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| Victoria | ||
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| Skyline von Victoria | ||
| Wappen |
Flagge | |
| Motto: Semper liber (Immer frei) | ||
| Lage in British Columbia | ||
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| Staat: | Kanada | |
| Provinz: | British Columbia | |
| Regionaldistrikt: | Capital Regional District | |
| Koordinaten: | 48° 26âČ N, 123° 22âČ W48.42628-123.3648723Koordinaten: 48° 26âČ N, 123° 22âČ W | |
| Höhe: | 23 m | |
| FlĂ€che: | 19,68 kmÂČ | |
| Einwohner: â Metropolregion: |
78.057 (Stand: 2006) 330.088 (Stand: 2006) | |
| Bevölkerungsdichte: | 3.966,3 Einw./kmÂČ | |
| Zeitzone: | Pacific Time (UTCâ8) | |
| Postleitzahl: | V8N â V9E | |
| BĂŒrgermeister: | Dean Fortin | |
| WebprÀsenz: | www.victoria.ca | |
| Lage Victorias an der SĂŒdostkĂŒste von Vancouver Island | ||
Victoria ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia. Sie liegt am SĂŒdzipfel von Vancouver Island und hat ihren Ursprung in einem 1843 errichteten Handelsposten der Hudsonâs Bay Company. Der Name geht auf die britische Königin Victoria zurĂŒck.
Unter dem Namen Fort Victoria wurde die Stadt zum Zentrum des Pelzhandels in den westlichen Gebieten Kanadas. Sie entstand in einem Gebiet, das von KĂŒsten-Salish bewohnt war, einer groĂen Gruppe indianischer Ethnien, die im Nordwesten der USA und in British Columbia lebt. Die Stadt steht, abgesehen vom ParlamentsgebĂ€ude, dessen Grund 2006 von der Stadt gekauft wurde, bis heute auf Indianergebiet.
Aus dem zentralen Handelsposten entwickelte sich die Hauptstadt der britischen Kronkolonie Vancouver Island, dann der Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia und schlieĂlich der gleichnamigen kanadischen Provinz. Ihre wirtschaftliche Basis war anfangs der Handel, zu dem sich Verwaltung, MilitĂ€r und Polizei, dann die Marine gesellten. Die Ausbeutung der natĂŒrlichen Ressourcen, vor allem von Holz, Kohle und der fischreichen GewĂ€sser, besonders aber die Goldfunde auf dem Festland machten die Ansiedlung zu einer vergleichsweise groĂen Stadt. Sie wurde jedoch von Vancouver ĂŒberflĂŒgelt. Starke Zuwanderung aus GroĂbritannien und politische Dominanz gaben ihr einen ausgesprochen âenglischenâ Charakter.[1]
Der Ballungsraum Capital Regional District umfasst neben der eigentlichen Stadt Victoria (78.057 Einwohner im Jahr 2006) noch zwölf weitere Gemeinden, die zusammen 330.088 Einwohner zÀhlen.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Die Kernstadt Victorias (Downtown) liegt an einer kleinen Bucht auf der dem Pazifik abgewandten SĂŒdostseite von Vancouver Island, die der westkanadischen Provinz British Columbia vorgelagert ist. Dazu kommen die umgebenden sogenannten Nachbarschaften (neighbourhoods), die zusammen das Stadtgebiet ausmachen. Die Stadt wiederum bildet den Kern des Capital Regional District, zu dem der Ballungsraum zusammengefasst wurde. Der ĂŒberwiegende Teil der Bewohner von Vancouver Island lebt hier.
Die Juan-de-Fuca-StraĂe trennt die Insel von den Vereinigten Staaten, deren Olympic Mountains von Victoria aus im SĂŒden zu sehen sind. Ăstlich liegt die StraĂe von Georgia, in der sich Hunderte von Inseln befinden, die unter dem Namen Gulf Islands bekannt sind. Die umgebende HĂŒgellandschaft schĂŒtzt das Stadtgebiet vor den ergiebigen RegenfĂ€llen an der WestkĂŒste der Insel. Zugleich liegt der Ort so gĂŒnstig, dass er von StĂŒrmen nur selten erreicht wird.
Die Stadt liegt sĂŒdlich des 49. Breitengrades, der ansonsten ostwĂ€rts bis zu den GroĂen Seen die Grenze zwischen den USA und Kanada darstellt.
Die GĂ€rten und Parks der Stadt gehen auf viktorianische EinflĂŒsse zurĂŒck, aber auch auf indianische. Die Briten waren anfangs ĂŒberrascht, eine Landschaft anzutreffen, die ihren Idealen so nahe kam. George Simpson, Gouverneur der Hudsonâs Bay Company (HBC), der diese Stelle als Standort fĂŒr den Haupthandelsposten aussuchte, sah in der Landschaft mit ihrer parkartigen Erscheinung âa perfect Elysium in point of climate and sceneryâ (deutsch: âein perfektes Elysium in Bezug auf Klima und Landschaftâ).[3] Die Wahl des Ortes wurde also maĂgeblich vom Landschaftsbild, allerdings auch vom milden Klima und dem natĂŒrlichen Hafen beeinflusst.
Die Schöpfer dieser Kulturlandschaft um Victoria waren die Songhees, eine zu den KĂŒsten-Salish zĂ€hlende ethnische Gruppe, die heute als âStammâ anerkannt ist. Sie pflanzten Camassia quamash an, meist vereinfachend als Camas bezeichnet, eine frĂŒher fĂŒr ein LiliengewĂ€chs gehaltene Agavenart mit blauen BlĂŒten. Ihre Zwiebeln schmecken wie sehr sĂŒĂe, gebackene Tomaten, manche auch wie Birnen. Sie haben einen Durchmesser von 4â8 cm und wiegen bis ĂŒber 100 g. Besonders dieser Anbau und die Pflege des Bodens verwandelten die Landschaft im Laufe der Jahrhunderte, und gaben ihr den parkartigen Charakter. Zudem war sie ein begehrtes Handelsobjekt.
Die baumarmen Zonen wurden durch den gezielten Einsatz von Feuer geschaffen. Besonders wichtig war fĂŒr die Songhees eine bestimmte Eichenart, die Garry-Eiche (Quercus garryana), die einem der Nachbarorte ihren Namen gab. Neben dem Grasland bildeten sie ein ganz eigenes Ăkosystem, neben von Douglasien oder SĂŒmpfen dominierten kĂŒstennahen Gebieten. Die Garry-Eiche ist zwischen British Columbia und Kalifornien verbreitet, wĂ€chst aber am besten um Victoria. Sie ist nach Nicholas Garry (ca. 1782-1856[4] von der Hudsonâs Bay Company benannt und wird bis ĂŒber vierhundert Jahre alt. Um 1800 umfasste dieses System noch rund 15 kmÂČ im Gebiet von Victoria, heute sind davon nur noch 21 ha ĂŒbrig. Die groĂen Parks im heutigen Stadtgebiet speisen ihr Erscheinungsbild bis heute aus diesen beiden Wurzeln.
Die von den Einwanderern vorgefundene Vegetation entsprach also schon lange nicht mehr dem sonst an der WestkĂŒste vorherrschenden gemĂ€Ăigten Regenwald, der ĂŒberwiegend aus Sitka-Fichten, RiesenlebensbĂ€umen, Westamerikanischen Hemlocktannen, Douglasien und Pazifischen Eiben bestand. In diesem doppelten Sinn nennt sich die Stadt gern Great Victoria â The City of Gardens.
Lachs war die Hauptnahrung der KĂŒsten-Salish. Vor allem San Juan Island wurde hĂ€ufig mit Kanus angefahren. Auch andere Fische wie Hering und Heilbutt, aber auch Vögel â Victoria besitzt seit 1923 im Hafenbereich ein 1700 ha groĂes Schutzgebiet fĂŒr Zugvögel[5] â standen und stehen auf der Speisekarte, dazu Muschelarten wie Tresus nuttallii. Bis heute spielt Lachs eine wichtige Rolle bei der ErnĂ€hrung der Stadt und auch der Tourismus profitiert in hohem MaĂe von der Fauna der Umgebung. Das gilt vor allem fĂŒr die Wale, die allerdings zunehmend durch schnelle Boote der Walbeobachter (Whale watching) belĂ€stigt werden. Das betrifft vor allem die Orcas der southern resident population, eine ortsfeste Population, die aus etwa 80 Tieren besteht.[6]
Wie vor der gesamten WestkĂŒste macht sich der Einfluss der Kuroshio-Strömung stark bemerkbar. Das Klima ist sehr mild; selten steigen die Temperaturen ĂŒber 30° oder fallen unter 0 °C. An durchschnittlich zwei Tagen pro Jahr fĂ€llt die Nachttemperatur unter â5 °C. Die Sommer sind trocken und die Winter feucht, aber sie sind auch die mildesten in ganz Kanada.[7] Im Jahr fallen durchschnittlich 883 mm Niederschlag, wĂ€hrend in Vancouver fast die eineinhalbfache Regenmenge fĂ€llt. An der WestkĂŒste der Insel hingegen herrschen ergiebige RegenfĂ€lle vor, die bis zu achtmal so umfangreich sind wie in Victoria. Im Schnitt fallen 43,79 cm Schnee pro Jahr,[8] nur selten fallen ĂŒber 100 cm. Jeder dritte Winter ist praktisch ohne Schnee. Dabei erhĂ€lt die Stadt ĂŒber 2200 Sonnenscheinstunden pro Jahr.
| Victoria | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm (ErklÀrung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Victoria
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Die Innenstadt (Downtown) mit FuĂgĂ€ngerzone, Lokalen und GeschĂ€ften befindet sich östlich des Upper Harbour und des Inner Harbour, an dem sich die SehenswĂŒrdigkeiten wie die ParlamentsgebĂ€ude und das Fairmont Empress Hotel befinden. Downtown steht ĂŒberwiegend unter Denkmalschutz, vor allem die vor 1945 errichteten GebĂ€ude.[9] Aus den ehemaligen LagerhĂ€usern, BĂŒros, Bars, Bordellen und Hotels sind, ebenso wie aus den Barackensiedlungen der FrĂŒhzeit Restaurants, GeschĂ€fte, Pubs und Kunstgalerien geworden. Das ehemalige GebĂ€ude des Provinzgerichts ist heute das Maritime Museum, in dem der Gerichtssaal von 1889 vollstĂ€ndig erhalten ist.
Im Inner Harbour legen FĂ€hren an, wenn auch nur noch die kleinen Schiffe nach Port Angeles in Washington. Dabei macht ihm der eigentliche Stadthafen Fisherman's Wharf erhebliche Konkurrenz.
15 Neighbourhoods bilden die City of Victoria:[10] Downtown, der Ă€lteste Siedlungskern, Chinatown (dort siedelten sich die ersten Chinesen in der Stadt an, von denen Chinatown bis heute stark geprĂ€gt ist), Victoria West, North Park, Harris Green, East Burnside-Gorge, Hillside-Quadra, Jubilee, Rockland, Rock Bay, Fairfield, Oaklands, Fernwood und Gonzales, dazu Cook Street Village und Humboldt Valley. Ortsteile wie Fairfield (zwischen Beacon Hill Park und Oak Bay) haben kleinstĂ€dtischen Charakter mit niedriger, meist viktorianischer Bebauung und Alleen. Der Ort geht auf James Douglasâ Fairfield Farm zurĂŒck. Ăhnlich beruht Fernwood, das bis in die 1850er Jahre nur den Verbindungsweg von dem Songhee-Dorf in der Cadboro Bay zum Fort in Downtown bildete, auf der Hillside Farm. Fernwood Manor, das der Neighbourhood den Namen gab, entstand 1860. Oak Bay (âEichenbuchtâ) mit Ă€hnlichen Eigenheiten geht ebenfalls auf die Songhees zurĂŒck. Der Name leitet sich von den Garry-Eichen ab. Hier residieren zahlreiche vermögende RuhestĂ€ndler. Bereits im 19. Jahrhundert wehrten sich seine Bewohner gegen jede Industrialisierung. UrsprĂŒnglich hatte die Hudsonâs Bay Company hier eine Viehfarm errichtet, die der Versorgung des Forts diente, die Cadboro Bay Farm.
Zu James Bay gehören mehrere Parks. Von Downtown sĂŒdostwĂ€rts, vorbei am Royal British Columbia Museum, mit Thunderbird Park und Helmcken House, trifft man auf den bekanntesten, den Beacon Hill Park, der sich auf 75 ha bis an die KĂŒste, also an die Juan-de-Fuca-StraĂe, erstreckt, die einen Teil der Salish Sea bildet, die Vancouver Island vom Festland trennt. Der nach einem kleinen HĂŒgel im Kernbereich benannte Park (dort befand sich als beacon oder Bake, bzw. Leuchtfeuer, ein Fass auf einem KnĂŒppel, um vor dem Felsen von Brotchie Ledge zu warnen) wurde bereits 1882 eingerichtet, war jedoch schon seit 1858 ein geschĂŒtztes Gebiet. Es war eine BegrĂ€bnisstĂ€tte der lokalen Indianer, zu deren Ehren Mungo Martin, der auch federfĂŒhrend den Thunderbird Park gestaltete, 1956 einen 38,8 m hohen Totempfahl errichtete. Dies war die Gegend, von der James Douglas bei seiner ersten Exploration 1842 so begeistert war: âThe place itself appears a perfect âEdenâ in the midst of the dreary wilderness of the North âŠâ (âDer Ort selbst erscheint als perfekter Eden inmitten der trĂŒbseligen Wildnis des Nordens âŠâ).[11] Zu dieser Zeit lebten die rund 1.600 Songhees in zwei Dörfern am Esquimalt Harbour und in der Cadboro Bay. Zwar bestanden im Beacon Hill Park keine Siedlungen, doch kurze Zeit davor stand vor Beacon Hill eine Verteidigungsanlage am Finlayson Point (erbaut um 950), dazu am Holland Point im SĂŒdwesten und am Clover Point im Nordwesten des Parks. James Deans, der als erster ArchĂ€ologe der Stadt gilt, entdeckte 1871 allein im Parkgebiet 23 BegrĂ€bnisstĂ€tten (cairns). Die meisten wurden zerstört, doch 1986 wurden vier von ihnen restauriert. Schon die Indianer spielten im Park ein hockeyartiges Ballspiel namens qoqwialls, das mit Eichenstöcken gespielt wurde.
Einer der Àltesten Arbeitgeber der Stadt, die Brauerei Vancouver Island Brewery, befindet sich im nördlich von Downtown gelegenen Rock Bay. Insgesamt macht sich hier die Industrialisierung viel stÀrker bemerkbar, und erst langsam beginnt die Beseitigung ihrer negativen Auswirkungen.[12]
Nachbarorte im Capital Regional District sind Esquimalt, Oak Bay und Saanich, wobei letzteres wieder in North und Central Saanich, in Saanich South und East aufgeteilt ist. Eine eigene Gemeinde bildet das im Norden gelegene Sidney, von wo FĂ€hren zum Festland (nach Anacortes) ablegen. Der internationale Flughafen und FĂ€hranleger nach Vancouver liegen ebenfalls nahe beim 11.000-Einwohner-Ort, der auch âSidney by the Seaâ genannt wird. Oak Bay, nach der charakteristischen Garry-Eiche benannt, hat ĂŒber 18.000 Einwohner, liegt an der OstkĂŒste und wird als âTweed Curtainâ bezeichnet, um seine besonders englischen Eigenarten â TeehĂ€user, britische SĂŒĂigkeiten usw. â zu betonen.[13]
Mit knapp 110.000 Einwohnern ist Saanich nicht nur erheblich gröĂer, wenn auch Ă€hnlich britisch, sondern auch weniger lĂ€ndlich. Es beherbergt die UniversitĂ€t von Victoria mit ĂŒber 18.000 Studenten, das Dominion Astrophysical Observatory, das bis 1918 das gröĂte Teleskop der Welt besaĂ, und das renommierte Horticulture Centre of the Pacific. Der Ortsname geht auf die dort ansĂ€ssigen KĂŒsten-Salish zurĂŒck, die Saanich.
Zum Regional District gehören auch lĂ€ndliche Bezirke wie der District of Highlands. Hier ist es bereits kĂŒhler und erheblich feuchter als in Victoria. Der Lone Tree Regional Park ist Höhepunkt eines Ăkosystems, das seit 1966 zunehmenden Schutz genieĂt, obwohl dies immer wieder mit GrundstĂŒcksspekulationen kollidiert. Es besteht aus insgesamt 30 Parks und Wanderpfaden.[14] Der District of Langford mit 18.000 Einwohnern wurde erst 1992 eingegliedert. Zu ihm gehören der Glen Lake, das Happy Valley, der Florence Lake, der Ort Langford selbst, die Thetis Heights und das Goldstream-Gebiet. Wie in vielen lĂ€ndlichen Gebieten stellt auch hier die Royal Canadian Mounted Police die Polizei. Die Bewohner haben meist eigene Brunnen, und Ă€hnlich wie die Highlands trĂ€gt auch dieses Gebiet zur Trinkwasserversorgung Victorias bei. SĂŒdlich bis zur KĂŒste schlieĂt sich der District of Metchosin an, der kaum 4.800 Einwohner zĂ€hlt und 1984 eingegliedert wurde. Zu ihm gehören Albert Head, William Head, Rocky Point, das Happy Valley und das Gebiet um die Kangaroo Road. Hier hat das Pearson College seinen Sitz. In den letzten Jahren kam es in diesen lĂ€ndlichen Gebieten hĂ€ufig zu Auseinandersetzungen wegen des Baus von GolfplĂ€tzen, StraĂen und neuer Siedlungen, die das Ballungsgebiet immer weiter ausdehnen.
Westlich schlieĂt sich der 1999 eingegliederte District of Sooke mit knapp 10.000 Einwohnern an. Hier ballen sich Parks wie der Galloping Goose Linear Park, der East Sooke Park (mit 1.422 ha FlĂ€che der gröĂte Park im Ballungsraum),[15] Sooke Pot Holes, dazu kommt der Sooke Harbour. Der bekannteste Wanderweg der WestkĂŒste, der West Coast Trail, hat hier Richtung Renfrew seinen Zugang. Dazu kommt der Juan de Fuca Marine Park bis Jordan River.
Die westlich des Ballungsraums Victoria vorgelagerten Bezirke von Malahat, dem der gleichnamige Stamm seine Bezeichnung verdankt, Shawnigan Lake und Mill Bay sind infrastrukturell noch kaum mit Victoria verbunden und sehr lÀndlich.
Nach der VolkszÀhlung von 2006 hatten die Orte und Distrikte im Capital Regional District folgende Einwohnerzahlen:[16]
| CRD-Gebiet | Einwohner |
|---|---|
| Saanich | 108.265 |
| Victoria | 78.057 |
| Langford | 22.489 |
| Oak Bay | 17.908 |
| Esquimalt | 16.840 |
| Central Saanich | 15.745 |
| Colwood | 14.687 |
| Sidney | 11.315 |
| North Saanich | 10.823 |
| Sooke | 9.704 |
| View Royal | 8.768 |
| Metchosin | 4.795 |
| Reservate der First Nations (nur z. T. im CRD)[17] |
4.562 |
| Juan de Fuca Electoral Area (nur z. T. im CRD) |
3.801 |
| Highlands | 1.674 |
â Siehe auch: Geschichte der KĂŒsten-Salish, Geschichte British Columbias
Die regionalen Indianerkulturen lassen sich mindestens 4000 Jahre zurĂŒckverfolgen, die Besiedlung dĂŒrfte frĂŒher eingesetzt haben. Zwischen etwa 500 und 1000 n. Chr. ist ein Kennzeichen dieser sĂŒdlichen KĂŒsten-Salish-Gruppen um Victoria eine groĂe Zahl von SteinhaufengrĂ€bern (cairns), auch burial mounds (BegrĂ€bnis-Mounds) genannt. Allein in der Rocky Point Area westlich von Victoria finden sich heute rund 400 dieser cairns. Sie sind in der Landschaft nicht immer leicht zu erkennen und bieten hĂ€ufig Anlass zu Auseinandersetzungen (auch gerichtlichen), da sie eine stĂ€dtebauliche Tabuzone darstellen, Ă€hnlich wie die Reservate und die Provinzparks.
Die Gesellschaften, die diese Monumente hervorgebracht haben, basierten auf Sammeln und Jagd, die in saisonalen Wanderzyklen erfolgten. Dabei bestand â Ă€hnlich wie im zeitgenössischen Europa â eine Dreiteilung der Gesellschaft in einen ökonomisch, kultisch und politisch vorherrschenden âAdelâ, dann die einfachen Stammesangehörigen und schlieĂlich Sklaven.[18] Die Winterdörfer bestanden aus groĂen LanghĂ€usern, die meist aus dem Holz des Riesenlebensbaums erbaut wurden. GroĂe, oft stammesĂŒbergreifende Zeremonien wie das Potlatch befestigten die soziale Stellung der Stammesmitglieder und dienten zugleich dem Reichtumsausgleich durch Verschenken. Prinzipiell steht die Stadt, abgesehen vom ParlamentsgebĂ€ude, dessen Grund 2006 von der Stadt gekauft wurde, bis heute auf Indianergebiet. Die EntschĂ€digungsverhandlungen sind noch in einem frĂŒhen Stadium.
Am Finlayson Point fand man ein befestigtes Winterdorf der Songhees aus der Zeit vor 1800, das ĂŒberwiegend aus LanghĂ€usern bestand. Ihre Siedlungen reichten von Songhees Point bis zur heutigen Johnsons Street Bridge. Da wo heute das Delta Hotel steht, stand das Langhaus des HĂ€uptlings Cheetlam George.[19] Songhees Point, am Eingang zum Inner Harbour, hieĂ Pallatsis, also âWiegenplatzâ, denn dort lieĂen die Kinder, die laufen gelernt hatten, ihre Wiegen zurĂŒck, was ihnen ein langes Leben sichern sollte.
Das heutige Stadtgebiet war also von den Songhees oder Lekwungen bewohnt, die eine vielschichtige Kulturlandschaft geschaffen hatten, als James Cook 1778 als erster Brite den Boden des spĂ€teren Britisch Columbia betrat. Nur vier Jahre zuvor hatte Spanien das Gebiet offiziell in Besitz genommen, musste es jedoch 1794 endgĂŒltig aufgeben. Am 30. Juni 1790 erreichte der Spanier Don Manuel Quimper das heutige Esquimalt, beanspruchte es fĂŒr Spanien und nannte es Puerto de Cordova. Erst die Teilnehmer der Expedition George Vancouvers betraten als erste EuropĂ€er das Gebiet des heutigen Victoria.
1842 suchte der spĂ€tere Gouverneur James Douglas einen geeigneten Ort fĂŒr einen gröĂeren Handelsposten und besuchte daher Sooke, Beecher Bay, Metchosin, Esquimalt und den spĂ€teren Hafen von Victoria. Ihm schien der letztere Platz optimal zu sein.
1843 begann die europĂ€ische Besiedlung. In diesem Jahr wurde am 4. Juni der Bau von Fort Camosun, einem Handelsposten der Hudsonâs Bay Company begonnen, der spĂ€ter als Fort Victoria bezeichnet wurde. Camosack bzw. Camosun ist die anglisierte Form des Songhee-Wortes Kuo-sing-el-as, das die starken Fasern des Pazifischen Weidenbaums (Salix lucida, Unterart lasiandra), einer nur zwischen Alaska und Kalifornien vorkommenden Art, bezeichnete. Netze aus diesen Fasern dienten vorrangig dem Fischfang. Das Indianerdorf neben dem Fort wurde bereits 1844 umgesiedelt â erstmals erfahren wir, dass die Bewohner entgegneten, das Land sei ihres -, 1853 erhielt der Stamm ein Reservat. 1.200 von ihnen halfen beim Setzen der SchanzpfĂ€hle. Ihre Gesamtzahl wird auf 1.600 geschĂ€tzt.[3] Um dem Fort nĂ€her zu sein, das Arbeits- und Handelsmöglichkeiten bot, zogen die Indianer zunĂ€chst in ein Dorf namens Skosappsom, das dort stand, wo sich heute das GebĂ€ude der Legislativversammlung befindet. Viele zogen aus der Cadboro Bay fort und bauten HĂ€user an der Johnson Street, wo heute das Empress Hotel steht. Ihr Hauptdorf lag jedoch auf der dem Fort gegenĂŒberliegenden Hafenseite, in Schussweite der Kanonen. Vergebens versuchten die Indianer 1845 den Zwischenhandel zu monopolisieren, indem sie anderen HĂ€ndlern ihre gegen Pelze eingetauschten Waren raubten.
Anfangs brauchten die 40 Briten nur wenig Land, doch bereits 1855 waren im heutigen Beacon Park rund 160 Acre unter den Pflug genommen worden. Derweil verzehrten die Schweine und Schafe die Camas-Pflanzen der Songhees. AuĂerdem verloren die Songhees im Park zahlreiche BegrĂ€bnisstĂ€tten, in einem Gebiet, das James Douglas bereits 1849 als Park Reserve betrachtete. Als die Songhees einige Tiere töteten, richtete Roderick Finlayson, Leiter des Forts, eine Kanone auf das Haus des HĂ€uptlings, warnte die Bewohner, und lieĂ das Haus zusammenschieĂen.
Nach der GrĂŒndung der Kronkolonie Vancouver Island im Jahr 1849 wurde die Siedlung weiter ausgebaut[20] und zur Hauptstadt erhoben. Die Hudsonâs Bay Company hatte die Insel unter der MaĂgabe ĂŒbernommen, fĂŒr die Besiedlung zu sorgen. Bereits 1846 war am Mill Stream nördlich des Stadtkerns eine erste SĂ€gemĂŒhle entstanden. Die Hudsonâs Bay Company bemĂŒhte sich zugleich, den ausschlieĂlich auf Handel basierenden AktivitĂ€ten neue hinzuzufĂŒgen und grĂŒndete die Puget Sound Agricultural Company. Diese Landwirtschaftsgesellschaft erhielt von der Hudsonâs Bay Company am 17. Mai 1854 Land auf dem Gebiet der Kosapsom, der heutigen Esquimalt Nation. Damit entstand die erste Farm auf Vancouver Island, die Craigflower-Farm, die bis heute besteht und als historisches Erbe unter Schutz steht.
Ab 1852 setzte sich eine anfangs schwache, dann anschwellende Besiedlungswelle nach Norden in Bewegung, nachdem London der Kolonie den Verkauf unbewohnten Landes gestattet hatte. Nach Goldfunden auf dem Festland (Fraser-Canyon-Goldrausch ab 1858) wurde Victoria zur Versorgungsbasis der SchĂŒrfer. Die 300-Einwohner-Stadt wuchs binnen weniger Monate auf ĂŒber 5.000 an, so dass sich hier erstmals eine Tageszeitung halten konnte, die bezeichnenderweise The British Colonist hieĂ. Weitere 10.000 bis 20.000 Menschen nahmen hier nur kurzzeitig Aufenthalt, um weiter nordwĂ€rts Richtung Yale zu ziehen. Allein im Sommer 1858 entstanden in Victoria 225 GebĂ€ude.[21] 1859 baute die Hudsonâs Bay Company ein neues Warenhaus, erstmals aus Ziegeln, wo die GoldschĂŒrfer Mehl, Pfannen, Stiefel, Decken und Munition kauften. Dahinter entstand die Commercial Row, eine Reihe von LĂ€den. Um die stark angewachsene Investitionsbereitschaft weiter zu verstĂ€rken, wurde die Stadt 1860 zum Freihafen erklĂ€rt. Gleichzeitig entstanden Polizeibaracken und ein groĂes GefĂ€ngnis, mit dessen Hilfe man versuchte, die gesetzlosen MĂ€nner unter Kontrolle zu halten. Dazu kamen 1859 und 1860 drei Feuerwehrbrigaden. Die Goldsucher fanden sich bei James Yates ein, der bereits 1853 die erste Gastwirtschaft, The Ship Inn, in Victoria eröffnet hatte. Weiter nordwĂ€rts, am Stadtrand, befanden sich die Spelunken der Johnson Street, die meisten gehörten Alfred Waddington. Bis zum Klondike-Goldrausch waren die BĂŒrgersteige und HĂ€user aus Holz. Die Nachfolgebauten aus der Zeit um 1900 stehen ĂŒberwiegend noch heute. Vierzig Jahre lang prĂ€gte der Goldrausch durch Funde an verschiedenen Stellen die Stadt.
1862 wĂ€hlte die nun als Stadt anerkannte Siedlung ihren ersten BĂŒrgermeister Thomas Harris. Land wurde in Auktionen versteigert. Erste Gaslichter wurden installiert, die die EingĂ€nge von Saloons beleuchteten und bald an jeder StraĂenkreuzung standen. Den Mangel an Frauen versuchte man durch Anwerbung von Heiratswilligen zu mildern, wie im September 1862, als die Tynemouth 61 junge Frauen am Hafen absetzte. 1864 konnte man, da die katastrophale Pockenepidemie von 1862 die kriegerischen StĂ€mme des Nordens stark dezimiert hatte, das alte Fort abreiĂen und die GrundstĂŒcke verkaufen.
Die meisten Zuwanderer kamen aus Kalifornien. Der Einfluss der USA wuchs â obwohl diese bereits 1846 auf ihre AnsprĂŒche verzichtet hatten â und in gleichem MaĂe die Sorge, dass dies auch politische Folgen haben könnte. Die Ansiedlung der Flotte im nahe gelegenen Esquimalt dĂŒrfte damit in Zusammenhang gestanden haben. DarĂŒber hinaus kam es wegen amerikanischer Sklaven, die geflohen waren, zu Auseinandersetzungen. So setzte der Sheriff von Victoria im September 1860 unter Androhung von Gewalt durch, dass ein geflohener ânegroâ namens âCharlieâ nicht wieder in die USA zurĂŒckgebracht wurde.
Doch gelang es der Hudsonâs Bay Company unter FĂŒhrung des Gouverneurs James Douglas wĂ€hrend des folgenden Cariboo-Goldrauschs (ab 1861), den Goldsucherstrom ĂŒber Vancouver und das Fraser-Tal abzulenken und politisch unter Kontrolle zu halten. Zugleich förderte er die Zuwanderung aus Europa, besonders aus England. ZusĂ€tzlich brachte ein kurzer Goldrausch am nahe gelegenen Leech River (1864) GoldschĂŒrfer nach Victoria, die Richtung Sooke zogen, und fĂŒr die eine erste StraĂe gebaut wurde. Dort entstand Leechtown, wo noch heute in bescheidenem AusmaĂ Gold gefunden wird.[22] Mit dem Wachstum verlor die Hudsonâs Bay Company nach und nach ihren Einfluss. Aus dem Handelsposten war binnen 25 Jahren die wichtigste Stadt an der WestkĂŒste des britischen Nordamerika geworden.
1853 wurde das Siedlungsgebiet der Songhees verkleinert, doch sicherte ihnen Gouverneur James Douglas vertraglich zahlreiche Nutzungs- und Schutzrechte zu â eine der wenigen vertraglichen Abmachungen mit den First Nations in der Provinz. Hingegen wurden im ĂŒbrigen Kanada VertrĂ€ge wie die Numbered Treaties geschlossen.
Von Anfang an entwickelte sich eine enge Kooperation zwischen der Siedlung und den Songhees, die beim Aufbau des Forts geholfen hatten, sowie den anderen StĂ€mmen der KĂŒsten-Salish, auch jenseits der Salish Sea.[23] Viele brachten Otter- und Biberfelle, Tran und Fett zum Handeln mit und versorgten die Stadt mit Baumaterial, Arbeitskraft und Lebensmitteln. Ihre Kanus beförderten die Post. 1859 kampierten ĂŒber 2.800 Indianer nahe der Stadt, davon vielleicht 600 Songhees. Die ĂŒbrigen waren Haida (405), Tsimshian (574), Stikine River Tlingit aus SĂŒdalaska (223), Duncan Cowichan (111), Heiltsuk (126), Pacheedaht (62) und Kwakwaka'wakw (44). Doch diese Art der Kooperation brach 1862 binnen weniger Wochen durch eine katastrophale Pockenepidemie zusammen, die fast alle StĂ€mme zwischen Washington und Alaska traf. James Douglas schĂ€tzte schon die Masern von 1848 als fĂŒr die Songhees schlimmer ein als die Pockenepidemie von 1836. Im Jahr 1853 starben abermals 10 % der Songhees, doch ist unklar, ob es Masern oder Pocken waren. Die Songhees wurden von der Epidemie von 1862 jedoch weitgehend verschont, da Dr. John Sebastian Helmcken mehrere hundert von ihnen impfen konnte.
Die dezimierten Indianer wurden ab 1876 in Reservaten zusammengefasst â um Victoria gehörten sie zur Cowichan Indian Agency[24], die groĂe Teile der Insel umfasste -, und unterlagen fortan wie in ganz Kanada einer eigenen Gesetzgebung, dem Indian Act. 1911 siedelten die Songhees auf der Basis eines noch heute gĂŒltigen Vertrags in die Gegend von Esquimalt um.
Esquimalt wurde 1865 zum StĂŒtzpunkt der kanadischen Flotte im Pazifik. Die wachsende Handelsflotte Victorias, immerhin 59 Schoner, basierte selbst 1894 noch zu erheblichen Teilen auf indianischer Arbeitskraft. 518 der 1.336 BeschĂ€ftigten waren Indianer. Allein bei der Robbenjagd im Jahr 1901, bei der 39 Schiffe beteiligt waren, die insgesamt ĂŒber 23.000 Tiere im Nordpazifik erbeuteten (weniger als ein Drittel vor British Columbia), waren zahlreiche Kanus beteiligt. In ihnen arbeiteten 236 MĂ€nner â wohl ausschlieĂlich Indianer, die 1.268 Tiere erlegten. âWeiĂeâ waren rund 440 beschĂ€ftigt.[25]
Ab 1862 war Victoria eine Stadt mit gewĂ€hltem BĂŒrgermeister.[26] Nach der politischen Vereinigung der Kronkolonie Vancouver Island mit der 1858 geschaffenen Kronkolonie British Columbia wurde Victoria 1868 Hauptstadt der Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia, aus der drei Jahre spĂ€ter die kanadische Provinz British Columbia hervorging.
James Douglas wurde der zweite Gouverneur der Kolonie (bereits 1851 von Vancouver Island, 1858 der Kronkolonie British Columbia). Ihm folgte Arthur Edward Kennedy bis 1864. ZunĂ€chst wehrten sich die politischen Vertreter gegen den Beitritt zur Kanadischen Konföderation. Doch vor allem John Sebastian Helmcken, der die Bahnverbindung zur Vorbedingung fĂŒr den Beitritt zu Kanada gemacht hatte, und Joseph William Trutch setzten sich schlieĂlich erfolgreich dafĂŒr ein. Endpunkt der Eisenbahn war das schnell wachsende Vancouver, das Victoria bald den Rang als Wirtschaftszentrum des Westens ablief.
Die erste Tagung der Legislativversammlung von Vancouver Island fand 1856 in Fort Victoria statt. Drei Jahre spĂ€ter entstanden erste RegierungsgebĂ€ude an der James Bay, South Fork, die als âVogelkĂ€figeâ bezeichnet und erst 1897 durch das heutige ParlamentsgebĂ€ude ersetzt wurden. AuĂer von 1866 bis 1868, als fĂŒr kurze Zeit New Westminster Hauptstadt war, tagte hier die Provinzregierung. Das heutige GebĂ€ude wurde 1898 eingeweiht. Bereits 1890 war das seit 1875 von John Teague entworfene Rathaus, die City Hall, im Stil des Second Empire fertiggestellt worden.
Der erste Zensus wurde 1871 in Victoria durchgefĂŒhrt, 1881 auf ganz Vancouver Island, erneut 1891 und 1901.[27] British Columbia hatte demnach 176.546 Einwohner, davon knapp 21.000 in Victoria, von denen 333 angaben, âIndiansâ zu sein. ZĂ€hlt man alle Menschen zusammen, die als ârotâ bezeichnet wurden, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 532.[28]
Ab 1861 erlebte Vancouver Island einen erneuten Zuwanderungsschub, als der Cariboo-Goldrausch ausbrach. Ăber die Cariboo Wagon Road wanderten in den nĂ€chsten Jahren ĂŒber 100.000 MĂ€nner Richtung Barkerville, doch der ĂŒberwiegende Teil von ihnen landete zunĂ€chst in Vancouver, nicht in Victoria. Nicht nur Goldfunde (wie bei Sooke), auch Kohlefunde lockten zahlreiche Menschen an, dazu Holzeinschlag, Fischfang und Landwirtschaft. SpĂ€ter kamen zu diesen sich schnell entwickelnden Industrien weitere hinzu, zunĂ€chst vor allem der Eisenbahnbau. Die Baustellen der Canadian Pacific Railway und der Esquimalt and Nanaimo Railway zogen Tausende an. Dazu kam eine beginnende Urbanisierung um Victoria, das 1901 bereits 20.919 Einwohner hatte.[29]
Mit dieser wachsenden Einwohnerzahl erhielten die Industriezweige Transport und Kommunikation wiederum starke Impulse. 1880 installierte die Victoria and Esquimalt Telephone Company eine erste Telefonleitung zwischen der Hauptstadt und Esquimalt, 1886 wurde die Esquimalt and Nanaimo Railway nach Nanaimo fertiggestellt. Die R.P. Rithet, ein Dampfboot, fuhr den Fraser River aufwĂ€rts bis nach Yale. Aber auch die Bauindustrie wuchs und schlieĂlich mit ihr zusammenhĂ€ngende Zweige wie die Möbelindustrie. Pionier war hierbei John J. Sehl, der ein MöbelgeschĂ€ft in der Government Street betrieb. Geboren 1832 in Deutschland, kam er mit zwölf Jahren nach New York, war 1849 in Kalifornien, spĂ€ter am Fraser und bei Sooke als Goldsucher tĂ€tig, heiratete eine Indianerin namens Elizabeth (Van Allman) aus Iowa. In Victoria betrieb er bis zu seinem Tod am 18. Juni 1904 die Sehl Furniture Company, die sein Sohn John L. Sehl fortfĂŒhrte, der ebenfalls eine Indianerin heiratete (Celia Tiber aus North Dakota). Ein zweiter Deutscher, John Weiler aus Nassau (geb. 1824), hatte einen Ă€hnlichen Weg hinter sich und grĂŒndete nach 1861 ebenfalls ein Möbelunternehmen, das schlieĂlich zum gröĂten in der Provinz aufstieg.
Zunehmend beherrschten jedoch Industrielle, allen voran Robert Dunsmuir mit seinen Beteiligungen an Kohlegruben und Eisenbahnbauten, die Hauptstadt. Sein Sohn James Dunsmuir wurde sogar Premierminister und Vizegouverneur der Provinz. Der Bauboom dieser bis zum Ersten Weltkrieg andauernden ProsperitÀtsphase prÀgt bis heute das Stadtbild, das ausgesprochen viktorianisch wirkt. Dabei dominierten beim privaten Hausbau HolzhÀuser und im öffentlichen Bereich Ziegelbauten. Die umliegenden StÀdte wuchsen zunehmend mit der Metropole zusammen, wie etwa Esquimalt, der Oak Bay District und weitere Orte auf der Saanich-Halbinsel, der Heimat der namengebenden Saanich, denen man 1877 ein Reservat zuwies. Postverbindungen bestanden nach San Francisco (dreimal monatlich per Dampfboot) und Portland, eine Telegrafenleitung via Nanaimo verband die Stadt ebenfalls mit dem Festland. Die Wasserversorgung erfolgte vom Elk Lake her. 1884 installierte man die ersten elektrischen Leuchten.
Es entwickelte sich eine industrielle Struktur mit den Schwerpunkten Brauerei (die erste war die Lion Brewery, die bis nach San Francisco exportierte, 1858 entstand die Brauerei fĂŒr Lager- und Bockbier von Joseph Loewen and L. E. Erb), Eisen- und Blechverarbeitung, Seifenproduktion, Schuhe (die erste Schuhfabrikation begann Maurice Carey in der Yates Street),[30] Handschuhe und Stiefel, Streichhölzer und Zigarren (John Kurtz' White Labor Cigar Factory produzierte Havanna-Zigarren). Auch der Tourismus setzte bereits ein, Hotels entstanden,[31] auch als Ziegelbauten, und sogar Kutschenverleihe waren profitabel. Der gehobene Lebensstil machte die Stadt bald zu einem wichtigen Konsumzentrum, nicht nur fĂŒr Rohmaterialien, sondern zunehmend auch fĂŒr Importwaren, wie etwa Tee.
Dabei war die Fluktuation in der Stadt, die um 1882 ca. 7.000 Einwohner zĂ€hlte, hoch. Dazu kam, dass in jedem Winter rund 1.000 Fischer, Minenarbeiter und StraĂenbauer in die Stadt zurĂŒckkehrten, eine Zahl, die sich seit 1877 verdoppelt hatte.[32] Trotz Kohlefunden, Eisenbahnverbindung usw. auf Vancouver Island entwickelte sich die Stadt nicht zur Industriemetropole, sondern blieb ein Regierungs- und Verwaltungszentrum, das eher im regionalen Handel eine gewisse Rolle spielen konnte, aber wirtschaftlich immer mehr im Schatten von Vancouver und Seattle stand.
Die Mehrheit der Zuwanderer waren Briten, also EnglĂ€nder, Schotten, Iren, Waliser. Sie kamen zunĂ€chst mit der Hudsonâs Bay Company, wurden aber auch gezielt fĂŒr die Kolonisierung um Victoria angeworben und dienten so als Gegengewicht gegen die starke Zuwanderung aus den USA, vor allem aus Kalifornien.
Die erste gröĂere Gruppe Chinesen kam 1858 im Zuge des Cariboo-Goldrauschs, nachdem schon einige der Entdecker Chinesen an Bord gehabt hatten. Viele stammten aus der chinesischen Provinz Guangdong. Die meisten wohnten entlang der heutigen Johnson Street in Zelten oder HolzhĂŒtten an der Nordseite eines Baches, der zu jener Zeit dort noch floss, und betrieben den Anbau von GemĂŒse, das sie bald in der Stadt verkauften. Ling Sing gilt als erster Chinese, der BĂŒrger von British Columbia wurde (1872).[33] Um 1875 nahm die Zuwanderung rapide zu und schon um 1880 war Chinatown die gröĂte Ansiedlung ihrer Art in ganz Kanada. Die HolzhĂ€user wurden bald durch Ziegelbauten ersetzt, die ĂŒberwiegend noch heute bestehen. Auslöser war wohl ein GroĂbrand im Jahr 1883, der das Quartier weitgehend zerstörte und die Gemeinde zeitweise verarmen lieĂ. 1884 wohnten rund 3.000 Chinesen in der Stadt, von denen nur noch jeder vierte Steuern zahlen konnte.[34] 1885 zĂ€hlte man in ganz British Columbia genau 9.629 chinesische Arbeiter.[35] 1901 waren 3.004, 1911 bereits 3.458 Chinesen in der Stadt. Viele hatten lĂ€ngst ihre Familien nachgeholt, und es entstanden GeschĂ€fte, Theater und Schulen[36] Die Chinese Consolidated Benevolent Association (nicht mit der Hoy Sun Ning Yung Benevolent Association zu verwechseln, die eher eine Selbsthilfeorganisation war[37]) versuchte Konflikte mit Nichtchinesen beizulegen und reprĂ€sentierte die Gemeinschaft. Die Stadt fasste sie als eine Art Regierung der chinesischen Minderheit auf. In der 1713 Government Street entstand der Ă€lteste chinesische Tempel, 1909 die erste chinesische öffentliche Schule mit Unterricht in Chinesisch.
Fan Tan, das in der gleichnamigen StraĂe veranstaltete GlĂŒcksspiel, verursachte immer wieder Konflikte, und nach 1908, als Opium in Kanada verboten wurde, fĂŒhrte die Polizei auch aus diesem Grund immer wieder Razzien durch. Lange Zeit hatte die Regierung das GeschĂ€ft mit Opium geduldet, das in die USA geschmuggelt wurde, wo es schon frĂŒher verboten war. In Victoria selbst war der Konsum nur wenig verbreitet, urteilte John Sebastian Helmcken noch 1884.[38] Im Hart Block (531 Herald Street), einem ausgedehnten Bordell, erschien die Polizei hĂ€ufig wegen Anklagen der Zwangsprostitution und Sklaverei. 1884 schĂ€tzte man die Zahl der chinesischen Prostituierten auf rund hundert, wobei sie wohl die Indianerinnen verdrĂ€ngt hatten.[39] GegenĂŒber der chinesischen Schule erbaute man ein PolizeiprĂ€sidium. Die Chinesen trafen in Victoria zwar auf weniger gewalttĂ€tige rassistische Ausschreitungen als in Vancouver, doch wirkte die Gesetzgebung nicht besonders mĂ€Ăigend. So durften sie erst ab 1947 wĂ€hlen. Einer der hĂ€ufigsten Auslöser fĂŒr rassistische Ăbergriffe war die Tatsache, dass Chinesen immer wieder als LohndrĂŒcker eingesetzt wurden.
WĂ€hrend die Chinesen am Nordrand der Kernstadt lebten, bevorzugten die Hawaiianer den SĂŒden. Ihre WohnstraĂe hieĂ Kanaka Row. 1901 lebten im District of Victoria 338 Japaner, die im Gegensatz zu den Chinesen nicht als industrielle Hilfsarbeiter oder in der Gastronomie, sondern ĂŒberwiegend als Fischer tĂ€tig waren. Die Mitglieder ihrer Gemeinde wurden wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs interniert. Sie wurden, vor allem auf Initiative Ian Mackenzies, enteignet und teilweise nach Japan deportiert.
Die Verkehrsanbindung wurde fĂŒr Victoria immer wichtiger. So verband ab 1903 ein regelmĂ€Ăiger FĂ€hrdienst der Victoria Terminal Railway and Ferry Company Sidney mit den StĂ€dten an der Fraser-MĂŒndung, vor allem dem schnell wachsenden Vancouver. 1932 fuhr die erste FĂ€hre von Sidney nach Anacortes. Aus diesen FĂ€hrbetrieben gingen 1961 auf Regierungsinitiative die BC Ferries hervor. Zu Anfang des Ersten Weltkriegs errichtete die kanadische Regierung einen MilitĂ€rflugplatz (Patricia Bay Airport), den VorgĂ€nger des heutigen Internationalen Flughafens.[40]
Der Tourismus, der heute am schnellsten wachsende Erwerbszweig, spielte schon im 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. HierfĂŒr baute die Canadian Pacific Railway 1905 das Empress Hotel. 1994 war die Stadt Gastgeberin der 15. Commonwealth-Spiele, bei denen weit ĂŒber dreitausend Athleten aus ĂŒber 60 Staaten antraten, und 1998 setzte die Tourismusbranche erstmals mehr als eine Milliarde Dollar um. Daneben baute die Stadt ihre Bildungseinrichtungen aus. So entstand aus dem Victoria College 1963 die heutige UniversitĂ€t.
Der private Autoverkehr erreichte Victoria relativ spÀt. Das erste Auto fuhr 1899. Nur Unternehmen nahmen die Erfindung an. In einer kurzen Phase um 1900 gab es nur Elektroautos und dampfgetriebene Fahrzeuge. Doch gegen 1906 setzte sich auch hier der Verbrennungsmotor durch und die Zunahme des Verkehrs erforderte erste Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Automobilclub hatte bereits 50 Mitglieder.
Nach und nach wurden die Neighbourhoods in die Stadtentwicklung mit einbezogen. Das bedeutete zunĂ€chst Ausbau des StraĂennetzes, aber auch Trinkwasserversorgung aus den umgebenden Seen; Naherholungsgebiete wurden erschlossen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen um Immobilienspekulationen. Davon war und ist besonders der KĂŒstenstreifen betroffen. Ein weiterer Grund, warum es immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt, sind die BegrĂ€bnisstĂ€tten und archĂ€ologisch bedeutsamen Stellen, die erst in jĂŒngster Zeit dokumentiert worden sind. Richtung Westen endet allerdings schnell der Bereich, in dem das Klima Victorias noch so mild ist, wie in Downtown. Zudem ist die politische SelbststĂ€ndigkeit der 13 Neighborhoods recht groĂ, und deren Bewohner bevorzugen das lĂ€ndliche Ambiente. Die zersplitterten BesitzverhĂ€ltnisse und die MentalitĂ€t im Osten der Stadt mit einem lĂ€ndlichen Wohnstil begrenzen ebenfalls eine Ausweitung der GrundstĂŒcksspekulation.
Es entstand als ĂŒbergreifende Organisation der Capital Regional District (CRD), zu dem auch die sĂŒdlichen Gulf Islands (Saltspring, Galiano, Pender, Saturna, Mayne) gehören. Er umfasst rund 2340 kmÂČ und unterhĂ€lt zahlreiche BĂŒros. Inzwischen ist der CRD zustĂ€ndig fĂŒr MĂŒll und Wiederverwertung, Landgewinnung, Brunnenbau und Wasserreinigung sowie -versorgung, fĂŒr die UnterstĂŒtzung von KĂŒnstlergruppen, Regionalplanung, Gesundheitswesen, die rund 30 Regionalparks, Wanderwege usw. AuĂerdem ist er der einzige Anteilseigner der Capital Region Housing Corporation, dem 1200 Wohneinheiten gehören. Ăbergeordnete Gesetze können von ihm auch in den Teilgemeinden durchgesetzt werden, wie das Rauchverbot seit 1996. FĂŒr den Ausgleich der gegensĂ€tzlichen Interessen bei der Nutzung des Gebiets spielt er inzwischen eine wichtige Rolle, stellt jedoch keineswegs eine Art ĂŒbergeordnete Verwaltungsinstanz dar.
Die Konflikte in diesem Bereich grĂŒnden auf Konstellationen, die fĂŒr kanadische StĂ€dte spezifisch sind, da sie ĂŒber Kronland verfĂŒgen. 2001 verkaufte die Stadt Victoria Kronland (Crown Land), das seit der britischen Kolonialzeit bestimmten Nutzungsrechten und vor allem -begrenzungen unterliegt. Dieses Gebiet lag an der MĂŒndung des Goldstream River, am Ende eines als Saanich Inlet bekannten langen Fjords. Der Goldstream River und der Spaet-Berg (gespr. spa-eth) sind aber zugleich Teil des Goldstream-River-Wasserschutzgebietes.[41] Hier befand sich zudem ein altes Indianerdorf und eine BegrĂ€bnisstĂ€tte. 1913 wurden dort 12 Acre als Goldstream Indian Reserve No. 13 ausgewiesen, was wiederum nur auf Kronland möglich war. Die fĂŒnf Songhee-Nations teilen sich hier noch heute ein Reservat. Doch Holzeinschlag, wie er in Kanada noch hĂ€ufig in Gebrauch ist, also der groĂflĂ€chige Kahlschlag, schĂ€digten die Trinkwasser- und Energieversorgung der Stadt. 1998 wurde dieses Verfahren gestoppt. Der Goldstream Provincial Park wurde nach Stilllegung eines Wasserkraftwerks eingerichtet.[42]
Noch 2007 gab Forstminister Rich Coleman 28.000 ha Waldland zur privaten Nutzung frei (Tree Farm Licenses 6, 19 und 25). Der neue Besitzer, Western Forest Products, verĂ€uĂerte einen Teil des Landes an den Entwickler Ender Ilkay, darunter die Sooke Potholes, ein ökologisch wertvolles Gebiet, von knapp 7,3 ha FlĂ€che.[43] Die Bebauungsdichte hĂ€ngt in Kanada letztlich von der GröĂe der Parzellen ab, in die das Land aufgeteilt werden darf. Der Streit ist noch in vollem Gange, wobei sich der CRD auf die Seite der BĂŒrgerschaft stellt, die nicht befragt wurde, und deren Anspruch auf Naherholungsgebiete durch zu kleine Parzellierung gefĂ€hrdet wird.
Die VolkszĂ€hlung von 2006 ergab, dass die Stadt mit den 13 Vororten 330.088 Einwohner hatte. Der eigentliche Kern der Stadt hatte allerdings nur 78.659 Einwohner.[44] FĂŒnf Jahre zuvor hatte die Stadt noch 311.902 Einwohner gezĂ€hlt, 1996 sogar erst 304.287.[45]
Dabei ist der Anteil der alten Menschen relativ hoch: 17,8 % der Bevölkerung sind ĂŒber 65 Jahre alt, 10.215 sind sogar ĂŒber 85, der Median ist in den letzten zehn Jahren von 38,7 auf 43,1 gestiegen, die Zahl der Haushalte von 129.350 auf 145.430. Der Anteil der Mietwohnungen fiel von 37,8 auf 35,2 %, dementsprechend stieg der Anteil der Eigentumswohnungen und -hĂ€user.
129.580 Einwohner British Columbias rechneten sich 2006 der Aboriginal Population zu. In Victoria waren dies 10.905 Menschen, von denen sich 6.800 einer der First Nations zuordneten (5.410 waren registrierte Indians), 3.620 den Métis, 135 den Inuit. 130 machten Mehrfachangaben, stammten dementsprechend wohl aus verschiedenen dieser Gruppen.[46]
Die Zahl der Zuwanderer aus dem Ausland ist von 3,0 auf 3,4 % gestiegen, die aus Kanada von 9,4 auf 6,4 % gesunken. Der Anteil der Immigranten (landed immigrants) liegt bei 19,1 %. 8.935 Immigranten kamen aus Amerika (davon 6.125 aus den USA), 34.030 aus Europa (davon 19.395 aus GroĂbritannien), 2.225 aus Afrika und 15.290 aus Asien. Dabei kamen 5.555 aus China und Hongkong, 2.810 aus Indien, 1.775 von den Philippinen. Aus âOzeanienâ (was Grönland und St. Pierre und Miquelon einschlieĂt) kamen 1.585. Als non-permanent residents, also als FlĂŒchtlinge oder Inhaber von Studien- oder Arbeitserlaubnissen galten 3.575 Menschen. Allein in den letzten fĂŒnf Jahren sind 5.975 Menschen zugewandert, wobei der Anteil Ost- und SĂŒdostasiens stĂ€rker angestiegen ist. WĂ€hrend aber 1961-70 noch 11.595 Menschen einwanderten, kamen 1991-2000 nur 10.070, im Zeitraum 2001-06 kamen wieder 5.975, was einen starken Anstieg darstellt.
2001 zĂ€hlten sich zu den sichtbaren Minderheiten: Chinesen (11.240), SĂŒdasiaten (5.775), Philippinos (1.815), SĂŒdostasiaten (1.245), Araber (280), Westasiaten (410), Koreaner (680), Japaner (1.740), Schwarze (2.175), Lateinamerikaner (1.165), sonstige (210), gemischt (460). Dies macht deutlich, dass der bei weitem ĂŒberwiegende Teil dieser visible minorities aus Asien, und dort besonders aus Ostasien stammt. In ganz Kanada hat ihr Anteil die eine Million bei weitem ĂŒberschritten.
Die Ureinwohner zĂ€hlen hingegen zu den nicht sichtbaren Minderheiten und umfassten drei Gruppen (First Nations, MĂ©tis und Inuit) von insgesamt 8.700 Menschen (2001),[47] bzw. fast 11.000 (2006, s. o.). Sie können in Downtown beispielsweise auf die Inner City Aboriginal Society zurĂŒckgreifen, die soziale Dienste und Rechtsvertretung anbietet.
Die Stadt zĂ€hlt 24 Landsmannschaften, von der Alliance Française bis zum Edelweiss Club, vom Native Friendship Center bis zu den Sons of Norway oder der Vietnamese Association.[48] Der Erforschung ihrer Geschichte widmen sich mehrere Vereinigungen, unter denen sich die Association Historique Francophone de Victoria und die B.C. Jewish Historical Society auf französische, bzw. jĂŒdische Geschichte konzentrieren.
Zu den sichtbaren sozialen Problemen zĂ€hlt vor allem die Obdachlosigkeit. Daher wurde im Januar 2008 beschlossen, die 55 Schlafmöglichkeiten der Hilfsorganisation Streetlink in ein stĂ€dtisches GebĂ€ude in der Ellice Street zu verlegen und diese auf 80 Betten aufzustocken. Dazu kommen 24 Stellen fĂŒr betreutes Wohnen. Die noch von Streetlink genutzte StĂ€tte in der Store Street wird zu 15 Wohnungen im gleichen Sinne umgewandelt, dazu 26 weitere Einheiten in der angrenzenden Swift Street. Auch das in Provinzeigentum befindliche Haus in der Humboldt Street wird entsprechend zu 53 Einheiten umgewandelt.[49]
Der Victoria Municipal Census vom April 1871 (im Juli erfolgte der Anschluss an Kanada), die erste VolkszĂ€hlung, zĂ€hlte 1054 HaushaltsvorstĂ€nde, davon waren 61 ânativesâ und 10 Chinesen. Die Einwohnerzahl lag bei 3.630. 1881 hatte die Stadt bereits 18.623 Einwohner. Victoria hatte 1901 genau 20.919 Einwohner, dazu kamen 2.947 im lĂ€ndlichen Umland, davon waren 3.000 Chinesen, 338 Japaner und 333 Indianer. Auf 14.304 MĂ€nner kamen nur 9.359 Frauen.
Seither wÀchst die Stadt kontinuierlich, doch lebt nur noch rund ein Viertel der Bewohner des CRD in Victoria selbst.[50]
Der CRD wies 1996 304.287, fĂŒnf Jahre spĂ€ter 311.902 und 2006 330.088 Einwohner auf. Religionen und KonfessionenDie vorherrschende Religion ist das Christentum, wobei die protestantischen Bekenntnisse die bei weitem gröĂte Gruppe darstellen. Abgesehen davon, dass ĂŒber 11.000 Bewohner ihr Bekenntnis nicht spezifizierten, rechneten sich den Protestanten rund 115.000, den Katholiken rund 48.000 (dazu zĂ€hlen Römische und âöstlicheâ Katholiken, Angehörige der Polish National Catholic Church und Alt-Katholiken), den Orthodoxen knapp 1.700 zu. 3.470 Menschen zĂ€hlten sich zu den Sikhs, 3.315 waren Buddhisten, 1.550 Juden, 1.230 Muslime, 765 Hindus. Ăber 3.000 rechneten sich anderen Religionen zu. Die stĂ€rkste Gruppe waren mit 116.000 Menschen erstmals diejenigen, die sich keiner Religion zurechneten.[47] Das katholische Bistum Victoria hat seinen Sitz in der Hauptstadt und vertritt rund 94.000 Katholiken auf Vancouver Island. Es betreut im Raum Victoria zwölf Gemeinden. Kathedrale des Bistums ist die St. Andrews Cathedral. Seit 2004 ist Richard Gagnon der 16. Bischof von Victoria. Die jĂŒdische Gemeinde Victorias umfasst weit ĂŒber tausend Mitglieder. Die meisten zĂ€hlen sich zum konservativen Judentum, gefolgt vom Reformjudentum und dem orthodoxen Judentum. Der jĂŒdische Friedhof Cedar Hill ist der Ă€lteste in Westkanada, die Synagoge die Ă€lteste Kanadas. Historische Quellen liegen in den Jewish History Archives in Vancouver, in W. 41st Avenue und in Granville. Sikhs, Hindus und Muslime kamen und kommen vor allem durch die britische Kolonialherrschaft und durch die weiterhin bestehenden engen Kontakte, z.B. in Form des Commonwealth, nach Victoria â auch dies ein Aspekt des britischen Charakters der Stadt. So bauten etwa die indischen Sikhs einen Tempel in der 1210 Topaz Avenue, der wohl vor 1912 entstand,[51] Buddhisten errichteten 1905 den Ă€ltesten Tempel Kanadas und die Muslime versammeln sich in der Masjid al-Imam, der Moschee in der Quadra Street. PolitikVon 1999 bis 2008 war der BĂŒrgermeister Alan Lowe, womit er Anspruch auf die Anrede His Worship hat. Er hatte Umweltstudien in Manitoba und in Oregon Architektur studiert. Er hat nicht nur chinesische Vorfahren, sondern war mit 38 Jahren auch der jĂŒngste Mayor des Landes. 1999 errang er ĂŒber 43 % der Stimmen, 2002 sogar ĂŒber 61 %, gewann die Wahl von 2005 aber nur mit knappem Vorsprung. 2008 folgte ihm Dean Fortin im Amt. Im Provinzparlament, der Legislativversammlung von British Columbia ist die Stadt Victoria mit zwei Sitzen vertreten. Seit den Wahlen im Mai 2005 werden die Wahlkreise Victoria-Beacon Hill und Victoria-Hillside von Abgeordneten der British Columbia New Democratic Party gehalten, die in Opposition zur regierenden British Columbia Liberal Party steht. Abgeordnete Victorias im kanadischen Unterhaus ist Denise Savoie von der New Democratic Party. Kultur und SehenswĂŒrdigkeitenVictoria gilt zum einen als britischste Stadt Nordamerikas; Bau- und Lebensstil sind sehr von England geprĂ€gt, schon auf den ersten Blick erkennbar an den roten Doppeldeckerbussen. Weit ĂŒber tausend GebĂ€ude sind in einem Inventar des historischen Erbes erfasst.[52] Ăhnlich wie die GĂ€rten, LandhĂ€user und Parks sind sie ĂŒberwiegend vom britischen Baustil inspiriert. Das zeigt sich vor allem in Downtown. Zum anderen ziehen Musik und Theater zahlreiche Besucher in die Stadt, wobei dies ĂŒberwiegend Kanadier und US-Amerikaner sind. Im Umkreis des Inner Harbour1898 wurde das ParlamentsgebĂ€ude als Sitz der Gesetzgebenden Versammlung fertiggestellt. Es ist 152 m breit und eine Bronzestatue von George Vancouver erhebt sich auf dem GebĂ€ude. Neben dem ParlamentsgebĂ€ude ist das direkt am Hafen gelegene Fairmont Empress Hotel eines der bekanntesten GebĂ€ude in Victoria. Das ParlamentsgebĂ€ude und seine Umgebung gehören mit ihren 4 Hektar zu den wertvollsten GrundstĂŒcken in der gesamten Provinz.[53] 2006 schĂ€tzte man seinen Wert auf 40 Millionen Dollar. Doch es stellte rechtlich betrachtet bis 2006 Indianergebiet dar. Die Regierung einigte sich am 25. November 2006 mit den Besitzern, den Songhees und Esquimalt auf eine Kompensation in Höhe von 31,5 Millionen Dollar. Dabei sollen jeweils pro Mitglied der Songhees nie mehr als 2.000 Dollar aus einem Fonds ausgezahlt werden dĂŒrfen. Bei zusammen 700 Stammesmitgliedern der beiden StĂ€mme ergibt dies 1,4 Millionen. Weitere 8,5 Millionen Dollar sollen zum Kauf von ErsatzgrundstĂŒcken aus dem staatlichen Besitz eingesetzt werden. Sie mĂŒssen in Victoria oder in Esquimalt, Langford, Colwood oder View Royal liegen und maximal die gleiche FlĂ€che umfassen, wie das alte GrundstĂŒck. SchlieĂlich sollen 3 Millionen zur Deckung der Anwaltskosten aufgebracht werden sowie in die Umsetzung der vertraglichen Vereinbarungen. Ăhnliche Regelungen wurden fĂŒr die Esquimalt vereinbart. Das Ă€lteste Haus Victorias, das Helmcken House von 1852, war der Wohnsitz von John Sebastian Helmcken, einem der GrĂŒndervĂ€ter Kanadas Unweit des ParlamentsgebĂ€udes befindet sich das wichtigste Museum in Westkanada, neben dem Museum of Anthropology in Vancouver. Mit seinen Ausstellungsschwerpunkten Naturgeschichte, Stadtgeschichte und Geschichte der First Nations zieht das Royal British Columbia Museum jedes Jahr Hunderttausende an. Im GebĂ€ude befindet sich das Hauptarchiv der Provinz, die British Columbia Archives. Zum Komplex gehört auch das Ă€lteste GebĂ€ude der Stadt, das nach John Sebastian Helmcken benannte Helmcken House. Diesem gegenĂŒber steht die Ă€lteste Schule der Stadt, das St Ann's Schoolhouse von 1858. Die Art Gallery of Greater Victoria in 1040 Moss Street ist eine Mischung aus Kunstgalerie und -museum. Zahlreiche Werke von Emily Carr sind hier zu finden, die im konservativen Victoria lange um Anerkennung ringen musste. Das Swans Suite Hotel bietet als Teil der Williams Collection, einer der gröĂten Sammlungen Westkanadas, Möbel, GemĂ€lde und Skulpturen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. DarĂŒber hinaus liegt ein Schwerpunkt auf der Kunst der First Nations. Die Kernstadt selbst, mit ihrem europĂ€ischen Erscheinungsbild, ihren farbenfrohen HĂ€usern und ihrer KleinrĂ€umigkeit, ist besonders leicht fĂŒr FuĂgĂ€nger zu erschlieĂen. Dazu kommt, dass jedes Quartier eine ganz eigene AtmosphĂ€re bietet. Das gilt vor allem fĂŒr die Chinatown, die das Ă€lteste und besterhaltene Chinesenquartier Kanadas ist (in Amerika ist nur die in San Francisco Ă€lter). Sie reicht bis 1858 zurĂŒck. Dort befindet sich auch der Ă€lteste buddhistische Tempel Kanadas, der der Seegöttin Tam Kung gewidmet ist, ein Bau, der 1905 begonnen wurde (1713 Government Street). LandhĂ€user und GĂ€rtenDas von 1887 bis 1890 im Auftrag des Industriellen Robert Dunsmuir errichtete viktorianische Landhaus Craigdarroch Castle (gĂ€lisch fĂŒr âfelsiger Eichenplatzâ) liegt auf einem HĂŒgel im Osten der Stadt. Das von seinem Auftraggeber nie bezogene Objekt (Dunsmuir starb 1889), beherbergte nach dem Ersten Weltkrieg ein MilitĂ€rkrankenhaus, von 1921 bis 1946 das Victoria College und anschlieĂend eine Musikhochschule. 1979 wurde das Landhaus mit seinen 39 Zimmern in ein Museum umgewandelt. Es wird jĂ€hrlich von etwa 150.000 Besuchern frequentiert.[54] Ăhnliches gilt fĂŒr Hatley Park National Historic Site, einen Park mit alten BaumbestĂ€nden und einem ebenfalls von Dunsmuir beauftragten schlossartigen GebĂ€ude, das Hatley Castle von 1908. Sieben der elf dicksten Douglasien Kanadas sollen dort stehen. AuĂerdem residieren hier seit 1995 die Royal Roads University und ein Museum. AusgefĂŒhrt wurde das Anwesen von dem fĂŒr die Baugeschichte Victorias ĂŒberaus wichtigen Architekten Samuel Maclure, der 1892 in die Stadt kam.[55] Auf der Saanich-Halbinsel im Norden, bei Brentwood Bay, finden sich zwei ausgedehnte, parkĂ€hnliche Anlagen. Zum einen die Butchart Gardens (22 ha), deren Anlage 1904 von Jennie Butchart begonnen wurde, zum anderen die Victoria Butterfly Gardens, die an der West Saanich und Benvenuto Road liegen und fast 50 Schmetterlingsarten (dazu 250 tropischen Pflanzen) einen Lebensraum bieten. Die Butchart Gardens bestehen, wie der Plural andeutet, aus mehreren GĂ€rten, unter ihnen ein japanischer (seit 1908), ein italienischer, dazu ein Rosengarten (seit 1929) mit 250 Rosenarten. Die GĂ€rten beschĂ€ftigen mehr als 50 GĂ€rtner. Zwei indianische KĂŒnstler haben 2004 je einen Totempfahl aufgestellt. UrsprĂŒnglich hatte der erfolgreiche BaustoffhĂ€ndler Robert Pim Butchart hier eine Kalkgrube ausgebeutet, die seine Frau in einen riesigen Garten verwandelte, in dem sich bis heute die kanadische Gartenbaukunst mit ĂŒber 700 Pflanzenarten widerspiegelt. Ăhnliches gilt fĂŒr die Abkhazi Gardens, die von Prinz und Prinzessin Abkhazi ab 1946 ĂŒber vier Jahrzehnte geschaffen wurden. Marjorie (Peggy) Pemberton-Carter, die 1945 aus Shanghai nach Kanada geflohen war, heiratete den georgischen, bzw. abchasischen Exil-Prinzen Nicholas Abkhazi aus Tiflis, der seinerseits 1919 nach Kanada geflohen war. Nach ihrem Tod 1987 bzw. 1994 kaufte die Land Conservancy of British Columbia im Jahr 2000 das Land, um seine Bebauung durch eine Siedlung zu verhindern. KirchenVictoria war durch die britischen Bewohner von Anfang an anglikanisch. So entstand hier bereits in den 1850er Jahren eine anglikanische Kathedrale, die jedoch abbrannte. Ihre Nachfolgerin wurde durch die heutige Kirche ab 1929 ersetzt. Daneben ist die Church of Our Lord, erbaut 1876, seit 1998 restauriert und unter Denkmalschutz, an der Blanshard Street, zu nennen. Sie gehört der Reformed Episcopal Church, geht auf John Teague zurĂŒck, und reprĂ€sentiert im Rahmen des historischen Erbes den Stil des so genannten Carpenter Gothic oder Rural Gothic. Gouverneur James Douglas war 1874 eines der GrĂŒndungsmitglieder der Gemeinde und spendete ihr das GrundstĂŒck. In der Kirche befindet sich eine Bostoner Orgel (Appleton Organ) von 1827, die 1875 nach Victoria kam. Die benachbarte Cridge Hall stammt von Samuel Maclure. Das katholische Pendant ist die St Andrews Cathedral. Sie ist die dritte Kathedrale, denn die erste war von 1858-1884 die heutige Kapelle des St. Ann's Convent in der Humboldt Street; die zweite war von 1884-1892 das heutige St. Andrew's Square Building, nahe der heutigen Kathedrale. Die heutige Kathedrale entstand nach dem Vorbild einer Kirche bei QuĂ©bec. Dieser als High Victorian Gothic Style bezeichnete Baustil ĂŒbernahm auch zahlreiche Elemente aus dem mittelalterlichen Kirchenbau Europas. In der Krypta liegt der erste Bischof von Victoria Modeste Demers begraben, im Amt von 1847 bis 1877.[56] Musik und TheaterBeim Jazzfest International, das am letzten Juni-Wochenende stattfindet, ziehen ĂŒber 300 Musikgruppen in zehn Tagen weit mehr als 35.000 Zuschauer an. Das Festival wurde von der Victoria Jazz Society 1985 ins Leben gerufen. 2002 trat hier etwa Dave Brubeck auf. 1995 entstand das jĂ€hrlich zum Labour Day stattfindende Vancouver Island Blues Bash. Mit 150.000 Besuchern pro Jahr ist allerdings das von der Inter-Cultural Association (ICA) organisierte Folkfest das gröĂte Open-Air-Festival auf Vancouver Island. Noch stĂ€rker den historischen Wurzeln, in diesem Fall den schottischen, ist das Victoria Highland Games and Celtic Festival verpflichtet, das 2009 zum 72. Mal stattfand. Es geht auf die um 1860 entstandene St. Andrewâs and Caledonian Society und die Sir William Wallace Society zurĂŒck, die die Veranstaltung erstmals 1864 abhielten.[57] Dudelsack- und TanzauffĂŒhrungen finden im Bullen Park in Esquimalt statt. Das gleiche gilt fĂŒr die andere kulturelle Hauptwurzel Victorias neben der europĂ€ischen, die indianische Kultur. JĂ€hrlich Ende Juli/Anfang August findet das dreitĂ€gige First People's Festival statt. Es wird vom Victoria Native Friendship Centre und dem Royal British Columbia Museum organisiert.[58] Das seit 1941 bestehende Victoria Symphony (-Orchester) tritt im Royal Theatre und im Farquhar-Auditorium der UniversitĂ€t zwischen September und Mai auf.[59] Freiluftkonzerte geben die Symphoniker an allen zehn Feiertagen â die Veranstaltung heiĂt Symphony Splash und findet im Inneren Hafen statt. Die 1980 begrĂŒndete Pacific Opera Victoria (POV),[60] der erst wenige Jahre bestehende Philharmonic Choir und Ballet Victoria (gegrĂŒndet 2002) treten im Macpherson oder im Royal Theatre auf, der Chor auch in Kirchen. Daneben existiert noch seit 1864 die Royal Canadian Artillery Band. Mehrere Theater prĂ€gen die Stadt mit. Zum einen sind dies das von der Royal & McPherson Theatres Society unterhaltene Royal Theatre in 805 Broughton Street (1913 gegrĂŒndet) und das McPherson Playhouse (1914) in 3 Centennial Square. Das Bastion Theatre musste 1988 seinen Bankrott erklĂ€ren, und auch das New Bastion Theatre war ohne Fortune (1992 Pleite). Hingegen ĂŒberlebt das Belfry Theatre seit 1974 bzw. 1976. Daneben gibt es ein universitĂ€res Theater, das Phoenix Theatre, dann das Kaleidoscope Theatre und das Intrepid Theatre. Wirtschaft und InfrastrukturWirtschaftHauptbeschĂ€ftigungszweige sind Tourismus, Bildung, die Regierung und die Behörden, sowie Dienstleistungen. Zahlreiche Banken und zunehmend Technologie-Unternehmen prĂ€gen auĂerdem das Bild. Vor allem bei letzteren spielt das seit 1989 bestehende Vancouver Island Advanced Technology Centre eine wichtige Fördererrolle.[61] Dementsprechend hoch sind die Löhne, und vor allem die Immobilienpreise, trotz Weltwirtschaftskrise. Die Stadt ist zudem Sitz des Dominion Astrophysical Observatory und der University of Victoria, zwei bedeutenden Arbeitgebern. Eine wichtige Rolle spielt nach wie vor der Hafen, der eigentlich aus drei HĂ€fen besteht, dem Outer Harbour fĂŒr Hochseeschiffe, dann dem Inner und der Upper Harbour, dazu kommt noch der von Esquimalt. Die Verschiffung von Rohstoffen leidet allerdings unter dem Verfall des US-Dollars, der Holz, Lachs und inzwischen auch Mineralien fĂŒr den sĂŒdlichen Nachbarn stark verteuert hat. In den Nachkriegsjahren erlebte Victoria einen beachtlichen Wirtschaftsboom. Dabei spielte der Druck, den die British Columbia Social Credit Party (die 1952 ĂŒber 30 % der WĂ€hler mobilisierte) auf die konservativen und liberalen KrĂ€fte ausĂŒbte, eine erhebliche Rolle. Sie bildete, von jenen anfangs gestĂŒtzt, eine Minderheitsregierung. In den Wahlen von 1956 gewann sie sogar 38 %. W. A. C. Bennett wurde fĂŒr die nĂ€chsten 20 Jahre Premierminister. Er startete ein ehrgeiziges Infrastrukturprogramm, das auf den Einnahmen der damaligen Wachstumsindustrien Holz, Rohstoffe und Energie basierte. British Columbia Electric Railway und British Columbia Power Company wurden verstaatlicht und zusammen mit kleineren ElektrizitĂ€tsunternehmen zu BC Hydro zusammengefasst. Mehrere DĂ€mme wurden gebaut, ein Abkommen ĂŒber Stromlieferungen mit den USA geschlossen. Im Nordosten der Provinz erschloss man Ăl und Gas. AuĂerdem richtete die Regierung BC Ferries ein, ein FĂ€hrennetz, das das ebenfalls im Provinzbesitz befindliche StraĂennetz ergĂ€nzte. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten zogen wiederum zahlreiche KĂŒnstler, Schriftsteller und Wissenschaftler in die als angenehm wahrgenommene und beworbene Stadt. Dazu kam der Wirtschaftsboom in Ostasien, allen voran Japan. Da Victoria stark von der Politik seines gröĂten Arbeitgebers abhing, hing vom Staat vieles ab. Als BC Hydro die ersten Verluste bekanntgab, verlor die British Columbia Social Credit Party die Wahl von 1972, doch kehrte sie bereits 1975 zurĂŒck und verlor erst nach Korruptionsskandalen 1991 endgĂŒltig die Macht. Glen Clark, frĂŒherer PrĂ€sident der BC Federation of Labour, wurde neuer ParteifĂŒhrer der British Columbia New Democratic Party (NDP) und gewann 1996 die Wahl. Mit dem Regierungswechsel setzte man stĂ€rker auf Tourismus. So wurden zahlreiche Parks eingerichtet. Arbeitslosigkeit und Steuern stiegen jedoch. Der Plan, eine Schiffbauindustrie neu aufzubauen, scheiterte. 2001 wurde auch die NDP abgewĂ€hlt. Sieger war Gordon Campbells British Columbia Liberal Party mit 77 von 79 Sitzen. Er lieĂ die Einkommensteuer senken und verkaufte die Eisenbahngesellschaft British Columbia Railway an die Canadian National Railway. Ab 2002 wurden groĂe Teile der Energieproduktion fĂŒr private Unternehmen geöffnet, die dazu ĂŒbergingen, neue StaudĂ€mme zu bauen. Neben gravierenden ökologischen Folgen untergrĂ€bt dies vielfach die Förderung des Tourismus. Viel entscheidender war aber die Ăbernahme Hongkongs durch die Volksrepublik China, was zahlreiche vermögende Chinesen nach British Columbia brachte, vor allem nach Vancouver. Ihr Kapital, dazu der schnell wachsende pazifische Wirtschaftsraum, machte Victoria zu einer vermögenden Stadt. Dennoch zeichnet sich seit Sommer 2006 ein RĂŒckgang der Immobilienpreise ab, der die Finanzkrise in den USA ankĂŒndigte. Dies bremste auch das Wachstum der bis 2006 wichtigsten Industrie in Victoria, des Tourismus. Zwischen 1998 und 2007 stieg die Zahl der Touristen von rund 2,2 Millionen auf ĂŒber 3,6 Millionen an, ihre Aufenthaltsdauer schwankte zwischen 2,0 und 3,5 Tagen. Sie gaben jĂ€hrlich zwischen 1,0 und 1,2 Milliarden Dollar aus. Lange Zeit ĂŒberwogen dabei Touristen aus den USA â sie machten um 2000 noch fast 40 % der Touristen aus, seither hat sich ihr Anteil halbiert â, doch inzwischen nimmt die Zahl der Touristen aus Asien und Europa zu.[62] GroĂe Hoffnungen macht man sich auf Touristen aus China.[63] Dazu kommen zahlreiche Kurzzeitbesucher, wie etwa Reisende der Kreuzfahrtschiffe, die am Ogden Point Terminal anlegen. Ihre Zahl belief sich im Jahr 2007 auf weit ĂŒber 300.000.[64] Von diesen Kurzzeittouristen ĂŒbernachteten 2009 rund drei Viertel in der Stadt, insgesamt 87 % aller Touristen. Die Tagesausgaben fielen allerdings von 273 Dollar (2007) auf 247 Dollar (2009). 77 % der Besucher des Jahres 2009 waren schon vorher mindestens einmal in Victoria, 18 % kamen jĂ€hrlich mindestens sechsmal. 47 % gaben an, zum VergnĂŒgen zu kommen, 24 % besuchten Verwandte und Freunde, 6 % kamen zur Hochzeit oder Beerdigung, in KrankenhĂ€user und vor allem zu Bildungsinstituten. Rund 42 % der Besucher kamen aus der Provinz, 13 % aus dem benachbarten US-Bundesstaat Washington.[65] Inzwischen setzen aber Hightech-Unternehmen mehr als 1,6 Milliarden Dollar um, und lassen die bisher gröĂte Industrie damit hinter sich. Das betrifft auch die Zahl der ArbeitsplĂ€tze. Unternehmen wie GenoLogics Life Sciences Software in der Softwareindustrie, aber auch solche wie Triton Logging â die Umweltpreise gewannen, obwohl sie zur Holzindustrie gehören, sich jedoch von den vorherrschenden Praktiken der Industrie absetzte â oder Etraffic Solutions, Contech Electronics, Archipelago Marine Research usw. beschĂ€ftigen inzwischen immer mehr Mitarbeiter.[66] Insgesamt ist Victoria eine Stadt, Ă€hnlich wie die ganze Provinz, deren Arbeitsmarkt auf zahllosen Klein- und Mittelbetrieben basiert. Trotz dieser widerstandsfĂ€higen Strukturen stieg die Arbeitslosenquote in Greater Victoria von kaum mehr als 3 % im Mai 2008 auf 6,4 % im Mai 2009. Besonders stark litten die Bereiche Lebensmittel und Gastgewerbe, wo innerhalb eines Jahres 6.700 Stellen verschwanden. Aber auch der technisch-wissenschaftliche Bereich verzeichnete einen RĂŒckgang von 3.200 Stellen, Ă€hnlich wie der öffentliche Sektor mit 3.000 Stellen. Dennoch lag die Arbeitslosenquote unter der in der Provinz (7,4 %) oder der in Kanada (8,4 %). Im Juli 2009 lagen die entsprechenden Werte bei 6,1 bzw. 7,8 und 8,7 %.[67][68] VerkehrVictoria liegt am Trans Canada Highway, der genau an der Ecke Douglas Street/Dallas Road beginnt und als Highway 1 durch die Stadt fĂŒhrt. Die ersten Pkws kamen 1899, die ersten Busse kamen 1923 zum Einsatz. Zwar wurden 1945 Trolleybusse eingesetzt, doch 1948 stellte man den Betrieb der seit 1890 mit 6 Street Cars eröffneten StraĂenbahnen ein. 1961 wurde BC Electric von BC Hydro (eigentlich BC Hydro and Power Authority) ĂŒbernommen. Derzeitiger Eigner ist BC Transit, eine so genannte Crown Corporation, also ein staatlich kontrolliertes Unternehmen. Im Jahr 2000 fĂŒhrte Victoria als erste Stadt in Nordamerika den regulĂ€ren Busbetrieb mit Doppeldeckern ein,[69] 1992 hatte die Stadt als erste in der Provinz Niederflurfahrzeuge eingefĂŒhrt. Die Stadt verfĂŒgt ĂŒber einen Flughafen, den Victoria International Airport, und ist durch FĂ€hren mit dem amerikanischen Bundesstaat Washington sowie mit der Wirtschaftsmetropole Vancouver verbunden. Wasserflugzeuge verbinden den Inneren Hafen sowohl mit Seattle als auch mit dem Flughafen und dem Hafen von Vancouver. Victoria Clipper, Katamarane, die Victoria mit Vancouver und Seattle verbinden Ablegestelle der FĂ€hren von BC Ferries nach Tsawwassen sĂŒdlich von Vancouver und zu mehreren Gulf Islands ist der Swartz Bay Ferry Terminal knapp 30 km nördlich des Ortskerns von Victoria. Die Washington State Ferry hingegen hat ihre Anlegestelle in Sidney, von wo sie nach Friday Harbor, Orcas Island und nach Anacortes in Washington fĂ€hrt. Eine AutofĂ€hre vom Inneren Hafen fĂ€hrt nach Port Angeles, dazu verkehren Hochgeschwindigkeits-Katamarane nach Seattle, sowie diverse Wasserflugzeuge. RĂŒckgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ĂPNV) bildet das umfangreiche Stadtbusssystem des Victoria Regional Transit System, das wiederum zu BC Transit gehört. Die Gesellschaft ist mit Ausnahme von Vancouver fĂŒr den gesamten ĂPNV in British Columbia zustĂ€ndig und hat ihren Hauptsitz in Victoria. Ihre Entstehung geht auf das Jahr 1890 und die National Electric Tramway and Light Company zurĂŒck. Diese wurde als Folge eines 55 Opfer fordernden Verkehrsunfalls an der Point Ellice Bridge von der British Columbia Electric Railway ĂŒbernommen.[70] BC Transit hat im Mai 2011 eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht, nach der ein schienengebundenes System mit auf eigener Trasse fahrenden StraĂenbahnen ("light rail") kĂŒnftige Anforderungen wirtschaftlicher und ökologischer erfĂŒllen könne als das bestehende Bussystem.[71] Diese EinschĂ€tzung gilt als Neuorientierung, da mit gleichlautender Argumentation das bis in die 1950er Jahre bestehende StraĂenbahnsystem abgeschafft wurde - ebenso wie die Bahnlinie der Esquimalt and Nanaimo Railway, die nach Nanaimo, Port Alberni und Courtenay verkehrte und ebenfalls reaktiviert werden soll.[72] Ein Radwegenetz wurde in den letzten Jahren unter Einbeziehung bestehender Routen wie Galloping Goose und Lochside Regional Trail entwickelt. BildungNeben der UniversitĂ€t (UVic oder University of Victoria) ist das Royal British Columbia Museum eine der wichtigsten BildungsstĂ€tten, die auch fĂŒr den Tourismus von groĂer Bedeutung ist. Dazu kommen das Lester B. Pearson United World College of the Pacific in Metchosin, das sich, entsprechend dem namengebenden FriedensnobelpreistrĂ€ger, dem Ziel einer friedlichen Koexistenz verschrieben hat, und als jĂŒngste Einrichtung die Royal Roads University sowie das Camosun College von 1971. Dazu kommt die umstrittene private University Canada West, die bis 2009 unter Leitung des ehemaligen UVic-PrĂ€sidenten stand. Sie besitzt zwei Campus, einen in Vancouver und einen in Victoria, 950 Kings Road. Das Dominion Astrophysical Observatory und das Centre of the Universe-Planetarium stellen herausragende naturwissenschaftliche Institute dar. Neben dem Royal BC Museum ist das Maritime Museum of British Columbia fĂŒr Erforschung und Dokumentation sowie PrĂ€sentation der Geschichte der Seefahrt von Bedeutung. Die einzige High School im Stadtkern ist die Victoria High School von 1876. Daneben gibt es noch Schulen dieses Typs in Oak Bay und in Esquimalt, weitere, als Secondary Schools bezeichnete Einrichtungen, wie die Lambrick Park, die Mount Douglas und die Reynolds Secondary sowie die Spectrum Community School bieten eine Ă€hnliche Ausbildung. FĂŒr die frankophone Minderheit steht die Ăcole Victor Brodeur zur VerfĂŒgung, fĂŒr die Chinesen die Chinese School in Chinatown. Dazu kommt eine Reihe, z. T. christlich ausgerichteter Privatschulen. Die erste Schule entstand auf Initiative des Gouverneurs James Douglas 1852, der erste Lehrer war Charles Bailey.[73] Er unterrichtete 18 SchĂŒler. 1855 folgte eine zweite beim heutigen Craigflower unter Leitung von Charles Clark. 1865 wurde die Schulpflicht fĂŒr alle ab sechs Jahren eingefĂŒhrt, doch 1872 mussten die Schulen mangels Geld geschlossen werden. Im nĂ€chsten Jahr erfolgte ein weiterer Anlauf, doch wurde die Schulpflicht auf die 6- bis 14-JĂ€hrigen begrenzt (vorher bis 18). 1876 wurde die erste High School gegrĂŒndet, alle anderen waren Elementary Schools, eine Art Grundschulen. Die erste Normal School eröffnete 1915, 15 Jahre nach der ersten in Vancouver. Dies hing mit einem regelrechten Schulboom zusammen, denn von 1908 bis 1914 entstanden zwölf neue Schulen. MedienDie Ă€lteste Tageszeitung ist der Times-Colonist, der 1980 aus der Verbindung zweier Zeitungen hervorging, nĂ€mlich der Victoria Daily Times (gegr. 1884) und dem British Colonist bzw. Daily Colonist, wie er spĂ€ter hieĂ (gegr. 1858). Die Zeitung zirkuliert mit einer Auflage von ĂŒber 70.000 Exemplaren und gehört dem Konzern CanWest Global Communications mit Sitz in Winnipeg. CFCL, den ersten Radiosender in der Stadt, grĂŒndete 1923 Clem Davies von der Centennial Methodist Church, der jedoch 1925 aus der Kirche austrat. Der Betrieb wurde dennoch fortgesetzt. 1941 kaufte der Victoria Colonist den Sender und er hieĂ nun CJVI, 1951 ĂŒbernahmen Taylor, Pearson & Carson Ltd. die Mehrheit, 1971 hielten die Selkirk Holdings alle Anteile. Der PrĂ€sident des Senders John Ansell (bis 1987) wurde 1981 PrĂ€sident der Canadian Association of Broadcasters. CVJI unterstĂŒtzte 1990 die Camosun College Foundation finanziell, die einen Radiosender grĂŒnden wollte, und beendete seine Affiliation zur CBC. Am 2. September 2000 stellte CVJI seinen Betrieb ein, doch setzte die Station mit JACK FM ihre Sendungen ab 2004 fort.[74] 1947 entstand als zweiter Radiosender CJZN-FM.[75] Der erste private Fernsehsender, neben der staatlichen CBC, die bereits 1955 rund zwei Drittel der Haushalte erreichte, nahm am 1. Dezember 1956 seinen Betrieb auf. Damit war CHECK-TV, das David Armstrong gehörte, der von der Radiostation CFCL kam, der zweite Fernsehsender in der Provinz. Das Aufnahmestudio befand sich in 3963 Epsom Drive in Saanich. 1982 ging der Sender an die Western Broadcasting Co. Ltd.[76] Heute gehört der Sender CanWest Global Communications. SportProfessionell Eishockey wurde von 2004 bis 2011 von den Victoria Salmon Kings in der ECHL gespielt. Zur Saison 2011/12 wird nach 17 Jahren wieder ein Team aus Victoria am Spielbetrieb der Western Hockey League teilnehmen. Die Mannschaft Victoria Cougars, die von 1911 bis 1926 existierte, gewann 1925 den Stanley Cup. Der lokale FuĂballclub ist Victoria United. FĂŒr das Eishockey wurde 2005 eine Hallen-Arena, das Save-On-Foods Memorial Centre (SOFMC) errichtet, das den âLachskönigenâ gehört. Victoria war Austragungsort der Commonwealth Games 1994. In der zweiten kanadischen Nationalsportart, Lacrosse, war Victoria wesentlich erfolgreicher. Die Victoria Shamrocks gewannen den Mann Cup, den kanadischen Pokal, 1955, 1957, 1979, 1983 (1983-94 nach ihrem Sponsor Victoria Payless genannt), 1997, 1999, 2003 und 2005. Victoria hatte, mit mehreren Unterbrechungen, immer ein professionelles Baseball-Team. Seit 2009[77] spielen dort die Victoria Seals im Royal Athletic Park und nehmen am Ligabetrieb der Golden Baseball League teil. FĂŒr den Segelsport ist das jĂ€hrlich im Mai stattfindende Rennen Swiftsure International Yacht Race von gröĂter Bedeutung, das im Jahr 2008 zum 65. Mal stattfand. Die Routen fĂŒhren u. a. zur Clallam Bay, zur Pedder Bay und zum Cape Flattery im Ă€uĂersten Nordwesten Washingtons. 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