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Tijuana No!

Tijuana No!
Bandlogo vom Album Transgresores de la ley
Bandlogo vom Album Transgresores de la ley
Allgemeine Informationen
Genre(s) Ska-Punk, Latin Rock
GrĂŒndung 1989 als NO
Auflösung 2002
NeugrĂŒndung 2010
Aktuelle Besetzung
Cecilia „Ceci“ Bastida
Mahuiztecatl â€žTeca“ GarcĂ­a
Jorge Jiménez
Jorge „Borja“ Velásquez
Alejandro „Alex“ ZĂșñiga
Keyboard
Dardin Coria (Live-Auftritte 2010)
DJ Tijuas (Live-Auftritte 2010)
Ehemalige Mitglieder

  • Mayumi Hideyoshi: Gesang (1997–2000)
  • Luis GĂŒereña: Gesang, Percussion (1989–2004; † 2004)
  • CĂ©sar Ortega (1989)
  • „El Kilo“ MĂșzquiz (1989)
  • Julieta Venegas: Gesang und Klavier (1989)
  • Zamudio-Geschwister (1989)</center>

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Tijuana No! (oft ohne Ausrufungszeichen Tijuana No) ist eine mexikanische Ska-Punk-Band aus der Grenzstadt Tijuana.

Die 1989 als NO gegrĂŒndete Musikgruppe veröffentlichte in den 1990er-Jahren drei Studioalben. In ihren vorwiegend spanischen Texten beschĂ€ftigte sich die Band vor allem mit der Politik Mexikos und der Vereinigten Staaten. Tijuana No! solidarisierte sich mit indigenen und unterdrĂŒckten Gesellschaften und ĂŒbte Kritik an rassistischen Strukturen in vielen Teilen der Welt. Die Band trennte sich im Jahr 2002, gab aber bis 2006 vereinzelt Konzerte und vereinigte sich 2010 erneut.

Der musikalische Stil Tijuana No!s umfasst Elemente zahlreicher traditioneller und moderner Genres; Inspiration erfuhr das Sextett von Bands beiderseits der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Inhaltsverzeichnis

Bandgeschichte

Vorgeschichte

Bevor die Band Tijuana No! entstand, organisierte Luis GĂŒereña in den 1980er-Jahren Shows von mexikanischen und US-amerikanischen Gruppen in Tijuana. Bereits als Kind interessierte sich GĂŒereña fĂŒr Musik, die zu jener Zeit in den USA und in Europa populĂ€r war. Er besuchte in seiner Jugend Konzerte von Genesis, Peter Gabriel, Black Sabbath und Led Zeppelin und lernte spĂ€ter Jazz und Punkrock kennen. Seine ersten eigenen Auftritte hatte GĂŒereña in einer Band namens SoluciĂłn Mortal (deutsch: „tödliche Lösung“), wobei er den Bassisten der Gruppe zu Auftritten in den nahegelegenen StĂ€dten Los Angeles und San Diego ĂŒber die Grenze schmuggeln musste, da dieser keine Reisepapiere hatte.[1]

GĂŒereña gilt als Pionier und Förderer des Ska und Punk in Nordmexiko.[2] Er stellte dem mexikanischen Publikum in den 1980er-Jahren den neuen Musikstil vor, indem er Punkbands aus Kalifornien nach Tijuana brachte.[3] Auf diese Weise gelangten reputable aber auch umstrittene Bands wie die Adolescents, Black Flag, X, Bad Manners und die Dead Kennedys zu Auftritten in GĂŒereñas Heimatstadt. Die von ihm organisierten Konzerte standen jedoch immer im Zusammenhang mit seiner UnterstĂŒtzung von Bewegungen wie den Sandinistas und dem FMLN sowie spĂ€ter den Zapatisten; GĂŒereña selbst unterstĂŒtzte prosowjetische Bewegungen in Mittelamerika, respektierte den Maoismus und war von der 1984 gegrĂŒndeten RevolutionĂ€ren Internationalistischen Bewegung inspiriert.[4]

Das Entstehen der Band

Ex-Mitglied Julieta Venegas als SolokĂŒnstlerin

1988 grĂŒndete sich die Band Radio Chantaje („Radio Erpressung“)[5], welche sich im Lauf der Jahre zu Tijuana No! entwickelte. GrĂŒnder und Schlagzeuger dieser Band war Alex ZĂșñiga, der Julieta Venegas einlud, seinem Projekt als Vokalistin beizutreten.[6] Radio Chantaje zeigte hauptsĂ€chlich EinflĂŒsse von The Clash, The English Beat, den Sex Pistols, Bob Marley, Iggy Pop, The Damned, den Red Hot Chili Peppers und The Specials.[7]

Alejandro ZĂșñiga begegnete wenig spĂ€ter Luis GĂŒereña, als er bei einer von GĂŒereña organisierten Veranstaltung Geld fĂŒr linkspolitische Rebellen in El Salvador und Nicaragua sammelte. ZĂșñiga schlug GĂŒereña vor, der Musikgruppe beizutreten.[1] Aus Alex ZĂșñiga, Julieta Venegas, JesĂșs „Chuy“ GonzĂĄlez (Gitarre), Omar Veytia, Luis GĂŒereña und Mahuiztecatl „Teca“ GarcĂ­a entstand somit eine neue Formation, welche sich den Namen Chantaje gab. In dieser Besetzung war die Band etwa eineinhalb Jahre aktiv.[6][8] Chantaje hatte ihren ersten Auftritt Ende des Jahres 1988.[7] Eine Demoplatte aus dieser Zeit, die dem Musikstil Ska und Punk zugeordnet wird, gilt als Basis der spĂ€teren Band Tijuana No!.[1]

Als das Medieninteresse an Chantaje zunahm, kam es in der Band zu einem Richtungsstreit: GĂŒereña wollte Chantaje ein politischeres Image verpassen und sprach in Interviews ĂŒber seine PlĂ€ne, ohne diese mit seinen Bandkollegen abgesprochen zu haben.[8] Chantaje löste sich wenig spĂ€ter auf. GĂŒereña ging nach Los Angeles um mit John Doe zu arbeiten, konnte jedoch von ZĂșñiga, der seine Forderungen unterstĂŒtzte[8], ĂŒberredet werden zurĂŒckzukommen.[7] GĂŒereña und ZĂșñiga grĂŒndeten 1989 die Band NO, die sich Zeit ihrer Existenz gesellschaftlichen und politischen Themen widmen sollte.[7]

In der GrĂŒndungsphase waren El Kilo MĂșzquiz und CĂ©sar Ortega weitere Mitglieder der Gruppe.[8] Wenig spĂ€ter schloss sich die fĂŒnfzehnjĂ€hrige Cecilia Bastida der Band zuerst als neue Schlagzeugerin an, wechselte nach kurzer Zeit zum Keyboard[7] und erlangte als eine der ersten Frauen im Latin Rock Bedeutung.[9] Unterdessen verließ Venegas die Band, um eine erfolgreiche Solokarriere zu starten. Sie gab an, nie vorgehabt zu haben fĂŒr immer Teil der Band zu bleiben, und dass sie sich durch die Neuausrichtung der Gruppe eingeschrĂ€nkt fĂŒhlte. Dennoch verließ sie die Formation im Guten.[10] FĂŒr kurze Zeit waren auch die Geschwister Zamudio bei der Band.[8] Als diese NO verlassen hatten, bestand die Gruppe aus Cecilia Bastida, Teca GarcĂ­a und Luis GĂŒereña sowie aus Jorge VelĂĄsquez, Jorge JimĂ©nez und Alejandro ZĂșñiga. Aus diesem Sextett stammten je drei Musiker aus Mexiko-Stadt und aus Tijuana.[11]

Der Weg zu einem Namen und Plattenvertrag

Die neue Formation probte 1989 zunĂ€chst im Haus von ZĂșñigas Eltern. Anfangs spielte sie rein fĂŒr sich selbst und dachte nicht daran, ihre Musik zu kommerzialisieren, da keines der Mitglieder von finanziellen Erfolg dieses Projektes abhĂ€ngig war.[8] Anfang der 1990er erlangte die Band durch provokative Live-Auftritte zunehmend Aufmerksamkeit, von Beginn ihrer Live-Auftritte an fesselten und beherrschten sie ihr Publikum. Enrique Lopetequi, ein uruguayischer Journalist in Diensten der Los Angeles Times, beschrieb die Gruppe in dieser Zeit folgendermaßen:

<p class="Zitat">“Tijuana No! is even more electrifying now, jumping from ska to reggae and from rap to World Beat collages without sacrificing its punk foundation. The group fills each song with so much color that it sometimes seems as if the band is trying to put everything it knows into every number.”</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Tijuana No! ist jetzt noch elektrifizierender, indem sie von Ska zu Reggae und von Rap zu World-Beat-Collagen springen, ohne ihr Punk-Fundament zu opfern. Die Gruppe fĂŒllt jedes Lied derartig mit Farbe, dass es manchmal scheint, als ob die Band versucht, alles was sie weiß in jede einzelne Nummer einzubauen.“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Enrique Lopetegui[1]</p>

1990 traten sie als Vorgruppe der Fabulosos Cadillacs und der Maldita Vecindad y los Hijos del Quinto Patio auf. Beim binationalen Bandwettbewerb Duelo de Rebeldes setzten sie sich gegen alle Konkurrenzbands aus Mexiko und den USA durch und gewannen damit 5.000 US-Dollar, welche die Band in erste eigene Aufnahmen investierte.[7]

Gegen Ende des Jahres 1992 machte sich die Gruppe auf den Weg nach Mexiko-Stadt, um dem Label Rock and Roll Circus (heute MEISA) eine Demoplatte vorzustellen. Das Label, das als eines der ersten des Landes den nuevo rock mexicano unterstĂŒtzte[12], nahm NO unter Vertrag und produzierte fĂŒr sie das Album NO.

Durch die Live-Auftritte der Band wurde das Label Culebra, ein unabhĂ€ngiges Unterlabel von BMG[13], auf sie aufmerksam und kaufte Rock and Roll Circus sĂ€mtliche Rechte an der Vermarktung der Platte ab.[14] Culebra schloss mit der Gruppe einen Vertrag fĂŒr drei CD-Produktionen ab. In dieser Phase erfuhr die Formation, dass es in Ciudad SatĂ©lite (Mexiko-Stadt)[7] schon eine Coverband mit genau diesem Namen gab.[11] Die Band wollte jedoch am NO festhalten, da sie unter diesem Namen bereits bekannt geworden war.[8] Als Alternative kam der Name ihrer Heimatstadt ins Spiel, der dem No hinzugefĂŒgt wurde (No! de Tijuana)[7]; als endgĂŒltiger Name wurde schließlich Tijuana No! festgelegt.[8]

Mit dem Wort Tijuana im Bandnamen wollte Tijuana No! nicht nur auf ihre geografische Herkunft aufmerksam machen sondern noch viel mehr auf die Probleme der Stadt. Tijuana sei eine Stadt von Drogendealern, der Migration und der Maquila-Industrie. Das No! sollte ausdrĂŒcken, dass die Gruppe alles ablehne, was nicht mit den politischen, sozialen und existentiellen BedĂŒrfnissen der Bevölkerung ĂŒbereinstimmt.[7]

Jorge VelĂĄsquez fĂŒgte dem hinzu, dass beide Wörter eine internationale Bedeutung hĂ€tten: Es gebe nur ein Tijuana und jeder auf der Welt kenne das Wort „No“.[8]

Von „Pobre de Ti“ bis „Transgresores de la Ley“

Pobre de Ti: Basslauf im Refrain Hörbeispiel?/i

Maßgebenden Anteil am plötzlichen Erfolg hatte das Lied Pobre de Ti („Du armer“), welches noch gemeinsam von Venegas und ZĂșñiga verfasst wurde. Laut Venegas entstand das Lied und auch dessen Text sehr spontan und schnell.[10] Obwohl Venegas die Band verließ als diese gerade Material fĂŒr ein Album sammelte und die Gesangsstimme inzwischen Bastida ĂŒbernommen hatte, identifizierten manche Fans Venegas mit diesem Lied und verlangen es von ihr bei ihren Solo-Auftritten.[10] Noch 1992 wurde die erste Single auf der Plaza de Santo Domingo prĂ€sentiert und dabei Material fĂŒr das Video zum Lied gesammelt. 1992 traf die Band beim Festival Rola 92 in Mexiko-Stadt, Guadalajara und Hermosillo erstmals auf Fermin Muguruza und Negu Gorriak.[7]

Den ersten Erfolgen mit Pobre de Ti folgte im Jahr 1994 die Veröffentlichung des Albums Tijuana No!, welches inhaltlich mit dem Album NO aus Rock-and-Roll-Circus-Zeiten identisch ist[14], jedoch in Los Angeles neu gemastert wurde.[7] Dieses Ska-lastige[3] Werk enthĂ€lt neben Pobre de Ti zwölf weitere Lieder, worunter sich erste Songs mit sehr kritischen Texten befinden, wie etwa La Migra, Niños de la Calle („Straßenkinder“) und Soweto, wĂ€hrend das erste Lied Cowboys ein Instrumentalthema darstellt. Mit Manu Chao und Mitgliedern von Maldita Vecindad y los Hijos del Quinto Patio – Roco und Sax werden als musikalische Ratgeber angegeben[15] – hatte Tijuana No! namhafte UnterstĂŒtzung bei der Realisierung ihres Erstlingswerkes. Manu Chao hatte bei einem Mexiko-Aufenthalt mehrere einheimische Bands kennen gelernt, wobei Tijuana No! eine der Formationen war, die ihn am meisten ĂŒberraschten.[16]

Eintrittskarte zu einem Konzert Tijuana No!s in Hollywood, 21. April 1994

Dem Sextett gelang es schnell Fans des Latin Rock und der alternativen Musik um sich zu scharen. In dem Jahr zwischen der Veröffentlichung ihres DebĂŒtalbums und ihres Zweitwerks tourten Tijuana No! durch Mittel- und Nordamerika. Dennoch blieben die Bandmitglieder ihren ideologischen und gesellschaftlichen Wurzeln treu und traten weiterhin bei politisch motivierten Fundraising-Veranstaltungen auf, so zum Beispiel 1994 und 1995 bei den Big Top Locos in Los Angeles neben Bands wie Rage Against the Machine und Youth Brigade.[1]

Mitte der 1990er-Jahre richtete die Gruppe ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf die Situation im sĂŒdmexikanischen Bundesstaat Chiapas, in dem das EjĂ©rcito Zapatista de LiberaciĂłn Nacional (EZLN) Anfang 1994 erstmals in Erscheinung trat. In der Folge widmeten sie ihr zweites Album, Transgresores de la Ley („Überschreiter des Gesetzes“, 1995), den zapatistischen Rebellen. Nennenswerte Lieder aus diesem Album sind neben dem Titelsong, in dem der Sprecher des EZLN in Form einer Grußbotschaft auftritt, das von Bastida gesungene Clash-Cover Spanish Bombs und das gemeinsam mit Manu Chao aufgenommene Borregos Kamikazes. Die Aufnahme dieses Albums erfolgte in San SebastiĂĄn im Baskenland bei Fermin Muguruza.[7] Der Zeit im Studio folgten weitere Touren durch Lateinamerika und die Vereinigten Staaten.[1]

„Contra-Revolución Avenue“, Rekompilationen und Trennung

Culebra zerbrach 1995 an einer teuren Produktion mit desaströsen Verkaufszahlen und kĂŒndigte daraufhin alle VertrĂ€ge mit alternativen Bands. Tijuana No! litt unterdessen unter der rĂ€umlichen Distanz zwischen Tijuana und der mexikanischen Hauptstadt, wo das Label seinen Sitz hatte, weswegen die Band beschloss, ihr Hauptaugenmerk auf den kalifornischen Markt und die Latinos in den USA zu richten. Im Anschluss an ein gemeinsames Konzert mit der Band La Castañeda zeigte BMG U.S. Latin Interesse an einer CD-Produktion in den USA. Tijuana No! schloss daraufhin einen Vertrag mit diesem Label ab.[7]

Mit dem 1998 erschienenen dritten Album versuchte die Gruppe in den US-amerikanischen Musikmarkt einzusteigen. Luis GĂŒereña meinte dazu, es sei wichtig, dass möglichst viele Menschen ihre Musik hörten und dass ihre politischen Forderungen dadurch nicht mehr nur in ihrer Heimat Gehör finden wĂŒrden.[1] Um dies zu erreichen luden Tijuana No! zu Contra-RevoluciĂłn Avenue KĂŒnstler aus aller Welt als Gastmusiker ein, wodurch das Album das Überschreiten von Grenzen wie Sprache, Genre und Staatsangehörigkeit symbolisieren sollte.[17] Unter den 13 Liedern der CD finden sich Kollaborationen mit Rasta-Punker H.R. von den Bad Brains, Chicano-Rapper Kid Frost, Kid Caviar von Horny Toad und Fermin Muguruza von der baskischen Underground-Band Negu Gorriak. Auch der Manager von Tijuana No!, John Pantle, nahm als Posaunist an den Aufnahmen teil.

Die Avenida RevoluciĂłn in Tijuana

Tijuana No! fokussierte sich auch auf diesem Album auf das Aufzeigen von UnterdrĂŒckung und Heuchelei in Lateinamerika. Der Albumtitel Contra-RevoluciĂłn Avenue stellt eine Anspielung an die Avenida RevoluciĂłn dar, der touristischen Hauptstraße Tijuanas, in der Massentourismus, Sexgewerbe und Armut gleichermaßen offensichtlich sind. Teca GarcĂ­a erklĂ€rte dazu, dass sich die Band als „VerlĂ€ngerung“ der Stimme der Armen und UnterdrĂŒckten verstehe.[1] Das Album-Cover zu Contra-RevoluciĂłn Avenue gestaltete der KĂŒnstler Winston Smith, der stereotype Bilder von Mexiko mit gewaltbetonenden Bildern von dem, „was tatsĂ€chlich geschieht“, zu einer Collage verarbeitete.[18]

In der Vorbereitungsphase zu diesem letzten Studioalbum ließen verschiedene Ereignisse erahnen, dass die Band ihren Zenit bereits erreicht hatte: So verließ Bastida 1997 die Gruppe, kehrte jedoch 2000 wieder zurĂŒck.[7] Sie wurde in der Zwischenzeit von der japanischstĂ€mmigen Punk-SĂ€ngerin Mayumi Hideyoshi ersetzt. ZĂșñiga hatte in der Zwischenzeit die Formation Los Alex ins Leben gerufen.[19]

Da Contra-RevoluciĂłn Avenue in Mexiko nicht auf den Markt kam, kam es zu ZerwĂŒrfnissen zwischen der Band und BMG. Um eine neue CD der Band herauszubringen veröffentlichte BMG im Jahr 2000 den Konzertmitschnitt Live at Bilbao, Spain, der bereits im Mai 1996 aufgenommen worden war. Die Band setzte sich erfolglos dafĂŒr ein, dass in ihrer Heimat ein Set aus der Liveaufnahme und ihrem dritten Studioalbum angeboten werde.[7] Schon 1999 war Rock milenium erschienen und 2001 Rock en Español – Lo mejor de: Tijuana No („Spanischsprachige Rockmusik: das Beste von Tijuana No“). Auf diesen beiden Best-Of-CDs, die beide Teil einer Kompilationsreihe sind, wurde auf sĂ€mtliche Werke von Contra-RevoluciĂłn Avenue verzichtet. Juntos, eine 2002 veröffentlichte CD, besteht je zur HĂ€lfte aus Liedern von Tijuana No! und Maldita Vecindad y los Hijos del Quinto Patio.

Nachdem Tijuana No! 2002 ihre baldige Auflösung bekannt gaben, fĂŒhrte sie eine Abschiedstournee durch Mexiko und Europa. Im Dezember 2002 erfolgte im Rahmen des Festival Extremo de Guadalajara die offizielle Trennung der Band.[20] Zuvor hatte GĂŒereña (am 25. Oktober 2002) in einem Interview erklĂ€rt, die Gruppe wĂ€re innerlich gespalten, die anderen Bandmitglieder wĂŒrden das Projekt nicht mehr ernst nehmen, ZĂșñiga wollte nur mehr Bastidas Lieder spielen und er hĂ€tte der Band seinen Ausstieg aus dem Projekt bekanntgegeben.[21]

Nach der offiziellen Auflösung

Trotz der offiziellen Trennung 2002 konzertierte Tijuana No! im November 2003 in Mexiko-Stadt[22] und in Berlin.[23] Ein Auftritt im KTS Freiburg war geplant, wurde jedoch abgesagt. Im diesem Zeitpunkt war GĂŒereña nicht Mitglied der Gruppe. Weil seine Äußerungen „zu extrem“ geworden waren, musste er laut dem Manager der Band die Gruppe verlassen.[22]

Am 11. Januar 2004 starb Luis GĂŒereña 45-jĂ€hrig im Norden Tijuanas an einem Herzinfarkt.[2] Aus diesem Anlass spielten ZĂșñiga, GarcĂ­a, Bastida, VelĂĄsquez und JimĂ©nez ihm zur Ehre einige Konzerte in Tijuana, Mexiko-Stadt und Los Angeles. Einige der Bands, die sich zu diesen Tribut-Veranstaltungen einfanden, wurden frĂŒher von GĂŒereña gefördert oder hatten mit Tijuana No! gemeinsame Gigs. Tijuana No! gingen jedoch nicht, wie Fans erhofften, auf Tournee und traten zudem nicht bei jedem Konzert mit allen fĂŒnf verbleibenden Mitgliedern auf.[24] Am 14. April 2006 fand im Multikulti ein vorerst letztes Konzert in der verbliebenen Originalbesetzung statt. Den Gesangspart von GĂŒereña ĂŒbernahm Luis Sandez, Mitglied der Band Samadhi und langjĂ€hriger Freund GĂŒereñas.[25]

Weitere Karriere der Musiker

„Ceci“ Bastida (2007), anfangs Schlagzeugerin, spĂ€ter Keyboarderin und SĂ€ngerin der Band, heute SolokĂŒnstlerin

Cecilia Bastida wurde bereits 2000 HintergrundsĂ€ngerin und Keyboarderin in der Band von Julieta Venegas und blieb ihr in dieser Funktion bis 2007 erhalten. Sie lebt mittlerweile in Los Angeles und arbeitet seit 2005 an ihrem Einstieg in eine Karriere als SolokĂŒnstlerin. Mithilfe des Produzenten Jason Roberts (Control Machete, Plastilina Mosh), Joselo von CafĂ© Tacuba und Ozomatli-Bassisten und Grammy-Gewinner Wil-Dog Abers nahm Bastida erste Demos auf[9], im Mai 2010 erschien ihr DebĂŒtalbum Veo la marea.[26]

Alex ZĂșñiga fungiert als Leiter des Kulturforums und Veranstaltungszentrums Multikulti in Tijuana.[27] Jorge JimĂ©nez ist Gitarrist der 2004 gegrĂŒndeten Band Agresores, welche als Ehrerbietung an GĂŒereña entstand und mit TixuanarkĂ­a eine CD veröffentlicht hat.[28] Teca GarcĂ­a lebt heute in Nord-Hollywood und grĂŒndete Ende 2006 mit einigen Freunden die Indie-Reggae-Rock-Band Tijuanos, welche sich wie Tijuana No! aus zapatistischer Sichtweise soziopolitischen Themen widmet.[29] GarcĂ­a ist SĂ€nger und Gitarrist dieser Formation.[30] Aus Mitgliedern von Mercado Negro und Tijuana No! entstand die Gruppe Mercado No Identificado, der ZĂșñiga und JimĂ©nez angehören und bei der Bastida bereits als Gastmusikerin tĂ€tig war.[31] Jene Formation tourte 2004 unter dem Namen Tijuana No! auch durch Deutschland.[32][17]

Wiedervereinigung

AnlĂ€sslich der 11. Ausgabe des Festival Iberoamericano de Cultura Musical Vive Latino, vom 23. bis 25. April 2010 in Mexiko-Stadt, vereinigte sich Tijuana No! erneut. Bei ihrem etwa einstĂŒndigen Auftritt am Schlusstag des Festivals erhielt die Band UnterstĂŒtzung von Julieta Venegas, mit der sie Pobre de Ti auffĂŒhrte. In einer Pressekonferenz nach dem Konzert bestĂ€tigten Teca GarcĂ­a, Jorge VelĂĄzquez, Jorge JimĂ©nez und Alejandro ZĂșñiga die Möglichkeit einer „offiziellen RĂŒckkehr“ auf die BĂŒhne.[33] ZĂșñiga bemerkte, die Band fĂŒhle sich nun angetrieben ein neues Album aufzunehmen und auf Tour zu gehen, sie habe jedoch beim ersten gemeinsamen Auftritt nach langer Zeit Probleme auf der BĂŒhne gehabt.[21]

Am 31. Juli 2010 gaben Tijuana No! anlĂ€sslich ihres 20-Jahr-JubilĂ€ums ein Konzert im Auditorio Municipal zu Tijuana. Nach dem letzten StĂŒck rief Teca GarcĂ­a ins Publikum, es dĂŒrfe auf weitere Konzerte Tijuana No!s hoffen.[34]

 
 
 
 
 
 Commons: Bilder vom Konzert Tijuana No!s beim Vive Latino 2010 â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Musik

EinflĂŒsse

Tijuana No! selbst gaben an, dass die prĂ€gendsten EinflĂŒsse auf ihr Schaffen die Werke von Jello Biafra (SĂ€nger der Dead Kennedys), John Doe von X, The Clash und die X-Ray Spex waren.[35] Laut Josh Kun, Associate Professor an der University of Southern California, sei die Band musikalisch genauso von US-Punk-Bands inspiriert gewesen wie von Gruppen aus Tijuana, weswegen die Band nicht als nationales (mexikanisches) Konstrukt zu verstehen sei.[36] Stark geprĂ€gt zeigen sich ihre Alben von den an ihnen beteiligten musikalischen Ratgebern und Produzenten: So wird Tijuana No! als stilistisch nahe an Maldita Vecindad beschrieben[15] und Transgresores de la ley als vom baskischen Radikalrock Fermin Muguruzas durchzogen.[37]

AnfĂ€nglich sei die Band, so GĂŒereña, vor allem vom britischen Ska (The Specials) geprĂ€gt gewesen. FĂŒr ihn selbst sei immer der Punkrock essenziell gewesen, wohingegen VelĂĄsquez vom Classic Rock, Pink Floyd und Paul McCartney beeinflusst gewesen sei. ZĂșñiga wiederum sei vor allem von New Wave geprĂ€gt gewesen.[8]

Genre und Stilmerkmale

Charakteristisch fĂŒr die Musik von Tijuana No! sind die zahlreichen Stil-EinflĂŒsse, die von modernen Genres wie Ska-Punk, Latin Rock, Reggae, Metal, Drum ’n’ Bass und Hip-Hop bis hin zu Weltmusik und traditionellen Stilen aus aller Welt reichen.[38] Laut Luis GĂŒereña achtete die Band jedoch nicht darauf in bestimmtes musikalisches Genre zu passen. Ihr Sound sei eine Fusion dessen, was jeder in die Gruppe bringe[1], das wesentlichste Merkmal ihrer Musik sei ihre Vielfalt.[8]

All diese stilistischen EinflĂŒsse gelten als Grundstein des „explosiven, tanzbaren Sounds“ Tijuana No!s.[38] Manche Lieder zeigen stĂ€rkere EinflĂŒsse eines Genres als andere. Cowboys und Teile von Fantasma (beide vom Album Tijuana No!) und Sin Tierra aus Contra-RevoluciĂłn Avenue sind dem Ska sehr nahe; von Reggae geprĂ€gt sind Niños de la Calle, der Rest des Liedes Fantasma, Fiesta de Barrio (alle Tijuana No!) und ein Teil von Sin Tierra. Kill Steal, SĂ­, Ali Baba (y sus 40 mil ladrones), La Migra (alle Tijuana No!), Transgresores de la ley vom gleichnamigen Album und Travel Trouble und Killing Brothers aus Contra-RevoluciĂłn Avenue sind aufgrund ihrer E-Gitarren-Riffs verschiedenen Rockgenres zuzuordnen. Pobre Frida (Transgresores de la ley) kennzeichnet sich durch ein Baritonsaxophon-Thema; auf Contra-RevoluciĂłn Avenue findet sich mit Stolen at Gunpoint auch eine Hardcore-Rap-betonte Nummer.[15][37][39]

Neben Percussion-Instrumenten, Schlagzeug, E-Gitarren, E-Bass und Blasinstrumenten verwendeten Tijuana No! in ihren Werken verschiedene traditionelle lateinamerikanische Instrumente wie prĂ€kolumbianische Flöten und ein Schneckenhorn in der Einleitung zu Transgresores de la ley[40] oder eine Panflöte fĂŒr die Melodie von El CĂłndor Pasa, mit welcher das Lied Renace en la montaña beginnt. Diese Vermischung traditioneller und populĂ€rer Musikelemente betont einerseits die LegitimitĂ€t, dass die Band die GefĂŒhle und Interessen des Publikums vertritt, und andererseits fördert sie die Identifikation zwischen Musikern und Publikum.[41]

Ein anderes wesentliches Element in der Musik Tijuana No!s ist die Tatsache, dass der Band mit GĂŒereña, GarcĂ­a und Bastida drei SĂ€nger zur VerfĂŒgung hatte, deren Stimmen eigene Funktionen einnahmen; in einigen Liedern sind zusĂ€tzlich Stimmen von Gastmusikern wie Manu Chao, Fermin Muguruza, Kid Frost und Kim Deal zu hören.[15][39][42] GĂŒereñas knurrend-heulender Gesang wurde in erster Linie fĂŒr die satirischen Punk-Texte eingesetzt. Bastida sang mit herzlicher Stimme die melodiösen Popmelodien und Teca GarcĂ­a, dessen Gesang EinflĂŒsse von Folk, Funk, Rock und Ska verbindet, ĂŒbernahm zusĂ€tzlich die Rap-Passagen.[29] GĂŒereña verstand sich selbst jedoch nicht als SĂ€nger der Gruppe, sondern als ihr wichtigster Texteschreiber und „Schreier“.[8]

Inhalte, Aussagen und Programm

In seinem Beitrag (“The Sun Never Sets on MTV”: Tijuana NO! and the Border of Music Video) zum Sammelband Latino/a Popular Culture schreibt Josh Kun ĂŒber die Band:

<p class="Zitat">“Born and nurtured within the Tijuana-San Diego borderlands, Tijuana NO! concocts antigovernment, anti-U.S., anti-imperialist, anti-PRI, anti-racist, anti-NAFTA, pro-immigrant, pro-Zapatista, pro-anarchy punk explosives [
]”</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Geboren und aufgewachsen innerhalb der Grenzregion um Tijuana und San Diego bereiten Tijuana NO! gegen die Regierung, die USA, die PRI und die NAFTA gerichteten, antiimperialistischen, antirassistischen, proimmigrantischen, prozapatistischen, proanarchischen Punk-Sprengstoff zu [
]“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Josh Kun[43]</p>

Tijuana No! verstanden sich als Sprachrohr der UnterdrĂŒckten auf beiden Seiten der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko sowie des zentral- und sĂŒdamerikanischen Raumes. Laut Luis GĂŒereña wĂŒrde die Band so lange ĂŒber politisches Bewusstsein singen, bis sich die LebensqualitĂ€t der Unterschicht weltweit verbessert habe.[1][4] Aus Sicht der Gegner der mexikanischen Regierung sagten GĂŒereña und die Band lediglich die Wahrheit ĂŒber alltĂ€gliche Ungerechtigkeit; die Band reprĂ€sentierte den Teil der mexikanischen Bevölkerung, die das alte System satt hatte, und die glaubte, es zerstören und durch etwas Besseres ersetzen zu können.[4] Sich selbst bezeichnete die Band nicht als politisch; Jorge VelĂĄsquez sagte ĂŒber die Motivation der Band: „Oft wissen die Leute gar nichts von den Schweinereien, die in Mexiko passieren und hören sie in unseren Texten und bei unseren Ansagen zum ersten Mal. Dann denken sie hoffentlich darĂŒber nach.“ (Jorge VelĂĄsquez[44])

FĂŒr ihre Ideale trat die Gruppe nicht nur in ihren Texten ein, sondern auch bei Benefizveranstaltungen wie Rock por Chiapas[45], Gira por la Libertad und Vibra VotĂĄn por las 3 señales[20] oder bei antirassistischen Veranstaltungen in Grenzcamps nahe Tijuana.[32] Die zahlreichen Kollaborationen mit Musikern aus allen Teilen der Welt symbolisieren das Überschreiten von Grenzen und dienen der BĂŒndelung des musikalischen und geistigen Potentials der KĂŒnstler, wodurch Sprachbarrieren, Schubladisierungen und Nationalismen durchbrochen werden sollten.[17]

Dass die Band beim multinationalen Label BMG unter Vertrag stand und ihre Musikvideos auf MTV gespielt wurden, sich auf ihren Konzerten und in ihren Liedtexten jedoch gegen den Unternehmensexpansionismus und Kontrolle aussprach, die ihr Label und MTV verkörperten, sei, so Josh Kun, aus marxistischer Sicht höchst widersprĂŒchlich und ungereimt.[46] Kun selbst sieht dies jedoch als eine Strategie[47]: Tijuana No! nutze die Technologie und die kapitalistische Produktionsweise zur Verbreitung ihrer Botschaften.[48]

Entstehen der Liedtexte

Die Liedtexte der Band sind in den Sprachen Spanisch, Englisch und Spanglish verfasst und großteils von den Bandmitgliedern gemeinsam erarbeitet: Nachdem ein Lied fertig komponiert wurde, verfassten die Mitglieder individuelle Texte, verglichen diese VorschlĂ€ge und verarbeiteten sie schließlich zu den fertigen Letras.[1] Einige Ausnahmen davon sind die Lieder Pobre de Ti (Text von Julieta Venegas[49]), Spanish Bombs (Cover von The Clash), El Sordo und SĂ­ (CĂ©sar Ortega[49]), Pobre Frida und La Esquina del Mundo (Fermin Muguruza[42]) und das aus Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern aus anderen LĂ€ndern entstandene Album Contra-RevoluciĂłn Avenue.

Themen

Die mexikanisch-US-amerikanische Grenze

Enrique Lavin definiert Tijuana No! nicht nach ihrem Herkunftsland, sondern als “US-Mexico border band” (Enrique Lavin, deutsch: „USA-Mexiko-Grenz-Band“).[50] Die geographische Lage Tijuanas an der Grenze zu den Vereinigten Staaten beschrieben Tijuana No! in La Esquina del Mundo („die Ecke der Welt“) als «penĂșltima calle de LatinoamĂ©rica» (deutsch: „vorletzte Straße Lateinamerikas“);[51] inspiriert von Eduardo Galeanos Werk Die offenen Adern Lateinamerikas, dessen Titel sie leicht abgewandelt im Refrain erwĂ€hnen (Originaltitel: Las venas abiertas de AmĂ©rica Latina; im Liedtext: Venas abiertas de LatinoamĂ©rica), sprechen sich Tijuana No! fĂŒr die Öffnung der Grenzen aus.[52]

Der Strand in Playas de Tijuana mit dem Grenzzaun – Kulisse im Musikvideo zu La Esquina del Mundo

Das Lied und das Video dazu entstanden 1994, im selben Jahr wie die California Proposition 187, welche die Rechte der illegal Eingewanderten jenseits der Grenze stark minderte. Im von Angel Flores-Torres gedrehten Musikvideo spielt die Band live am Strand nahe Tijuana vor dem Grenzzaun. Laut Josh Kun vereint der Song Lyrics ĂŒber die politische und kĂŒnstlerische RealitĂ€t an der Grenze und verschiedene Musikstile, die in beiden Amerikas erfunden und entwickelt wurden; das Lied sei nicht lediglich eines an oder von der Grenze oder ĂŒber die Grenze, sondern ein Lied, das die Grenze ist (“This is a song [
] that is the border”).[53] Teile des Videos zu Pobre de Ti wurden ebenso im unmittelbaren Grenzgebiet gedreht; in der Einleitung dazu erinnert ein Graffiti an der Grenzbarriere an die Teilung Berlins:

<p class="Zitat">«Si el Muro de BerlĂ­n cayĂł Ă©ste por quĂ© no»</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Wenn die Berliner Mauer gefallen ist, warum nicht diese“</p>

GĂŒereña entsagte der Grenze jegliche Existenzberechtigung[3], Ungerechtigkeit und Ungleichheit in Mexiko fĂŒhrte er auf die Dominanz der „Yankees“ zurĂŒck. Travel-Trouble aus dem Album Contra-RevoluciĂłn Avenue spricht von der „Scheinheiligkeit“ des kapitalistischen Systems, in dem es fĂŒr Umweltverschmutzung und Geldverkehr keine Grenzen gebe, wĂ€hrend Menschen ohne Papiere der GrenzĂŒbertritt verweigert werde, obwohl sie zum Sichern ihrer Subsistenz die Grenze ĂŒberschreiten mĂŒssten.[4]

Kritik an den USA
„La migra“: Die United States Border Patrol

Im Intro zu La Migra sind ein hektisches GesprĂ€ch zweier mexikanischer FlĂŒchtlinge an der US-mexikanischen Grenze und das Rauschen der RotorblĂ€tter eines Helikopters der US Border Patrol zu hören.[54] Anschließend parodiert GĂŒereña in gebrochenem Spanisch einen INS-Officer, der durch ein Megaphon die Mexikaner auffordert zurĂŒck nach Mexiko zu gehen, weil sie ihm zu hĂ€sslich sind. Das Lied endet mit dem Ausruf „Fuck the USA!“.[55][34]

La Migra und Gringos Ku Klux Klanes zielten auf den kalifornischen Gouverneur Pete Wilson und rassistische anti-immigrantische Stimmung ab. Bei LiveauffĂŒhrungen verkleidete sich GĂŒereña als Uncle Sam, Freiheitsstatue oder Pete Wilson mit Hitlerbart, zeigte den Hitlergruß und rief „Heil a California! Heil a Pete Wilson! Heil a [California Proposition] 187!“.[55] Er beschimpfte das Publikum, bis dieses verĂ€rgert darauf reagierte. Diese Provokationen sollten dazu fĂŒhren, dass sich das Publikum Gedanken ĂŒber den Ursprung von Rassismus, Diskriminierung und Migration macht.[4] GĂŒereña trug hĂ€ufig T-Shirts mit dem Aufdruck Beaner[3][56], einem englischsprachigen exonymischen Ethnonym fĂŒr Mexikaner.

Imperialistische Geschichte
Mexikanische Gebietsverluste im Jahr 1848 infolge des Vertrags von Guadalupe Hidalgo

In Stolen at Gunpoint nahmen Tijuana No! und Kid Frost zusĂ€tzlich zu weiterer Kritik an der US-amerikanischen Migrationspolitik auch zu einer historischen Komponente der US-amerikanisch-mexikanischen Beziehungen Stellung: dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg[46], der in massiven Gebietsverlusten Mexikos endete. Die Musiker prĂ€sentieren sich im Video als NeorevolutionĂ€re auf der Jagd nach Gouverneur Wilson; durch die Kollaboration mit einem Chicano entlarven sie die „LĂŒge“ der Grenze als Trennlinie, so Josh Kun. Hauptziel des Liedes sei die Wiederbesiedlung des ehemalig mexikanischen Territoriums durch mexikanische Migranten.[57]

Tijuana No! beschrĂ€nkten sich in ihrer Kritik an Imperialismus und Rassismus nicht lediglich auf das VerhĂ€ltnis zwischen Mexiko und den USA. Sie behandelten auch in anderen Regionen der Welt grassierende Formen des Rassismus, wie zum Beispiel im Lied Soweto, in dem Nelson Mandela als Hoffnung fĂŒr die jahrzehntelang unterdrĂŒckte schwarze Bevölkerung SĂŒdafrikas und als ihr FĂŒhrer gepriesen wurde.[58]

Revolutionen und SolidaritÀt mit Untergrundbewegungen

EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos – „Gastmusiker“ bei Transgresores de la Ley

In den Danksagungen auf der Platte Transgresores de la Ley erwĂ€hnte GĂŒereña das EZLN „und niemand anderen“.[3] Das Album, der Titelsong und das Video dazu stellen ein Tribut an die „Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung“ dar, die als Reaktion auf das am 1. Januar 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen entstand und der mexikanischen Regierung den Krieg erklĂ€rte.[59] Ebenso bekannten sich andere Vertreter der mexikanischen Rockmusikszene zu der indigenen Guerillaorganisation – auch Resorte, Maldita Vecindad, Santa Sabina und JosĂ© de Molina schrieben Lieder ĂŒber die Ereignisse in Chiapas; das VerhĂ€ltnis zwischen dem EZLN und dem mexikanischen Rock gilt grundsĂ€tzlich als sehr eng.[58] Neben dem EZLN unterstĂŒtzten Tijuana No! auch die peruanische „RevolutionĂ€re Bewegung TĂșpac Amaru“ (MRTA), die ebenfalls stark in der indigenen Bevölkerung des Landes verwurzelt ist.

Am Lied Transgresores de la Ley – ĂŒbersetzt „GesetzesĂŒbertreter“, so bezeichnete die mexikanische Regierung das EZLN[1] – ließ die Band den EZLN-Sprecher Subcomandante Marcos selbst zu Wort kommen. Das Video, gedreht von Leonardo Bondani, beginnt und endet wie das Lied selbst mit einer Grußbotschaft des Subcomandante, der die Bandmitglieder gebannt lauschen.[59] Im Rest des Videos werden Bilder eines Benefiz-Konzerts zugunsten der Zapatisten vor dem Nationalpalast am ZĂłcalo[60] und eines Protestmarsches indigener Bauern[61] gezeigt. GĂŒereña merkte an, dass dieses Lied geschrieben worden sei, um die Bevölkerung Chiapas’ und die zapatistischen KĂ€mpfer moralisch zu unterstĂŒtzen.[8] Dieses Lied sei fĂŒr ihn sehr emotional und ein Signal zum Aufstehen und KriegfĂŒhren.[1]

<p class="Zitat">«No pasarĂĄn de este lugar – la resistencia, ÂĄni un paso atrĂĄs!
A defender la dignidad gritando fuerte: â€čÂĄTierra y Libertad!â€ș»</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Sie werden nicht ĂŒber diesen Platz hinweg kommen – der Widerstand, kein Schritt zurĂŒck!
Zum Verteidigen der WĂŒrde laut rufend: ‚Land und Freiheit!‘“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Tijuana No!: Transgresores de la Ley (Refrain)</p>

Im Refrain dieses Liedes verknĂŒpften Tijuana No! zwei Slogans aus der Mexikanischen Revolution und dem Spanischen BĂŒrgerkrieg. ÂĄNo pasarĂĄn! („Kein Durchkommen!“) war der Schlachtruf der antifaschistisch-republikanischen KĂ€mpfer im Spanischen BĂŒrgerkrieg[62], denen Tijuana No! mit ihrer Coverversion des Liedes Spanish Bombs gedenken. Bei der mexikanischen Revolution verwendeten die AnhĂ€nger des RebellionsfĂŒhrers Emiliano Zapata den Wahlspruch ÂĄTierra y Libertad! („Land und Freiheit!“), den Zapata von der magonistischen Bewegung ĂŒbernommen hatte. Josh Kun beschreibt das Lied Transgresores de la Ley als Hommage an Zapata, der im Liedtext in Form der Parole ÂĄZapata vive! („Zapata lebt!“) namentlich erwĂ€hnt wird.[59] Signalwörtern wie dignidad („WĂŒrde“), libertad („Freiheit“) und democracia („Demokratie“), die ebenfalls im Songtext vorkommen, sind weitere zapatistische Parolen, die mittlerweile von sozialen Bewegungen in vielen Teilen der Welt aufgegriffen worden sind.[63]

System- und Gesellschaftskritik

Mit PatĂ©tico Cuadro formulierten Tijuana No! ihr Misstrauen gegenĂŒber den mexikanischen Medien, insbesondere dem Fernsehen, und stellten den Informationsmangel als einen ausschlaggebenden Faktor im Chiapas-Konflikt dar.[58]

Liedtexte ĂŒber soziale Probleme waren in der mexikanischen Rockmusik der 1990er-Jahre hĂ€ufig zu finden. Meistens solidarisierten sich die KĂŒnstler in diesen Liedern mit gesellschaftlichen Unterschichten[58], wie Tijuana No! in Sin Tierra mit den Landlosen und in Niños de la Calle mit den Straßenkindern.

Tijuana No! prangerten weiters die Korruption in der mexikanischen Politik an. GĂŒereña trat bei Konzerten hĂ€ufig gegen Abbildungen Carlos Salinas de Gortaris, des mexikanischen PrĂ€sidenten von 1988 bis 1994, in dessen Amtszeit mehrere KorruptionsfĂ€lle bekannt wurden und in welche auch die Unterzeichnung des NAFTA-Vertrags und damit der Aufstand der Zapatisten fĂ€llt.[11] In Borregos Kamikazes sang Manu Chao als Gastmusiker «LlegĂł el presidente, llegĂł la corrupciĂłn / LlegĂł el presidente, llegĂł el gran cabrĂłn» (deutsch: „Der PrĂ€sident ist angekommen, die Korruption ist angekommen / Der PrĂ€sident ist angekommen, die große Drecksau ist angekommen“). Um auch der Allgemeinheit die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage in Mexiko öffentlich zu verkĂŒnden, ĂŒbergab GĂŒereña das Mikrophon bei Auftritten gelegentlich dem Publikum.[2]

Die mexikanische De-facto-Einheitspartei PRI und das mexikanische MilitĂ€r bezeichnete GĂŒereña als “group of fucking mafiosos” (deutsch: „Gruppe verdammter Mafiosi“), die dem Land, das „buchstĂ€blich alles“ habe, alles wegnehme.[11] Als die PRI um die Jahrtausendwende nach und nach an Einfluss verlor, meinte er:

<p class="Zitat">«Me siento como un profeta. Muchos compañeros mĂșsicos entre ellos SaĂșl HernĂĄndez me han sugerido que me calle la boca y que no proteste tanto, pero a mĂ­ me vale.»</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Ich komme mir wie ein Prophet vor. Viele Musik-Kameraden, darunter SaĂșl HernĂĄndez (Anmerkung: SĂ€nger der mexikanischen Rockband Caifanes), haben mir nahegelegt, dass ich den Mund halte und nicht so viel protestiere, aber mir ist es wichtig.“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Luis GĂŒereña[2]</p>

Nicht durch Lieder aber durch T-Shirts kritisierte GĂŒereña auch die Katholische Kirche. Mit einer Fotomontage, die den Papst mit schwangerem Bauch zeigt, karikiert er die ablehnende Haltung der Kirche gegenĂŒber der EmpfĂ€ngnisverhĂŒtung.[11]

Tribute

Hebe de Bonafini und andere Madres de Plaza de Mayo mit RaĂșl AlfonsĂ­n

Mit ihren Liedern zollten Tijuana No! nicht nur den modernen Bewegungen MRTA und EZLN ihren Tribut. Neben mexikanischen Nationalhelden wie Emiliano Zapata oder Pancho Villa (zum Beispiel in Somos MĂĄs, Stolen at Gunpoint) werden auch der IndigenenanfĂŒhrer Tupaq Amaru II. aus dem heutigen Peru (in Renace en la Montaña) und der SĂŒdafrikaner Nelson Mandela (Soweto) in Songtexten erwĂ€hnt.

In Sin Tierra erwĂ€hnen sie die Madres de Plaza de Mayo, die seit 1977 gegen das „Verschwindenlassen“ von Regimekritikern in Argentinien protestierten. PortrĂ€ts von Che Guevara waren mitunter Teil des BĂŒhnenbildes[56]; Frida Kahlo, eine vom Marxismus ĂŒberzeugte mexikanische Malerin, rĂŒhmten Tijuana No! im Lied Pobre Frida[37]:

<p class="Zitat">«Ilusiones temerarias, mujer artista revolucionaria. [
] Pobre Frida, compañera Kahlo»</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Waghalsige Illusionen, revolutionĂ€re KĂŒnstlerin. [
] Arme Frida, Kameradin Kahlo“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Tijuana No!: Pobre Frida</p>

Stimmen ĂŒber Tijuana No!

Musikalische Kritiken

In seinen CD-Rezensionen fĂŒr den All Music Guide bemĂ€ngelt Don Snowden wiederholt die zu starken EinflĂŒsse ihrer Mentoren und das Fehlen einer eigenen klanglichen IdentitĂ€t. Das Erstlingswerk der Band zeige allzu starke EinflĂŒsse von Manu Chao und Maldita Vecindad y los Hijos del Quinto Patio; die Gruppe spiele ihre EinflĂŒsse vor, ohne dass die Musik je eine eigene Gestalt annehme.[15] In seiner Kritik zum Nachfolgewerk Transgresores de la ley betont Snowden noch einmal, dass das Album Tijuana No! ziellos und unzusammenhĂ€ngend wirke “compared to the very short 32 minutes of tightly focused arrangements and highly dramatic music on their second album” (Dan Snowden[37], deutsch: „im Vergleich zu den sehr kurzen 32 Minuten fest fokussierter Arrangements und hochdramatischer Musik auf ihrem zweiten Album“). Letztendlich, so Snowden, bleibe die Frage nach der musikalischen IdentitĂ€t der Band unbeantwortet; die jamaikanischen Rhythmen aus dem DebĂŒtalbum seien vom baskischen Radikal-Rock des Produzenten Fermin Muguruza ĂŒberschwemmt worden. Bei diesem Urteil bleibt Snowden auch nach der Veröffentlichung von Contra-RevoluciĂłn Avenue, indem er abermals betont, dass Tijuana No! weiterhin eine klangliche IdentitĂ€t fehle. Die Band zeige echte MusikalitĂ€t nur, wenn Ceci Bastida die Lead-Vocals ĂŒbernimmt. Das Bemerkenswerteste sei neben der weiter ungelösten Frage nach ihrer IdentitĂ€t, dass stets GĂ€ste mit großen Namen bei ihren Aufnahmen mitmachen.[39]

„Bedauerlicherweise“ wurde Cecilia Bastida, die als eine der wenigen herausragenden weiblichen SĂ€nger des spanischsprachigen Rocks (rock en español) neben Andrea Echeverri von den Aterciopelados bezeichnet wird, auf den ersten beiden Alben nur selten die Leadstimme ĂŒberlassen, schrieb das US-amerikanische Musikmagazin Frontera.[11]

Andere Stimmen behaupten, Tijuana No! hĂ€tten innerhalb der mexikanischen Szene einen großen Vorsprung in ihrem Musikstil gehabt[16], Luis GĂŒereña wurde nach seinem Tod gar als Pionier der Rock-, Ska- und Punkmusik in Nordmexiko bezeichnet.[2] Einer von vielen Bandbeschreibungen zufolge vermenge die „legendĂ€re“ Band „Elemente aus Ska, Pop, Rock und traditioneller mexikanischer Musik miteinander zu einer energiegeladenen Synthese [
], die ihnen, gepaart mit ihren konsequent politischen Texten, eine wirklich einzigartige VitalitĂ€t verleiht“ und sie sei die einflussreichste Punkband Mexikos, wenn nicht gar SĂŒdamerikas.[17]

Programmatische Vorreiterrolle

Laut The Rough Guide to Rock unterscheidet sich Tijuana No! von anderen sozialkritischen Bands in Mexiko zum einen dadurch, dass sich unter ihren Werken Lieder mit klar revolutionĂ€rem Charakter finden. Zum anderen zeigen ihre Titel stilistisch keine eindeutig mexikanische PrĂ€gung, da sie hĂ€rtere Genres als frĂŒhere Bands in Mexiko verwendeten.[64] Laura Hightower nannte die Band die eindringlichste und streitlustigste einer neuen Rockmusikbewegung.[1] In anderen Bandbeschreibungen wird Tijuana No! als erste mexikanische Skaband mit einem politischen Hintergrund[12][14] beschrieben, Enrique Lavin nannte Tijuana No! im Juli 1998 im CMJ New Music Monthly die politischste aller mexikanischen Bands.[50]

Josh Kun schrieb, die Musikvideos der Band wĂŒrden zu einer „Entwicklung einer neuen Grammatik der Globalisierung“ drĂ€ngen:[65]

<p class="Zitat">“The music videos of Tijuana NO! urge us to develop a new grammar of globalization that disarticulates dominant ideology form technical systems of material production, one that properly accounts for the way musicians and videomakers are manipulating mass media against their will as modes of emergent citizenship and tools for social change, while denouncing and dismantling the prescribed models of citizenship and the structures of racism, imperialism, and colonialism that these tools are packaged in.”</p> <p class="Zitat" lang="de" xml:lang="de">„Die Musikvideos von Tijuana NO! mahnen uns eine neue Grammatik der Globalisierung zu entwickeln, welche dominante Ideologie und technische Systeme der materiellen Produktion voneinander getrennt behandelt, eine, die richtig erklĂ€rt, wie Musiker und Video-Macher Massenmedien gegen deren Willen als Formen aufstrebender BĂŒrgerschaft und als Instrumente fĂŒr sozialen Wandel manipulieren, wĂ€hrend sie die vorgeschriebenen Formen der BĂŒrgerschaft und die Strukturen des Rassismus, Imperialismus und Kolonialismus, in die diese Instrumente verpackt sind, denunzieren und zerlegen.“</p><p class="cite" lang="de" xml:lang="de">– Josh Kun[65]</p>

Antisemitismus-Vorwurf

Bei einem Auftritt in Mexiko-Stadt sagte Luis GĂŒereña, es sei kein Zufall, dass wĂ€hrend der TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 keine Juden im World Trade Center gewesen seien.[66][67] Deswegen und wegen des Hitlergrußes in den BĂŒhnenshows wurden der Band antisemitische Tendenzen vorgeworfen. Ein Auftritt in Deutschland wurde abgesagt, da sich die Band von dieser Aussage GĂŒereñas aus Sicht der Veranstalter nicht ausreichend distanzierte. Alex ZĂșñiga bekrĂ€ftigte, dass die Band weder antisemitisch noch antijĂŒdisch sei und dass GĂŒereña, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr Teil der Band war, alleine fĂŒr seine Äußerungen verantwortlich sei.[22][67]

Der Politikwissenschaftler John Holloway beschrieb diese Äußerungen und antiamerikanistische Parolen angesichts der Rolle, welche die USA in Lateinamerika gespielt hĂ€tten, als „kaum ĂŒberraschend“ und „mehr als verstĂ€ndlich“: Macht werde mit den Vereinigten Staaten gleichgesetzt und Antiamerikanismus zunehmend hoffĂ€hig. In diesen Kreisen wĂ€re Antinordamerikanismus „fast per definitionem“ mit Antizionismus und nicht selten auch mit Antisemitismus verbunden, sprach hingegen die mexikanische jĂŒdische Kolumnistin Esther Shabot.[66]

Werkverzeichnis

Diskographie
Titel Veröffentlichung Anmerkungen
Studioalben:
NO 1992 im Independent-Label Rock and Roll Circus erschienen
Tijuana No! 15. Februar 1994 ĂŒberarbeitete Version des Albums NO; Label BMG Culebra
Transgresores de la ley 10. Januar 1995 Label BMG Culebra
Contra-RevoluciĂłn Avenue 7. April 1998 Label BMG U.S. Latin
Live-CD:
Live at Bilbao, Spain 6. Juni 2000 Label BMG U.S. Latin
Best-Of:
Rock milenium 12. Januar 1999 Beide Best-Of-CDs der Band sind Teil einer Reihe von Kompilationen verschiedener mexikanischer Musiker und Bands; Label BMG U.S. Latin (beide)
Rock en Español – Lo mejor de: Tijuana No 21. August 2001
Sampler-BeitrÀge:
Alternativo – Culebra 26. MĂ€rz 1996 mit Transgresores de la Ley
Rockmania in Spanish 25. Februar 1997 mit Pobre de Ti
Lo Mejor del Rock 1993 17. Juni 1997 mit La Migra und Niños de la Calle
Lo Mejor del Rock 1994 17. Juni 1997 mit Spanish Bombs und La Esquina del Mundo
Reconquista!: The Latin Rock Invasion 1997 mit Transgresores de la Ley
Rockmania in Spanish, Vol. 2 10. Februar 1998 mit La Esquina del Mundo
Live from the Latino Laugh Festival, Vol. 1 19. Mai 1998 mit Sin Tierra
100 % Rock 15. Dezember 1998 mit Spanish Bombs
Amodio eta gorrotozko kantak/Canciones de amor y odio (1984-1998) 1998 mit La Esquina del Mundo; von Fermin Muguruza organisierte Kompilation
Rockmania in Spanish, Vol. 3 23. MĂ€rz 1999 mit Nadie Dijo Nada
100 % Rock 1999 14. Dezember 1999 mit Gente
Latin Rock Explosion Vol. 1 – La Explosión del Rock Latino 17. Juli 2000 mit Pobre de Ti und Spanish Bombs
Brigadistak Sound System 17. September 2001 Harria (gemeinsam mit Fermin Muguruza, John Pantle und Mikel Abrego); CD von Fermin Muguruza
Rock en Español – Lo mejor de: En Vivo 9. Oktober 2001 mit Pobre de Ti; Live-Sampler aus derselben Reihe wie Rock en Español – Lo Mejor de: Tijuana No
Juntos 23. April 2002 mit Pobre de Ti, Ali Baba (y sus 40 mil ladrones), La Migra, Spanish Bombs und Golpes Bajos; diese CD besteht je zur HĂ€lfte aus Liedern von Tijuana No! und Maldita Vecindad y los Hijos del Quinto Patio
Rock the Latin Groove 21. Oktober 2002 mit Pobre de Ti
Divas del Rock 5. Februar 2002 mit Pobre de Ti
15 Años de Rock en Tu Idioma 23. Juli 2002 mit Pobre de Ti, Ali Baba (y sus 40 mil ladrones) und La Migra
Ska’n Dalo 14. September 2004 mit Pobre de Ti und La Vaka
30 Rock Pegaditas 4. Januar 2005 mit Pobre de Ti
Videographie
Lied aus Album Regie
Pobre de Ti Tijuana No! Angel Flores-Torres
La Esquina del Mundo Transgresores de la Ley Angel Flores-Torres
Transgresores de la Ley Transgresores de la Ley Leonardo Bondani
Stolen at Gunpoint Contra-RevoluciĂłn Avenue Leonardo Bondani

Literatur

  • Josh Kun: “The Sun Never Sets on MTV”: Tijuana NO! and the Border of Music Video. In: Michelle Habell-PallĂĄn und Mary Romero (Hrsg.): Latino/a Popular Culture. New York University Press; New York, London 2002. ISBN 0-8147-3624-6; S. 102–116 (englisch)
  • Josh Kun: Audiotopia. Music, Race, and America. University of California Press; Berkeley, Los Angeles, London 2005. ISBN 0-520-24424-9 (englisch)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g h i j k l m n Laura Hightower: Tijuana No! Biography, auf musicianguide.com; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (englisch)
  2. ↑ a b c d e Luis GĂŒereña Fallece, auf rockinphoenix.org; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (spanisch)
  3. ↑ a b c d e Josh Kun: Unresting Luis GĂŒereña, 1959–2004, auf bostonphoenix.com; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (englisch)
  4. ↑ a b c d e Nicolai Garcia: Remembering Luis GĂŒereña: Voice of Tijuana No!, auf rwor.org; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (englisch)
  5. ↑ Tijuana No! llora la muerte de su cantante, auf radiochango.com, 18. Januar 2004; zuletzt abgerufen am 26. Mai 2009 (spanisch)
  6. ↑ a b Tijuana No!'s History, auf arrigui.tripod.com; zuletzt abgerufen am 15. Dezember 2008 (spanisch)
  7. ↑ a b c d e f g h i j k l m n o Octavio Hernández: Tijuana No!: Transgresores del ska y el punk, auf laopinion.com, 22. Februar 2001; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (spanisch)
  8. ↑ a b c d e f g h i j k l m JosĂ© Manuel Valenzuela und Gloria GonzĂĄlez: Luis GĂŒereña: Transgresores de la ley, auf imjuventud.gob.mx, Interview vom MĂ€rz 1998; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (SWF-Format, spanisch)
  9. ↑ a b Beitrag zu Ceci Bastida auf bmi.com; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (englisch)
  10. ↑ a b c Octavio Hernández Díaz: Julieta Venegas El rock tiene cara de mujer auf laopinion.com, 19. Oktober 2000; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (spanisch)
  11. ↑ a b c d e f Frontera Magazine: Interview: Tijuana No!, auf illvox.org, zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  12. ↑ a b Links e Historia del ska y del rock, auf galeon.com; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (spanisch)
  13. ↑ Solange García: Tijuana No! quiere revivir, auf eluniversal.com.mx, 18. Dezember 2005; zuletzt abgerufen am 12. November 2008 (spanisch)
  14. ↑ a b c Mike Tajobase: La historia del Ska en MĂ©xico, auf lahaine.org; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (spanisch)
  15. ↑ a b c d e Tijuano No!: Critic's Review, auf msn.com; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  16. ↑ a b Bandbiografie auf manuchao.com.mx; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (spanisch)
  17. ↑ a b c d LegendĂ€rer crossover polit skareggaepunk aus Tijuana, mexico, Bandbiografie auf openairamberg.de; zuletzt abgerufen am 10. November 2008 (deutsch)
  18. ↑ Rebecca Gwyn Wilson: God Told Me to Skin You Alive, im Pressearchiv auf winstonsmith.com, Mai/Juni 1999; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  19. ↑ Tijuana No. Historia, julietavenegas.us; auf web.archive.org einsehbar (spanisch)
  20. ↑ a b Yuriria Pantoja Millan: FalleciĂł Luis GĂŒereña, promotor del punk rock, auf jornada.unam.mx, 21. Januar 2004; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (spanisch)
  21. ↑ a b Roberto A. Partida Sandoval: ¡Ya No!, auf zetatijuana.com; zuletzt abgerufen am 5. Oktober 2010
  22. ↑ a b c Koraktor Dezember 2003, auf kts-freiburg.org; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
  23. ↑ Kai Wydra: Bericht zum Konzert am 13. November 2003 in Berlin, auf wasteofmind.de; zuletzt abgerufen am 24. November 2008
  24. ↑ Preparan adiós de Luis, auf frontera.info; zuletzt abgerufen am 30. Oktober 2007
  25. ↑ Sonará hoy Tijuana No, auf frontera.info, 14. April 2006; zuletzt abgerufen am 30. Oktober 2007
  26. ↑ Inicia Ceci Bastida como solista nuevo periodo en su carrera musical, auf enelshow.com, 26. Mai 2010; zuletzt abgerufen am 14. Juni 2010 (spanisch)
  27. ↑ El Sol de Tijuana: Viene al Multikulti Flavio Mandinga, auf oem.com.mx, 23. MĂ€rz 2007; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (spanisch)
  28. ↑ Beitrag zu den Agresores auf absolutepunk.net; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  29. ↑ a b Beitrag zu Tijuana No! und den Tijuanos auf laweekly.com; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  30. ↑ Auftritt der Tijuanos auf myspace.com; zuletzt abgerufen am 11. Oktober 2008 (spanisch)
  31. ↑ Homepage von Mercado No Identificado, zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  32. ↑ a b JOKE e.V. lĂ€sst den Berg wieder Rocken!, Bandbeschreibung auf brennessel.com; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
  33. ↑ Nayely Ramírez Maya: Julieta Venegas volvió a cantar con Tijuana No!, auf cronica.com.mx, 26. April 2010; zuletzt abgerufen am 14. Juni 2010 (spanisch)
  34. ↑ a b Melina Amao Ceniceros: Tijuana No!, transgresores del tiempo, auf la-ch.com, 1. August 2010; zuletzt abgerufen am 5. Oktober 2010 (spanisch)
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  37. ↑ a b c d Transgresores De La Ley: Critic's Review, auf msn.com; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  38. ↑ a b Bandbiografie auf livegigs.de; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
  39. ↑ a b c Contra-Revolucion Avenue: Critic's Review, auf msn.com; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  40. ↑ J. Kun 2005: S. 217
  41. ↑ Laura Martinez: Cultural Hybridity in Mexican rock music. About ‘Latinness’ in ‘Guacamole Rock’, auf norient.com, 5. Oktober 2007; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (englisch)
  42. ↑ a b Kolaborazioak – Colaboraciones – Collaborations 1984-2000, muguruzafm.com (einsehbar auf web.archive.org; baskisch, spanisch, französisch und englisch)
  43. ↑ J. Kun 2002: S. 104
  44. ↑ Torsten Eßer: Narco-mĂșsica und Tecnogeist. Mexikanische Musik vom 20. Jahrhundert bis heute, S. 287f. In: Walther L. Bernecker, Marianne Braig, Karl Hölz, Klaus Zimmermann (Hrsg.): Mexiko heute. Politik, Wirtschaft, Kultur. Vervuert Verlag; Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-86527-140-5, ISSN 0067-8015; S. 563–606.
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  48. ↑ Frederick Luis Aldama: Why the Humanities Matter: A Commonsense Approach. University of Texas Press; Austin 2008. ISBN 0-292-71798-9 (englisch)
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  57. ↑ J. Kun 2002: S. 106
  58. ↑ a b c d FĂĄbrica de polvo: El rock mexicano en los noventa. CapĂ­tulo II: La temĂĄtica de las letras del rock mexicano; zuletzt abgerufen am 17. MĂ€rz 2009 (spanisch)
  59. ↑ a b c J. Kun 2002: S. 112
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  61. ↑ J. Kun 2002: S. 114
  62. ↑ ¡No Pasaran! – „Kein Durchkommen“, auf no-pasaran-wismar.de; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
  63. ↑ Hintergrund: Die zapatistische Rebellion von Momo, Beitrag zum EZLN in der Online-Ausgabe von kritische-masse.org, 21. September 2007 (einsehbar auf web.archive.org; deutsch)
  64. ↑ Jonathan Buckley (Hrsg.): The Rough Guide to Rock, 3rd edition. Rough Guides, 2003; ISBN 978-1-84353-105-0. S. 1088 (englisch)
  65. ↑ a b J. Kun 2002: S. 103
  66. ↑ a b Mary Kreutzer und Wolf-Dieter Vogel: Viva Osama! Lateinamerikas Linke und ihr Feindbild USA, auf trend.infopartisan.net; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
  67. ↑ a b Koraktor Januar 2004, auf kts-freiburg.org; zuletzt abgerufen am 11. November 2008 (deutsch)
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