhaare 25 bis 40 mm. Die Haare des Amurtigers erreichen zur kalten Jahreszeit eine LĂ€nge von 25 bis 40 mm am RĂŒcken und 70 bis 105 mm am Bauch. Die Körperhaare des Sumatratigers werden nur etwa 10 bis 15 mm lang. AuffĂ€llig ist allerdings die lange NackenmĂ€hne und der ausgeprĂ€gte Backenbart bei den MĂ€nnchen dieser Unterart.[3]

Zumindest in Zoologischen GĂ€rten entwickeln alle Unterarten ein Winterfell aus Deckhaar und Unterwolle, wobei die HaarlĂ€nge und -dichte zwischen den Unterarten und den klimatischen Gegebenheiten variiert. Das Sommerfell ist vor allem bei der sibirischen Unterart deutlich kĂŒrzer und weniger dicht. Die Haardichte von etwa 1800 Haaren pro Quadratzentimeter bei Bengaltigern und 3200 bei Sibirischen Tigern im Winter ist vergleichbar mit der von Leoparden, wobei Luchse deutlich höhere Haardichten von bis zu 9000 pro Quadratzentimeter erreichen.[1] Im FrĂŒhjahr wird das lange Winterfell durch ein kurzes Sommerfell ersetzt. Der Eindruck eines zweiten Haarwechsels bei nördlichen Tigern im Herbst dĂŒrfte dadurch erklĂ€rbar sein, dass sich das Sommerfell im Herbst lĂ€nger auswĂ€chst. Ob Tiger in Indien ebenfalls einen Haarwechsel vollziehen, ist nicht ganz klar. Auch die Klauen werden regelmĂ€ĂŸig gewechselt. Sie schĂ€len sich zunĂ€chst in Schichten und fallen dann ab. In dieser Zeit kratzt der Tiger hĂ€ufig in weicher Baumrinde.[4]

Farbvarianten

Weißer Tiger
Tiger mit fehlendem Streifenpigment

Es gibt wie bei den meisten Wirbeltieren abweichende Farbvarianten, deren Besonderheit weniger aus biologischer als aus kulturhistorischer Sicht besteht, da sie von lokalen Herrschern als Kostbarkeiten gezĂŒchtet wurden und auch heute noch in Shows (zum Beispiel Siegfried und Roy) als Attraktionen gelten. Besonders bekannt sind weiße Tiger. Es handelt sich dabei nicht um echte Albinos, sondern um „Teilalbinos“ (Leuzismus) – den weißen Tigern fehlen die roten Augen eines Albinos, stattdessen sind die Augen normalerweise blau.[1] Die meisten dieser weißen Tiger haben eine dunkle Streifung; seltener sind weiße Tiger ohne Streifen. Alle heute bekannten weißen Tiger gehen auf ein MĂ€nnchen zurĂŒck, das 1951 in Madhya Pradesh gefangen wurde. Seitdem sind in der Wildnis keine weißen Tiger beobachtet worden.[5] Eine weitere, in freier Wildbahn ebenfalls sehr seltene Farbvariante ist der sogenannte Rötling (Rufino), bei dem das schwarze Pigment der Streifen fehlt. Ein derartiges Tier ist etwa aus dem Elbursgebirge, ein weiteres aus Assam beschrieben.[1] Derartig gefĂ€rbte Tiere traten spĂ€ter auch im Nachwuchs von Tigern in Gefangenschaft auf, und sind auch unter dem Namen „Goldene Tiger“ bekannt. Sie besitzen eine blassgelbe Grundfarbe mit hellbrauner Streifung. Tiger dieser Farbvariante werden Ă€hnlich wie weiße Tiger besonders in Freizeitparks und bei Schaustellern gezĂŒchtet. Die Farbspielarten, die heute in Gefangenschaft leben, gehen vor allem auf Bengaltiger zurĂŒck. Teilweise wurden dabei Sibirische Tiger eingekreuzt, weshalb die oft propagierten „Zuchterfolge“ keinen Beitrag zum Schutz dieser Unterarten darstellen.

Neben weißen und goldenen Tigern existieren Berichte ĂŒber nahezu schwarze oder blaugraue Exemplare. Daneben gibt es weitere individuelle Besonderheiten im Fellmuster einzelner Tiger. So neigen einige Tiger zu einer starken Streifenreduktion insbesondere im Bereich der vorderen Körperpartie.[1]

KörpergrĂ¶ĂŸe

Große TigermĂ€nnchen der Sibirischen oder Indischen Unterart erreichen normalerweise eine KopfrumpflĂ€nge von maximal 2 m. Dazu kommt ein Schwanz von mindestens 90 cm. Weibchen des Bengaltigers sind mit Schwanz etwas ĂŒber 250 cm lang, Weibchen des Amurtigers etwa 260 cm lang.[6] Die KopfrumpflĂ€nge großer, weiblicher Amurtiger betrĂ€gt 165 bis 178 cm. Sumatratiger, die die kleinste lebende Unterart reprĂ€sentieren, erreichen eine GesamtlĂ€nge von 240 bis 250 cm (MĂ€nnchen) beziehungsweise 215 bis 230 cm (Weibchen). Die KopfrumpflĂ€nge betrĂ€gt 155 bis 170 cm (MĂ€nnchen) beziehungsweise 145 bis 155 cm (Weibchen).[3] Die kleinste Form des Tigers, der ausgestorbene Balitiger, dĂŒrfte eine GesamtlĂ€nge von etwa 220 bis 225 cm bei mĂ€nnlichen Tieren und eine GesamtlĂ€nge von etwa 190 bis 200 cm bei weiblichen Tieren erreicht haben.[3]

Bisweilen werden maximale KopfrumpflĂ€ngen von 290 cm oder GesamtlĂ€ngen von fast 4 m fĂŒr Tiger angegeben. Diese extremen Angaben dĂŒrften jedoch weitgehend auf Übertreibungen, SchĂ€tzungen beziehungsweise auf Messungen beruhen, bei denen die LĂ€nge des Tieres over curves, also ĂŒber alle Körperbiegungen gemessen, ermittelt wurde. Zudem lassen sich Felle extrem ausdehnen, was bei der Messung zu sehr hohen Werten fĂŒhren kann.[6] Der lĂ€ngste bekannt gewordene Kaspische Tiger ist ein MĂ€nnchen, das 1939 am Ili-Fluss erlegt wurde und in gerader Entfernung von der Nasen- bis zur Schwanzspitze gemessen (between pegs) eine LĂ€nge von 295 cm aufwies. Dabei entfielen 197 cm auf die KopfrumpflĂ€nge und 98 cm auf den Schwanz. Eine der grĂ¶ĂŸten glaubwĂŒrdig ĂŒberlieferten GesamtlĂ€ngen between pegs fĂŒr einen Bengaltiger betrĂ€gt 312,5 cm. Die durchschnittliche GesamtlĂ€nge großer Indischer TigermĂ€nnchen liegt bei etwa 280 cm.[6] Ein riesiges AmurtigermĂ€nnchen, das aus dem Sichote-Alin-Gebiet stammte und 1965 im Duisburger Zoo verstarb, maß between pegs 319 cm, wovon 99 cm auf den Schwanz entfielen. Der grĂ¶ĂŸte glaubwĂŒrdig ĂŒberlieferte Wert fĂŒr die GesamtlĂ€nge eines Amurtigers betrĂ€gt 350 cm over curves, woraus sich eine reale GesamtlĂ€nge over pegs von etwa 330 bis 335 cm ergibt. Das Tier wurde 1943 in Nordostchina erlegt.[6]

Die Widerristhöhe Sibirischer TigermĂ€nnchen betrĂ€gt im Stand etwa 97 bis 105 cm. MĂ€nnchen des Bengaltigers und des Indochinatigers sind mit etwa 90 bis 100 cm Widerrist etwas kleiner. MĂ€nnchen des Sumatratigers messen dagegen nur etwa 75 bis 79 cm, die des Chinesischen Tigers etwa 82 bis 86 cm. Weibliche Amur-, Bengal-, und Indochinatiger werden ca. 78 bis 87 cm hoch. Weibliche Sumatratiger erreichen eine Widerristhöhe von lediglich 66 bis 68 cm.[6]

Ausgewachsene MĂ€nnchen des Sumatratigers wiegen etwa 100 bis 140 kg, die Weibchen zwischen 75 und 110 kg. MĂ€nnliche Bengaltiger in Nepal wiegen etwa 200 bis 240 kg, Weibliche etwa 125 bis 160 kg.[5] Der höchste, glaubwĂŒrdig ĂŒberlieferte Wert fĂŒr das Gewicht eines Bengaltigers betrĂ€gt nach MazĂĄk 258 kg. Das Tier wurde im Terai in Indien geschossen. Ein weiteres großes MĂ€nnchen dieser Unterart wog 256 kg. Das Durchschnittsgewicht indischer TigermĂ€nnchen dĂŒrfte nach MazĂĄk um etwa 190 kg schwanken. Der höchste glaubwĂŒrdige Wert fĂŒr einen Kaspischen Tiger liegt bei 240 kg und wurde bei einem am Ili-Fluss erlegten Tier ermittelt. Der höchste Wert fĂŒr einen Sibirischen Tiger liegt bei 306,5 kg, was den höchsten glaubwĂŒrdig dokumentierten Wert eines Tigers ĂŒberhaupt darstellt. Es handelte sich um ein MĂ€nnchen namens Circa, das als Jungtier in der Ussuri-Region gefangen wurde und im Alter von zehn Jahren in einer Menagerie verstarb. Angaben ĂŒber Amurtiger mit einem Körpergewicht von deutlich ĂŒber 300 kg sind nicht ĂŒberprĂŒfbar. MazĂĄk gibt als durchschnittlichen Wert fĂŒr das Körpergewicht ausgewachsener Amurtiger etwa 230 kg an.[6] Der ausgestorbene Balitiger erreichte vermutlich lediglich ein Körpergewicht von 90 bis 100 kg (MĂ€nnchen) beziehungsweise 65 bis 80 kg (Weibchen). Javatiger waren mit einem Körpergewicht von etwa 130 bis 135 kg (MĂ€nnchen) und etwa 100 kg (Weibchen) etwas grĂ¶ĂŸer.[3]

Mit einer durchschnittlichen GesamtlĂ€nge von etwa 260 bis 270 cm und selten ĂŒber 285 cm bleiben LöwenmĂ€nnchen im Allgemeinen hinter den großen Unterarten des Tigers zurĂŒck. Damit kann der Tiger als grĂ¶ĂŸte Katzenart der Welt gelten. Die grĂ¶ĂŸten glaubwĂŒrdig ĂŒberlieferten LĂ€ngenmaße fĂŒr Löwen liegen bei etwa 305 bis 310 cm GesamtlĂ€nge between pegs, gemessen an einem Tier aus dem Gebiet nördlich des Viktoriasees. Auch dies liegt etwas unter den Werten fĂŒr die grĂ¶ĂŸten bekannten Amurtiger.[6]

SchÀdel und Gebiss

Maul eines Sibirischen Tigers

Wie andere Großkatzen auch besitzt der Tiger eine runde Pupille. Die Iris ist in der Regel gelb. Der massive SchĂ€del des Tigers ist wie bei anderen Großkatzen auch lĂ€nglicher als der von Kleinkatzen. Er ist Ă€hnlich groß wie der des Löwen und kaum von einem LöwenschĂ€del zu unterscheiden. Im Bau des Nasenbeins bestehen kleinere Unterschiede, ebenso im Bau des Unterkiefers. Dieser ist beim Tiger an der Unterseite eher konkav, wĂ€hrend der des Löwen eher konvex gebogen ist. Die SchĂ€dellĂ€nge betrĂ€gt bei großen TigermĂ€nnchen durchschnittlich 350 bis 360 mm. Die SchĂ€dellĂ€ngen grĂ¶ĂŸerer weiblicher Tiger liegen bei etwa 290 bis 310 mm,[1] wobei Sumatratiger lediglich SchĂ€dellĂ€ngen von 295 bis 340 mm (MĂ€nnchen) beziehungsweise 263 bis 293 mm (Weibchen) aufweisen. Die SchĂ€dellĂ€nge ausgewachsener, mĂ€nnlicher Balitiger betrug nur ca. 295 mm, die der Weibchen ca. 265.[3] Das Gehirn des Tigers fasst etwa 250 bis 300 cmÂł.[1]

Das Gebiss beinhaltet 30 ZĂ€hne, wobei die Zahnformel der anderer rezenter Katzen entspricht:

<math>{I 3 \cdot C 1 \cdot P 3 \cdot M 1 \over I 3 \cdot C 1 \cdot P 2 \cdot M 1}</math>

Dabei ist der erste obere Molar sehr klein oder fehlt hĂ€ufig ganz. Gleiches gilt fĂŒr den ersten oberen PrĂ€molaren. Am auffĂ€lligsten sind die EckzĂ€hne (Canini), die im Oberkiefer bis zu 70 mm aus dem Zahnfleisch ragen. Die unteren EckzĂ€hne sind etwas kĂŒrzer. Die ReißzĂ€hne werden vom vierten oberen PrĂ€molaren und dem ersten unteren Molaren gestellt und sind bei ausgewachsenen Tigern jeweils 34 bis 38 mm beziehungsweise 26 bis 29 mm lang.[1]

Skelett und innere Organe

Zeichnung eines Tigerskeletts
Trittsiegel eines Bengaltigers

Das Skelett ist ein typisches Katzenskelett und kaum von dem eines Löwen zu unterscheiden. Lediglich am Humerus sind leichte Unterschiede auszumachen. Der Tiger besitzt an jeder Zehe der Vorderpranke eine rĂŒckziehbare, sichelförmige Kralle. Diese können an der Außenseite 80 bis 100 mm erreichen und sind im Ruhezustand in Hautscheiden verborgen. Am Hinterfuß sind die sichtbaren vier Zehen ebenfalls mit rĂŒckziehbaren Krallen versehen. Die WirbelsĂ€ule des Tigers besteht aus 55 bis 56 Wirbeln, der Brustkorb aus 13 Rippenpaaren. Ein Tigerherz wiegt etwa 600 bis 1100 g, der Darm misst etwa 7 m.[1] Amurtiger setzen im Winter meist eine dicke Fettschicht an, deren Dicke an den Flanken etwa 5 cm betrĂ€gt.[4]

Chromosomensatz

Der Chromosomensatz des Tigers besteht wie bei anderen altweltlichen Katzen aus 18 Autosomenpaaren und zwei Geschlechtschromosomen, was einen diploiden Satz von 38 Chromosomen ergibt.[1]

FĂ€hrte

Die SchrittlĂ€nge des Tigers variiert zwischen 70 cm bei MĂ€nnchen und 60 cm bei Weibchen. Die GrĂ¶ĂŸe der TatzenabdrĂŒcke hĂ€ngt stark vom Untergrund ab. Die vorderen Tatzen eines sehr großen mĂ€nnlichen Tigers hinterlassen in feuchtem Lehm einen Abdruck von etwa 14 bis 17 cm LĂ€nge und 13 bis 16 cm Breite. Die Trittsiegel weiblicher Tiger messen unter diesen Bedingungen 12 bis 14 cm in der LĂ€nge, 11 bis 13 cm in der Breite. Im Schnee, insbesondere im Neuschnee, können die FĂ€hrten deutlich grĂ¶ĂŸer ausfallen.[4]

Unterarten

Amurtiger
SĂŒdchinesischer Tiger
Bengaltiger
Indochinesischer Tiger
Sumatratiger
Javatiger
Kaspischer Tiger

Es werden neun Unterarten unterschieden, von denen drei bereits ausgestorben sind. Der Unterartstatus von P. t. jacksoni auf der Malaiischen Halbinsel ist umstritten; in der folgenden Aufstellung wird er als eigenstĂ€ndige Unterart gefĂŒhrt.[5] Genetische Analysen sprechen fĂŒr die Unterteilung der noch lebenden Formen gemĂ€ĂŸ dem hier dargestellten Schema in sechs verschiedene Unterarten.[7] Dabei scheinen sich die Unterarten des asiatischen Festlands relativ wenig voneinander zu unterscheiden, wĂ€hrend relativ große genetische Differenzen zu den Tigern der Insel Sumatra bestehen. Die Tiger der Insel Sumatra wurden vermutlich vor 6.000 bis 12.000 Jahren von denen des Festlands getrennt, als der Meeresspiegel am Ende der letzten Kaltzeit anstieg und die ehemalige LandbrĂŒcke versank.[8] Insbesondere die Unterschiede zwischen dem ausgestorbenen Kaspischen Tiger und dem Amurtiger sind so gering, dass beide möglicherweise zu einer Unterart zusammengefasst werden sollten.[9]

  • Sibirischer Tiger, Amur- oder Ussuritiger (P. t. altaica); die grĂ¶ĂŸte Unterart des Tigers war einst weit ĂŒber das östliche Sibirien, die Mandschurei und Korea verbreitet. Das Fell ist relativ hell und besonders lang und dicht.[10] Durch massive Nachstellung wurde der Bestand zwischenzeitlich auf etwa 30 Tiere im chinesisch-russischen und chinesisch-koreanischen Grenzgebiet reduziert; dieser Bestand ist inzwischen wieder auf etwa 350 bis 400 Individuen angewachsen, aber immer noch stark gefĂ€hrdet.[11]
  • SĂŒdchinesischer Tiger (P. t. amoyensis); mittelgroße Unterart, etwas kleiner als Bengal- oder Indochinatiger, die FĂ€rbung ist intensiver, der Weißanteil kleiner. Die Streifen sind meist sehr dunkel und relativ weit voneinander entfernt. Einst in großen Teilen Chinas verbreitet vom 38. bis 40.° nördlicher Breite an sĂŒdwĂ€rts bis in die nördlichen Grenzgebiete von Yunnan, Guangxi und Guangdong.[12] Heute leben, wenn ĂŒberhaupt, noch einige Exemplare in den Bergen von Guangdong. Diese möglichen RestbestĂ€nde dĂŒrften kaum realistische Überlebenschancen haben, selbst wenn Schutzmaßnahmen greifen, da eine so kleine Population kaum ĂŒberlebensfĂ€hig ist (siehe Inzuchtdepression). Die Population in Zoos und somit ein Zuchtprogramm wurde erst spĂ€t aufgebaut und beschrĂ€nkt sich fast ausschließlich auf chinesische Zoos. Die Zoopopulation stieg allerdings zwischen 2005 und 2007 von 57 auf 72 Tiere an. Wiederansiedlungen mit zoogeborenen Tieren sind geplant. Die Stiftung Save Chinas Tigers bemĂŒht sich um Nachzucht und Jagdgewöhnung SĂŒdchinesischer Tiger außerhalb Chinas in einem Reservat in SĂŒdafrika, um diese spĂ€ter wieder in ihrem ursprĂŒnglichen Habitat auszuwildern.[13]
  • Bengaltiger, Indischer Tiger oder Königstiger (P. t. tigris); die zweitgrĂ¶ĂŸte Unterart. FellfĂ€rbung insgesamt relativ variabel, aber meist dunkler als beim Amurtiger und heller als bei den sĂŒdöstlichen Unterarten. Die Streifen sind meist sehr dunkel. UrsprĂŒnglich vom Industiefland in Pakistan ĂŒber den Indischen Subkontinent bis Bengalen, Assam und in die Nordwestteile Myanmars verbreitet.[14] Dabei bestehen gewisse genetische Differenzen innerhalb der Unterart, insbesondere die Tiger des Nordens unterscheiden sich von anderen Bengaltigern. Auch die Bengaltiger am Westende des Unterartgebietes zeigen moderate genetische Eigenheiten. Vor allem glichen die Tiere des Sariska-Nationalparks, wo Tiger im Jahr 2004 ausgestorben sind, genetisch sehr stark jenen aus dem benachbarten Ranthambore-Nationalpark. Dies macht die Tiger aus Ranthambore zu den besten Kandidaten fĂŒr eine mögliche zukĂŒnftige Auswilderung in Sariska.[15] Heute kommt der Bengaltiger noch in isolierten RestbestĂ€nden in Indien, in Bangladesch, Teilen Bhutans und Nepals sowie im Westen Myanmars vor. Man geht heute von weniger als 2500 wildlebenden Bengaltigern aus, von denen der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Teil, etwa 1400 (Stand 2008), in Indien lebt. Die deutlich höheren Populationszahlen der ZĂ€hlungen der Jahre 2001 bis 2002 können aufgrund der unterschiedlichen Methoden nicht direkt verglichen werden. Die jĂŒngeren Ergebnisse gelten aber als zuverlĂ€ssiger.[16] Der Bengaltiger gilt als bedroht, ist jedoch weniger gefĂ€hrdet als die anderen Unterarten; ArtenschĂŒtzer warnten wiederholt vor dem drohenden Aussterben des Indischen Tigers in Indien und den benachbarten Staaten. Trotz eines internationalen Verbots betreiben kriminelle Organisationen einen schwunghaften Handel mit Tigerfellen.
  • Indochinesischer Tiger oder Indochinatiger (P. t. corbetti); etwas kleiner als Bengaltiger, GrundfĂ€rbung etwas dunkler, die meist sehr dunklen Streifen gehen hĂ€ufig in Flecken ĂŒber. Die Unterart ist auf dem Festland SĂŒdostasiens verbreitet, wo sie von den chinesischen Provinzen Yunnan, Guangxi und Guangdong sowie Nordmyanmar sĂŒdwĂ€rts bis zur Halbinsel von Malakka vorkommt.[17] Es gibt vermutlich nur noch 350 Exemplare, die unter anderem in Kambodscha, Thailand, Myanmar, Laos und in geringer Zahl in Vietnam ĂŒberlebt haben. Die Populationen der Malaiischen Halbinsel stellt möglicherweise eine eigene Subspezies dar und wird separat als Malaiischer Tiger aufgefĂŒhrt.[18]
  • Malaiischer Tiger, Malaysischer Tiger oder Jackson-Tiger (P. t. jacksoni); auf der Malaiischen Halbinsel verbreitet und ebenfalls stark bedroht; die EigenstĂ€ndigkeit dieser Unterart, die vorher zum Indochinesischen Tiger gerechnet wurde, ist immer noch umstritten.[5] Es bestehen genetische Unterschiede zwischen den Populationen der Malaiischen Halbinsel und den nördlicheren Populationen, doch scheinen keine Unterschiede im Fellmuster oder SchĂ€delbau zu bestehen. Auch gehen die BestĂ€nde nach Norden fließend in die des Indochinatigers ĂŒber. Auf der Malaiischen Halbinsel sind nach neuesten IUCN-Informationen ca. 250 Exemplare heimisch.[19]
  • Sumatratiger (P. t. sumatrae); relativ kleine, kontrastreich gefĂ€rbte Unterart, die Streifen zerfallen hĂ€ufig zu Flecken. Zugleich kleinste der ĂŒberlebenden Unterarten. AuffĂ€llig ist der lange Backenbart der MĂ€nnchen.[20] Als einzige Insel-Unterart konnte der Sumatratiger bis heute ĂŒberleben; es gibt noch 400 Individuen in entlegenen Regionen Sumatras. Die IUCN listet die Unterart als „vom Aussterben bedroht“.
  • Javatiger (P. t. sondaica); noch kleiner als der Sumatratiger und Ă€hnlich dunkel gefĂ€rbt. Streifen sehr eng und zahlreich.[21] Einst auf Java, der am dichtesten bevölkerten Insel Indonesiens, verbreitet, wurde diese Unterart zuletzt in den 1970er Jahren nachgewiesen und gilt als ausgestorben.[22]
  • Balitiger (P. t. balica); die kleinste Unterart. Noch dunkler gefĂ€rbt als Sumatratiger und die meisten Javatiger. Streifenmuster eher breit und dem des Sumatratigers Ă€hnlicher als dem des Javatigers. HĂ€ufig Linien dunkler Flecken zwischen den Streifen.[23] UrsprĂŒnglich endemisch auf Bali, wurde die Unterart durch exzessive Jagd und Habitatzerstörung in den 1940ern ausgerottet.
  • Kaspischer Tiger, Persischer Tiger oder Turantiger (P. t. virgata); eine ausgestorbene Unterart, die sich vor allem durch die meist vielen, schmalen Streifen vom Amurtiger abhob. Die Streifen waren in der Regel recht hell, das Fell relativ lang. UrsprĂŒnglich weite Verbreitung von Anatolien ĂŒber den Iran und Zentralasien bis in die Mongolei.[24] FrĂŒhzeitig wurde der Kaspische Tiger in weiten Teilen dieses Gebietes ausgerottet; er ist nun sowohl in freier Wildbahn als auch in Gefangenschaft ausgestorben; die letzten hielten sich bis zu Beginn der 1970er Jahre in SĂŒdwest-Asien. Neuere molekularbiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Unterart mit dem Sibirischen Tiger identisch ist und das Verbreitungsgebiet der beiden Populationen möglicherweise erst durch den Menschen getrennt wurde.[9]

Stammesgeschichte

Der Tiger ist zweifellos eine echte Großkatze, womit der engere Verwandtschaftsrahmen abgesteckt ist. Aufgrund der spĂ€rlichen FossilĂŒberlieferung erweist sich jedoch die genaue Rekonstruktion der Stammesgeschichte des Tigers innerhalb der Gattung Panthera als relativ schwierig.

Die Gattung Panthera dĂŒrfte in Asien entstanden sein, die genauen UrsprĂŒnge liegen jedoch im Dunklen. Morphologische und genetische Untersuchungen legen nahe, dass der Tiger die basale Schwestergruppe zu den anderen lebenden Panthera-Arten (Jaguar, Löwe, Leopard und Schneeleopard) ist.[25] Die Ă€ltesten Funde einer tigerĂ€hnlichen Raubkatze stammen aus China, und werden als Panthera palaeosinensis bezeichnet. Diese frĂŒhe Katzenart lebte zu Beginn des PleistozĂ€n (vor etwa 2 Millionen Jahren) und war kleiner als der heutige Tiger. FrĂŒhe echte Tigerfossilien stammen aus Java und sind zwischen 1,6 und 1,8 Millionen Jahre alt. Aus dem frĂŒhen und mittleren PleistozĂ€n sind zahlreiche Tigerfunde aus China, Sumatra und Java bekannt. In Indien, dem Altai, dem nördlichen Russland und anderen Gebieten Asiens taucht die Großkatze in der FossilĂŒberlieferung dagegen erst im spĂ€ten PleistozĂ€n auf. Der Tiger ist fossil auch aus dem östlichen Beringia (aber nicht vom amerikanischen Kontinent) und auf der Insel Sachalin nachgewiesen. Diese Tiger scheinen noch nicht ganz die Ausmaße heutiger sibirischer Tiger erreicht zu haben. Die fossilen Tigerfunde Javas sind im Durchschnitt etwas kleiner als die des Festlands, obwohl auch sehr große Exemplare bekannt sind, die heutigen Bengaltigern entsprechen. Möglicherweise lassen sich zwei PleistozĂ€ne Unterarten, Panthera tigris acutidens vom Festland und Panthera tigris trinilensis aus Java, unterscheiden.[26] Kleine Tigerformen sind darĂŒber hinaus auch aus dem spĂ€ten PleistozĂ€n Japans bekannt. Noch bis ins HolozĂ€n kamen Tiger auch auf Borneo vor, wo die Art heute ausgestorben ist.

Der Ursprung des Tigers dĂŒrfte in SĂŒdostasien liegen. Genetischen Analysen zufolge ist der Indochinatiger die ursprĂŒnglichste Unterart. Er steht jenen Tigern am nĂ€chsten, aus denen sich vor rund 70.000 bis 100.000 Jahren die ĂŒbrigen Formen entwickelt haben.[18] Von dort aus gelangte der Tiger spĂ€ter immer weiter nach SĂŒden, Norden und Westen. Das Kaspi-Gebiet scheint er erst im HolozĂ€n erreicht zu haben.[26] Auch auf der Insel Borneo lebte der Tiger noch im PleistozĂ€n und HolozĂ€n, kĂŒrzlich wurde die Katze darĂŒber hinaus auch von der Insel Palawan durch pleistozĂ€ne Fossilien nachgewiesen. Es ist denkbar, dass er auf dieser Insel im HolozĂ€n verschwand, als vor rund 5000 Jahren die HirschbestĂ€nde, vermutlich durch den Jagddruck des Menschen, zusammenbrachen.[27]

Lange nahm man an, der Tiger sei nie auf Sri Lanka vorgekommen. Neuere Funde deuten allerdings darauf hin, dass der Tiger vor ĂŒber 20.000 Jahren die Insel Sri Lanka erreichte. Dort lebte bis vor 37.000 Jahren der Löwe (Panthera leo sinhaleyus). WĂ€hrend der letzten Maximalvereisung vor etwa 20.000 Jahren, als die LandbrĂŒcke nach Sri Lanka trockenfiel, konnte der Tiger offenbar die Insel erreichen.[28] Heute leben auf Sri Lanka allerdings weder Löwen noch Tiger.

Hybridisierung

Hybride zwischen Tigern und anderen Katzenarten

Im Laufe der Geschichte kam es in Menagerien, Zoos und Zirkussen immer wieder, teils durch Zufall, zuweilen aber auch gezielt, zur Hybridisierung von Tigern mit anderen Raubkatzen. Am verbreitetsten waren und sind Kreuzungen zwischen Löwen und Tigern. Wie der Nachwuchs einer solchen Kreuzung aussieht, hÀngt nicht zuletzt von der Kombination der Eltern ab. Wenn ein weiblicher Tiger und ein mÀnnlicher Löwe Nachwuchs haben, entstehen sogenannte Liger, ist der Vater ein Tiger und die Mutter eine Löwin, nennt man die Nachkommen Tigon. Die Bastarde zwischen Tigern und Löwen sind in der FÀrbung und im allgemeinen Körperbau sehr variabel. Dabei zeigen die Grundfarbe, das Streifen- beziehungsweise Fleckenmuster sowie die AusprÀgung der MÀhne eine intermediÀre AusprÀgung, wobei Elemente beider Elternarten kombiniert werden.

Liger haben eine helle Grundfarbe, die Ă€hnlich der von Löwen ist, zusĂ€tzlich aber noch helle, teilweise in Flecken aufgelöste Streifen. Tigonen gleichen offenbar stĂ€rker als Liger dem Löwen. Auch tragen mĂ€nnliche Tigonen meist eine MĂ€hne, die jedoch kleiner bleibt als die typischer Zoolöwen. MĂ€nnliche Liger bilden zuweilen auch eine leichte MĂ€hne aus. Die Hybriden sind in der Regel recht groß, teilweise sogar grĂ¶ĂŸer als beide Elternarten. Dies wird auf einen Heterosiseffekt zurĂŒckgefĂŒhrt. MĂ€nnliche Hybriden sind meist steril, auf die Weibchen trifft dies nur bedingt zu. Beispielsweise wurde im Jahr 1943 ein Ligerweibchen erfolgreich mit einem Löwen verpaart. DarĂŒber hinaus existieren Berichte ĂŒber Tiger-Leopard-Hybriden. Diese sind jedoch nicht zu bestĂ€tigen, und lediglich ein Fall einer Paarung zwischen Tiger und Leopard ist bekannt. Die Jungen starben jedoch bereits in einem frĂŒhen Stadium der Embryonalentwicklung.[29]

Innerartliche Hybride

Auch Tiger der diversen Unterarten wurden in Gefangenschaft wiederholt verpaart. Einer 2008 in Current Biology publizierten Studie zufolge erwiesen sich jedoch 49 von 105 probeweise getesteten Tigern aus fĂŒnf Unterarten anhand von DNA-Analysen als genau einer Unterart zugehörig, also nicht als Hybride. Daraus leiteten die Forscher gute Chancen auf eine Bestandserhaltung der reinen Unterarten zumindest in Gefangenschaft ab, falls sich ihr Überleben in den Schutzgebieten als unmöglich erweisen sollte.[30]

Verbreitungsgebiet

Das heutige Verbreitungsgebiet des Tigers erstreckt sich von Indien ostwĂ€rts bis China und SĂŒdostasien und nordwĂ€rts bis ĂŒber den Amur hinaus ins östliche Sibirien. Im SĂŒdosten dringt er bis nach Indonesien vor, wo er die Insel Sumatra bewohnt. Auf Java kam der Tiger noch bis in die 1970er Jahre vor. Bis in die 1930er Jahre erreichte er sogar die Insel Bali. Aus Borneo ist der Tiger aus dem PleistozĂ€n und durch subfossile Funde aus dem HolozĂ€n belegt. Einst waren Tiger auch westlich von Indien in Vorderasien und Zentralasien weit verbreitet, doch ist die Art hier seit den 1970er Jahren höchstwahrscheinlich ausgerottet.

Historisches Verbreitungsgebiet

Verbreitungsareal des Tigers um 1900 und 1990

Einzelne Tiger können bisweilen erhebliche Strecken zurĂŒcklegen, daher muss man zwischen dauerhaft besiedelten Gebieten und solchen, in denen Tiger nur gelegentlich auftreten, unterscheiden. Auch in Gebieten, in denen der Mensch die Tiger ausrottete, treten immer wieder umherstreifende Einzeltiere auf.[31]

Vermutlich war der Tiger im Mittelalter, insbesondere im 10. und 11. Jahrhundert, im östlichen Transkaukasus und den Vorbergen des Kleinen und Großen Kaukasus verbreitet. Damals könnten sie entlang der WestkĂŒste des Kaspischen Meeres weit nach Norden vorgedrungen sein. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass der Tiger damals in Gebiete nördlich des Kaukasus, möglicherweise sogar bis zum Don und Dnjepr vorgedrungen ist. So könnte das in der russischen mittelalterlichen Literatur genannte „ljuty swer“ (russisch Đ»ŃŽÌŃ‚Ń‹Đč Đ·ĐČĐ”Ń€ŃŒ, grimmiges, wildes Tier) ein Tiger gewesen sein. Bisweilen wird dahinter aber auch ein Löwe oder Leopard vermutet.[32] Höchstwahrscheinlich kam der Tiger damals zumindest in den nördlichen AuslĂ€ufern des Kaukasus vor.[31]

Die westlichsten Vorkommen lagen in der Neuzeit an den SĂŒdhĂ€ngen des Kaukasus, vornehmlich im Ostteil des Gebirges. Von dort aus drangen Einzeltiere noch im 18. bis 20. Jahrhundert bis auf etwa 70 km ans Schwarze Meer vor und erreichten Armenien, Tiflis, die obere Kura, sowie den mittleren Rioni und Kivirili. Im Nordosten erreichte der Tiger im Kaukasus die Gebiete um Baku und sogar Derbent an der KĂŒste des Kaspischen Meeres.[31] Ebenso bewohnte die Art damals die SĂŒdosttĂŒrkei und Transkaukasien, insbesondere das Talysch- und Lenkoran-Gebiet, von wo aus sich das Verbreitungsgebiet durch den Iran entlang des Kaspischen Meeres und des Elburs-Gebirges nach Osten bis zum Atrek-Fluss erstreckte. Im SĂŒden des Irans kam der Tiger dagegen nie vor.[1]

Am Atrekfluss ging das Gebiet des Tigers ins heutige Turkmenistan ĂŒber, wo er im SĂŒdwesten des Landes vorkam. Die Berge des westlichen Kopet-Dag wurden regelmĂ€ĂŸig von Tigern aufgesucht, aber offenbar nicht dauerhaft besiedelt. Die östlichen Bereiche sind fĂŒr Tiger dagegen ungeeignet. Noch weiter östlich, am Tedzen und Murgab-Fluss, reichte das Verbreitungsgebiet des Tigers ebenfalls ins sĂŒdliche Turkmenistan hinein. Hier bestand auch eine Verbindung zu den iranischen Vorkommen sowie zu den Populationen Afghanistans.[31] In Afghanistan bewohnte der Tiger lediglich den Ă€ußersten Norden, nach SĂŒdosten hin war das Areal des Tigers hingegen durch die GebirgskĂ€mme des Hindukusch und Pamir begrenzt.[1] Ein einzelner Nachweis existiert darĂŒber hinaus aus dem Nordirak.[22]

In den ehemaligen Sowjetrepubliken kam der Tiger neben den kaukasischen und den sĂŒdturkmenischen Populationen vor allem am Amu Darja, Wachsch, Syr Darja und Ili-Fluss vor. Die Vorkommen im Bereich des Amu Darja und Wachsch waren mit jenen in Afghanistan verbunden, die BestĂ€nde am Ili-Fluss und damit auch jene um den Balchasch- und Alaköl-See reichten dagegen nach Westchina herĂŒber. Hier erreichte er zumindest den Bosten-See.[1] Die Tiger des Syr Darja-Systems waren durch große Trockenzonen von jenen des Amu Darja-Flusses einerseits und jenen des Ili-Balchasch-Gebiets andererseits isoliert. Dennoch durchwanderten einzelne Tiere in der Vergangenheit immer wieder diese fĂŒr Tiger eigentlich ungeeigneten Gebiete, wodurch ein Austausch der Populationen gewĂ€hrleistet war.[31]

Die nördlichsten dauerhaften BestĂ€nde im westlichen Asien lagen am SĂŒdrand des Altaigebirges am Saissansee, am Schwarzen Irtysch und im Kurchum-Tal in Kasachstan und Westchina. Von dort drangen einzelne Exemplare sehr weit nach Norden vor und wurden etwa bei Akmolinsk, Barnaul und Bijsk erlegt. Berichten zufolge sollen Einzeltiere sogar den Acit-Nuur-See in der Westmongolei erreicht haben.[1]

Aus Gebieten weit östlich des Altaigebirges, etwa der Baikalseeregion, liegen kaum Nachweise aus dem 19. und 20. Jahrhundert vor.[31] Dennoch deutet die kĂŒrzlich festgestellte enge genetische Verwandtschaft des Kaspischen und Sibirischen Tigers darauf hin, dass sich das Verbreitungsgebiet einst kontinuierlich von Vorderasien bis Ostsibirien ausdehnte.[9] Zumindest einzelne Tiger sind noch in der Neuzeit in diesen Gebieten belegt. Ein Tiger wurde im Jahr 1828 am Oberlauf der Angara nachgewiesen, ein anderer 1834 am Baikalsee. Noch weiter östlich im Bereich der FlĂŒsse Onon und Argun kamen Tiger zumindest noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts regelmĂ€ĂŸig als umherstreifende Einzeltiere vor. Von dort aus folgte das dauerhafte Verbreitungsgebiet dem Amurfluss gleich einem Band nach Osten, wobei die nördlichsten BestĂ€nde in historischer Zeit an den SĂŒdhĂ€ngen des Stanowoigebirges, um 45° N bestanden.[1] An der KĂŒste lag die Nordgrenze dauerhafter Besiedlung bei etwa 50° N.[31] Von dort aus drangen Einzeltiere immer wieder sehr weit in den Norden vor. Ein Tiger wurde etwa im Jahr 1905 am Aldanfluss auf 60° nördlicher Breite erlegt. Ein anderer wurde 1944 auf 56° N festgestellt. SĂŒdlich des Amur kam der Tiger an den WesthĂ€ngen des Großen Chingangebirges in China vor. Im Westen erreichte er dort sogar das Gebiet des Buir-Nuur-Sees an der Mongolischen Grenze. Das Verbreitungsgebiet erstreckte sich von dort aus ĂŒber die Sungari-Ebene nach Korea und schließlich weiter sĂŒdwĂ€rts ĂŒber große Teile Ostchinas bis Vorder- und Hinterindien. Das westlichste Vorkommen eines Tigers in Mittelchina wird durch ein einzelnes Exemplar markiert, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts am Oberlauf des Minjiang in Sichuan auftauchte. SĂŒdwĂ€rts war der Tiger ĂŒber ganz Hinterindien bis zur Malaiischen Halbinsel verbreitet. Auch auf Sumatra, Java und Bali kam die gestreifte Katze vor. DarĂŒber hinaus besiedelte er einst nahezu den gesamten indischen Subkontinent von der SĂŒdspitze bis zu den HĂ€ngen des Himalaya im Norden. Lediglich im Ă€ußersten Nordwesten Indiens, wo die Trockengebiete der WĂŒste Tharr beginnen, fehlt der Tiger natĂŒrlicherweise. Auch auf der Insel Sri Lanka sind Tiger historisch nicht vorgekommen. In Pakistan kam der Tiger lediglich im Industiefland vor, welches er vermutlich von Indien her kommend erreicht hat. Von den westasiatischen Vorkommen, die im Norden Afghanistans begannen, waren die Populationen des Industales durch ausgedehnte Trockengebiete und Bergketten isoliert.[1]

Gebietsverluste und heutige Verbreitung

Teile des ehemaligen (beige) und das heutige (grĂŒn) Verbreitungsgebiet, die Unterartengrenzen sind durch Striche gekennzeichnet

Insbesondere durch die zunehmende Besiedlung vieler Gebiete sowie durch die verstĂ€rkte Jagd, die sowohl die Tiger- als auch die BeutetierbestĂ€nde dezimierte, erlitt der Tiger seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert drastische Gebietsverluste. Ein frĂŒhes Opfer wurden die Tiger der Insel Bali. Das letzte Exemplar des Balitigers ist aus dem Jahr 1937 nachgewiesen.[22] Im sĂŒdlichen Kaukasusgebiet und in Transkaukasien waren Tiger noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts relativ hĂ€ufig, dann nahmen die BestĂ€nde stark ab und erloschen um die Mitte des 20. Jahrhunderts ganz. Lediglich einzelne Tiere wanderten spĂ€ter noch gelegentlich aus dem Iran ĂŒber das Talyschgebirge in den Kaukasus ein. Die letzten dĂŒrften in den 1960er Jahren diesen Weg genommen haben. Aus den meisten Teilen der ehemaligen Sowjetunion verschwand der Tiger am Ende des 19. Jahrhunderts oder am Beginn des 20. Jahrhunderts. Am unteren Ili-Fluss lebten noch im Jahr 1936 einige Tiger. Am Syr Darja wurde der letzte im Jahr 1945 registriert, am Ili im Jahr 1948. Am lĂ€ngsten hielten sich Tiger im SĂŒden der ehemaligen Sowjetunion im Grenzgebiet zu Afghanistan. Im sĂŒdlichen Bereich des Amu Darja-Gebietes nahe der MĂŒndung des Wachsch, im Bereich des Tigrowaja-Balka-Naturreservats, sowie im benachbarten Tal des Pjandsch zogen Tiger noch in den 1930er Jahren ihren Nachwuchs groß. Um 1950 lebten dort allerdings nur noch einzelne Exemplare. Seit den 1950er bis 1960er Jahren scheint der Tiger im Westteil der damaligen Sowjetunion, höchstwahrscheinlich auch in Afghanistan, ausgerottet zu sein.[31] Am lĂ€ngsten hielt er sich im SĂŒdosten der TĂŒrkei, wo bis in die 1970er Jahre einzelne Tiere ĂŒberlebten.[22] Heute gilt er in ganz Vorderasien als ausgestorben, damit ist der Kaspische Tiger als Unterart erloschen.[5] Die javanische Unterart des Tigers starb vermutlich ebenfalls in den 1970er Jahren aus.[33] Aus China ist der Tiger heute nahezu völlig verschwunden. In allen anderen Vorkommensgebieten schrumpfte das Verbreitungsgebiet ebenfalls im Verlauf des 20. Jahrhunderts bis auf wenige inselartige Reliktpopulationen zusammen.

Auch in der jĂŒngsten Vergangenheit verlor der Tiger weiter an Boden. Allein zwischen 1995 und 2005 hat sich das Verbreitungsgebiet des Tigers in Asien um 40 % verringert, sodass die Tiere heute nur noch sieben Prozent ihres ursprĂŒnglichen Habitats besiedeln.[34] Man findet Tiger heute nur noch im Fernen Osten Russlands sowie angrenzenden Teilen Nordchinas, weiterhin auf dem Indischen Subkontinent und in entlegenen Regionen SĂŒdostasiens von der chinesischen Provinz Yunnan im Norden bis zur Malaiischen Halbinsel im SĂŒden. Die einzige grĂ¶ĂŸere Insel, auf der Tiger noch vorkommen, ist Sumatra. Genauere Angaben zur heutigen Verbreitung finden sich unter dem Kapitel Bestand.

Bestand

Die BestĂ€nde des Tigers sind im 20. Jahrhundert völlig zusammengebrochen. Im Jahr 1920 ging man noch von weltweit etwa 100.000 Tigern aus. In den 1970er Jahren beliefen sich die SchĂ€tzungen dagegen nur noch auf etwa 4000 Tiere. Der Javatiger sowie der Kaspische Tiger starben um diese Zeit ganz aus. Der Balitiger war bereits in den 1930er Jahren untergegangen. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts stand auch die Wildpopulation des Amurtigers kurz vor dem aus. Der Wildbestand dieser nördlichsten Tigerrasse belief sich im Jahr 1947 auf etwa 20 bis 30 Tiere. Vor allem dank verschiedener Schutzprojekte, wie dem Project Tiger des WWF, erholten sich die BestĂ€nde in Ostsibirien und Indien wĂ€hrend der folgenden Jahre offenbar etwas beziehungsweise blieben weitgehend stabil.[22] In anderen Gebieten sanken die BestĂ€nde jedoch weiter. Um das Jahr 2000 wurde der Gesamtbestand noch auf 5000 bis 7000 Tiere geschĂ€tzt. Seitdem sind die WildbestĂ€nde des Tigers noch weiter geschrumpft. Man geht heute davon aus, dass weltweit noch etwa 3000 bis 5000 wildlebende Tiger existieren (Stand: 2010). Zum Teil sind die aktuellen niedrigeren SchĂ€tzwerte allerdings auch auf prĂ€zisere ZĂ€hlmethoden zurĂŒckzufĂŒhren. Die IUCN listet die Gesamtpopulation des Tigers als „stark gefĂ€hrdet“ (Endangered).[11] Ausgestorben ist der Tiger in den Staaten Afghanistan, Iran, Kasachstan, Kirgisistan, Nordkorea, Pakistan, Singapur, Tadschikistan, TĂŒrkei, Turkmenistan und Usbekistan.[11]

Unterart GeschÀtzte Anzahl
Sibirischer Tiger ca. 400; IUCN-Status: stark gefÀhrdet (Endangered)[11]
Bengaltiger 1700–2300; IUCN-Status: stark gefĂ€hrdet (Endangered)[16]
Indochinesischer Tiger ca. 350; IUCN-Status: stark gefÀhrdet (Endangered)[18]
Malaiischer Tiger ca. 250; IUCN-Status: stark gefÀhrdet (Endangered)[19]
SĂŒdchinesischer Tiger (in Freiheit möglicherweise ausgestorben) IUCN-Status: vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)[13]
Sumatratiger 350–500; IUCN-Status: vom Aussterben bedroht (Critically Endangered)[11]
Balitiger (ausgestorben)
Javatiger (ausgestorben)
Kaspischer Tiger (ausgestorben)

Russland und China

Im Fernen Osten Russlands leben noch etwa 330 bis 400 Tiger, in Nordkorea wurden dagegen seit 1998 keine Tiger mehr gesichtet. In China verteilten sich die BestĂ€nde ursprĂŒnglich auf drei Unterarten. Im Norden grenzt an die russische Population ein Bestand des Amurtigers an, der von der chinesischen Regierung mit etwa 20 Tieren angegeben wird. Weiterhin leben im Ă€ußersten SĂŒden Chinas offiziellen Angaben zufolge etwa zehn Indochinatiger in der Provinz Yunnan.[11] Die Population des SĂŒdchinesischen Tigers scheint dagegen erloschen zu sein. Mittlerweile ist jedoch eine Wiederansiedlung in den ehemaligen LebensrĂ€umen geplant.[13]

Indischer Subkontinent

Auf dem indischen Subkontinent (Indien, Nepal, Bhutan, Bangladesch) leben Tiger heute nahezu ausschließlich in Schutzgebieten. Die grĂ¶ĂŸten Populationen sind dabei auf den Norden (Rajaji-Corbett, Dudhwa-Bardia, Chitwan, Buxa, Manas, Kaziranga), die Zentralteile Indiens (z. B. Kanha, Pench, Satpura, Melghat, Bandhavgarh, Simlipal, Indravati, Nagarjunasagar) sowie das Nagarhole-Bandipur-Nationalparkgebiet im SĂŒden Indiens beschrĂ€nkt.[35] Dabei leben in Indien, dem noch immer tigerreichsten Land, selbst etwa 1200 bis 1700 Tiger, wobei hier die Population in den Sundarbans, die nach Bangladesch hinĂŒber reicht, nicht eingerechnet ist. In Bangladesch leben Tiger nur noch in den Sundarbans. Die Population in den MangrovensĂŒmpfen wird auf etwa 200 Tiger geschĂ€tzt. In Bhutan leben vermutlich nur noch etwa 70 bis 80 Tiger, in Nepal vermutlich etwa noch 100 bis 200, von denen die meisten (etwa 50) im Chitwan-Nationalpark vorkommen.[11] In den letzten Jahren zeichnete sich in Indien jedoch ein Gegentrend ab, und die jĂŒngste ZĂ€hlung lag um etwa 200-300 Tieren ĂŒber jener des Jahres 2007.[36]

SĂŒdostasien

Auch in SĂŒdostasien sind Tiger heute auf RĂŒckzugsgebiete beschrĂ€nkt. Die BestĂ€nde sind hier insgesamt noch stĂ€rker bedroht als die des Indischen Subkontinents. Myanmar verfĂŒgt noch ĂŒber etwa 150 Tiger.[11] In Thailand wurde die Zahl wildlebender Tiger Anfang der 1990er Jahre auf nur etwa 250 Tiere geschĂ€tzt. Die grĂ¶ĂŸten Populationen des Landes kommen im Thung Yai-Huai Kha Khaeng-Reservatskomplex vor.[37] Die Population dort wird mit etwa 110 Tigern veranschlagt und ist damit eine der grĂ¶ĂŸten auf dem SĂŒdostasiatischen Festland. In Kambodscha und Laos leben jeweils vermutlich nicht mehr als 30 Tiger, In Vietnam scheinen vor allem im Grenzgebiet zu diesen beiden Staaten weniger als 50 Tiere, maximal aber 150 vorzukommen.[11]

Man geht davon aus, dass noch drei Tigerpopulationen auf der Malaiischen Halbinsel existieren, von denen keine aus mehr als 250 Tieren besteht. Eine davon lebt im Taman-Negara-Nationalpark.[19] Auf Sumatra dĂŒrften noch etwa 350 bis 500, vielleicht auch etwas mehr Tiger leben.[11] Keine der Populationen auf dieser Insel dĂŒrfte aber 50 gezĂŒchtete Tiere ĂŒbersteigen.[38] Die drei Gebiete Sumatras, die heute die wichtigsten BestĂ€nde beherbergen, sind zum einen das Gunung-Leuser-Areal im Norden der Insel, zum anderen das Kerinchi-Seblat-Gebiet im Westen und drittens der Bereich des Bukit-Tigapuluh-Nationalparks im Zentralteil. Die BestĂ€nde des Sumatratigers sind immer noch rĂŒcklĂ€ufig.[39]

Bedrohungen

Die grĂ¶ĂŸte Bedrohung geht von der Zerstörung der LebensrĂ€ume des Tigers aus. Dabei sind die Rodung von WĂ€ldern, die Ausbreitung von Agrarland und das Schrumpfen von BeutetierbestĂ€nden die grĂ¶ĂŸten Gefahren. Daneben stellt die illegale Jagd auf den Tiger eine weitere große Bedrohung dar.[11] Der Handel mit Tigerprodukten, die vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden, ist ein Grund fĂŒr die illegale Jagd. Vor allem die Knochen, die zu Pulver zermahlen werden, finden dabei Verwendung. Seit dem Zusammenbruch der chinesischen TigerbestĂ€nde in den 1950er bis 1970er Jahren konnte der Markt nicht mehr mit einheimischen Tigern beliefert werden, wodurch auch die anderen Unterarten unter Druck gerieten. Im Jahr 1975 wurde der Handel mit Tigerprodukten durch die CITES verboten, 1993 folgte China mit einem nationalen Handelsverbot. Dennoch sinken die BestĂ€nde des Tigers weiter. Seit neuerem werden auch Tigerfelle wieder verstĂ€rkt illegal gehandelt. Strittig ist, inwiefern Tigerfarmen den Jagddruck von den WildbestĂ€nden nehmen könnten. Durch den Verkauf von Tigerprodukten aus Gefangenschaft wĂŒrde vermutlich die Nachfrage sinken. Allerdings mĂŒsste man dazu das Handelsverbot einschrĂ€nken. Dadurch bestĂŒnde wiederum die Gefahr, dass gewilderte Tigerprodukte legal verkauft werden könnten und kaum von denen aus Farmen zu unterscheiden sind.[22][40] Außer zur Gewinnung von Tigerprodukten wird dem Tiger auch als ViehrĂ€uber nachgestellt.[22]

Geplante Auswilderungsprojekte

Vor allem China arbeitet an der Wiederansiedlung von Tigern in ehemaligen LebensrĂ€umen. Die Organisation Save Chinas Tigers bemĂŒht sich um Nachzucht und Jagdgewöhnung SĂŒdchinesischer Tiger außerhalb Chinas in einem Reservat in SĂŒdafrika, um diese spĂ€ter wieder in ihrem ursprĂŒnglichen Habitat auszuwildern. Daneben existieren weitere PlĂ€ne zur Auswilderung von in Gefangenschaft geborenen Tigern in China. Auch die Auswilderung von Amurtigern wird in ErwĂ€gung gezogen. Zahlreiche Tiger dieser Unterart existieren in China in Gefangenschaft. Um den Druck von den wilden TigerbestĂ€nden zu nehmen, wurde etwa in Harbin (China) im Jahr 1986 eine Tigerfarm gegrĂŒndet. Nach dem chinesischen Handelsverbot wurde die Anlage in einen Tigerpark umgestaltet, in dem etwa 800 Amurtiger leben. Mindestens 200 davon scheinen sich vom genetischen Gesichtspunkt her fĂŒr ein Zuchtprogramm zur potentiellen Auswilderung zu eignen. Die grĂ¶ĂŸten Probleme dabei dĂŒrften der enorme Raumbedarf der Raubtiere und die Gewöhnung an die Wildnis sein. Ein weiteres Problem könnte die geringe genetische VariabilitĂ€t dieser Tiere darstellen.[40]

Lebensweise

Lebensraum des Tigers im Ranthambore-Nationalpark
Tropisches Waldhabitat in Taman-Negara

Tiger sind meistens in der DĂ€mmerung oder nachts aktiv,[5] gehen aber gelegentlich am Tag auf die Jagd.[4] Auf der Suche nach Beute legen Tiger oft große Strecken zurĂŒck. Dies gilt insbesondere fĂŒr Tiger in beutearmen Revieren wie Ostsibirien. Dort streifen die Katzen am Tag etwa 20 bis 25 km, in AusnahmefĂ€llen sogar 80 bis 100 km umher. Außer diesen MĂ€rschen innerhalb des Reviers fallen besonders weite Wanderungen auf, wenn die Tiere offenbar neue Wohngebiete suchen. Dabei entfernen sich die Tiere bisweilen mehrere hundert Kilometer von ihren angestammten Revieren.[4] Tiger schwimmen ausgezeichnet und gehen im Gegensatz zu anderen Katzen wie Löwen oder Leoparden gerne ins Wasser. Dabei können die großen Katzen FlĂŒsse von 6 bis 8 km Breite, in AusnahmenfĂ€llen sogar von 29 km Breite durchschwimmen.[22] Dagegen sind Tiger aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe relativ schlechte Kletterer. In der Regel erklimmen sie ungern grĂ¶ĂŸere BĂ€ume, doch sind sie im Notfall dazu in der Lage, was etwa im Fall von Wildhundangriffen oder bei einer Sturmflut in den Sundarbans im Jahr 1969 dokumentiert werden konnte. Als Lagerplatz dienen dem Tiger geschĂŒtzte PlĂ€tze innerhalb des Streifgebietes. Dies können umgestĂŒrzte BĂ€ume, Dickichte oder Höhlen sein.[4]

Lebensraum

Der Tiger bewohnt eine Vielzahl verschiedener LebensrĂ€ume, von Tropischen RegenwĂ€ldern und MangrovensĂŒmpfen ĂŒber Savannen- und Sumpfgebiete bis hin zu gemĂ€ĂŸigten und borealen Nadel-, Laub- und MischwĂ€ldern. In Vorderasien bewohnte der Tiger LaubwĂ€lder und Buschgebiete, sowie die FlusswĂ€lder zwischen den Trockengebieten. In China zĂ€hlen auch subtropische BergwĂ€lder zu den natĂŒrlichen LebensrĂ€umen. Tiger bleiben normalerweise in Bereichen unter 2000 m. In Kasachstan jagten die Tiere bisweilen auf 2500 m, im Himalaya wurden Tiger sogar in 4000 m Höhe nachgewiesen. Im Fernen Osten Russlands bevorzugen die Katzen die MischwĂ€lder der tieferen Lagen. Im Norden des Indischen Subkontinents stellen heute die feuchten Terai-Gebiete, die aus HochgraslĂ€ndern, SĂŒmpfen und FlusswĂ€ldern bestehen, wichtige LebensrĂ€ume dar. In SĂŒd- und Zentralindien findet man sie vor allem in SalwĂ€ldern, die von Graslichtungen durchsetzt sind, aber auch in echten DornbuschwĂ€ldern, wie sie im Ranthambore-Nationalpark vorkommen. In den Sundarbans leben Tiger in ausgedehnten MangrovensĂŒmpfen, in Assam und SĂŒdostasien in feuchten WĂ€ldern.[5] Gegen KĂ€lte sind insbesondere Sibirische Tiger sehr unempfindlich. Gebiete mit Schneedecken von 30 cm und mehr sind jedoch ungeeignet fĂŒr Tiger, vermutlich auch weil das Schwarzwild hier nicht vorkommt.[4] Letztendlich ist der Tiger im Bezug auf den Lebensraum sehr anpassungsfĂ€hig, ist aber auf ein gewisses Maß an Deckung, ausreichend Beute und Wasserzugang angewiesen.[41]

Sozialverhalten

TerritorialitÀt und Populationsdichte

Aggressionsverhalten

Tiger sind in aller Regel EinzelgÀnger, daher kommen MÀnnchen und Weibchen im Normalfall nur kurzzeitig zur Paarung zusammen. Da junge Tiger bis zu drei Jahre bei ihrer Mutter bleiben, findet man Weibchen jedoch fast stets in Gesellschaft von jungen oder jugendlichen Tigern. Selten werden richtige Familien, die aus den beiden Elterntieren und dem Nachwuchs bestehen, beobachtet.[4]

Sumatratiger mit Jungtier

In der Regel pflanzen sich nur jene Tiere fort, die ĂŒber ein Territorium verfĂŒgen. Durch Markierung mit Urin grenzen sie das Revier ab, dessen GrĂ¶ĂŸe bei den Tigerweibchen von der VerfĂŒgbarkeit der Beutetiere abhĂ€ngt. Das Revier eines MĂ€nnchens ĂŒberlappt in der Regel mit dem mehrerer (zwei bis sieben) Weibchen. Im Chitwan-Nationalpark mit einer Beutetierbiomasse von etwa 2000 kg/kmÂČ umfasst das Streifgebiet eines Tigerweibchens im Schnitt 23 kmÂČ, das eines MĂ€nnchens im Schnitt 68 kmÂČ. In den relativ beutearmen LaubwĂ€ldern des Sichote-Alin-Reservats im Fernen Osten Russlands, wo die durchschnittliche Biomasse der Beutetiere bei etwa 400 kg/kmÂČ liegt, umfasst das Revier eines Tigerweibchens etwa 200 bis 400 kmÂČ. Obwohl sich die Reviere teilweise ĂŒberlappen können, spiegelt die durchschnittlichen ReviergrĂ¶ĂŸen die Populationsdichte der Tiger eines Gebietes wieder. Im indischen Kanha-Nationalpark leben auf einer FlĂ€che von 320 kmÂČ etwa zehn bis 15 Tiere.[22] Im Chitwan Nationalpark in Nepal leben im Durchschnitt etwa acht Tiger auf 100 kmÂČ. Im Kaziranga-Nationalpark finden sogar ĂŒber 16 Tiger pro 100 kmÂČ ein Auskommen,[5] in Nagarhole immerhin etwa 13 bis 15.[42] Im Gegensatz dazu leben im Fernen Osten Russlands je nach Art des Lebensraums nur etwa 0,5 bis 1,4 Tiger auf 100 kmÂČ. Die TropenwĂ€lder Malaysias, Sumatras und Laos zeichnen sich in der Regel ebenfalls durch sehr niedrige Beutetierdichten aus. Hier sind auch die Bestandsdichten der Tiger besonders niedrig.[5] Die extrem großen Streifgebiete der Sibirischen Tiger scheinen allerdings nicht nur auf die relativ geringen Beutetierdichten zurĂŒckzufĂŒhren sein, sondern auch auf menschliche Nachstellungen. So ließen sich junge Tigerweibchen im Sichote-Alin-Reservat meist im Revier der Mutter nieder, falls keine Verluste durch menschliche Nachstellungen auftraten. Wenn die Ausfallquote hoch war, besetzten sie dagegen eigene Reviere. Demnach dĂŒrfte die potentiell benötigte ReviergrĂ¶ĂŸe eines Weibchens in diesem Gebiet deutlich unter der tatsĂ€chlichen von etwa 400 Quadratkilometern liegen.[43] Als territoriale Tiere verteidigen Tiger ihr Revier normalerweise gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen. Markiert wird das Revier durch Urin, der mit aufgestelltem Schwanz gegen BĂ€ume oder BĂŒsche gespritzt wird. Auch Kratzspuren, die Tiger hĂ€ufig an BĂ€umen hinterlassen, könnten diesem Zweck dienen. Dass das BrĂŒllen ebenfalls zur Reviermarkierung dient, wie es beim Löwen der Fall ist, dĂŒrfte eher unwahrscheinlich sein, da Tiger sehr selten BrĂŒllen.[4] Weibliche Tiger besetzen hĂ€ufig ein Revier in direkter Nachbarschaft zu dem ihrer Mutter, was dazu fĂŒhrt, dass die Tigerweibchen eines Gebietes hĂ€ufig Ă€hnlich nah verwandt sind wie die Löwinnen eines Rudels. MĂ€nnliche Tiger wandern dagegen umher und versuchen, ein verwaistes Revier zu finden oder ein anderes MĂ€nnchen im Kampf zu vertreiben.[5]

Fortpflanzung

Tiger bei der Paarung

Tiger in tropischen LebensrĂ€umen kennen keine bevorzugte Fortpflanzungszeit. Im Amurgebiet werden die meisten Jungtiere dagegen im FrĂŒhling geboren. Wenn das Weibchen paarungsbereit ist, setzt es vermehrt Duftmarken. Die Weibchen sind in Gefangenschaft etwa fĂŒnf Tage empfĂ€ngnisbereit. In freier Wildbahn sind die Paare jedoch meist nur zwei Tage zusammen. In dieser Zeit paaren sich die Tiere hĂ€ufig, etwa 17 bis 52 Mal pro Tag.[5] Der Paarungsakt ist allerdings recht kurz. Bei der Paarung liegt das Weibchen am Boden, wĂ€hrend das MĂ€nnchen ĂŒber ihm steht und dessen Nacken mit dem Gebiss umfasst. Die Weibchen sind danach hĂ€ufig sehr angriffsbereit, fauchen und schlagen mit den Pranken nach dem MĂ€nnchen.[44]

Tigerweibchen mit Jungen im Kanha-Tigerreservat
Amurtiger mit Jungtier

Falls die Paarung nicht erfolgreich war, wird das Weibchen etwa einen Monat spĂ€ter erneut lĂ€ufig. Nach erfolgreicher Paarung bringt das Weibchen nach einer Tragzeit von etwa 103 Tagen meist zwei bis fĂŒnf Junge zur Welt, wobei der Durchschnitt bei drei liegt. WĂŒrfe von nur einem oder bis zu sieben Jungen kommen gelegentlich vor. Als Geburtslager wĂ€hlt das Weibchen eine geschĂŒtzte Stelle im Dickicht, hohen Gras, zwischen Felsspalten oder in einer Höhle. Die Jungen sind anfangs blind und hilflos und wiegen lediglich 785 bis 1610 g. In den ersten Wochen bleibt das Weibchen stets in der nĂ€heren Umgebung des Lagers. Sobald die Jungen nach zwei bis drei Monaten Ă€lter und beweglicher werden, vergrĂ¶ĂŸert das Weibchen sein Streifgebiet allmĂ€hlich. Nach etwa sechs Monaten werden die Jungen entwöhnt, sind aber noch nicht in der Lage, selbststĂ€ndig zu jagen. Nach etwa zwölf bis 18 Monaten verlieren sie die MilchzĂ€hne. Etwa ab diesem Alter sind sie physisch in der Lage zu jagen. Nach 18 bis 20 Monaten sind die Jungen meist unabhĂ€ngig, halten sich aber dann noch einige Zeit im Revier der Mutter auf. Das Abwandern fĂ€llt in der Regel mit der Geburt des neuen Wurfs zusammen. WĂ€hrend einer Studie im Chitwan-Nationalpark wanderten die MĂ€nnchen im Schnitt 33 km weit weg, wĂ€hrend die Weibchen nur etwa 10 km vom Revier ihrer Mutter sesshaft wurden. Dabei gelang es von zehn untersuchten TigermĂ€nnchen nur vieren, erfolgreich ein eigenes Revier zu besetzen. Weibliche Tiger bekommen im Durchschnitt mit etwas ĂŒber drei Jahren zum ersten Mal Nachwuchs, MĂ€nnchen mit knapp fĂŒnf Jahren. Weibchen sind im Schnitt etwa sechs Jahre, bestenfalls etwa zwölf Jahre reproduktiv. Demnach erreichen weibliche Tiger, die bis zur Geschlechtsreife gelangen, in freier Wildbahn durchschnittlich ein Alter von etwa 9 Jahren. Durch die hohe Jungensterblichkeit zieht ein Weibchen in seinem Leben durchschnittlich nur etwa vier bis fĂŒnf Junge bis zur SelbstĂ€ndigkeit auf.[5] Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Tigers in Gefangenschaft liegt bei 16 bis 18 Jahren. Selten erreichen die Tiere ein Alter von 20 bis 25 Jahren.[44]

Lautgebung

Tiger sind fĂŒr gewöhnlich still. Sie verfĂŒgen dennoch ĂŒber ein recht großes Arsenal unterschiedlicher Laute. Am hĂ€ufigsten ist das weittragende, tiefe BrĂŒllen, dass man mit A-o-ung wiedergeben kann und meist mehrmals wiederholt wird. Es wird mit dem Paarungsverhalten in Zusammenhang gebracht. Beim Angriff stĂ¶ĂŸt der Tiger oft einen kurzen, hustenartigen BrĂŒlllaut aus, der an einen dumpfen Schuss erinnert. Einen Ă€hnlichen Laut gibt das MĂ€nnchen auch bei der Paarung von sich.[4]

ErnÀhrung

Tiger ernĂ€hren sich vor allem von großen SĂ€ugetieren, die in der Regel angepirscht und nach einem kurzen Spurt ĂŒberwĂ€ltigt werden. Huftiere wie Hirsche, Wildrinder und Wildschweine stellen die Hauptbeute dar, einen geringeren Teil der Nahrung machen auch kleinere SĂ€uger wie Hasen und Kaninchen, des Weiteren Vögel, aber auch Reptilien bis hin zu grĂ¶ĂŸeren Krokodilen aus. Der Tiger kann im Alleingang auch so mĂ€chtige Tiere wie Gaurbullen erlegen.

Beutespektrum

Zusammensetzung der Tigerbeute nach Biomasse in verschiedenen Reservaten

Die wichtigsten Beutetiere des Tigers sind im gesamten Verbreitungsgebiet Hirsche und Wildschweine. In den Nationalparks auf dem indischen Subkontinent, etwa in Chitwan (Nepal), Nagahole (Indien) und Kanha (Indien), machen grĂ¶ĂŸere Hirsche (Axishirsch, Sambarhirsch, Barasingha) deutlich mehr als die HĂ€lfte der Biomasse der Tigerbeute aus. Insbesondere in Nagarhole stellt darĂŒber hinaus der riesige Gaur einen großen Anteil der Tigerbeute. Weitere wichtige Beutetiere der Region sind Wildschweine, Schweinshirsche und Muntjakhirsche, wĂ€hrend Stachelschweine, Hasen und Languren unter anderem aufgrund ihrer geringen GrĂ¶ĂŸe einen relativ geringen Teil der Tigernahrung dieser Reservate ausmachen.[45] In einigen Gebieten des Indischen Subkontinents stellen auch Antilopen, insbesondere die Nilgauantilope, wichtige Beutetiere dar.[46] Im thailĂ€ndischen Huai Kha Kaeng-Wildreservat setzt sich die Hauptnahrung des Tigers abwechslungsreich aus Sambarhirschen, Muntjakhirschen, Wildschweinen, Stachelschweinen und Schweinsdachsen zusammen. Im Sichote-Alin-Naturreservat im russischen Fernen Osten besteht die Hauptmasse der Nahrung dagegen aus Isubrahirschen und Wildschweinen. Insgesamt hĂ€ngt die Existenz des Tigers vom Vorkommen relativ großer Beutetiere wie Hirschen und Wildschweinen ab. Die erloschenen Vorkommen des Kaspischen Tigers deckten sich beispielsweise ebenfalls mit den BestĂ€nden von Bucharahirschen, Rehen und Wildschweinen in den FlusswĂ€ldern der ansonsten trockenen Region Vorderasiens.[45] In Tadschikistan stellte der Kaspische Tiger einst auch Kropfgazellen und RotfĂŒchsen nach, an FlusslĂ€ufen in der Steppe der ehemaligen Sowjetunion soll er sogar Jagd auf Saigaantilopen gemacht haben. Tiger können Beutetiere erlegen, die ihr eigenes Gewicht um ein mehrfaches ĂŒbertreffen. RegelmĂ€ĂŸig werden etwa große Wildrinder wie ArnibĂŒffel und Gaure erlegt, wobei meist KĂŒhe und KĂ€lber gerissen werden. Gelegentlich reißen Tiger auch Schabrackentapire und bisweilen selbst junge Panzernashörner, die sich zu weit von der Mutter entfernt haben. Angriffe auf wilde Elefanten sind Ă€ußerst selten und beschrĂ€nken sich in der Regel auf KĂ€lber, obwohl sogar glaubwĂŒrdige Berichte von erfolgreichen Angriffen auf ausgewachsene Bullen existieren. In manchen Populationen machen auch BĂ€ren einen Anteil der Beute aus. WĂ€hrend die Indischen LippenbĂ€ren offenbar selten Opfer von Tigern werden, zĂ€hlen KragenbĂ€ren und seltener auch BraunbĂ€ren zu den potentiellen Beutetieren der Sibirischen Amurtiger. Insgesamt stellen BĂ€ren im Fernen Osten Russlands etwa 5 bis 8 % der Tigerbeute dar, wobei auch ausgewachsene BraunbĂ€ren erlegt werden.[46][47]

Sambarhirsche, wie hier im Chitwan-Nationalpark sind typische Beutetiere des Tigers

Im russischen fernen Osten reißt der Tiger neben Isubrahirschen und Wildschweinen vor allem Elche, Sikahirsche, Moschustiere, Rehe und Gorale,[5] gelegentlich auch Nordluchse, Dachse, Hasen und sogar HaselhĂŒhner. In Ă€hnlicher Weise erlegt der Tiger in Indien gelegentlich Kleintiere, wie Nager, Schildkröten, Fische und sogar Heuschrecken und Frösche. Auch Fleischfresser wie grĂ¶ĂŸere Krokodile werden bisweilen erlegt, Leoparden werden meist als Nahrungskonkurrenten getötet, seltener auch gefressen. DarĂŒber hinaus werden auch FrĂŒchte und GrĂ€ser aufgenommen. Aas scheint der Tiger weniger bereitwillig zu fressen als etwa der Löwe. Kannibalismus kommt vor, doch werden im Normalfall nur Jungtiere von fremden MĂ€nnchen oder tot aufgefundene Artgenossen gefressen.[46]

DarĂŒber hinaus greift der Tiger bisweilen Nutztiere an. Insbesondere Hunde und grĂ¶ĂŸere Huftiere wie Ziegen, Schafe, Rinder, HauswasserbĂŒffel, Esel und Pferde werden erbeutet. WĂ€hrend Angriffe auf Haustiere normalerweise die Ausnahme darstellen, gibt es insbesondere in Indien Tiger, die sich auf diese Art des Nahrungserwerbs spezialisiert haben. Sie werden im Unterschied zu den Tieren, die von wildlebender Beute leben (game killer), als Viehtöter (cattle killer) bezeichnet.[46]

Jagdtechniken

SĂŒdchinesicher Tiger mit erlegtem Beutetier. Die Tiere werden in SĂŒdafrika fĂŒr eine spĂ€tere Auswilderung in China vorbereitet.

Tiger schleichen sich an ihre Beute heran oder lauern ihr auf und fallen sie nach wenigen SĂ€tzen oder einem kurzen Spurt an.[45] Im Gegensatz zum Löwen scheinen Tiger die Windrichtung bei der Jagd zu berĂŒcksichtigen und nĂ€hern sich bevorzugt gegen den Wind. Dabei nĂ€hert der RĂ€uber sich geduckt und versucht, sich dem Opfer auf durchschnittlich etwa zehn bis 35 m zu nĂ€hern. Falls die Distanz zu groß ist und sich keine weitere Deckung bietet, wartet der Tiger, bis sich das Opfer gegebenenfalls von selbst nĂ€hert. Der Angriff erfolgt in vollem Spurt, bei kurzer Distanz, im tiefen Schnee oder unwegsamen GelĂ€nde auch in großen SĂ€tzen. Falls der Tiger das Opfer nicht sofort erreicht, verfolgt er es maximal 100 bis 200 m. Danach bricht er die Verfolgung normalerweise ab. Hat er das Beutetier erreicht, versucht er grĂ¶ĂŸere Tiere meist durch die Wucht des Aufpralls zu Boden zu reißen. In der Regel greift er bei grĂ¶ĂŸeren Tieren meist von unten oder der Seite an um die Kehle mit dem Maul zu erreichen. Dabei wird das Opfer meist stranguliert. Die Pranken dienen dabei dazu, das Opfer festzuhalten. Kleinere Tiere werden meist durch Nackenbisse getötet. Gelegentlich beißt der Tiger auch bei grĂ¶ĂŸeren Beutetieren in den Nacken des Opfers, meist um die Wirbel durchzubeißen. Wirklich große Beutetiere wie ausgewachsene Wildrinder können aber auf diese Weise kaum getötet werden und werden daher durch Bisse in Kehle oder Maul angegriffen. Daneben kommt eine weitere Tötungsmethode in Betracht. So werden hĂ€ufiger Beutetiere mit gebrochenem Genick aufgefunden, wobei unklar ist, ob dies unabsichtlich beim Aufprall oder gezielt geschieht. Wildrinder und Jungelefanten werden darĂŒber hinaus auch von hinten angegriffen, mit dem Ziel, ihnen die Flechsen durchzubeißen. Bei der Jagd auf BĂ€ren greifen Tiger offenbar ebenfalls von hinten an, wobei sie versuchen, ihnen die Nackenwirbel durchzubeißen. Auch beim Angriff auf einen ausgewachsenen Elefanten, was nur in AusnahmefĂ€llen vorkommt, muss der Tiger von hinten attackieren, um dem RĂŒssel zu entgehen. Offenbar erfolgen derartige Angriffe meist gemeinschaftlich. Ein Tiger lenkt dann den Elefanten ab, wĂ€hrend ein anderer von hinten angreift. Nach einem Sprung auf den RĂŒcken versucht die Katze, den Elefanten durch Bisse zu verwunden, was mehrmals wiederholt wird und so zur Erschöpfung und zu hohem Blutverlust des Tieres fĂŒhrt.[46]

Beutesicherung, Verzehr und Nahrungsbedarf

Tiger im Ranthambore-Nationalpark mit erlegtem WasserbĂŒffelkalb

Das erlegte Beutetier wird in der Regel in ein geschĂŒtztes Versteck gezerrt, wobei selbst ausgewachsene Rinder mehrere hundert Meter weit geschleift werden können. Tiger beginnen meist am Hinterteil zu fressen, wĂ€hrend Löwen in der Regel zuerst die Bauchhöhle öffnen. Der RĂ€uber trinkt regelmĂ€ĂŸig nach oder wĂ€hrend des Fressens und verweilt normalerweise in der NĂ€he der Beute, bis diese verzehrt ist. Entfernt er sich weiter von seinem Riss, bedeckt er ihn mit Laub und Ästen. Bei grĂ¶ĂŸeren Beutetieren bleiben meist der Kopf und die Beine ĂŒbrig. Ein Tiger kann bei einer einzigen Mahlzeit schĂ€tzungsweise 18 bis 27 kg, in ExtremfĂ€llen vermutlich auch bis zu 40 kg zu sich nehmen.[46]

Ein Tigerweibchen benötigt pro Tag etwa 5 bis 6 kg Fleisch. Da von einem Kadaver durchschnittlich nur zwei Drittel verwertbar sind, muss das Tier im Jahr mindestens Beutetiere von einem Gesamtgewicht zwischen 2400 und 2850 kg zur VerfĂŒgung haben. Dies entsprĂ€che etwa einem Sambarhirsch von 200 kg alle vier Wochen beziehungsweise einem Muntjak alle zwei bis drei Tage. WĂ€hrend der Jungenaufzucht liegt der Fleischbedarf etwa um bis zu 50 % höher.[45] Ein Tigerweibchen in Sibirien, das Junge fĂŒhrt, benötigt rechnerisch etwa 5000 kg Fleisch pro Jahr, was etwa 50 großen Beutetieren mit einem Durchschnittsgewicht von 100 kg entspricht.[46] Nach dem Fressen sĂ€ubert der Tiger sein Fell grĂŒndlich vom Blut des Opfers und anderem Schmutz durch Ablecken. Der Kopf wird mit der Vorderpranke gereinigt, die selbst wiederum immer wieder abgeleckt wird. Auch wĂ€hrend der Ruhephasen sĂ€ubert der Tiger auf diese Weise gelegentlich sein Fell.[4]

Ausscheidungen

Der Kot des Tigers ist lĂ€nglich und misst etwa 35 bis 40 mm im Durchmesser. Er ist in der Regel von brauner bis schwarzer FĂ€rbung und besteht aus einer halbfesten pechartigen Masse, sofern die Nahrung vor allem aus Muskeln oder Blut bestand. Man findet darin meist unverdaute Nahrungsreste wie Haare oder Knochen.[4]

Menschenfressende Tiger

Menschen werden in den Sundarbans im Bereich des Gangesdelta regelmĂ€ĂŸig, in anderen Gebieten Indiens gelegentlich, im sonstigen Verbreitungsgebiet sehr selten erbeutet. Die weitaus meisten TigerĂŒberfĂ€lle kommen in den Sundarbans vor. Um 1980 wurden dort SchĂ€tzungen zufolge pro Jahr etwa 100 Menschen von Tigern gerissen.[22] Normalerweise geht der Tiger dem Menschen aus dem Weg. Manche Tiger werden jedoch aus unbekannten GrĂŒnden zu nahezu reinen Menschenfressern. Mögliche GrĂŒnde fĂŒr die Entwicklung zum „Maneater“ können Verletzungen sein, die den Tiger daran hindern, seine natĂŒrliche Beute in ausreichendem Maß zu erlegen; einen Ausweg bietet in diesem Fall der Mensch, der viel langsamer und nicht so wehrhaft ist wie viele Beutetiere.[48] Tiger dringen im Gegensatz zu Leoparden sehr selten in menschliche Siedlungen ein, sondern töten im Grunde nur Menschen, die ihre Dörfer verlassen, zum Beispiel HolzfĂ€ller und Honigsammler.

NatĂŒrliche Feinde

Illustration eines Angriffs Asiatischer Wildhunde auf einen Tiger

Als SpitzenprĂ€dator kennt der Tiger in seinem gesamten Verbreitungsgebiet kaum natĂŒrliche Feinde. Bisweilen wird behauptet, der Asiatische Wildhund sei im Rudel in der Lage Tiger zu reißen. Dies kann allerdings nur fĂŒr alte, schwache oder junge Tiger zutreffen. Als echter Feind kann der Wildhund nicht betrachtet werden. Wölfe scheinen vom Tiger eher kurz gehalten zu werden, als dass er sie fĂŒrchten mĂŒsste. Junge und halberwachsene Tiger werden gelegentlich von BraunbĂ€ren getötet. Ausgewachsenen Tigern gehen BĂ€ren immer aus dem Weg. DarĂŒber hinaus kĂ€me noch der Löwe, der eine Ă€hnliche GrĂ¶ĂŸe erreicht und im Rudel auftritt, als potentieller Feind in Betracht. Da sich die Verbreitungsgebiete von Löwe und Tiger allerdings nicht mehr ĂŒberschneiden, ist der Löwe nicht als Konkurrent zu betrachten. Auch sind die LebensraumansprĂŒche beider Arten deutlich verschieden, da der Löwe offenere Habitate bevorzugt. Tiger tragen Parasiten, doch sind Krankheiten wilder Tiger kaum erforscht.[49]

Kulturgeschichte

Ähnlich wie der Löwe im europĂ€ischen oder afrikanischen Kulturraum als „König der Tiere“ bezeichnet wird, kommt dem Tiger in asiatischen Kulturen eine Ă€hnliche Bedeutung zu. Attribute wie „König des Dschungels“, „Zar der Taiga“ oder „Herrscher ĂŒber alle Tiere“ heben die Stellung heraus, die diese Katze im Empfinden menschlicher Gesellschaften besitzt. Bei einzelnen VolksstĂ€mmen hatte der Tiger bis in die jĂŒngere Vergangenheit den Status einer Gottheit. Im westlichen Kulturkreis wurde der Tiger dagegen lange eher als blutrĂŒnstig und gefĂ€hrlich dargestellt.[50] Heute ist der Tiger dank seiner Schönheit und seiner sinnbildlichen StĂ€rke eines der weltweit beliebtesten Wildtiere und trĂ€gt als Symbol der Wildnis sehr hohe Sympathiewerte, was dem Schutz der Art zugute kommen könnte. Der Tiger stellt darĂŒber hinaus eine so genannte flagship species dar. Diese meist recht medienwirksamen Arten verhelfen Schutzprojekten zu grĂ¶ĂŸerer Akzeptanz, UnterstĂŒtzung und PrioritĂ€t. Dabei können auch andere Arten desselben Lebensraums im Sinne eines „Rockzipfeleffekts“ von der PopularitĂ€t des Tigers profitieren.[51]

Das Wort „Tiger“ wurde ĂŒber lat. tigris aus gr. Ï„ÎŻÎłÏÎčς tĂ­gris entlehnt, stammt aber letztlich aus einer orientalischen, vermutlich einer iranischen Sprache. Manche Forscher vermuten eine Verwandtschaft mit avestisch tigri- „Pfeil“ und altpersisch tigra „spitz“.

Die Göttin Durga auf einem Tiger reitend

Durch seine StĂ€rke, GrĂ¶ĂŸe und Gewandtheit hat der Tiger den Menschen seit Urzeiten beeindruckt. Die frĂŒheste Darstellung eines Tigers ist von Amtssiegeln der Induskultur im heutigen Pakistan bekannt und entstammt der Zeit vor etwa 5000 Jahren. Der Tiger taucht in Abbildungen damit deutlich nach den ersten Darstellungen von Löwen auf, die teilweise bis zu 30.000 Jahre alt sind. Im Hinduismus, der sich nach der Einwanderung Arischer Völker in Indien etablierte, spielt der Tiger eine wichtige Rolle. So reitet die Göttin Durga auf einem Tiger, wĂ€hrend Shiva auf einem Tigerfell sitzt. Auch in den Buddhismus fand der Tiger Eingang und ziert verschiedene HeiligtĂŒmer und Tempel.[52]

In den Kulturen des Ostens, wie Indien und China spielte der Tiger seit langem eine wichtige Rolle, Ă€hnlich jener des Löwen im Altertum des Mittelmeergebietes. Auf protoindischen DenkmĂ€lern des zweiten Jahrtausends vor Christus sind etwa Reliefdarstellungen von Tigern bekannt. Diese zeigen hĂ€ufig einen Helden, der mit zwei Tigern ringt und dem sagenhaften Held Gilgamesh analog zu sein scheint. Aber auch in der skythischen Kunst der euro-asiatischen Steppenkulturen, insbesondere zwischen 1000 und 500 v. Chr. wurde der Tiger hĂ€ufig dargestellt. In der Kunst der mesopotamischen und kleinasiatischen Völker des Altertums kommt der Tiger dagegen nicht vor. In der altiranischen Kunst ist der Tiger ein relativ seltenes Motiv, obwohl die Katze hier vorkam. Im antiken Griechenland, und damit in Europa, wurden Tiger erst durch die FeldzĂŒge Alexanders des Großen (330-325 v. Chr.) nach Asien bekannt. Wenig spĂ€ter gelangte der erste Tiger als Geschenk des Königs Seleukos I. nach Athen. Zu dieser Zeit kamen Löwen noch wildlebend in Griechenland vor, was erklĂ€rt, warum diese Katze dem westlichen Kulturkreis viel nĂ€her steht als der Tiger.[50]

Im antiken Rom wurden Tiger bei Zirkusspielen verwendet. Der erste Tiger in Rom war ein Geschenk an Augustus aus Indien im Jahre 19 v. Chr. Der zweite Tiger wurde zur Eröffnung des Marcellus-Theaters im Jahre 11 v. Chr. der Bevölkerung gezeigt. WĂ€hrend der Hochzeit Elagabals wurden 51 Tiger vorgefĂŒhrt und getötet.

Von diesem Kaiser wird auch berichtet, dass er, bei der Darstellung des Gottes Bacchus, Tiger vor seinen Wagen spannen ließ. Insgesamt fanden Tiger allerdings deutlich seltener Verwendung in Zirkusspielen als etwa Löwen.[50]

Auch weil der Tiger in der Bibel nicht vorkommt, scheint er spĂ€ter in Europa in Vergessenheit geraten zu sein. Erst durch die Reisen Marco Polos im 13. Jahrhundert wurde er fĂŒr die EuropĂ€er wiederentdeckt. Marco Polo sah sie erstmals am Hof des Kublai Khan, beschrieb sie jedoch als Löwen, die grĂ¶ĂŸer seien als die „babylonischen“ und außerdem schwarze, weiße und rote Streifen hĂ€tten. Der erste Tiger, der in nachrömischer Zeit nach Europa gelangte, dĂŒrfte vermutlich jener am Hof der Herzogin von Savoyen in Turin gewesen sein, der 1478 dort eintraf. Kurz darauf gelangten Tiger auch an andere Höfe Europas.[50]

Chinesische Tigerdarstellung

Die berĂŒhmtesten Tiger der Literaturgeschichte sind wohl Shir Khan aus Rudyard Kiplings Dschungelbuch und Tigger aus Alan Alexander Milnes Pu der BĂ€r. Schota Rustawelis Der Recke im Tigerfell gilt als das Nationalepos Georgiens. William Blakes Gedicht Der Tiger[53] ist eines der bekanntesten Gedichte der englischen Romantik. 2002 gewann Yann Martel mit dem Roman Schiffbruch mit Tiger den Booker Prize.

In China galt der Tiger als Symbol fĂŒr den Westen, den Herbst sowie fĂŒr Tapferkeit. Auch kam ihm eine gewisse Rolle in Exorzismus und Heilkunde zu. Schließlich gehört er als 3. Tier dem chinesischen Tierkreis an. In der Qing-Dynastie war er Abzeichen der Offiziere des 4. Rangs und – als „junger Tiger“ – des 6. Rangs.

Seit mindestens 1500 Jahren spielt der Tiger als Sinnbild fĂŒr StĂ€rke eine wichtige Rolle in der Traditionellen Medizin Asiatischer LĂ€nder, insbesondere Chinas. Verschiedene Organe und Körperteile der Katze sollen gegen Leiden wie Rheuma und Impotenz helfen, wobei sie meist zu Pulvern zermahlen werden. Die Nachfrage nach diesen Produkten ist auch heute noch Ursache fĂŒr Wilderei an Tigern und bedroht die Art in ihrer Existenz.[40]

Noch heute spielt der Tiger eine wichtige Rolle in vielen Kulturen. Jedes 12. Jahr ist in der chinesischen Kultur dem Tiger gewidmet. SĂŒdkorea wĂ€hlte den Tiger als Symbol der Olympischen Spiele 1988. Er ziert verschiedene Staatswappen, wie etwa jenes von Malaysia. Als Symbol der StĂ€rke dient er zur Beschreibung des wirtschaftlichen Aufschwungs der so genannten Tiger-Staaten.[52]

WĂ€hrend die TigerbestĂ€nde in der Wildnis immer noch schwinden, existiert eine große Zahl von Tigern verschiedener Unterarten in Gefangenschaft. Man schĂ€tzt ihre Zahl auf etwa 11.000 Tiere. Dabei entfallen etwa 1000 Tiger auf verschiedene Zoologische GĂ€rten, vor allem in Europa, den USA und Japan. In Privathaltungen in den USA leben etwa 5000 Tiere und weitere 5000 leben in anderen Privatgehegen, vor allem in China. Im Tigerpark von Harbin leben allein 800 Amurtiger.[40]

Literatur

  • Vratislav MazĂĄk: Der Tiger. Westarp Wissenschaften; Auflage: 5 (April 2004), unverĂ€nd. Aufl. von 1983 ISBN 3-89432-759-6
  • John Seidensticker: Riding the Tiger. Tiger Conservation in Human-dominated Landscapes Cambridge University Press, 1999 ISBN 0-521-64835-1
  • K. Ullas Karanth: Tigers. Colin Baxter, Grantown-on-Spey 2001. ISBN 1-84107-081-5
  • Iain Green: Wild tigers of Bandhargarh, Encounters in a fragile Forest. Tiger Books, Crowborough 2002. ISBN 0-9543115-0-7
  • Vivek R. Sinha: The vanishing tiger. Salamander Books, London 2003. ISBN 1-84065-441-4

Weblinks

 Commons: Tiger â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Tiger â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  2. ↑ Mazák, 1983 (S. 115 ff.)
  3. ↑ a b c d e Mazák, 1983 (S. 137 ff.)
  4. ↑ a b c d e f g h i j k l Mazák, 1983 (S. 61 ff.)
  5. ↑ a b c d e f g h i j k l m Sunquist, M. E. & Sunquist, F. C. (2009). Family Felidae (Cats). (128-130). In: Wilson, D. E., Mittermeier, R. A., (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 1: Carnivores. Lynx Edicions, 2009. ISBN 978-84-96553-49-1
  6. ↑ a b c d e f g Mazák, 1983 (S. 178 ff.)
  7. ↑ Shu-Jin Luo, Jae-Heup Kim, Warren E. Johnson, Joelle van der Walt, Janice Martenson, Naoya Yuhki, Dale G. Miquelle, Olga Uphyrkina, John M. Goodrich, Howard B. Quigley, Ronald Tilson, Gerald Brady, Paolo Martelli, Vellayan Subramaniam, Charles McDougal, Sun Hean, Shi-Qiang Huang, Wenshi Pan, Ullas K. Karanth, Melvin Sunquist, James L. D. Smith, Stephen J. O'Brien: Phylogeography and Genetic Ancestry of Tigers (Panthera tigris). PLoS Biol 2(12), (2004). e442. doi:10.1371/journal.pbio.0020442
  8. ↑ Joel Cracraft, Julie Feinstein, Jeffrey Vaughn, and Kathleen Helm-Bychowski: Sorting out tigers (Panthera tigris): mitochondrial sequences, nuclear inserts, systematics, and conservation genetics. Animal Conservation (1998) 1, 139–150. DOI: 10.1111/j.1469-1795.1998.tb00021.x
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  44. ↑ a b Mazák, 1983 (S. 101 ff.)
  45. ↑ a b c d Seidensticker, 1999 (S. 13 ff.)
  46. ↑ a b c d e f g Mazák, 1983 (S. 77 ff.)
  47. ↑  Dale G. Miquelle, Philip A. Stephens, Evgeny N. Smirnov, John M. Goodrich, Olga J. Zaumyslova, Alexander E. Myslenkov: Tigers and Wolves in the Russian Far East: Competitive Exclusion, Functional Redundancy, and Conservation Implications. In: Justina C. Ray (Hrsg.): Large carnivores and the conservation of biodiversity. Island Press, 2005, ISBN 9781559630801, S. 179-207 (http://www.savethetigerfund.org/AM/Template.cfm?Section=Home1&template=/CM/ContentDisplay.cfm&ContentFileID=559).</span>
  48. ↑ Mazák, 1983 (S. 124 ff.)
  49. ↑ Mazák, 1983 (S. 117 ff.)
  50. ↑ a b c d Mazák, 1983 (S. 9 ff.)
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  52. ↑ a b Seidensticker, 1999 (S. 50 ff.)
  53. ↑ William Blake: „Der Tiger“ (Gedicht)
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