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In der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist die Volksinitiative ein politisches Recht, das von Stimmberechtigten jeweils auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene ergriffen werden kann.
| Eidgenössische Volksinitiativen[1] (Stand: 11. März 2012) | |
|---|---|
| Gestartete Volksinitiativen (402) | |
| zustandegekommen: | 292 |
| nicht zustandekommen: | 84 |
| im Unterschriftenstadium: | 26 |
| Zustandegekommene Volksinitiativen (292) | |
| abgestimmt: | 178 |
| zurĂĽckgezogen: | 86 |
| abgeschrieben: | 2 |
| ungültig erklärt: | 4 |
| hängig (Bundesrat, Parlament oder abstimmungsreif): | 21 |
| Abgestimmte Volksinitativen (178) | |
| von Volk und Ständen (Kantonen) angenommen: |
19 (10,7 %) |
Inhaltsverzeichnis
|
Bei einer eidgenössischen Volksinitiative verlangen Schweizer Stimmberechtigte eine Revision der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Damit eine Volksinitiative auf Bundesebene zustande kommt, müssen innerhalb von 18 Monaten 100'000 Unterschriften von Stimmberechtigten gesammelt werden. Ist dies erreicht, so kann schliesslich – zumeist zwei bis drei Jahre später – das gesamte Schweizer Stimmvolk an der Urne zur entsprechenden Vorlage Stellung nehmen. Wie jede Verfassungsänderung erfordert auch die Annahme einer eidgenössischen Volksinitiative nebst der Zustimmung der Mehrheit der Abstimmenden ebenfalls das Ständemehr (Mehrheit der Kantone). Volksinitiativen gehen von Bürgern, Interessenverbänden und Parteien aus, nicht von der Regierung oder vom Parlament.
Dass das Schweizer Stimmvolk eine Volksinitiative annimmt, kommt eher selten vor: Seit deren Einführung 1891 wurden erst deren 19 angenommen. Seit 1966 kamen über 160 Volksinitiativen zustande, über 100 davon kamen zur Abstimmung, aber nur 12 davon wurden in der Volksabstimmung angenommen. In der direkten Demokratie der Schweiz sind Volksinitiativen jedoch ein wesentlicher Anstoss für Veränderungen. Schon die Androhung einer Initiative kann genügen, damit der Gesetzgeber tätig wird.
Zu unterscheiden sind die Volksinitiative auf Totalrevision der Bundesverfassung und diejenige auf Teilrevision, wobei letztere entweder in Form eines ausgearbeiteten Entwurfs oder aber einer allgemeinen Anregung einzureichen ist. Von praktischer Bedeutung ist jedoch nur der ausgearbeitete Entwurf fĂĽr eine Teilrevision der Verfassung. Eine Volksinitiative auf Totalrevision kam nur einmal zustande: die Vereinigungen "Nationale Front", "Schweizer Jungkonservative", "Landsgemeinschaft - Das Aufgebot" und "Neue Schweiz" reichten hierfĂĽr im Jahre 1934 ĂĽber 78'000 gĂĽltige Unterschriften ein.[2] Die Initiative blieb jedoch in der Volksabstimmung vom September 1935 erfolglos.[3]
Manchmal erarbeiten Bundesrat und Bundesversammlung einen Gegenvorschlag zu einer Initiative, der dann gewöhnlich weniger weit geht als die Initiative selbst – in der Hoffnung, dass der Gegenvorschlag und nicht die Initiative angenommen wird.
Bis 1988 musste man entweder dem status quo, der Initiative oder dem Gegenvorschlag zustimmen (einzelnes Ja). Die Regierung erreichte so, dass Befürworter einer Änderung gespaltet werden, schliesslich mussten sich diese entweder für den Gegenvorschlag oder für die Initiative entscheiden. Gegner einer Änderung hatten damit ein leichtes Spiel.
Am 5. April 1987 wurde in einer Volksabstimmung[4] die Einführung eines «doppelten Ja» bei Volksinitiativen mit Gegenvorschlag beschlossen. Seit dem 5. April 1988 ist das «doppelte Ja» Teil des «Bundesgesetzes über die politischen Rechte»; das heisst, man kann sowohl der Initiative als auch dem Gegenvorschlag zustimmen. Mittels einer Stichfrage wird letzten Endes entschieden, welche Variante in Kraft treten soll, wenn beide angenommen werden.[5]
Nachdem das Instrument der Volksinitiative in den 1830er-Jahre bereits in die Verfassungen der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Thurgau, Schaffhausen, Luzern und St. Gallen[6] aufgenommen worden war, fand sie auch in die Bundesverfassung von 1848 Eingang. Die Artikel 111 bis 114, welche die Revision der Bundesverfassung regelten, lassen nach heutigem Verständnis keine eindeutige Interpretation zu, ob eine Teilrevision oder eine Totalrevision gemeint war. Jedoch wurde der Text nach damaligem Rechtsverständnis als Totalrevision interpretiert, Teilrevisionen waren also auf dem Wege der Volksinitiative nicht möglich.
«Wenn fünfzigtausend stimmberechtigte Schweizerbürger die Revision der Bundesverfassung verlangen, so muß […] die Frage, ob eine Revision stattfinden soll oder nicht, dem schweizerischen Volke zur Abstimmung vorgelegt werden», hiess es im Artikel 113. 50'000 Stimmberechtigte entsprachen seinerzeit knapp 8 Prozent der Stimmberechtigten.
Ab den 1860er-Jahren verbreiteten sich in den Kantonen schnell die Möglichkeiten zu Initiativen auf Teilrevision der Verfassung und zu Initiativen auf Gesetzesänderungen (Gesetzesinitiativen). Auch ein 1872 abgelehnter Verfassungsentwurf auf Bundesebene sah die Gesetzesinitiative vor. Dennoch wurde in der Bundesverfassung von 1874 die Regelung von 1848 beibehalten. Nach wiederholten entsprechenden Forderungen wurde die Volksinitiative auf Teilrevision der Verfassung schliesslich 1891 eingeführt. Bereits 14 Monate später wurde die erste entsprechende Initiative für ein Schächtverbot eingereicht und 1893 angenommen. Die Bestrebungen für die Einführungen einer Gesetzesinitiative auf Bundesebene scheiterten hingegen, so 1904 eine entsprechende Standesinitiativen, 1918 und 1930 parlamentarische Motionen, 1958 eine Volksinitiative und 1986 eine parlamentarische Initiative.
Nachdem das Instrument der Volksinitiative ausser während der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre und während den 1950er-Jahre selten genutzt wurde, geniesst es seit den 1970er-Jahre grosse Beliebtheit.
Eine Volksinitiative auf Bundesebene wird heute als ungültig erklärt, wenn sie die Einheit der Materie oder zwingendes Völkerrecht verletzt. Da zunehmend Volksinitiativen zustande kommen und eingereicht werden, welche nicht gegen zwingendes Völkerrecht verstossen, jedoch verfassungsmässige Grundrechte verletzen oder gegen internationales Recht verstossen, wird unklar, ob die Demokratie über dem Volksrecht steht. Die Nationalrätin Thérèse Meyer-Kaelin nannte die Volksinitiative «Gegen den Bau von Minaretten» als Beispiel, die zwar gegen kein zwingendes Völkerrecht verstosse, da die Europäischen Menschenrechtskonventionen nicht zum zwingenden Völkerrecht gehört.[7] Eine parlamentarische Initiative wurde am 11. März 2009 angenommen, nach der die Bundesverfassung dergestalt zu ändern sei, dass eine Volksinitiative dann ungültig ist, wenn sie materiell gegen den Grundrechtsschutz und gegen Verfahrensgarantien des Völkerrechtes verstösst.[7][8][9]
Gewisse Autoren halten den Umstand für problematisch, dass mit der Initiative nur eine Verfassungs- jedoch keine Gesetzesänderung erreicht werden kann. Dies kann zur Folge haben, dass in die Bundesverfassung Bestimmungen aufgenommen werden, welche als nicht «verfassungswürdig» erachtet werden. Sie wären eher auf Gesetzesstufe anzusiedeln. Ein Beispiel: Der Schutz der Moorlandschaften (und das Verbot, Waffenplätze in Mooren zu erstellen) ist in der Verfassung geregelt statt in einer analogen Bestimmung im Natur- und Heimatschutzgesetz bzw. im Umweltschutzgesetz (Rothenthurm-Initiative).[10] Angesichts der geringen Erfolgsaussichten von Volksinitiativen ist dieses eher verfassungskosmetische Problem nicht von grosser Bedeutung.
| Datum | Titel der Vorlage (Webseite) | Beteiligung | Anteil Ja-Stimmen | Stände Ja : Nein | Kernthema |
|---|---|---|---|---|---|
| 20.08.1893 | Für ein Verbot des Schlachtens ohne vorherige Betäubung[Ini 1] | 49,18 % | 60,1 % | 10 3/2: 9 3/2 | Schächten |
| 05.07.1908 | FĂĽr ein Absinthverbot[Ini 2] | 49,31 % | 63,5 % | 17 6/2: 2 0/2 | Absinth |
| 13.10.1918 | Proporzwahl des Nationalrates[Ini 3] | 49,47 % | 66,8 % | 17 5/2: 2 1/2 | Nationalrat |
| 21.03.1920 | FĂĽr ein Verbot der Errichtung von Spielbanken[Ini 4] | 60,22 % | 55,3 % | 13 2/2: 6 4/2 | Casino |
| 30.01.1921 | Für die Unterstellung von unbefristeten oder für eine Dauer von mehr als 15 Jahren abgeschlossenen Staatsverträgen unter das Referendum (Staatsvertragsreferendum)[Ini 5] | 63,11 % | 71,4 % | 17 6/2: 2 0/2 | Staatsvertrag |
| 02.12.1928 | Kursaalspiele (Spielbanken)[Ini 6] | 55,52 % | 51,9 % | 13 3/2: 6 3/2 | Casino |
| 11.09.1949 | RĂĽckkehr zur direkten Demokratie[Ini 7] | 42,52 % | 50,7 % | 11 3/2: 8 3/2 | Direkte Demokratie |
| 28.11.1982 | Zur Verhinderung missbräuchlicher Preise[Ini 8] | 32,91 % | 56,1 % | 16 2/2: 4 4/2 | Preisüberwacher |
| 06.12.1987 | Zum Schutz der Moore – Rothenthurm-Initiative[Ini 9] | 47,66 % | 57,8 % | 17 6/2: 3 0/2 | Moor |
| 23.09.1990 | Stopp dem Atomkraftwerkbau (Moratorium)[Ini 10] | 40,43 % | 54,5 % | 17 5/2: 3 1/2 | Atomkraftwerk |
| 26.09.1993 | FĂĽr einen arbeitsfreien Bundesfeiertag (1. August-Initiative)[Ini 11] | 39,88 % | 83,8 % | 20 6/2: 0 | Schweizer Bundesfeiertag |
| 20.02.1994 | Zum Schutze des Alpengebietes vor dem Transitverkehr[Ini 12] | 40,86 % | 51,9 % | 13 6/2: 7 0/2 | Transitverkehr in den Alpen |
| 03.03.2002 | FĂĽr den Beitritt der Schweiz zur Organisation der Vereinten Nationen (UNO)[Ini 13] | 58,44 % | 54,6 % | 11 2/2: 9 4/2 | Vereinte Nationen und Die Schweiz in den Vereinten Nationen |
| 08.02.2004 | Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter[Ini 14] | 45,53 % | 56,2 % | 19 5/2: 1 1/2 | Verwahrung |
| 27.11.2005 | Gentechfrei-Initiative (Gentech-Moratorium in der Landwirtschaft)[Ini 15] | 42,24 % | 55,7 % | 20 6/2: 0 | Gentechnik |
| 30.11.2008 | Für die Unverjährbarkeit pornografischer Straftaten an Kindern[Ini 16] | 47,52 % | 51,9 % | 16 4/2: 4 2/2 | Sexualdelikte an Kindern |
| 29.11.2009 | Gegen den Bau von Minaretten[Ini 17] | 53,40 % | 57,5 % | 17 5/2: 3 1/2 | Minarette |
| 28.11.2010 | Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)[Ini 18] | 53,05 % | 52,9 % | 15 5/2: 5 1/2 | Kriminalität bei Ausländern |
| 11.03.2012 | Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen![Ini 19] | 44,50 % | 50,6 % | 12 3/2: 8 3/2 | Bau von Zweitwohnungen |
| Datum | Titel der Initiative (Webseite) | Beteiligung | Anteil Ja-Stimmen | Stände Ja : Nein | Resultat |
|---|---|---|---|---|---|
| 04.11.1894 | Eidgenössische Volksinitiative «Abgabe eines Teils der Zolleinnahmen an die Kantone»[Ini 20] | 71,88 % | 29,3 % | 7 3/2: 12 3/2 | |
| 23.10.1910 | Eidgenössische Volksinitiative «Proporzwahl des Nationalrates»[Ini 21] | 62,34 % | 47,5 % | 10 4/2: 9 2/2 | |
| 02.06.1918 | Eidgenössische Volksinitiative «Einführung der direkten Bundessteuer»[Ini 22] | 65,40 % | 45,9 % | 6 3/2: 13 3/2 | |
| 30.01.1921 | Eidgenössische Volksinitiative «Aufhebung der Militärjustiz»[Ini 23] | 63,11 % | 33,6 % | 3: 16 6/2 | |
| 03.12.1922 | Eidgenössische Volksinitiative «für die Einmalige Vermögensabgabe»[Ini 24] | 86,29 % | 13,0 % | 0: 19 6/2 | |
| 15.04.1923 | Eidgenössische Volksinitiative «Wahrung der Volksrechte in der Zollfrage»[Ini 25] | 65,76 % | 26,8 % | 0 1/2: 19 5/2 | |
| 24.05.1925 | Eidgenössische Volksinitiative «Invaliditäts-, Alters- und Hinterlassenenversicherung»[Ini 26] | 68,23 % | 42,0 % | 5 2/2: 14 4/2 | |
| 03.03.1929 | Eidgenössische Volksinitiative «Getreideversorgung»[Ini 27] | 67,26 % | 2,7 % 1 | 0: 19 6/2 | |
| 02.06.1935 | Eidgenössische Volksinitiative «Bekämpfung der Wirtschaftskrise»[Ini 28] | 84,34 % | 42,8 % | 4 2/2: 15 4/2 | |
| 08.09.1935 | Eidgenössische Volksinitiative «Totalrevision der Bundesverfassung»[Ini 29] | 60,90 % | 27,7 % | | |
| 28.11.1937 | Eidgenössische Volksinitiative «Verbot der Freimaurerei»[Ini 30] | 65,94 % | 31,3 % | 1: 18 6/2 | |
| 09.03.1941 | Eidgenössische Volksinitiative «Neuordnung des Alkoholwesens»[Ini 31] | 61,43 % | 40,2 % | | |
| 25.01.1942 | Eidgenössische Volksinitiative «Wahl des Bundesrates durch das Volk und Erhöhung der Mitgliederzahl»[Ini 32] | 61,97 % | 32,4 % | 0: 19 6/2 | |
| 18.05.1947 | Eidgenössische Volksinitiative «Wirtschaftsreform und Rechte der Arbeit»[Ini 33] | 59,43 % | 31,2 % | 0: 19 6/2 | |
| 13.03.1955 | Eidgenössische Volksinitiative «Schutz der Mieter und Konsumenten (Weiterführung der Preiskontrolle)»[Ini 34] | 55,52 % | 50,2 % | 6 2/2: 13 4/2 | |
| 26.10.1958 | Eidgenössische Volksinitiative «Einführung der 44-Stunden-Woche»[Ini 35] | 61,84 % | 35,0 % | 1/2: 19 5/2 | |
| 01.04.1962 | Eidgenössische Volksinitiative «für ein Verbot der Atomwaffen»[Ini 36] | 55,59 % | 34,8 % | 4: 15 6/2 | |
| 07.06.1970 | Eidgenössische Volksinitiative «gegen die Ueberfremdung»[Ini 37] | 74,72 % | 46,0 % | 6 2/2: 13 4/2 | |
| 20.10.1974 | Volksinitiative gegen die Ueberfremdung und Uebervölkerung der Schweiz[Ini 38] | 70,33 % | 34,2 % | 0: 19 6/2 | |
| 26.11.1989 | Eidgenössische Volksinitiative «für eine Schweiz ohne Armee und für eine umfassende Friedenspolitik»[Ini 39] | 69,18 % | 35,6 % | 2: 18 6/2 | |
| Eidgenössische Volksinitiative «pro Tempo 130/100»[Ini 40] | 69,15 % | 38,0 % | 6: 14 6/2 | | |
| 06.06.1993 | Eidgenössische Volksinitiative «40 Waffenplätze sind genug – Umweltschutz auch beim Militär»[Ini 41] | 55,58 % | 44,7 % | 6 2/2: 14 4/2 | |
| Eidgenössische Volksinitiative «für eine Schweiz ohne neue Kampfflugzeuge»[Ini 42] | 55,58 % | 42,8 % | 3 2/2: 17 4/2 | | |
| 04.03.2001 | Eidgenössische Volksinitiative «Ja zu Europa!»[Ini 43] | 55,79 % | 23,2 % | 0: 20 6/2 | |
| Eidgenössische Volksinitiative «für mehr Verkehrssicherheit durch Tempo 30 innerorts mit Ausnahmen (Strassen für alle)»[Ini 44] | 55,79 % | 20,3 % | 0: 20 6/2 | | |
| 03.03.2002 | Eidgenössische Volksinitiative «für den Beitritt der Schweiz zur Organisation der Vereinten Nationen (UNO)»[Ini 45] | 58,44 % | 54,6 % | 11 2/2: 9 4/2 | |
Siehe auch: Liste eidgenössischer Volksabstimmungen
| Titel der Initiative (Webseite) | Initiativkomitee (Website) | Beschluss der eidg. Räte | Behandlungsfrist der eidg. Räte | Abstimmungstermin |
|---|---|---|---|---|
| Eidgenössische Volksinitiative «Eigene vier Wände dank Bausparen»[Ini 46] | Hauseigentümerverband[Ini 47] | 30.09.2011 | 23.07.20122 | 17.06.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für die Stärkung der Volksrechte in der Aussenpolitik (Staatsverträge vors Volk!)»[Ini 48] | Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz[Ini 49] | 23.12.2011 | 10.02.2012 | 17.06.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Sicheres Wohnen im Alter»[Ini 50] | Hauseigentümerverband[Ini 51] | 16.03.2012 | 23.07.20122 | offen, spät. 25.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «für ein gesundes Klima»[Ini 52] | SP, Grüne, EVP, CSP, WWF Schweiz, Greenpeace Schweiz, Pro Natura, VCS, SES[Ini 53] | 16.03.2012 | 29.08.20122 | offen, spät. 25.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen»[Ini 54] | Lungenliga Schweiz[Ini 55] | 16.03.2012 | 17.11.2012 | offen, spät. 25.11.2012 |
| Titel der Initiative (Webseite) | Initiativkomitee (Website) | Eingereicht | Behandlungsfrist des Parlaments |
|---|---|---|---|
| Eidgenössische Volksinitiative «gegen die Abzockerei»[Ini 56] | Einzelpersonen[Ini 57] | 26.02.2008 | 26.08.20122 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin»[Ini 58] | Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin[Ini 59] | 01.04.2010 | 30.09.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Raum für Mensch und Natur (Landschaftsinitiative)»[Ini 60] | Pro Natura, WWF Schweiz, Schweizer Heimatschutz, VKMB & Stiftung Landschaftsschutz[Ini 61] | 14.08.2008 | 14.02.20132 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine starke Post»[Ini 62] | Gewerkschaft Kommunikation[Ini 63] | 02.09.2010 | 01.03.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für den öffentlichen Verkehr»[Ini 64] | Verkehrs-Club der Schweiz[Ini 65] | 06.09.2010 | 05.03.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne»[Ini 66] | JungsozialistInnen Schweiz[Ini 67] | 21.03.2011 | 20.09.2013 |
| Titel der Initiative (Webseite) | Initiativkomitee (Website) | Eingereicht | Behandlungsfrist des Bundesrates |
|---|---|---|---|
| Eidgenössische Volksinitiative «Pädophile sollen nicht mehr mit Kindern arbeiten dürfen»[Ini 68] | Marche Blanche und Politiker der SP, EDU, CVP und SVP[Ini 69] | 20.04.2011 | 19.04.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Schutz vor Rasern»[Ini 70] | RoadCross[Ini 71] | 15.06.2011 | 14.06.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache – Entlastung der Krankenversicherung durch Streichung der Kosten des Schwangerschaftsabbruchs aus der obligatorischen Grundversicherung»[Ini 72] | Politiker der SVP, CVP, EVP, EDU und FDP[Ini 73] | 04.07.2011 | 03.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Volkswahl des Bundesrates»[Ini 74] | Schweizerische Volkspartei[Ini 75] | 07.07.2011 | 06.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Familieninitiative: Steuerabzüge auch für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen»[Ini 76] | Schweizerische Volkspartei und Politiker der EDU[Ini 77] | 12.07.2011 | 11.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Neue Arbeitsplätze dank erneuerbaren Energien (Cleantech-Initiative)»[Ini 78] | Sozialdemokratische Partei der Schweiz[Ini 79] | 06.09.2011 | 05.09.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Schluss mit der MwSt-Diskriminierung des Gastgewerbes!»[Ini 80] | GastroSuisse[Ini 81] | 21.09.2011 | 20.09.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht»[Ini 82] | Gruppe für eine Schweiz ohne Armee[Ini 83] | 05.01.2012 | 04.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Stipendieninitiative»[Ini 84] | Verband der Schweizer Studierendenschaften[Ini 85] | 20.01.2012 | 19.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne (Mindestlohn-Initiative)»[Ini 86] | Schweizerischer Gewerkschaftsbund[Ini 87] | 23.01.2012 | 22.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung»[Ini 88] | Schweizerische Volkspartei[Ini 89] | 14.02.2012 | 13.02.2013 |
| Titel der Initiative (Webseite) | Initiativkomitee (Website) | Sammelbeginn | Ablauf der Sammelfrist |
|---|---|---|---|
| Eidgenössische Volksinitiative «Für Transparenz in der Krankenversicherung (Schluss mit der Vermischung von Grund- und Zusatzversicherung)»[Ini 90] | Association des Médecins du canton de Genève[Ini 91] | 28.09.2010 | 28.03.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Bürokratie-Stopp!»[Ini 92] | FDP Schweiz[Ini 93] | 12.10.2010 | 12.04.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für ein EU-Beitrittsmoratorium»[Ini 94] | Interessensgemeinschaft EU-Beitrittsmoratorium[Ini 95] | 23.11.2010 | 23.05.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Unsere Nationalbank gehört uns allen!»[Ini 96] | Einzelpersonen[Ini 97] | 18.01.2011 | 18.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Unsere Armee benötigt eine klare Kompetenzregelung für den Einsatz im Ernstfall!»[Ini 98] | Einzelpersonen[Ini 99] | 18.01.2011 | 18.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Unsere Pensionskassen nicht missbrauchen!»[Ini 100] | Einzelpersonen[Ini 101] | 18.01.2011 | 18.07.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine öffentliche Krankenkasse»[Ini 102] | SP, GPS, EVP, CSP, PdA, VPOD, VASOS, Attac u. a.[Ini 103] | 01.02.2011 | 01.08.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft)»[Ini 104] | Grüne Partei der Schweiz[Ini 105] | 08.03.2011 | 08.09.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Schluss mit den Steuerprivilegien für Millionäre (Abschaffung der Pauschalbesteuerung)»[Ini 106] | Alternative Linke[Ini 107] | 19.04.2011 | 19.10.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe»[Ini 108] | CVP Schweiz | 03.05.2011 | 03.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Familien stärken! Steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen»[Ini 109] | CVP Schweiz | 03.05.2011 | 03.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen»[Ini 110] | Ecopop[Ini 111] | 03.05.2011 | 03.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie (Atomausstiegsinitiative)»[Ini 112] | Grüne Partei der Schweiz[Ini 113] | 17.05.2011 | 17.11.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für die Offenlegung der Politiker-Einkünfte (Transparenz-Initiative)»[Ini 114] | Politiker der Jungen SVP, SVP, Piratenpartei, GLP und GPS[Ini 115] | 08.06.2011 | 08.12.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer»[Ini 116] | Grünliberale Partei Schweiz[Ini 117] | 15.06.2011 | 15.12.2012 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Radio und TV – der Bund erhebt keine Empfangsgebühren»[Ini 118] | Partei Solidarische Schweiz[Ini 119] | 19.07.2011 | 19.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Kernkraftwerke sind abzuschalten»[Ini 120] | Partei Solidarische Schweiz[Ini 121] | 19.07.2011 | 19.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine Stabilisierung der Gesamtbevölkerung»[Ini 122] | Schweizer Demokraten[Ini 123] | 26.07.2011 | 26.01.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV (Erbschaftssteuerreform)»[Ini 124] | CSP, EVP, GPS, SGB, SP[Ini 125] | 16.08.2011 | 16.02.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine neutrale weltoffene und humanitäre Schweiz (Neutralitätsinitiative)»[Ini 126] | Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz[Ini 127] | 13.09.2011 | 13.03.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold (Gold-Initiative)»[Ini 128] | Politiker der SVP[Ini 129] | 20.09.2011 | 20.03.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Wolf, Bär und Luchs»[Ini 130] | Einzelpersonen[Ini 131] | 11.10.2011 | 11.04.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine Wirtschaft zum Nutzen aller»[Ini 132] | La vrille[Ini 133] | 01.11.2011 | 01.05.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «JA zum Steuerabzug bei Wahl- und Stimmbeteiligung»[Ini 134] | Alpenparlament[Ini 135] | 29.11.2011 | 29.05.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Ja zur Wahl- und Stimmkontrolle»[Ini 136] | Alpenparlament[Ini 137] | 31.01.2012 | 31.07.2013 |
| Eidgenössische Volksinitiative «Für eine Verflüssigung des Strassenverkehrs und weniger Stau (Motorrad- und Roller-Initiative)»[Ini 138] | IG Motorrad und Politiker der FDP, SVP, CVP und jfs[Ini 139] | 07.02.2012 | 07.08.2013 |
Um unter anderem dem oben angesprochenen Gebot der «Stufengerechtigkeit» von Normen Rechnung zu tragen, wurde eine Volksrechtsreform erarbeitet, die eine neue Variante des Initiativrechts vorsieht: die sogenannte «allgemeine Volksinitiative». Die Verfassungsbestimmungen sahen vor, dass «in einer allgemeinen Anregung die Annahme, Änderung oder Aufhebung von Verfassungs- oder Gesetzesbestimmungen» verlangt werden konnten. Zudem hätte das Parlament das Begehren ausformuliert und darüber entschieden, ob die Verfassung oder die Gesetzgebung anzupassen sind. Bei einer Verfassungsänderung wäre es zum obligatorischen Referendum gekommen; Gesetzesänderungen hätten dem fakultativen Referendum oblegen. Dem Parlament stand es zudem frei, neben der Vorlage zur Umsetzung des Initiativbegehrens einen eigenen (direkten) Gegenvorschlag zu formulieren. Dieser hätte ebenfalls auf Verfassungs- oder Gesetzesebene erfolgen können. Die Schweizer Stimmbürger hatten der Einführung der allgemeinen Volksinitiative in einer Volksabstimmung am 9. Februar 2003 mit 70,3 Prozent zugestimmt (einstimmige Zustimmung der Stände), jedoch bei einer aussergewöhnlich tiefen Stimmbeteiligung von rund 28 Prozent. Die VOX-Analyse ergab zudem, dass etwa ein Viertel der Abstimmenden nicht genau wusste, worum es ging.
Der Nachteil für die Initianten hätte darin bestanden, dass das Parlament den genauen Wortlaut einer Vorlage bestimmt und somit die Anliegen verwässert werden können. Im Rahmen der Umsetzung dieses neuen Konzepts auf Gesetzesebene hat sich gezeigt, dass das neue Volksrecht in der konkreten Handhabung komplex ist. Der Nationalrat hat es als nicht praxistauglich taxiert und ist auf eine entsprechende Vorlage (Änderungen des Bundesgesetzes über die politischen Rechte sowie des Parlamentsgesetzes) nicht eingetreten. Gleichzeitig nahm er eine parlamentarische Initiative zur Rückgängigmachung der allgemeinen Volksinitiative auf Verfassungsebene an (insb. Streichung von Art. 139a BV). Auf Grund der vom Bundesrat ausgearbeiteten Ausführungsgesetzgebung kamen die beiden Räte zum Schluss, dass das neue Volksrecht nicht umsetzbar sei. Schwierigkeiten bereiteten das Zweikammersystem, allfällige Gegenentwürfe, die unterschiedlichen Mehrheitserfordernisse für Verfassungs- und Gesetzesänderungen, sowie die Möglichkeit der Initianten, das Bundesgericht anrufen zu können, wenn sie mit der Vorlage nicht zufrieden waren. Die daraus entstehende lange Verfahrensdauer hätte das Volksrecht unattraktiv gemacht. Am 19. März 2007 beschloss nach dem Nationalrat auch der Ständerat Nichteintreten auf die Ausführungsgesetzgebung der allgemeinen Volksinitiative. Um den im 2003 angenommenen Verfassungsartikel schliesslich – wie vom Parlament vorgeschlagen – wieder aufheben zu können, brauchte es abermals die Zustimmung von Volk und Ständen.[11] Am 27. September 2009 wurde der Bundesbeschluss vom 19. Dezember 2008 über den «Verzicht auf die Einführung der allgemeinen Volksinitiative» vom Volk mit 67,9 Prozent und einer Stimmbeteiligung von 41 Prozent angenommen; auch diesmal nahmen alle Stände die Vorlage an.[12]
Auf Kantonsebene gibt es neben Verfassungsinitiativen auch Gesetzesinitiativen, wobei eine Abstimmung über einen Vorschlag für ein neues Gesetz oder eine Gesetzesänderung verlangt wird. Die notwendige Unterschriftenzahl ist in der jeweiligen Kantonsverfassung festgelegt.
Der Kanton Zürich kennt zudem seit 1869 die Einzelinitiative: Die Initiative einer Einzelperson betreffend Änderung der Kantonsverfassung oder eines kantonalen Gesetzes wird dann wie eine parlamentarische Initiative, eine Behördeninitiative oder eine Volksinitiative behandelt, wenn sie die Unterstützung von wenigstens 60 (von insgesamt 180) Mitgliedern des Kantonsrates findet.
Das Recht der Einzelinitiative kennen sodann die beiden Landsgemeindekantone Appenzell Innerrhoden und Glarus, wo solche aber zwingend der Landsgemeinde zu unterbreiten sind.
Der Kanton Zürich kennt überdies die Behördeninitiative: Die Initiative einer Behörde betreffend Änderung der Kantonsverfassung oder eines kantonalen Gesetzes oder zur Ergänzung von Verfassung bzw. Gesetzen.
Auf Gemeindeebene können je nach kantonaler oder kommunaler Regelung auch einzelne Stimmberechtigte eine Volksinitiative einreichen. Die Anzahl benötigter Unterschriften ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich: In den drei grössten Städten beträgt sie beispielsweise 3'000 (Zürich und Basel) beziehungsweise 4'000 (Genf), während in den Gemeinden Wolfhalden (1700 Einwohner) und Hundwil (990 Einwohner) deren 40 reichen.