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Als Ursprache (auch Grundsprache, Protosprache) bezeichnet man in der Linguistik eine in der Regel hypothetische Sprachform, aus der sich alle Sprachen einer genetischen Einheit oder Sprachfamilie entwickelt haben. Dabei handelt es sich um eine mit den Verfahren der vergleichenden Sprachwissenschaft - also durch den wissenschaftlichen Vergleich der zu der genetischen Einheit gehörenden Einzelsprachen - erschlossene hypothetische Urform einer genetischen Einheit von Sprachen. Ein typisches Beispiel ist die Rekonstruktion des Proto-Indogermanischen aus indogermanischen Einzelsprachen.
Es gibt allerdings auch Ausnahmen: So ist das Lateinische als Ursprache der romanischen Sprachen außerordentlich gut belegt und muss nicht erst mühsam rekonstruiert werden. (Allerdings ist der gemeinsame Ausgangspunkt der romanischen Sprachen nicht das klassische Latein der schriftlichen Überlieferung, sondern das Sprech- oder Vulgärlatein des frühen Mittelalters, das wiederum primär nur aus den romanischen Einzelsprachen rekonstruiert werden kann.)
Nach dem Vorbild des Proto-Indogermanischen sind inzwischen für viele Sprachfamilien oder genetische Einheiten Ursprachen rekonstruiert worden, z. B. Proto-Uralisch, Proto-Turkisch, Proto-Mongolisch, Proto-Tungusisch, Proto-Sinotibetisch, Proto-Semitisch, Proto-Afroasiatisch, Proto-Nilosaharanisch (mit Einschränkungen), Proto-Bantu und viele andere. Andererseits gibt es bedeutsame Sprachfamilien, für die eine Rekonstruktion der Ursprache bisher nicht erfolgt ist, z. B. die Niger-Kongo-Sprachen.
Die Bezeichnung Protosprache wurde 1973 von dem Anthropologen Gordon Hewes geprägt.[1]
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