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| Viscacha | ||||||||||||
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| Viscacha (Lagostomus maximus) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lagostomus maximus | ||||||||||||
| (Desmarest 1833) |
Die oder das Viscacha (Lagostomus maximus), in Abgrenzung zu den HasenmĂ€usen oder Bergviscachas auch verdeutlichend Flachland-Viscacha genannt, ist eine Nagetiertierart aus der Familie der Chinchillas (Chinchillidae). Es sind in SĂŒdamerika lebende Tiere mit bis zu 8 Kilogramm Gewicht, die in Gruppen unterirdische Baue bewohnen.
Inhaltsverzeichnis |
Viscachas sind stĂ€mmig gebaute Tiere mit wuchtigem Kopf. Sie erreichen eine KopfrumpflĂ€nge von 47 bis 66 Zentimeter, wozu noch ein 15 bis 20 Zentimeter langer Schwanz kommt. Mit 2 bis 4,5 Kilogramm sind die Weibchen deutlich leichter als die MĂ€nnchen, die 5 bis 8 Kilogramm wiegen. Die FellfĂ€rbung variiert an der Oberseite mit dem Lebensraum von hellbraun in sandigen Regionen bis zu dunkelgrau, der Bauch ist weiĂ. Das Unterfell ist sehr weich, die Deckhaare hingegen dunkel und rau. Die Vorderbeine sind kurz und enden in vier biegsamen Zehen; die Hinterbeine sind lĂ€nger und sehr muskulös, sie tragen jeweils drei mit krĂ€ftigen Krallen ausgestattete Zehen.
Der massive Kopf ist durch zwei auffĂ€llige schwarze Querstreifen charakterisiert, von denen der obere ĂŒber die Augen und der untere ĂŒber die Nase fĂŒhrt. Der Bereich dazwischen ist weiĂ gefĂ€rbt, ebenso die Wangen und ein kurzer Streifen ĂŒber jedem Auge. Die Zahnformel lautet wie bei allen Meerschweinchenverwandten I1-C0-P1-M3, insgesamt also 20 ZĂ€hne. Die SchneidezĂ€hne sind wie bei allen Nagetieren zu wurzellosen NagezĂ€hnen umgebildet, die BackenzĂ€hne sind wie bei allen Chinchillas ebenfalls wurzellos.
Viscachas zÀhlen zu den Nagetieren mit dem auffÀlligsten Geschlechtsdimorphismus. Die MÀnnchen haben einen wuchtigeren Kopf mit ausgeprÀgterer Zeichnung und sind deutlich schwerer als die Weibchen.
Viscachas leben in den GraslĂ€ndern des sĂŒdlichen SĂŒdamerikas. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst den SĂŒden Boliviens, den Westen Paraguays und die nördlichen und mittleren Regionen Argentiniens.
Viscachas leben in Gruppen in groĂen unterirdischen, selbstgegrabenen Bauen. Sie graben mit den Vorderpfoten und schieben die Erde entweder mit den Hinterbeinen nach hinten oder mit der Nase nach oben â der Nasenspiegel (Rhinarium) ist behaart und gefaltet- um das Eindringen von Erde in die Nase zu vermeiden. Viscachabaue (auf spanisch vizcachera) sind sehr groĂ und komplex und bestehen aus zahlreichen Tunneln, Kammern und Querverbindungen. Die Baue können eine FlĂ€che von 600 Quadratmetern umfassen und bis zu 30 EingĂ€ngen haben. Die EingĂ€nge werden mit Stecken, Knochen, Steinen, getrockneten Kuhfladen oder Ă€hnlichem gekennzeichnet.
Viscachabaue dienen auch anderen Tieren als Lebensraum, zum Beispiel Insekten, Kröten, Echsen, Schlangen oder Skunks. Es sind drei Vogelarten bekannt, die darin brĂŒten, der Kaninchenkauz, der Patagonienerdhacker (Geositta cunicularia) und die SchwarzsteiĂschwalbe (Notiochelidon cyanoleuca). Auch PampasfĂŒchse und Abgottschlangen leben manchmal in den Bauen und machen Jagd auf die Tiere.
Viscachas haben ein ausgeprÀgtes Sozialverhalten. Sie leben in Gruppen von 15 bis 30 Tieren zusammen, die aus einem bis drei MÀnnchen, etlichen Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Viscachagruppen werden von den Weibchen dominiert, die zeitlebens in ihrem Bau bleiben und eine matriarchale Rangordnung etablieren.
Die MĂ€nnchen verlassen nach der Paarungszeit oft freiwillig die Gruppe oder werden von Konkurrenten vertrieben. Insbesondere zur Zeit der Geburt der Jungtiere sind die MĂ€nnchen vom Hauptbau entfernt und leben zu dieser Zeit in abgelegenen âSatellitenbauenâ. Zur Paarungszeit versuchen die MĂ€nnchen, wieder Eingang in die Gruppe zu finden, es sind aber meist nicht die gleichen MĂ€nnchen wie zuvor. Oft tragen die MĂ€nnchen heftige KĂ€mpfe untereinander um das Zugangsrecht zum Bau aus, nahezu alle mĂ€nnlichen Tiere tragen Narben von diesen KĂ€mpfen. Gelegentlich kommt es auch zu TodesfĂ€llen. Haben sich ein paar MĂ€nnchen allerdings erstmal im Bau eingenistet, leben sie friedlich nebeneinander.
Eine Gruppe bewohnt ein Gebiet von rund 1 bis 4 Hektar FlĂ€che. Die MĂ€nnchen markieren das Revier mit Urin oder dem Sekret von DuftdrĂŒsen im Gesicht. Die Grenzen des Territoriums werden zwar nicht verteidigt, gruppenfremde Tiere aber vehement von den BaueingĂ€ngen verjagt.
Viscachas sind nachtaktiv und verlassen den Bau am Abend. Nach einer kurzen Zeit der Fellpflege und des WĂ€lzens im Staub begeben sie sich auf Nahrungssuche. Dabei teilen sich die Bewohner eines Baus oft in mehrere Gruppen auf; auĂer im Winter sind die MĂ€nnchen dabei meist allein unterwegs. Die Zusammensetzung dieser Gruppen zur Nahrungssuche ist flexibel und kann in einer Nacht mehrmals wechseln. Manchmal rasten die Tiere auĂerhalb des Baus oder kehren kurz dorthin zurĂŒck.
Im Bedrohungsfall stöĂt ein MĂ€nnchen einen Warnruf aus, der manchmal von anderen Tieren oder sogar von benachbarten Gruppen aus anderen Bauen wiederholt wird. Dann versuchen die Tiere, in ihren Bau zurĂŒckzulaufen. Dabei können sie 40 Kilometer pro Stunde erreichen oder sie versuchen, mit bis zu 3 Meter weiten SprĂŒngen und scharfen Haken den Angreifer abzuschĂŒtteln.
Ihre Nahrung ist rein pflanzlich und besteht vorwiegend aus Samen und GrÀsern. Im Bedarfsfall nehmen sie aber jede Art von Vegetation zu sich. Die Nahrung wird stets gleich an Ort und Stelle verzehrt und nicht im Bau gelagert.
Im wĂ€rmeren Norden ihres Verbreitungsgebietes können die Weibchen zwei WĂŒrfe im Jahr austragen und die Fortpflanzung kann das ganze Jahr ĂŒber erfolgen. Im SĂŒden (etwa in Zentralargentinien) gibt es eine feste Paarungszeit zwischen MĂ€rz und Mai und nur einen Wurf im Jahr.
Einzigartig ist die Physiologie der Reproduktion. Es kommt zu einer Hyperovulation, dem gleichzeitigen Heranreifen von 200 bis 800 Eizellen. Nach einer Verzögerung der Nidation von bis zu 18 Tagen nisten sich bis zu fĂŒnf Blastozysten in jedes Horn der paarigen GebĂ€rmutter ein, bis auf die Ă€uĂersten werden aber alle Embryonen wieder absorbiert.
Nach einer TrĂ€chtigkeitsdauer von rund 154 Tagen (einschlieĂlich der 18 verzögerte Einnistung) bringt das Weibchen eins bis vier (im Schnitt zwei) Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind NestflĂŒchter, sie sind relativ groĂ (rund 200 Gramm) und behaart. FrĂŒhestens nach drei, meist aber erst nach Wochen werden die Jungtiere entwöhnt. Weibchen erreichen die Geschlechtsreife mit sieben bis acht und MĂ€nnchen mit rund 15 Monaten. Das höchste bekannte Alter einer Viscacha in menschlicher Obhut betrug neun Jahre.
Viscachas gelten als Plage, da ihre Baue oft die Felder verwĂŒsten und das Weidevieh gelegentlich darin einbricht und sich dadurch Beinverletzungen zuzieht. In Argentinien wird ihr Fleisch oft gegessen, fĂŒr die Fellnutzung â Viscachafell. Eine weitere Bedrohung stellt die Umwandlung ihres Lebensraumes in landwirtschaftlich genutzte FlĂ€chen dar.
Viscachas sind aus einem Teil ihres Verbreitungsgebietes verschwunden, insbesondere aus den intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen Argentiniens. Insgesamt zÀhlt die Art allerdings nicht zu den bedrohten Tierarten.
Die Viscacha bildet mit den vier Arten der HasenmÀuse oder Bergviscachas (Lagidium) und den zwei Arten der Eigentlichen Chinchillas (Chinchilla) die Familie der Chinchillas (Chinchillidae) innerhalb der Nagetiere. Trotz ihres Namens sind allerdings die Bergviscachas nÀher mit den Eigentlichen Chinchillas als mit den (Flachland-)Viscachas verwandt.
Innerhalb der Viscacha werden drei Unterarten unterschieden: Lagostomus maximus immolis im Norden, L. m. maximus im mittleren Teil und L. m. petilidens im SĂŒden des Verbreitungsgebietes. Die Unterarten unterscheiden sich unter anderem in FellfĂ€rbung und SchĂ€delbau, genaue Verbreitungsgrenzen sind aber nicht bekannt.
1910 wurde anhand eines SchĂ€delfundes aus Peru eine zweite, allerdings ausgestorbene Viscachart mit dem wissenschaftlichen Namen Lagostomus crassus beschrieben. Der Fundort liegt ĂŒber 1000 Kilometer nördlich des nördlichsten Verbreitungsgebietes des Viscachas, der SchĂ€del war noch nicht fossiliert, muss also relativ jungen Datums gewesen sein. In seinen AusmaĂen gleicht der SchĂ€del dem der Viscacha, ansonsten gibt es keine Hinweise auf diese mysteriöse Art. John Jackson et al. (1996) halten es fĂŒr denkbar, dass es sich dabei einfach um eine nach Peru gebrachte Viscacha gehandelt haben könnte; Wilson und Reeder (2005) hingegen erkennen L. crassus als eigene Art an.