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| Titan (Saturn VI) | |
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| Titan im sichtbaren Licht; aufgenommen aus einer Entfernung von 174.000 Kilometern (Raumsonde Cassini, 2009) | |
| Zentralkörper | Saturn |
| Eigenschaften des Orbits [1] | |
| GroĂe Halbachse | 1.221.830 km |
| Periapsis | 1.186.150 km |
| Apoapsis | 1.257.510 km |
| ExzentrizitÀt | 0,0292 |
| Bahnneigung | 0,33° |
| Umlaufzeit | 15,945 Tage |
| Mittlere Orbitalgeschwindigkeit | 5,57 km/s |
| Physikalische Eigenschaften [1] | |
| Albedo | 0,22 |
| Scheinbare Helligkeit | 8,4 mag |
| Mittlerer Durchmesser | 5150 km |
| Masse | 1,345 · 1023 kg |
| OberflĂ€che | 8,3 · 107 kmÂČ |
| Mittlere Dichte | 1,88 g/cmÂł |
| Siderische Rotation | 15,945 Tage |
| Achsneigung | 1,942° |
| Fallbeschleunigung an der OberflĂ€che | 1,35 m/sÂČ |
| Fluchtgeschwindigkeit | 2600 m/s |
| OberflÀchentemperatur | 94 K |
| Entdeckung | |
| Entdecker | Christiaan Huygens |
| Datum der Entdeckung | 25. MĂ€rz 1655 |
| Anmerkungen | Titan hat eine ausgeprĂ€gte GashĂŒlle:
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| GröĂenvergleich zwischen Titan (unten links), Erdmond (oben links) und Erde | |
Titan (auch Saturn VI) ist mit einem Durchmesser von 5150 Kilometern der gröĂte Mond des Planeten Saturn. Er ist nach Ganymed der zweitgröĂte Mond im Sonnensystem und der einzige, der ĂŒber eine dichte GashĂŒlle verfĂŒgt.
Titan wurde 1655 durch den niederlĂ€ndischen Astronomen Christiaan Huygens entdeckt.[2] Beobachtungen von der Erde und vom Weltraumteleskop Hubble aus erweiterten das Wissen ĂŒber ihn, insbesondere jedoch VorbeiflĂŒge einiger Raumsonden seit 1979. Die informativsten Bilder und Messdaten stammen von der Landung der Sonde Huygens im Jahre 2005.[3]
Obwohl die OberflĂ€chentemperatur des Titans um ein Vielfaches niedriger ist als die der Erde, gilt er hinsichtlich der dichten, stickstoffreichen AtmosphĂ€re und wegen des Vorhandenseins von FlĂŒssigkeiten in selbiger als der erdĂ€hnlichste Himmelskörper unseres Sonnensystems. Seine GashĂŒlle ist auf der OberflĂ€che etwa fĂŒnfmal dichter und der Druck etwa 50 % höher als auf der Erde. Sie besteht ĂŒberwiegend aus Stickstoff und enthĂ€lt Kohlenwasserstoffe sowie Spuren anderer organischer Verbindungen. Die OberflĂ€che und die oberste Schicht des Mantels sind aus Eis und Methanhydrat. Darunter befindet sich möglicherweise ein Eismondozean mit flĂŒssigem Wasser, obwohl die Temperaturen dort unter 0 °C liegen.[4][5][6]
FĂŒr Leben, das auf Wasser basiert, kreist Saturn mit seinen Monden in einer viel zu kalten Umlaufbahn um die Sonne (auĂerhalb der habitablen Zone). Dort ist das Entstehen von Leben deshalb unwahrscheinlich, Vorstufen hierzu werden jedoch nicht ausgeschlossen.[7] Nach neuesten Forschungsergebnissen wĂ€re jedoch auch Leben auf der Basis von kurzkettigen flĂŒssigen Kohlenwasserstoffen (z. B. Methan) denkbar.[8][9]
Inhaltsverzeichnis |
Auf Titan entfallen ĂŒber 95 % der Gesamtmasse aller Saturnmonde. Diese enorme Massekonzentration unter den Saturnsatelliten in einem einzelnen Körper hat zu Fragen ĂŒber seine Entstehung gefĂŒhrt.
Es ist noch ungeklÀrt, ob Titan in einer Materieansammlung des Sonnennebels, die Saturn formte, als nativer Mond entstand, oder ob er sich an einem anderen Ort bildete und spÀter durch Saturns Schwerkraft eingefangen wurde und somit in seine Umlaufbahn gelangte, ebenso wie dies bei Neptuns Mond Triton der Fall war. Die letztere Hypothese könnte die ungleiche Massenverteilung von Saturns Monden erklÀren.[10]
Titan besitzt mit 1,88 g/cm3 auch die höchste Dichte aller gröĂeren Saturnmonde, obwohl er Ă€hnlich wie diese zusammengesetzt ist.
Titan umrundet Saturn in einem mittleren Abstand von 1.221.850 Kilometern (20,3 Saturnradien) und somit auĂerhalb der Saturnringe, die im sichtbaren Teil (E-Ring) bei etwa 480.000 Kilometern enden, aber bis zu einem Radius von etwa 960.000 Kilometer reichen.
Die Umlaufbahnen seiner beiden nĂ€chsten Nachbarmonde liegen 242.000 Kilometer weiter auĂen (Hyperion) und 695.000 Kilometer weiter innen (Rhea). Ein resonanznahes UmlaufverhĂ€ltnis besteht zu Hyperion, der wĂ€hrend vier TitanumlĂ€ufen knapp dreimal (2,998) den Planeten umkreist.[11]
Ein Umlauf dauert 15 Tage, 22 Stunden und 41 Minuten bei einer mittleren Bahngeschwindigkeit von 5,57 km/s. Die Umlaufbahn bildet keinen exakten Kreis, sondern weist eine numerische ExzentrizitĂ€t von 0,029 auf, was fĂŒr einen groĂen Mond ein relativ hoher Wert ist. Die Bahnebene von Titan weicht um 0,33° von der Ăquatorebene Saturns und seiner Ringe ab.
Saturns Rotationsachse ist gegenĂŒber der Ekliptik um 26,73° geneigt (zum Vergleich: Erdachse 23,44°). Dadurch entstehen auf dem Planeten und allen seinen Satelliten auf ihren jeweiligen Nord- und SĂŒdhalbkugeln die vier Jahreszeiten, dort jedoch fĂŒr jeweils 7œ Erdjahre, da ein Saturnjahr (Umlauf um die Sonne) fast 30 Jahre dauert. Der erste Sommer des dritten Jahrtausends ging auf der SĂŒdhalbkugel des Titan im August 2009 zu Ende.[12]
Das Baryzentrum von Saturn und Titan ist infolge der 4227-fachen Masse des Planeten nur 290 Kilometer vom Saturn-Mittelpunkt entfernt.
Titan hat eine an den Umlauf gebundene Rotation. Das bedeutet, dass immer dieselbe Seite dem Planeten zugewandt ist, wie dies fĂŒr den Erdmond und alle anderen groĂen Trabanten ebenfalls gilt. Er rotiert somit in der gleichen Zeit und mit dem gleichen Drehsinn seines Saturnumlaufs â von West nach Ost â in 15 Tagen, 22 Stunden und 41 Minuten um die eigene Achse. Am Ăquator entspricht dies einer Geschwindigkeit von knapp 12 m/s. Seine Rotationsachse unterscheidet sich von der Bahnebene um 1,942°.
Mit einem mittleren Durchmesser von 5150 Kilometern[13] ist Titan der zweitgröĂte Mond im Sonnensystem und liegt mit Masse, Dichte und Durchmesser zwischen den Jupitermonden Ganymed und Kallisto.
Von der Erde aus erschien es lange Zeit so, dass Titan etwa 5550 Kilometer Durchmesser hĂ€tte und damit gröĂer sei als Ganymed. Doch die Erkundung durch Voyager 1 offenbarte 1980 die ausgeprĂ€gte und undurchsichtige GashĂŒlle, weshalb zuvor der Durchmesser des festen Körpers ĂŒberschĂ€tzt worden war. Titan ist etwa 50 % gröĂer und 80 % massereicher als der Erdmond. Er ist zudem gröĂer als der kleinste Planet Merkur, aber weit weniger massereich als dieser. Die OberflĂ€che von Titan ist so groĂ wie die von Europa, Asien und Afrika zusammen.
An seiner OberflĂ€che herrscht eine Fallbeschleunigung von 1,35 m/sÂČ, das heiĂt, die Schwere betrĂ€gt dort nur knapp ein Siebtel derjenigen auf der Erde (9,81 m/sÂČ). und ist damit etwas geringer als die des Erdmondes.
Titan ist groà genug, um seine EntstehungswÀrme noch nicht verloren zu haben, und besitzt im Inneren WÀrmequellen in Form radioaktiver Nuklide in Mineralien (beispielsweise Kalium-40), so dass seine Temperatur mit zunehmender Tiefe ansteigt (Temperaturgradient). Sehr wahrscheinlich ist das Innere von Titan geologisch aktiv.
Die Dunstschicht der GashĂŒlle verleiht ihm eine niedrige geometrische Albedo von 0,22; das heiĂt, nur 22 % des eingestrahlten Sonnenlichtes werden reflektiert.[1] Die sphĂ€rische Albedo betrĂ€gt 0,21.
Der feste Körper von Titan setzt sich etwa zur HĂ€lfte aus einem Mantel von Wassereis und zur anderen HĂ€lfte aus einem Kern von silikatischem Gestein zusammen. Damit dĂŒrfte er Ă€hnlich aufgebaut sein wie die Jupitermonde Ganymed und Kallisto sowie der Neptunmond Triton und möglicherweise auch der Zwergplanet Pluto. Er unterscheidet sich jedoch von ihnen durch seine GashĂŒlle.
Im Sonnensystem ist Titan unter den Planeten und Monden seiner GröĂenklasse der einzige Himmelskörper mit einer dichten und wolkenreichen AtmosphĂ€re.
Der katalanische Astronom JosĂ© Comas SolĂĄ Ă€uĂerte nach seinen teleskopischen Beobachtungen im Jahre 1908 als erster die Vermutung, dass der Mond von einer GashĂŒlle umgeben ist,[14] da die winzige Titanscheibe am Rand dunkler sei als im Zentrum. Der Nachweis dafĂŒr wurde jedoch erst im Jahre 1944 von dem US-amerikanischen Astronomen Gerard Kuiper mittels spektroskopischer Untersuchungen erbracht. Dabei wurde der Partialdruck des Kohlenwasserstoffs Methan zu 100 mbar bestimmt.[15]
Untersuchungen durch die Voyager-Sonden haben ergeben, dass der atmosphĂ€rische Druck auf Titans OberflĂ€che circa 1,5 bar betrĂ€gt und somit um rund 50 % höher ist als der auf der ErdoberflĂ€che. Unter BerĂŒcksichtigung der geringen Schwerkraft bedeutet dies, dass sich ĂŒber jedem Quadratmeter TitanoberflĂ€che die zehnfache Gasmasse wie auf der Erde befindet und ihre Dichte in BodennĂ€he fĂŒnfmal so groĂ ist.[16] Die gesamte Masse der GashĂŒlle ist etwa 1,19 mal so groĂ wie die der â wesentlich gröĂeren â Erde.[17]
Die StickstoffatmosphĂ€re ist aus Ammoniak (NH3) entstanden, das aus dem Mond ausgaste und durch energiereiche UV-Anteile der Sonnenstrahlung unterhalb 260 nm (entsprechend der Bindungsenergie von 460 kJ/mol)[18] in Stickstoff- und Wasserstoffatome aufgespalten wurde, die sich sofort zu StickstoffmolekĂŒlen (N2) und WasserstoffmolekĂŒlen (H2) verbanden.[19] Der schwere Stickstoff sank unter das leichtere Ammoniak, der extrem leichte Wasserstoff entwich in den Weltraum; er kann sich auf Titan wegen der geringen Anziehungskraft nicht ansammeln.
Nach einer neuen Theorie entstand die AtmosphĂ€re, als EinschlĂ€ge des GroĂen Bombardements die OberflĂ€che aus Ammoniakeis zertrĂŒmmerten und daraus Stickstoff freisetzten. Darauf deutet die geringe innere Differenzierung von Titan und die Isotopenzusammensetzung des Argons in der AtmosphĂ€re hin.[20]
Die Huygens-Sonde hat zudem MengenverhĂ€ltnisse der Isotope von N und C gemessen. Das IsotopenverhĂ€ltnis von 14N zu 15N legt nahe, dass ursprĂŒnglich die fĂŒnffache Menge an Stickstoff vorhanden war und das etwas leichtere 14N ĂŒberwiegend in das Weltall diffundierte. Das MengenverhĂ€ltnis von 12C zu 13C lĂ€sst darauf schlieĂen, dass Methan in der GashĂŒlle kontinuierlich neu gebildet wird.[21]
Titans AtmosphĂ€re reicht etwa zehnmal so weit in den Weltraum wie die der Erde. Die Grenze der TroposphĂ€re liegt in einer Höhe von etwa 44 Kilometern. Hier ist etwa das Temperaturminimum der AtmosphĂ€re mit â200 °C. DarĂŒber steigt die Temperatur an und liegt in 500 Kilometern bei â121 °C.[22] Ebenso ist die IonosphĂ€re Titans komplexer als die der Erde aufgebaut. Die Hauptzone der IonosphĂ€re befindet sich in einer Höhe von 1200 Kilometern.[23]
Die einzigen Körper im Sonnensystem, deren AtmosphĂ€re hauptsĂ€chlich aus Stickstoff besteht, sind Erde und Titan. Bei diesem sind es 98,4 % Stickstoff und etwa 1,6 % Argon sowie Methan, das in der oberen AtmosphĂ€re aufgrund seiner geringen Dichte (57 % von Stickstoff) vorherrscht. AuĂerdem finden sich Spuren von mindestens einem Dutzend anderer organischer Verbindungen, unter anderem Ethan, Propan, Ethin und Cyanwasserstoff. Helium, Kohlenstoffdioxid und Wasser wurden ebenfalls gefunden, jedoch praktisch kein freier Sauerstoff.[24]
Da Titan kein nennenswertes Magnetfeld besitzt, ist seine AtmosphĂ€re besonders an ihrem Ă€uĂeren Rand direkt dem Sonnenwind ausgesetzt. AuĂerdem unterliegt sie der Einwirkung der kosmischen Strahlung sowie der Sonneneinstrahlung, wovon chemisch der bereits erwĂ€hnte UV-Anteil von Bedeutung ist. Von solchen energiereichen Materieteilchen oder Photonen getroffene Stickstoff- und MethanmolekĂŒle werden in Ionen oder sehr reaktive Radikale aufgespalten.[25] Diese BruchstĂŒcke gehen mit anderen MolekĂŒlen neue Bindungen ein, wobei sie einerseits komplexe organische Stickstoffverbindungen und andererseits die oben genannten Kohlenstoffverbindungen sowie Aromaten (z. B. Benzol) bilden. Auf diese Weise entstehen in der oberen TitanatmosphĂ€re auch Polyine, die Dreifachbindungen enthalten.[26][27][28]
Die entstandenen schwereren MolekĂŒle sinken langsam in tiefere Schichten der AtmosphĂ€re und bilden den orangefarbenen Nebel, welcher den Saturnmond einhĂŒllt.[29] Der Astrophysiker Carl Sagan prĂ€gte fĂŒr dieses Gemisch von Verbindungen mit noch unbekannter Zusammensetzung den Begriff âTholinâ. Er vermutete zudem eine Schicht solcher MolekĂŒle auf der OberflĂ€che des Titans, in der bei Energiezufuhr chemische Reaktionen ablaufen könnten, die jenen in der Urzeit der Erde Ă€hnlich sind und einen Beitrag zur Entstehung des Lebens auf unserem Planeten geleistet haben. Mit diesen Vermutungen wurde der Titan zu einem der interessantesten SchauplĂ€tze im Sonnensystem.[30]
WĂ€hrend ihres Abstiegs zur TitanoberflĂ€che untersuchten Instrumente der Huygenssonde die AtmosphĂ€re. Mit dem Ionen-Neutral-Massenspektrometer (INMS) konnte nachgewiesen werden, dass der orangefarbene Nebel kleinere und mittelgroĂe MolekĂŒle enthĂ€lt. Aufschlussreicher waren die Daten des Cassini-Plasmaspektrometers (CAPS), das eigens fĂŒr die Untersuchung der OrangefĂ€rbung der AtmosphĂ€re mitgefĂŒhrt wurde und erstmals eine ErklĂ€rung fĂŒr die Bildung von Tholinen lieferte. Es detektierte groĂe, positiv und negativ geladene Ionen. Vor allem die negativ geladenen Ionen spielen vermutlich eine unerwartete Rolle in der Bildung von Tholinen aus kohlenstoff- und stickstoffhaltigen Verbindungen.[31]
Blick ĂŒber den Rand von Titan und durch seine HochatmosphĂ€re auf Saturns SĂŒdpol von Cassini, 2005.
Durch Falschfarben kontrastverstÀrkte Aufnahme der AtmosphÀre Titans durch Voyager 1, 1980.
Die Temperatur auf Titans OberflĂ€che betrĂ€gt im Mittel â179 °C (94 Kelvin).[32] Der Temperaturunterschied zwischen dem Ăquator und den Polen ist durch die gleichmĂ€Ăig Sonnenlicht absorbierende AtmosphĂ€re nicht gröĂer als drei Grad. Bei diesen Temperatur- und DruckverhĂ€ltnissen sublimiert Wassereis nicht, so dass nur sehr geringe Spuren von Wasser in der AtmosphĂ€re vorhanden sind.
In der obersten AtmosphĂ€re fĂŒhren die Methananteile zu einem Treibhauseffekt, so dass es dort ohne dieses Gas erheblich kĂ€lter wĂ€re.[33]
Auch der orangefarbene Nebel hat auf die unter ihm liegenden Teile der AtmosphÀre klimatische Auswirkungen, die jedoch unterschiedlich gedeutet werden (Paradoxon der schwachen jungen Sonne). So wird in Bezug auf die feste OberflÀche, im Gegensatz zur Erde, von einem Anti-Treibhauseffekt gesprochen.[34]
In der oberen TroposphĂ€re rotiert Titans AtmosphĂ€re schneller von Ost nach West als der Mond selbst. Dieses PhĂ€nomen wird âSuperrotationâ genannt; es ist zum Beispiel ebenso auf der Venus zu beobachten. Im oberen Bereich der bis zu 50 Kilometer hoch reichenden TroposphĂ€re herrschen starke Turbulenzen. Die Windgeschwindigkeit betrĂ€gt dort etwa 30 m/s und nimmt nach unten hin stetig ab. Unterhalb von sieben Kilometern ist die Geschwindigkeit der Gasmassen gering.[35]
Der Lander Huygens hat wĂ€hrend der Durchquerung der AtmosphĂ€re die Luftströmungen gemessen. Eine Simulation auf Basis dieser Winddaten konnte zeigen, dass Titans AtmosphĂ€re in der StratosphĂ€re in einer einzigen, riesigen Hadley-Zelle zirkuliert. Dabei steigt warme Luft in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re auf und sinkt in der nördlichen wieder ab. Dadurch strömt in groĂen Höhen der StratosphĂ€re die Luft von SĂŒden nach Norden und in geringeren Höhen wieder von Norden nach SĂŒden zurĂŒck. Im Gegensatz zur Erde, deren Hadley-Zelle und die innertropische Konvergenzzone aufgrund der Ozeane auf das Gebiet zwischen den Wendekreisen beschrĂ€nkt ist, erstreckt sich das Einflussgebiet beim Titan von Pol zu Pol. Etwa alle 15 Jahre (inklusive einer dreijĂ€hrigen Ăbergangszeit), also zweimal je Saturnjahr, kehrt diese Zelle ihre Windrichtung um. Solch eine Hadley-Zelle ist nur auf einem langsam rotierenden Körper, wie Titan, möglich.[36]
In der AtmosphĂ€re sind Muster von Wolken zu erkennen, die ĂŒberwiegend aus Methan, aber auch aus Ethan und anderen Kohlenwasserstoffen zusammengesetzt sind und auf die OberflĂ€che abregnen.
Ende 2006 wurde mittels Cassini ein riesiger Wolkenwirbel entdeckt, der mit einem Durchmesser von rund 2400 Kilometern einen GroĂteil der Nordpolregion ĂŒberdeckt. Eine Wolke wurde zwar erwartet, jedoch kein Gebilde von dieser GröĂe und Struktur. Als sich die Sonde zwei Wochen spĂ€ter nochmals Titan nĂ€herte, konnte der Riesenwirbel erneut beobachtet werden. Vermutlich bestand er 2006 schon seit einigen Jahren und wird sich danach erst in ein oder zwei Jahrzehnten auflösen und am SĂŒdpol neu entstehen. Nach den Modellen der Forscher unterliegt seine Bildung einem Zyklus, der einem Saturnjahr entspricht, wie das ebenso bei der Hadley-Zelle der Fall ist.[37]
Aufgrund der dunstreichen AtmosphĂ€re konnten bei frĂŒheren Beobachtungen im sichtbaren Licht und bei den Voyagermissionen keine Einzelheiten auf Titans OberflĂ€che erkannt werden.
Die auf den ersten Radarbildern sichtbaren globalen und regionalen OberflĂ€chenmerkmale werden, nach ersten Auswertungen von den NASA-Wissenschaftlern, fĂŒr tektonische Strukturen wie GrĂ€ben und Krustenstörungen gehalten. Dies wĂŒrde fĂŒr eine fortdauernde bedeutende geologische AktivitĂ€t des Himmelskörpers sprechen.
Die OberflĂ€che ist im Allgemeinen sehr flach. Höhenunterschiede von mehr als 150 m und gebirgsĂ€hnliche ZĂŒge kommen selten vor.[38] So fĂ€llt eine helle Region 4500 Kilometer entlang des Ăquators, mit dem Namen Xanadu, besonders auf. NASA- und ESA-Forscher deuten sie, nach nĂ€heren Beobachtungen, als eine Landschaft mit ĂŒberraschend erdĂ€hnlichem Gesamtbild. Xanadu, das flĂ€chenmĂ€Ăig etwa so groĂ ist wie Australien, wird von bis zu 2000 m hohen BergrĂŒcken durchzogen.[39] Radardaten zufolge bestehen diese aus porösem Wassereis, das von dort vermutetem Methanregen durch Auswaschung gebildet wurde. Höhlensysteme könnten geschaffen worden sein. Dies entspricht ganz den durch Wind und Wasser geprĂ€gten Landschaften der Erde.[40]
Im Gegensatz zur Plattentektonik auf der Erde entstanden die Gebirge Titans aller Wahrscheinlichkeit nach durch Schrumpfung des Mondes. Auch hier entstanden die GebirgszĂŒge eindeutig durch Auffaltung und VerkĂŒrzung der Kruste. Ein Forscherteam um Giuseppe Mitri am Caltech kam durch Computersimulationen zum Schluss, dass der Titan seit seiner Entstehung vor 4,5 Milliarden Jahren kontinuierlich schrumpfte. Dabei gingen sie davon aus, dass der Kern von Titan nie sehr heiĂ war und daher eine relativ homogene Mischung aus Eis und Gestein darstellt. Die langsame AbkĂŒhlung des Mondes sorgt dafĂŒr, dass Teile des unterirdischen Ozeans allmĂ€hlich gefrieren und dabei die Dicke der Ă€uĂeren Eiskruste wĂ€chst. Auch der Mantel aus Hochdruckeis wird immer mĂ€chtiger. Da das Eis der Ă€uĂeren Kruste weniger dicht als der Ozean ist (da es ja auf dem Ozean schwimmt) und das Hochdruckeis unter dem Ozean eine höhere Dichte als der Ozean hat, kommt es auf Kosten des unterirdischen Ozeans zu einer Abnahme des Volumens. Dabei legt sich die OberflĂ€che in Falten. Laut der Simulation des Teams um Mitri mĂŒsste sich der Radius des Mondes innerhalb von 4,5 Milliarden Jahren um sieben Kilometer verkĂŒrzt haben. Derzeit betrĂ€gt er 2575 Kilometer, und das Volumen verringerte sich etwa um ein Prozent.[39]
Die Zusammensetzung der OberflĂ€che ist komplex. Cassini-Huygens hat dort Wassereis festgestellt, das bei so niedrigen Temperaturen die Konsistenz von Silikatgestein hat und teilweise von TĂŒmpeln oder Seen aus flĂŒssigem Methan bedeckt ist. Es wird angenommen, dass auf der OberflĂ€che Kohlenwasserstoffe existieren, die bisher noch nicht im Labor hergestellt werden konnten.
GegenĂŒber anderen Monden und Planeten im Sonnensystem weist Titan nur wenige Einschlagkrater auf. Durch den Schutz der dichten AtmosphĂ€re wird die Anzahl der einschlagenden Objekte, von denen viele schon vorher in der AtmosphĂ€re verglĂŒhen oder zerbersten, von vornherein in etwa halbiert. Der bestĂ€ndige Wind und der Methanregen formen die OberflĂ€che zudem vergleichsweise schnell und fĂŒhren folglich zu einer geologisch jungen OberflĂ€che.
Fotografie der TitanoberflĂ€che wĂ€hrend des Landeanflugs von Huygens. Man erkennt HĂŒgel und topographische Merkmale, die einer KĂŒstenregion mit AbflussgrĂ€ben gleichen, 2005.
Neuere Cassini-Daten zeigen, dass in den dunklen Ă€quatorialen Gebieten, wo zunĂ€chst Kohlenwasserstoff-Ozeane vermutet wurden, groĂe WĂŒstengebiete mit 150 m hohen und hunderte Kilometer langen DĂŒnen existieren, wofĂŒr der stetige Wind auf Titan verantwortlich ist. ComputergestĂŒtzten Simulationen zufolge reicht dafĂŒr bereits eine Windgeschwindigkeit von zwei Kilometern pro Stunde aus. Neuere Bilder der Cassini-Sonde, welche Titan vor Kurzem wieder passierte, warfen jedoch einige Fragen auf. So ist Anhand der Schatten zu erkennen, dass groĂe, bis zu 300m hohe DĂŒnen, gröĂtenteils durch Westwind erzeugt worden sind, wohingegen der vorherrschende Wind an Titans Ăquator der Ostwind ist. Ein möglicher Grund wĂ€re, dass diese DĂŒnen nur in den seltenen Phasen eines Ăquinoktiums entstehen, an welchen ein möglicher, genĂŒgend starker Westwind weht.
Die DĂŒnen bestehen aus bis zu 0,3 mm groĂen Partikel, deren Zusammensetzung noch nicht geklĂ€rt ist. In Frage kommt Wassereis oder organische Feststoffe. Nach einer Hypothese von Donald Hunten an der UniversitĂ€t von Arizona könnten sie aus Ethan bestehen, das an feinste Staubpartikel gebunden ist. Das wĂŒrde auch erklĂ€ren, warum sich hier keine Kohlenwasserstoff-Ozeane gebildet haben.[41]
In den beiden Polarregionen finden sich auf den Radaraufnahmen gröĂere Methanseen, die von FlĂŒssen gespeist werden. Zahlreiche radardunkle Flecken, die als eindeutiger Nachweis solcher âGewĂ€sserâ angesehen werden, wurden rund um den Nordpol gefunden. In dieser Region herrschte zu der Zeit der Cassini-Mission Polarnacht.
Die drei gröĂten Seen Kraken Mare, Ligeia Mare und Punga Mare werden als âMareâ bezeichnet und erreichen mit FlĂ€chen bis ĂŒber 100.000 Quadratkilometer die Dimensionen groĂer irdischer Binnenseen und -meere (zum Vergleich: Lake Superior 82.100 Quadratkilometer). Bereits zu Beginn der Mission wurde am SĂŒdpol der gröĂte âSeeâ Ontario Lacus als bislang einziger Methansee auf der sĂŒdlichen HemisphĂ€re entdeckt und nach dem mit rund 20.000 Quadratkilometer gleich groĂen Ontariosee benannt. Forscher des DLR gaben am 30. Juli 2008 bekannt, dass in ihm daneben Ethan nachgewiesen wurde und er vermutlich noch andere Alkane enthĂ€lt.[42][43][44] Auswertungen von Radarmessungen zeigten 2009, dass der Ontario Lacus spiegelglatt zu sein scheint. Die Variationen in der Höhe betrugen zum Zeitpunkt der Messung weniger als 3 mm. Das erhĂ€rtet den Verdacht, dass der Ontario Lacus tatsĂ€chlich aus flĂŒssigen Kohlenwasserstoffen und nicht aus getrocknetem Schlamm besteht. Es zeigte sich damit auch, dass es an der OberflĂ€che relativ windstill war.[45] Zu den kleineren Seen zĂ€hlen der Feia Lacus, der Kivu Lacus, der Koitere Lacus und der Neagh Lacus.
Die FlĂŒssigkeiten in den seeĂ€hnlichen Gebilden sind relativ durchsichtig, so dass ein Mensch â wĂŒrde er an einem solchen Ufer stehen â in diese âGewĂ€sserâ wie in einen klaren irdischen See hinein blicken könnte. Nach Berechnungen der NASA ĂŒbertrifft der Vorrat an flĂŒssigen Kohlenwasserstoffen auf Titan den der Erde um das Hundertfache. Der atmosphĂ€rische Kreislauf, das Herabregnen, Sammeln und FlieĂen von Kohlenwasserstoffen prĂ€gte die eisige OberflĂ€che in ĂŒberraschend Ă€hnlicher Weise, wie auf der Erde Wasser die Silikatgesteine formt. Schon auf den ersten Blick sind aus einigen Kilometern Höhe ganze Flusssysteme erkennbar, flĂŒssiges Methan schneidet sich erosiv in die EisoberflĂ€che ein und bildet ein hĂŒgelig-bergiges Relief. Auf der Erde wĂŒrde dies eine (tektonische) Hebung der erodierten Gebiete ĂŒber die durchschnittliche OberflĂ€chenhöhe hinaus implizieren; das kann auf Titan nicht anders sein.
Von den Forschern wird vermutet, dass sich die Seen hauptsĂ€chlich wĂ€hrend des 7 œ Jahre dauernden Titan-Winters bilden und im Sommer gröĂtenteils wieder austrocknen.[46] Diese Entdeckung passte gut zu der des riesigen nordpolaren Wolkenwirbels wenige Wochen spĂ€ter. Beides bestĂ€tigt die Vermutung eines Niederschlagkreislaufs von Methan, Ă€hnlich dem Wasserkreislauf auf der Erde â mit Verdunstung, Wolkenbildung und erneutem Niederschlag (Methan ist nur im Temperaturbereich von â182 °C bis â162 °C flĂŒssig, bei höheren Temperaturen gasförmig).
Die Seen sind ungleichmĂ€Ăig verteilt. Nachdem bis 2009 etwa die HĂ€lfte von Titan durch Radar abgetastet worden ist, scheint der Anteil der SeenflĂ€chen in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re nur 0,4 % zu betragen, in der nördlichen etwa 10 %, also ĂŒber zwanzigmal mehr als auf der sĂŒdlichen. Das könnte damit zusammenhĂ€ngen, dass die Umlaufbahn Saturns um die Sonne elliptisch ist und dadurch sein Abstand zur Sonne um rund 11 % schwankt. Daher sind die Sommer auf der sĂŒdlichen HemisphĂ€re kĂŒrzer und wĂ€rmer, die Winter wiederum sind dort lĂ€nger und kĂ€lter. Beim sonnennĂ€chsten Punkt, dem Perihel, bewegt sich der Planet gegenĂŒber dem sonnenfernsten Punkt seiner Umlaufbahn, dem Aphel, schneller um die Sonne und durch die gröĂere NĂ€he wird auch seine Winkelgeschwindigkeit um die Sonne noch erhöht. Dadurch regnet auf der Nordhalbkugel das Methan ab, das auf der SĂŒdhalbkugel im wĂ€rmeren Sommer verdunstete. Auch wenn sich der Seestand pro Jahr nur um wenige Dezimeter senkt, fĂŒhrt dies im Lauf vieler Jahre dazu, dass in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re viele Seen austrocknen. Da sich die Ellipse der Saturnbahn langsam um die Sonne dreht, dĂŒrfte die Verteilung der Seenbedeckung jedoch alle 45.000 Jahre zwischen Nord- und SĂŒdhalbkugel pendeln.[47]
Auf Titan finden sich deutliche Anzeichen vulkanischer AktivitĂ€t. Auch wenn die erkannten Vulkane in ihrer Form und GröĂe denen auf der Erde Ă€hneln, handelt es sich nicht um silikatischen Vulkanismus wie auf den erdĂ€hnlichen Planeten Mars oder Venus, sondern vielmehr um sogenannte Kryovulkane, also Eisvulkane.
Die zĂ€hflĂŒssige Masse, die bei diesem Kryovulkanismus an die TitanoberflĂ€che tritt, könnte aus Wasser und z. B. Ammoniak oder aus Wasser mit anderen kohlenwasserstoffhaltigen Gemischen bestehen, deren Gefrierpunkte weit unter dem von Wasser liegen und die somit kurzzeitig an der OberflĂ€che flieĂen könnten. Diese Gebiete mit höheren Temperaturen werden auch âHotbedsâ genannt. Es wird vermutet, dass der Vulkanismus auf Titan, Ă€hnlich wie auf der Erde, durch die Energiefreisetzung beim Zerfall von radioaktiven Elementen im Mantel von Titan angetrieben wird.
Mit Hilfe von Cassini wurden bei einem vermutetem Kryovulkan Methanemissionen entdeckt. Es wird angenommen, Kryovulkanismus sei eine bedeutende Quelle fĂŒr den Nachschub von Methan in der AtmosphĂ€re.[48][49]
Titan besitzt einen groĂen Kern aus Silikatgestein, der von mehreren Schichten Wassereis umgeben ist. Die Ă€uĂere Schicht des Mantels besteht aus Eis und Methanhydrat, die innere aus Hochdruckeis (vgl. das Eis-Phasendiagramm). Nach Modellrechnungen von 2005 könnte sich zwischen diesen beiden Schichten ein Eismondozean aus flĂŒssigem Wasser befinden.
Wie bei anderen Monden der Gasplaneten â Jupitermond Io und Saturnmond Enceladus â könnten hier ebenfalls GezeitenkrĂ€fte des Mutterplaneten eine Rolle bei der fĂŒr tektonische Bewegungen notwendigen Aufheizung und folgenden Mobilisierung des Mondinneren spielen.
Durch die relativ hohe ExzentrizitĂ€t der Titan-Bahn und der daraus folgenden Libration in LĂ€nge pendelt die Gezeitendeformation des Mondes im Laufe seiner gebundenen Rotation entsprechend und könnte mit diesem Hin-und-her-Walken in Titans Innerem zu tektonischen Verschiebungen fĂŒhren.[50]
Radarmessungen der Cassini-Sonde deuten darauf hin, dass unter der Eiskruste ein Ozean aus flĂŒssigem Wasser existiert.[51] Die Dicke der Eiskruste wird auf etwa 80 Kilometer geschĂ€tzt.[52]
Nach einem Modell, das vom Jupitermond Europa auf Titan ĂŒbertragen wurde, kann die WĂ€rmeentwicklung durch Gezeitenreibung auch unter seiner Eiskruste zu der Bildung dieser aufgeschmolzenen Schicht gefĂŒhrt haben. Sie mĂŒsste sich mit der Sonde Cassini durch Schwerefeldmessungen nachweisen lassen.
Im Wasser zu etwa 10 % enthaltenes Ammoniak wĂŒrde als Frostschutzmittel (siehe Gefrierpunkterniedrigung) wirken, so dass sich trotz der in dieser Tiefe zu erwartenden Temperatur von â20 °C ein flĂŒssiger Ozean gebildet haben könnte â zumal in Verbindung mit dem dortigen hohen Druck.
Die Existenz eines Ozeans in der Tiefe bedeutet geologisch gesehen, dass die darĂŒber liegende Kruste wesentlich beweglicher sein kann als auf Himmelskörpern, die durchgehend fest sind, wie beispielsweise der Erdmond. Die Krustenbeweglichkeit fĂŒhrt zu den beobachteten tektonischen GroĂstrukturen und ebenso zum Kryovulkanismus, wobei vermutet werden kann, dass auch Wasser aus dem untergrĂŒndigen Ozean direkt am Eisvulkanismus beteiligt ist, wie es bei der Erde mit Magma aus dem Mantel der Fall ist. Wie auf Enceladus bereits nachgewiesen wurde, können die Krustenbewegungen allein lokal so viel WĂ€rme erzeugen, dass bedeutende Mengen an Eis in den Bewegungszonen verflĂŒssigt werden und Kryovulkanismus erzeugen.
Die Beobachtung und Erforschung von Titan war vor dem Raumzeitalter nur sehr eingeschrĂ€nkt möglich. 1907 gab der spanische Astronom JosĂ© Comas SolĂĄ bekannt, dass er am Rand der Titanscheibe eine Verdunkelung und im Zentrum zwei weiĂe, runde Flecken beobachtet hatte. Die Entdeckung der AtmosphĂ€re durch Gerard Kuiper in den 1940er Jahren war die nĂ€chste erwĂ€hnenswerte Entdeckung. Als erste Raumsonde erreichte schlieĂlich Pioneer 11 1979 die Monde des Saturn.
Siehe auch: Liste der Entdeckungen der Planeten und ihrer Monde
Der niederlĂ€ndische Mathematiker, Buchautor, Physiker und Astronom Christiaan Huygens entdeckte Titan am 25. MĂ€rz 1655. Dieser erste Fund eines Saturnmondes gelang ihm mit einem selbst gebauten Fernrohr, dessen Linsen er zusammen mit seinem Bruder Constantijn Jr. geschliffen hatte; es hatte einen Objektivdurchmesser von 57 mm und vergröĂerte 50-fach.
Damit beobachtete Huygens zuerst die Planeten Venus, Mars, Jupiter und schlieĂlich Saturn, in dessen NĂ€he er einen hellen Himmelskörper bemerkte, der im Laufe von 16 Tagen einmal Saturn umkreiste. Nach vier Umdrehungen war er sich im Juni sicher, dass es sich um einen Saturnmond handeln musste. Um diese Zeit war die Neigung der Saturnringe gegenĂŒber der Erde gering und beeintrĂ€chtigten die Beobachtungen kaum.[53] Seit der Erfindung des Fernrohrs (1608) war dies die zweite Mondentdeckung, 45 Jahre nach den erstmals von Galilei beobachteten vier Jupitermonden.[54][55][56]
Nahezu zwei Jahrhunderte blieb der Satellit namenlos. Er wurde zunĂ€chst unter anderem als der Huygenssche Saturnmond bezeichnet. Huygens selbst nannte ihn lediglich âSaturni Lunaâ (oder âLuna Saturniâ, lateinisch fĂŒr âSaturns Mondâ). Die im Laufe der Zeit bekannt gewordenen Trabanten eines Planeten wurden zunĂ€chst in der Reihenfolge ihrer BahngröĂen nummeriert, so wurde er um 1800 der sechste Saturnmond. Der Astronom John Herschel schlug in der 1847 erschienenen Veröffentlichung âResults of Astronomical Observations made at the Cape of Good Hopeâ fĂŒr die damals bekannten acht Saturnmonde Namen nach den Titanen vor, einem Geschlecht von Riesen aus der griechischen Mythologie. Als gröĂter Saturnmond erhielt er daraufhin den Namen Titan.[57][58]
Nachdem ĂŒber 300 Jahre nur Beobachtung von der Erde aus möglich waren, konnten die ersten groben Details der OberflĂ€che von Titan in den 1990er Jahren von dem Orbitalteleskop Hubble mit Aufnahmen im Spektralbereich des nahen Infrarot gewonnen werden, das die Methanwolken und den organischen âSmogâ durchdringt. Die darauf sichtbaren auffĂ€lligen Kontraste zwischen hellen und dunklen Gebieten der OberflĂ€chen stehen in deutlichem Gegensatz zu den Strukturen, die von OberflĂ€chen anderer Monde dieser GröĂenordnung bekannt waren. Konzentrische Strukturen wie Krater und Einschlagbecken waren damit zunĂ€chst nicht zu erkennen. Es lag nahe, die dunklen Zonen fĂŒr tiefer gelegen zu halten als die hellen, sowie eine stofflich unterschiedliche Zusammensetzung dieser OberflĂ€chen zu vermuten: Bei den hellen Zonen eventuell Wassereis, wie es etwa auf den Jupitermonden hĂ€ufig ist, und bei den dunklen Bereichen möglicherweise silikatische Gesteine oder organisches Material.
Als erste Raumsonde und einfacher SpĂ€her passierte die US-amerikanische Vorbeiflugsonde Pioneerâ11 am 1. September 1979 den Planeten Saturn und ĂŒbermittelte auch fĂŒnf Aufnahmen von Titan.[59][60] Die Sonde kam dabei Titan bis auf 353.950 Kilometer nahe. Die abgelichteten Bilder waren jedoch zu unscharf, um etwaige OberflĂ€chendetails erkennen zu können.[61]
Ausgiebige Untersuchungen des Mondes erfolgten durch Voyager 1, die den Saturn am 12. November 1980 passierte und sich Titan bis auf 4000 Kilometer nĂ€herte. Ihre Aufnahmen des Mondes waren jedoch wegen der undurchsichtigen Dunstschicht seiner AtmosphĂ€re nicht viel besser. Voyager 1 konnte deshalb nur die Zusammensetzung der AtmosphĂ€re untersuchen und Basisdaten wie etwa die GröĂe, die Masse und die Umlaufzeit nĂ€her bestimmen.[62]
Am 25. August 1981 passierte die Schwestersonde Voyager 2 das Saturnsystem. Da sie am Saturn nur einen Swing-by in Richtung Uranus absolvierte, fĂŒhrte ihre Flugbahn nicht in Titans NĂ€he.
Am 15. Oktober 1997 wurde von der Cape Canaveral Air Force Station die Doppelsonde Cassini-Huygens, ein Gemeinschaftsprojekt der ESA, der NASA und der Agenzia Spaziale Italiana (ASI), zur Erkundung von Saturn, seiner Satelliten und Titan im Speziellen gestartet. Cassini ist der erste Orbiter um den Saturn und sollte als ursprĂŒngliches Missionsziel den Planeten mindestens vier Jahre lang umrunden.
Cassini umrundet Saturn seit seiner Ankunft am 1. Juli 2004. PlanmĂ€Ăig flog die Raumsonde erstmals am 26. Oktober 2004 in nur 1200 Kilometern Entfernung an Titan vorbei. Auf den dabei gemachten Radarfotos der TitanoberflĂ€che zeigen sich komplexe OberflĂ€chenstrukturen.
Am 1. Juni 2008 war das PrimĂ€rziel mit insgesamt 74 SaturnumlĂ€ufen und 45 vorausberechneten VorbeiflĂŒgen am Titan erreicht. Die darauf folgende Missionsphase trug die Bezeichnung âCassini Equinoxâ, die bis zum 30. Juni 2010 noch 21 weitere Titan-VorbeiflĂŒge vorsah.[63] Inzwischen wurde Cassinis Mission bis 2017 verlĂ€ngert.[64] WĂ€hrend der am 27. September 2010 begonnenen âSolsticeâ Missionsphase[65] sind weitere 56 VorbeiflĂŒge am Titan geplant.[66]
Am 25. Dezember 2004 wurde Huygens abgekoppelt und landete am 14. Januar 2005 auf der OberflÀche des Titan.[67] Huygens ist der erste Lander auf einem anderen Mond als dem der Erde.
Beim Abstieg wurden Bilder der sich nĂ€hernden und schlieĂlich erreichten OberflĂ€che gesendet. Dabei hat die sich unter stĂŒrmischen Bedingungen drehende Sonde neben physikalischen, chemischen und meteorologischen Messwerten WindgerĂ€usche ĂŒbertragen.[68] Partikel in der GröĂenordnung von einem knappen Mikrometer konnten wĂ€hrend des Sinkmanövers in der AtmosphĂ€re ebenfalls nachgewiesen werden.
Erst 20 Kilometer ĂŒber der OberflĂ€che gab der Dunst den Blick auf Titan frei. Auf einigen Fotos vom Landeanflug war eine schwarze FlĂ€che zu erkennen, in die kurze Drainage-KanĂ€le mĂŒnden. Sie wurde als möglicher See aus einer teerartigen FlĂŒssigkeit interpretiert.[3]
Am Ende des 2,5-stĂŒndigen Abstiegs durch die AtmosphĂ€re prallte die Sonde mit einer Geschwindigkeit von 4,5 m/s auf. Danach konnten ihre Signale noch fĂŒr eine Stunde und zehn Minuten von Cassini empfangen werden. Die Aufnahme von der erreichten OberflĂ€che Ă€hnelt auf den ersten Blick frĂŒheren Bildern der auf dem Mars gelandeten Viking-Sonden: Auf einer grau-orangefarbenen Ebene liegen bis zum Horizont zahlreiche Brocken unter einem gelb-orangen Himmel. Den ersten Analysen zufolge bestehen sie jedoch nicht aus Gestein, sondern wie der Boden aus Eis und Kohlenwasserstoffen. Die rundlichen Brocken in unmittelbarer NĂ€he der Kamera sind im Durchmesser bis zu 15 cm groĂ und gleichen Kieselsteinen.[48][69]
Durch die viel gröĂere Entfernung von der Sonne und den Dunst in der AtmosphĂ€re ist das Tageslicht auf Titan nur ungefĂ€hr ein Tausendstel so hell wie das auf der Erde. Kurz vor der Landung schaltete sich deshalb ein Scheinwerfer ein, in dessen Licht das Eis des Titanbodens spektroskopisch identifiziert werden konnte.
Der Landeplatz erhielt am 14. MĂ€rz 2007 zu Ehren von Hubert Curien, einem der GrĂŒndervĂ€ter der europĂ€ischen Raumfahrt, den Namen âHubert-Curien-GedenkstĂ€tteâ.[70][71]
Im Rahmen der Titan- und Enceladus-Erkundungsmission TandEM ist fĂŒr Titan ein eigener Orbiter vorgesehen, der zu seiner nĂ€heren Erkundung sowohl verschiedene Lander als auch Penetratoren auf ihm absetzen, sowie Funkkontakt zu einem sich frei in der TitanatmosphĂ€re bewegenden Ballon halten soll.[72] Anfang 2009 wurde beim ESA-Ministerratstreffen entschieden, dass die Europa Jupiter System Mission zeitlichen Vorrang genieĂt.[73] TandEM könnte also erst nach 2020 starten.
Titan Mare Explorer (TiME) ist ein geplantes Projekt, das einen Lander erstmals auf ein extraterrestrisches GewĂ€sser, dem See Ligeia Mare oder alternativ auf dem Kraken Mare, absetzen soll. Diese Mission wurde von Proxemy Research ursprĂŒnglich als eigenstĂ€ndige Mission vorgeschlagen. Es könnte aber Bestandteil der Titan Saturn System Mission (TandEM) sein. Diese Low-Cost Mission sollte auch direkt die organischen Bestandteile auf Titans OberflĂ€che messen. Ein möglicher Starttermin wĂ€re der Januar 2016.[74][75][76]
DarĂŒber hinaus ist Titan einer von mehreren möglichen Kandidaten fĂŒr eine zukĂŒnftige Kolonisation im Ă€uĂeren Sonnensystem. Der amerikanische Raumfahrtingenieur und Autor Robert Zubrin bezeichnet Saturn aufgrund seiner relativen NĂ€he, geringen Strahlenbelastung und der Verteilung der Monde als den wichtigsten und wertvollsten der Gasplaneten.[77]
Da Saturn und seine Trabanten weit auĂerhalb der habitablen Zone kreisen, ist das Entstehen von Leben unwahrscheinlich, Vorstufen werden jedoch nicht ausgeschlossen. Insgesamt sind trotz der niedrigen Temperaturen fĂŒr die Kosmochemie sehr interessante VorgĂ€nge auf diesem Mond zu vermuten, vielleicht auch Vorstufen fĂŒr eine Art chemische Evolution. Auf Grund der dichten AtmosphĂ€re aus Stickstoff und organischen Verbindungen ist er ein bedeutendes Forschungsobjekt der Exobiologie, da diese Bedingungen denen auf der Urerde gleichen könnten. Eine prĂ€biotische Entwicklung in Richtung Leben, vergleichbar mit dem irdischen, wĂŒrden die OberflĂ€chentemperaturen jedoch verhindern.[7]
Steven Benner von der University of Florida vertritt die Ansicht, dass sich Leben in Seen aus flĂŒssigen Kohlenwasserstoffen wie Methan oder Ethan bilden könnte, da diese sich ebenfalls als Lösungsmittel fĂŒr chemischen Reaktionen eignen, wie sie in Lebewesen vorkommen. Die chemische AggressivitĂ€t dieser Kohlenwasserstoffe sei zudem geringer als die von Wasser. Somit wĂ€ren RiesenmolekĂŒle, wie DNA, stabiler.[78]
Ein Forscherteam aus Frankreich hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass in den Methanseen mikroskopisch kleine Organismen die Energie nutzen könnten, die frei wird, wenn Wasserstoff mit Ethin (Acetylen) reagiert.[79][80]
Durch die Entdeckung der Raumsonde Cassini, dass die Acetylen- und Wasserstoffmenge in der AtmosphÀre sehr gering ist, nehmen Forscher an, dass diese Gase von oder an der OberflÀche absorbiert werden. Als Ursache kÀmen neben chemischen Prozessen auch Lebewesen infrage, die von diesen Substanzen leben und sie dabei in Methan umwandeln.[8][81]
Titan könnte einen SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis der Entstehung des Lebens auf der Erde enthalten, da angenommen wird, dass auf der Urerde eine Ă€hnliche AtmosphĂ€re vorhanden war und somit Ă€hnliche Bedingungen geherrscht haben.[82][83][84]
Im Jahr 2010 hatten Forscher von der University of Arizona im Labor die Bedingungen in der titanischen GashĂŒlle simuliert. Dabei mischten sie Stickstoff, Methan und Kohlenmonoxid, die Hauptbestandteile der AtmosphĂ€re von Titan, zusammen. Es entstanden in dieser Umgebung ohne Wasser, ausgesetzt einer starken Radiostrahlung, die AminosĂ€uren Glycin und Alanin, die Grundbausteine der irdischen Proteine sind. Weiters bildeten sich alle fĂŒnf Basiskomponenten der NukleinsĂ€uren RNA und DNA - Cytosin, Adenin, Thymin, Guanin und Uracil. Die Reaktionen seien komplett innerhalb einer gasförmigen Umgebung abgelaufen.[85] Sarah Hörst und Roger Yelle von der University of Arizona halten es fĂŒr möglich, dass auch auf der Erde die Grundbausteine nicht zwangslĂ€ufig in einer Ursuppe, sondern sich ebenfalls in der AtmosphĂ€re bilden konnten, und dann auf die OberflĂ€che abgeregnet wurden.[86]
Mit einer scheinbaren Helligkeit der Magnitude 8,4 und einem maximalen Winkelabstand von circa drei Bogenminuten zum Saturn reicht bei gĂŒnstiger Sicht schon ein gutes Fernglas, um den groĂen Mond Titan zu sehen.[87] Mit relativ kleinen Teleskopen kann er bereits sehr gut beobachtet und sein Umlauf um den Planeten ohne weiteres verfolgt werden. Seine Umlaufbahn hat den scheinbaren Durchmesser von etwa einem FĂŒnftel der Erdmondscheibe. Titans OberflĂ€che lĂ€sst sich wegen der dichten GashĂŒlle nicht erkennen. Mit einem Spektrometer können die Bestandteile der AtmosphĂ€re und ihre MengenverhĂ€ltnisse festgestellt werden.
Der erste Teil des Werks âFiaskoâ aus dem Jahr 1986 von StanisĆaw Lem spielt auf dem Titan, wo Menschen von der Erde Bergbau betreiben. In dem 1997 erschienenen Roman âTitanâ von Stephen Baxter wird die Geschichte einer bemannten Titanmission der NASA erzĂ€hlt, bei der die Landung nicht plangemÀà erfolgt und die Mannschaft ums Ăberleben kĂ€mpfen muss.
Im Film âStar Trekâ von 2009 nutzt die Crew die dichte AtmosphĂ€re Titans, um sich vor den Romulanern zu verstecken.
In der futuristischen Welt des Horrorspiels Dead Space 2 spielt sich die Haupthandlung in einem groĂen menschlichen Koloniekomplex ab, der auf dem Saturnmond errichtet wurde. Auch der Saturn selbst ist an mehreren Stellen im Spiel zu sehen.
Benannt:
Aegaeon |
Aegir |
Albiorix |
Anthe |
Atlas |
Bebhionn |
Bergelmir |
Bestla |
Calypso |
Daphnis |
Dione |
Enceladus |
Epimetheus |
Erriapus |
Farbauti |
Fenrir |
Fornjot |
Greip |
Hati |
Helene |
Hyperion |
Hyrrokkin |
Iapetus |
Ijiraq |
Janus |
Jarnsaxa |
Kari |
Kiviuq |
Loge |
Methone |
Mimas |
Mundilfari |
Narvi |
Paaliaq |
Pan |
Pallene |
Pandora |
Phoebe |
Polydeuces |
Prometheus |
Rhea |
Siarnaq |
Skathi |
Skoll |
Surtur |
Suttungr |
Tarqeq |
Tarvos |
Telesto |
Tethys |
Thrymr |
Titan |
Ymir
Unbenannt:
S/2004 S 7 |
S/2004 S 12 |
S/2004 S 13 |
S/2004 S 17 |
S/2006 S 1 |
S/2006 S 3 |
S/2007 S 2 |
S/2007 S 3 |
S/2009 S 1
Gruppen:
SchÀfermonde |
koorbitale Monde |
Trojaner-Monde |
irregulÀre Monde:
Gallische Gruppe |
Inuit-Gruppe |
Nordische Gruppe
Siehe auch: Liste der Saturnmonde | Liste der Monde
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Dieser Artikel wurde am 10. November 2009 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |