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Urdenbach

Stadtwappen der kreisfreien Stadt Düsseldorf.png
Düsseldorf Urdenbach
Führt kein Wappen.svg
Lage im Stadtgebiet
Basisdaten
Geograph. Lage   51° 9′ N, 6° 52′ O51.14583333336.8669444444438Koordinaten: 51° 9′ N, 6° 52′ O
Höhe   38 m ü. NN
Fläche   7,64 km²
Einwohner   10.490 (Stand 31. Dezember 2007)
Bevölkerungsdichte   1.373 Einwohner je km²
Eingemeindet   1. August 1929
Stadtbezirk   Stadtbezirk 9
Verkehrsanbindung
Buslinie   730 778 779 784 788 789
Nachtverkehr   NE 7

Urdenbach ist ein Stadtteil von Düsseldorf im Bundesland Nordrhein-Westfalen und hat zurzeit ca. 10.500 Einwohner. Er erstreckt sich über eine Fläche von 7,64 km².

Für den Namen Urdenbach werden in alten Dokumenten folgende Schreibweisen verwendet: Vrdenbach, Vyrdenbach, Ordenbach und Oerdenbach.[1] Vor 1592 wurde der Namen häufig zusätzlich mit der Präposition up, op oder of versehen. Zur Namensdeutung gibt es mehrere Varianten. Eine dieser Varianten geht von einem keltischen Namen für Sumpfland aus, das mit Urdefa bezeichnet wurde.[2] Nach einer anderen Variante ist der Namen von dem Bach abgeleitet, der heute noch durch Urdenbach verläuft (siehe auch: Urdenbacher Altrhein). In einer Kartenskizze von 1674 wird der südliche Mündungsarm der Itter Ordenbach genannt. Up der Ordenbach wäre damit eine Lagebezeichnung für eine Siedlung gewesen.[1] Eine Urkunde von 1523 bestätigt diese Variante. Hierin wird für das Kirchenspiel Benrath angeführt: „Raede ader Benraide im Lande van Berge bei der Vyrdenbach gelegen“.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Urdenbach liegt ganz im Süden von Düsseldorf und grenzt im Norden an den Stadtteil Benrath sowie den Schlosspark, im Osten an den Stadtteil Garath, im Westen bildet der Rhein die Grenze und im Süden das Altrheinbett mit der sich anschließenden Auenlandschaft, die als Naturschutz- und Überschwemmungsgebiet, nicht bebaut werden kann.

Geschichte

Allgemein

Urdenbacher Dorfkirche
Herz-Jesu-Kirche
Zur Alten Apotheke
Fachwerkhaus
BW

Urdenbach muss spätestens zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestanden haben. In einer Gerichtserkundung von 1555 wird für das Amt Monheim 1363 unter anderem eine Ortschaft Ordenbach angeführt.[3] In einem weiteren Dokument von 1385 wird für die Lage eines Hofes up der Oerdenbach angegeben.[4] Ein Gerichtssiegel von 1454 wird verwendet für das Landgericht Ordenbach und Hemmelgeist. Für dieses Gericht wird angeführt, dass die honschafft (Ortschaft) Ordenbach 3 Scheffen (Schöffen) und Hemmelgeist den Vogt und 4 Scheffen für die 5 honschafften: Benrod, Itter, Hemmelgeist, Wersten und Holthusen, beistellen.[1] Im späten Mittelalter war Urdenbach somit neben Himmelgeist im Düsseldorfer Süden eine der Hauptortschaften.

In der Gerichterkundung von 1555 werden für das Amt Monheim 5 Gerichte namentlich angegeben und zwar neben Monheim: Hittorp, Richrod, Ordenbach und Hemmelgeist. In diesem Dokument wird zusätzlich angeführt: „seindt unijrt und Hemmelgeist in Ordenbach geschlagen“. Das Gericht tagte somit in Urdenbach.[5] Als Gerichtsgebäude wird das 1535 errichtete und noch heute bestehende Fachwerkhaus, Urdenbacher Dorfstraße 44/48, benutzt.

Von den größeren Gütern und Höfen in der Gemarkung Urdenbach sind alte Urkunden vom Braß-Gut, Buchholzer Hof, Hof Vollhausen und Haus Endt vorhanden. Das Gebiet um die Ortschaft Urdenbach bestandt bis nach dem 15. Jahrhundert weitgehend aus Wäldern, die teilweise dem Neusser Frauenstift St. Quirin gehörten. Teile dieser Wälder wurden gerodet und die neuen Ländereien zur Erbpacht vergeben oder verkauft.

  • 1430 erwirbt der bergische Kanzler Peter von Lennep den Hof Vollhausen vom Neusser Kapitel. Spätere Eigentümer des Hofes sind im 16. Jahrhundert die Familie Hammerstein und danach die Herren von Troisdorf.[6]
  • 1438 wird der Buchholzer Hof als Eigentum des Neusser Frauenstifts St. Quirin angeführt. Der Stift verpachtete den Hof an Halfmännder. Diese mussten die Hälfte des Hofertrages als Pachtgebühr an den Stift abführen. Der Hof blieb bis zur Säkularisation 1802 im Besitz des Stiftes und wurde dann Eigentum des Staates. 1830 wurde der Hof von Johann Peter Urban Leven, dem Benrather Bürgermeister, erworben. 1842 kauft der Fürst Peter von Arenberg den Hof vom Eigentümer Leven. Im 20. Jahrhundert wechselt mehrfach der Besitzer bis er Eigentum der Stadt Düsseldorf wurde. Anfang der 1970er Jahre wird der Hof für die Bebauung von Garath abgerissen.[7]
  • 1664 erwirbt die reformierte Gemeinde Urdenbach die Besitzrechte am Braß-Gut.[6]
  • Das 1974 abgerissenen Vorderhaus Endt stammte aus dem Jahr 1659. Die Hofanlage mit Herrenhaus, Scheune und Stallungen ist aber älter. Von der Familie Kappel, bezeugt ein Peter Kappel (geb. 1586) bei den Verhandlungen des Westfälischen Friedens, dass bereits 1582 in Benrath und Urdenbach die reformierte Religion ausgeübt wurde. Der Vater von Peter Kappel, Gerhard Kappel, bewirtschafte aber bereits den Hof Endt. Als der Kurprinz Jan Wellem 1682 den Landtag einberief, weigerten sich die Stände, im damaligen Wasserschloss Benrath zu tagen. Sie eröffneten deshalb die Verhandlungen im Haus Endt. Um 1770 musste die Familie Kappel den Hof verkaufen, da sie bei dem damaligen Kurfürsten Carl Theodor in Ungnade gefallen war. Danach wechselte der Hof mehrfach den Besitzer. Der letzte Privatbesitzer, Diergardt, verkaufte 1960 den Hof an die Stadt Düsseldorf.[8]

Früher war Urdenbach ein bedeutender Handelsort mit einem Handelshafen am Altrhein, der sich nach einem extremen Hochwasser im 14. Jahrhundert gebildet hatte. Die Bedeutung des Hafens im Mittelalter ist erkennbar bei der Belagerung der Stadt Neuss durch Karl der Kühne von Burgund 1475. Das Ersatzkorps für Neuss, das die Stadt Köln stellte, wählte als Standort für das Nachschublager Urdenbach. Der Nachschub wurden mit Rheinschiffen über den Hafen angeliefert.[9]

Mit zunehmender Verlandung des Altrheines kam später der Hafenbetrieb zum Erliegen. Die Bedeutung des Ortes verringerte sich dadurch und ab 1808 zur Franzosenzeit wurde Düsseldorf-Benrath zur Obergemeinde im heutigen Düsseldorfer Süden. Die ehemalige größere Bedeutung Urdenbachs ist noch heute an vielen Sehenswürdigkeiten und Fachwerkhäusern zu erkennen. Hierzu zählen unter anderem die Böke-Pomp von 1874, das Spritzenhaus von 1784, die barocke evangelisch-calvinistische Dorfkirche von 1692/1693 und die neuromanische katholische Herz-Jesu-Kirche, die 1893/1894 gebaut wurde.

Religion

Ende des 16. Jahrhunderts war im Bereich des Herzogtum Bergs der evangelische und reformierte Glaube weitverbreitet. Nach dem Wechsel von Herzog Wolfgang Wilhelm Anfang des 17. Jahrhunderts vom evangelischen zum katholischen Glauben unterstützte dieser die Gegenreformation in seinem Regierungsbereich. Die Bevölkerung im Rheinland wurde mehrheitlich wieder katholisch. Eine Ausnahme im heutigen Stadtbereich Düsseldorf war nur die damalige Landgemeinde Urdenbach. Wie im Abschnitt Haus Endt angeführt, wurde durch die Bezeugung des Peter Kappel eine Nutzung der reformierten Religion für Benrath und Urdenbach bereits seit 1582 nachgewiesen. Durch den Zuzug holländischer Protestanten aus den Niederlanden wegen der damaligen Unterdrückung durch die dortige katholisch-spanische Herrschaft entstand in Urdenbach eine bedeutende reformierte Gemeinde. Diese wechselte – im Gegensatz zu der Gemeinde in Benrath – mehrheitlich nicht zum Katholizismus zurück. Durch die Dominanz der Reformierten in Urdenbach kam es bereits 1688–1693 zum Bau der evangelischen Dorfkirche. Diese wurde auf dem Gelände des 1664 von der Gemeinde in Erbpacht erworbenen Braß-Gutes errichtet. Sie gehört damit zu den ältesten evangelische Kirchen im Stadtgebiet von Düsseldorf. Lediglich die Berger und die Neanderkirche sind einige wenige Jahre älter. Die Dorfkirche brauchte weiterhin nicht, wie die beiden anderen Kirchen in Düsseldorf, in einem Hinterhof versteckt zu werden.

In einer Beschreibung von 1715 über das Herzogtum Berg wird für Amt Monheim und den damaligen Kirchspielen von Düsseldorf mit den umliegenden Gemeinden, angeführt, dass nur die Ortschaft Urdenbach zu diesem Zeitpunkt reformiert war.[10]

Mit dem Bau der katholischen Herz-Jesu-Kirche wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts begonnen. Durch die Industrialisierung im Düsseldorfer Süden war durch Zuzug die Anzahl katholischer Gläubiger stark angestiegen, wodurch Bedarf für eine größeren Kirche entstand.

Ein Hinweis auf die damalige besondere Situation der evangelischen und katholischen Religion im Gebiet Benrath/Urdenbach sind die noch aktuell gültigen Grenzen der Kirchengemeinden. Abweichend von den kommunalen Grenzen reicht die evangelische Gemeindegrenze von Urdenbach im Nordosten bis zur Telemannstraße/Spohrstraße/Flotowstraße. Die Zuständigkeit der katholischen Kirchengemeinde endet dagegen bereits an der Koblenzer Straße/Südallee. Beide Bereiche umfassen damit Gebiete, die kommunal heute zu Benrath gehören.[11] Ursache hierfür ist vermutlich die größere Bedeutung von Urdenbach im Vergleich mit Benrath vor dem 19. Jahrhundert.

Benrather Linie – Sprachengrenze

Durch Urdenbach führt die Sprachgrenze der Benrather Linie. Ein kleines schönes Beispiel dafür ist die Bücherstraße (Bücher = Buchen), die an der Böke Pomp (Pumpe an den Buchen) vorbeiführt.

Urdenbacher Kämpe

An der Grenze zu Monheim am Rhein liegt das ökologisch wertvolle Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe, eine Auenlandschaft und Überschwemmungsgebiet. Dieser Bereich umfasst das Gebiet zwischen dem Rhein und einen Altarm des Flusses, der seinen Verlauf im 14. Jahrhundert nach einem Hochwasser um mehrere hundert Meter nach Westen verlegte.

Brauchtum

In Urdenbach ist das Brauchtum noch lebendig. Zum Erntedankfest am 1. Sonntag nach dem 29. September findet ein Umzug statt, der meist um 14:00 Uhr am Urdenbacher Acker beginnt und bei dem geschmückte Wagen von alten Traktoren (teilweise aus den 1920er und 1930er Jahren) oder von Arbeitspferden gezogen werden. Im Anschluss daran beginnt an der Böke-Pomp auf der Hochstraße das Schürreskarren-Rennen. Dabei tragen die Einheimischen als „Blotschen“ bezeichnete Holzklotschen (Holzschuhe) und laufen mit Holzschubkarren, die mit Obst und Gemüse beladen sind, durch das Dorf.

Lokalitäten

Die Rock- und Blueskneipe „Zur Alten Apotheke“, auch „Theke“ genannt, ist besonders bekannt für Ihre Live-Konzerte.

Haupteingang des Gymnasiums Koblenzer Straße (Kobi)

Schulen

Fotogalerie

Einzelnachweise

  1. a b c d Benrath historisch; In: Band 15; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 18.
  2. Hans Bahlow; In: Deutschlands geographische Namenswelt; TB.
  3. Benrath historisch; In: Band 15; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 17
  4. Helmut Ackermann; In: Düsseldorf-Urdenbach Geschichte der evangelischen Gemeinde und des Ortes; 1992, S. 16–18.
  5. Benrath historisch; In: Band 15; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 19
  6. a b Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 35
  7. Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 34+35
  8. Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 32+33
  9. In: Heft 7; Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 45
  10. In: Band 15; Benrath historisch, Schriftreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 17.
  11. In: Kleine Urdenbacher Post; 5. Jahrgang, Nr. 11, Februar 1987, S. 21.

Weblinks

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