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Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf
Tonhalle

Tonhalle

Daten
Ort Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen
Baumeister Wilhelm Heinrich Kreis
Baujahr 1925/26[1]
Höhe 31 m
Grundfläche 6400 m²
Koordinaten 51° 13′ 55″ N, 6° 46′ 22″ O51.23194444446.77277777778Koordinaten: 51° 13′ 55″ N, 6° 46′ 22″ O
Besonderheiten
Quadratische Grundfläche; 38 m durchmessende Kuppel; ursprünglich Planetarium, jetzt bedeutendstes Konzerthaus Düsseldorfs

Die Tonhalle Düsseldorf (auch Neue Tonhalle zur Unterscheidung von der kriegszerstörten Alten Tonhalle an der Tonhallenstraße / Ecke Schadowstraße; vormals Rheinhalle) ist ein Konzerthaus in Düsseldorf. Es befindet sich nördlich der Altstadt am Rheinufer und bildet dort den südlichen Abschluss des Kulturforums Ehrenhof. Ihr Foyer, das Grüne Gewölbe, gehört heute zu den schönsten Beispielen expressionistischer Baukunst.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Bauwerks

Mögliches Vorbild: Projet d'Opéra von Étienne-Louis Boullée, 1781

Schon zur Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung 1902 war der Standort am Fuß der Oberkasseler Brücke der südliche Abschluss des Ausstellungsgeländes. In dieser besonderen städtebaulichen Lage stand hier ein Zentralbau für ein Panorama. Das heutige Gebäude entstand 1925/1926 als Mehrzweckhalle für die Ausstellung GeSoLei unter dem Namen Rheinhalle[3] und war ursprünglich auch als Planetarium[4] nutzbar. Auf diese Nutzung deuten noch heute der vergoldete Stern an der Kuppelspitze sowie die Skulpturenpaare an der Freitreppe zum Ehrenhof hin, die die Planeten Mars und Jupiter sowie Venus und Saturn symbolisieren, ebenso die Statue der Pallas Athene, als Beschirmerin der Wissenschaft und der Kunst, an der Auffahrt zur Oberkasseler Brücke.

Erbaut wurde die Mehrzweckhalle durch den Architekten Wilhelm Kreis, der sich bei dieser Monumentalarchitektur an dem ursprünglichen Hadrianeum in Rom und an dem Projet d'Opéra von Étienne-Louis Boullée orientiert haben könnte.[5] Die durch Strebepfeiler und vorstehende Ziegellagen plastisch gestaltete Backsteinfassade des Rundbaus, der sich auf einem breiten, auf einem Terrassendach begehbaren Sockelgeschoss erhebt, zeigt am oberen Abschluss ein einzigartiges expressionistisches Schuppenornament, das dazu beiträgt, dem ernst und wuchtig wirkenden Bau eine künstlerisch und handwerklich veredelte Gesamterscheinung zu geben.

Nach der teilweisen Zerstörung der Rheinhalle im Zweiten Weltkrieg wurde sie bei der Instandsetzung erneut zu einem Mehrzwecksaal ausgebaut. Von 1976 bis 1978 wurde unter der in ursprünglicher Form rekonstruierten Kuppel durch das Architekturbüro HPP ein beinahe halbkugelförmiger Konzertsaal eingebaut, ein Ersatz für den im Krieg zerstörten Saal der alten Tonhalle. Das Veranstaltungsprogramm reicht von Klassik über Jazz, Chanson und Soul bis zum Kabarett.

Grünes Gewölbe

Im Jahr 2005 erfolgte bei einer notwendigen Brandschutz- und Asbestsanierung erneut eine komplette Umgestaltung, wiederum durch das Architekturbüro HPP. Dabei wich der Anstrich des großen Konzertsaals im Stil der 1970er Jahre einem modernen Ambiente in Metallblau. Der Raumcharakter des Konzertsaals wird zwar von der Rundform des auch als Planetarium geplanten Baues geprägt, doch wurden nach intensiven Modellversuchen hinter der nun schalldurchlässig ausgeführten Innenkuppel Schallumlenkkörper installiert, die das früher als Klopfgeist berüchtigte Brennpunktecho der Halbkugel-Kuppel aufbrechen und eine von Kritikern und Musikern als sehr gut beurteilte Akustik bewirken.

Ausstattung

Die Tonhalle umfasst einen großen Saal mit 1.854 Plätzen, einen Kammermusiksaal mit 300 Plätzen und eine Rotunde im Foyer mit 200 bis 400 Plätzen je nach Veranstaltung. Pro Jahr finden etwa 300 Konzerte mit über 300.000 Besuchern statt. Im „Grünen Gewölbe“, dem einstigen Foyer der Rheinhalle, werden Glaskunstwerke u.a. aus der Sammlung des Architekten Helmut Hentrich als Dauerausstellung gezeigt.

Die Tonhalle ist über den nach ihr benannten U-Bahnhof Tonhalle/Ehrenhof an die Stadtbahn und damit an das Netz des Düsseldorfer Nahverkehrs angebunden. Eine Dachterrasse und eine Treppenanlage auf der Nordseite der Tonhalle verbinden den nördlichen Fußgängerstreifen der Oberkasseler Brücke mit dem Ehrenhof und dem Hofgarten. Ein Fußgängertunnel unter der Straße Joseph-Beuys-Ufer schafft eine direkte Verbindung zwischen dem Eingang im Eckpavillon der Tonhalle mit dem Parkplatz auf der Unteren Werft am Rheinufer.

Die Orgel wurde 1978–1979 von dem Orgelbauer Johannes Klais (Bonn) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 28 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[6]

I Hauptwerk C–a3
1. Prinzipal 8′
2. Gamba 8′
3. Rohrflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Gemshorn 4′
6. Quinte 22/3
7. Superoktave 2′
8. Mixtur V 2′
9. Trompete 8′
II Schwellwerk C–a3
10. Bordun 16′
11. Offenflöte 8′
12. Gedackt 8′
13. Salicional 8′
14. Prinzipal 4′
15. Koppelflöte 4′
16. Waldflöte 2′
17. Larigot 11/3
18. Sesquialter II
19. Scharff IV 2/3
20. Oboe 8′
Tremulant
Pedalwerk C–g1
21. Subbass 16′
22. Viola 16′
23. Octave 8′
24. Spielflöte 8′
25. Tenoroctave 4′
26. Hintersatz IV 22/3
27. Stillposaune 16′
28. Holzregal 8′

Geschichte des Konzertlebens

Großer Saal
Kuppel über dem Großen Saal

Nach der ersten Blüte Düsseldorfer Musikkultur unter den Kurfürsten Philipp Wilhelm und Johann Wilhelm, die die besten Musiker ihrer Zeit wie Arcangelo Corelli oder Georg Friedrich Händel an den Düsseldorfer Hof banden, kam nach dem Tod Johann Wilhelms im Jahre 1716 das Musikleben der Stadt zum Erliegen.

Mit dem Entstehen der bürgerlichen Musikkultur zu Beginn des 19. Jahrhunderts fanden sich in Düsseldorf musikbegeisterte Bürger zum Städtischen Musikverein zusammen und pflegten insbesondere die oratorische Musik. 1818 wurde die erste Tonhalle mit hervorragender Akustik an der Flinger Straße (heute Standort des Warenhauses Karstadt an der Ecke Schadowstraße / Tonhallenstraße) errichtet. 1863 entschloss sich die Stadt Düsseldorf, die „Tonhalle“ zu kaufen, um ihren Bürgern einen attraktiven und repräsentativen Konzertsaal zu geben. Ein Jahr später stellte die Stadt die bis dahin lose verpflichteten Musiker in ihren Dienst und gründete die Düsseldorfer Symphoniker. Damit war Düsseldorf nach Aachen die zweite deutsche Stadt, die ein festes Orchester hatte. Namen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Johannes Brahms, Gustav Mahler, Richard Wagner und Richard Strauss sind mit der Tonhalle und ihrem Orchester verbunden. Von 1880 bis 1892 wurde die Tonhalle unter dem gleichen Namen und am gleichen Ort neu errichtet; der Kaisersaal bot 3000 Sitzplätze und lieferte 1912 den Rahmen für die zweite Aufführung der 8. Sinfonie von Gustav Mahler.

Der Zweite Weltkrieg schien dieser Tradition ein Ende zu machen. 1942 wurde die alte Tonhalle durch Bomben zerstört. 1944 wurde das Orchester aufgelöst, die Musiker in kriegswichtige Betriebe geschickt. Nach dem Krieg wurde im Juli 1945 mit 45 Musikern der Konzertbetrieb wieder aufgenommen. Die Reihe der Generalmusikdirektoren, die seit 1945 den Symphonikern vorstanden, umfasst namhafte Dirigenten wie Eugen Szenkar, Jean Martinon, Rafael Frühbeck de Burgos und mit der Spielzeit 2000/2001 Musikdirektor (GMD) John Fiore. Seit der Saison 2009/2010 ist Andrey Boreyko GMD der Düsseldorfer Symphoniker. Intendant der Tonhalle Düsseldorf und der Düsseldorfer Symphoniker ist seit 2007 Michael Becker.

Erst 1979 konnte die Stadt ihr Versprechen nach einem Zentrum konzertanter Musik einlösen. Dies war unter anderem ein Verdienst des Architekten Helmut Hentrich, der den Umbau der Rheinhalle ins Gespräch brachte.

Viele berühmte Musiker brachten die Tonhalle zum Klingen, so z. B. Yo-Yo Ma und Lang Lang. Aber auch berühmte Orchester wie das London Symphony Orchestra sind regelmäßig zu Gast in der Tonhalle.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Tonhalle Düsseldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Tonhalle Düsseldorf. In: Structurae.
  2. Roland Kanz, Jürgen Wiener (Hrsg.): Architekturführer Düsseldorf. Dietrich Reimer, Berlin 2001, ISBN 3-496-01232-3, S. 49, Objektnr. 65.
  3. Paul Ernst Wentz: Architekturführer Düsseldorf. Droste, Düsseldorf 1975, ISBN 3-7700-0408-6, Objektnr. 29.
  4. 1923 hatte die Firma Carl Zeiss in Jena ein seit 1919 entwickeltes Projektionsplanetarium der Öffentlichkeit vorgestellt, das als Leihgerät für die Dauer der Ausstellung GeSoLei in der Rheinhalle eingerichtet wurde.
  5. Kirsten Rachowiak: Das Planetarium. In: Jürgen Wiener (Hrsg.): Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre. J.P. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4, S. 47
  6. Nähere Informationen zur Orgel
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