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Ein Volkslied ist ein Lied, das die weitestmögliche Verbreitung in einer und durch eine soziale Gruppe findet. Volkslieder lassen sich nach musikalischen, sprachlichen, gesellschaftlichen und historischen Merkmalen unterscheiden. Gemeinsame Traditionen, Sprache, Kultur und Religion kennzeichnen sie. Die textliche und musikalische Erscheinung weist dabei regional verschiedene Typiken auf, ist aber nicht zwingend rÀumlich einzugrenzen.
Inhaltsverzeichnis |
Volkslieder deuten ĂŒberwiegend auf konkrete, sich wiederholende oder alltĂ€gliche Situationen oder ZustĂ€nde des Lebens. Dabei kann sich der Ausdruck von der âgewöhnlichen und rauen Wirklichkeitâ entfernen und sich in einer idealisierten oder realitĂ€tsfernen Art und Form zeigen, zum Beispiel in dem Idyll nahen Naturbildern oder in Liebestragiken zwischen Prinz und Prinzessin. Volkslieder können somit diverse Funktionen erfĂŒllen â etwa in Form des Arbeitsliedes (die Arbeit begleitend) oder StĂ€ndeliedes (Arbeitsbereiche oder Berufe charakterisierend) oder Hochzeitsliedes (etwa Braut und BrĂ€utigam beglĂŒckwĂŒnschend oder auf den âheiligen Bundâ moralisch hinweisend).
Die zahlreichen âGattungenâ spiegeln in etwa das inhaltliche und thematische Spektrum: Liebes-, Hochzeits-, Trink-, Kinder-, Wiegen-, Arbeits-, Tanz-, Arbeiter-, Soldaten-, Studenten-, Seemanns-, berufsstĂ€ndische, an religiösen Festen orientierte, Heimat-, Wander-, an Tageszeiten orientierte â (Morgenlied und Abend), Jahreszeiten-, Abschiedslieder, SpaĂ- und Scherzlieder. Das traditionelle Lied erzĂ€hlenden Inhalts in dramatischer Darstellungsform ist die Volksballade. Abzugrenzen ist das Volkslied von der volkstĂŒmlichen Musik.
Volksmusik ist ein Sammelbegriff, der nicht auf eine konkrete Musikform, sondern auf eine Musikpraxis innerhalb bestimmter gesellschaftlicher Kontexte weist. Auch kann kaum von abgrenzbaren Stilistiken innerhalb der Volksmusik gesprochen werden, sondern eher von Typiken, da Volksmusik keinen diskurshaften Normierungen und keiner schriftlichen Fixierung unterliegt, wie etwa die abendlĂ€ndische Kunstmusik. Den Begriff Volkslied fĂŒhrte der Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder in die deutsche Sprache 1779 ein. Er veröffentlichte gesammelte Lieder und Gedichte bekannter Autoren, oftmals ohne Namensnennung, unter dem Titel "Volkslieder", siehe Deutsches Volkslied. Als Volksgesang bezeichnete Georg Gottfried Gervinus das Vortragen vorwiegend durch Laien aus der lokalen Bevölkerung.[1]
Eine eindeutige, klar abzugrenzende Fassung des Begriffes âVolksmusik/Volksliedâ ist schwierig. Volksmusik ist heute ein historischer Begriff und kann nur eingeschrĂ€nkt als gegenwĂ€rtige Musikpraxis gelten. Eine Faustregel besagt, dass Volksmusiktraditionen jeweils da noch am lebendigsten sind, wo ein gewisser Abstand zu modernen technologischen und wirtschaftlichen Strukturen herrscht. Das sind und waren ĂŒberwiegend lĂ€ndliche Gebiete. In Europa betrifft das Regionen, die als die Peripherie zum hochentwickelten Kernland gelten können - so z.B. Teile Osteuropas. In Deutschland nimmt eine gewisse Ausnahmestellung der sĂŒddeutsche und alpenlĂ€ndische Raum ein.
Nach einer historischen Definition von Hugo Riemann 1916 ist ein Volkslied âentweder
Nach Alfred Götze ist ein Volkslied ein Lied, das âim Gesang der Unterschicht eines Kulturvolks in lĂ€ngerer gedĂ€chtnismĂ€Ăiger Ăberlieferung und in seinem Stil derart eingebĂŒrgert ist oder war, dass, wer es singt, vom individuellen Anrecht eines Urhebers an Wort und Weise nichts empfindet.â[3] Eine moderne Definition von Tom Kannmacher lautet: "Volkslieder sind im GedĂ€chtnis der Mitglieder einer soziologischen Gruppe allgegenwĂ€rtige Medien, die den Strömungen von Tradition, Kulturepochen, HerrschaftsverhĂ€ltnissen unterworfen sind und somit nie feste Formen annehmen, die man dokumentarisch oder materiell fassen könnte".[4]
Der gegenwĂ€rtig in vielen Medien verbreitete Begriff von âVolksmusikâ gilt im Grunde nur noch als Sparte der Musikindustrie und Medienwelt und zeigt irreale hĂ€usliche und lĂ€ndliche Idyllen auf Ton- und BildtrĂ€gern sowie im Fernsehen. Die so medial vermittelten, choreographierten und ĂŒberstilisierten Darbietungen lassen sich nur schwer von anderen medial vermittelten Musiksparten stichhaltig unterscheiden. Ansatzpunkte fĂŒr Unterscheidungen wĂ€ren höchstens, dass verschiedene Zielgruppen anvisiert werden und sich verschiedene optische und 'soundbezogene' Merkmale zeigen. Gerade im letzteren Fall verwischen aber die Grenzen zwischen dem, was gemeinhin als âVolksmusikâ, âSchlagerâ, âPopâ und âRockâ gilt, schon gewaltig. Das gilt dann freilich genauso fĂŒr die via AV-Medien vermittelte âVolksmusikâ anderer LĂ€nder, wofĂŒr die noch jĂŒngere markttechnische Bezeichnung âWeltmusikâ gefunden wurde â hier wohnt die Indifferenz schon im Begriff selbst.
Volksmusik wird oft nicht mehr aktiv ausgeĂŒbt, sondern lediglich konsumiert. Die klingende Musik selbst ist fixiert auf Ton- und BildtrĂ€gern. Damit fehlt ihr ihr eigentlicher Ort, die Bezogenheit auf bestimmte Ereignisse sowie auch die unmittelbare Kommunikationssituation zwischen Musiker und Hörer. Sie ist an jedem beliebigen Ort und zu jeder beliebigen Zeit verfĂŒgbar. Die ĂŒber AV-Medien passiv rezipierte "Volksmusik" ist also der kennzeichnenden soziologischen Verankerung von Volksmusik entzogen. Sie nivelliert somit die fĂŒr Volksmusik wesentlichen innerkulturellen Codes, wie verschiedenen Stilistiken, verwendete Tonsysteme und kulturgebundene Texte.
Es gibt aber auch Rundfunk- und Fernsehsendungen, insbesondere im sĂŒddeutschen Raum, welche um eine Bewahrung traditioneller Volksmusik bemĂŒht sind - etwa Mei liabste Weis.
Mit Volksmusik wird die traditionelle, hĂ€ufig schriftlos ĂŒberlieferte Musik bezeichnet, die fĂŒr bestimmte Regionalkulturen charakteristisch ist. Bei der Betrachtung und Differenzierung von Musikkulturen mĂŒssen stets soziologische Gesichtspunkte herangezogen werden. Das gilt insbesondere fĂŒr die Volksmusik. Werden die bestimmenden sozialen Verankerungen und damit verbunden die zeitlich bedingten Transformationen von Volksmusiken auĂer acht gelassen, unterliegt man schnell voreiligen SchlĂŒssen. Allein ein Höreindruck lĂ€sst keine verlĂ€sslichen Bestimmungen zu.
PrĂ€zise musikalische Merkmale oder Gattungen von Volksmusik, die ĂŒbergreifend gĂŒltig wĂ€ren, lassen sich kaum festschreiben. Um dies zu tun, muss eine BeschrĂ€nkung auf eine bestimmte Region sowie einen bestimmten Zeitraum vorliegen. Wie auch in der Kunstmusik sind Vokal- und Instrumentalmusik als auch instrumental begleitete Vokalmusik zu unterscheiden. Ebenso kann Volksmusik einstimmig und mehrstimmig, homophon und polyphon gestaltet sein. In den verschiedenen Regionen Georgiens findet man z.B. homophone und polyphone Vokalmusik. Geographisch gesehen liegen hier diese so gegensĂ€tzlichen Singweisen, welchen ja auch eine soziale Konnotation innewohnt, also ziemlich eng beieinander.
Volksmusik ist eine Sache mĂŒndlich ĂŒberlieferter Tradition, die selbstverstĂ€ndlich innerkulturellen Codes folgt und dabei keinen Ă€sthetischen Diskurs ĂŒber ihre jeweiligen ZustĂ€nde fĂŒhrt. Die Kunstmusik sowie die kirchlich gebundene Musik standen und stehen dagegen meist in einer Diskussion ihrer selbst und haben sich eine Ă€sthetische und musiktheoretische Wissenschaft vorangestellt und sich somit fortwĂ€hrenden Reflexionen ausgesetzt.
Eine Autonomisierung der Kunst findet im Falle des Volksliedes jedoch nicht statt. Dagegen spricht der ausschlieĂlich der Musikschöpfung sich zuwendende und fundiert ausgebildete KĂŒnstler die gebildete, zumeist auch musikalisch gebildete, BevölkerungsminoritĂ€t des Adels, des Hofes und des BĂŒrgertums an und ist im Wesentlichen auch erst ab der FrĂŒhen Neuzeit auszumachen.[5] GegenĂŒber der Kunstmusik mit ihren professionellen Komponisten und hoch ausgebildeten Ensembles ist die Volksmusik zuerst eine Angelegenheit von Laien. Ferner ist die Kunstmusik fast ausschlieĂlich AuffĂŒhrungssituationen verpflichtet â also einer strikten Trennung in Publikum und AusfĂŒhrende. Die Volksmusik lebt dagegen wesentlich von gegenseitiger Interaktion.
Eine unikate Text-Musik-Bindung bei Volksliedern gibt es nicht. Seit dem 19. Jahrhundert kann man aber auf einen gewissermaĂen âgefestigtenâ Volksliedstamm verweisen, der sich in den gedruckten Liedersammlungen reprĂ€sentiert. Aber auch hier gibt es Schwierigkeiten. Einerseits was den Text angeht, andererseits â daraus resultierend â welchen Titel das Lied nun trĂ€gt. Dazu kommt, dass Volkslieder aus der Volkssprache entstehen und somit natĂŒrlich auch dialektgebunden sind. FĂŒr ihre weitere Verbreitung durch gedruckte Sammlungen, wurden sie dann teils auch ins Hochdeutsche, bzw. andere Hochsprachen, ĂŒbersetzt.
In Liedersammlungen kann man hĂ€ufig beobachten, dass Volkslieder keinen festen Titel haben. So wird der Liedtitel z.B. schlicht aus dem Beginn des ersten Verses gebildet; z. B.: âJetzt kommen die lustigen Tageâ. Das Lied mit dem Beginn âIch weiĂ nicht, was soll es bedeutenâ ist hingegen mit diesem ersten Vers als Titel sowie als Die Lorelei bekannt. So haben Liedersammlungen zuweilen auch zwei Inhaltsverzeichnisse: Eines nach LiedanfĂ€ngen und eines nach Titeln. Liedanfang und Titel können sich decken, mĂŒssen dies aber nicht.
Auf die Frage, wer âdieâ Volksmusik schöpft, ist keine endgĂŒltige Antwort möglich. Dadurch, dass Volksmusik durch fortwĂ€hrende mĂŒndliche und ĂŒber das Gehör bewerkstelligte Nachahmung lebt, befindet sie sich in einem steten Schöpfungszustand. Die tatsĂ€chliche Ursprungsfrage ist hier nicht wichtig. Wesentlich ist die Aufnahme, Weiterverbreitung und damit die Enkulturation, die Einbettung in den, eine jeweilige Gemeinschaft betreffenden, kulturellen Code. (Braun, Volksmusik). Dabei kann eine Ursprungsmelodie durchaus eine aus der Musik des BĂŒrgertums sein, z. B. eine einprĂ€gsame Operettenmelodie. BĂ©la BartĂłk hat so etwas bei seinen Ă€uĂerst ausgedehnten Forschungen[6] ĂŒber das ungarische Volkslied festgestellt. Er spricht hier von Nachahmungstrieben, die einem sehnsĂŒchtigen Aufschauen zur Kultur gesellschaftlich höher stehender Klassen zuzuschreiben sei.
Im Laufe der Sammlung und der Erforschung von Volksliedern wurden folgende Merkmale von Volksliedern herausgestellt:
In seinen innermusikalischen Merkmalen lĂ€sst sich das Volkslied als Substrat oder bewahrte Urform des Kunstliedes betrachten. FĂŒr die Bezeichnung Substrat spricht der o.g. AnstoĂ durch die Kunstmusik. FĂŒr die Bezeichnung Urform spricht, dass das Volkslied zumeist in seiner tonalen Sprache und Formgebung ein Stadium zeigt, das die Kunstmusik zu einem jeweiligen Zeitpunkt bereits ĂŒberdauert hat. Dies zeigt sich etwa in Skalen geringen Tonvorrates (Pentatonik oder geringer); v. a. in Liedern ein geringer Ambitus; simple Melodiezeilenform oder gar eine, in metrisch/rhythmischer Hinsicht, freie Gestaltung. Darin ist das Volkslied aber als Vortragskunst Ausdruck einer gesellschaftlichen Gruppe und ihres fĂŒr einen Zeitpunkt und sozialer Entwicklungsstufe kennzeichnenden lyrischen und musikalischen Horizontes und KommunikationsbedĂŒrfnisses.
Das Volkslied lĂ€sst sich dahingehend zum Kunstlied abgrenzen, dass eine unikate Text-Musik-Bindung nicht zwingend ist. Feldforschungen von Musikethnologen wie auch Aufzeichnungen von Komponisten haben erwiesen, dass bereits gehörte Melodien mit verschiedenen Texten auftauchen, die auch thematisch grundverschieden sein können. Ebenso sind die Singgewohnheiten situationsabhĂ€ngig oder abhĂ€ngig vom jeweiligen Vermögen des SĂ€ngers/-in. Auch im Formempfinden gibt es groĂe VariabilitĂ€t; hĂ€ufig abweichend von dem, was wir als durchkomponiertes Kunstlied kennen. Der Vortrag eines Liedes kann bereits beim unmittelbar wiederholten Singen stark von der âersten Versionâ abweichen, bleibt im Sinne des Vortragenden aber dasselbe Lied. Andererseits werden auch bloĂe Perspektivenwechsel in der ErzĂ€hlstruktur eines Liedes (-textes), bei nahezu gleichbleibendem musikalischen Material und musikalischer Formung vom Vortragenden mitunter als verschiedene Lieder angesehen.[7] Auch ein âUmsingenâ, den stimmlichen Möglichkeiten eines SĂ€ngers/-in entsprechend, ist vielfach beobachtet worden (Oktavversetzung, wenn ein Ton in Höhe oder Tiefe nicht erreicht wird).
Auch gegenseitige Beeinflussungen, Emigration etc. sind auszumachen. Innerhalb Europas lassen sich aber Parallelen auch in der Musik geographisch getrennt liegender Völker feststellen. Das betrifft vor allem tonrÀumliche und formale Gestaltungsweisen.[8] Ebenso in den Volksmusikforschungen Bartóks[6] ist dieses PhÀnomen ein zentrales Ergebnis.
Nationale und staatengebundene BesitzansprĂŒche an Volksmusik, gar mit qualitativen Hervorhebungen oder ReinheitsansprĂŒchen sind somit absurd. Die unten erwĂ€hnte Wanderung einer Melodie durch verschiedene Regionen und ihre Wandelungen vom Volkslied zum Thema eines Streichquartettsatzes von Haydn und weiter zur deutschen Nationalhymne ist beredtes Beispiel dafĂŒr.
Bereits in den AnfĂ€ngen der Germanistik beschĂ€ftigten Wissenschaftler sich mit dem Sammeln von VolksmĂ€rchen und Volksliedern. Schwieriger ist es bei der musikalischen Ăberlieferung. Dass heute historische Volksmusik zugĂ€nglich ist, ist vor allem der Musikethnologie zu verdanken. Dieser Strang der Musikwissenschaft ist noch relativ jung und fand seine erste BlĂŒtezeit um die Wende vom 19. zum 20. Jh.. Forscher wie BĂ©la Vikar, ZoltĂĄn KodĂĄly, BĂ©la BartĂłk, Erich von Hornbostel, Constantin BrÄiloiu, um nur einige zu nennen, waren die ersten, welche mit wissenschaftlichem Anspruch bemĂŒht waren, Musik dem Volk direkt âabzulauschenâ. DafĂŒr standen ihnen bereits auch technische Möglichkeiten, wie etwa der Edison-Phonograph (nach Thomas Alva Edison), zur VerfĂŒgung. Aber auch viele Komponisten fertigten Aufzeichnungen direkt im Volke an. Man weiĂ das z. B. von Modest Mussorgsky, Ralph Vaughan Williams, Nikolai Rimski-Korsakow oder Percy Grainger. Was dann vorliegt ist ein Notentext, der die zugehörige Musikpraxis nur noch erahnen lĂ€sst.
Aus der frĂŒheren Geschichte lĂ€sst sich nur sehr bruchstĂŒckhaft auf die jeweilige Volksmusik schlieĂen. Aus nachvollziehbaren GrĂŒnden sind Aufzeichnungen rar: im Volk hat es keiner gemacht und unter Gelehrten bestand wohl kaum ein Interesse. Man kann aber annehmen, dass v.a. im Mittelalter die Grenzen zwischen Volksmusik und âHochkulturâ, was im Wesentlichen die kirchliche Musik war, auch noch recht flieĂend waren. So wurde z. B. wohl immer auch ein Teil der im kirchlichen Rahmen gehörten Musik sozusagen âmit nach drauĂenâ genommen und dann frei â und vor allem volkssprachlich â umtextiert, umgesungen. Und das auch in frecher und verhöhnender Weise. So ist uns sogar auch einiges, wenn zumeist auch ânurâ Texte, in Quellen wie dem Lochamer-Liederbuch, der Jenaer Liederhandschrift oder den Carmina Burana erhalten geblieben. Was die Musikpraxis angeht, kann man jedoch nur aus bildlichen Darstellungen SchlĂŒsse ziehen, vor allem auf die Verwendung von Instrumenten, die aus der liturgischen Musikpraxis weitgehend ausgeschlossen waren (insbesondere Blasinstrumente). Recht berĂŒhmt ist auch der Reisebericht des Giraldus Cambrensis (1147â1223), der von volkslĂ€ufigen Musizierpraxen in Irland und Wales erzĂ€hlt.
Manchmal gehen die Volkslied-Melodien auch in andere Musikgattungen ĂŒber. So wird aus dem altböhmischen Prozessionslied Ubi est spes mea? (âWo ist meine Hoffnung?â) zunĂ€chst im 16. Jahrhundert der Choral âMein lieber Herr ich preise dich!â. Gut 200 Jahre spĂ€ter formt Joseph Haydn 1797 hieraus die Melodie zur österreichischen Kaiserhymne âGott erhalte Franz, den Kaiserâ. Haydn selbst löst diese Melodie wieder vom Text und macht sie zum Zentrum des âKaiserquartettsâ (op. 76 Nr. 3). Ferner taucht die Melodie in Varianten und mit wechselndem Text im kroatischen Raum als Volkslied auf. Ob es hier Wechselbeziehungen zwischen Haydn und der Volksmelodie gab â und wenn ja, welcher Art sie waren â ist unklar. 1841 dichtet Hoffmann von Fallersleben zu Haydns Melodie die Verse des Deutschlandliedes. Seit 1922 wird es offiziell als deutsche Nationalhymne verwendet. Aus dem alten böhmischen Prozessionslied heraus hat sich ebenfalls der weit bekannte deutsche Kanon âO wie wohl ist mir am Abendâ entwickelt.[9]
Mit Herder begann auch das sogenannte âzweite Daseinâ des Volksliedes, das nun in Volksliedsammlungen niedergeschrieben und damit kodifiziert wurde. Diese ĂŒberwiegend Texte ohne musikalische Notation wiedergebenden Sammlungen können heute v.a. literatur- und gesellschaftswissenschaftliche Interessen bedienen, aber genauso als Quelle der Volksmusikpflege gelten. Die ersten Volksliedsammlungen entsprachen der romantischen Idealisierung. Erst im 20. Jahrhundert wurde damit begonnen, die Sammlung von Volksliedern auf Grund wissenschaftlicher Kriterien anzulegen.
Deutsche Volkslieder sammelt seit 1914 das Deutsche Volksliedarchiv an der UniversitĂ€t Freiburg.[10] Das Ăsterreichische Volksliedwerk[11] ist seit 1904 fĂŒr die Sammlung Forschung und Vermittlung von Volksliedern zustĂ€ndig.
Der Volksliedforscher Ernst Klusen sammelte niederrheinische Volkslieder. Seit 1949 sammelte Sepp Gregor europĂ€ische und auĂereuropĂ€ische Lieder aus LĂ€ndern, in denen europĂ€ische Sprachen gesprochen werden. Nach seinem Tode hat diese Aufgabe die Gesellschaft der Klingenden BrĂŒcke e. V. in Bonn ĂŒbernommen.[12]