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Mit Validität (lat. validus ,kräftig‘, ,wirksam‘; engl. validity ,Gültigkeit‘) wird in erster Linie das argumentative Gewicht einer (vornehmlich wissenschaftlichen) Aussage, Untersuchung oder Theorie bezeichnet.
Wird Wissenschaft als System zur Erzeugung und Verfeinerung von Annahmen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge verstanden, bezeichnet Validität die Gültigkeit bzw. Belastbarkeit dieser Annahmen. Im Gegensatz zur grundsätzlichen Falsifizierbarkeit (Widerlegbarkeit) und Verifizierbarkeit (Belegbarkeit) einer wissenschaftlichen Aussage ist Validität ein (abgestuftes) Gütekriterium für die Belastbarkeit einer bestimmten Aussage. Im Rahmen empirischer Untersuchungen bezieht sich Validität aber auch auf die Güte der Operationalisierung der in den Kausalmodellen beschriebenen einzelnen Faktoren, den Konstrukten.
Validität ist also einerseits die Belastbarkeit der Operationalisierung („Inwieweit misst das Testinstrument das, was es messen soll?“), andererseits die Belastbarkeit der auf den Messungen beruhenden Aussagen oder Schlussfolgerungen („Inwieweit trifft es zu, dass X Y beeinflusst?“).
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Bei guten Messinstrumenten sind die Messwerte unabhängig vom Messenden; dieses Gütekriterium heißt Objektivität oder Beobachterübereinstimmung. Auch liefern gute Messinstrumente zuverlässig von denselben Objekten dieselben Messwerte; dieses Kriterium heißt Reliabilität oder Reproduzierbarkeit. Das dritte Gütekriterium, die Validität, ist ein Maß dafür, ob die bei der Messung erzeugten Daten wie beabsichtigt die zu messende Größe repräsentieren. Nur dann können die Daten sinnvoll interpretiert werden. Die Validität wird durch Experten-Schätzung festgelegt. Die Gütekriterien bauen aufeinander auf; ohne Objektivität keine Reliabilität, ohne Reliabilität keine Validität.
Psychologische Tests können als Messinstrumente betrachtet werden; daher sind Objektivität, Reliabilität und Validität auch die wichtigsten Gütekriterien psychodiagnostischer Verfahren. In ihren Technical recommendations for psychological tests and diagnostic techniques (1954) schlug die American Psychological Association vier Arten der Validität vor, diese sind Inhaltsvalidität, Konstruktvalidität und prognostische und diagnostische Kriteriumsvalidität, von denen „historisch und praktisch gesehen […] die kriteriumsbezogene Validität der bedeutsamste Aspekt“[1] ist. „Die Übereinkunft durch ein Rating ist wie alle Übereinkünfte nicht etwas Abgeschlossenes, sondern kann einem ständigen Wandel unterworfen sein. […] Es bleibt dabei jedem Testinterpreten überlassen, dieses Kriterium anzuerkennen oder zu verwerfen bzw. nach einem besseren zu suchen.“[2]
Als Standardbeispiel wird oft der Intelligenztest herangezogen. Betrachtet man die drei Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität, so sei für dieses Beispiel angenommen, dass die ersten beiden Gütekriterien gut erfüllt seien: Der Intelligenztest ist so konstruiert, dass sein Ergebnis (fast) unabhängig vom Testleiter ist (Objektivität) und das Testergebnis sich auch wiederholen lässt (Reliabilität). Die Validität, also die Gültigkeit, des Testverfahrens wird aber oft bezweifelt, wenn kritisiert wird, dass der Intelligenztest keine (genaue) Aussage über die wahre Intelligenz (das heißt das Konstrukt „Intelligenz“) mache und sich Intelligenz also gar nicht auf diese Weise messen lasse (siehe auch Kritik am Intelligenzbegriff).
Inhaltsvalidität (engl. content validity) wird angenommen, wenn ein Verfahren zur Messung eines bestimmten Konstrukts oder Merkmals die bestmögliche Operationalisierung dieses Konstrukts ist. Das ist zum Beispiel bei Interessen- und Kenntnistests der Fall: Eine Klassenarbeit oder Führerscheinprüfung repräsentieren direkt die zu messenden Fähigkeiten. Daher spricht man auch von logischer oder trivialer Validität. Ob Inhaltsvalidität gegeben ist oder nicht, entscheiden Experten per Rating.
Unter dem Begriff ,Konstrukt‘ werden theoretische Eigenschaftsdimensionen (latente Variablen) verstanden. Konstruktvalidität bezieht sich auf die Zulässigkeit von Aussagen aufgrund der Operationalisierung über das gesamte dahinter liegende Konstrukt. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn der Bedeutungsumfang des Konstruktes vollständig, präzise und nachvollziehbar abgebildet ist. Als empirische Indikatoren der Konstruktvalidität gelten die konvergente und diskriminante (oder auch: divergente) Validität:
Sowohl konvergente als auch diskriminante Validität müssen gegeben sein, um einen vollständigen Nachweis der Konstruktvalidität zu gewährleisten. Das empirische Vorgehen bei der konvergenten und diskriminanten Validität sind Spezialfälle der Kriteriumsvalidität.
Bei der Multitrait-Multimethod-Analyse werden die konvergente Validität und die diskriminante Validität anhand einer einzigen Stichprobe miteinander verglichen. Dabei wird verkürzt gesagt erwartet, dass die konvergente Validität größer ist als die diskriminante Validität.
Faktoren für eine verminderte Konstruktvalidität können sein:[3]
Kriteriumsvalidität bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen den Ergebnissen des Messinstruments und einem empirischen Kriterium (Schnell, Hill & Esser, 2005, S. 155). Zum Beispiel: Ein Forscher untersucht den Zusammenhang seines neuen Intelligenztests mit den Schulnoten der Probanden, um die Gültigkeit seines Tests zu prüfen. Von „innerer (Kriteriums)validität“ wird dabei dann gesprochen, wenn als Kriterium ein anderer, als valide anerkannter Test herangezogen wird. Sofern als Kriterium ein objektives Maß (zum Beispiel psychophysiologische Maße oder ökonomische Größen) oder ein Expertenrating herangezogen wird, wird von äußerer (Kriteriums)validität gesprochen. Auch lässt sich unterscheiden nach dem Zeitpunkt, zu dem Übereinstimmung mit dem Kriterium vorliegen soll:
Aufbauend auf den auf einzelne Konstrukte bezogenen Operationalisierungen ziehen in den meisten empirischen Studien Forscher erst in der statistischen Auswertung und danach im Hinblick auf ihre Kausalhypothesen Schlussfolgerungen über Ursache-Wirkungszusammenhänge. Die Begriffe der statistischen, internen und externen Validität beziehen sich auf das Zustandekommen, die Gültigkeit und Übertragbarkeit dieser (induktiven) Schlüsse. Der Validitätsgrad dieser Schlüsse lässt sich jeweils nur diskutieren und abschätzen, niemals beweisen, und es ist darum – wie gehabt – sinnvoller, eher vom ,Validitätsgrad‘ zu sprechen als vom Vorhandensein (oder Nicht-Vorhandensein) dieser Validitätsformen.
Für Aussagen oder in empirischen Studien gezogene Schlussfolgerungen (in der Regel über Ursache-Wirkungs-Verhältnisse) wird ein hoher Grad an statistischer Validität angenommen, wenn die Reliabilität und Teststärke der Messinstrumente und gewählten statistischen Verfahren hoch ist und allgemein die Fehlervarianz begrenzt wurde, die mathematischen Annahmen der statistischen Methoden nicht verletzt wurden und nicht einzelne Signifikanzen (zum Beispiel aus einer Korrelationsmatrix) „herausgefischt“ wurden (Fishing).
Für Aussagen oder in empirischen Studien gezogene Schlussfolgerungen wird ein hoher Grad an interner Validität angenommen, wenn Alternativerklärungen für das Vorliegen oder die Höhe der gefundenen Effekte weitestgehend ausgeschlossen werden können. Interne Validität (oder Ceteris paribus-Validität) liegt vor, wenn die Veränderung der abhängigen Variable eindeutig auf die Variation der unabhängigen Variable zurückgeführt werden kann (keine Alternativerklärung). Um dies zu gewährleisten, müssen Störvariablen kontrolliert bzw. durch verschiedene Methoden wie Elimination, Konstanthaltung und Parallelisierung ausgeschaltet werden. Damit die Effekte nicht auf Merkmale der Probanden zurückgeführt werden können, müssen diese zufällig den Versuchsbedingungen zugeteilt werden.
Die interne Validität wird gefährdet durch:[3]
Die externe Validität – auch Allgemeingültigkeit, Verallgemeinerungsfähigkeit oder ökologische Validität (vgl. Ökologischer Fehlschluss) – bezeichnet die Übereinstimmung von tatsächlichem und intendiertem Untersuchungsgegenstand. Grundidee ist hier die Frage nach der Generalisierbarkeit (Induktion). Nach der klassischen Sicht haben Aussagen oder in empirischen Studien gezogene Schlussfolgerungen einen hohen Grad an externer Validität, wenn sich die Resultate (a) auf die Grundgesamtheit verallgemeinern lassen, für die die Studie konzipiert wurde und (b) über das konkrete Setting der Studie hinaus auf andere Designs, Instrumente, Orte, Zeiten und Situationen übertragen lassen, also allgemeingültig, verallgemeinerungsfähig sind. Die häufigste Gefährdung der personenbezogenen externen Qualität (a) liegt in praktischen Problemen bei der Rekrutierung der Informationsträger, also der Personen, die befragt werden, oder der für ein Experiment benötigten Versuchspersonen. Ist ihre Teilnahme erzwungen oder freiwillig? Wie haben sie von der Teilnahmemöglichkeit erfahren (durch Zeitungsanzeige, Aushang usw.)? Was motiviert sie zur Teilnahme (interessiert sie das Thema, brauchen sie das Geld usw.)? Dies sind Filter, die die Qualität der Stichprobe einschränken können. Die häufigste Gefährdung der situationsbezogenen externen Qualität (b) liegt in der Künstlichkeit von Laborexperimenten.[4]
Die externe Validität erhöht sich mit jeder erfolgreichen Replikation der Befunde, denn durch die Wiederholung mit anderen Probanden (Altersgruppe, Geschlecht, Kultur usw.) oder Variationen der Versuchsbedingungen werden die Einschränkungen für die Gültigkeit der Befunde geringer. Beispiel: Solange Pawlow nur gezeigt hatte, dass Hunden beim Erklingen einer Glocke das Wasser im Munde zusammenläuft, wenn die Glocke zuvor oft genug gleichzeitig mit der Gabe von Futter erklang, hat er eben nur das gezeigt. Vom Phänomen der klassischen Konditionierung kann man erst sprechen, wenn viele Arten von Subjekten viele Arten von bedingten Reaktionen auf viele Arten von bedingten Reizen zeigen. Für die statistische Auswertung von Replikationsstudien steht die Methode der Metaanalyse zur Verfügung.
Aus dieser klassischen Sicht stehen interne und externe Validität im Widerstreit: Ein hohes Maß an interner Validität erreicht man am besten durch hochkontrollierte und deshalb recht künstliche (Labor-)Bedingungen. Besonders realitätsnahe Forschungsdesigns bergen hingegen die Gefahr unkontrollierbarer oder übersehener Störeinflüsse. Aus einer deduktivistischen Perspektive ist dies jedoch nur ein scheinbarer Widerspruch. Da beide Kriterien aus einer induktivistischen Forschungslogik heraus entwickelt wurden, steht die Generalisierung empirischer Befunde (bspw. aus einem Experiment) im Vordergrund. Hier ist die Frage nach der der Replizierbarkeit der Ergebnisse unter verschiedenen Bedingungen mit verschiedenen Stichproben eine sinnvolle Frage. Eine deduktivistische Forschungslogik verfolgt jedoch ein anderes Ziel. Hier wird versucht eine (allgemeingültige) Theorie anhand einer speziellen Vorhersage zu falsifizieren, nicht, wie in einer empiristischen Forschungslogik, eine Theorie durch genügend Beobachtungen zu verifizieren. Widerspricht nach dieser Logik die Beobachtung der Theorie, gilt diese als falsifiziert. Hierbei ist es irrelevant, ob die Ergebnisse in irgendeiner Weise „repräsentativ“ sind. Bestätigt sich die Vorhersage einer Theorie in einem Experiment, gilt die Theorie als bewährt, muss aber weiteren Prüfungen unterzogen werden. Einwände, die die Gültigkeit der Ergebnisse des Experiments in Frage stellen, sind Einwände gegen die interne Validität des Experiments.
Das Forschungsdesign hat einen großen Einfluss auf die Zulässigkeit und Gültigkeit der Kausalschlüsse, darum werden die Validitäten bei experimentellen und quasi-experimentellen Forschungsdesigns immer kritisch hinterfragt.
Der Begriff „Validität“ bezieht sich in der biologische Nomenklatur auf die formale Gültigkeit eines Taxons (eine systematische Einheit von Lebewesen). Die Gültigkeit ist gegeben, wenn die Erstbeschreibung des Taxons den entsprechenden formalen Ansprüchen genügt (in der Botanik als „gültige Publikation“ bezeichnet). In diesem Fall gilt auch der für das Taxon gewählte Name als „valide“ (gültig). Ist der vergebene Name des Taxons aufgrund formaler Mängel nicht valide, handelt es sich bei diesem Namen um ein Nomen nudum.
Neben den Einzelnachweisen bieten folgende Werke weiterführende Informationen: