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| Stadt
Tschernjachowsk/Insterburg
Черняховск
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| Liste der Städte in Russland | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Tschernjachowsk (russisch Черняховск; bis 1946 Инстербург; deutsch Insterburg, litauisch Įsrutis) ist eine Rajonstadt in der russischen Exklave Kaliningrad mit 41.680 Einwohnern (2006). Tschernjachowsk ist auch Sitz der städtischen Gemeinde Tschernjachowskoje gorodskoje posselenije.
Inhaltsverzeichnis |
Insterburg verdankte seinen früheren amtlichen Namen dem Fluss Inster (ältester Name Instrut / Instrud: Mehrere linguistische Deutungen, die wahrscheinlichste sei Mündung / Einfluss; vgl. litauisch: istras, intaka), der sich bei der Stadt mit dem Fluss Angerapp (prußisch angurys ape: Aal-Fluss) zum Pregel, dem größten Fluss Ostpreußens vereinigt. Heute liegt die Stadt im Zentrum der russischen Exklave Kaliningrad und ist vom Verwaltungszentrum 88 Kilometer entfernt. Nach Kaliningrad (Königsberg) besteht sowohl eine gute Straßenverbindung, ab Talpaki (Taplacken) vierspurig, als auch eine Eisenbahnlinie. Nach Süden führt eine Fernstraße zum Grenzübergang nach Polen, der sich beim 57 Kilometer entfernten Schelesnodoroschny (Gerdauen) befindet.
Der Deutsche Orden unter seinem Hochmeister Dietrich von Altenburg errichtete um 1336 anstelle der von ihm zerstörten heidnischen Burg Unsatrapis (prußisch unzei: an, auf, über/ trapt, trapuns: treten; litauisch trapte: Floß, Teil eines Holzfloßes; vermutlich eine hölzerne Brücke) eine Festung namens Instierburg, die zum Ausgangspunkt der Feldzüge gegen Litauen wurde. Die Litauer waren es dann, die erstmals die Burg 1376 zerstörten. Die wieder aufgebaute Burg fiel 1457 erneut der Brandschatzung durch Polen zum Opfer. Auch danach baute der Orden die Burg wieder auf, die er zunächst als Komtursitz und ab 1347 als Amtssitz eines Pflegers nutzte.
Der preußische Herzog Albrecht säkularisierte im Zuge der Durchsetzung der Reformation 1525 die Ordensburg und machte sie zu einem weltlichen Hauptamt. Das noch von Wildnis geprägte Umland ließ er von Litauern besiedeln. Dem daraus entstandenen Ort zu Füßen der Burg gewährte er 1541 das Marktrecht. Markgraf Georg Friedrich erhob am 10. Oktober 1583 den Marktflecken Inster zur Stadt. Wenige Jahre später, am 9. Juni 1590, vernichtete ein Brand 140 von den 149 vorhandenen Häusern. Auch im 17. Jahrhundert hatte die Stadt unter den ständigen Durchzügen kriegerischer Truppen von Schweden, Russen und Tataren zu leiden. 1709 raffte die Pest einen Großteil der Bevölkerung hin. Um die Stadt wieder zu beleben, veranlasste Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., angeworbene Salzburger und Schweizer Einwanderer anzusiedeln. 1723 wurde in der Burg das preußische Hofgericht untergebracht. Während des Siebenjährigen Krieges war Insterburg von 1758 bis 1762 von den Russen besetzt. 1812 machte Napoleon bei seinem Russlandfeldzug Quartier in der Stadt (Erinnerungstafel an der Herbergswand).
Nachdem Preußen 1815 seine Territorialverwaltung neu geordnet hatte, wurde Insterburg Verwaltungssitz des gleichnamigen Kreises und wurde dem Regierungsbezirk Gumbinnen zugeordnet. Die zwischen 1828 und 1835 erbaute Reichsstraße 1 wurde durch Insterburg geführt, ab 1860 wurde Insterburg Eisenbahnknoten für die Strecken Königsberg–Kaunas und Tilsit–Thorn. Durch die guten Verkehrsanbindungen siedelten sich viele Industriebetriebe wie mehrere Maschinenfabriken und Eisengießereien und eine Flachsspinnerei an. 1885 lebten 20.914 Menschen in der Stadt.
Insterburg hatte eine höhere Lehranstalt, deren Anfänge auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückgingen. Im Jahr 1860 wurde der Schule der Status eines Gymnasiums zuerkannt.[2]
Vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges war die Bevölkerung auf 49.000 Einwohner angewachsen. Im Juli 1944 wurde Insterburg durch einen britischen Bombenangriff erheblich zerstört, die Burg brannte fast vollständig ab. Sowjetische Truppen eroberten die Stadt am 22. Januar 1945. Nach der Annexion des nördlichen Teils von Ostpreußen durch die Sowjetunion wurde die nicht geflohene deutsche Bevölkerung ausgewiesen und durch Bewohner aus allen Sowjetrepubliken ersetzt. Die Stadt wurde nach dem sowjetischen General Iwan Tschernjachowski in Tschernjachowsk umbenannt. Der General war Kommandeur der 3. Weißrussischen Front der Roten Armee, die weite Teile Ostpreußens eroberte, und kam am 18. Februar 1945 bei Mehlsack ums Leben.
Seit der Auflösung der Sowjetunion und dem Beitritt der Nachbarländer in die EU liegt Tschernjachowsk in einer russischen Exklave und hat mit großen wirtschaftlichen Problemen und einer hohen Arbeitslosenquote zu kämpfen. 2002 hatte die Stadt wieder über 44.300 Einwohner mit erneut rückläufiger Tendenz.
1996 eröffnete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Tschernjachowsk einen wiederhergestellten Friedhof aus dem Ersten Weltkrieg. Die Anlage wurde unter anderem durch deutsche und russische Teilnehmer von Jugendlagern unter der Anleitung von Wolfgang Hegemeister restauriert. Lokalinitiativen in Zusammenarbeit mit der Insterburger Landsmannschaft stellten in den letzten Jahren (seit Mitte 1990er) einige Bauten (Bogenbrücke) und Denkmäler (Ulanen) wieder her. Ein Reiterstandbild erinnert seit 2007 an den Feldmarschall Michael Barclay de Tolly, der unweit der Stadt 1818 starb. Der Ordensburg nimmt sich die 1997 ins Leben gerufene private einheimische russische Stiftung Samok Insterburg an.
| Jahr | Einwohnerzahlen |
|---|---|
| 1875 | 16.303 * |
| 1885 | 20.914 * |
| 1890 | 22.227 * |
| 1910 | 31.624 * |
| 1925 | 39.311 * |
| 1933 | 41.230 * |
| 1939 | 43.620 * |
| 1959 | 29.100 ** |
| 1979 | 35.600 ** |
| 1989 | 39.622 * |
| 2002 | 44.323 * |
| 2006 | 41.680 |
| 2010 | 41.680 |
| 2011 | 42.220 |
Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)
Seit 2002 besteht eine Städtepartnerschaft mit der rheinland-pfälzischen Stadt Kirchheimbolanden. Außerdem bestehen Partnerschaften mit folgenden Städten:
Dem fiktiven, also nur erfundenen, in der Juristenliteratur immer wieder auch in seriösen Publikationen erwähnten deutschen Verfassungsjuristen Friedrich Gottlob Nagelmann, der von 1889 bis 1994 gelebt haben soll, wird als Geburtsort Insterburg zugeschrieben.
Seit der Verwaltungsreform in der Oblast Kaliningrad 2008/2009 ist Tschernjachowsk namensgebender Ort und Verwaltungssitz der städtischen Gemeinde Tschernjachowskoje gorodskoje posselenije mit weiteren 5 Siedlungen.
| russischer Name | deutscher Name |
|---|---|
| Загородное (Sagorodnoje) | Neuendorf |
| Красновка (Krasnowka) | Birkenfeld[3] |
| Петрозаводское (Petrosawodskoje) | Eichwald[3] |
| Тимофеевка (Timofejewka) | Tammowischken 1938–45 Tammau |
| Шоссейное (Schosseinoje) | Szameitkehmen 1936–38 Schameitkehmen 1938–45 Walkenau |
Verwaltungszentrum: Kaliningrad
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