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Venetische Sprache

Dieser Artikel befasst sich mit der ausgestorbenen venetischen Sprache der Antike. Zum heutigen, der romanischen Sprachen zugehörigen Venetischen siehe Venetische Sprache (Romanisch).
Venetisch (†)
Zeitraum bis 1. Jahrhundert n. Chr.

Ehemals gesprochen in

Venetien, Friaul-Julisch Venetien
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1:

–

ISO 639-2:

ine (sonstige Indogermanische Sprachen)

ISO 639-3:

xve

Sprachgebiete im Italien des 6. Jahrhunderts v. Chr.

Die venetische Sprache wurde in der Antike vom Volk der Veneter im Hinterland der nördlichen Adria-Region gesprochen. Vielleicht erstreckte sich das Verbreitungsgebiet aber noch viel weiter nach Norden (der Bodensee wird in römischen Quellen lacus venetus genannt).

Überliefert ist das Venetische durch mehr als 200, meist kurze Inschriften auf Stein- und Bronzetafeln sowie Tongefäßen. Geschrieben wurde es in einer Variante des etruskischen Alphabets. Die bedeutendsten Linguisten, die die venetischen Inschriften bearbeitet haben, sind Aldo Luigi Prosdocimi, Giovan Battista Pellegrini und Michel Lejeune.

Das Venetische stellt wahrscheinlich einen eigenständigen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie dar. Innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie zeigt es eine besondere Nähe zu den italischen Sprachen, insbesondere zum Latino-Faliskischen. Die Gemeinsamkeiten des Venetischen mit den italischen Sprachen werden jedoch nicht als Resultat einer genetischen engeren Verwandtschaft, sondern als Konvergenzentwicklungen auf Grund langzeitiger arealer Kontakte erklärt.

Einige interessante Parallelen zeigt das Venetische auch mit den germanischen Sprachen, z. B. in Pronominalformen:

venetisch: ego, Akkusativ mego
gotisch: ik, mik
deutsch: ich, mich
(lateinisch: ego, me)
venetisch: sselboisselboi
althochdeutsch: selb selbo
deutsch: sich selber
(lateinisch: sibi ipsi)
(Pokorny 1959: 708–709, 882–884)

In der Vergangenheit wurde auch versucht, das Venetische mit dem Illyrischen zu verbinden. Diese Hypothese kann jedoch nicht überprüft werden, da vom Illyrischen kaum etwas erhalten geblieben ist.

Textbeispiele

Inschrift an einem Bronzenagel aus Este (Es 45):

  • venetisch: mego donasto Å›ainatei reitiiai porai egeotora aimoi ke louderobos
  • lateinisch (wortwörtlich): me donavit sanatrici Reitiae bonae Egetora pro-Aemo que liberis
  • deutsch: Egetora spendete mich der guten heilenden Reitia für Aemus und die Kinder
(Prosdocimi und Pellegrini 1967: 149–150)

Inschrift an einer Situla aus Cadore (Ca 4 Valle):

  • venetisch: eik goltanos doto louderai kanei
  • lateinisch (wortwörtlich): hic Goltanus dedit Liberae Cani
  • deutsch: Goltanus spendete dies der Jungfrau Kanis
(Prosdocimi in Pellegrini 1967: 464–468)

Literatur

  • Michel Lejeune, Manuel de la langue vénète. Carl Winter – Universitätsverlag. Heidelberg, 1974.
  • Mallory, Adams, Encyclopedia of Indo-European Culture, 1997.
  • J. P. Mallory (1989). In Search of the Indo-Europeans. London: Thames and Hudson Ltd, 1989 (Repr. 1992). ISBN 0-500-27616-1.
  • Julius Pokorny, Indogermanisches Etymologisches Wörterbuch. Bern (1959).
  • Giovanni Battista Pellegrini, Aldo Luigi Prosdocimi, La Lingua Venetica. I – Le iscrizioni, II – Studi. Padova, 1967.
  • Rex Wallace (2004). Venetic. In: Roger D. Woodard (ed.), The Cambridge Encyclopedia of the World’s Ancient Languages, University of Cambridge, S. 840–856. ISBN 0-521-56256-2.

Weblinks

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