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| RepĂșblica Bolivariana de Venezuela Bolivarische Republik Venezuela | |||||
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| Amtssprache | Spanisch daneben Wayuu, Warao, Pemon, Mapoyo, Panare, Puinave, Pémono, Sapé, Sikiana, Yabarana und Yaruro[1] | ||||
| Hauptstadt | Caracas | ||||
| Staatsform | PrÀsidiale Bundesrepublik | ||||
| Staatsoberhaupt und Regierungschef | PrÀsident Hugo Chåvez | ||||
| FlĂ€che | 916.445 kmÂČ | ||||
| Einwohnerzahl | 28.833.845 (Stand 2010)[2] | ||||
| Bevölkerungsdichte | 30 Einwohner pro kmÂČ | ||||
| Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[3] | 236.390 Mio. US$ (35.) | ||||
| Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner | 8601 US$ (54.) | ||||
| Human Development Index | 0,692 (73.) (2011) | ||||
| WĂ€hrung | BolĂvar Fuerte (BsF, VEF) = 100 cĂ©ntimos | ||||
| UnabhÀngigkeit | von Spanien am 5. Juli 1811 erklÀrt, 1821 anerkannt | ||||
| Nationalhymne | Gloria al bravo pueblo | ||||
| Nationalfeiertag | 5. Juli (FreiheitserklÀrung am 5. Juli 1811) | ||||
| Zeitzone | UTC-4:30 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | YV | ||||
| Internet-TLD | .ve | ||||
| Telefonvorwahl | +58 | ||||
Venezuela (amtlich Bolivarische Republik Venezuela, spanisch RepĂșblica Bolivariana de Venezuela) ist ein sĂŒdamerikanischer Staat an der KaribikkĂŒste. Er grenzt an Brasilien, Kolumbien und Guyana.
Inhaltsverzeichnis |
Ăber den Ursprung des Namens âVenezuelaâ gibt es zwei Theorien: Manche schreiben ihn Amerigo Vespucci zu, der zusammen mit Alonso de Ojeda 1499 eine Expedition entlang der nordwestlichen KĂŒste fĂŒhrte (heute bekannt als der Golf von Venezuela). Als sie die Guajira-Halbinsel erreichten, beobachtete die Mannschaft die Pfahlbauten (palafitos), die die Añu ĂŒber dem Wasser errichtet hatten. Diese erinnerten Vespucci an die Stadt Venezia (Venedig) und infolgedessen wurde die Region Venezuela genannt, was so viel wie âKlein-Venedigâ bedeutet.
Andererseits sagt der spanische Conquistador und Geograph MartĂn FernĂĄndez de Enciso, Mitglied der gleichen Mannschaft, in seiner Schrift âSuma de GeografĂaâ, dass die Bevölkerung dieser Region einen flachen Felsen bewohnte und âVeneciuelaâ genannt wurde.
Venezuela hat eine etwa 2.800 km lange KĂŒste. Von der GesamtflĂ€che sind etwa 39 % bewaldet, 20 % bestehen aus Wiesen- und Weideland, 4 % machen Felder und Ackerland aus.
Es grenzt an drei Staaten: im Osten an Guyana mit 743 km Grenze, im SĂŒden liegt Brasilien mit 1.819 km Grenze und im Westen Kolumbien mit 2.050 km Grenze.
Die gesamte LÀnge der Landesgrenzen Venezuelas betrÀgt 4.612 Kilometer.
Venezuela lĂ€sst sich in vier Regionen einteilen: die Anden, die sich in einem breiten Ost-West-Bogen von der kolumbianischen Grenze entlang des Karibischen Meeres nach Osten erstrecken; die Orinoco-Ebenen (Llanos) im Zentrum; die Maracaibo-TieflĂ€nder im Nordwesten, sowie das Hochland von Guayana im SĂŒdosten. Venezuela ist das sechstgröĂte Land SĂŒdamerikas. Es ist landschaftlich so vielfĂ€ltig wie kein anderer sĂŒdamerikanischer Staat. Den stĂ€rksten Kontrast bilden die WĂŒstenlandschaften am Isthmus von Coro und die SĂŒmpfe des Delta Amacuro, beziehungsweise die schneebedeckten Berge der Cordillera de MĂ©rida und die weiten Ebenen im Herzen des Landes. Das Land kann auch in sechs geographische GroĂrĂ€ume untergliedert werden: die venezolanischen Anden, die Llanos del Orinoco, der Maracaibo-See, das Bergland entlang der karibischen KĂŒste, die venezolanischen Karibikinseln, sowie das Hochland von Guayana.
Die Gipfel der venezolanischen Anden reichen bis in etwa 5.000 m Höhe. In den fruchtbaren TĂ€lern zwischen den Bergen lebt ein groĂer Teil der Bevölkerung Venezuelas und auch Industrie und Landwirtschaft sind hier konzentriert.
Die zerklĂŒfteten GebirgszĂŒge an der kolumbianischen Grenze sind der am dĂŒnnsten besiedelte Teil dieser Region.
SĂŒdlich des Maracaibo-See erhebt sich der höchste Berg Venezuelas, der Pico BolĂvar mit 4.981 m. Einige Gipfel in dieser Region sind das ganze Jahr ĂŒber schneebedeckt.
Ein breites Tal trennt diesen Gebirgszug von einem weiteren, der der KĂŒste folgt. In diesem Tal liegt auch die Hauptstadt Caracas. Dieser verhĂ€ltnismĂ€Ăig kleine Bereich ist die am dichtesten besiedelte Region des Landes. Hier wird die intensivste Landwirtschaft betrieben und das Verkehrsnetz ist am besten ausgebaut.
SĂŒdlich der Berge erstrecken sich die groĂen Ebenen der Llanos. Sie dehnen sich von der karibischen KĂŒste im Osten bis an die kolumbianische Grenze aus. Der Orinoco bildet die sĂŒdliche Grenze. Dem Festland vorgelagert ist die Insel Margarita.
Neben den GraslĂ€ndern umfasst diese Region auch Sumpfgebiete im Orinoco-Delta und an der kolumbianischen Grenze. Die Erhebungen in den Llanos ĂŒbersteigen die 200-Meter-Marke nicht.
Das Maracaibo-Tiefland ist umgeben von Gebirgsketten, ausgenommen ist nur der Norden. Hier grenzt es an das Karibische Meer. Diese Region ist sehr flach und steigt nur leicht in Richtung der umliegenden Berge an. Der 13.000 kmÂČ groĂe und bis zu 50 m tiefe Maracaibo-See nimmt einen GroĂteil der niedriger liegenden Bereiche ein. Er ist durch die ungefĂ€hr 75 km lange Meerenge Canal de San Carlos mit dem Golf von Venezuela verbunden. Unter dem Ostufer des Sees lagern die reichsten ErdölvorrĂ€te Venezuelas.
Die gröĂte Stadt der Region ist die Hafenstadt Maracaibo am gleichnamigen See.
Das Hochland von Guayana erhebt sich sĂŒdöstlich des Orinoco und ist eine der Ă€ltesten Landschaften SĂŒdamerikas. Dieses Hochland, das von Plateaus und NebenflĂŒssen des Orinoco geprĂ€gt ist, nimmt mehr als die HĂ€lfte der LandesflĂ€che Venezuelas ein. Die auffĂ€lligste Formation dieser Region ist die Gran Sabana, eine groĂe, stark erodierte Hochebene. Im Laufe von Jahrmillionen wurden die Sandsteinmassen abgetragen und ĂŒbrig blieben zerklĂŒftete TĂ€ler und gewaltige massive Tafelberge (Tepuis). Ihr Alter wird auf 70 Millionen Jahre geschĂ€tzt. Die 115 verschiedenen Tepuis in diesem Gebiet zeichnen sich durch eine einzigartige und eigentĂŒmliche Flora und Fauna auf ihren Hochplateaus aus, denn aufgrund der Isolation haben sich viele endemische Arten entwickelt.
Von den Tafelbergen herab stĂŒrzen die höchsten WasserfĂ€lle der Welt, wie zum Beispiel der Salto Kukenam und der höchste Wasserfall der Welt, der Salto Angel mit einer Fallhöhe von 978 Metern. Er ist zugleich eine der bekanntesten SehenswĂŒrdigkeiten des Nationalparks Canaima, der von der UNESCO zum Weltnaturerbe ausgerufen wurde.
Der Orinoco ist mit einer LĂ€nge von 2.574 km der gröĂte und wichtigste der ĂŒber tausend FlĂŒsse des Landes. Er entspringt im Grenzgebiet zwischen Venezuela und Brasilien an einer der gröĂten Wasserscheiden Lateinamerikas. Der Wasserstand des Orinoco schwankt je nach Jahreszeit betrĂ€chtlich. Die höchsten StĂ€nde werden im August gemessen und ĂŒbersteigen die TiefststĂ€nde von MĂ€rz und April um durchschnittlich 13 Meter. Der GroĂteil des Flussbettes weist nur ein geringfĂŒgiges GefĂ€lle auf.
Unterhalb der OberlĂ€ufe findet sich ein weltweit seltenes geographisches PhĂ€nomen: der Fluss spaltet sich in zwei Arme auf, eine so genannte Bifurkation. Der Brazo Casiquiare (wörtlich: (Neben-)Arm Casiquiare), ein natĂŒrlicher Kanal, verbindet die beiden unabhĂ€ngigen Flusssysteme des Orinoco und des Amazonas miteinander. Dabei flieĂt ein Drittel des Wassers ĂŒber den Rio Negro (Amazonien) in den Amazonas, der Rest flieĂt weiter in den Hauptkanal des Orinoco. Diese Passage erlaubt es Schiffen mit niedrigem Tiefgang, vom Orinoco in das Flusssystem des Amazonas zu wechseln. Dadurch bilden die riesigen Gebiete zwischen Orinoco, Amazonas und Atlantik eine Insel.
Die meisten FlĂŒsse, die in den nördlichen Gebirgen entspringen, flieĂen in sĂŒdöstlicher Richtung zum RĂo Apure, einem Nebenfluss des Orinoco. Der Apure durchflieĂt die Llanos in östlicher Richtung. Im niederschlagsarmen Gebiet sĂŒdlich des Apure gibt es keine nennenswerten Quellgebiete.
Ein anderer wichtiger Fluss ist der RĂo CaronĂ, der sich vor allem durch seine hohe FlieĂgeschwindigkeit auszeichnet. Er entspringt im Hochland von Guyana und mĂŒndet auf der Höhe von Ciudad Guayana in den Orinoco. Der CaronĂ eignet sich besonders gut fĂŒr den Bau von Wasserkraftwerken und trĂ€gt so erheblich zum Energiehaushalt Venezuelas bei.
Obwohl Venezuela mitten in der tropischen Klimazone liegt, findet man, abhĂ€ngig von der Höhenlage, der Topographie und der Richtung und IntensitĂ€t der vorherrschenden Winde, alle Klimatypen vom tropisch feuchten bis zum alpinen Klima. Jahreszeitliche Schwankungen unterscheiden sich weniger durch die Temperatur als durch die unterschiedlichen Niederschlagsmengen. Im GroĂteil des Landes herrscht von Mai bis Oktober Regenzeit.
Das Land teilt sich in vier Temperaturzonen, die sich gröĂtenteils auf die jeweilige Höhenlage zurĂŒckfĂŒhren lassen: In der tropischen Zone (unterhalb von 800 m) herrschen im Jahresdurchschnitt Temperaturen zwischen 26 °C und 28 °C. Die gemĂ€Ăigte Zone mit Durchschnittstemperaturen von 12 °C bis 25 °C erstreckt sich zwischen 800 und 2.000 m Seehöhe. Hier liegen die meisten StĂ€dte Venezuelas, einschlieĂlich der Hauptstadt Caracas. KĂ€ltere Bedingungen mit Temperaturen von 9 °C bis 11 °C findet man in der kĂŒhlen Zone zwischen 2.000 und 3.000 m. Weideland und dauerhafte Schneefelder prĂ€gen die Landschaft im Hochgebirge (ab 3.000 m Seehöhe). Hier liegen die Temperaturen im Jahresdurchschnitt unter 8 °C.
Die jĂ€hrlichen NiederschlĂ€ge reichen von 430 mm in den halb-ariden TieflĂ€ndern und Ebenen im westlichen Teil der KaribikkĂŒste bis zu etwa 1000 mm im Orinoco-Dreieck. In den Gebirgsregionen schwanken die Niederschlagsmengen betrĂ€chtlich, denn in den Senken fĂ€llt weniger Regen als an den SteilwĂ€nden, die den Nordostwinden ausgesetzt sind. In Caracas fĂ€llt von Juni bis August mit 750 mm die HĂ€lfte des dortigen jĂ€hrlichen Niederschlags.
Die mittlere Höchsttemperatur des Landes liegt zwischen 30 °C und 31 °C. Allerdings kann die Temperatur an einzelnen Orten von diesem Durchschnittswert abweichen, so kommt es nicht selten zu Höchsttemperaturen um die 40 °C. Die mittlere Minimaltemperatur bewegt sich je nach Monat zwischen 7 °C und 12 °C, wobei sie von April bis November kaum unter 10 °C fÀllt. Von Juli bis Januar regnet es mitunter fast einen halben Monat lang, in den anderen Monaten gibt es nur einen bis sieben Regentage pro Monat.
1964 wurde in Venezuela die Zeitzone nach dem 60. LĂ€ngengrad neu gerichtet (UTC-4, zuvor UTC-4:30). Am 9. Dezember 2007 wurde die Uhr um eine halbe Stunde zurĂŒckgestellt, und es gilt seitdem wieder die Zeitzone UTC-4:30 (VST â Venezuelan Standard Time).
Die Hauptstadt Caracas ist gleichzeitig auch die gröĂte Stadt des Landes. Andere wichtige StĂ€dte sind:
| Stadt | Einwohner |
|---|---|
| Caracas | 1.836.000 |
| Maracaibo | 1.609.000 |
| Valencia | 1.196.000 |
| Barquisimeto | 811.000 |
| Ciudad Guayana | 629.000 |
| Barcelona | 455.000 |
| Mérida | 196.000 |
In Venezuela gibt es heute 43 Nationalparks (siehe Nationalparks in Venezuela) und 36 NaturdenkmĂ€ler. 62,9 Prozent (2007) der LandesflĂ€che sind als geschĂŒtzt ausgewiesen. Venezuela verfĂŒgt somit (gegenĂŒber zum Beispiel Brasilien mit 18,5 Prozent) ĂŒber den höchsten Prozentsatz an Naturschutzgebieten in Nord- und SĂŒdamerika.[4]
Venezuela hat rund 29 Millionen Einwohner. Davon sind 67 % Mestizen. 21 % der Venezolaner sind europÀischer, 10 % afrikanischer und 2 % indianischer Abstammung. Das Bevölkerungswachstum betrÀgt jÀhrlich 1,6 % (2009).[5]
Die Geburtenrate liegt bei 18,91 (pro 1000 Einwohner, Wert 2005). Durchschnittlich bringt jede Frau 2,51 Kinder zur Welt (Wert 2000), wobei die SÀuglingssterblichkeit 2,617 % (Wert 2000) betrÀgt. Die Todesrate liegt mit 4,90 (pro 1000 Einwohner, Wert 2005) deutlich unter der Geburtenrate.
UngefĂ€hr 85 % der Bevölkerung lebt in den stĂ€dtischen Gebieten im Norden des Landes. Im Gebiet sĂŒdlich des Orinoco, das immerhin fast die HĂ€lfte der GesamtflĂ€che einnimmt, leben nur 5 % der Einwohner, es leben noch indigene StĂ€mme wie die Waika mit traditioneller Lebensweise in diesem Gebiet.
Die 2% Ureinwohner gehören etwa 24 unterschiedlichen Gruppen an. Die gröĂten indigenen Völker sind die WayĂșu (Guajiro) nördlich von Maracaibo, die De'ĂĄruwa (Piaroa), WayapopihĂwi (Guajibo), Yeâkuana und Yanomami in der Amazonasregion, die Warao im Orinoco-Delta und die PemĂłn im SĂŒdosten von Guayana.[6]
Artikel 9 der Verfassung von 1999 besagt: âDie Amtssprache ist Kastilisch. Die indigenen Sprachen sind ebenfalls Amtssprachen fĂŒr die indigenen Völker und mĂŒssen im gesamten Territorium der Republik respektiert werden, da sie einen kulturellen Reichtum der Nation und der Menschheit darstellen.â Die 35 verschiedenen indigenen Gruppen Venezuelas gehören zu den groĂen Sprachgruppen der Arahuaca (Araguaca), Kariben (karibische Sprachen), Chibcha und TupĂ-GuaranĂ. Etwa ein Dutzend der in Venezuela gesprochenen Sprachen ist keiner gröĂeren Sprachgruppe zuzuordnen. Bekannt sind davon vor allem WayĂșu, PemĂłn und Warao (indigene Sprachen). Warao wird weltweit von etwa 30.000 Stammesmitgliedern der Warao-Indianer gesprochen, die fast ausschlieĂlich in Venezuela leben. Der karibische Indianerstamm der PemĂłn lebt zu seiner Mehrheit in Gran Sabana in BolĂvar, wo eben diese Sprache gesprochen wird.
Englisch wird kaum gesprochen. Selbst in der Hauptstadt Caracas ist die Verbreitung der englischen Sprache eher gering. FĂŒr Touristen und Einwanderer gibt es in MĂ©rida, Caracas, Puerto la Cruz und auf der Insel Margarita Sprachschulen.
96 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 2 % gehören dem protestantischen Glauben an[7] und 12.000 Einwohner bekennen sich zur Neuapostolischen Kirche.[8] Muslime, Juden und AnhĂ€nger von indigenen Religionen bilden Minderheiten (Stand: 2006). 104.000 Venezolaner sind AnhĂ€nger der Zeugen Jehovas.[9] AuĂerdem haben sich ein paar kuriose religiöse Kulte im Land verbreitet, darunter der MarĂa-Lionza-Kult. Der wichtigste Heilige ist JosĂ© Gregorio HernĂĄndez. Seine Figuren, mit schwarzem Filzhut und elegantem Anzug, sind in Wohnungen, LĂ€den und Kirchen zu finden.[10]
Hauptartikel: Geschichte Venezuelas
In Venezuela lebten in vorkolumbianischer Zeit indianische Gruppen, nomadisierende JĂ€ger und Sammler sowie Fischer und Bauern. Christoph Kolumbus erreichte auf seiner 3. Reise 1498 die östliche KĂŒste Venezuelas und ging an der MĂŒndung des Flusses Orinoco an Land. Es war das erste Mal, dass er und seine Mannschaft das amerikanische Festland betraten. Am 24. August 1499 folgte eine Expedition von Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci, die dem Land wegen der hĂ€ufigen Verwendung von Pfahlbauten angeblich den Namen Venezuela (Klein-Venedig) gaben. Diese Theorie stammt aus Vespuccis Reisebericht Cuatro Navegaciones (âvier Schifffahrtenâ) und ist auch allgemein bekannt, jedoch historisch nicht belegt.
Die erste feste Siedlung der Spanier mit dem Namen Nueva CĂĄdiz entstand 1522. 1528 bis 1545 versuchten die Welser mit Klein-Venedig erfolglos ihr GlĂŒck. Die heutige Hauptstadt Caracas wurde 1567 gegrĂŒndet und 1577 setzte die spanische Krone zur Verwaltung einen Gouverneur ein.
Jedoch wurde die Kolonie im 16. und 17. Jahrhundert von den Spaniern eher vernachlĂ€ssigt, da sie sich mehr auf das Gold aus anderen Teilen Amerikas konzentrierten. Der Anbau von Kakao, Zucker, Tabak, Kaffee und Baumwolle fĂŒhrte dazu, dass eine groĂe Anzahl an Sklaven nach Venezuela gebracht wurden, die, nachdem die einheimische Kultur zu einem GroĂteil zerstört war, die Kultur in Venezuela nachhaltig beeinflussten. Im 17. und 18. Jahrhundert begann die Christianisierung indianischer StĂ€mme durch Missionare der römischen Kirche. Das Land war politisch zunĂ€chst Bestandteil des 1535 gebildeten Vizekönigreichs Neuspanien (Nueva España) mit seiner Hauptstadt Mexiko. 1777 wurde die Statthalterschaft von Venezuela gegrĂŒndet.
Von 1797 bis 1821 gab es immer wieder Versuche, Neu-Granada, dessen Teilregion Venezuela war, von der spanischen Herrschaft loszulösen. 1821 gelang es SimĂłn BolĂvar, die UnabhĂ€ngigkeitskriege in Venezuela zu einem siegreichen Ende zu fĂŒhren. Venezuela wurde ein Teil der von BolĂvar schon 1819 neu geschaffenen Republik GroĂkolumbien. Wenige Tage nach seinem Tod 1830 fiel Venezuela aus dieser Verbindung ab und erklĂ€rte sich fĂŒr selbststĂ€ndig.
1864 wurde Venezuela in eine Bundesrepublik umgewandelt. Es folgten noch eine Reihe BĂŒrgerkriege und Revolutionen, die die politische Entwicklung des Landes ausbremsten.
Die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts waren durch die Diktatur von Juan Vicente GĂłmez bestimmt. Auf dessen Tod folgte eine teilweise Liberalisierung des Landes, unter anderem durch Eleazar LĂłpez Contreras. Diese Politik wurde von IsaĂas Medina Angarita fortgefĂŒhrt. So wurde im Juni 1941 die sozialdemokratische Partei AcciĂłn DemocrĂĄtica (AD) und im Oktober 1945 die Kommunistische Partei legalisiert und im April eine Verfassungsreform durchgesetzt.
Aufgrund einzelner MÀngel, die die Regierung mit zu verantworten hatte, kam es von Seiten der Opposition und Teilen des MilitÀrs am 18. Oktober 1945 zum Putsch gegen die Regierung Medina Angaritas. Die durch den Putsch an die Macht gekommene Regierung setzte die angestrebten Reformen sofort durch. So wurde am 14. Dezember 1947 zum ersten Mal ein PrÀsident direkt vom Volk gewÀhlt. Rómulo Gallegos sollte der erste gewÀhlte PrÀsident werden. Allerdings blieb er nicht lange im Amt, denn kurz darauf kam es zu einem erneuten Putsch des MilitÀrs.
Ab 1948 wurde Venezuela von einer MilitĂ€rjunta gefĂŒhrt, von 1952 an unter Diktator Marcos PĂ©rez JimĂ©nez. Mit seinem Sturz 1958 wurde Venezuela eine Demokratie. Seitdem waren bis in die 1990er Jahre die beiden bestimmenden Parteien die sozialdemokratische AcciĂłn DemocrĂĄtica und die konservative COPEI, die auch die PrĂ€sidenten stellten. In der ersten Amtszeit von Carlos AndrĂ©s PĂ©rez (1974â1979) stiegen die EinkĂŒnfte des Landes aus dem Erdölexport so rapide, dass das Land eines der wohlhabendsten LĂ€nder SĂŒdamerikas war, â[âŠ] durch den Verkauf von Erdöl hat Venezuela von 1973 bis 1983 rund 240 Milliarden Dollar eingenommen, das heiĂt etwa das Zehnfache dessen, was der Marshallplan vorsahâ (Arturo Uslar Pietri), die damit einhergehende Verteilungspolitik fĂŒhrte zur, fĂŒr lateinamerikanische VerhĂ€ltnisse, auĂerordentlich hohen politischen StabilitĂ€t des Landes.
Mit dem schnellen Verfall des Ălpreises seit 1983 brachen diese EinkĂŒnfte jedoch weg und da es keine anderen Wirtschaftszweige gab, die die sinkenden Erdöleinnahmen zu kompensieren vermochten, fĂŒhrte dies gemeinsam mit den immer höher werdenden Auslandsschulden (1993: 45 Milliarden Dollar) zu einer anhaltenden Wirtschaftskrise.
Carlos AndrĂ©s PĂ©rez war aufgrund massiver Korruption zu einem der reichsten MĂ€nner der Welt geworden. Er wurde fĂŒr die Amtsperiode 1989â1994 mit groĂen Erwartungen wiedergewĂ€hlt. Michael Zeuske sieht vor allem innenpolitische Probleme, Korruption, Elitenmisswirtschaft, massive Fehlinvestitionen, eine mangelhafte Bildungspolitik und die VernachlĂ€ssigung ganzer Wirtschaftszweige, wie der Landwirtschaft, als wesentliche Ursachen fĂŒr die nachfolgende gröĂte Rezession in der Geschichte des Landes. Venezuela war faktisch bankrott und die fĂŒr Kredite des Internationalen WĂ€hrungsfonds eingeforderten EinsparmaĂnahmen wurden einseitig auf dem RĂŒcken der Ărmsten ausgetragen. Es kam am 27. Februar 1989 nach einer ĂŒber Nacht erfolgten starken Erhöhung der Preise fĂŒr den öffentlichen Nahverkehr zu landesweiten AufstĂ€nden und Hungerrevolten, der sogenannten Caracazo. Durch deren gewaltsame Niederschlagung kamen offiziell 246, nach inoffiziellen SchĂ€tzungen in kaum zwei Tagen weit ĂŒber 1000â3000 Menschen ums Leben. Langfristige Folge war eine zunehmende Machtverschiebung hin zum MilitĂ€r, wie der Zusammenbruch des sozialen Konsens und der bis dahin etablierten Parteien. Nach zwei Putschversuchen im Jahre 1992, einem am 4. Februar durch Hugo ChĂĄvez und einem weiteren am 27. November 1992, einem Volkswirtschaftsjahr mit Minuswachstum und der Absetzung des PrĂ€sidenten PĂ©rez durch den Obersten Gerichtshof wegen Veruntreuung und Korruption wurde 1994 Rafael Caldera als neuer PrĂ€sident gewĂ€hlt. Bis 1998 gelang ihm zwar die politische Stabilisierung, der Wirtschaftskrise aber wurde auch er nicht Herr (1994: Inflationsrate: 71 Prozent, schwere WĂ€hrungskrise und Bankencrash).
Am 6. Dezember 1998 wurde Hugo ChĂĄvez, der GrĂŒnder der Movimiento Quinta RepĂșblica und AnfĂŒhrer eines Putschversuches gegen die venezolanische Regierung unter Carlos AndrĂ©s PĂ©rez (1992), mit 56 Prozent der Stimmen zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlt. ChĂĄvez ist ein Verfechter der Bolivarischen Revolution, seine erklĂ€rten Ziele sind der Kampf gegen Korruption, die Schaffung und StĂ€rkung möglichst direkter Demokratie, sowie die nationale und ökonomische UnabhĂ€ngigkeit. Nach der Ausarbeitung einer neuen âbolivarischenâ Verfassung und deren Annahme per Referendum, wurde ChĂĄvez im Jahr 2000 mit einer gegenĂŒber 1998 sogar nochmals deutlich gestiegenen Mehrheit (60 Prozent) bestĂ€tigt. Venezuelas Staatsbezeichnung lautet seitdem âBolivarische Republik Venezuelaâ und wird oft auch als âFĂŒnfte Republikâ (quinta repĂșblica) bezeichnet.
Am 11. April 2002 scheiterte ein Putsch gegen die Regierung Chåvez. Die zuvor verurteilten, angeklagten Putschisten, darunter drei hohe MilitÀrs, wurden vom Obersten Gerichtshof TSJ freigesprochen.[11][12]
Dem Putsch voran gingen Streiks beziehungsweise Aussperrungen des Unternehmerverbandes. Beim staatlichen Erdölkonzern PetrĂłleos de Venezuela (PDVSA) kam es zu Sabotageaktionen und dem unerlaubten Fernbleiben von der Arbeit durch höhere Angestellte und Management. Da der vermeintliche Streik nicht einmal innerhalb der Gewerkschaft abgestimmt wurde, erkannte ihn die Internationale Arbeitsorganisation nicht als Streik an. Hinzu kam auch ein sogenannter Steuerstreik des wohlhabenden Teils der Bevölkerung. Nachdem das zustĂ€ndige Wahlamt festgestellt hatte, dass die notwendige Anzahl von Unterschriften (etwa 2,5 Millionen) knapp erreicht worden wĂ€re, erklĂ€rte ChĂĄvez, er wĂŒrde sich diesem Referendum stellen. Aufgrund des bemerkenswert hohen Andrangs am Abstimmungstag kam es zu teilweise stundenlangen Wartezeiten und die SchlieĂung der Wahllokale musste mehrfach, letztendlich bis Mitternacht, verschoben werden. Das Referendum bestĂ€tigte ChĂĄvez bei hoher Wahlbeteiligung (73 Prozent) mit 59,25 Prozent (knapp fĂŒnf Millionen WĂ€hler) klar im Amt. Die Opposition warf ChĂĄvez Wahlbetrug vor, aber eine von ihnen initiierte und von der Organisation Amerikanischer Staaten und dem Carter Center durchgefĂŒhrte NachzĂ€hlung der Stimmen bestĂ€tigte das Wahlergebnis.
Am 3. Dezember 2006 wurde ChĂĄvez bei den PrĂ€sidentschaftswahlen mit 62,89 Prozent der Stimmen aufs neue im Amt bestĂ€tigt. Es gab insgesamt 18 Kandidaten fĂŒr das Amt. Der sozialdemokratische Gegenkandidat Rosales, FĂŒhrer der Opposition gegen ChĂĄvez, musste mit 36,85 Prozent der Stimmen seine Niederlage eingestehen. Die Wahlbeteiligung war mit etwa 75 Prozent die höchste seit 1988.[13] Die von der EuropĂ€ischen Union entsandten Beobachter gingen von einer reibungslosen Wahl aus. Im offiziellen Bericht zur Beobachtungsmission der EU wurde allerdings unter anderem die starke institutionelle Propaganda hauptsĂ€chlich fĂŒr PrĂ€sident und Kandidat ChĂĄvez sowie die unausgeglichene Berichterstattung, zugunsten eines Kandidaten, sowohl in den öffentlichen als auch in den privaten Medien kritisiert. AuĂerdem sei auf Staatsangestellte Druck ausgeĂŒbt worden, fĂŒr ChĂĄvez zu stimmen beziehungsweise an Wahlkampagnen fĂŒr seine Wiederwahl teilzunehmen. Dies sei ein VerstoĂ gegen die internationalen Prinzipien der freien Stimmabgabe.[14]
Die Regierungsform Venezuelas ist eine Form der PrĂ€sidialdemokratie (das heiĂt, der direktgewĂ€hlte PrĂ€sident ist gleichzeitig nominelles Staatsoberhaupt und Chef der Exekutive) mit starken direktdemokratischen Elementen, einer komplizierten Gewaltenteilung zwischen den fĂŒnf Gewalten Legislative, Exekutive, Judikative, BĂŒrgergewalt (Art. 273-291) und Wahlgewalt (Art. 292-298) sowie zahlreichen Wahlen auf verschiedenen Ebenen. Die neue Verfassung Venezuelas verbietet die Privatisierung der Erdölindustrie und der sozialen Sicherungssysteme, verfĂŒgt die kostenlose Volksbildung und MaĂnahmen zur Reaktivierung ungenutzten GroĂgrundbesitzes, respektiert darĂŒber hinaus aber das Privateigentum, auch das Privateigentum an Produktionsmitteln. Der Umbau von Staat und Gesellschaft erfolgte durch plebiszitĂ€re Akte: Bei den PrĂ€sidentschaftswahlen im Dezember 1998 entfielen 56 Prozent der Stimmen auf ChĂĄvez, im April 1999 stimmten 88 Prozent der WĂ€hler fĂŒr die Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung, im Dezember desselben Jahres 71 Prozent fĂŒr die neue Verfassung des nun als âBolivarische Republik Venezuelaâ bezeichneten Staates. In der sog. âBolivarischen Verfassungâ, mit der die sog. âBolivarische Revolutionâ umgesetzt werden soll, ist die Gewaltenteilung durch direktdemokratische Partizipationsmöglichkeiten erweitert: Sowohl die Abgeordneten als auch der PrĂ€sident (6-jĂ€hrige Amtszeit) können ab der Mitte ihrer Amtszeit per Referendum abgewĂ€hlt werden (Art. 72). Der PrĂ€sident ist das Staatsoberhaupt und der Regierungschef. Derzeitiger Amtsinhaber ist seit dem 2. Februar 1999 Hugo ChĂĄvez, der VizeprĂ€sident ist nun Jorge RodrĂguez, ehemaliger PrĂ€sident des CNE (Wahlbehörde von Venezuela), der somit stellvertretender Staats- und Regierungschef ist.
Das Parlament ist die Nationalversammlung (Asamblea Nacional) mit einem Einkammersystem mit fĂŒnfjĂ€hriger Legislaturperiode. Sie hat 165 Sitze, wovon die linke PSUV und die Kommunistische Partei Venezuelas derzeit 98 Sitze innehaben. Die Parteien des OppositionsbĂŒndnis Mesa de la Unidad DemocrĂĄtica - u.a. Un Nuevo Tiempo, AcciĂłn DemocrĂĄtica, Copei, Primero Justicia - 65, die oppositionelle Linkspartei Patria Para Todos (PPT) 2 Sitze. Aufgrund des geltenden Wahlrechts werden die Sitze nicht proportional zu den Stimmen verteilt. Der Stimmenanteil der Regierungsparteien bei den letzten Wahlen lag bei 48%, der Anteil ihrer Sitze jedoch bei 59,4%.[15] Vor diesen Wahlen hatten die Regierungsparteien sĂ€mtliche Sitze inne, da die Opposition die Wahlen boykottiert hatte.
Es gibt fĂŒnf GewerkschaftsdachverbĂ€nde: die UniĂłn Nacional de Trabajadores (UNT), die ConfederaciĂłn de Trabajadores de Venezuela (CTV), die ConfederaciĂłn de Sindicatos AutĂłnomos de Venezuela (CODESA), die ConfederaciĂłn General de Trabajadores (CGT) und die Central Unitaria de Trabajadores de Venezuela (CUTV).[16] Die UNT hat aktuell etwa vier Mal so viele Mitglieder wie die CTV.
Die Verwaltungsstruktur des Landes ist in 23 Bundesstaaten aufgeteilt. Es gibt einen Hauptstadtdistrikt. Die Bundesgebiete sind zumeist Inseln.
Venezuela ist Mitglied der Vereinten Nationen und ihrer Unterorganisationen, der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), dem Lateinamerikanischen Wirtschaftssystem (SELA), der OPEC, G-15, G-20, G-24 und G-77[17], dem Amazonaspakt, der SĂŒdamerikanischen Union sowie GrĂŒndungsmitglied der ALBA und der CELAC.
Venezuela hat sich seit 2000 stark weiterverschuldet, trotz der gröĂten Ăleinnahmen seiner Geschichte. Die Schulden in Devisen stiegen zwischen 2000 und 2010 von 21,7 Milliarden auf 36,8 Milliarden US-Dollar. Landesintern wuchsen die Schulden im selben Zeitraum von 1,7 Milliarden auf 19,3 Milliarden US-Dollar (eine Steigerung vom 1045%).[18]
Hatte Venezuela 1998 noch 3 Milliarden US-Dollar Schulden bei der Weltbank, so ist Venezuela seit dem 12. April 2007 mit Tilgung der letzten Rate frei von Schulden gegenĂŒber der Weltbank und dem Internationalen WĂ€hrungsfonds. Am 30. April 2007 kĂŒndigte der PrĂ€sident Hugo ChĂĄvez den RĂŒckzug seines Landes aus Weltbank und Internationalem WĂ€hrungsfonds (IWF) an, da diese Institutionen âMechanismen des Imperialismusâ seien. Trotzdem blieb Venezuela Mitglied beider Organisationen.[19][20][21]
Beim Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) liegt Venezuela an 164. Stelle der 178 erfassten LĂ€nder mit einem CPI-Wert von 2,0 (beziehungsweise das 90 %-Vertrauensintervall liegt zwischen 1,8 und 2,1). Somit wird die Regierung Venezuelas als korrupter wahrgenommen als die von Russland, WeiĂrussland, Kenia oder Demokratische Republik Kongo und als das korrupteste Land der amerikanischen Kontinente.[22]
Die venezolanischen StreitkrÀfte (Fuerza Armada Nacional Bolivariana, FANB) umfassen 85.000 Soldaten, und der Verteidigungshaushalt belief sich 2006 auf rund 1,2 % des BIP.
Die aktuelle MilitÀrdoktrin Venezuelas ist eine territoriale Verteidigung, die sich an der PrÀsenz eines weitaus stÀrkeren Feindes orientiert und ist geprÀgt durch die Erfahrungen seit dem Vietnamkrieg, den militÀrischen Widerstand im Irak und die Einsicht, dass eine starke MilitÀrmacht nicht durch konventionelle KrÀfte gebrochen werden kann. Venezuela sieht sich bedroht durch die Umzingelung des Landes mit US-MilitÀrbasen, deren Zahl unter US-PrÀsident Obama drastisch aufgestockt wurde.
Laut Berichten des britischen Guardian, strebt Venezuela an, die gröĂte Reserve auf dem lateinamerikanischen Kontinent aufzubauen.[23] 54 Kampfflugzeuge und -hubschrauber, unter anderem vom Typ Suchoi Su-30 MK2, wurden in Russland bestellt und Russland bildete im Jahr 2006 196 venezolanische Luftwaffenpiloten aus. Die USA bewerteten das WaffengeschĂ€ft als VerteidigungsmaĂnahme ĂŒberzogen.[24]
Im FrĂŒhjahr 2005 hatte der russische Waffenexporteur Rosoboronexport einen Vertrag ĂŒber die Lieferung von 100.000 AK-103 Sturmgewehren an Venezuela abgeschlossen. Im Sommer 2006 unterzeichnete Venezuela einen Vertrag ĂŒber die Lieferung weiterer 53 Hubschrauber vom Typ Mil Mi-17 W5, Mil Mi-35 Hind und Mil Mi-26 Halo fĂŒr die StreitkrĂ€fte und die Nationalgarde. Im April 2008 wurde bekanntgegeben, dass neun U-Boote des Types 636 aus Russland im Wert von 640 Millionen Euro geliefert werden.[25] Im Juli 2008 wurde bekannt, dass das Luftabwehrsystem Tor M1 an die venezolanischen StreitkrĂ€fte ausgeliefert werden soll.[26]
Venezuelas MilitĂ€rausgaben nahmen 2006 den siebten Platz unter den zwölf sĂŒdamerikanischen Staaten ein (im VerhĂ€ltnis zum BIP den achten Platz).
Mitte November 2009 kĂŒndigte das Verteidigungsministerium an, zwei weitere Einheiten, eine Feldartillerie- und eine Flugabwehrgruppe aufzustellen, fĂŒr letztere unterstĂŒtzt WeiĂrussland das Land mit Trainingskursen. PrĂ€sident Chavez kĂŒndigte kurz darauf an, dass die ersten von 300 bestellten gepanzerten Fahrzeugen kurz vor der Auslieferung stehen, hierzu zĂ€hlen T-72 Panzer.
Im Februar 2010 erhielt die neu aufgestellte 17th Special Operations Air Group (GAOE) auf dem LuftwaffenstĂŒtzpunkt TeĂłfilo Luis MĂ©ndez im Bundesstaat BolĂvar sechs neue Transporthubschrauber vom Typ Mi-17V-5, die mit ungelenkten Raketen und Maschinenkanonen ausgestattet sind.[27]
Ziel der AuĂenpolitik der gegenwĂ€rtigen Regierung ist es, im Rahmen der Alternativa Bolivariana para las AmĂ©ricas (span. Bolivarische Alternative fĂŒr alle Amerikas (ALBA)) ein geeintes und sozialistisches Lateinamerika zu verwirklichen. Die Regierung sieht sich hierbei selbst in einer FĂŒhrungsrolle in Lateinamerika.
Ausdruck dieser Leitidee ist beispielsweise der Abschluss des Handelsvertrags der Völker zwischen Venezuela, Kuba und Bolivien, wĂ€hrend gleichzeitig FreihandelsvertrĂ€ge mit den USA, die Kolumbien und Peru bereits abgeschlossen haben, scharf kritisiert werden. Im Rahmen der Kontroverse um diese FreihandelsvertrĂ€ge trat Venezuela auch aus der Andengemeinschaft aus, der es zusammen mit Peru, Ecuador, Bolivien und Kolumbien angehörte. Das VerhĂ€ltnis zwischen Venezuela und den USA entgegenkommenderen lateinamerikanischen Staaten â vor allem Mexiko, Peru und Kolumbien â gilt als schwierig.
In seinem Streben nach UnabhĂ€ngigkeit gegenĂŒber den USA ist Venezuela in intensive wirtschaftliche und politische Beziehungen u. a. zur Volksrepublik China und zum Iran eingetreten.
In der AuĂenpolitik versucht Venezuela, vor allem den anderen Ă€rmeren lateinamerikanischen LĂ€ndern wirtschaftliche UnterstĂŒtzung zu gewĂ€hren, zum Beispiel durch Infrastrukturerrichtung in Nicaragua, Kuba und Dominica, oder durch UnterstĂŒtzung bei der Bezahlung ihrer fĂ€lligen Auslandsschulden bei Ecuador und Argentinien.
Die staatliche venezolanische Erdölgesellschaft PDVSA versorgt seit dem Jahr 2005 BedĂŒrftige in den USA in den Wintermonaten mit verbilligtem Heizöl. Im Winter 2007/2008 wurden 112 Millionen Gallonen Heizöl (1 Gallone = 3,8 Liter) zu einem 40 % unter dem Marktwert liegenden Preis in 16 Bundesstaaten zur VerfĂŒgung gestellt. Die Verteilung an BedĂŒrftige geschieht in Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Sozialorganisation Citizens Energy.[28]
Im Februar 2007 wurde ein bereits im Mai 2005 von Hugo ChĂĄvez vorgeschlagenes Abkommen zwischen Venezuela und der Stadt London geschlossen, in dem das staatliche venezolanische Erdölunternehmen PetrĂłleos de Venezuela sich verpflichtet, London bei Ăllieferungen einen Preisnachlass von 20 Prozent zu gewĂ€hren, um mit den dadurch erzielten Einsparungen von umgerechnet 23 Millionen Euro eine Verringerung der Fahrpreise fĂŒr Busse und U-Bahnen um 50 Prozent fĂŒr bis zu 250.000 BedĂŒrftige zu finanzieren. Als Gegenleistung erklĂ€rt sich London bereit, Venezuela seine Kenntnisse bei Recycling, Abfallwirtschaft, Verkehrsplanung und der Verringerung des klimaschĂ€dlichen CO2-AusstoĂes zur VerfĂŒgung zu stellen. Der Londoner OberbĂŒrgermeister Livingstone sprach von einem âunglaublich groĂzĂŒgigen Angebotâ. Der neue Londoner BĂŒrgermeister Boris Johnson hat das Abkommen 2008 jedoch wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht âViele Londoner hĂ€tten nicht verstanden, wieso Buslinien in einer der reichsten StĂ€dte der Welt von Menschen in einem Land finanziert werden mĂŒssen, in dem viele in extremer Armut lebtenâ erklĂ€rte Johnson. Das BĂŒro in Caracas, das die Zusammenarbeit regelte, werde geschlossen.[29]
Die Kleinstadt Kaisariani in der NĂ€he von Athen soll Heizöllieferungen bekommen, die 30 Prozent unter dem Marktpreis liegen. Nach Angaben des BĂŒrgermeisters der Stadt, Stelios Tzokas, sind die meisten der rund 35.000 Einwohner einkommensschwach und von den gestiegenen Ălpreisen besonders stark betroffen.
Venezuela und die USA sind wirtschaftlich aufeinander angewiesen. Die USA brauchen venezolanisches Ăl, und Venezuela braucht den US-Markt. Venezuela ist einer der drei gröĂten Erdöllieferanten der Nordamerikaner, und zugleich einer der wichtigsten Importeure nordamerikanischer Waren. Es gibt daher recht enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen beiden LĂ€ndern, auch wenn die USA ein Waffenembargo gegen das Land verhĂ€ngt haben und politisch eine regelrechte Propagandaschlacht zwischen den beiden Regierungen zu beobachten ist.
Die USA warfen Venezuela unter anderem vor, die kolumbianische FARC zu unterstĂŒtzen. So habe das kolumbianische MilitĂ€r bei der Kommandoaktion gegen den FARC-Vize RaĂșl Reyes vier Computer sichergestellt, die belegen sollen, dass ChĂĄvez Waffen und Bargeld im Wert von rund 300 Millionen US-Dollar an die FARC geliefert hat.[30][31] Venezuela bestreitet dies und beklagt im Gegensatz dazu die UnterstĂŒtzung der USA fĂŒr kolumbianische ParamilitĂ€rs. Ebenso halten sich in den USA zahlreiche Exilvenezolaner und Exilkubaner auf, die in Venezuela in TerroranschlĂ€ge auf ein Passagierflugzeug und diverse Botschaften verwickelt waren, darunter die bekannten Terroristen Luis Posada Carriles und Orlando Bosch Ăvila.
Im September 2008 verwies Venezuelas Regierung den US-Botschafter des Landes, unter anderem wegen des Vorwurfs der Einmischung in den Konflikt in Bolivien, und brach die diplomatischen Beziehungen ab. Unter der neuen Regierung um US-PrÀsident Barack Obama kam es auf dem Amerika-Gipfel im April 2009 zu einem Treffen beider Regierungschefs und es wurde eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen vereinbart.[32]
In einem Bericht ĂŒber ChĂĄvezÂŽ Regierungsarbeit warf die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) ihm im September 2008 vor, die Demokratie geschwĂ€cht zu haben. Seine Regierung sei politisch intolerant und diskriminierend und verachte das Prinzip der Gewaltenteilung. Die Situation sei vor allem nach dem gescheiterten Putschversuch einer bĂŒrgerlich-militĂ€rischen Allianz gegen den seit Februar 1999 regierenden ChĂĄvez im April 2002 schlimmer geworden. âBei ihren BemĂŒhungen, die politische Opposition in die Schranken zu weisen und die Macht zu konsolidieren, hat die Regierung von PrĂ€sident ChĂĄvez die demokratischen Institutionen und die Menschenrechtsgarantien in Venezuela geschwĂ€chtâ, erklĂ€rte HRW-Sprecher JosĂ© Miguel Vivanco. In dem HRW-Bericht wird unter anderem beklagt, dass die Zahl der Richter am Obersten Gericht in Caracas von 20 auf 32 erhöht wurde. HRW wirft der Regierung vor, dies getan zu haben um eine regierungsfreundliche Mehrheit zu schaffen. Seitdem entscheide das Oberste Gericht laut HRW nur noch im Sinne der Regierung, wie 2007, als ChĂĄvez die terrestrische Sendelizenz nicht an den oppositionellen Fernsehsender RCTV verlĂ€ngerte, sondern an TVes vergeben hatte und der Oberste Gerichtshof dies als legal beurteilte.
Die Regierung in Caracas wies den HRW-Bericht als einseitig zurĂŒck, da nach Ansicht der Regierung bessere wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte ausgeblendet werden. Die Regierung warf HRW vor (da HRW bereits in der Vergangenheit kurz vor Wahlen die angebliche Verletzung der Menschenrechte anprangerte), die kurz bevorstehenden Kommunalwahlen beeinflussen zu wollen. Die Vorsitzende des Meinungsforschungsinstituts LatinobarĂłmetro betonte hingegen, dass in Venezuela in den letzten Jahren die Zufriedenheit mit der Demokratie gestiegen sei.[33][34][35]
Laut Amnesty International sind in Venezuela âAngriffe, Drangsalierungen und EinschĂŒchterungen von Regierungskritikern, darunter Journalisten und Menschenrechtsverteidiger [âŠ] weit verbreitet.â Gegen Oppositionelle wĂŒrden âAnklagen mit fadenscheinigen BegrĂŒndungen erhoben.â Menschenrechtsverteidiger und die Opfer von Menschenrechtsverletzungen sowie deren Familienangehörige werden regelmĂ€Ăig âvon den SicherheitskrĂ€ften [âŠ] angegriffen, eingeschĂŒchtert und bedroht.â Ăhnliches gelte fĂŒr Journalisten, die ihr Recht auf freie MeinungsĂ€uĂerung wahrnehmen wollen. Allein im Jahre 2009 wurden mindestens 34 Radiosendern die Sendelizenz entzogen, angeblich wegen Nichteinhaltung gesetzlicher Vorschriften. ĂuĂerungen von Regierungsmitgliedern deuteten jedoch darauf hin, dass die SchlieĂung auf Grund der redaktionellen Grundhaltung der jeweiligen Sender erfolgte. AuĂerdem erfolgten gewalttĂ€tige Angriffe auf BĂŒros des regierungskritischen Senders GlobovisiĂłn. Bis Ende 2009 waren noch keine Ermittlungen seitens der venezolanischen Behörden zur AufklĂ€rung der VorfĂ€lle aufgenommen worden.[36]
WĂ€hrend der Amtszeit von Hugo ChĂĄvez hat sich die allgemeine KriminalitĂ€t und Gewalt, welche schon vor dessen Amtszeit auf vergleichsweise hohem Niveau lag, weiter stark verstĂ€rkt. GemÀà einer Studie des Nationalen Instituts fĂŒr Statistik gab es im Jahr 2009 rund 75 Morde auf 100.000 Einwohner. Das sind mehr als doppelt soviel wie im Bewaffneten Konflikt in Kolumbien.[37][38]
Venezuela untergliedert sich in 23 Bundesstaaten, die abhÀngigen Gebieten sowie den Bundesdistrikt.
| Bundesstaat | Hauptstadt | Einwohner | FlÀche | Region | Lage |
|---|---|---|---|---|---|
| Amazonas | Puerto Ayacucho | 70.464 | 177.617 kmÂČ | Guayana | |
| AnzoĂĄtegui | Barcelona | 1.222.225 | 43.300 kmÂČ | Nor â Oriental | |
| Apure | San Fernando de Apure | 377.756 | 76.500 kmÂČ | Llanos | |
| Aragua | Maracay | 1.449.616 | 7.014 kmÂČ | Central | |
| Barinas | Barinas | 624.508 | 35.200 kmÂČ | Andean | |
| BolĂvar | Ciudad BolĂvar | 1.214.846 | 240.528 kmÂČ | Guayana | |
| Carabobo | Valencia | 1.932.168 | 4.650 kmÂČ | Central | |
| Cojedes | San Carlos | 253.105 | 14.800 kmÂČ | Central | |
| Delta Amacuro | Tucupita | 97.987 | 40.200 kmÂČ | Guayana | |
| FalcĂłn | Coro | 763.180 | 24.800 kmÂČ | Central â Occidental | |
| GuĂĄrico | San Juan de los Morros | 627.086 | 64.986 kmÂČ | Llanos | |
| Lara | Barquisimeto | 1.556.415 | 19.800 kmÂČ | Central â Occidental | |
| MĂ©rida | MĂ©rida | 715.268 | 11.300 kmÂČ | Andean | |
| Miranda | Los Teques | 2.330.872 | 7.950 kmÂČ | Capital | |
| Monagas | MaturĂn | 712.626 | 28.900 kmÂČ | Nor â Oriental | |
| Nueva Esparta | La AsunciĂłn | 426.337 | 1.150 kmÂČ | Insular | |
| Portuguesa | Guanare | 725.740 | 15.200 kmÂČ | Central â Occidental | |
| Sucre | CumanĂĄ | 786.483 | 11.800 kmÂČ | Nor â Oriental | |
| TĂĄchira | San CristĂłbal | 992.669 | 11.100 kmÂČ | South â Occidental | |
| Trujillo | Trujillo | 608.563 | 7.400 kmÂČ | Andean | |
| Vargas | La Guaira | 298.109 | 1.497 kmÂČ | Capital | |
| Yaracuy | San Felipe | 499.049 | 7.100 kmÂČ | Central â Occidental | |
| Zulia | Maracaibo | 2.983.679 | 63.100 kmÂČ | Zulian | |
| Dependencias Federales | â | 2.245 | 120 kmÂČ | Insular | |
| Distrito Capital (Bundesdistrikt) | â | 2.284.921 | 433 kmÂČ | Capital | |
</center>
Im Jahr 2004 verabschiedete die venezolanische Regierung das âGesetz ĂŒber Technologie und Informationâ, das alle öffentlichen Einrichtungen verpflichtet, ihre Rechner auf freie Software-Angebote umzustellen, wenn geeignete Produkte existieren. Im Jahr 2008 meldete das Nationale Zentrum fĂŒr Informationstechnologie (CNTI) entscheidende Fortschritte bei der Umstellung auf freie Software: mehr als ein Drittel aller BĂŒrgermeisterĂ€mter haben ihre Computer inzwischen auf den Betrieb mit freier Software umgestellt und es konnten eine Reihe von Kooperationen zwischen neu gegrĂŒndeten IT-Unternehmen und öffentlichen Institutionen sowie selbstverwalteten Gemeinden vermittelt werden. Zudem nahmen im Jahr 2008 500 Ausbilder in 400 Gemeinden ihre Arbeit auf, um sowohl Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen und Unternehmen wie auch die Bevölkerung allgemein zur Arbeit mit freier Software zu befĂ€higen. Ein zentrales Projekt des CNTI ist die Entwicklung des Betriebssystems Canaima GNU/Linux, einer eigenen venezolanischen Debian-basierten Linux-Variante. Auch der wiederverstaatlichte Telefonanbieter CANTV will auf freie Software umstellen und der staatliche Ălkonzern PDVSA will in Kooperation mit Kuba ein eigenes Software-Unternehmen grĂŒnden. In Caracas und in MĂ©rida wurde jeweils eine Akademie fĂŒr freie Software aufgebaut und zwei weitere Akademien sollen im Jahr 2009 in den Bundesstaaten FalcĂłn und Trujillo eröffnet werden.[39]
In den ersten fĂŒnf Jahren des 21. Jahrhunderts rangierte Venezuela unter den zehn LĂ€ndern mit der höchsten Entwaldungsrate des Planeten.[40] Durch das im Jahr 2006 gestartete Wiederaufforstungsprogramm MisiĂłn Ărbol konnten bis zum Jahr 2010 42 Millionen BĂ€ume auf 34.000 Hektar LandflĂ€che aufgeforstet werden.[41]
PlÀne zum Bau von Atomkraftwerken in Venezuela wurden angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima wieder eingestellt.[42]
Zum Schutz der Artenvielfalt des Meeres ist seit dem 14. MĂ€rz 2008 in venezolanischen KĂŒstengewĂ€ssern das Fischen mit Trawlern verboten.[43]
Erdöl sichert vier FĂŒnftel der Exporterlöse, die HĂ€lfte der Staatseinnahmen und 25 Prozent des Sozialproduktes. 2005 verdiente das Land rund 35 Prozent mehr mit Ăl als im Jahr zuvor. Die laufenden Einnahmen der Regierung sind demnach in den ersten sechs Monaten des Jahres 2005 um 80 Prozent gestiegen. Entsprechend wurde vom Preisanstieg bis 2008 profitiert.
Kritiker werfen dem Staat und der staatlichen Ălfördergesellschaft PDVSA mangelnde Erhaltungs-Investitionen in die Ălförderanlagen vor. 1997 förderte Venezuela noch 3,3 Millionen Barrel (Fass) Ăl tĂ€glich.[44] Staatlichen Angaben zufolge betrug die tĂ€gliche Ălfördermenge im Jahre 2008 3,4 Millionen Barrel pro Tag. Veröffentlichungen der Organisation der ErdölförderlĂ€nder OPEC, wo Venezuela selbst Mitglied ist, beziffern diese jedoch lediglich auf 2,33 Millionen.[45] Im ersten Halbjahr 2010 lag die tĂ€gliche Fördermenge laut Bericht der PDVSA nur noch bei 2,45 Millionen Fass, dem niedrigsten Wert seit 2003. Davon wurden 600.000 Fass in Venezuela selbst verbraucht, 300.000 Fass gingen zu Vorzugsbedingungen an Mitgliedstaaten von Petrocaribe. Weitere 300.000 Fass tĂ€glich gingen fĂŒr Swap-GeschĂ€fte zur Kredittilgung nach China. Demzufolge standen lediglich rund 1,25 Millionen Barrel fĂŒr den Verkauf zu Weltmarktpreisen zur VerfĂŒgung.[46]
Obwohl der Wald in Venezuela weit verbreitet ist, wird dieser aufgrund der schwierigen ZugĂ€nglichkeit dieser Gebiete nur in relativ geringem AusmaĂ fĂŒr die Forstwirtschaft genutzt. Nutzholz wird hauptsĂ€chlich fĂŒr die Bau-, Möbel- und Papierindustrie verwendet.[47]
Der Ackerbau spielt in Venezuelas Landwirtschaft nur eine relativ geringe Rolle, etwa die HĂ€lfte der ErtrĂ€ge der Landwirtschaft kommt aus der Rinderzucht. GroĂe Bedeutung fĂŒr die Lebensmittelwirtschaft haben die groĂen Fangflotten und reichlichen Fischvorkommen an der KĂŒste Venezuelas. Gefangen werden hauptsĂ€chlich Thunfisch, Schalentiere und Sardinen.
Venezuela exportierte 2008 Waren im Wert von 93,5 Mrd. US Dollar, hauptsĂ€chlich Erdöl und Erdölprodukte, die Importe lagen im selben Jahr bei 48,1 Mrd $, womit die Handelsbilanz positiv ausfĂ€llt. Hauptimporte sind Maschinen und elektrische AusrĂŒstungen, chemische Erzeugnisse und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Wichtigster Handelspartner sind die Vereinigten Staaten, weit dahinter folgen Kolumbien, Mexiko, Brasilien und China.[48]
Bei der Ausfuhr von Eisenerz ist Venezuela dank ergiebiger Quellen am Orinoco auf dem 8. Platz in der Welt. Weiterhin exportiert das Land auch Stahl, Edelmetalle, Aluminium, Zement und Textilien. Weiterer wichtiger Wirtschaftszweig ist die Tourismusbranche.
Venezuela ist Mitglied der International Cocoa Organization.
Der gröĂte Teil der ElektrizitĂ€t stammt aus Wasserkraft. Beispiele sind die StaudĂ€mme am CaronĂ, von denen der Damm am Guri-Stausee der prominenteste ist. Er ist das derzeit drittgröĂte Wasserkraftwerk weltweit.
Der Anteil von anderen erneuerbaren Energien an der Energieversorgung ist unbedeutend, obwohl die Möglichkeit zur Nutzung von Wind- und Sonnenenergie in Venezuela in erheblichem MaĂe vorhanden wĂ€re. Die einseitige AbhĂ€ngigkeit von Wasserkraft, ein in den letzten Jahren gestiegener Energieverbrauch, unzureichende Planung und mangelhafte Wartung der Infrastruktur fĂŒhrten in den letzten Jahren zu teilweise massiven Problemen bei der ElektrizitĂ€tsversorgung. 2010 musste aufgrund einer extremen DĂŒrre die Energieversorgung durch tĂ€glich mehrstĂŒndige Stromabschaltungen rationiert werden.[49][50][51]
Ein geplantes Atomenergieprogramm[52] wurde angesichts der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 vorerst wieder aufgegeben.[53]
Das bei weitem gröĂte Unternehmen in Venezuela ist der staatliche Erdölkonzern PetrĂłleos de Venezuela (PDVSA), mit etwa 80.000 Arbeitnehmern.[54]
Weiterhin gibt es die Linea Aeropostal Venezolana, die zehntgröĂte sĂŒdamerikanische Fluggesellschaft. Die Venezolana Internacional de AviaciĂłn, Sociedad AnĂłnima (VIASA), die staatliche Fluggesellschaft, existierte bis 1997. Die Regierung versucht mit der 2004 gegrĂŒndeten Conviasa, eine neue staatliche Fluglinie zu etablieren - bisher nur mit mĂ€Ăigem Erfolg.
In Venezuela gibt es eine Wertpapierbörse, die Bolsa de Valores de Caracas.
Von Mitte der 1990er Jahre bis 2007 war Caracas Sitz der World Boxing Association, seit 2007 ist er wieder in Panama.
Viele Unternehmen, die in den 80er und 90er Jahren privatisiert wurden, sind inzwischen wieder verstaatlicht; seit 2007 wurden vom Staat 347 Unternehmen aus einer breiten Reihe von Industrien (Energie, Banken, Zement, Einzelhandel, Tourismus, etc) zu marktgerechten Preisen enteignet. (Stand Oktober 2010).[55][56]
Seit 2003 gibt es eine WĂ€hrungskontrolle, die den Umtausch des BolĂvar (Bs bzw. BsF) in andere WĂ€hrungen beschrĂ€nkt. Der BolĂvar ist also nicht frei konvertierbar. Zum Januar 2008 wurde in Venezuela ein WĂ€hrungsschnitt 1:1000 zum BolĂvar Fuerte (BsF) durchgefĂŒhrt.[57]
Die ChĂĄvez-Regierung hat lange versucht, den offiziellen Wechselkurs trotz hoher Inflationsraten stabil zu halten. So lag dieser von 2005 bis Anfang 2010 unverĂ€ndert bei 2150 Bs bzw. 2,15 BsF (nach dem WĂ€hrungsschnitt) fĂŒr 1 US$.[58] Im Januar 2010 wurde zunĂ€chst ein System mit zwei Wechselkursen eingefĂŒhrt, mit 2,60 BsF je US-Dollar fĂŒr besondere ImportgĂŒter, wie Lebensmittel und Medikamente, und 4,30 BsF/USD fĂŒr sonstiges. Ab 1. Januar 2011 gilt wieder ein einheitlicher Wechselkurs von 4,30 BsF/USD. Der unreglementierte Schwarzmarktkurs betrug Ende 2010 rund 8,4 BolĂvares pro Dollar und war damit fast doppelt so hoch wie der offizielle Wechselkurs.[59]
Die ComisiĂłn de AdministraciĂłn de Divisas, CADIVI (dem Finanzministerium zugeordnet), erteilt die Devisen an Firmen und private Personen nach bestimmten SchlĂŒsseln.Seit 1. Januar 2009 liegt fĂŒr Privatpersonen das Limit bei 3.000 US$ pro Jahr (vorher 5.600 US$).[60] Basis ist der staatlich festgelegte Wechselkurs. Um den GroĂteil dieser Dollars (2.500 US$) von CADIVI zugestanden zu bekommen, muss der Antragsteller eine Kreditkarte besitzen, weitere 500 US$ können pro Jahr in Bar getauscht werden.[61]
Am 9. Dezember 2005 kĂŒndigte Venezuela an, als fĂŒnftes Mitglied dem sĂŒdamerikanischen WirtschaftsbĂŒndnis MERCOSUR beitreten zu wollen. Im Juli 2006 wurde die Aufnahme Venezuelas in den Mercosur von den PrĂ€sidenten der vier MitgliedslĂ€nder beschlossen und spĂ€ter von den Parlamenten Argentiniens und Uruguays angenommen. Die ChĂĄvez-kritischen Parlamente Brasiliens und Paraguays verweigern aber bis heute die Zustimmung.[62][63]
Seit 2005 gibt es die durch Hugo ChĂĄvez initiierte Alianza Bolivariana para las AmĂ©ricas (abgekĂŒrzt âALBAâ, deutsch âBolivarische Allianz fĂŒr die Amerikasâ), welche dem Aufbau einer Wirtschaftsgemeinschaft zwischen Kuba und Venezuela dient. Seitdem sind auch Bolivien, Nicaragua, Honduras, Ecuador, Dominica, Antigua und Barbuda, sowie St. Vincent und die Grenadinen der ALBA beigetreten. Ziel ist es, eine Alternative zu der von den USA angestrebten gesamtamerikanischen Freihandelszone zu schaffen und möglichst viele Staaten Lateinamerikas fĂŒr einen gemeinsamen Wirtschaftsmarkt zu gewinnen.
Ein weiteres Abkommen ist das Petrocaribe. Es erlaubt den Karibikstaaten den Kauf von Erdöl aus Venezuela, allerdings muss nur ein kleiner Teil sofort bezahlt werden. Der restliche Betrag kann zu einem Zinssatz von 1 % fĂŒr 25 Jahre gestundet werden. Das Abkommen hat inzwischen schon 19 Mitglieder im Karibik- und Zentralamerikaraum.
Nach Angaben des staatlichen Statistikinstituts (INE) hat sich der Anteil der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Venezolaner von 55,4 % im ersten Halbjahr 1998 auf 28,5 % im zweiten Halbjahr 2009 verringert, der Anteil der unter extremer Armut lebenden Menschen im selben Zeitraum von 24,7 % auf 7,2 %.[64]
| Anteil der in Armut lebenden Personen an der Gesamtbevölkerung | ||||||||||||
| Jahr | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| Quote 2. Halbjahr |
50,4 % | 48,7 % | 46,3 % | 45,4 % | 55,4 % | 62,1 % | 53,9 % | 43,7 % | 36,3 % | 33,6 % | 32,6 % | 28,5 % |
| Quelle: INE[64] | ||||||||||||
| Anteil der in extremer Armut lebenden Personen an der Gesamtbevölkerung | ||||||||||||
| Jahr | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| Quote 2. Halbjahr |
20,3 % | 20,1 % | 18,0 % | 16,9 % | 25,0 % | 29,8 % | 22,5 % | 17,8 % | 11,1 % | 9,6 % | 9,2 % | 7,2 % |
| Quelle: INE[64] | ||||||||||||
Der Gini-Koeffizient, der die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums misst, ist von 0,5 im Jahr 2002[65] auf 0,39 im Jahr 2009 gesunken.[64] Die registrierte Arbeitslosigkeit entwickelte sich wie folgt:
| Arbeitslosigkeit | ||||||||||
| Jahr | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | I Sem. 2009 | |||
| Arbeitslosenquote | 16,8 % | 15,3 % | 12,2 % | 10,0 % | 9,4 % | 7,1 % | 7,9 % | |||
| Quelle: bfai[48], Germany Trade and Invest,[66] EFE[67] | ||||||||||
Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und AuĂenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaĂen:
| VerÀnderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), real | ||||||||||||
| in % gegenĂŒber dem Vorjahr | ||||||||||||
| Jahr | 1998 | 1999 | 2000 | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| VerĂ€nderung in % gg. Vj. | â1,0 | â7,2 | 3,2 | 2,8 | â8,9 | â7,7 | 18,3 | 10,3 | 10,3 | 8,4 | 4,8 | ~â2,2 |
| Quelle: Germany Trade and Invest[66] | ~ = geschÀtzt | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Entwicklung des BIP (nominal) | |||||||||||||
| absolut (in Mrd. US$) | je Einwohner (in Tsd. US$) | ||||||||||||
| Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | Jahr | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| BIP in Mrd. US$ | 110 | 143,4 | 184,3 | 236,4 | ~319,4 | ~294,3 | BIP je Einw. (in Tsd. US$) | 4,2 | 5,4 | 6,8 | 8,6 | ~11,4 | ~10,3 |
| Quelle: Germany Trade and Invest[66] | ~ = geschÀtzt | ~ = geschÀtzt | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Entstehung und Verwendung des BIP (2007) | |||
| Entstehung des BIP (in %) | Verwendung des BIP (in %) | ||
|---|---|---|---|
| Industrie | 16,5 | Privater Konsum | 59,3 |
| Erdöl | 12,2 | Staatsverbrauch | 11,5 |
| Dienstleistungen d. Zentralreg. | 11,0 | Bruttoanlageinvestitionen | 29,2 |
| Handel | 11,0 | ||
| Immobilien- und Unternehmensdienstleistungen | 9,6 | ||
| Baugewerbe | 6,9 | ||
| sonstiges | 32,8 | ||
| Quelle: bfai[48] | |||
| Entwicklung der Inflationsrate | Entwicklung des Haushaltssaldos | ||||||||||||||
| in % gegenĂŒber dem Vorjahr | in % des BIP (âminusâ bedeutet Defizit im Staatshaushalt) | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | Jahr | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
| Inflationsrate | 31,1 | 21,7 | 15,9 | 13,6 | 18,7 | 30,4 | ~36,5 | Haushaltssaldo | â5,8 | â1,9 | 1,7 | â0,8 | â2,5 | ~0,0 | ~â4,0 |
| Quelle: Germany Trade and Invest[66] | ~ = geschÀtzt | ||||||||||||||
| Haupthandelspartner (2008) | |||
| Ausfuhr (in %) nach | Einfuhr (in %) von | ||
|---|---|---|---|
| USA | 31,1 | USA | 26,0 |
| Kolumbien | 17,3 | Kolumbien | 15,0 |
| Mexico | 6,2 | VR China | 9,4 |
| Niederlande | 6,1 | Brasilien | 9,0 |
| Ecuador | 3,6 | Mexiko | 4,6 |
| sonstige LĂ€nder | 35,7 | sonstige LĂ€nder | 36,0 |
| Quelle: Germany Trade and Invest[66] | |||
| Hauptprodukte des AuĂenhandels (2008) | |||
| AusfuhrgĂŒter (Anteil in %) | EinfuhrgĂŒter (Anteil in %) | ||
|---|---|---|---|
| unedle Metalle und -erzeugnisse | 50,0 | Maschinen u. elektr. AusrĂŒstungen | 31,3 |
| chemische Erzeugnisse | 20,0 | chemische Erzeugnisse | 11,9 |
| Bergbauprodukte | 7,2 | landwirtschaftliche Erzeugnisse | 10,6 |
| TransportausrĂŒstungen | 6,6 | Metalle u. TransportausrĂŒstungen | 7,3 |
| Quelle: Germany Trade and Invest[66] | |||
| Entwicklung des AuĂenhandels | ||||||||||||
| in Mrd. US$ und seine VerĂ€nderung gegenĂŒber dem Vorjahr in % | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | |||||||
| Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ | % gg. Vj. | Mrd. US$ | % gg.Vj. | Mrd. US$ | % gg.Vj. | Mrd. US$ | % gg.Vj. | |
| Einfuhr | 11,4 | â19,8 | 18,6 | 63,2 | 25,3 | 39,0 | 32,2 | 35,9 | 45,5 | 41,3 | 48,1 | 5,7 |
| Ausfuhr | 27,2 | 1,5 | 38,7 | 42,3 | 55,5 | 39,8 | 65,2 | 17,5 | 69,2 | 6,1 | 93,5 | 35,1 |
| Saldo | 15,8 | 20,1 | 30,2 | 30,8 | 20,6 | 45,4 | ||||||
| Quelle: bfai,[48] Germany Trade and Invest[66] | ||||||||||||
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 86,5 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 66,4 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,6 % des BIP.[68]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 64,4 Mrd. US-Dollar oder 18,0 % des BIP.[68]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:
Das Jahr beginnt mit dem 1. Januar, dem Neujahr. Im MĂ€rz/April gibt es das Osterfest. Seit dem 19. April 1810 wird jĂ€hrlich die VerkĂŒndung der UnabhĂ€ngigkeit gefeiert. Wie in anderen LĂ€ndern gibt es am 1. Mai den Tag der Arbeit. Am 24. Juni wird die Schlacht von Carabobo gefeiert.
Der Nationalfeiertag ist der 5. Juli (Tag der UnabhĂ€ngigkeit, DĂa de la Independencia), der Tag, an dem 1811 die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung verfasst wurde. Ein weiterer Feiertag ist der 24. Juli, das Geburtsdatum SimĂłn BolĂvars. Die âEntdeckung Amerikasâ wird am 12. Oktober gefeiert und Weihnachten am 25. Dezember.
Bedingt durch die starke katholische Tradition des Landes werden die verschiedensten Heiligentage in kleinen lokalen Festen das ganze Jahr hindurch gefeiert.
In Venezuela gibt es sowohl ein staatliches als auch ein privates Schul- und Hochschulsystem. Im lateinamerikanischen Vergleich ist das Hochschulsystem sehr gut, jedoch sind noch deutliche Defizite im staatlichen Schulsystem zu erkennen. Die Schulpflicht betrĂ€gt neun Jahre, allerdings erfĂŒllten diese 1998 nur etwa 60 % der schulpflichtigen Kinder. Die Analphabetenquote liegt unter 10 %.
Neben dem privaten, kostenpflichtigen Schulsystem gab es seit 1870 ein kostenloses Schulsystem[70]. Ab 2003 erweiterte der Staat dieses System mit einem parallelen, sogenannten bolivarischen Schulsystem ab 2003. Dieses neue System lĂ€sst aber noch Defizite erkennen. Das bolivarische Bildungssystem richtet sich sowohl an Erwachsene als auch an Schulpflichtige. Die Erwachsenenbildungsprogramme sind in so genannten MisiĂłnes organisiert. Sie sind nach dem Generalstreik im FrĂŒhjahr 2003 angelaufen und werden dezentral angeboten:
MisiĂłn Robinson I ist ein Alphabetisierungsprogramm fĂŒr Erwachsene, an dem bis Ende 2005 fast 1,5 Millionen Personen teilgenommen haben und bietet Kurse zur Erlangung eines Primarschulabschlusses (6. Klasse) an. ErgĂ€nzend dazu gibt es noch die MisiĂłn Robinson II. An diesen Kursen haben im Jahr 2005 600.000 Personen teilgenommen. MisiĂłn Ribas ist ein Erwachsenenbildungsprogramm zur Erlangung eines Sekundarschulabschlusses (Abschluss nach der 11. Klasse). DarĂŒber hinaus gibt es noch das Programm MisiĂłn Sucre.[71]
2003 wurde die Universidad Bolivariana de Venezuela gegrĂŒndet, an der im Gegensatz zur nationalen Uni alle Interessenten mit Sekundarschulabschluss studieren können. An dieser Uni existieren zur Zeit 11 entwicklungstechnisch relevante StudiengĂ€nge (zum Beispiel Gemeindemedizin, Sozialarbeit, PĂ€dagogik, Jura). Die Ausbildung besteht paritĂ€tisch aus universitĂ€ren und praktischen Anteilen. Da die bolivarianische Uni nicht alle Interessenten aufnehmen kann, wurden dezentral Studierzirkel eingerichtet, die von Dozenten, Studenten höherer Semester sowie ĂŒber Fernkurs versorgt werden. Die dezentrale Hochschulausbildung ist der Inhalt der MisiĂłn Sucre.
In den Armenvierteln werden bolivarianische Vorschulen, Grundschulen und Sekundarschulen errichtet. Die Schulen sind perspektivisch als Ganztagsschulen konzipiert. An der Konzeption der Schulen sollen alle BeschÀftigten (Lehrer, Psychologen und Handwerker) beteiligt werden. Die Schulen sollen Schulkleidung, 2 Mahlzeiten am Tag und die medizinische Versorgung der Kinder bereitstellen. Lerninhalte sind nicht nur die gewöhnlichen SchulfÀcher, sondern auch die BewÀltigung des Alltags.
Im Jahr 2003 wurden 2800 neue Schulen gegrĂŒndet, in denen die Konzeption teilweise schon verwirklicht ist. Laut der NGO Organisation for the Defence of the Right to Education versuchen Schuldirektoren im Bundesstaat AnzoĂĄtegui mit schlechter Sicherheitslage jedoch illegal, SchulgebĂŒhren fĂŒr den Unterricht zu verlangen und schlechtere SchulqualitĂ€t anzubieten als in offiziellen ErklĂ€rungen.[72]
Ab dem Jahr 2009 werden SchĂŒler an ĂŒber 1000 Schulen in Venezuela ab der ersten Klasse im Umgang mit Computern unterrichtet. Die Schulen sind mit Laptops ausgestattet, auf denen eine eigene Linux-Distribution namens Canaima installiert ist. Ab MĂ€rz 2010 sollen alle 5.700 Grundschulen des Landes entsprechend ausgestattet sein.[73]
Venezuela ist -mit Bolivien, Paraguay, Ecuador, Guyana und Surinam, eins der sĂŒdamerikanischen LĂ€nder, die an der PISA-Studie nicht teilnehmen.
Seit 1975 hat der venezolanische Wirtschaftswissenschaftler und Musiker JosĂ© Antonio Abreu ein landesweites Netz von Jugendorchestern (El Sistema) aufgebaut, das inzwischen ĂŒber 300.000 Kindern und Jugendlichen kostenlos Zugang zu Musikunterricht und zu einem eigenen Instrument geschaffen hat und zu höchsten musikalischen Leistungen wie unter anderem der international renommierten SinfĂłnica de la Juventud Venezolana SimĂłn BolĂvar gefĂŒhrt hat. Die musikpĂ€dagogische Arbeit von El Sistema hilft den Kreislauf von Armut und Gewalt zu durchbrechen. 2009 entstand der Dokumentarfilm El Sistema von Paul Smaczny und Maria Stodtmeier.[74]
Durch ein Projekt der Regierung, an dem zuerst nur 2000 kubanische, spĂ€ter auch einheimische Ărzte teilnahmen, konnte die Versorgung der Bevölkerung, besonders der Ă€rmsten Schichten, angehoben werden. ErgĂ€nzend wurde ein ErnĂ€hrungsprojekt gestartet, das die Versorgung der Armen mit Lebensmitteln in den Mercal- MĂ€rkten zu subventionierten Preisen sicherstellt.
Mitte 2003 begann die MisiĂłn Barrio Adentro (tief im Viertel) zum Aufbau einer flĂ€chendeckenden kostenlosen medizinischen Versorgung. Ende 2006 arbeiteten in dem Programm 20.000 kubanische und 4.000 venezolanische Ărzte, um in den Armenvierteln die Gesundheitsversorgung aufzubauen. Die Versorgung ist kostenlos, die Medikamente werden vom Staat zur VerfĂŒgung gestellt. Die Medizinstationen werden aus einem Baukastenset errichtet, welches aus einer kleinen Praxis und einer kleinen Wohnung besteht. Die Bevölkerung wird durch je einen kubanischen und einen venezolanischen Arzt (beziehungsweise Studenten höheren Semesters) versorgt. Nahziel ist, dass der kubanische Arzt nach zwei Jahren zurĂŒckkehren kann und der Venezolaner einen weiteren Venezolaner einarbeitet. Fernziel ist die Ausbildung von 200.000 Ărzten innerhalb von zehn Jahren, die dann ganz Lateinamerika versorgen sollen. Schon sechs Monate nach dem Start des Programms 2003 waren 3 Millionen Personen medizinisch versorgt.
In den StÀdten werden seit 2003 in selbst organisierten Mercal-MÀrkten staatlich subventionierte Lebensmittel angeboten. Die Mercal-MÀrkte setzten 2005 landesweit 40 % der Grundnahrungsmittel und 20 % aller Nahrungsmittel um. Die Preise liegen zwischen 30 % und 70 % unter denen der normalen LÀden. Ziel ist die flÀchendeckende Lebensmittelversorgung vor allem der armen Bevölkerung. 2006 gab es 14.000 LÀden.
Ein weiteres Programm zur Verbesserung der ErnĂ€hrungssituation der armen Bevölkerung sind die sogenannten Casas de AlimentaciĂłn (VolkskĂŒchen), die in den Barrios selbst organisiert werden und mit staatlicher Finanzierung kostenlos 2â3 Mahlzeiten zur VerfĂŒgung stellen.
DarĂŒber hinaus wird seit dem Amtsantritt ChĂĄvez' die Verpflegung von Kindern in der Schule konsequent ausgebaut, um eine ErnĂ€hrung auch ohne finanzielle Mittel sicherzustellen.
Dank der ErnÀhrungsprogramme und der verbesserten Lebensmittelproduktion konnte die Zahl der an UnterernÀhrung leidenden Personen im Land deutlich verringert werden. Der Vertreter der ErnÀhrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, Alfedo Missair, sagte, Venezuela sei auf dem Weg die Milleniumsziele der UNO zu erreichen, die zwischen 1990 und 2015 eine Halbierung der Personen mit UnterernÀhrung vorsehen. Mit 3,7 Prozent der Bevölkerung, die an UnternÀhrung leidet, liege Venezuela deutlich unter dem lateinamerikanischen Durchschnittswert von sechs Prozent. Nach Angaben der Direktorin des Nationalen ErnÀhrungsinstitutes (INN), Marilyn Di Luca, weisen weltweit nur neun LÀnder weniger Personen mit UnterernÀhrung auf als Venezuela.[75] Der durchschnittliche Kalorienverbrauch stieg von 2120 kcal im Jahr 1999 auf 2780 kcal im Jahr 2010.[76]
Eines der gröĂten Probleme Venezuelas ist die KriminalitĂ€t, welches sich seit Amtsantritt ChĂĄvez' noch einmal deutlich verschĂ€rft hat.
Die Mordrate pro 100.000 Einwohner entwickelte sich laut Angaben der Vereinten Nationen[77][78] folgendermaĂen:
Seit 2003 hat die venezolanische Regierung keine Statistiken ĂŒber Morde an die Vereinten Nationen geliefert. 2006 sind etwa 16.059 Menschen umgebracht worden, wie das Innenministerium mitteilte. Die Statistiken lassen sich aber aus den CICPC-Berichten jeder Region erstellen. In Venezuela sind demzufolge in den letzten sieben Jahren ĂŒber 85.000 Menschen durch Gewaltdelikte verstorben, Zahlen, die viel höher sind als in den letzten Jahrzehnten, wie NGOs (unter anderem Amnesty International Venezuela) in einer Konferenz im April 2007 informierten.[79] TĂ€glich sterben auf Venezuelas StraĂen bis zu 44 Menschen (Stand 2005[80]) an den Folgen von Gewaltverbrechen. Nach UNO-Angaben hat Venezuela im Jahr 2007 die weltweit höchste Rate an Verbrechen mit Schusswaffengebrauch.[81] Nach Berichten von amnesty international wurden bis 2006 mehrere Personen, die krimineller Handlungen verdĂ€chtigt wurden, von der Polizei erschossen oder verschwanden spurlos, ihre Angehörigen wurden anschlieĂend von der Polizei unter Druck gesetzt nicht auszusagen. Eine Organisation (COFAVIC) zur AufklĂ€rung der Verbrechen vom Caracazo 1989 wurde ohne Polizeischutz von Anonymen eingeschĂŒchtert. In dem Bericht sieht amnesty international mit den neuen öffentlichen Verpflichtungen vom Staat jedoch auch einen Fortschritt.[72][82] Im MĂ€rz 2007 wurde in Venezuela ein Gesetz zum Schutz von Frauen gegen Gewalt verabschiedet. Amnesty international kritisierte 2008, dass trotz des neuen Gesetzes es jedoch auch fortdauernd Gewalt gegen Frauen gebe, sowie anhaltende gewalttĂ€tige politische Auseinandersetzungen zwischen BefĂŒrwortern und Gegnern der Regierung, gegen die die Regierung nichts Effektives unternehme.[83]
Nach dem AuswĂ€rtigen Amt besteht in Venezuela insbesondere Gefahr durch EntfĂŒhrungen zur Erpressung von Geldzahlungen und ĂberfĂ€lle mit Waffengewalt. Die StraĂenkriminalitĂ€t in venezolanischen GroĂstĂ€dten, besonders in Caracas, ist unvermindert hoch. Bei Kontrollen durch Uniformierte im Stadtgebiet, bei StraĂenkontrollen, und selbst am Flughafen sind in der Vergangenheit Reisende von den uniformierten Kontrolleuren beraubt oder zu Geldzahlungen bzw. Geldumtausch genötigt worden. In den Gebieten entlang der kolumbianischen Grenze besteht als Folge des kolumbianischen Binnenkonflikts eine erhöhte Gefahr von EntfĂŒhrungen und anderen Gewaltverbrechen. Besondere Vorsicht sollte man bei Taxis und nachts walten lassen - es ist aber in Vergangenheit auch vermehrt sogar in Hotelanlagen zu Ăbergriffen gekommen.
Kontrollen an den venezolanischen FlughĂ€fen gehen ĂŒber das allgemein an internationalen FlughĂ€fen ĂŒbliche MaĂ hinaus: Bei der Ausreise aus Venezuela sowie beim Flughafentransit kann es zu zeitaufwĂ€ndigen Kontrollen kommen, da die venezolanischen Behörden zur BekĂ€mpfung des internationalen Drogenhandels umfassende Kontrollen von GepĂ€ck und Personen durchfĂŒhren. Reisende und ihr GepĂ€ck werden daher sehr genau und mehrfach kontrolliert - BeschĂ€digungen von GepĂ€ck und ggf. auch von GegenstĂ€nden, die sich in den Koffern befinden, sind die Folge. Zur Kontrolle von Personen kommen in den FlughĂ€fen regelmĂ€Ăig so genannte Ganzkörperscanner zum Einsatz. Es ist aber nicht auszuschlieĂen, dass auch weiterhin in nicht vorhersehbaren FĂ€llen und Situationen die bisher als Regel ĂŒblich gewesene Kontrolle durch Röntgen in einem Krankenhaus in der Umgebung des Flughafens erfolgt. Der Transport zum Krankenhaus erfolgt dabei durch die venezolanische Armee. Die Einhaltung ĂŒblicher medizinischer Standards bei Erstellung der Röntgenaufnahme (z.B. Schutz durch BleischĂŒrze) ist dabei oft nicht gewĂ€hrleistet. [84]
Die kulturellen Höhepunkte des Landes bietet die Hauptstadt Caracas. Im Landesinneren ist das kulturelle Leben dagegen weniger entwickelt.
Zu den bekanntesten GebĂ€uden gehören die Kathedrale von Coro, die Chiesa de San Clemente, die Kathedrale von Ciudad BolĂvar, die Kathedrale von Caracas, sowie die Kirche von San Francisco. Besonders sehenswert sind auch das âCapitol von Caracasâ und das âHaus der Gouverneure in Ciudad BolĂvarâ.
Das âPanteĂłnâ und das âStadttheaterâ gehören zu den bedeutenden Bauwerken Caracas'.
Zu den bekanntesten Museen in Caracas zĂ€hlen die ColecciĂłn Cisneros, die ColecciĂłn FundaciĂłn Polar, das nationale Kunstmuseum, das Museo Alejandro Otero (zeitgenössische Kunst), das Museo de Arte Colonial Quinta de Anauco (Museum fĂŒr Kunst der Kolonialzeit) und das Museo de Arte ContemporĂĄneo de Caracas SofĂa Imber (zeitgenössische Kunst).
Weitere bekannte Museen finden sich in Acarigua, Barquisimeto, Ciudad BolĂvar, Maracaibo, MĂ©rida, San Carlos, San CristĂłbal, San Felipe und Valencia.
Venezuelas Filmbranche ist klein, kam die letzten Jahre aber in Schwung. Sie produziert vor allem zeitgenössische sozialkritische Filme oder Historiendramen. Der gröĂte Erfolg der letzten Jahre war Secuestro Express (Express Kidnapping, 2005) von Jonathan Jakubowicz.[85]
Das Nationalgericht ist der PabellĂłn Criollo, eine Kombination aus schwarzen Bohnen (Caraotas), Kochbanane (Platano), Reis und zerrissenem Faserfleisch (Carne Mechada). Ein typisches Gericht sind auĂerdem die Hallacas (ein Ragout aus Rindfleisch, Rosinen, GemĂŒse, Kapern, Oliven und NĂŒssen in Maisteig) und Mondongo (einem krĂ€ftig gewĂŒrzten Eintopf mit Kutteln). Dazu werden vor allem Saft (Papelon con limon), gemischt aus Melasse, Limettensaft und Wasser getrunken. Das Grundnahrungsmittel der Venezolaner sind die Arepas, gebratene Maisfladen mit mannigfaltigen FĂŒllungen. Der Sancocho ist eine Suppe, die in der Regel in einem groĂen Topf fĂŒr viele Menschen angerichtet wird und verschiedene GemĂŒse- und Fleischsorten enthĂ€lt.
VenevisiĂłn, RCTV, Televen und GlobovisiĂłn sind kommerzielle Fernsehsender aus Caracas. Venezolana de TelevisiĂłn VTV und VIVE TV sind staatliche Fernsehsender. Am 28. Mai 2007 nahm TVes als erster öffentlich-rechtlicher Fernsehkanal den Sendebetrieb auf. Er ĂŒbernahm die am 27. Mai 2007 abgelaufene Sendeerlaubnis fĂŒr RCTV im terrestrischen VHF-Band sowie dessen Satellitenkanal.[86] Die Abschaltung des privaten Senders RCTV sorgte fĂŒr starke Proteste vor allem von Studenten, die der Regierung Zensur vorwarfen. Zwischen 2007 und Januar 2010 konnte RCTV ĂŒber Kabel und Satellit empfangen werden, wodurch nach SchĂ€tzungen nur noch 35 % der Bevölkerung erreicht wurden, statt vorher fast 98 %.[87] Seit dem 23. Januar 2010 kann der Sender ĂŒber DirektTV weltweit, bloĂ nicht in Venezuela, empfangen werden.[88]. Ăber das Internet ist jedoch möglich, den Sender weiterhin im Lande zu empfangen.[89]
Ein wohlbekanntes mediatisches PhĂ€nomen sind die sogenannten "Cadenas" (Ketten). Schon aus den frĂŒheren Regierungsformen im Land bekannt, wĂ€hrend der Ketten sind alle Radio- und Fernsehsender gesetzlich verpflichtet, Botschaften des Staates zu senden. Ăblicherweise wurden Ketten fĂŒr NotfĂ€lle wie Naturkatastrophen, jĂ€hrliche Amtsansprachen der PrĂ€sidenten und an nationalen Feiertagen, um Paraden zu ĂŒbertragen, eingesetzt. Die Ketten werden seit ihrem stark verbreiteten Einsatz durch die ChĂĄvez-Regierung im Inland stark kritisiert, denn sie werden von Regierungsgegnern als Propagandamittel wahrgenommen. Angekettete Medien sind seit Amtsantrtitt des aktuellen PrĂ€sidenten oft gezwungen gewesen, stundenlange Ăbertragungen von Reden, Ansprachen und Regierungspromotion auszustrahlen, die oft nicht von nationalem Interesse sind (wie anekdotische Ansprachen und Gesang durch ChĂĄvez oder StraĂenfeste, die von den Regierungsparteien organisiert sind).[90] Seit 2009 werden auch die frĂŒher von den Ketten ausgeschlossenen Kabelfernsehsender, die "ĂŒberwiegend in Venezuela produzieren", diese zu ĂŒbertragen. Januar 2010 wurden ohne administrative Verfahren sechs Sender aus allen Kabelanbietern verbannt, nachdem sie sich weigerten, eine Kette wĂ€hrend eine Gegnerdemonstration zu ĂŒbertragen.[91]
Die wichtigsten Tageszeitungen sind El Universal (konservativ, oppositionell), El Nacional (rechtsliberal, oppositionell), Ăltimas Noticias (liberal, oppositionell), Tal Cual (linksliberal, oppositionell, Boulevard), Daily Journal (englischsprachig, Wirtschaftsblatt) und VEA (regierungsnah).[92][7][93]
Venezuela ist mit 46 % der Anteile Haupteigner des Fernsehsenders teleSUR. Die Regierung beabsichtigt, mit dem Sender Lateinamerika eine eigene âbolivarischeâ Stimme zu geben. Der Fernsehsender untersteht aber nicht dem Staat oder der Regierung, sondern agiert unabhĂ€ngig. TeleSUR wird von verschiedenen namhaften lateinamerikanischen Journalisten geleitet und bezieht sein Material vorwiegend von unabhĂ€ngigen Produzenten.
Der Nationalsport Venezuelas ist Baseball. Das Land besitzt in der Liga Venezolana de BĂ©isbol Profesional eine Profiliga. Die zweitbeliebteste Sportart ist FuĂball, und danach folgt der Basketball. Pferderennen gab es in Llanos schon seit Jahrhunderten, aber heute finden sie auf Rennbahnen von internationalem Zuschnitt statt. Mit dem spanischen Kolonisator kam auch der Stierkampf nach Venezuela. Viele StĂ€dte verfĂŒgen ĂŒber eine Stierkampfarena. Der Coleo, eine Rodeoveranstaltung, bei der vier Reiter darum kĂ€mpfen, vom galoppierenden Pferd aus einen Stier beim Schwanz zu packen und zu Boden zu werfen, ist auch beliebt. Der Hahnenkampf ist in fast allen StĂ€dten zu finden. AuĂerdem haben Schach und Domino viele AnhĂ€nger, meist wird es im Freien gespielt.[94]
Venezuela verfĂŒgt ĂŒber ein StraĂennetz von 82.700 Kilometer, davon sind 38.998 Kilometer befestigt, wovon wiederum 2.690 Kilometer durch HauptverkehrsstraĂen gebildet werden. Die Hauptausbauphase waren die Sechzigerjahre, als fĂŒr die Ăl- und Aluminiumindustrie viele Fahrwege neu erschlossen wurden.
Das Eisenbahnnetz umfasst 584 Kilometer, von denen jedoch nur 336 Kilometer staatlich betrieben werden. Aufgrund der wenigen Eisenbahnlinien sind Busse beinahe im ganzen Land das Hauptverkehrsmittel.
Seit 1999 treibt die Regierung PlĂ€ne zu einem massiven Ausbau des Eisenbahnnetzes voran. Geplant sind bis zu 4.000 km Eisenbahnstrecken. Der Ausbau soll nach verschiedenen Teilnetzen gegliedert geschehen. Gebaut werden derzeit Strecken vom wichtigsten Hafen des Landes, Puerto Cabello, nach La Encrucijada (etwa 100 km, Fertigstellung 2012) und nach Barquisimeto und Acarigua (insgesamt 240 km). Die Arbeiten haben japanische, italienische und chinesische Unternehmen ĂŒbernommen. Auch die Armee wird zu Bauarbeiten eingesetzt. In spĂ€teren Ausbauabschnitten soll die Hauptstadt Caracas mit den Wirtschaftszentren Valencia und Barquisimeto und dem Hafen Puerto Cabello verbunden werden. Die Finanzierung wird teilweise ĂŒber den nationalen Entwicklungsfonds abgewickelt. Zudem versucht Venezuela, bei der Vergabe der Teilprojekte gleichzeitig eine Mitfinanzierung der jeweiligen nationalen Förder- oder Entwicklungsbanken der LĂ€nder zu erreichen, deren Unternehmen die AuftrĂ€ge erhalten.[95]
In Caracas gibt es seit 1983 ein U-Bahn-Netz, seit 2006 in Maracaibo und Valencia .
FĂŒr die ErschlieĂung des Landesinneren sind die WasserstraĂen (insgesamt 7.100 Kilometer) sehr wichtig, vor allem der Orinoco. Die wichtigsten HĂ€fen sind La Guaira und Puerto Cabello. Die venezolanische Flotte umfasst 268 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 872.000 Bruttoregistertonnen.
Das Land verfĂŒgt ĂŒber sieben internationale FlughĂ€fen, darunter der Flughafen Caracas, der Flughafen Porlamar und der Flughafen Maracaibo. Der SimĂłn-Bolivar-Flughafen in Caracas ist dabei mit einem Passagieraufkommen von jĂ€hrlich 6,69 Millionen Passagieren der gröĂte.
Die Linea Aeropostal Venezolana, Santa Barbara Airlines und Conviasa sind die drei wichtigsten Fluggesellschaften des Landes.
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7.66666666667-65.2166666667Koordinaten: 8° N, 65° W
13 sĂŒdamerikanische Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen:
Argentinien |
Bolivien |
Brasilien |
Chile |
Ecuador |
Guyana |
Kolumbien |
Paraguay |
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Suriname |
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Venezuela
AbhÀngige Gebiete
Falklandinseln |
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1 Wird kulturgeographisch meist Nord- und Mittelamerika zugerechnet.
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Ehemalige Mitglieder: Honduras