|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Trommeln in der Nacht ist ein Drama von Bertolt Brecht. 1919 entstanden, als Brechts zweites Stück nach Baal, war Trommeln in der Nacht bei seiner Uraufführung im September 1922 das erste Brecht-Stück, das inszeniert wurde. Im selben Jahr würdigte man Brecht dafür mit dem Kleist-Preis.
Inhaltsverzeichnis |
Das Stück spielt im Jahr 1919 vor dem Hintergrund des Spartakusaufstandes. Anna Balickes Verlobter Andreas Kragler war Artillerist im Ersten Weltkrieg und wird seit vier Jahren vermisst. Nach langem Zögern willigt Anna, wie von ihren Eltern gewünscht, in die Verlobung mit dem Kriegsgewinnler Murk ein. Am Tag der Verlobung taucht plötzlich Kragler auf, der angibt, in Afrika in Kriegsgefangenschaft gewesen zu sein. Annas Eltern und Murk behandeln den Habenichts als Störenfried; auch Anna, die bereits von Murk schwanger ist, bittet Kragler zunächst zu gehen. Während dieser sich kurzzeitig den Aufständischen anschließt, verlässt Anna schließlich den Murk und gesteht Kragler ihre Schwangerschaft. Kragler entscheidet sich letztlich dagegen, sich an den Kämpfen zu beteiligen und für Anna. Seinen Platz unter den Kämpfern einzunehmen lehnt er ab mit den Worten: Mein Fleisch soll im Rinnstein verwesen, dass eure Idee in den Himmel kommt? Seid ihr besoffen?
Das Stück entstand in einer ersten, nicht mehr erhaltenen Fassung, im Februar 1919 unter dem Titel Spartakus. Thematisch ist es eng mit den revolutionären Kämpfen in Deutschland 1918/1919 verknüpft. Detailreiche Passagen, als auch Dialoge im Schlagzeilenstil lassen vermuten, dass Brecht hier sowohl unmittelbare persönliche Eindrücke verarbeitet hat, als auch Presseberichte einbezog. Lion Feuchtwanger äußerte sich im März 1919 begeistert, er lobte besonders die „wilde, kräftige, farbige Sprache, nicht aus Büchern zusammengelesen [...]“. Die Umbenennung des Stückes von Spartakus zu Trommeln in der Nacht erfolgte auf einen Rat Marta Feuchtwangers hin. Das Stück wurde zunächst nicht aufgeführt, Brecht unternahm mehrere erfolglose Versuche es zu überarbeiten.
Am 29. September 1922 erfolgte schließlich die Uraufführung in den Münchner Kammerspielen unter der Regie von Otto Falckenberg, womit Trommeln in der Nacht das erste aufgeführte Stück Brechts war. Bei der Uraufführung hingen im Zuschauerraum Plakate mit Aufschriften wie „Glotzt nicht so romantisch“. Schauspieler waren unter anderem Maria Koppenhöfer, Erwin Faber, Hans Leibelt und Kurt Horwitz. Zu den Premierengästen gehörte Karl Valentin.
Der aus Berlin angereiste Theaterkritiker Herbert Ihering schrieb am 5. Oktober 1922 im Berliner Börsen-Courier: „Der vierundzwanzigjährige Dichter Bert Brecht hat über Nacht das dichterische Antlitz Deutschlands verändert“[1]. Ihering war es auch, der Brecht zum Träger des Kleist-Preises erkor, mit dem der Dichter am 21. November 1922 ausgezeichnet wurde.
Am 20. Dezember 1922 hatte das Stück auch am Deutschen Theater in Berlin Premiere. Bei den Proben hierzu hatte Brecht Helene Weigel kennengelernt. Das Drama war hier aber ein Misserfolg und wurde schon nach wenigen Wochen abgesetzt.
Brecht nahm noch mehrmals Korrekturen an dem Stück vor, so 1922, als er im 4. und 5. Akt umfangreiche Textteile strich. Diese Fassung erschien Ende 1922 im Münchner Verlag Drei Masken. Anfang der Fünfzigerjahre erfolgte eine weitere Überarbeitung, als beim Suhrkamp Verlag eine Ausgabe seiner frühen Stücke erscheinen sollte. Die Handlung wurde nun eindeutig in den Kontext der Berliner Januarkämpfe (Spartakusaufstand) gestellt und es wurden auch zahlreiche Berliner Details ergänzt. Brecht kennzeichnete das Stück nun als Komödie.
Mit Karl Valentin parodierte er 1922 das Stück in den Münchner Kammerspielen. Brecht war eng mit Karl Valentin befreundet, den er auch als Künstler sehr schätzte.
Dramen (Auswahl)
Baal |
Trommeln in der Nacht |
Die Kleinbürgerhochzeit |
Im Dickicht der Städte |
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny |
Die Dreigroschenoper |
Der Flug der Lindberghs |
Der Ozeanflug |
Der Brotladen |
Der Jasager |
Die Maßnahme |
Jae Fleischhacker in Chikago|
Die heilige Johanna der Schlachthöfe |
Die Mutter |
Die sieben Todsünden |
Die Gewehre der Frau Carrar |
Furcht und Elend des Dritten Reiches |
Leben des Galilei |
Mutter Courage und ihre Kinder |
Das Verhör des Lukullus |
Der gute Mensch von Sezuan |
Herr Puntila und sein Knecht Matti |
Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui |
Schweyk im Zweiten Weltkrieg |
Der kaukasische Kreidekreis |
Die Judith von Shimoda
Gedichtbände (Auswahl)
Bertolt Brechts Hauspostille |
Svendborger Gedichte |
Steffinsche Sammlung |
Deutsche Satiren |
Buckower Elegien
Gedichte (Auswahl)
Alabama Song |
An die Nachgeborenen |
Die Lösung |
Einheitsfrontlied |
Erinnerung an die Marie A. |
Fragen eines lesenden Arbeiters |
Kinderhymne |
Anachronistischer Zug |
Legende vom toten Soldaten |
Taoteking |
Morgens und abends zu lesen |
Die Moritat von Mackie Messer |
Resolution der Kommunarden |
Schlechte Zeit für Lyrik |
Solidaritätslied
Prosa (Auswahl)
Geschichten vom Herrn Keuner |
Der Mantel des Ketzers |
Der Augsburger Kreidekreis |
Kalendergeschichten |
Die unwürdige Greisin |
Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar
Theoretische Schriften:
Radiotheorie
Drehbücher:
Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? |
Auch Henker sterben |
Herr Puntila und sein Knecht Matti