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Das Usenet (/ËjuËznÉt/, urspr. Unix User Network â engl. âNetzwerk fĂŒr die Benutzer von Unixâ) ist ein weltweites, elektronisches Netzwerk, das Diskussionsforen (so genannte âNewsgroupsâ) aller Art bereitstellt und an dem grundsĂ€tzlich jeder teilnehmen kann. Der Teilnehmer verwendet dazu ĂŒblicherweise einen Newsreader.
Inhaltsverzeichnis |
Die Funktionsweise des Usenet wird oft mit Schwarzen Brettern verglichen, wie es sie zum Beispiel auch in manchen SupermĂ€rkten gibt: Jemand schreibt eine Nachricht und heftet diese an das Schwarze Brett, wo sie fĂŒr jeden Interessierten sichtbar ist. Dieser Vergleich gibt jedoch nur einen Teilaspekt des Usenet wieder, da die Kommunikation ĂŒber Schwarze Bretter in der Regel nur in eine Richtung lĂ€uft: Eine Nachricht wird dort nĂ€mlich fĂŒr gewöhnlich nicht durch jemanden beantwortet, indem dieser wiederum eine (Antwort-)Nachricht an das Schwarze Brett heftet. Die weitere Kommunikation findet auf einem anderen Weg (z. B. per Telefon) statt. Beim Usenet ist die Beantwortung einer Nachricht durch eine weitere Nachricht innerhalb desselben Mediums allerdings der ĂŒbliche Weg.
Ein passenderer Vergleich, von dem auch die Usenet-Sprache herrĂŒhrt, ist das Zeitungswesen:
Das Usenet unterscheidet sich jedoch darin, dass es keine Redaktion hat, die eine Vorauswahl der zu veröffentlichenden Artikel oder Leserbriefe trifft. Ausnahme sind die relativ wenigen moderierten Newsgroups, deren Moderatoren allerdings im Allgemeinen demokratisch gewĂ€hlt und an MehrheitsbeschlĂŒsse gebunden sind.
Vorteile des Usenets sind die Geschwindigkeit und die hohe Teilnehmerzahl. Innerhalb weniger Stunden können zu kontroversen Themen riesige DiskussionsbÀume (sogenannte Threads) entstehen. Durch seine vielfach redundante Verteilung auf tausende Newsserver in vielen verschiedenen Staaten ist das Usenet auch vergleichsweise unempfindlich gegen Zensur.
Der Zugang zum Usenet und den Newsgroups erfolgt ĂŒber ein auf dem Rechner installiertes Programm, einen sogenannten Newsreader. EingeschrĂ€nkter Zugang ist auch mittels E-Mail (Mail-To-News-Gateway) oder ĂŒber eine entsprechende Webseite (Web-To-News-Gateway) möglich.
Im Falle eines Newsreaders ist diesem normalerweise zuerst die Adresse des zu benutzenden Newsservers mitzuteilen. Das Programm kann von diesem dann alle dort vorhandenen Newsgroups auflisten. Der Benutzer wĂ€hlt diejenigen aus, die er lesen möchte, und der Newsreader lĂ€dt die BeitrĂ€ge dieser Newsgroups zur Anzeige herunter. Der Benutzer wĂ€hlt eine bestimmte Newsgroup aus und kann sich eine Liste der anstehenden Postings ansehen, meist wahlweise entweder chronologisch oder nach Themen (âThreadsâ) sortiert. Er wĂ€hlt daraus die ihn interessierenden Postings aus, liest sie und kann sie beantworten, um so ein neues Posting zu erzeugen. SelbstverstĂ€ndlich gibt es auch die Möglichkeit, ein Posting zu einem vollkommen neuen Thema zu erstellen.
Eine Newsgroup hat eine Ă€hnliche Funktion wie eine Mailingliste. In der Regel ist sowohl eine Newsgroup als auch eine Mailingliste einem bestimmten Thema gewidmet. Es ist nicht erforderlich, dass Leser einer Nachricht genau dann online sind, wenn sie verschickt wird. Viele Teilnehmer schreiben ihre Nachrichten offline und ĂŒbermitteln sie spĂ€ter an den Server. Weil die Benutzung von Mailinglisten und Newsgroups sehr Ă€hnlich ist, gibt es in EinzelfĂ€llen sogar Gateways, die Nachrichten in einer bestimmten Mailingliste in eine bestimmte Newsgroup kopieren (und/oder umgekehrt).
Obschon die Benutzung von Mailingliste und Newsgroup relativ Ă€hnlich ist, unterscheiden sich die beiden Systeme in technischer Hinsicht. Eine Mailingliste ist von einem bestimmten Server abhĂ€ngig, der die Benutzer verwaltet und Mails entgegennimmt und an alle Abonnenten weiterschickt. Das Usenet dagegen ist dezentral organisiert, viele Gruppen sind auf dutzenden oder gar hunderten von Servern verfĂŒgbar, was das System unempfindlich gegen den Ausfall einzelner Server macht. AuĂerdem gibt es im Usenet in der Regel keine zentrale Benutzerverwaltung, es kann also niemand kontrollieren, wer Zugang zu einer bestimmten Newsgroup hat.
Der Inhalt von Mailinglisten kann durch den Internet-Service gmane in das Usenet gespiegelt werden. Auf diese Weise können Mailinglisten parallel zu Newsgroups mit einem Newsreader genutzt werden.
Webforen bieten eine sehr Àhnliche Kommunikationsweise wie das Usenet. Allerdings unterscheiden sich die zum Zugriff erforderlichen Programme (Software):
Bei einem Webforum gibt dessen Autor oder Administrator das Aussehen der Nachrichten und die Funktionen zur Nachrichtendarstellung und -bearbeitung zentral vor, die Darstellung erfolgt im Browser. Im Usenet bestimmt hingegen der Newsreader die Anordnung und das Aussehen der einzelnen Nachrichten (Postings). Je nach eingesetztem Newsreader gibt es verschiedene Möglichkeiten, Nachrichten darzustellen und auszuwĂ€hlen, zum Beispiel können die Nachrichten zu einem Thema hierarchisch angeordnet werden, so dass man an der EinrĂŒckung sofort erkennt, welche Nachricht sich auf welche vorhergehende Nachricht bezieht (Thread-Ansicht). AuĂerdem können bestimmte Teilnehmer oder Diskussionen ausgeblendet werden.
Weitere Unterschiede zu Webforen sind:
Auch die relativ lange Existenz des Usenets macht einen wichtigen Unterschied aus: Es hat sich im Laufe der Zeit eine eigene Usenet-Kultur entwickelt mit langer Tradition, die eigene Umgangsformen und eine eigene Sprache hervorgebracht hat. Die Entwicklung einer eigenen Kultur in Webforen ist auch zu sehen, doch orientiert sich diese vor allen Dingen an jungen Netzteilnehmern, die eine eigene Sprache besitzen und ebenfalls eigene Umgangsformen pflegen. Ein Austausch unter diesen Kulturen findet nur sehr begrenzt statt. Diese unterschiedlichen Kulturen scheinen ursĂ€chlich fĂŒr manchen Konflikt zwischen Usenet- und Webforen-Liebhabern zu sein.
WĂ€hrend Zensur bei Webforen meist von zentralen AutoritĂ€ten durchgefĂŒhrt wird, ist im Usenet durch den Fremdcancel die technische Möglichkeit zur dezentralen Zensur gegeben. Die Verantwortung, die zensurbefugte Webforen-Benutzer haben, wird von Usenet-Teilnehmern jedoch nicht verlangt, da das Usenet eher den Rechtsstatus einer globalen Kommunikationsplattform als den einer lokalisierbaren WebprĂ€senz hat.
Die besondere Art der Kommunikation zwischen mehreren Menschen ĂŒber Textnachrichten fĂŒhrt zu spezifischen Problemen. Die Netiquette ist eine Sammlung von Empfehlungen zum Umgang miteinander, die sich ĂŒber die Jahre herausgebildet haben und von vielen Teilnehmern als sinnvoll erachtet werden. Einzelne Punkte der Netiquette, insbesondere die Empfehlung zur Preisgabe des wirklichen Namens sind aber durchaus umstritten.
Im Gegensatz zum Chat kann man im Usenet nicht schon nach ein paar Sekunden Antwort erwarten, denn die Nachricht muss zunĂ€chst von Server zu Server weitergereicht werden. AuĂerdem lesen viele Teilnehmer die BeitrĂ€ge offline, das heiĂt, sie laden sich die neuen BeitrĂ€ge in den von ihnen abonnierten Gruppen ein- oder mehrmals am Tag auf die lokale Festplatte herunter, schreiben ihre Antworten dann offline und senden diese gesammelt an ihren Server zurĂŒck. Dies ist unter anderem auch ein Grund, weswegen die meisten Teilnehmer gereizt auf exzessives Wiederholen desselben Inhalts reagieren. Auch das Versenden eines Artikels in mehrere Gruppen (Crossposting) sollte sparsam eingesetzt werden. UnerwĂŒnscht sind Multipostings (derselbe Artikel unter verschiedenen Message-IDs mehrfach versendet) und wiederholte Werbung (Spam).
Was in der Gruppe gepostet werden sollte, ist in den meisten Newsgroups in der jeweiligen Charta festgelegt. Dringend zu empfehlen ist ebenfalls das Lesen der FAQ einer Newsgroup, in der hĂ€ufig gestellte Fragen beantwortet werden. Wer eine hĂ€ufig gestellte Frage erneut stellt, muss oftmals mit rĂŒdem Ton in den Antworten rechnen. Es empfiehlt sich zusĂ€tzlich, erst einmal eine Reihe existierender Artikel durchzulesen, bevor man selbst etwas schreibt. Man bekommt so ein GefĂŒhl fĂŒr das Klima der Gruppe.
Die Netiquette unterscheidet sich teilweise von Hierarchie zu Hierarchie. Beispielsweise ist in einigen Hierarchien die Verwendung von Pseudonymen nicht gerne gesehen, in anderen Hierarchien wird sie von etlichen Benutzern als VerstoĂ gegen die Netiquette gesehen, in wiederum anderen Hierarchien ist sie dagegen allgemein akzeptiert. Was akzeptabel ist und was nicht, ist gelegentlich auch Gegenstand heftiger Diskussionen.
Da sich der Verlauf vieler Usenet-Diskussionen Ă€hnelt, wurden verschiedene RegelmĂ€Ăigkeiten als sogenannte Usenet-Laws formuliert. Bekanntestes Beispiel ist Godwinâs Law.
Um das Usenet ĂŒbersichtlich zu gestalten, wird es in einzelne Newsgroups unterteilt. Das sind Gruppen, in denen nur ĂŒber ein bestimmtes Thema diskutiert wird. Zum Beispiel ĂŒber Festplatten, Kinofilme oder Politik. Newsgroups sind baumartig nach Themen geordnet, was sich auch in ihren Namen widerspiegelt. Gruppen mit gemeinsamem NamensprĂ€fix gehören zur selben Hierarchie.
So existiert beispielsweise die deutschsprachige Usenet-Hierarchie de.*. Freizeitthemen werden in dieser Hierarchie unter de.rec angesiedelt (rec als Kurzform von recreation, englisch fĂŒr Erholung/Entspannung). Alle Gruppen, die Spiele als Thema haben, sind wiederum unter de.rec.spiele angeordnet. So existiert dann unter anderem die Newsgroup de.rec.spiele.brett+karten, die sich nur mit Brett- und Kartenspielen beschĂ€ftigt.
Viele Gruppen haben als letzten Namensteil misc (fĂŒr englisch miscellaneous, Verschiedenes). Diese sind als Sammelgruppen fĂŒr Themen gedacht, die keine eigene Gruppe innerhalb einer Subhierarchie haben. So werden in de.rec.spiele.misc alle Spiele behandelt, die nicht in einer der anderen Spielegruppen der Subhierarchie de.rec.spiele Thema sind.
Hierarchien haben meist eine Gemeinsamkeit, die fĂŒr alle enthaltenen Gruppen gilt (Ausnahmen sind beispielsweise alt oder free). Bei de ist das die zu verwendende Sprache Deutsch. AuĂerdem existieren Hierarchien
Manche Hierarchien sind auf vielen Servern weltweit auffindbar, andere sind eingeschrĂ€nkt auf einen bestimmten Newsserver. Man spricht auch von öffentlichen und privaten Hierarchien, wobei auch bei privaten Hierarchien oft jeder teilnehmen kann, nur die Weiterverbreitung der Artikel auf andere Server ist eingeschrĂ€nkt oder gĂ€nzlich unerwĂŒnscht. Grund fĂŒr die BeschrĂ€nkung sind u. a. die Vermeidung von Spam oder der Wunsch, nicht in Archiven wie Google Groups aufgenommen zu werden.
FĂŒr AnfĂ€nger (Newbies) empfehlenswert sind die Gruppen der Subhierarchie de.newusers, in denen regelmĂ€Ăig aktuelle FAQ gepostet werden und erfahrene Benutzer Fragen beantworten.
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Das Usenet wurde von Tom Truscott, Steve Bellovin und Jim Ellis 1979 in den Vereinigten Staaten als Verbindung zweier Unix-Rechner an der University of North Carolina und der Duke University aus der Taufe gehoben. Die Idee dahinter war, eine freie Alternative zum Arpanet, dem VorlĂ€ufer des heutigen Internets, zu schaffen. Der Datenaustausch erfolgte ĂŒber herkömmliche Telefonleitungen mit dem Unix-Protokoll UUCP (Unix to Unix Copy).
Schon bald wurden weitere Rechner in das Netz integriert, wegen des verwendeten UUCP-Protokolls war das Netz jedoch auf UNIX-Rechner beschrĂ€nkt. Ăber UUCP bestand die Möglichkeit, zum einen persönliche Nachrichten auszutauschen (E-Mail), zum anderen in öffentlichen Foren teilzunehmen.
Um einen besseren Ăberblick ĂŒber die verfĂŒgbaren Newsgroups zu haben, wurden diese hierarchisch nach sieben Hauptthemen unterteilt, (die sogenannten Major Seven oder Big Seven). Diese waren (und sind):
| comp | Themen rund um den Computer |
| sci | Wissenschaft und Technik (science) |
| soc | Gesellschaftlichen Themen (social) |
| talk | Allgemeine GesprĂ€che ĂŒber Dies und Das |
| rec | Alle Themen rund um Freizeit und Erholung, zum Teil auch Kunst und Kultur (recreational) |
| news | In dieser Hierarchie ist das Usenet selbst GesprÀchsthema |
| misc | Alles, was nicht in einer der oben genannten Newsgroups Thema ist (miscellaneous) |
Zusammen mit der 1995 geschaffenen humanities-Hierarchie bilden diese Hierarchien die Big Eight bzw. Big-8.
Aufgrund der technischen Struktur des Usenet blieben dies lange Zeit die einzigen Hierarchien. Das Netz war bis zu dem Zeitpunkt zwar auf einige tausend Rechner angewachsen, der Datenverkehr lief jedoch groĂteils ĂŒber wenige zentrale Rechner, deren Administratoren, die sogenannte Backbone Cabal, ziemlich viel Macht bei der Einrichtung neuer Gruppen hatten.
Dies Ă€nderte sich etwa Mitte der 1980er-Jahre mit Veröffentlichung des Protokolls NNTP (Network News Transport Protocol). NNTP wurde fĂŒr den Betrieb ĂŒber TCP/IP-Leitungen entwickelt. Damit konnte der Datenaustausch erfolgreich ĂŒber das Internet abgewickelt und das Usenet so dezentralisiert werden, denn ĂŒber das Internet ist prinzipiell jeder Newsserver von jedem Ort aus ansprechbar. Mehr noch: Jeder Administrator kann ĂŒber seinen eigenen Newsserver eigene Gruppen einrichten und diese anderen Servern zur VerfĂŒgung stellen. So entstanden weitere Hierarchien.
Mit der zunehmenden Verbreitung des Usenet auĂerhalb der Vereinigten Staaten entstand auch der Bedarf an Newsgroups in anderen Sprachen. So entstand im Januar 1992 die deutschsprachige Usenet-Hierarchie de.* aus der Verschmelzung der deutschsprachigen Hierarchien dnet.* und sub.*. Andere Regionen richteten ebenfalls eigene Hierarchien ein. Aber auch Computerfirmen hatten lĂ€ngst die Möglichkeiten des Usenet als Support- und Informationsmedium entdeckt und bauten eigene Newsserver mit eigenen Hierarchien auf, die zum Teil von anderen Servern gefĂŒhrt werden.
Nennenswerte andere Hierarchien:
| alt | Die alt.*-Hierarchie ist der etwas anarchische Teil des Usenet.
Die Einrichtung neuer Gruppen kann hier relativ formlos erfolgen, dementsprechend viele (aber qualitativ sehr unterschiedliche) Newsgroups gibt es hier. |
| alt.binaries | Dieser Unterhierarchie gebĂŒhrt nochmals gesonderte Beachtung, da in hier angesiedelten Gruppen auch Postings mit DateianhĂ€ngen (BinĂ€rdateien) erlaubt sind.
Aufgrund des groĂen Datenvolumens und teilweise illegaler oder pornographischer Inhalte werden diese Gruppen fast ausschlieĂlich von kommerziellen Newsservern gefĂŒhrt. |
| de | Der deutschsprachige Zweig des Usenet |
| de.answers | Hier werden regelmĂ€Ăig FAQ verschiedener Newsgroups gepostet. |
| de.comp | Computerbezogene Themen |
| de.sci | Wissenschaftliche und technische Gruppen |
Heutzutage kann niemand sagen, wie viele Newsserver und Newsgroups es weltweit gibt. SchÀtzungen gehen von Zahlen zwischen 50.000 und 100.000 Newsgroups aus, sowie von rund 6500 Newsservern.
Die Teilnehmer- und Postingzahlen sind seit Mitte 2001 â vor allem im deutschsprachigen Teil des Usenets â rĂŒcklĂ€ufig.[1] Als Ursache wird vor allem die mangelnde FlexibilitĂ€t nebst ĂŒbermĂ€Ăiger BĂŒrokratie bei der Gestaltung angegeben.[2] Der Versuch, ein alternatives Usenet unter dem Namen Usenet II zu etablieren, scheiterte.
Die nachlassende Bedeutung des Usenet gegenĂŒber anderen KanĂ€len zeigt sich auch darin, dass Microsoft fĂŒr den Anwender-Support keine Newsgroups mehr einsetzen will und seinen Newsserver seit dem Herbst 2010 durch Webforen ersetzt hat.[3] Die diesbezĂŒgliche Hierarchie wird vorlĂ€ufig und informell von manchen Usenet-Providern fortgefĂŒhrt. AuĂerdem wurden im deutschsprachigen Usenet einige Gruppen neu eingerichtet, um den umzugswilligen Benutzern aus der durch die Abschaltung weggefallenen Hierarchie weiterhin Raum fĂŒr Diskussionen zu bieten.
Nachdem die Duke University ihren Dienst bereits im Mai 2010 eingestellt hatte, hat die Deutsche Telekom ihren Newsserver news.t-online.de zum 1. April 2011 abgeschaltet.[4][5] Zahlreiche ehemalige Benutzer des Telekom-Newsservers wechselten daraufhin zu freien Newsservern, die in eigener Initiative einen Zugriff auf das textbasierte Usenet anbieten.
Auf den meisten Newsservern werden Artikel ab einem gewissen Alter gelöscht. Da Ă€ltere Artikel trotzdem von Interesse sein können, gab es stets BemĂŒhungen, sie zu archivieren.
Von 1995 bis 2001 stellte Deja News eine Vielzahl von Artikeln auf einer Website zur VerfĂŒgung. Die DatenbestĂ€nde von Deja News wurden von Google aufgekauft und unter dem Namen Google Groups als weitere Suchdienstleistung angeboten.[6] Google hat dieses Archiv stets auch aus anderen Quellen erweitert, so dass im Google-Archiv auch aus frĂŒheren Jahren Artikel zu finden sind. LĂŒcken im Bestand von Google Groups ergeben sich, wenn Postings mit dem Header âX-No-Archive:Yesâ versehen waren oder wenn sie nachtrĂ€glich vom Absender aus dem Archiv gelöscht worden sind. Beim unmittelbaren Zugriff auf einen Newsserver können diese BeitrĂ€ge noch abrufbar sein, wenn sie auf dem Server noch vorgehalten werden.
Newsserver transportieren die Nachrichten. Das ursprĂŒnglich zur Ăbertragung verwendete Protokoll war UUCP, es wurde jedoch spĂ€ter, bis auf wohl eher seltene Ausnahmen, durch NNTP abgelöst. Solche Verbindungen liefen zumindest in den Anfangszeiten nicht unbedingt ĂŒber das Internet, so dass zumindest in Teilen eine Struktur genau wie bei den Mailboxnetzen vorlag.
Die Verbreitung und der Zugriff auf das Usenet erfolgen dagegen heute weitgehend ĂŒber das Internet, da dies aber nicht zwangslĂ€ufig der Fall sein muss, wird auch heute noch von einigen Nutzern argumentiert, dass das Usenet â streng genommen â eigentlich kein Teil des Internets sei, beziehungsweise es eben zumindest nicht sein muss.
Das Datenformat fĂŒr Artikel ist in RFC 5536 beschrieben. Einfach beschrieben entspricht ein einzelnes Posting genau der Struktur einer einzelnen E-Mail. Es weist wie diese diverse Header-Zeilen auf, die fĂŒr das Usenet lediglich um einige spezielle Zeilentypen erweitert wurden, vor allem die âNewsgroups:â-Zeile mit der Angabe, in welcher Newsgroup oder welchen Newsgroups dieses Posting erscheinen soll.
Das Usenet wurde entwickelt, um Texte zu verteilen, die im 7-Bit-ASCII-Zeichensatz erstellt wurden. Mit der Hilfe von Programmen, welche 8-Bit-Dateien als ASCII-Zeichenketten kodieren können, wurde es auch möglich, binĂ€re Dateien zu ĂŒbertragen. Aufgrund ihrer GröĂe wurde diese Form der Veröffentlichung auf bestimmte Teilbereiche des Usenet eingeschrĂ€nkt. Das machte es Administratoren leichter, die Behandlung der Artikel zu differenzieren.
Die Ă€lteste Form der Kodierung ist UUencode aus dem Unix-UUCP-Softwarepaket. Ende der 1980er-Jahre gab es auf vielen Servern einen Grenzwert von 60.000 Zeichen. Heutzutage existiert ein solcher immer noch, wenn auch meist höher. Aus diesem Grund werden die Daten einer Datei typischerweise in verschiedene Artikel aufgeteilt und mĂŒssen vom Newsreader zusammengefĂŒgt werden.
Mit Header-Erweiterungen (Base64 und âQuoted-Printableâ, MIME) kam eine neue Generation des Transportes binĂ€rer Inhalte auf, die aber im Usenet wenig Verwendung findet. Einige Betriebssysteme, die Dateien zugeordnete Hilfsinformationen benutzen, brauchen spezielle Formate. Das klassische Mac OS (vor MacOS X) benutzte zum Beispiel Binhex oder speziell adaptierte MIME-Header.
Um die KapazitĂ€ten des Usenet besser zu nutzen und die Geschwindigkeit beim Herunterladen zu erhöhen, wurde 2001 das Kodierungsverfahren yEnc entworfen. Es erreicht eine Verringerung der GröĂe um rund 30 Prozent, indem es annimmt, dass alle Zeichen auĂer Null, Tab, LF und CR ĂŒbertragen werden. Kritiker bemĂ€ngeln die fehlende KompatibilitĂ€t von yEnc mit existierenden Standards.
Usenet-Replayer macht einen Teil des binÀren Usenet in einem durchsuchbaren Archiv frei zugÀnglich.
Diese Unterhierarchie (im Slang als âbinary news groupâ bezeichnet) des Usenets enthĂ€lt Texte mit DateianhĂ€ngen, dies sind meistens Audio-, Video- oder Bilddateien.
BinĂ€re Formate sind dadurch gekennzeichnet, dass der Text-Rumpf (engl. âbodyâ) durch ein eingebettetes (engl. âencapsulatedâ) Format erweitert wurde.
In den meisten FĂ€llen wird eine Sammlung von RAR-Dateien (Kompressionsdatenformat) veröffentlicht, zusammen mit âPAR1â- oder âPAR2â-Dateien. Letztere werden dazu verwendet, Ăbertragungsfehler in den RAR-Dateien zu reparieren.
Der Zugriff auf diese speziellen Newsgroups ist meist nur ĂŒber kommerzielle Newsserver möglich, der Preis hĂ€ngt vom Transfervolumen des Nutzers ab. Bei einigen Anbietern sind auch Pauschaltarife (âflatrateâ) möglich. Das Herunterladen der Daten (engl. âdownloadâ) erfolgt ausschlieĂlich von den Servern der Anbieter, somit ist meistens eine volle Auslastung der eigenen Internet-Bandbreite möglich.
Innerhalb dieser Diskussionsforen ist es auch möglich, AnhĂ€nge mit urheberrechtlich geschĂŒtzten Inhalten wie Filme, Musik und Software zu versenden. Durch kommerzielle Newsserver wird das Auffinden von Dateien, die in den Binary-Newsgroups gesendet werden, erheblich erleichtert. Insofern ist im Laufe der letzten Jahre eine Ă€hnliche rechtliche Problematik wie bei Filesharing-Tauschbörsen entstanden. Kommerzielle Usenet-Anbieter wie Firstload oder Usenext werben mit der Möglichkeit des Downloads dieser riesigen DatenbestĂ€nde.[7]
Die Betreiber von Usenet-Providern bringen hĂ€ufig vor, dass sie als reine Zugangsanbieter keine Verantwortung fĂŒr die in den Newsgruppen diskutierten Inhalte und DateianhĂ€nge haben. SchlieĂlich handele es sich um ein weltweites elektronisches Netzwerk, das den Rechtsstatus eines Kommunikationssystems habe.
Die Verwertungsgesellschaft GEMA ging in der Vergangenheit bereits gegen einige Usenet-Zugangsanbieter vor, konkret etwa gegen UseNeXT der Aviteo Ltd. aus MĂŒnchen.[8] Die Usenet-Provider in Deutschland sind per Rechtsprechung angehalten, bei Kenntnis von rechtswidrigen Inhalten diese zu sperren. Allerdings bestehe keine umfassende Kontrollpflicht seitens der Usenet-Provider, da dies den zumutbaren Aufwand aufgrund der dezentralen Struktur des Usenets ĂŒbersteige. Am 28. September 2011 untersagte ein Gericht in Amsterdam auf Antrag der niederlĂ€ndischen Antipiraterie-Organisation BREIN dem Anbieter News Service â einem der gröĂten Usenet-Provider weltweit â die Verbreitung urheberrechtlich geschĂŒtzter Inhalte, was zur Einstellung des Dienstes fĂŒhrte. Das niederlĂ€ndische Unternehmen legte darauf Berufung ein, bis zur endgĂŒltigen Entscheidung bleibt der Anbieter jedoch vom Netz.[9]