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Der Fachausdruck Valenz (Wertigkeit) bedeutet in der Sprachwissenschaft (Linguistik) die Eigenschaft eines Wortes, andere Wörter „an sich zu binden“[1], Ergänzungen zu „fordern“[2] bzw. „Leerstellen zu eröffnen und die Besetzung dieser Leerstellen zu regeln“[3].
Im Vordergrund der Valenztheorie steht das Verb (Verbvalenz). Eine Valenz haben aber nicht nur Verben, sondern auch andere Wortarten wie Substantive (Substantivvalenz), Adjektive (Adjektivvalenz) und Präpositionen. [4]
Inhaltsverzeichnis |
Der Ausdruck Valenz ist ein aus der Chemie entlehnter Terminus (Valenz). Die Einführung in die Sprachwissenschaft wird üblicherweise Tesnière zugeschrieben. [5][6]
Als Synonyme werden (zum Teil) verwendet:
Das Wort, das die Eigenschaft der Valenz hat (Valenzträger), wird auch Regens genannt. Die von ihm abhängigen sprachlichen Elemente Dependentien.[10]
Der sprachliche Ausdruck, der den Valenzträger ergänzt, ihn sättigt, von ihm regiert und bestimmt wird, wird auch Ergänzung (oder Komplement) genannt, die von der bloßen zusätzlichen Angabe unterschieden wird.
Man unterscheidet quantitative und qualitative Valenz und meint damit zum einen die Anzahl der geforderten/ermöglichten Leerstellen und zum anderen die Art der Ergänzung.
Die Anzahl der Stellen ist Teil der semantischen Bedeutung eines Wortes. Die Art der Leerstellenbesetzung gehört zur syntaktischen Charakterisierung eines Wortes.[11] Die Argumente und die Kategorien, die diese Argumente syntaktisch realisieren, sind im Lexikoneintrag zu erfassen und können z.B. in einem Rektionsmodell dargestellt werden. Beides charakterisiert ein Wort und wird dessen Argumentstruktur[12] oder Valenzrahmen[13] genannt.
Das regierende Wort bestimmt in der Regel nicht nur die Anzahl und die Art der Ergänzung, sondern auch die ihrer grammatischen Eigenschaften (Rektion). [14]
Im Vordergrund der Valenztheorie steht die Valenz des Verbs. Die Verbvalenz wird zum Ausgangspunkt der Dependenzgrammatik gemacht. So genannte Valenzwörterbücher listen Verben mit ihrer jeweiligen Valenz auf.
Von der semantischen Bedeutung eines Verbs hängt seine Valenz ab (bzw. umgekehrt). Zugleich hängt von der Valenz des Verbs entscheidend die Syntax des Satzes ab.[15] Vergleicht man die Anzahl und Art der Wertigkeit aller Verben, ergibt sich eine begrenzte Anzahl an Satzbauplänen. Neben der syntaktischen Valenz eines Verbs wird auch von der semantischen Valenz eines Verbs gesprochen, zusammenfassend auch von syntaktisch-semantische[r] Valenz[16]
Mit semantischer Valenz wird auch die semantische Verträglichkeit von Wörtern im Kontext bezeichnet (auch: Kompatibilität).[17] (Beispiel eines bewussten Verstoßes dagegen:[17] *Katzen würden Whiskas kaufen.)
Valenzträger muss nicht immer ein Verb allein sein. Auch zusammengesetzte Prädikate können Valenzträger sein (Beispiel: Der neue Trainer bringt die Nationalmannschaft für die WM auf Trab. Valenzträger = .. bringt ... auf Trab).[17]. Modal-, Modalitäts- und Hilfsverben können hingegen keine Valenzträger sein. (Beispiel: Kahn muss zu Hause bleiben. Prädikat = muss bleiben. Valenzträger = bleiben ⇒ Kahn bleibt zu Hause.).[17]
Unter dem Gesichtspunkt ihrer Valenz werden Verben unterschiedlich eingeteilt:
Nach der Anzahl der Leerstellen eines Verbs unterscheidet man
Je nach Zusammenhang und Bedeutung des Verbs kann seine Stelligkeit verschieden sein.
Es wird unterschieden zwischen Verben mit notwendiger und mit freier Ergänzung. Diese Unterscheidung wird für das Deutsche jedoch als problematisch angesehen.[18] Teilweise wird eine strenge Zweiteilung durch die Dreiteilung in (1) obligatorische Ergänzungen, (2) kontextuell fakultative Ergänzungen und (3) fakultative Ergänzungen vermieden.[19]
Siehe auch das obige Beispiel Ernst schreibt (seiner Mutter (einen Brief (über seine Geldnot))).
Obligatorische Ergänzungen sind notwendig, damit ein Satz grammatisch ist, optionale Ergänzungen können weggelassen werden, gelten aber trotzdem als spezifische Konstruktion des Verbs. Bei den optionalen Ergänzungen unterscheidet man noch 2 Arten: kontextabhängige, die man weglassen kann, weil der Kontext klar ist, oder unbegrenzte Ergänzungen, wie z.B. „sie raucht (eine Zigarette)“. Es gibt aber auch Angaben, wie Zeitangaben, Ortsangaben usw., die völlig frei kombinierbar sind und nicht von dem Verb abhängen müssen.
Im "Metzler Lexikon Sprache" wird vorgeschlagen, statt dessen zwischen einer potentiellen und einer realisierten Valenz zu unterscheiden. [20] Die potentielle Valenz gibt dann an, wie viele Ergänzungen von einem Verb abhängen können; dieser steht die konkret realisierte Valenz gegenüber.
Aktionsart | Aspekt | Diathese | Konjugation | Modus | Numerus | Person | Rektion | Tempus | Valenz