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Vera Lengsfeld, geschiedene Kleinschmidt,[1] geschiedene Wollenberger, (* 4. Mai 1952 in Sondershausen, Thüringen) ist eine deutsche Politikerin (seit 1996 CDU, vorher Bündnis 90/Die Grünen).
Inhaltsverzeichnis |
Nach dem Abitur begann Vera Lengsfeld 1970 ein Studium der Geschichte der Arbeiterbewegung an der Karl-Marx-Universität Leipzig und studierte ab 1972 Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Anschluss an das Studium arbeitete sie als Lektorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentralinstitut für Philosophie in der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit 1975 war sie Mitglied der SED. Nach einem Parteiverfahren wurde sie an das Wissenschaftliche Informationszentrum der Akademie der Wissenschaften versetzt. 1981 verließ sie die Akademie und ging zum Verlag Neues Leben, wo sie als Lektorin arbeitete. Im Jahre 1983 wurde sie wegen ihres Protestes gegen die Stationierung sowjetischer Atomraketen in der DDR aus der SED ausgeschlossen und ihr ein Berufsverbot erteilt. Sie begann 1985 ein Studium der Theologie am Sprachenkonvikt Berlin.
Seit 1981 war sie in verschiedenen Oppositionsgruppen tätig. Sie war im Herbst 1981 Mitbegründerin des Pankower Friedenskreises, später einer Berufsverbotsgruppe und 1987 der Kirche von Unten. Sie war in der Gruppe Gegenstimmen aktiv[2] und moderierte im Jahre 1986 das erste Menschenrechtsseminar in der evangelischen Gemeinde Berlin-Friedrichsfelde. Zudem verkehrte sie in der Umwelt-Bibliothek und beteiligte sich hier an Protestaktionen. Ihr Engagement umfasste die Organisation zahlreicher Großveranstaltungen der Friedens- und Umweltbewegung der DDR, u. a.: „Friedenswerkstatt“, „Friedensseminar“, „Umweltseminar“, „Menschenrechtsseminar“, „Kirchentag von Unten“. Sie war Mitglied des Fortsetzungsausschusses für das Delegiertentreffen der Friedenskreismitglieder, welche unter dem Titel „Konkret für den Frieden“ jährlich zusammenkamen.
Im Januar 1988 wurde sie auf dem Weg zur Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin verhaftet. Nach ihrer Untersuchungshaft in Berlin-Hohenschönhausen wurde sie vom Stadtbezirksgericht Lichtenberg wegen „versuchter Zusammenrottung“ zu einer Haftstrafe verurteilt.[3] Im Februar 1988 wurde sie wie fast alle im Zusammenhang mit der Demonstration verhafteten Bürgerrechtler in den Westen abgeschoben.[4] Sie ging nach Cambridge in Großbritannien, wo sie am St. John's College Philosophy of Religion studierte. Am Morgen des 9. November 1989 kehrte sie in die DDR zurück.
Im Zuge der Friedlichen Revolution trat die Bürgerrechtlerin in die Grüne Partei in der DDR ein, wurde für diese am 18. März 1990 in die Volkskammer der DDR gewählt und war bis zu deren Auflösung am 2. Oktober 1990 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Abrüstung und Verteidigung. Außerdem arbeitete sie als Vertreterin der Grünen Partei an der Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des „Runden Tisches“ mit. Dieser Verfassungsentwurf wurde allerdings von der Volkskammer nicht behandelt. Sie war im Wahlkreis Berlin gewählt worden und gehörte zu den Abgeordneten, die zum 3. Oktober 1990 aus der Volkskammer in den Bundestag entsandt wurden.
Mit den Wahlen zum 12. Deutschen Bundestag am 2. Dezember 1990 wurde Vera Wollenberger für das Wahlbündnis aus Bündnis 90 und den ostdeutschen Grünen erneut Mitglied des Deutschen Bundestages.
1991 erfuhr sie aus den Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit, dass ihr Ehemann, der Lyriker Knud Wollenberger, sie als „IM Donald“ bespitzelt hatte. Sie reichte die Scheidung ein und nahm ihren Geburtsnamen wieder an.
In einer Bundestagsdebatte zum Zweiten Golfkrieg 1991 drückte sie auf außergewöhnliche Weise ihre Kritik daran aus, indem sie eine Minute ihrer Redezeit mit Schweigen füllte, bis ihr Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth das Wort entzog, begleitet von Zurufen aus der Fraktion der CDU/CSU: „Zirkus!“, „Die soll sich untersuchen lassen!“[5] Nach dem Zusammenschluss von Bündnis 90 und den Grünen zu einer neuen Partei 1993 wurde Vera Lengsfeld bei den Bundestagswahlen 1994 erneut in den Bundestag gewählt.
Im Juni 1996 war Vera Lengsfeld an der Gründung des Berliner Bürgerbüro e.V. beteiligt, einem Verein zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur.[6]
Aus Protest gegen eine von ihr befürchteten zukünftigen rot-rot-grünen Koalition, also einer Koalition zusammen mit der PDS, und einen „Schmusekurs“ beziehungsweise die „offenen Anbiederung“ von Bündnis 90/Die Grünen an die PDS, schloss sie sich mit anderen Bürgerrechtlern wie Günter Nooke und Ehrhart Neubert am 17. Dezember 1996 der CDU an. Die Vorwürfe Lengsfelds wurden von der Grünen-Partei zurückgewiesen. Mit ihrem damaligen Parteiwechsel enttäuschte sie Grüne-Parteimitglieder wie etwa Marianne Birthler, die die Bürgerrechtsbewegung der Wendezeit in Ostdeutschland besser bei den Grünen aufgehoben sahen. [7][8] Lengsfeld wechselte im Bundestag zur CDU/CSU-Fraktion und gab trotz Aufforderung ihr laufendes Mandat, das sie über die Liste der Grünen-Partei erhalten hatte, nicht ab.
Bei den Wahlen zum 14. Deutschen Bundestag am 27. September 1998 wurde sie über die Landesliste der CDU in Thüringen gewählt und bei der Wahl zum 15. Deutschen Bundestag am 22. September 2002 über die gleiche Liste wiedergewählt. Im gleichen Jahr erschien auch ihre Autobiographie.
2005 unterlag sie in ihrem Thüringer Wahlkreis bei der Aufstellung für die Direktkandidatur zum Bundestag, woraufhin sie erklärte, auch nicht mehr als Listenkandidatin zur Verfügung zu stehen. Damit endete ihre Zeit als Abgeordnete im Deutschen Bundestag vorerst mit der Konstituierung des Parlaments zur 16. Wahlperiode am 18. Oktober 2005. Für die Wahlen zum Bundestag 2009 kandidierte Lengsfeld im Bundestagswahlkreis Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost erneut für die CDU.[9] Für Aufsehen sorgte ihr Wahlplakat, das Lengsfeld und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel tief dekolletiert mit dem Slogan „Wir haben mehr zu bieten“ zeigt.[10][11] Das angestrebte Direktmandat verfehlte sie deutlich.[12]
Ihr Sohn Philipp Lengsfeld, der im Herbst 1988 aus politischen Gründen von der Ost-Berliner Carl-von-Ossietzky-Oberschule relegiert worden war,[13][14] war bis 2011 Schatzmeister der CDU-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung des Berliner Bezirks Pankow.[15]
Lengsfeld war in erster Ehe mit dem Journalisten Sebastian Kleinschmidt, Sohn von Karl Kleinschmidt, verheiratet.[16]
Für ihren Einsatz für Menschen- und Bürgerrechte in der DDR erhielt Lengsfeld 1990 den Aachener Friedenspreis. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Lengsfeld übte nach eigenen Angaben 2003 Druck auf den ehemaligen CDU-Abgeordneten Martin Hohmann aus, um ihn zum Rücktritt zu veranlassen. In einem Interview in der neurechten Wochenzeitung Junge Freiheit kritisierte sie aber den Umgang der Politik mit dessen Person. Auf Vorhaltungen wegen dieses Interviews antwortete sie, aus Prinzip auch solchen Zeitschriften Interviews zu geben, deren Haltungen sie grundsätzlich nicht teile, und sprach in diesem Zusammenhang von einer „hysterischen Einengung der Meinungsvielfalt, der Stigmatisierung und Ausgrenzung konservativer Auffassungen“, der sie entgegentreten sei. Eine von ihr ausgemachte Medienkampagne der SPD, „alle Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag auf mögliche rechtsradikale Gesinnung hin zu überprüfen“, lehnte sie ab, sie habe „schon deshalb [...] der Jungen Freiheit ein Interview“ gegeben. Schließlich würde sie auch von niemandem unter den Verdacht des Linksradikalismus gestellt, nur weil sie dem Neuen Deutschland und der Jungen Welt schon Interviews gegeben habe.[17]
Lengsfeld ist Kolumnistin des Weblogs Die Achse des Guten. Sie ist Autorin mehrerer Bücher und schrieb Beiträge für Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel und Focus.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lengsfeld, Vera |
| ALTERNATIVNAMEN | Wollenberger, Vera |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen, CDU), MdV, MdB |
| GEBURTSDATUM | 4. Mai 1952 |
| GEBURTSORT | Sondershausen |