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Vektoranalysis ist ein Teilgebiet der Mathematik, das sich hauptsächlich mit Vektorfeldern in zwei oder mehr Dimensionen beschäftigt und dadurch die bereits in der Schulmathematik behandelten Gebiete der Differential- und der Integralrechnung wesentlich verallgemeinert. Das Gebiet besteht aus einem Satz von Formeln und Problemlösungstechniken, die zum Rüstzeug von Ingenieuren und Physikern gehören, aber gewöhnlich erst im zweiten oder dritten Semester an den entsprechenden Hochschulen erlernt werden.
Betrachtet werden Vektorfelder, die jedem Punkt des Raumes einen Vektor zuordnen, und Skalarfelder, die jedem Punkt des Raumes einen Skalar zuordnen. Die Temperatur eines Swimmingpools ist ein Skalarfeld: Jedem Punkt wird der Skalarwert seiner Temperatur zugeordnet. Die Wasserbewegung entspricht dagegen einem Vektorfeld, da jedem Punkt ein Geschwindigkeitsvektor zugeordnet wird, der Betrag und Richtung hat.
Die meisten analytischen Ergebnisse sind leichter mit Hilfe der Differentialgeometrie zu verstehen, einer Theorie, die die Vektoranalysis umfasst. Die Hauptanwendungen liegen in der Elektrodynamik.
Inhaltsverzeichnis |
Drei Rechenoperationen sind in der Vektoranalysis von besonderer Bedeutung, weil sie Felder produzieren, die sich bei räumlicher Drehung des ursprünglichen Feldes mitdrehen. Operativ formuliert: Bei Gradient, Rotation und Divergenz ist es egal, ob sie vor oder nach einer Drehung angewendet werden. Diese Eigenschaft folgt aus den koordinatenunabhängigen Definitionen (siehe jeweilige Hauptartikel) und ist nicht selbstverständlich. Z.B. wird aus einer partiellen Ableitung nach x unter 90-Grad-Drehung eine partielle Ableitung nach y. Im folgenden ist <math>\partial</math> der Operator der partiellen Ableitung und <math>\vec\nabla</math> der Nabla-Operator.
\frac{\partial F_x}{\partial x} + \frac{\partial F_y}{\partial y}+ \frac{\partial F_z}{\partial z} </math>
\begin{pmatrix}
\frac{\partial F_z}{\partial y} - \frac{\partial F_y}{\partial z} \\[0.2cm]
\frac{\partial F_x}{\partial z} - \frac{\partial F_z}{\partial x} \\[0.2cm]
\frac{\partial F_y}{\partial x} - \frac{\partial F_x}{\partial y}
\end{pmatrix}</math>
Zu den oben vorgestellten Differentialoperatoren existieren auch die inversen Integraloperatoren. Sie wurden erstmalig von dem deutschen Autor Adolf Schwab in seinem Buch "Begriffswelt der Feldtheorie" (Springer-Verlag, 1. Aufl. 1985) ohne große Betonung ihres innovativen Charakters verwendet und in der 2. Auflage (1987) näher definiert. Seither werden diese inversen Operatoren kontrovers diskutiert. Nach Erscheinen der mathematisch strengen Rechtfertigung ihrer Existenz durch den deutschen Mathematiker Manfred Schneider ist ein Trend zu ihrer allgemeinen Akzeptanz festzustellen. Sie ermöglichen unter anderem in der Elektrodynamik in Kombinationen mit den Greenschen Funktionskernen oft transparantere und elegantere Lösungswege. Sie bedürfen analog zu den Differentialoperatoren im konkreten Einzelfall der Anpassung der Integration in einem entsprechenden Koordinatensystem.
\begin{alignat}{2}
div\ \vec D & =\rho \ \ \ \vert \cdot \operatorname{div}^{-1}\\ \operatorname{div}^{-1} div\ \vec D & = \operatorname{div}^{-1} \rho = grad\ \Delta^{-1} \rho\\ \vec D & = grad\ \Delta^{-1} \rho
\end{alignat}
</math>
\begin{alignat}{2}
rot\ \vec E & = - \frac{dB}{dt} \ \ \ \vert \cdot \operatorname{rot}^{-1}\\ \operatorname{rot}^{-1} rot\ \vec E & = \operatorname{rot}^{-1} \left( - \frac{dB}{dt} \right) = -rot\ \Delta^{-1} \left( - \frac{dB}{dt} \right)\\ \vec E & = -rot\ \Delta^{-1} \left( - \frac{dB}{dt} \right)
\end{alignat}
</math>
Im Folgenden sei das „Integrationsvolumen“ <math>V</math> <math>n</math>-dimensional.
Das Volumenintegral über den Gradienten einer skalaren Größe <math>\phi\,</math> kann dann in ein Oberflächenintegral (bzw. Hyperflächenintegral) über den Rand dieses Volumens umgewandelt werden:
Auf der rechten Seite wird durch das Symbol im Zentrum des Integrals daran erinnert, dass man es infolge der Randbildung mit einer geschlossenen Fläche (bzw. einer geschlossenen Hyperfläche) zu tun hat.
Die Umwandlung in ein Oberflächenintegral ist ebenfalls für die Divergenz einer vektoriellen Größe möglich: Das Integral der Divergenz über das gesamte Volumen ist gleich dem Integral des Flusses aus der Oberfläche,
Dies ist der eigentliche Gauß’sche Integralsatz. Er gilt – wie gesagt – nicht nur für <math>n=3</math>.[1]
Im Folgenden ist <math>n=3</math> und es wird die Schreibweise mit Mehrfachintegralen verwendet.
Das geschlossene Kurvenintegral einer vektoriellen Größe (rechte Seite) kann mittels der Rotation in ein Flächenintegral über eine von dem geschlossenen Integrationsweg <math>\Gamma =\partial A</math> berandete, nicht notwendig ebene Fläche umgewandelt werden (linke Seite). Dabei werden – wie auch beim Gauß’schen Satz – die gewöhnlichen Orientierungseigenschaften vorausgesetzt. Es gilt:
Der Vektor <math>\mathrm d\vec A</math> ist gleich dem Betrag der zur betrachteten Fläche <math>A</math> bzw. zu <math>\partial V</math> gehörenden infinitesimalen Flächenelemente multipliziert mit dem zugehörigen Normalenvektor. Auf der rechten Seite wird durch das Kreissymbol im Integralzeichen daran erinnert, dass man von einer geschlossenen Kurve ausgeht.
Der Fundamentalsatz der Vektoranalysis, auch Helmholtzscher Zerlegungssatz genannt, beschreibt den allgemeinen Fall. Er sagt aus, dass sich jedes Vektorfeld <math>\vec F</math> als eine Überlagerung eines Quellenanteils <math>\vec F_Q</math> und eines Wirbelanteils <math>\vec F_W</math> beschreiben lässt. Ersterer ist der negative Gradient einer Superposition von skalaren Coulomb-artigen Potentialen, bestimmt durch die Quellendichte als formale „Ladungsdichte“ <math>\rho':=\operatorname{div}'\vec F(\vec r^{\,'})</math>, wie bei statischen elektrischen Feldern; letzterer ist die Rotation eines Vektorpotentials, wie beim Biot-Savart’schen Gesetz der Magnetostatik, bestimmt durch die Wirbeldichte als formale „Stromdichte“ <math>\vec j^{\,'}:=\operatorname{rot}'\vec F(\vec r^{\,'}):</math>
Man kann die Gültigkeit einer solchen Zerlegung anschaulich am Verlauf eines Baches verfolgen: An Stellen mit großem Gefälle und bei geradlinigem Verlauf wird die Strömung durch den Gradientenanteil dominiert, während an flachen Stellen, besonders, wenn der Bach um eine „Ecke“ oder eine kleine Insel herumströmt, der Wirbelanteil vorherrscht.
Und zwar gilt, wenn die Komponenten des Vektors <math>\vec F</math> überall zweimal stetig-differenzierbar sind (andernfalls muss man an den Grenzflächen Volumenintegrale <math>\textstyle \iiint \mathrm dV \nabla \dots</math> durch Flächenintegrale <math>\textstyle \iint\mathrm d^{(2)}A\vec n \dots</math> ersetzen) und im Unendlichen hinreichend rasch verschwinden, die folgende Formel, die genau der erwähnten Kombination aus der Elektrodynamik entspricht und alle angesprochenen Operatoren enthält:
Ein allgemeines Vektorfeld ist bezüglich seiner physikalischen Bedeutung daher nur dann eindeutig spezifiziert, wenn sowohl Aussagen über die Quellen- als auch Wirbeldichten und ggf. die notwendigen Randwerte vorliegen.
Diese Identitäten erweisen sich oft bei Umformungen als nützlich:
In den beiden nächsten Abschnitten werden anstelle von <math>\vec F</math> die in anderem Zusammenhang (Elektrodynamik) üblichen Bezeichnungen <math>\vec E</math> bzw. <math>\vec B</math> benutzt:
Falls <math>\vec \nabla \times \vec E =\operatorname{rot}\,\vec E \equiv 0</math> ist, folgt <math>\vec E \equiv -\vec \nabla \phi =-\operatorname{grad}\,\phi </math> mit einem Skalarpotential <math>\phi\,</math>. Dieses ist durch den ersten Teil der obigen Fundamentalzerlegung gegeben und identisch mit dem entsprechenden Dreifachintegral, ist also durch die Quellendichte bestimmt.
<math>\vec E</math> beziehungsweise <math>\phi\,</math> sind die in der Elektrostatik üblichen Bezeichnungen für das elektrische Feld und dessen Potential. Dort ist die angegebene Voraussetzung erfüllt.
Falls <math>\vec \nabla \cdot \vec B =\operatorname{div}\,\vec B \equiv 0</math> ist, folgt <math>\vec B\equiv\vec \nabla \times \vec A =\operatorname{rot}\,\vec A </math> mit einem sog. Vektorpotential <math>\vec A</math>. Dieses ist durch den zweiten Teil der obigen Fundamentalzerlegung gegeben und identisch mit dem entsprechenden Dreifachintegral, ist also durch die Wirbeldichte bestimmt.
<math>\vec B</math> bzw. <math> \vec A</math> sind die in der Magnetostatik üblichen Bezeichnungen für die magnetische Induktion bzw. deren Vektorpotential. Dort ist wiederum die Voraussetzung erfüllt.