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Tropischer Regenwald

Als tropischen Regenwald bezeichnet man eine der Vegetationsformen, die nur in den immerfeuchten tropischen Klimazonen anzutreffen ist. Tropische RegenwĂ€lder existieren in SĂŒd- und Mittelamerika, Afrika und SĂŒdasien sowie Australien beidseits des Äquators bis ungefĂ€hr zum 10. Breitengrad, stellenweise aber auch deutlich darĂŒber hinaus. Ausnahmen bilden die Andenregion SĂŒdamerikas und die Passat-Monsun-Zone in Ostafrika. Experten unterscheiden TieflandregenwĂ€lder bis in 800 Meter Höhe, BergregenwĂ€lder bis 2100 Meter sowie BergnebelwĂ€lder und WolkenwĂ€lder bis 3200 Meter ĂŒber Meeresspiegel.

Die Verbreitung tropischer RegenwÀlder

Inhaltsverzeichnis

Typen

Je nach dem Standort eines tropischen Regenwaldes kann man verschiedene Typen unterscheiden. Beispiele hierfĂŒr sind der Tieflandregenwald, prĂ€montaner Regenwald (d. h. der Regenwald der Vorberge), Bergregenwald sowie der nicht regelmĂ€ĂŸig von FlĂŒssen ĂŒberflutete Terra-Firme-Wald.

Ökologie

Klimatische Bedingungen

Charakteristisch fĂŒr das Wetter dieser Ökosysteme sind ganzjĂ€hrige NiederschlĂ€ge, die im FrĂŒhjahr und im Herbst - wĂ€hrend der so genannten Regenzeiten - besonders intensiv sind und dazu fĂŒhren, dass pro Jahr mindestens zehn Monate ein humides Klima herrscht, also mehr Niederschlag fĂ€llt als verdunsten kann. Gleichwohl verdunstet eine erhebliche Menge des Regens rasch wieder, auch ĂŒber das Blattwerk der Vegetation, so dass der Regenwald selbst durch diese starke Verdunstung zu neuerlichem Niederschlag beitrĂ€gt. Die Niederschlagsmenge liegt pro Jahr zwischen 2000 und 4000 mm; sie kann aber an BerghĂ€ngen, die dem Wind ausgesetzt sind, auch mehr als 6000 mm erreichen (zum Vergleich: am SĂŒdhang des Taunus ca. 800 mm pro Jahr).

Im Verlauf der Jahreszeiten Ă€ndert sich die Temperatur in den tropischen RegenwĂ€ldern nur sehr geringfĂŒgig: Die Tageshöchsttemperatur betrĂ€gt im wĂ€rmsten Monat in der Regel ca. 28 bis 31 Â°C, im kĂŒhlsten Monat ca. 24 Â°C. Auch von Jahr zu Jahr sind die Schwankungen der mittleren Jahrestemperaturen mit 0,5 bis 0,6 Â°C gering. Etwas ausgeprĂ€gter sind nur die Unterschiede zwischen der Tageshöchst- und der nĂ€chtlichen Tiefsttemperatur, die 5 bis 10 Â°C betragen können. Wegen des Fehlens von thermisch deutlich unterscheidbaren Jahreszeiten mit Vegetationspausen bezeichnet man das Klima der tropischen RegenwĂ€lder auch als Tageszeitenklima.

Aufgrund der hohen Niederschlagsmengen fließen durch viele tropische RegenwĂ€lder bedeutende Ströme, in Brasilien zum Beispiel der Amazonas.

Aufgrund der NĂ€he zum Äquator und der deswegen kaum durch unterschiedliche TageslĂ€ngen markierten Jahreszeiten, ist der Tagesablauf in den tropischen RegenwĂ€ldern außerordentlich konstant. Unmittelbar am Äquator steht die Sonne genau zwölf Stunden ĂŒber dem Horizont und 12 Stunden darunter: Es ist dort also 12 Stunden hell und 12 Stunden dunkel; der Übergang vom Tag zur Nacht (um 6 Uhr abends) sowie von der Nacht zum Tag (um 6 Uhr morgens) – die DĂ€mmerung – dauert nicht einmal eine halbe Stunde.

Am frĂŒhen Vormittag, wenn sich bei zunehmender Sonneneinstrahlung Luft und Boden rasch erwĂ€rmen, steigt das verdunstende Regenwasser als feucht-warme Luft nach oben und ballt sich am Himmel in zunehmend dichteren Wolken zusammen. Nachmittags oder nachts – jedoch nicht unbedingt ĂŒber jedem Areal – regnen diese Wolken aus, hĂ€ufig in Verbindung mit einem Gewitter.

Erscheinungsbild

Tropischer Regenwald in Brasilien

Charakteristisch fĂŒr das Ă€ußere Erscheinungsbild des immergrĂŒnen tropischen Regenwalds ist der so genannte Stockwerkbau, der sich vom Wurzelwerk ĂŒber die bodennahe Krautschicht und die bis zu fĂŒnf Meter hohe Etage des Buschwerks bis hinauf zum dichten Hauptkronendach in 40 Meter Höhe und einzelnen, weit darĂŒber hinaus ragenden Baumriesen erstreckt. Neben den Korallenriffen weisen die tropischen RegenwĂ€lder die höchste Artendichte sowohl hinsichtlich der Fauna als auch der Flora auf.

Da in jedem „Stockwerk“ andere, aber relativ konstante ökologische Bedingungen herrschen, haben sich im Verlauf vieler Jahrtausende in den unterschiedlichen Höhen extrem viele und extrem spezialisierte Tier- und Pflanzenarten entwickelt, die zudem hĂ€ufig nur in einem kleinen Verbreitungsgebiet leben und daher eine nur geringe Individuenzahl aufweisen. So kann beispielsweise schon das Abholzen einer bestimmten Baumart in einem bestimmten Regenwaldgebiet dazu fĂŒhren, dass die Lebensgrundlage bestimmter Arten zerstört wird und diese Arten aussterben.

StoffkreislÀufe

ImmergrĂŒne tropische RegenwĂ€lder konnten aufgrund der ganzjĂ€hrigen Vegetationszeit ohne Jahreszeiten einen (fast) perfekten Kreislauf entwickeln. SĂ€mtliche ehemals im Boden (oft wachsen tropische RegenwĂ€lder auf sog. Ferralsolen, benannt nach dem prĂ€genden bodenbildenden Prozess der Ferralitisierung) vorhandenen NĂ€hrstoffe sind in die lebende Biomasse ĂŒberfĂŒhrt worden. Die WĂ€lder stehen auf dem blanken Quarz uralter Böden (im Gegensatz zu durch Eiszeiten bedingten, jungen und nĂ€hrstoffreichen Böden oder den borealen NadelwĂ€ldern mit zunehmender Festlegung der NĂ€hrstoffe in toter Biomasse, die erst wieder durch BrĂ€nde im nennenswerten Umfang mobilisiert werden). Die so genannten Mykorrhizen fĂŒhren die Minerale zu den BĂ€umen und leben so mit ihnen in einer Symbiose. Die BĂ€ume können die Mineralien alleine nicht aufnehmen, weil der Boden fĂŒr sie nur eine physische StabilitĂ€tsform darstellt.

80 % der Biomasse wird in der Kronenregion produziert, daher halten sich etwa zwei Drittel der Tiere in den Baumkronen, nur wenige auf dem Erdboden auf. Kennzeichnend fĂŒr den Regenwald ist seine große Tier- und Pflanzenvielfalt. Vermutlich etwa 30 Millionen verschiedene Arten leben auf der Erde (nach Terry Edwin, Smithsonian Institution, 1982; 2003 noch immer nicht verifiziert und eher die Untergrenze).

Die herunterfallenden BlĂ€tter und Zweige sowie Tierkadaver werden in der Regel schnell wieder dem NĂ€hrstoffkreislauf zugefĂŒhrt. Die Wurzeln der oft riesigen UrwaldbĂ€ume und anderer Pflanzen sind dicht unter der OberflĂ€che angesiedelt und können so die anfallenden NĂ€hrstoffe rasch wieder aufnehmen.

Dass der Kreislauf nur beinahe perfekt ist, zeigt sich an der natĂŒrlichen Degeneration von RegenwĂ€ldern im westlichen SĂŒdamerika (Kolumbien). Dort kommt es zum kreisförmigen Absterben des primĂ€ren Regenwaldes mit der Ausbildung von Waldgesellschaften, die mit den SekundĂ€rwĂ€ldern nach Rodung vergleichbar sind.

Bodenbeschaffenheit

Tropische RegenwĂ€lder sind wegen der stetigen Versorgung mit Wasser besonders ĂŒppig begrĂŒnte Gebiete. Dieser Anschein von unbegrenztem Wachstumspotential trĂŒgt jedoch, da er nur von der sichtbaren OberflĂ€che abgeleitet ist. Der Untergrund ist nĂ€mlich - beispielsweise im Vergleich zu europĂ€ischen MischwĂ€ldern - eher unfruchtbar. Jahrtausendelang waren die Böden der meisten RegenwĂ€lder unentwegt der feucht-warmen Witterung ausgesetzt, so dass das Gestein im Untergrund extrem stark und mancherorts bis zu 50 Meter tief verwittert ist. Zugleich reicherten sich an der OberflĂ€che Eisenoxide und Aluminiumoxide an, die den Boden vieler tropischer Waldgebiete rötlich erscheinen lassen. Viele Mineralien, die auch fĂŒr die ErnĂ€hrung der Pflanzen wichtig wĂ€ren (u. a. Phosphor, Stickstoff und Calcium), sind infolge dieser Verwitterung jedoch immer tiefer in den Boden abgesunken, so dass er an der OberflĂ€che relativ arm an NĂ€hrstoffen ist. Es entstehen Ferralsole und Latosole, nĂ€hrstoffarme und kaolinithaltige Böden mit geringer KationenaustauschkapazitĂ€t.

Dieses Geschehen hatte zur Folge, dass die NĂ€hrstoffe so gut wie ausschließlich ĂŒber der Erde „bevorratet“ sind: In den lebenden oder erst seit kurzem abgestorbenen Pflanzen und Tieren. Aufgrund des Klimas werden alle abgestorbenen organischen Substanzen jedoch rasch und wegen der fehlenden Jahreszeiten zudem kontinuierlich zersetzt. Danach stehen sie wieder als anorganische NĂ€hrstoffe fĂŒr andere Pflanzen zur VerfĂŒgung. Wegen des dichten Wurzelwerks versickern diese NĂ€hrstoffe kaum noch in den Untergrund, zum Teil werden sie auch schon in grĂ¶ĂŸerer Höhe ĂŒber dem Boden von epiphytischen Pflanzen aufgenommen.

Die Vegetation der heutigen tropischen RegenwĂ€lder ist somit Ausdruck der Anpassung an einen im Grunde unwirtlichen Boden: Sie existieren seit dem TertiĂ€r, weil sich in ihnen ein fein abgestimmtes, zugleich aber gegen Störungen recht anfĂ€lliges „Recyclingsystem“ (Stoffkreislauf) fĂŒr organische Stoffe entwickelt hat.

Pflanzen- und Tierwelt

Unter anderem durch die weitlĂ€ufige Verteilung der einzelnen Baumarten entstand im immergrĂŒnen Regenwald ein auf der Erde einzigartiges PhĂ€nomen, das der grĂ¶ĂŸten Artenvielfalt. Nach SchĂ€tzungen befinden sich in immergrĂŒnen RegenwĂ€ldern 40-60 % aller auf der Erde lebenden Arten.

Flora

Im tropischen Regenwald wachsen die Pflanzen sowohl extrem dicht nebeneinander als auch in einer bestimmten vertikalen Staffelung, die als Stockwerkbau bezeichnet wird. HĂ€ufig werden sechs Etagen beschrieben, die jedoch nicht strikt voneinander getrennt werden können, sondern ineinander ĂŒbergehen:

  • die Bodenschicht, bestehend aus dem Wurzelwerk der Pflanzen sowie aus einer meist sehr dĂŒnnen Humusdecke und den darin siedelnden Kleinlebewesen, Bakterien, Algen und Pilzen
  • die Krautschicht, zu der beispielsweise Moose, Farnpflanzen und andere Bodendecker mit geringem Lichtbedarf gehören können
  • die Strauchschicht bis zur Höhe von ca. 5 m, zu der auch junge BĂ€ume gehören
  • die Schicht der niedrigen BĂ€ume
  • die Kronenschicht mit ihrem Hauptkronendach in ca. 40 m Höhe
  • die als „Baumriesen“ bekannten so genannten ÜberstĂ€nder, die vereinzelt bis in ca. 60 m Höhe ĂŒber das Hauptkronendach hinausragen
Die AusprĂ€gung der verschiedenen Stockwerke hĂ€ngt vom Standort des Waldes ab. BĂ€ume im Tieflandregenwald haben beispielsweise hĂ€ufig flache, weit auslaufende Wurzeln, die sogenannten Brett- und Stelzwurzeln. Da der Boden im Regenwald nur eine dĂŒnne Humusschicht und damit wenig SpeicherkapazitĂ€t fĂŒr NĂ€hrstoffe besitzt, spielen die Mykorrhiza hier eine besonders wichtige Rolle bei der NĂ€hrstoffversorgung.
Tropischer Regenwald auf Barro Colorado Island, Panama

Ameisen und Termiten nehmen eine Sonderstellung im komplexen GefĂŒge der RegenwĂ€lder ein. Mit Hilfe von Symbionten wandeln sie pflanzliche Biomasse in tierisches Eiweiß um. Damit nehmen sie eine Vermittlerrolle zwischen Produzenten und Konsumenten ein. Durch die hohe Produktion von Biomasse das ganze Jahr hindurch ist der Stoffkreislauf des tropischen Regenwaldes nicht auf einen nĂ€hrstoffreichen Boden angewiesen. Der Stoffkreislauf ist also bis in die Baumkronen vorhanden. Dort trifft man ein ganz eigenstĂ€ndiges und sehr vielfĂ€ltiges System von Arten an, das erst seit Kurzem mit der Hilfe der so genannten Baumkronenforschung erkundet wird.

Man unterteilt die Kletterpflanzen des Regenwaldes in Lianen, Epiphyten und Hemi-Epiphyten. Die Epiphyten (Aufsitzer) sind zum Beispiel Farne und Bromelien. Sie wachsen auf Astgabeln und Zweigen der BĂ€ume, gehen dabei aber keine physiologische Verbindung mit dem TrĂ€gerbaum ein. Sie nutzen in den oberen Regionen der BĂ€ume das dort stĂ€rkere Licht und beschaffen sich gleichzeitig ĂŒber ihre BlĂ€tter, woran es in ihrer Höhe mangelt. So genannte NischenblĂ€tter können z. B. einen Hohlraum bilden, in dem Humus entsteht und Wasser gesammelt wird. Viele Bromelien bilden wiederum mit ihren BlĂ€ttern Zisternen, in denen sich Wasser sammelt. Dieses Wasser wird mit der Hilfe spezieller Absorptionsorgane (Saugschuppen) ĂŒber die BlattoberflĂ€che aufgenommen.

Epiphytische Orchideen wiederum besitzen Luftwurzeln, die mit einem Absorptionsgewebe ĂŒberzogen sind. Lianen dagegen wurzeln im Boden und entfalten ihre BlĂ€tter erst im Kronendach. Dabei sind sie auch in der Lage, Luftwurzeln auszubilden, um eine zusĂ€tzliche Wasserversorgung zu gewĂ€hrleisten. Hemi-Epiphyten haben einen Mittelweg fĂŒr die NĂ€hrstoffversorgung gefunden: Sie beginnen ihr Leben als Epiphyt (Versorgung ĂŒber die BlĂ€tter) und bilden bei VersorgungsengpĂ€ssen Verbindungen zum Boden aus, um sich Wasser und NĂ€hrstoffe zu beschaffen.

Lianen und Epiphyten prÀgen das Erscheinungsbild der Urwaldvegetation. Auf einem Baum sind bis zu 80 verschiedene Aufsitzerarten gezÀhlt worden.

Fauna

Kapuziner
Ara

Im Regenwald gibt es eine sehr große Artenvielfalt.[1] Der weitaus grĂ¶ĂŸte Teil der tierischen Arten des Regenwaldes sind Arthropoden. Zu ihnen gehören Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und TausendfĂŒĂŸer.

Die SĂ€ugetiere stellen eher nur eine kleine Artengruppe. Ein Beispiel ist der afrikanische Waldelefant. Als grĂ¶ĂŸtes Tier im Regenwald ist er jedoch deutlich kleiner als sein Verwandter in der Steppe. Das grĂ¶ĂŸte Raubtier ist in Asien der Tiger und in SĂŒd- und Mittelamerika der Jaguar.

Reptilien erreichen im Regenwald eine erhebliche GrĂ¶ĂŸe. Zu nennen sind hier das Krokodil, das in verschiedenen Arten fast ĂŒberall in den Tropen vorkommt, und die Anakonda in SĂŒdamerika. Es gibt in den RegenwĂ€ldern zudem viele kleinere und sehr giftige Reptilien und Amphibien – z. B. Schlangen und Pfeilgiftfrösche – sowie ungiftige Tiere wie Schildkröten oder ChamĂ€leons.

Die Vögel sind im Regenwald oft sehr bunt (Beispiele: Aras, Paradiesvögel oder die kleinen Kolibris).

In den meisten großen RegenwĂ€ldern kommen Primaten vor. Der Orang Utan lebt in SĂŒdostasien, Gorilla, Schimpanse und Bonobo in Afrika und viele kleinere Affen in SĂŒd- und Mittelamerika. Die großen Primaten und besonders die Orang Utans sind sehr stark vom Aussterben bedroht. [2] Die FlĂŒsse der RegenwĂ€lder sind sehr fischreich. Sie ernĂ€hren in SĂŒdamerika sogar Flussdelfine und Riesenotter.

Viele verschiedene Tiere haben in der Pflanzendecke auf den BĂ€umen ihre ökologische Nische gefunden und sich an sie angepasst. Die Pfeilgiftfrösche z. B. legen ihre Eier in die TĂŒmpel in den BlĂ€ttern der Bromelien und verbringen ihr ganzes Leben in den Baumkronen.

Menschen im Regenwald

Tropische RegenwĂ€ldern bieten nicht nur Tieren, sondern auch Menschen eine Heimat. HĂ€ufig sind dies indigene Völker, die eine eher isolierte Existenz in den WĂ€ldern fĂŒhren und weitestgehend eigenstĂ€ndig vom Wald und seinen Produkten leben können. Sie leben in der Regel als JĂ€ger und Sammler, bauen aber auch Obst und GemĂŒse an. Einige, wie die PygmĂ€en-Völker in Zentralafrikas tropischen RegenwĂ€ldern, identifizieren sich selbst als „Waldvölker.“[3]

Weitere Beispiele fĂŒr Menschen im Regenwald sind die Palawan, ein indigenes Volk mit 40.000 Angehörigen, das seit Tausenden von Jahren die inzwischen letzten verbliebenen StĂŒcke tropischen Regenwaldes auf den Philippinen bewohnt, die Insel Palawan.[4] Auch im Amazonas-Regenwald in Brasilien und Peru lebt eine Vielzahl indigener Völker. Dazu zĂ€hlen große Gruppen wie die Yanomami mit ĂŒber 30.000 Angehörigen, aber auch viele kleinere, unkontaktiert lebende Gruppen mit nur wenigen hundert Mitgliedern, die meist als Nomaden im Regenwald leben. [5]

Durch die GefĂ€hrdung des tropischen Regenwaldes geraten auch indigene Völker und ihre Lebensweise unter Druck. HĂ€ufige Probleme sind Rodung des Regenwaldes und Erschließung zur Rohstoffausbeutung. Die Durchsetzung der international anerkannten Rechte indigener Völker (z. B. das Übereinkommen ĂŒber eingeborene und in StĂ€mmen lebende Völker in unabhĂ€ngigen LĂ€ndern) kann auch zum Schutz des Regenwaldes beitragen. Der Yanomami-Park in Brasilien beispielsweise, das grĂ¶ĂŸte anerkannte indigene Gebiet im tropischen Regenwald weltweit, stellt eine FlĂ€che von 9,6 Millionen Hektar Regenwald fĂŒr die Yanomami zur VerfĂŒgung und hat das Eindringen von HolzfĂ€llern und GoldgrĂ€bern minimiert.[6]

GefÀhrdung des tropischen Regenwaldes

Zustand der RegenwÀlder in den HauptlÀndern[7]
Land WaldflÀche, 2005
(1000 km2)
JĂ€hrlicher Verlust
2000-2005 (1000 km2)
JĂ€hrlicher Verlust
2000-2005 (%)
Kamerun 212 2,2 1,0
Republik Kongo 225 0,2 0,1
Demokratische Republik Kongo 1336 3,2 0,2
Gabun 218 0,1 0,0
Indonesien 885 18,7 2,0
Malaysia 209 1,4 0,7
Myanmar 322 4,7 1,4
Thailand 145 0,8 0,4
Brasilien 4777 31,0 0,6
Kolumbien 607 0,4 0,1
Peru 687 0,9 0,1
Venezuela 477 2,9 0,6
Madagaskar 128 0,4 0,3
Papua-Neuguinea 294 1,4 0,5

Die fĂŒnf großen Regenwaldgebiete in Asien, Afrika, Madagaskar, Neotropis und Neuguinea sind zu unterschiedlichem Ausmaß durch unterschiedliche menschliche AktivitĂ€ten gefĂ€hrdet. Kommerzielle Holzentnahme ist in zunehmendem Ausmaß die wichtigste Ursache, besonders in SĂŒdostasien. Jagd auf große Wirbeltiere in zugĂ€nglichen Waldgebieten kann große Auswirkungen auf die Ökosysteme haben. WaldbrĂ€nde, die nach Rodungen von Bauern gelegt werden, sind ein zunehmendes Problem. Insgesamt wird die Abholzung durch Kleinbauern dominiert, wenngleich großflĂ€chige, kommerzielle Monokulturen zunehmend relevanter werden, insbesondere Ranching in der Neotropis. Politische InstabilitĂ€t und bewaffnete Konflikte sind in bereiten in einigen Regionen wie Afrika zusĂ€tzlich Probleme.[7]

Im Jahre 1950 wurde die Ausdehnung der tropischen RegenwĂ€lder auf 16 bis 17 Millionen kmÂČ geschĂ€tzt, also etwa 11 % der LandflĂ€che der Erde. Im Jahre 1982 zeigte die Auswertung von GelĂ€ndeuntersuchungen, Luftaufnahmen und Satellitenbildern, dass nur noch 9,5 Millionen kmÂČ ĂŒbrig waren. Eine erneute Bestandsaufnahme im Jahre 1985 zeigte die Vernichtung einer weiteren Million kmÂČ.[8]

Die Entwaldungsraten variieren deutlich zwischen den Regionen, am höchsten sind sie derzeit in SĂŒdostasien (Indonesien). In den nĂ€chsten Jahrzehnten ist aufgrund von Bevölkerungswachstum mit einer VerschĂ€rfung der GefĂ€hrdung zu rechnen.[7]

Schutzgebiete können einen Beitrag zum Schutz von RegenwĂ€ldern leisten, sind jedoch hĂ€ufig unterfinanziert und daher nicht effektiv. Integrated Conservation and Development Projects waren bisher kaum erfolgreich. Die Erweiterung der Liste gefĂ€hrdeteter Arten sowie Zertifizierungsmaßnahmen können helfen, wobei der Handel mit Holz, Bushmeat und anderen Forstprodukten sehr schwer zu kontrollieren ist.[7]

Insgesamt ist die Situation kritisch, aber nicht hoffnungslos. Selbst in den am schwersten bedrohten Gebieten ĂŒberleben Biota in kleinen Schutzgebieten oder verbleibenden Forstfragmenten. Mehr Arten werden ĂŒberleben, wenn Parks effektiver geschĂŒtzt werden und ungeschĂŒtzte Gebiete nachhaltig gefĂŒhrt werden. Massive Finanzmittel sind hierzu erforderlich.[7]

Ursachen

Illegale Holzentnahme in Brasilien

Legale und illegale Holzgewinnung ist oft der Hauptfaktor von Waldverlusten. In den meisten FĂ€llen werden nur wenige Baumarten exportiert, so dass die IntensitĂ€t gering ist. In SĂŒdostasien werden hingegen viele Arten gerodet, unter anderem weil der inlĂ€ndische Markt dort wichtiger und dieser weniger selektiv als der Exportmarkt ist. Neue Straßen und Infrastruktur begĂŒnstigen verstĂ€rkte Holzentnahme, Jagd und Rodung durch landlose Bauern. WaldbrĂ€nde sind nach Holzentnahmen wahrscheinlicher.[7]

Die kommerzielle Jagd nach Bushmeat, die eher lokal orientierte Jagd auf traditionelle Medizinprodukte sowie der Handel mit Haustieren bedroht viele Wirbeltiere in den Tropen. Damit werden auch Interaktionen wie Ausbreitungsmechanismen von Pflanzen, Samenfresser, PrÀdation gestört.[7]

WaldbrĂ€nde kommen in ökologisch ungestörten RegenwĂ€ldern normalerweise nicht vor, außer unter Extrembedingungen wie El Niño. Der fragmentierte Kronenschluss und die VerfĂŒgbarkeit leicht brennbaren Materials in Holzentnahmegebieten machen diese Gebiete besonders anfĂ€llig fĂŒr BrĂ€nde. Einzelne BrĂ€nde fĂŒhren zu positiven RĂŒckkopplungen, da sie Kronenschluss senken und Brennmaterial bereitstellen, was zu einer AnfĂ€lligkeit fĂŒr BrĂ€nde bereits nach wenigen Wochen (anstatt Monaten) der Trockenheit fĂŒhrt. WaldbrĂ€nde wurden in den letzten 25 Jahren aufgrund von Fragmentierung, Holzentnahme und Brandquellen hĂ€ufiger. Bauern nutzen hĂ€ufig die Brandrodung, können diese BrĂ€nde jedoch nur schwer kontrollieren.[7]

Zur Entwaldung, also der kompletten Entfernung des Waldes, tragen viele Faktoren bei. Der wichtigste Faktor ist die Rodung durch arme Kleinbauern, typischerweise Migranten aus anderen Landesteilen. Große landwirtschaftliche Betriebe sowie Ranches entstehen meist durch die Konsolidierung bereits gerodeter FlĂ€chen, wenngleich die Rodung durch Großbetriebe in einigen Regionen ein Hauptfaktor ist. Wanderfeldbau ist die gravierenste Ursache in Afrika, Ranching im tropischen Amerika, Plantagen in SĂŒdostasien, und der mechanisierte Anbau von Sojabohne in Brasilien. Die Entwaldungsraten unterscheiden sich von Region zu Region deutlich. In Asien ist die Rate etwa zweimal so groß wie in Afrika, wĂ€hrend sie in Amerika am geringsten ist. Auch innerhalb der Regionen besteht eine VariabilitĂ€t, etwa ist die Entwaldungsrate im Amazonasgebiet Brasiliens, in Teilen Madagaskars und in Zentralsumatra mit mehr als 4% pro Jahr sehr hoch.[7]

Invasive Arten stellen eine Bedrohung fĂŒr ozeanische Inseln wie Hawaii dar. Kontinentale RegenwĂ€lder sind deutlich widerstandsfĂ€higer, wenngleich es auch dort zunehmend FĂ€lle von Störungen und Fragmentierungen gibt.[7]

Die globale ErwĂ€rmung könnte tropische RegenwĂ€lder betreffen, die Auswirkungen sind jedoch noch nicht geklĂ€rt. Klimamodelle sagen VerĂ€nderungen von Temperatur und Niederschlag vor, die außerhalb des derzeit beobachteten Toleranzspektrums vieler Arten liegen. In den meisten Regionen werden die Interaktionen dieser klimatischen VerĂ€nderungen diese direkten Wirkungen vermutlich ĂŒbertreffen, etwa begĂŒnstigen hĂ€ufigere DĂŒrreperioden die Holzentnahme.[7]

GefÀhrdung nach Regionen

Asien

Palmölplantage auf Java

In SĂŒdostasien ist mehr als die HĂ€lfte des Regenwalds verschwunden und die Degradierungs- und Verlustraten sind die höchsten der Tropen. Die Entwaldungsrate hat in den 1980er und 1990er Jahren zugenommen und tut es womöglich immer noch. Armut und Bevölkerungswachstum spielen eine wichtige Rolle, aber die hohen Raten sind das Resultat von Holzentnahme und Konversion zu Cash Crops und Baumplantagen. Wildtiere sind bedroht durch Jagd zur Gewinnung seltener Nahrungsmittel, traditioneller Medizin, TrophĂ€en, Rohmaterialien und Haustieren.[7]

In Indonesien verbleiben die meisten RegenwĂ€lder der Region, dort ist die Entwaldungsrate mit 2 % aber besonders hoch. Indonesien ist der grĂ¶ĂŸte Anbieter von Holzwerkstoffen und anderen verarbeiteten Holzerzeugnissen. Illegale Holzentnahme stellt den Großteil der hierfĂŒr benötigten Rohstoffe. Durch Holzentnahme wird auch die Entwaldung durch Bauern begĂŒnstigt. HĂ€ufig sind jedoch dieselben Unternehmen fĂŒr Holzentnahme und anschließende Entwaldung und Anlage von Plantagen verantwortlich. Zwei Drittel der Plantagen auf ehemaligen WaldflĂ€chen sind Ölpalmen. Die globale Nachfrage nach Palmöl wird sich in den nĂ€chsten 20 Jahren voraussichtlich verdoppeln. Der Anstieg wird zur HĂ€lfte durch Indonesien gedeckt werden, vor allem auf Sumatra, Kalimantan und Papua.[7]

Afrika

Die RegenwĂ€lder in Afrika leiden unter rapidem Bevölkerungswachstum und extremer Armut. Hinzu kommen politische InstabilitĂ€t und bewaffnete Konflikte. In Westafrika sind die RegenwĂ€lder grĂ¶ĂŸtenteils verschwunden. In Zentralafrika verbleiben große Areale. In der Demokratischen Republik Kongo verhindert der Mangel an FlĂŒssen und Straßen den Zugang zu RegenwĂ€ldern. In den zugĂ€nglichen Gebieten ist der Jagddruck jedoch stark, sowohl zur Eigenversorgung mit Eiweiß als auch zu kommerziellen Zwecken. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr liegt in der infrastrukturellen Entwicklung, da so isolierte Gebiete Bauern und JĂ€gern zugĂ€nglich gemacht werden.[7]

Madagaskar

Brandrodung in Madagaskar

Die RegenwĂ€lder Madagaskars sind durch hohes Bevölkerungswachstum und extreme Armut bedroht. Am östlichen Rand der Insel ist der ursprĂŒngliche Regenwald grĂ¶ĂŸtenteils nicht mehr vorhanden, der verbleibende Wald ist stark fragmentiert und degradiert. Die Entwaldungsraten haben zwar ihren Höchststand ĂŒberschritten, weiterhin bedrohen aber Kleinbauern die WĂ€lder. Die Holzentnahme spielt in Madagaskar eine vergleichsweise geringe Rolle, invasive Arten eine vergleichsweise große.[7]

Amerika

Entwaldung im Amazonasbecken

Die HĂ€lfte der weltweit verbleibenden tropischen RegenwĂ€lder befinden sich im Amazonasbecken. Die Entwaldungsraten sind geringer als in Asien und vielen afrikanischen Regionen, aber die absolute Entwaldung ist grĂ¶ĂŸer. Das Hauptproblem ist die Konversion von Wald zu AgrarflĂ€chen, sowohl aus den Richtungen SĂŒdosten und Westen als auch von innen. Der Wald wird insbesondere von Kleinbauern ĂŒber den Zugang von Straßen gerodet, um Pflanzenbau und Viehzucht zu betreiben. Große Teile der Infrastrukturentwicklung werden durch den Anbau (und dem Export) von Sojabohnen gerechtfertigt. Entwaldung, Holzentnahme und WaldbrĂ€nde konzentrieren sich auf die neuen Straßen. Der Straßenbau durch die Regierung ist viel umfassender als in jeder anderen Regenwaldregion, ein Beispiel ist die BR-163. Die brasilianische Regierung verfĂŒgt derzeit nicht ĂŒber die KapazitĂ€ten, illegale Entwaldung, Holzentnahme und Bergbau ĂŒber dieses große Gebiet zu kontrollieren.[7] In Brasilien wurden bis Ende 2006 ungefĂ€hr 13 % der ursprĂŒnglich vorhandenen RegenwĂ€lder abgeholzt; 85 % dieser gerodeten FlĂ€chen wurden in Weideland umgewandelt, 15 % in Felder zum Anbau von Sojabohnen.[9]

Die beiden anderen Regenwaldgebiete neben dem Amazonasbecken, der Mata AtlĂąntica und Regenwald entlang der PazifikkĂŒste, sind grĂ¶ĂŸtenteils nicht mehr vorhanden. Wiederum sind Ranching und Cash Crops die Hauptfaktoren, wenngleich es einige vielversprechende Erhaltungsprojekte gibt.[7]

Neuguinea

Neuguinea beherbergt das drittgrĂ¶ĂŸte zusammenhĂ€ngende Regenwaldgebiet (nach Amazonas- und Kongobecken). Die Wirbeltierfauna unterscheidet sich deutlich von der des restlichen SĂŒdostasien. West-Neuguinea hat eine geringe Bevölkerungsdichte, der Regenwald ist jedoch zunehmend durch Palmölplantagen, Entnahme von Wildtieren und BrĂ€nde bedroht. Die grĂ¶ĂŸte Gefahr stellt jedoch die Holzentnahme, vor allem von Merbau, dar. Beteiligt sind vor allem Holzfirmen aus Malaysia, HĂ€ndler in Singapur, KĂ€ufer in Hongkong und Fabriken in China, wo etwa jede Minute ein Merbaustamm verarbeitet wird. Der andauernde Straßenbau wird die Holzentnahme weiter begĂŒnstigen.[7]

Papua-Neuguineas RegenwĂ€lder waren bis vor kurzem nicht bedroht, da die Bevölkerungsdichte sehr gering und das Land durch Klans kontrolliert ist. In den letzten zwei Jahrzehnten gab es in Neuguinea jedoch einen Boom der Holzwirtschaft. Korruption ist bei der Vergabe von Holzentnahmerechten ein Problem, ebenso das zukĂŒnftige Bevölkerungswachstum.[7]

Schutzmaßnahmen

Schutzgebiete

Die wichtigste Maßnahme zum Schutz der RegenwĂ€lder sind Schutzgebiete. Die Erfolge verschiedener Schutzgebieten unterschieden sich jedoch deutlich voneinander. Costa Ricas Parks sind relativ effektiv, die in der demokratischen Republik Kongo hingegen praktisch wirkungslos. Wilderei und GrenzĂŒberschreitungen bereiten vielen Parks Probleme, obwohl die Vegetation innerhalb der Parks meist in einem deutlich besseren Zustand ist als außerhalb. Mit zunehmender Bevölkerung nimmt der Druck auf die Parks zu. Satellitenaufnahmen zeigen, dass 69% der untersuchten Schutzgebiete in den letzten 20 Jahren einen HabitatsrĂŒckgang innerhalb von 50km Entfernung zur Parkgrenze erfahren haben.[7]

Schutzgebiete variieren stark in ihrer GrĂ¶ĂŸe. Große Parks, wie sie im Amazonas vorhanden sind, sind wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, komplette Ökosysteme zu erhalten. Aber auch kleinere Parks mit bis zu wenigen Hektar können einzelne Arten erhalten.[7]

Parks können als Schutzmaßnahme nur dann effektiv sein, wenn sie auch tatsĂ€chlich geschĂŒtzt werden. Viele Parks sind chronisch unterfinanziert. Wenngleich Tourismus in politisch stabilen LĂ€ndern in zugĂ€nglichen Teilen von Schutzgebieten Einkommen generieren kann, kosten die meisten Parks unterm Strich mehr als sie an Einkommen generieren. Die Kosten werden in der Praxis hĂ€ufig von Anwohnern getragen, die nicht mehr auf Ressourcen zugreifen können und eventuell von ihrem Land vertrieben werden. Ohne ausreichende Kompensation sind die Aussichten auf einen effektiven Park daher gering.[7]

WĂ€hrend des letzten Jahrzehnts wurde viel Geld in Integrated Conservation and Development Projects (ICDP) investiert, die gleichzeitig BiodiversitĂ€t schĂŒtzen und ökonomische Entwicklung schaffen sollen. ICDPs waren bisher jedoch kaum erfolgreich im Hinblick auf diese Ziele. Eine jĂŒngere Herangehensweise ist die direkte Kompensation von Landbesitzern und lokal ansĂ€ssigen Gemeinden.[7]

Regulierung

Schutzgebiete sind nicht ausreichend als Schutzmaßnahmen, da sie in ihrer Anzahl und FlĂ€che zu klein sind.[7]

Weniger destruktive Holzentnahme, wie das reduced-impact logging (RIL), reduzieren den Schaden fĂŒr Böden und die nĂ€chste Baumgeneration. Zudem haben Studien gezeigt, dass die finanziellen Kosten der Holzentnahme mit RIL reduziert werden können. Problematisch ist hierbei, dass der ĂŒberwiegende Anteil der Holzentnahme entweder illegal oder kurzfristig ist, so dass kein Anreiz zur nachhaltigen Bewirtschaftung besteht. Die Durchsetzung von RIL erfordert zudem gut ausgebildete und motivierte Parkangestellte, worĂŒber wenige RegenwaldlĂ€nder verfĂŒgen.[7]

Vielerorts konzentriert sich die Holzentnahme auf einzelne Arten, was die Kontrolle theoretisch vereinfacht. Das Washingtoner ArtenschutzĂŒbereinkommen hat einige Arten auf die Liste aufgenommen, wie Swietenia macrophylla oder Gonystylus-Arten. Die exportierenden LĂ€nder mĂŒssen sicherstellen, dass die Holzentnahme legal erfolgte und das Überleben der Art nicht gefĂ€hrdet. Das Übereinkommen hat bereits große Auswirkungen auf den internationalen Handel mit Primaten oder Papageien, betrifft aber nicht den inlĂ€ndischen Handel sowie die Bushmeat-Entnahme. Strategien zur EindĂ€mmung der Bushmeatjagd sind die Zusammenarbeit mit Holzunternehmen, um JĂ€ger und Fleisch nicht zu transportieren, die Bereitstellung alternativer Eiweißquellen, Bildung, und das Verbot kommerziellen Handels.[7]

Zertifizierung

Umweltzeichen (z.B. vom Forest Stewardship Council) funktionieren unter der PrĂ€misse, dass einige Verbraucher bereit sind, mehr fĂŒr derart ausgezeichnete, umweltfreundlich erzeugte Produkte zu bezahlen. Die Zertifizierung von Forstprodukten hat eine lange Geschichte, und die Zahl der Abnehmer in den IndustrielĂ€ndern steigt. Dennoch ist nur ein sehr kleiner Anteil der tropischen Regenwaldproduktion zertifiziert, da die Kosten der Zertifizierung selten geringer sind als die von Konsumenten bezahlten Aufpreise. Die Mobilisierung von Konsumenten ist sehr schwierig, auch da die Herkunft der Rohstoffe in Endprodukten nicht offensichtlich ist. IndustrielĂ€nder importieren große Mengen Palmöl und Sojabohnen. Palmöl ist in Seifen, Kosmetika, Kerzen, Sojabohnen werden zu tierischen Produkten veredelt. Druck auf die rohstoffimportierenden Produzenten könnte helfen. Insgesamt sind die Effekte der Zertifizierung gering.[7]

Aufforstung

In vielen Gebieten Asiens sind RegenwÀlder bereits verschwunden, und dort könnten Aufforstungsprogramme helfen. Die technischen Probleme sind jedoch enorm und die Prozesse langsam.[7]

Einfluss auf das Klima

Global

BÀume nehmen das Treibhausgas Kohlendioxid aus der ErdatmosphÀre auf.[10] Ein bestehender Wald stellt somit einen CO2-Speicher dar. Allerdings sind solche WÀlder keine CO2-Senken, da bei einem PrimÀrwald am Ende der Sukzession keine NettozuwÀchse mehr stattfinden, und somit auch keine CO2-Fixierung. Wird ein Wald gerodet, so wird der in ihm gespeicherte Kohlenstoff unmittelbar (Brandrodung) oder zu einem spÀteren Zeitpunkt freigesetzt.

Lokal

Weiterhin verdunsten BĂ€ume Wasser und fördern damit die Wolkenbildung. Die riesigen Verdunstungswolken, die aus dem feuchten Wald tĂ€glich aufsteigen, lassen die direkten Strahlen der Sonne oft gar nicht erst bis zu den Baumkronen vordringen und kĂŒhlen die Erde bereits in der AtmosphĂ€re. Das Wasserpotential der Wolken ĂŒber den RegenwĂ€ldern ist gewaltig. So haben Forscher errechnet, das ein Wassertropfen fĂŒnf bis sechs mal ĂŒber dem Amazonasgebiet verdunstet und wieder herabregnet, bevor er einen der vielen FlĂŒsse erreicht.

Wenn man den Regenwald rodet, bricht dieser Wasser- und KĂŒhlkreislauf unter UmstĂ€nden zusammen. Ohne Wald trifft die Sonnenstrahlung auf den ungeschĂŒtzten Boden und erwĂ€rmt dort die ErdoberflĂ€che. Der Boden kann austrocknen. Dann bilden sich ĂŒber dem ehemaligen Waldgebiet viel weniger oder gar keine schĂŒtzenden Wolken. Diese VerĂ€nderung der Strahlungsbilanz trĂ€gt zur globalen ErwĂ€rmung bei. Die genauen Folgen der Entwaldung auf den Wasserhaushalt hĂ€ngen jedoch von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Tropische RegenwĂ€lder â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Diagramme zeigen den Anteil der Arten
  2. ↑ Borneo Orang Utan Survival Foundation
  3. ↑ Informationen ĂŒber PygmĂ€en in Zentralafrikas RegenwĂ€ldern
  4. ↑ HintergrĂŒnde zu Menschenim Regenwald auf den Philippinen
  5. ↑ Spiegel Online Artikel ĂŒber unkontaktierte Völker in Brasilien
  6. ↑ Yanomami in den RegenwĂ€ldern Brasiliens
  7. ↑ a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Richard T. Corlett & Richard B. Primack (2008): Tropical Rainforest Conservation: A Global Perspective. In: Walter Carson & Stefan Schnitzer (Hrsg.): Tropical Forest Community Ecology. John Wiley & Sons, 2008. ISBN 1405189525. Kapitel 26.
  8. ↑ Richard B. Primack: Naturschutzbiologie. Spektrum akademischer Verlag, Heidelberg Berlin Oxford, 1995; Seite 145. ISBN 3-86025-281-X
  9. ↑ Soybean boom spells bad news for climate. New Scientist, Band 194, Heft 2600, vom 21. April 2007, S. 12
  10. ↑ bmu.de: CO2-Aufnahme durch BĂ€ume
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