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Der Verband Alter Corpsstudenten e. V. (VAC) ist der Dachverband der Alten Herren der im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) organisierten Corps. Mit derzeit ca. 14.000 Mitgliedern ist er einer der größten Akademikerverbände Deutschlands. Sitz des Verbandes und der Geschäftsstelle ist Bad Kösen. Erster Vorsitzender des Vorstandes des VAC ist seit dem 1. Januar 2012 der Unternehmer Alexander Hartung.
Inhaltsverzeichnis |
Philister und Alte Herren verschiedener Corps schlossen sich um 1860 auf lokaler Ebene zusammen, um gemeinsame Kommerse und Veranstaltungen auszurichten. 1859 wurden der AHSC Detmold und der Academische Club zu Hamburg als älteste AH-Vereinigungen in Deutschland gegründet.
Seit 1894 tritt der Abgeordnetentag des VAC alljährlich in der Woche vor Pfingsten vor dem oKC des KSCV zusammen.
1880 initiierte der Breslauer Intendanturrat Leonhard Zander († 1890) eine Reformation des Verbandslebens. In erster Linie zielte sie auf die Beseitigung von überzogenem Aufwand bei Corpsbesuchen und die Einschränkung der (teuren) auswärtigen PP-Suiten; sie führte aber auch zu größerer Anteilnahme der Alten Herren an den Belangen der bis dahin ganz auf sich gestellten aktiven Corps. Zanders beim HKSCV eingereichte Denkschrift gegen Luxus und Protzentum wurde u. a. von Bismarck und dem Prinzen Wilhelm, dem späteren Kaiser Wilhelm II., unterzeichnet. Im Oktober 2011 ehrten der VAC und Angehörige von 19 Corps Zander an seinem Grab in Schleswig.[1]
„Aller Luxus ist unvornehm und somit uncorpsstudentisch.“
Paul von Salvisberg, der 1884 die Academischen Monatshefte (AM) als zunächst unabhängiges Organ für eine überwiegend corpsstudentische Leserschaft gegründet hatte, regte im November 1887 in München einen „Allgemeinen Verband Alter Corpsstudenten“ an. Nachdem der Gründungsplan genehmigt und ein Organisationskomitee benannt worden war, konstituierte sich das „Zentralkomitee“ mit Sitz in München am 21. April 1888. Erster Vorsitzender wurde der spätere bayerische Justizminister Ferdinand Ritter von Miltner.
1894 wurde der erste Abgeordnetentag (AT) nach Kösen einberufen. Das Zentralkomitee wurde in „Gesamtausschuß“ (GA) umbenannt. Sein auf drei (später fünf) Jahre gewählter Vorstand übernahm die Geschäftsführung und wechselte von München nach Berlin. Zum ersten Vorsitzenden wurde Hans Hopfen gewählt. 1898 erhielt der VAC die Rechte einer juristischen Person.
Von 1905 bis 1909 amtierte Jean Louis Sponsel als Erster Vorsitzender. Er setzte sich insbesondere für die Verbesserung der Tagungsbedingungen in Kösen und den Bau einer Kongresshalle ein. Für sie lagen bereits Entwürfe von Wilhelm Kreis vor; absehbare Rentabilitätsprobleme und der Erste Weltkrieg verhinderten jedoch eine Realisierung.
Die Mehrbändermänner eingeschlossen, zählte der VAC am 1. Januar 1920 20.126 Alte Herren aus 116 Corps.[2]
Nach den Vorgaben der Deutschen Studentenschaft führte der VAC 1933 das Führerprinzip ein und ernannte den Rechtsanwalt Max Blunck zum „Führer des KSCV und VAC“. Nach einer Auseinandersetzung mit der Führung der Deutschen Studentenschaft trat er zurück. Ihm folgte Ernst Schlange.
Nachdem die Reichsstudentenführung 1938 die Auflösung der Altakademikerverbände verlangt hatte, beschloss ein außerordentlicher Abgeordnetentag in Berlin im November 1938 die Liquidation des VAC. Die finanzielle Unterhaltung der verbandseigenen Denkmäler bei der Rudelsburg und die Verwahrung der studentengeschichtlichen Sammlung, der Bibliothek und des Archivs im Institut für Hochschulkunde waren zuvor gewährleistet worden.
Die Rekonstitution des VAC wurde ab 1947 durch den „Ruhrarbeitskreis“ unter dem Vorsitz von Gerd Schaefer-Rolffs mit Walter Ballas in die Wege geleitet und am 7./8. Oktober 1950 in Altena vollzogen.
Als Gäste des WSC traten die VAC-Delegierten 1952 auf der Wachenburg zum ersten ordentlichen Abgeordnetentag nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Von 1953 bis 1993 tagte der VAC gemeinsam mit dem KSCV in Würzburg. 1991 veranstaltete der VAC seine erste Arbeitstagung nach der deutschen Vereinigung im Mutigen Ritter in Bad Kösen. Seit 1994 finden die Abgeordnetentage wieder am Sitz des Verbandes in Bad Kösen statt.
Bei seiner Gründung wurde der VAC nur von den Bezirksverbänden bzw. AHSC gebildet, die als Leitungsgremium aus ihrer Reihe den Gesamtausschuss wählten. Erst 1928 wurden die AH-Vereine der einzelnen Corps in die Strukturen einbezogen, indem ihnen der Beitritt zum VAC freigestellt wurde. Heute sind fast alle AH-Vereine von Kösener Corps Mitglied des VAC als eingetragenem Verein.[3] Die Satzungen des Verbandes und der ihm angehörenden Mitgliedsorganisationen schließen ein Allgemeinpolitisches Mandat aus, so dass der Verband sich in der Regel zu derartigen Fragen im Unterschied zu den Burschenschaften nicht äußert.
Bei der Neufassung der Satzung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Unterscheidung zwischen geschäftsführendem Vorstand und allgemeinem Gesamtausschuss getroffen. Organe des VAC sind demnach heute der Abgeordnetentag (AT), der auf fünf Jahre gewählte Vorstand, der Gesamtausschuss (GA) und die gemeinsam mit dem Kösener Senioren-Convents-Verband beschickten Kommissionen.
Der Gesamtausschuss ist ein Beratungsgremium des VAC mit zwölf Mitgliedern. Er versteht sich als „das Gedächtnis des Köseners“ und eine Art Aufsichtsrat des VAC-Vorstands. Zehn Haupt- und Nebenvertreter werden von den AHSC und AHV in zehn Regionen (Großbezirken) gewählt:
1 – Hansestadt Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern</br> 2 – Niedersachsen, Hansestadt Bremen</br> 3 – Berlin, Brandenburg</br> 4 – Nordrhein-Westfalen ohne Regierungsbezirk Köln</br> 5 – Regierungsbezirk Köln, Rheinland-Pfalz (ohne die Pfalz), Hessen</br> 6 – Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt</br> 7 – Saarland, Pfalz, Baden-Württemberg</br> 8 – Nordbayern</br> 9 – Südbayern</br> 10 – Österreich
Sie werden vom Abgeordnetentag bestätigt. Die Amtszeit beträgt vier Jahre und beginnt in der Mitte einer VAC-Vorstandsperiode. Je einen Vertreter stellen die AH-Vereine des amtierenden und designierten Vororts für ein Jahr.
Die Rudelsburg-Plakette ist eine 1965 vom VAC gestiftete Auszeichnung für Verdienste in der corpsstudentischen Geschichtsforschung
Nach der VAC-Satzung kommen für die Auszeichnung nur solche Personen infrage, die sich durch besonders erfolgreiche Tätigkeit oder durch hervorragende Einzelhandlungen um die corpsstudentische Geschichtsforschung verdient gemacht haben. Der Verleihungsbeschluss bedarf der Einstimmigkeit in VAC-Vorstand und Gesamtausschuss.
Sie wird nur in einer Stufe, in goldener Ausfertigung, verliehen. Die Vorderseite zeigt die Rudelsburg mit der Randgravur Für Verdienste um die corpsstudentische Geschichtsforschung, die Rückseite das lateinische Motto Mens agitat molem.[5]
Ehrenamtliches Engagement wird mit der Silberschale des VAC gewürdigt.
Der Stifterverein Alter Corpsstudenten e. V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Würzburg. Er wurde 1986 von Alten Herren Kösener Corps gegründet. Der Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten trat dem Stifterverein 1991 bei.[6]
Der Verein bezweckt „die Förderung junger Absolventen von höheren Schulen, Universitäten und Hochschulen, die außergewöhnliche Studienergebnisse erzielt und überdurchschnittliches soziales Engagement bewiesen haben. Er zeichnet sie öffentlich aus und unterstützt sie bei ihrer weiteren wissenschaftlichen Arbeit“.[7]
Nach der Auswahl des Beirats verleiht der Stifterverein alljährlich die Klinggräff-Medaille. Außerdem schreibt er in unregelmäßigen Abständen projektbezogene Förderungen für eine wissenschaftliche Qualifikation im Postgradualen Studium aus. Vorsitzender des Beirats war lange der Mediziner Fritz Nobbe; sein Nachfolger ist der Jurist Hermann Butzer.
1888 Ferdinand Miltner Sueviae </br> 1889 Friedrich von Schauß-Kempfenhausen Franconiae</br> 1893 Emil von Schauß-Kempfenhausen Bavariae</br>Carl Schlösser Isariae, Hannoverae (2. Vors.)[8]</br>Wilhelm Fabricius Starkenburgiae EM, Guestphaliae-Jena, Teutoniae Marburg, Guestphaliae Marburg (GF)
1933-1935 Max Blunck Franconiae Jena</br> 1936-1938 Ernst Schlange Pomeraniae
1947 Ruhrarbeitskreis: Gerd Schaefer-Rolffs Silesiae, Saxoniae Frankfurt a. M., Neoborussiae Berlin</br> 1949 GA beim Großbezirk Ostruhr (Essen-Bochum-Dortmund)
Das Archiv des Verbandes befindet sich im Institut für Hochschulkunde an der Universität Würzburg.