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Als Virus-Taxonomie bezeichnet man die international verbindliche Benennung von Viren, Virusfamilien und -gattungen. Die Entscheidung über verschiedene Taxa wird von einem internationalen Gremium, dem International Committee on Taxonomy of Viruses (ICTV), beraten und getroffen.
Die Virus-Taxonomie ist ein an die Taxonomien von Pflanzen und Tieren angelehnter Versuch, die Vielfalt viraler und subviraler Entitäten (auch Prionen und Retrotransposons) systematisch und einheitlich zu ordnen. Sie darf nicht mit der weiter gefassten Virusklassifikation verwechselt werden, bei der verschiedene Eigenschaften von Viren zur Einteilung herangezogen werden können (zum Beispiel nur Genomstruktur, Baltimore-Klassifikation, Wirtsspezies, Übertragungsart etc.).
In der derzeit gültigen Veröffentlichung des ICTV (8. Bericht 2004) finden sich viele sonst vielleicht übliche Bezeichnungen nicht, da über deren taxonomische Zuordnung noch keine einheitliche Meinung gefunden werden konnte. Über die anerkannten Kriterien der taxonomischen Einteilung siehe ICTV.
Inhaltsverzeichnis |
Die Virus-Taxonomie unterliegt ständigen Veränderungen, die einerseits durch neu entdeckte Viren (speziell in marinen und extremen Lebensräumen) bedingt sind, andererseits dadurch, dass aufgrund immer umfangreicherer Sequenzdaten neue verwandtschaftliche Beziehungen erschlossen werden. In der Regel werden Vorschläge für neue Virustaxa von internationalen Arbeitsgruppen dem ICTV unterbreitet, die allerdings schon vor ihrer offiziellen Übernahme in Publikationen oder Datenbanken (auch denen des NCBI) verwendet werden. Meist sind dies serologisch begründete Serogruppen innerhalb von Gattungen und Familien, aber auch neu geschaffene Virusordnungen (Picornavirales, Retrovirales) und -familien (z.B. Secoviridae).
C.M. Fauquet, M.A. Mayo et al.: Eighth Report of the International Committee on Taxonomy of Viruses, London, San Diego, 2004