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Vincent Auriol (* 27. August 1884 in Revel, Haute-Garonne; â 1. Januar 1966 in Paris) war ein französischer Staatsmann und sozialistischer Politiker. Er war von 1947 bis 1954 der 16. PrĂ€sident der französischen Republik bzw. der erste PrĂ€sident der Vierten Republik und der "Französischen Union", die bis 1958 Bestand hatte.
Nach dem Jura-, Philosophie- und Politikwissenschaftstudium lieĂ sich der Sohn eines BĂ€ckers in Toulouse als Rechtsanwalt nieder und war auch journalistisch tĂ€tig. 1904 wurde er Mitglied der FĂ©dĂ©ration socialiste (spĂ€ter SFIO) und 1914 deren Abgeordneter fĂŒr den Wahlkreis Haute-Garonne. Von 1919-1936 war er SekretĂ€r der sozialistischen Kammerfraktion. Sein Name ist eng mit jenem von LĂ©on Blum verbunden, der 1936 nach dem Wahlsieg der Linken MinisterprĂ€sident der Regierung des Front populaire wurde, in der 1936/37 Auriol dem Finanzministerium vorstand. Er reformierte damals die Banque de France und wurde 1937 Justizminister.
1940 sprach er sich nach dem deutschen Ăberfall und der militĂ€rischen Niederlage Frankreichs gegen die Kapitulation aus und votierte gegen die ErmĂ€chtigung von Marschall PĂ©tain, als "Chef de lâĂtat Français" in Vichy das vollstĂ€ndig von der Besatzungsmacht abhĂ€ngige, autoritĂ€re Vichy-Regime zu errichten. Auriol wurde â ebenso wie Blum, der spĂ€ter nach Deutschland deportiert wurde â zunĂ€chst interniert, schloss sich der RĂ©sistance an und entkam 1943 zu de Gaulle, dem Chef des Freien Frankreich in London.
1943 und 1944 gehörte Auriol der provisorischen Nationalversammlung in Algier und â nach der Befreiung â in Paris an. 1945 wurde er Staatsminister und stellvertretender MinisterprĂ€sident unter General de Gaulle. Er vertrat Frankreich bei den Vereinten Nationen und wurde im Januar 1946 PrĂ€sident der konstituierenden Nationalversammlung.
Nach Inkrafttreten der neuen Verfassung â deren erster Entwurf in einer Volksabstimmung verworfen worden war â wurde Vincent Auriol am 16. Januar 1947 von den beiden Parlamentskammern im ersten Wahlgang mit den Stimmen der Linksparteien zum ersten PrĂ€sidenten der Vierten Republik und der (nach dem Vorbild des britischen Commonwealth of Nations neu geschaffenen) "Union française" gewĂ€hlt. Sein unterlegener konservativer Konkurrent war Auguste Champetier de Ribes. Noch im Jahr 1947 erzwang Auriol den Ausschluss der Kommunisten unter Maurice Thorez aus der Koalitionsregierung des Sozialisten Paul Ramadier. Nach den Verlusten der zerstrittenen Linken bei den Parlamentswahlen 1951 berief er konservative Politiker wie Antoine Pinay und Joseph Laniel an die Spitze der Regierung, doch gelang es ihm nicht, die oppositionellen Gaullisten zur Mitarbeit zu gewinnen.
Im Kalten Krieg verfolgte er konsequent die auĂenpolitische Ausrichtung der Vierten Republik am Kurs der USA und GroĂbritanniens gegenĂŒber dem Ostblock und plĂ€dierte fĂŒr eine Politik der StĂ€rke gegenĂŒber den UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen in den Ex-Kolonien, die nunmehr den Status "assoziierter" Gebiete oder Staaten hatten. 1949 spielte er eine entscheidende Rolle bei der Wiedereinsetzung des vietnamesischen Kaisers BáșŁo ÄáșĄi (der 1945 abgedankt hatte), obwohl die französischen Sozialisten anfangs die von Ho Chi Minh gebildete kommunistisch-nationalistische Regierung unterstĂŒtzt hatten. 1953 akzeptierte Auriol die Verbannung des marokkanischen Sultans (und spĂ€teren Königs) Mohammed V. durch den französischen Generalresidenten Marschall Alphonse Juin.
Auriol sprach sich gegen die â von der französischen Parlamentsmehrheit letztlich abgelehnte â EuropĂ€ische Verteidigungsgemeinschaft EVG und die deutsche Wiederbewaffnung aus. Nach dem Ende seiner siebenjĂ€hrigen Amtszeit lehnte er das an ihn gerichtete Ersuchen der Sozialisten ab, fĂŒr eine Wiederwahl zur VerfĂŒgung zu stehen. Sein gemĂ€Ăigt konservativer Nachfolger RenĂ© Coty wurde nach einer siebentĂ€gigen chaotischen Wahl erst im 13. Durchgang gekĂŒrt.
1959 verlieĂ Auriol die von seinem Widersacher Guy Mollet angefĂŒhrte Sozialistische Partei im Streit um deren Entscheidung zur Tolerierung der Regierung General de Gaulles und Mitwirkung an der Errichtung der FĂŒnften Republik. 1960 schied er unter Protest aus dem Verfassungsrat (Conseil constitutionnel) aus, dem er als ehemaliges Staatsoberhaupt automatisch angehörte, weil er die Verfassungsentwicklung unter de Gaulle strikt ablehnte. Auriol war ein entschiedener Gegner der EinfĂŒhrung der Volkswahl des StaatsprĂ€sidenten.
| VorgÀnger | Amt | Nachfolger |
| Marcel RĂ©gnier | Finanzminister von Frankreich 4. Juni 1936â22. Juni 1937 |
Georges Bonnet |
| Marc Rucart | Justizminister von Frankreich 22. Juni 1937â18. Januar 1938 |
César Campinchi |
| Félix Gouin |
PrĂ€sidenten der französischen Nationalversammlung 31. Januar 1946â21. Januar 1947 |
Ădouard Herriot |
| Albert Lebrun (1932â1940) | PrĂ€sidenten der Französischen Republik 16. Januar 1947â16. Januar 1954 |
René Coty |
| Georges Bidault | KofĂŒrst von Andorra 1947â1954 |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Auriol, Vincent |
| KURZBESCHREIBUNG | Politiker und PrÀsident der französischen Republik |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1884 |
| GEBURTSORT | Revel, Haute-Garonne |
| STERBEDATUM | 1. Januar 1966 |
| STERBEORT | Paris |