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| Universität Rostock | |
|---|---|
| Motto | Traditio et Innovatio (Tradition und Innovation) |
| Gründung | 13. Februar 1419 |
| Trägerschaft | staatlich |
| Ort | Rostock |
| Bundesland | Mecklenburg-Vorpommern |
| Staat | Deutschland |
| Leitung | Wolfgang Schareck (Rektor) Dr. Mathias Neukirchen (Kanzler) |
| Studenten | 15.200 (WS 2011/12) |
| Mitarbeiter | 6.335 (2008, inkl. Uniklinikum)[1] |
| davon Professoren | 301 (2009)[2] |
| Jahresetat | 132,904 Mio |
| Netzwerke | Netzwerk Mittelgroße Universitäten |
| Website | www.uni-rostock.de |
Die Universität Rostock ist die drittälteste Hochschule Deutschlands und die älteste Universität im Ostseeraum. Im Wintersemester 2009/10 sind etwa 15.138 Studenten immatrikuliert und 301 Professorenstellen vorhanden. Die Mehrheit der 70 Studiengänge in zehn Fakultäten wird mit Master- und Bachelorabschlüssen angeboten. Im Jahr 2009 kamen 59,3% der Studierenden der Uni Rostock aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Die Universität Rostock wurde 1419 von den Herzögen Johann IV. und Albrecht V. von Mecklenburg und dem Rat der Hansestadt Rostock als erste Universität im Norden des Heiligen Deutschen Reiches und dem gesamten Ostseeraum gegründet. Der eindeutige Initiator der Gründung ist durch fehlende Quellen wissenschaftlich umstritten. Das Ersuchen wurde Jahr 1418 ausgearbeitet und verschickt. Ein solches Ersuchen konnte zur damaligen Zeit nur von Landesfürsten, Königen oder Kaisern an den Papst gerichtet werden. Papst Martin V. stellte, nach Prüfung der Wahrheit der Angaben im Antrag, am 13. Februar 1419 die Gründungsurkunde mit dem Recht durch die päpstlichen Bulle aus. Die feierliche Eröffnung der Universitas Rostochiensis war am 12. November 1419. Anfangs bestand die Hochschule aus einer juristischen und einer medizinischen Fakultät sowie der Facultas artium (heute die philosophische Fakultät). Wegen häretischer Strömungen im Reich blieb die Universität aber bis 1433 ohne die übliche theologische Fakultät.
Im 15. Jahrhundert war die Universität Rostock mit 400 bis 500 Studenten besonders aus Holland, Skandinavien und dem Baltikum eine der größten Universitäten in Deutschland. Infolge politischer Wirren musste die Universität auf kirchlichen Druck und unter der Vorgabe eines Interdikts durch das Basler Konzil im Jahre 1437 nach Greifswald umziehen. Dieser Auszug dauerte bis 1443 an, obwohl bereits 1440 das Interdikt aufgehoben worden war. 1487 bis 1488 (nach anderen Aussagen bis 1492) befand sich der Sitz der Universität aufgrund eines weiteren Auszugs in der Hansestadt Lübeck.
Einige Zeit später als die Stadt Rostock wurde die Universität 1542 protestantisch. 1760 wurde sie in eine rätliche Universität in Rostock und eine fürstliche Universität in Bützow geteilt und 1789 wiedervereinigt. Humanismus und Luthertum waren bestimmend für die Universität, die in Folge des Dreißigjährigen Krieges zu einer Hochschule für Landeskinder verkümmerte.
Beim Universitätsjubiläum im Jahre 1600 wurde die Theaterkomödie Cornelius Relegatus (lat. “der von der Universität verwiesene Cornelius”), auch „der verbummelte Cornelius“, von Albert Wichgreve (um 1575-1619) uraufgeführt, die auf satirische Weise die unrühmliche Laufbahn eines gescheiterten Studenten des 16. Jahrhunderts schildert und für lange Zeit die Ansichten der Öffentlichkeit vom Leben eines Bummelstudenten prägte. Gleichzeitig ist das Stück ein Dokument der akademischen Sitten und Gebräuche des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Das Stück erzielte einen enormen Publikumserfolg mit außergewöhnlicher Langzeitwirkung.
Eine der wichtigsten Einrichtungen für die Studenten und Mitarbeiter ist die bereits 1569 gegründete Universitätsbibliothek, die aus drei Bereichsbibliotheken, 10 Fachbibliotheken, dem Universitätsarchiv, der Kustodie und dem Patent- und Normenzentrum besteht. Sie hat heute einen Bestand von rund 2,2 Mio. Bänden. Sie besitzt außerdem einen umfangreichen Altbestand, der auch ca. 2.800 Handschriften und Autographen, 650 Inkunabeln und 14 Nachlässe enthält.
Die Universität Rinteln, die Universität Rostock und die Universität Wittenberg („Leucorea“) waren führende gutachterliche Universitäten während der Hexenprozesse. Die Spruchpraxis an den allgemeinen deutschen juristischen Fakultäten war recht unterschiedlich. Die juristischen Fakultäten der Universitäten Helmstedt („Academia Julia“) und Rinteln galten als „hardliner“ in Sachen Hexenverfolgung.
Nachdem die Universität 1827 durch Vertrag von der Stadt auf das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin übergegangen war, wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch einen großzügigen Ausbau wieder der Anschluss an die anderen deutschen Universitäten erreicht. Das Hauptgebäude wurde 1866 bis 1870 vom Schweriner Hofbaurat Hermann Willebrand im Stil der Neorenaissance entworfen.
Die erste akademische Einrichtung, die sich in Deutschland mit Germanistik befasste, ist das 1858 in Rostock gegründete „Deutsch-Philologische Seminar“ (heute Institut für Germanistik).
Die Universität blieb jedoch zahlenmäßig eine kleine Hochschule mit 1700 Studenten im Jahre 1930.
Anlässlich der Fünfhundertjahrfeier der Universität Rostock am 12. November 1919 erhielten Albert Einstein und Max Planck die Ehrendoktorwürde. Die Universität ehrte die "gewaltige Arbeit seines Geistes, durch die er die Begriffe von Raum und Zeit, von Schwerkraft und Materie von Grund aus erneuert hat" und ernannte ihn "ehrenhalber zum Doktor der Medizin". Da das Physikalische Institut das Kontingent an Ehrenpromotionen zur Fünfhundertjahrfeier bereits ausgeschöpft hatte, erfolgte die Ehrung durch die Medizinische Fakultät. Die einzige in Deutschland an Einstein verliehene Ehrendoktorwürde wurde ihm auch während der NS-Zeit nicht aberkannt.[4]
Durch die nationalsozialistische Herrschaft ab 1933 verloren mehrere Gelehrte ihre Stellung: David Katz, Hans Moral u.a.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Universität am 24. Februar 1946 wiedereröffnet. Bis Juli 1963 hatte die Hochschule auch eine Arbeiter-und-Bauern-Fakultät „Ernst Thälmann“. Die juristische Fakultät bestand nur von 1946 bis 1951. 1950 wurde eine landwirtschaftliche Fakultät eröffnet, 1951 ein Fachbereich für Schiffbau, der ab 1963 Technische Fakultät hieß. Damit erweiterte sie als erste klassische Universität in Deutschland ihr Profil um eine technische Fakultät. 1952 wurde eine Fakultät für Luftfahrtwesen gegründet, die jedoch ein Jahr später nach Dresden verlegt wurde. 1963 kam noch eine Ingenieurökonomische Fakultät hinzu. Für das ab 1951 obligatorische marxistisch-leninistische Grundlagenstudium der Studenten aller Fachrichtungen, später auch der wissenschaftlichen Mitarbeiter, gab es ein "Gesellschaftswissenschaftliches Institut", das 1960 in Institut für Marxismus-Leninismus umbenannt und 1969 zur "Sektion für Marxismus-Leninismus" umstrukturiert wurde.
1976 wurde die Universität Rostock „Universitas Rostochiensis“ in „Wilhelm-Pieck-Universität“ umbenannt. 1990 wurde die Rückbenennung vorgenommen.
Im Jahre 1970 wurde das älteste deutsche Studentenkabarett ROhrSTOCK in Rostock gegründet, welches bis heute existiert.
Seit 1992 werden an der Universität Rostock auch aufbauende Fernstudiengänge angeboten. Diese werden zusammen mit der Umgestaltung im Rahmen des Bologna-Prozesses im Zentrum für Qualitätssicherung organisiert. Zur Verbesserung von Lehre und Forschung ist die Universität am Verbund Norddeutscher Universitäten beteiligt.
Seit der Gründung einer Interdisziplinären Fakultät im Oktober 2007 will sich die Universität Rostock zukünftig in Forschung und Lehre vier interdisziplinären Profillinien zuwenden:
Die Interdisziplinäre Fakultät ist zentrale Schnittstelle für die Wissenschaftler aller anderen neun Fakultäten. An ihr sind die Profillinien in sogenannten „Departments“ organisiert sind und können von den verschiedenen fachlichen Zweigen gemeinsam untersucht und bearbeitet werden.
Einen wichtigen Impuls auf dem Weg zum Forschungsstandort hat die Universität 2010 durch eine beachtlich Projektförderung der Deutschen Krebshilfe in Bonn erhalten. Mit 470.000 Euro unterstützt die von der Ärztin Mildred Scheel gegründete Organisation ein Projekt, in dem Forscher die Wirkungsweise der pflanzlichen Estrogene auf Brustkrebs-Zellen näher untersuchen. Im Fokus der Wissenschaftler um Professor Dr. Volker Briese von der Uni-Frauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt steht dabei eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt: der Lein, auch Flachs genannt. Die Rostocker Forscher stellen Lignan haltige Extrakte aus der Wurzel des Leins her und untersuchen ihre Wirkungsweise auf Brustkrebszellen. Krebshilfe-Hauptgeschäftsführer Gerd Nettekoven erklärte: „Ziel der von uns geförderten Forschungsprojekte ist es, innovative Strategien in der Prävention und Therapie von Tumor-Erkrankungen zu entwickeln.“
Derzeit gibt es an der Rostocker Universität 70 Studienrichtungen. Die Studiengänge Human- und Zahnmedizin, Rechtswissenschaften sowie Lehramt schließen mit dem Staatsexamen ab. Anwärter des Lehramtes können zwischen 20 Unterrichtsfächern für vier verschiedene Schultypen wählen. Die Mehrheit der weiteren Studiengänge wird bereits mit Master- und Bachelorabschlüssen angeboten. Kontinuierlich sind neue Umstellungen in Planung: Zum Wintersemester 2007/08 wurde u. a. der Bachelorstudiengang Mathematik eingeführt, ab 2008 soll der entsprechende Masterstudiengang folgen. An einigen Fakultäten, beispielsweise der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät oder der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik, sind bereits alle Studiengänge umgestellt. Im Bereich der auf eine internationale Klientel ausgerichteten Studiengänge gibt es derzeit einen englischsprachigen Master-Studiengang an der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik: Computational Engineering.
Daneben bietet die Universität Rostock drei Fernstudiengänge mit Masterabschluss an: Umweltschutz, Umwelt und Bildung sowie Medien und Bildung.
Die Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät verfügt mit ihrem Studiengang Agrarökologie über den ersten deutschen Studiengang, welcher auf die Gestaltung, Nutzung und Entwicklung des ländlichen Raumes als Ganzes orientiert ist.
An der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ist der Studiengang zur Atmosphärenphysik und physikalischer Ozeanographie ein bundesweites Unikat.
Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät besitzt mit einem Studienangebot in Demographie ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal: nur in Rostock kann man einen Diplom- oder Masterabschluss in diesem Fach erlangen. [5]
Seit 1991 bietet die Universität Rostock für Berufstätige Weiterbildungsangebote auf Hochschulniveau an. Interessierte können aus einem breiten Angebot praxisnaher Weiterbildung wählen: von drei berufsbegleitenden Masterstudiengängen bis hin zu über 43 mehrmonatigen Weiterbildungskursen mit Zertifikatsabschluss.[6]
Berufsbegleitende Masterstudiengänge:
Zertifikatskurse aus folgenden Wissensbereichen:
Die Universität Rostock bietet für Schüler der gymnasialen Oberstufe die Möglichkeit an, ein Frühstudium (Juniorstudium) in unterschiedlichsten Fächern zu absolvieren. Während klassische Ansätze zum Juniorstudium häufig zeitlich mit dem Schulunterricht kollidieren, wird für das Angebot der Universität Rostock ein Blended Learning Konzept (E-Learning) genutzt.
2006 wurden über 700 Wissenschaftlerstellen aus Drittmitteln für Forschungsprojekte oder Graduiertenkollegs finanziert. Daneben gingen bisher mehrere hundert Unternehmensgründungen aus den Fakultäten hervor. In den vergangenen Jahren wurden etwa 90 Erfindungsmeldungen und 19 internationale Patentanmeldungen eingereicht. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften unterstützen in Forschung und Lehre besonders kleine und mittlere Unternehmen in den Bereichen Tourismus und Logistik. Die bundesweit einmaligen ökologisch ausgerichteten Agrar- und Umweltwissenschaften fokussieren auf Produktivität und Entwicklungsfähigkeit des ländlichen Raums.
Die Universitätsbibliothek ist die größte Bibliothek Mecklenburg-Vorpommerns. 2007 wurde die Mensa bundesweit erneut als zweitbeste ausgezeichnete. Die Hauptmensa wurde 1999 neu errichtet. 2003 gewann sie den Mensawettbewerb der Zeitschrift UNICUM[7], 2006 wurde sie zum zweiten Mal bundesweit Zweiter[8]. Der mit 150 Kursen vertretene Hochschulsport wurde 2006 in einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung deutschlandweit in der Spitzengruppe bewertet. Das 4 mal jährlich erscheinende Studentenmagazin heuler wurde 2012 von der Pro Campus-Presse, eine Initiative vom Verlag Rommerskirchen, aus 32 Einreichungen neben dem Ottfried zum Besten Studierendenzeitungen Deutschlands gewählt.[9]. Im Jahr 2011 schafften sie es schon auf den dritten Platz.
Heute bieten die zehn Fakultäten der Universität Rostock Mitarbeitern und Studenten ein breites Fächerspektrum und ermöglichen den Wissenschaftlern gleichzeitig den Zugang zu vielen Forschungsthemen:
Zentrale Einrichtungen:
Darüber hinaus haben sich in und um Rostock zahlreiche Forschungsinstitute angesiedelt, unter anderem:
Die Universität Rostock kooperiert derzeit mit 52 Hochschulen in 25 Ländern. Ein Schwerpunkt der internationalen Zusammenarbeit ist der Ostseeraum mit den skandinavischen Ländern, Russland, Polen und den baltischen Staaten. Im Rahmen des Erasmus-Programms kooperiert die Universität Rostock mit 175 Hochschulen in den 27 EU-Ländern, Norwegen, Liechtenstein, Island und der Türkei. Die Kooperation mit Partnereinrichtungen im Ausland erfolgt sowohl auf der Basis gemeinsamer Forschungsvorhaben, als auch auf dem Gebiet der Lehre. So sind nicht nur der Studentenaustausch, Gastlehrtätigkeit, die gemeinsame Betreuung von Diplomanden und Doktoranden, von Projektarbeiten und Praktika Bestandteil der Partnerschaften, sondern auch die Diskussion konzeptioneller und organisatorischer Fragen der Studienreform im Rahmen des Bologna-Prozesses sowie der fachliche Austausch bei der Lehrplangestaltung und in Vorbereitung der Einführung neuer und zukünftig auch gemeinsamer Studiengänge.
Sämtliche Aufsätze zu diesem Thema sind in der Landesbibliographie MV nachgewiesen.
Universitäten: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald | Universität Rostock
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