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Vektor

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vektor (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.

Im allgemeinen Sinn versteht man unter einem Vektor (lat. vector „TrĂ€ger, Fahrer“) ein Element eines Vektorraums, das heißt ein Objekt, das zu anderen Vektoren addiert und mit Zahlen, die als Skalare bezeichnet werden, multipliziert werden kann. Vektoren in diesem allgemeinen Sinn werden im Artikel Vektorraum behandelt.

Im engeren Sinne versteht man unter einem Vektor

  • in der analytischen Geometrie ein mathematisches Objekt, das eine Parallelverschiebung in der Ebene oder im Raum beschreibt. In kartesischen Koordinaten werden Vektoren durch Zahlenpaare (in der Ebene) bzw. -tripel (im Raum) dargestellt, die oft untereinander (als „Spaltenvektoren“) geschrieben werden.
  • davon ausgehend ein <math>n</math>-Tupel reeller Zahlen[1], also ein Element des <math>\R^n</math>.
  • in der klassischen Physik eine physikalische GrĂ¶ĂŸe, die durch einen Betrag und eine Richtung gekennzeichnet ist. FĂŒr vektorielle GrĂ¶ĂŸen in der Physik gelten dieselben geometrischen Gesetze und Rechenregeln wie fĂŒr die geometrischen Vektoren.

Dieser Artikel beschĂ€ftigt sich ĂŒberwiegend mit Vektoren im geometrischen Sinn und Vektoren als Elementen des Koordinatenraums <math>\R^n</math> und lĂ€sst sich ohne weiteres auf vektorielle GrĂ¶ĂŸen in der Physik ĂŒbertragen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

BegrĂŒndet wurde die Vektorrechnung von Hermann GĂŒnter Graßmann, der 1844 seine Lineale Ausdehnungslehre veröffentlichte, ein ĂŒber dreihundert Seiten starkes Buch.[2] Als VorlĂ€ufer gelten u. a. RenĂ© Descartes und August Ferdinand Möbius, ein SchĂŒler von Carl Friedrich Gauß. Nahezu zeitgleich entwickelte William Rowan Hamilton seine Ă€hnliche Theorie[3] der Quaternionen, die er 1853 in dem Buch Lectures on Quaternions[4] und 1866 in dem Werk Elements of Quaternions[5][6] publizierte. In Deutschland wurde die Vektorrechnung insbesondere durch Vorlesungen und BĂŒcher von Alfred Bucherer, August Föppl, Carl Runge, Fischer, v. Ignatowsky und Richard Gans verbreitet.

Schreib- und Sprechweisen

Variablen, die fĂŒr Vektoren stehen, werden vor allem in der Schulmathematik und in der Physik hĂ€ufig mit einem Pfeil gekennzeichnet (<math>\vec{v}</math>). Vor allem im englischsprachigen Raum werden sie auch fett geschrieben (<math>\mathbf{v}</math>, <math>\boldsymbol v</math> oder v). In Handschriften wird dies hĂ€ufig durch Unterstreichung (<math>\underline v</math>) oder Ă€hnliches reprĂ€sentiert. FrĂŒher war teilweise auch die Schreibweise mit Frakturbuchstaben (<math>\mathfrak{a}, \mathfrak{b}</math>) ĂŒblich, handschriftlich durch deutsche Schreibschrift bzw. SĂŒtterlinschrift wiedergegeben. HĂ€ufig gewĂ€hlte Buchstaben sind <math>\vec a, \vec b, \vec c</math> und <math>\vec u, \vec v, \vec w</math>. Der entsprechende lateinische Buchstabe ohne Vektorkennzeichnung steht meist fĂŒr die LĂ€nge (den Betrag) des Vektors: : <math>v = |\vec{v}|</math>

Geometrie

Definition

Vektorklasse.PNG

In der Geometrie versteht man unter einem Vektor ein Objekt, das eine Parallelverschiebung in der Ebene oder im Raum beschreibt. Eine Verschiebung kann durch einen Pfeil, der einen Urbildpunkt mit seinem Bildpunkt verbindet, dargestellt werden. Pfeile, die parallel, gleich lang und gleich gerichtet sind, beschreiben dieselbe Verschiebung und stellen somit denselben Vektor dar. Zum Beispiel beschreiben im Bild rechts der Pfeil von <math>A</math> nach <math>A'</math>, der Pfeil von <math>B</math> nach <math>B'</math> und der Pfeil von <math>C</math> nach <math>C'</math> dieselbe Verschiebung um 7 Einheiten nach rechts und 3 Einheiten nach oben. Sie reprÀsentieren alle denselben Vektor <math>\vec {v }= \overrightarrow{AA'} = \overrightarrow{BB'} = \overrightarrow{CC'} </math>. Formal kann man deshalb Vektoren wie folgt definieren:

Ein Pfeil ist eine gerichtete Strecke, das heißt, eine Strecke, bei der eine Reihenfolge der Endpunkte festgelegt ist. Zwei Pfeile heißen Ă€quivalent, wenn sie parallel, gleich lang und gleich gerichtet sind. Dies definiert eine Äquivalenzrelation auf der Menge der Pfeile der Ebene bzw. des Raums. Die Äquivalenzklassen heißen Vektoren.

Eine andere Möglichkeit ist, einen Vektor mit der durch ihn dargestellten Parallelverschiebung zu identifizieren. „Vektor“ ist dann nur eine andere Sprechweise fĂŒr „Parallelverschiebung“.

Ein Vektor von A nach B und seine LĂ€nge

Der Vektor, der eine Verschiebung beschreibt, die den Punkt <math>A</math> auf den Punkt <math>B</math> abbildet, wird als <math>\overrightarrow{AB}</math> geschrieben und grafisch durch einen Pfeil dargestellt, der vom Punkt <math>A</math> zum Punkt <math>B</math> zeigt. Man sagt: „Der Vektor <math>\vec{a}=\overrightarrow{AB}</math> bildet <math>A</math> auf <math>B</math> ab“, oder „Der Vektor <math>\vec{a}=\overrightarrow{AB}</math> verbindet <math>A</math> und <math>B</math>.“ Der Punkt <math>A</math> wird in diesem Fall als Ausgangs- oder Startpunkt und <math>B</math> als Spitze oder Endpunkt des Vektorpfeils bezeichnet. Der Abstand der beiden Punkte wird "LĂ€nge" oder "Betrag" des Vektors genannt.

Der umgekehrte Vektor <math>\overrightarrow{BA}</math>, der <math>B</math> mit <math>A</math> verbindet, heißt Gegenvektor zu <math>\overrightarrow{AB}</math>. Der Vektor <math>\overrightarrow{AA}</math>, der einen Punkt <math>A</math> auf sich selbst abbildet, heißt Nullvektor und wird mit <math>\vec 0</math> oder <math>\vec o</math> bezeichnet. Als einziger Vektor kann er grafisch nicht durch einen Pfeil dargestellt werden.

Darstellung in Koordinaten

Ist, wie in der Abbildung oben, ein geradliniges Koordinatensystem gegeben, so kann ein Vektor der Ebene durch ein geordnetes Zahlenpaar, ein Vektor im Raum durch ein Zahlentripel beschrieben werden. In der Regel werden diese Komponenten untereinander, als sogenannte Spaltenvektoren geschrieben. FĂŒr den Vektor in der Ebene, der die Verschiebung um 7 Einheiten nach rechts (in <math>x</math>-Richtung) und 3 Einheiten nach oben (in <math>y</math>-Richtung) beschreibt, schreibt man <math>\vec v = \tbinom 73</math>. Der Vektor <math>\tbinom 2{-5}</math> beschreibt eine Verschiebung um 2 Einheiten in <math>x</math>-Richtung und −5 Einheiten in <math>y</math>-Richtung, das heißt um 2 Einheiten nach rechts und 5 Einheiten nach unten. Entsprechend beschreibt im Raum der Vektor <math>\left(\begin{smallmatrix} 3\\-2\\4 \end{smallmatrix}\right)</math> eine Verschiebung um 3 Einheiten in <math>x</math>-Richtung, 2 Einheiten in negativer <math>y</math>-Richtung und 4 Einheiten in <math>z</math>-Richtung.

Die Koordinaten eines Vektors lassen sich als Differenz der Koordinaten von End- und Anfangspunkt berechnen. Im obigen Beispiel haben <math>A</math> und <math>A'</math> die Koordinaten <math>A(-6|-1)</math> und <math>A'(1|2)</math>. Die Koordinaten des Verbindungsvektors <math>\vec v = \overrightarrow{AA'}</math> berechnen sich dann wie folgt:

<math>\vec v = \overrightarrow{AA'} = \begin{pmatrix} 1 - (-6) \\ 2 - (-1) \end{pmatrix} =

\begin{pmatrix} 7 \\ 3 \end{pmatrix}</math>.

Rechenoperationen

Die folgenden Rechenoperationen werden anhand von Vektoren des <math>\R^3</math> erklĂ€rt, weil diese leicht durch geometrische Vektoren veranschaulicht werden können. Sie lassen sich jedoch (mit Ausnahme des Kreuzprodukts) ohne weiteres auf mehr oder weniger Dimensionen ĂŒbertragen.

Addition sowie Subtraktion

Die Summe der beiden Vektoren

<math>\vec a = \begin{pmatrix} a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix} </math> und <math>\vec b = \begin{pmatrix} b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{pmatrix}</math>

berechnet sich als:

<math>
\vec{a}+\vec{b} = \begin{pmatrix} a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix} + \begin{pmatrix} b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{pmatrix} =
\begin{pmatrix}a_1+b_1 \\ a_2+b_2 \\ a_3+b_3\end{pmatrix}

</math>.

Vector addition.svg

Die Vektoraddition kann man graphisch interpretieren, indem man den Startpunkt des zweiten Vektors mittels Parallelverschiebung auf den Endpunkt des ersten Vektors verschiebt. Der Pfeil vom Startpunkt des ersten Vektors bis zum Endpunkt des zweiten Vektors reprÀsentiert den Ergebnisvektor:

Aus je zwei Vektoren <math>\vec a</math> und <math>\vec b</math> lÀsst sich ein Parallelogramm bilden, dessen eine Diagonale der Summe beider Vektoren entspricht. In der Physik verwendet man diese Konstruktion beim KrÀfteparallelogramm.

FĂŒr die Addition von Vektoren gilt das Assoziativgesetz und das Kommutativgesetz.

Vector subtraction.svg

Die Differenz dieser beiden Vektoren ist:

<math>
\vec{a}-\vec{b} = \begin{pmatrix} a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix} - \begin{pmatrix} b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{pmatrix} =
\begin{pmatrix}a_1-b_1 \\ a_2-b_2 \\ a_3-b_3\end{pmatrix}

</math>.

Die geometrische Interpretation der Subtraktion von zwei Vektoren ist: Zwei Vektoren werden subtrahiert, indem man den Startpunkt des Gegenvektors des zweiten Vektors an den Endpunkt des ersten Vektors anschließt. Geometrisch entspricht die Differenz dem Verbindungsvektor vom Endpunkt des zweiten Vektors zum Endpunkt des ersten Vektors.

Werden zwei Vektoren addiert (subtrahiert), so addieren (subtrahieren) sich ihre BetrÀge nur dann, wenn die Vektoren kollinear sind und die gleiche Orientierung haben. Im allgemeinen Fall gilt hingegen die Dreiecksungleichung:

<math>\left| \vec{a} + \vec{b} \right| \le \left| \vec{a} \right| + \left| \vec{b} \right|</math>.

Multiplikation mit einem Skalar

Scalar multiplication of vectors.svg

Vektoren können mit reellen Zahlen (oft Skalare genannt, um sie von Vektoren unterscheiden zu können) multipliziert werden (Skalarmultiplikation, auch S-Multiplikation genannt):

<math>
r\vec{a} = r \, \begin{pmatrix} a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix} =
\begin{pmatrix}ra_1 \\ ra_2 \\ ra_3\end{pmatrix}

</math>

Die LĂ€nge des resultierenden Vektors ist <math>|r|\cdot|\vec{a}|</math>. Wenn der Skalar positiv ist, zeigt der resultierende Vektor in dieselbe Richtung wie der ursprĂŒngliche, ist er negativ, in die Gegenrichtung.

FĂŒr die Vektoraddition und die Multiplikation mit einem Skalar gilt das Distributivgesetz:

<math>r\cdot(\vec a + \vec b) = r\vec a + r\vec b</math>

Skalarprodukt

→ Hauptartikel: Skalarprodukt

Das Skalarprodukt (oder innere Produkt) zweier Vektoren <math>\vec a</math> und <math>\vec b</math>, so genannt weil das Ergebnis ein Skalar ist, wird notiert als <math>\vec a\cdot\vec b</math> oder <math>\left\langle {\vec a,\vec b} \right\rangle</math> und ist

<math>
\vec{a}\cdot\vec{b}
= \left|\vec{a}\right|\,|\vec{b}|\,\cos\theta

</math>,

wobei <math>\theta</math> der zwischen den beiden Vektoren eingeschlossene Winkel ist (siehe auch Kosinus). Stehen die zwei Vektoren rechtwinkelig zueinander, so ist das Skalarprodukt Null: <math>\cos \tfrac{\pi}{2} =0 \Rightarrow \vec{a}\cdot\vec{b} = 0 </math>.

Im kartesischen Koordinatensystem berechnet sich das Skalarprodukt als

<math>
\vec{a}\cdot\vec{b} = \begin{pmatrix}a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix}\cdot\begin{pmatrix}b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{pmatrix} =
a_1b_1+a_2b_2+a_3b_3</math>

insbesondere gilt fĂŒr das Quadrat eines Vektors

<math>\vec{a}\cdot\vec{a} = \begin{pmatrix}a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix}\cdot\begin{pmatrix}a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix} = a_1^2+a_2^2+a_3^2</math>

Geometrisch lÀsst sich das Skalarprodukt auch als Multiplikation der LÀnge des ersten Vektors mit der LÀnge der senkrechten Projektion des zweiten Vektors auf den ersten Vektor verstehen. Daher ist das Skalarprodukt zweier orthogonal aufeinander stehender Vektoren immer 0. Diese Operation wird oft in der Physik gebraucht, zum Beispiel um die Arbeit zu berechnen, wenn Kraft und Weg nicht in derselben Richtung verlaufen.

FĂŒr das Skalarprodukt gelten das Kommutativgesetz und das Distributivgesetz, nicht aber – wie bei der Multiplikation zweier Skalare – das Assoziativgesetz.

Kreuzprodukt

→ Hauptartikel: Kreuzprodukt
Veranschaulichung des Kreuzprodukts

Das Kreuzprodukt (auch vektorielles Produkt, Ă€ußeres Produkt oder Vektorprodukt) <math>\vec a\times\vec b</math> (gesprochen als „a Kreuz b“) zweier Vektoren in einem dreidimensionalen euklidischen Vektorraum ist ein bestimmter Vektor, der normal (senkrecht im Sinne des Skalarprodukts) auf der von <math>\vec a</math> und <math>\vec b</math> aufgespannten Ebene steht. Die LĂ€nge <math>|\vec a\times\vec b|</math> dieses Vektors ist gleich der FlĂ€che des Parallelogramms mit den Seiten <math>\vec a</math> und <math>\vec b</math>, also <math>|\vec a\times\vec b|=|a|\cdot |b|\cdot |\sin\theta|</math>, wobei θ wieder den von beiden Vektoren eingeschlossenen Winkel bedeutet. Das Kreuzprodukt zweier kollinearer Vektoren ergibt daher den Nullvektor.

Im kartesischen Koordinatensystem berechnet man das Kreuzprodukt wie folgt:

<math>
\vec{a}\times\vec{b} = \begin{pmatrix}a_1 \\ a_2 \\ a_3 \end{pmatrix}\times\begin{pmatrix}b_1 \\ b_2 \\ b_3 \end{pmatrix} = \begin{pmatrix}a_2b_3 - a_3b_2 \\ a_3b_1 - a_1b_3 \\ a_1b_2 - a_2b_1 \end{pmatrix}
</math>

Das Kreuzprodukt ist antikommutativ, d. h. es gilt

<math>
\vec{a}\times\vec{b} = -\vec{b}\times\vec{a}.</math>

LĂ€nge/Betrag eines Vektors

Im euklidischen Raum kann die LĂ€nge von Vektoren nach dem Satz des Pythagoras berechnet werden:

<math>a = |\vec{a}| = \sqrt{{a_1}^2 + {a_2}^2 + {a_3}^2} .</math>

Die LĂ€nge ist damit durch die Wurzel des Skalarprodukts gegeben:

<math>a = |\vec{a}| = \sqrt{\vec{a}\cdot\vec{a}}</math>.

Die LĂ€nge eines Vektors ist jedoch nicht auf die Bedeutung einer geometrischen LĂ€nge beschrĂ€nkt. In der Physik spricht man besser vom Betrag eines Vektors, um ihn begrifflich von der physikalischen GrĂ¶ĂŸe der LĂ€nge abzugrenzen. Die Einheit des Betrags ist jeweils dieselbe wie die Einheit des Vektors. Vektoren der LĂ€nge 1 heißen Einheitsvektoren. Hat ein Vektor die LĂ€nge 0, so handelt es sich um den Nullvektor. Die LĂ€ngenfunktion ordnet jedem Vektor eine nichtnegative Zahl zu. VektorrĂ€ume mit einer solchen Zuordnung, die bestimmte Axiome erfĂŒllt, heißen in der Mathematik normierte RĂ€ume, die Zuordnung selber heißt eine Norm. Allgemein gilt: Falls ein Skalarprodukt in einem Vektorraum definiert ist, dann definiert die Wurzel aus dem Skalarprodukt eines Vektors mit sich selbst eine Norm.

Eigenschaften von Vektoren

KollinearitÀt

Zwei Vektoren <math>\vec{a}</math> und <math>\vec{b}</math> heißen kollinear, wenn

<math>\vec{a} = r \cdot \vec{b} \text{ mit } r \ne 0 \text{ und } r \in \R.</math>

Sie sind parallel, wenn <math>r > 0</math>, bzw. antiparallel, wenn <math>r < 0</math>. FĂŒr kollineare Vektoren im dreidimensionalen Raum gilt

<math>\vec{a} \times \vec{b} = \vec{0}.</math>

Lineare AbhÀngigkeit

Mehrere Vektoren <math>\vec{a}_1, \vec{a}_2, \dots, \vec{a}_m</math> heißen linear abhĂ€ngig, wenn es fĂŒr die folgende Gleichung eine Lösung gibt, bei der nicht alle Koeffizienten <math>r_i=0</math> sind:

<math>r_1 \cdot \vec{a}_1 + r_2 \cdot\vec{a}_2 + \dots + r_m \cdot\vec{a}_m = \vec{0} \text{ mit } r_i \in \R.</math>

Dann lĂ€sst sich mindestens einer der Vektoren als eine Linearkombination der anderen darstellen. Wenn sich jedoch keine Koeffizienten <math>r_i</math> finden lassen, die diese Bedingung erfĂŒllen, dann nennt man die Vektoren linear unabhĂ€ngig. Um ein Koordinatensystem fĂŒr einen <math>n</math>-dimensionalen Raum aufzustellen, braucht man genau <math>n</math> linear unabhĂ€ngige Basisvektoren. Dann kann man jeden Vektor des betreffenden Raums auf eindeutige Weise als Linearkombination der Basisvektoren schreiben. Mehr als <math>n</math> Vektoren im <math>n</math>-dimensionalen Raum sind stets linear abhĂ€ngig.

OrthogonalitÀt

Zwei Vektoren <math>\vec{a}</math> und <math>\vec{b}</math> heißen orthogonal, wenn

<math>\vec{a} \cdot \vec{b} = 0.</math>

Bei geometrischen Vektoren bedeutet dies, dass sie einen rechten Winkel einschließen.

Normierung

Ein Vektor heißt Einheitsvektor oder normiert, wenn er eine LĂ€nge von 1 hat. Man normiert einen Vektor wie folgt:

<math>\vec{e}_a = \frac{\vec{a}} {|\vec{a}|}</math>.

Verallgemeinerungen

Die Definition des Vektors in der linearen Algebra als Element eines Vektorraumes ist eine viel umfassendere, die neben den „herkömmlichen“, geometrischen Vektoren verschiedenste mathematische Objekte (Zahlen, Folgen, Funktionen und Transformationen) beinhaltet. Demnach ist jeder Vektor auch ein Tensor. Auch alle benannten GrĂ¶ĂŸen („Zahlenwert mit Einheit“, z. B. LĂ€ngenangaben mit der Einheit Meter; GeldbetrĂ€ge mit Einheit € usw.) sind in diesem Sinn Vektoren. (Dabei kann man durch Übergang zu einer anderen Einheit, z. B. von Euro zu Dollar, zwar die Zahlenwerte verĂ€ndern; die Vektoren als Ganzes aber bleiben ungeĂ€ndert.)

Vektoren in der Physik

VektorgrĂ¶ĂŸen im dreidimensionalen Raum

In der klassischen Physik werden physikalische GrĂ¶ĂŸen, die einen Betrag und eine Richtung haben, als Vektoren des euklidischen Raums aufgefasst. Beispiele hierfĂŒr sind der Ort, die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die Kraft, usw. Man kann sie skalaren physikalischen GrĂ¶ĂŸen gegenĂŒberstellen, die nur einen Betrag, jedoch keine Richtung haben, wie z. B. Volumen, Masse, Ladung, Temperatur, usw.

Diese Auffassung gerichteter physikalischer GrĂ¶ĂŸen als Vektoren ist eine Anwendung geometrischer Vektoren. An die Stelle der Verschieberichtung tritt die Richtung der physikalischen GrĂ¶ĂŸe. Ihr Betrag entspricht der Verschiebungsweite eines geometrischen Vektors. Die Darstellung solcher GrĂ¶ĂŸen durch Pfeile bestimmter LĂ€nge veranschaulicht sowohl deren Richtung als auch deren Betrag. Folglich gilt alles, was bereits ĂŒber geometrische Vektoren gesagt wurde, auch fĂŒr vektorielle GrĂ¶ĂŸen in der Physik, insbesondere auch die Rechenoperationen in kartesischen Koordinaten und ihre graphische Veranschaulichung. Je nach Problemstellung kann jedoch auch die Wahl eines anderen Koordinatensystems (z. B. Kugelkoordinaten) sinnvoller erscheinen.

Physikalische GrĂ¶ĂŸen lassen sich nur dann addieren, wenn es sich um GrĂ¶ĂŸen derselben GrĂ¶ĂŸenart handelt. Das gilt somit auch dann, wenn man sie als Vektoren auffasst. Die Addition wird z. B. durch das KrĂ€fteparallelogramm veranschaulicht. Vektorsummen sind unter anderem in der Statik von herausragender Bedeutung, z. B. bei der Definition des KrĂ€ftegleichgewichts <math>\sum \vec F_{i} = 0 </math>.

Das Skalarprodukt wird verwendet, wenn die Projektion eines Vektors in die Richtung eines anderen von Bedeutung ist. Beispielsweise versteht man unter dem physikalischen Begriff Arbeit das Produkt einer Kraft und eines Weges in Kraftrichtung. Deswegen berechnet man die Arbeit ĂŒber das Skalarprodukt der Kraft und des Weges. Außerdem ist das Skalarprodukt wichtig bei der Komponentenzerlegung eines Vektors. Das Kreuzprodukt hingegen findet ĂŒberall dort Verwendung, wo eine GesetzmĂ€ĂŸigkeit der Drei-Finger-Regel folgt, wie z. B. bei der Lorentzkraft oder dem Drehmoment. Sowohl beim Skalarprodukt als auch beim Kreuzprodukt ergibt sich die Einheit der resultierenden physikalischen GrĂ¶ĂŸe durch die Multiplikation der Einheiten beider Faktoren.

Ist ein physikalischer Vektor selbst eine Funktion des Ortes, spricht man von einem Vektorfeld. Es kann durch Feldlinien veranschaulicht werden, wobei die Tangente an die Feldlinie die Richtung des Vektors angibt. Der Betrag des Vektors wird durch die Dichte der Feldlinien dargestellt. Als Beispiele wĂ€ren hier vor allem die elektrischen und magnetischen Felder zu nennen. Bei der mathematischen Behandlung der Felder erweist sich die Vektoranalysis als Ă€ußerst wichtiges Werkzeug, z. B. in der Elektrodynamik oder in der Strömungslehre.

Vektoren in der relativistischen Physik

An die Stelle des dreidimensionalen Anschaungsraums tritt in der RelativitĂ€tstheorie die vierdimensionale Raumzeit. Vektorielle GrĂ¶ĂŸen wie das Ereignis, die Vierergeschwindigkeit oder der Viererimpuls werden hier folglich als vierdimensionale Vektoren dargestellt.

Weitere Verwendungen des Vektorbegriffs in der Physik

Mehrteilchen-Systeme von <math>n</math> Teilchen beschreibt man durch Vektoren in <math>3n</math>-dimensionalen VektorrĂ€umen, bzw. – in der hamiltonschen Mechanik – im <math>6n</math>-dimensionalen Phasenraum, der nicht nur die Ortskoordinaten, sondern auch die Impulskoordinaten umfasst. Schließlich werden die ZustĂ€nde quantenmechanischer Systeme als Vektoren in FunktionenrĂ€umen dargestellt. Hier erweist sich insbesondere die Bra-Ket-Notation, die von Paul Dirac eingefĂŒhrt wurde, als hilfreich.

Transformationsverhalten von Vektoren

FĂŒr den physikalischen Vektorbegriff ist auch das Transformationsverhalten unter der Isometriegruppe der entsprechenden Metrik von Bedeutung. Dabei wird der dreidimensionale Raum als euklidischer Raum verstanden, wĂ€hrend die vierdimensionale Raumzeit als Minkowski-Raum mit der entsprechenden Metrik aufgefasst wird. Werden diese RĂ€ume als Mannigfaltigkeiten aufgefasst, so sind Vektoren als kontravariante Tensoren erster Stufe zu verstehen, was das geforderte Transformationsverhalten festlegt. Die zugehörigen Isometriegruppen sind in drei Dimensionen die Drehgruppe und im Minkowski-Raum die Lorentzgruppe. Dabei sind nicht alle Vektoren im Dreidimensionalen als Teile von Vierervektoren aufzufassen. Der Drehimpuls transformiert beispielsweise unter Lorentztransformationen nicht wie ein Teil eines Vierervektors, sondern zusammen mit dem anfĂ€nglichen Energieschwerpunkt wie die sechs Komponenten eines antisymmetrischen Tensors. Ebenso transformieren die elektrische und magnetische FeldstĂ€rke wie die sechs Komponenten eines antisymmetrischen Tensors.

Vielteilchensysteme mit <math>n</math> Teilchen beschreibt man mit Vektoren in 3n-dimensionalen VektorrÀumen, auf die die dreidimensionale Drehgruppe getrennt wirkt.

Polare und axiale Vektoren

Je nach Transformationsverhalten unter Spiegelungen des Ortes unterscheidet man zwischen polaren und axialen Vektoren, in der Ă€lteren Literatur auch Schub- und Drehvektoren[7] genannt: In polaren VektorrĂ€umen geht jeder Vektor bei der rĂ€umlichen Spiegelung in sein Negatives ĂŒber, Axialvektoren dagegen bleiben dabei unverĂ€ndert. So Ă€ndern beispielsweise der Ort, die Geschwindigkeit, der Impuls und das elektrische Feld bei rĂ€umlicher Spiegelung ihr Vorzeichen, nicht aber das magnetische Feld. Bei solchen Transformationen gehen Lösungen <math>\vec x(t)</math> der Bewegungsgleichungen in elektromagnetischen Feldern

<math>\frac{\mathrm d \vec p(t)}{\mathrm d t}=q \,\bigl(\vec E(t,\vec x(t)) + \vec v(t) \times \vec B(t,\vec x(t)\bigr)</math>

bei Spiegelung in Lösungen der Bewegungsgleichungen in transformierten elektromagnetischen Feldern ĂŒber.

Polare und axiale Vektoren sind wegen ihres unterschiedlichen Transformationsverhaltens Elemente verschiedener VektorrĂ€ume. Das Kreuzprodukt muss dabei als bilineare Abbildung zweier VektorrĂ€ume in einen dritten angesehen werden. Dass es sich um verschiedene VektorrĂ€ume handelt, ist meist schon an den Maßeinheiten sichtbar.

Literatur

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Vektor â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Vektoren â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ W. Gellert, H. KĂŒstner, M. Hellwich, H.KĂ€stner: Kleine EnzyklopĂ€die Mathematik; Leipzig 1970, S.545.
  2. ↑  Hermann GĂŒnter Graßmann: Die Lineale Ausdehnungslehre ein neuer Zweig der Mathematik: Dargestellt und durch Anwendungen auf die ĂŒbrigen Zweige der Mathematik, wie auch auf die Statik, Mechanik, die Lehre vom Magnetismus und die Krystallonomie erlĂ€utert. O. Wigand, 1844.</span>
  3. ↑  Josiah Willard Gibbs: Quaternions and the Ausdehnungslehre»Sammelwerk=Nature. 44, Nr. 1126, 1891, S. 79-82, doi:10.1038/044079b0.</span>
  4. ↑  W. R. Hamilton: Lectures on Quaternions. Hodges and Smith, Dublin 1853.</span>
  5. ↑  W. R. S. Hamilton: Elements of Quaternions: Vol.: 1. Longmans, Green & Company, 1866 (Google Books).</span>
  6. ↑  W. R. S. Hamilton, C. J. Joly: Elements of quaternions.Vol.: 2. Longmans, Green & Company, 1901.</span>
  7. ↑ Grimsehl: Lehrbuch der Physik, Bd.I, Leipzig 1954, S.577-578.
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