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Veit Ulrich von Beulwitz

Veit-Ulrich Hans Hermann Ludwig von Beulwitz (* 17. Juli 1899 in Stolzenberg; † 1. Juli 1934 in Berlin-Lichterfelde)[1] war ein deutscher Politiker (NSDAP) und ranghoher SA-Führer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Weimarer Republik (1899 bis 1933)

Veit Ulrich entstammte dem alten osterländischen Uradelsgeschlecht von Beulwitz und war der Sohn des herzoglich anhaltischen Kammerherrn und Forstmeisters Roderich von Beulwitz (1862–1939), Gutsherr auf Löhma und Eichicht, und der Louise von Obernitz (1874–1969). Nach dem Abitur trat er als Freiwilliger in die 4. Garde-Feld-Pionier-Kompanie der Preußischen Armee ein und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Später wurde er zur 5. Garde-Division versetzt und kämpfte als Leutnant von 1917 bis 1918 an der Westfront. 1918 besuchte er einen Infanteriekurs in Döberitz, außerdem wurde er an der Pionierschule Andenne/Belgien fortgebildet. Im Krieg wurde Beulwitz mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse und dem Schwarzburger Ehrenkreuz ausgezeichnet.

Nach dem Ende des Krieges gehörte Beulwitz ab 1919 dem Grenzschutz Ost und ab 1920 dem Brandenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 3 in Lübben an. Für seinen Einsatz wurde er mit dem Schlesischen Adler beider Klassen ausgezeichnet. Der republikanischen Reichswehr gehörte er von März bis zu seinem Abschied am 15. Mai 1920 an. 1921 trat Beulwitz dem Freikorps Oberland und 1922 der Reichsflagge bei. Zu dieser Zeit studierte er außerdem fünf Semester Maschinenbau an der TH München.

1922 trat Beulwitz eigenen Angaben in seinen SA-Unterlagen zufolge auf Veranlassung von Ernst Röhm und Hermann Kriebel erstmals in die SA ein. In einem SA-Führer-Fragebogen schreibt er wiederum, dass er 1923 von der Brigade Ehrhardt zur Ausbildung der SA abkommandiert worden sei. 1923 wurde er jedenfalls als Ordonnanzführer im Bereich Organisation, Gerätebeschaffung und -bergung eingesetzt. Während dieser Zeit will er an der Ausbildung der SA für den Deutschen Tag am 1. Mai 1923 und für den Hitlerputsch am 9. November 1923 beteiligt gewesen sein. Außerdem gab er an, Teilnehmer beider Aktionen gewesen zu sein.

Nach dem Scheitern des Putsches wurde Beulwitz Werkstudent, später Kriegsberichterstatter im In- und Ausland. 1929 wurde er im Rahmen eines Femeprozesses zu einer Haftstrafe verurteilt, kam aber nach einer Amnestie vorzeitig in Freiheit. Anschließend war er bis 1933 „ohne festen Erwerb und Brot“. Aus diesem Grund will er auch nicht Mitglied der NSDAP oder der SA geworden sein.

In dieser Zeit heiratete Beulwitz am 13. Mai 1929 in Rudolstadt Gertraudt Ortloff (* 25. Juli 1906 in Stadtilm; † nach 1966), die Tochter des Oberamtsrichters Wilhelm Ortloff und der Elisabeth Peters. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Dietrich Wilhelm Ulrich (* 30. April 1933 in Charlottenburg). Seine verwitwete Ehefrau heiratete in zweiter Ehe 1936 den Dipl.-Ing. Heinrich Walchenbach, der 1947 im Speziallager Nr. 2 Buchenwald in sowjetischer Gefangenschaft starb, und in dritter Ehe 1957 den Zahnarzt Stephan Sprissler.[2]

In den Jahren 1930 bis 1933 war Beulwitz Führer von Wehrlagern der Studentenschaft. Daneben trat er im Rahmen von Vortragsreisen an „sämtlichen Hochschulen im Reich“ auf. Ferner war er Leiter von Arbeitsgemeinschaften sowie tätig im Bereich geistige Schulung. Hinzu kamen schriftstellerische Versuche.

NS-Zeit und Tod (1933 bis 1934)

Wenige Monate nach der nationalsozialistischen Machtergreifung erhielt Beulwitz eine Anstellung als Wehrsportlehrer. Seit April 1933 war er Wehrsportlehrer an den Berliner Hochschulen. Am 7. Juni 1933 trat er offiziell in die NSDAP und in die Sturmabteilung (SA) ein. In dieser wurde er am 6. November 1933 zum Truppführer und am 3. Februar 1934 zum Obertruppführer befördert. Auf Befehl der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg nahm er am Reichskuratoriumskurs 1933 in Döberitz teil. Formell gehörte er dem Sturm 12 des II. Sturmbanns der 14. Standarte der SA-Obergruppe Berlin-Brandenburg an.

Am 23. November 1933 wurde Beulwitz als Geländesportlehrer zum SA-Hochschulamt kommandiert. Am 19. März 1934 folgte seine Kommandierung in den Stab des Obersten SA Führers, d.h. Ernst Röhms, zur Dienstleistung beim SA Presseamt mit Wirkung zum 1. Februar.

Als Adolf Hitler in den Tagen vom 30. Juni bis 1. Juli 1934 die SA im Rahmen der als „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle entmachtete, wurde auch Beulwitz von der SS verhaftet und erschossen. Wahrscheinlich am 1. Juli 1934, eventuell aber auch schon am 30. Juni 1934, nahm Beulwitz an einer Pressekonferenz Hermann Görings im Reichspropagandaministerium teil, bei der Göring vom angeblichen Aufstand der SA gegen die Hitler-Regierung berichtete.[3] Als Göring Beulwitz in den Menge der versammelten Presseleute entdeckte, soll er ihn Werner Stephan zufolge verhaften und zur sofortigen Exekution in die Kadettenanstalt Lichterfelde haben bringen lassen.[4] Gesichert ist, dass Beulwitz am 1. Juli zusammen mit anderen SA-Leuten, v.a. Angehörigen des Stabes von Karl Ernst, wie Wilhelm Sander und Walter von Mohrenschildt, in der Kadettenanstalt Lichterfelde von einem SS-Kommando erschossen wurde. Wohl aufgrund dieses Umstandes wird er in der Literatur häufig als Pressechef der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg bezeichnet.[5]

Beulwitz’ Witwe schrieb wenige Tage nach der Erschießung ihres Mannes an Wilhelm von Oertzen, den Gründer und Vorsitzenden der Herrengesellschaft Mecklenburg und Freund Beulwitz’ sowie Patenonkel seines Sohnes Dietz, über die Tat:

„Meine lieben Oertzens! Ihnen allen die unfaßbare Nachricht, daß man mir den Veit Ulli am 1. Juli abends 1/2 8 Uhr in Berlin erschoß. Dieser Patriot aus tiefstem Herzen hatte bestimmt nichts mit der Schurkerei von Röhm zu tun. Es genügte schon für das unglaubliche Blutbad in Berlin das Wort Stabsführer im obersten SA-Presseamt. Ich habe heute noch nichts, kein Zeichen, keine Wertsachen, keine Leiche. Wäre ein Freund nicht zufällig Augenzeuge gewesen, würde ich noch suchen.“[6]

Im Juli 1934 wurde Beulwitz aufgrund eines Sonderfebehls Hitlers postum aus der SA ausgeschlossen. Seine in Magdeburg lebende Witwe erhielt später eine Rente in Höhe von 350 Reichsmark aus Staatsmitteln gezahlt.[7]

Archivalien

  • SA-Unterlagen (Bundesarchiv Lichterfelde, SA 4000, Film Nr. 43, Bilder 448-452)

Einzelnachweise

  1. ↑ Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser A Band VIII, Seite 121, Band 38 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1966
  2. ↑ Genealogisches Handbuch des Adels A VIII (1966)
  3. ↑ Herbert Michaelis: Ursachen und Folgen. Band 10, 1983, S. 229.
  4. ↑ Werner Stephan: Acht Jahrzehnte erlebtes Deutschland. 1983, S. 229.
  5. ↑ So z.B. im Weissbuch über die Erschiessungen des 30. Juni 1934. 1934, S. 95, bei Wolfgang Ruge: Hindenburg. Porträt eines Militaristen. 1981, S. 466 und bei Otto Gritschneder: Der Führer hat sie zum Tode verurteilt. 1993, S. 123.
  6. ↑ Lothar Elsner: Die Herrengesellschaft. Leben und Wandlungen des Wilhelm von Oertzen. 1998, S. 116.
  7. ↑ Helmut Heiber und Peter Longerich: Akten der Parteikanzlei der NSDAP. 1992, S. 167.
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