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Die Volksmarinedivision war eine bewaffnete Formation, die wĂ€hrend der Novemberrevolution in Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entstand. Der Volksmarinerat von GroĂ Berlin und Vororten im Berliner Marstall stellte sie auf Vorschlag des Obermaats Paul Wieczorek am 11. November 1918 auf. RevolutionĂ€re Matrosen der ehemaligen Kaiserlichen Marine sollten dem neuen PolizeiprĂ€sidenten von Berlin, Emil Eichhorn (USPD), als bewaffnete Ordnungsmacht zur VerfĂŒgung gestellt werden. Zum ersten Kommandanten wurde Paul Wieczorek gewĂ€hlt.
Inhaltsverzeichnis |
ZunÀchst umfasste die Volksmarinedivision rund 600 Mann, am 13. November 1918 bereits 1.500 und Ende November etwa 3.200 Mann. Unter den Angehörigen der Volksmarinedivision waren Mitglieder von SPD, USPD, Spartakisten und Kommunisten, meist waren es jedoch parteilose Matrosen.
Die Volksmarinedivision war in ihrer bedeutendsten Zeit in drei Abteilungen gegliedert. Die I. Abteilung mit 1.550 Mann hatte ihren Standort im Marstall und war unter anderem fĂŒr die Bewachung von Reichskanzlei, Reichsbank, Museumsinsel und des Ullstein Verlags zustĂ€ndig.
Die II. Abteilung mit 800 Mann hatte ihren Standort zunĂ€chst im Berliner Schloss, spĂ€ter in einem Lokal in der KistenmacherstraĂe und danach im PreuĂischen Abgeordnetenhaus. Dieser Abteilung oblag die Bewachung des PreuĂischen Abgeordneten- und Herrenhauses.
Die III. Abteilung bestand zumeist aus Cuxhavener Matrosen und erreichte eine StÀrke von 900 Mann. Ihr Standort war am Lehrter Bahnhof in Berlin. Sie versah Bereitschafts- und Streifendienst sowie die Bewachung der Bahnhöfe.
Die Verwaltungsabteilung der Volksmarinedivision mit 100 Mann hatte ihren Sitz zunĂ€chst im Marstall, spĂ€ter im Marinehaus am MĂ€rkischen Ufer 48/50. Dort ist auch eine Gedenktafel fĂŒr den Stab der Volksmarinedivision angebracht. Zu ihren Aufgaben gehörten die TĂ€tigkeiten der rĂŒckwĂ€rtigen Dienste.
Bereits am 13. November 1918 wurde Paul Wieczorek von KorvettenkapitÀn Friedrich Brettschneider erschossen. Wenige Stunden danach wurde der Cuxhavener Matrose Otto Tost zum neuen Kommandeur der Volksmarinedivision gewÀhlt.
Anfangs stand die Volksmarinedivision noch auf Seiten der gemĂ€Ăigten Sozialdemokratie. Zusammen mit anderen Einheiten marschierten am 6. Dezember 1918 Matrosen der Truppe unter dem Kommando des Oberleutnants der Reserve Graf Hermann Wolf-Metternich zusammen mit anderen Einheiten zur Reichskanzlei und sprachen Friedrich Ebert öffentlich ihre UnterstĂŒtzung aus, forderten Wahlen zur Nationalversammlung noch im Dezember 1918 und kritisierten den Vollzugsrat der Arbeiter- und SoldatenrĂ€te GroĂberlin. Von Seiten der Matrosen wurde Ebert das Amt eines PrĂ€sidenten angeboten. Dieser wiegelte ab. Die Truppen zogen daraufhin ab und durchsuchten die RĂ€ume der Redaktion der Roten Fahne. Von anderen Truppen (nicht von der Volksmarinedivision) wurde der Vollzugsrat verhaftet. Daraufhin kam es zu gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen. Die Planungen, Ebert durch die Truppen als Staatsoberhaupt mit diktatorischen Vollmachten ausrufen zu lassen, stammten vom Oberst in der Obersten Heeresleitung Hans von Haeften. Ziel dieser gegenrevolutionĂ€ren Aktion war, die Arbeiter- und SoldatenrĂ€te auszuschalten und die Kommandogewalt der Offiziere wieder herzustellen. Haeften sprach darĂŒber mit dem Ministerialdirektor Ferdinand von Stumm. Dieser hatte vorgeschlagen, die von seinem Verwandten Metternich gefĂŒhrte Volksmarinedivision das Unternehmen fĂŒhren zu lassen.[1]
In den folgenden Wochen begann sich die Truppe mehr nach links zu orientieren. Eine Abteilung bewachte am 30. Dezember 1918 das PreuĂische Abgeordnetenhaus in Berlin, wo der GrĂŒndungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands stattfand.
Die Volksmarinedivision, die sich im Stadtschloss einquartiert hatte, rief zunehmend den Unmut der politisch Verantwortlichen hervor. Finanzminister Hugo Simons beschuldigte am 12. Dezember die Truppe des Diebstahls von groĂen Werten. Nach dem Einzug der Gardetruppen drĂ€ngte vor allem das MilitĂ€r darauf, die Division aufzulösen. Otto Wels als Stadtkommandeur von Berlin plante, die zuverlĂ€ssigen Teile in die republikanische Reichswehr einzugliedern und den Rest bei Zahlung einer Abfindung zu entlassen. Die Truppe weigerte sich. Daraufhin stellte ihr Wels ein Ultimatum, bis zum 16. Dezember das Schloss zu rĂ€umen. Auch darauf reagierte die Volksmarinedivision nicht. Vielmehr gelang es ihrem neuen Kommandanten Heinrich Dorrenbach, am 17. Dezember einen Beschluss der SoldatenrĂ€te von GroĂberlin durchzusetzen. Danach sollten die SoldatenrĂ€te die TrĂ€ger der obersten Kommandogewalt ĂŒber die HeeresverbĂ€nde bilden, alle Rangabzeichen sollten abgeschafft und alle Offiziere entlassen werden. Eine Abordnung der Volksmarinedivision drang in das Plenum des ReichsrĂ€tekongresses ein und verlangte ĂŒber die Punkte eine sofortige Beschlussfassung. Es gelang Hugo Haase nach heftigen Tumulten, die Versammlung auf den nĂ€chsten Tag zu vertagen. Auf Druck der SoldatenrĂ€te wurden am 18. Dezember die âHamburger Punkteâ beschlossen, die den Forderungen der Volksmarinedivision sehr nahe kamen.[2]
Die Weigerung der Volksmarinedivision, das Schloss zu verlassen, fĂŒhrte am 23. und 24. Dezember 1918 zu den sogenannten WeihnachtskĂ€mpfen. In deren Verlauf nahm die Division Otto Wels gefangen, setzte die Regierung fest und kontrollierte die Telefonzentrale der Reichskanzlei. Ebert sah schlieĂlich keine andere Möglichkeit mehr, als erstmals die Armee im Rahmen des Ebert-Groener-Pakts um UnterstĂŒtzung zu bitten. Mit GeschĂŒtzen gingen regulĂ€re Truppen (das Freikorps Garde-Kavallerie-SchĂŒtzen-Division) gegen die Volksmarinedivision vor und drĂ€ngten sie zurĂŒck. Durch Entsatz durch bewaffnete Arbeiter und andere revolutionĂ€re Einheiten wurde eine Wende erreicht. Nachdem 56 Soldaten der Regierungstruppen und daneben noch Zivilisten getötet worden waren, gab Ebert den Befehl zur Einstellung der KĂ€mpfe.[3] Die Regierung musste der Volksmarinedivision daraufhin erhebliche ZugestĂ€ndnisse machen. Die Truppe blieb als Ganzes erhalten und wurde als eine Einheit in die republikanische Soldatenwehr ĂŒbernommen. Wels wurde als Stadtkommandeur abgelöst. Politisch fĂŒhrte dies zum Bruch der Koalition aus SPD und USPD.[4]
Bei den JanuarkĂ€mpfen von 1919 stand die Truppe, trotz ihrer Eingliederung in die republikanische Soldatenwehr, auf der Seite der radikalen Linken. Ihr Kommandeur Dorrenbach spielte bei der Entscheidung zum Losschlagen insofern eine entscheidende Rolle, als er behauptete, dass nicht nur die Volksmarinedivision, sondern alle Truppen in Berlin hinter den RevolutionĂ€ren Obleuten stĂ€nden und bereit seien, gegen die Regierung von Ebert und Philipp Scheidemann mit Gewalt vorzugehen. Dies war einer der Auslöser dafĂŒr, dass Karl Liebknecht und andere Anwesende sich durch den Druck der Truppe veranlasst sahen, nicht nur gegen die Entlassung des PolizeiprĂ€sidenten Emil Eichhorn zu protestieren, sondern auf den Sturz der Regierung abzuzielen.[5]
Bei den KĂ€mpfen selbst erwiesen sich Dorrenbachs Angaben als völlig unzutreffend. Die Berliner Truppen unterstĂŒtzten den Aufstand nicht und selbst die Volksmarinedivision blieb neutral.[6]
Bei den MĂ€rzkĂ€mpfen wurden am 5. MĂ€rz 1919 die Reste der Volksmarinedivision zum Entsatz der im PolizeiprĂ€sidium eingeschlossenen Regierungstruppen befohlen. Die dort verschanzten Einheiten hielten die Division jedoch fĂŒr Gegner und eröffneten das Feuer. Die Matrosen schossen zurĂŒck und schlossen sich den AufstĂ€ndischen an. Die Regierungstruppen gingen mit BrutalitĂ€t gegen ihre Gegner vor. Ein Oberleutnant Otto Marloh allein lieĂ etwa 30 Matrosen erschieĂen.[7] Die Republikanische Soldatenwehr und mit ihr die Volksmarinedivision wurden daraufhin aufgelöst.
In ihrer kommunistisch-sozialistischen Tradition erhielten die SeestreitkrÀfte der DDR nach der Volksmarinedivision den Namen Volksmarine der DDR; Truppenteile und Schiffe wurden nach bekannten Mitgliedern der Volksmarinedivision benannt.