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Wärmedämmung soll den Durchgang von Wärmeenergie möglichst weit reduzieren. Die Wärmedämmung dient zur Reduzierung von Wärmeverluste an eine kalte Umgebung; bei Anlagen der Wärmetechnik steht die Vermeidung von Verlusten durch Wärmeabgabe bzw. -abstrahlung im Mittelpunkt und bei Kälteanlagen soll der Eintrag von Umgebungswärme vermindert werden. Die Wärmedämmung von Gebäuden wird durch die Bauweise vorgegeben und kann durch Einsatz von Dämmstoffen verstärkt werden. Passivhäuser mit optimaler Dämmung kommen ohne Heizung aus, weil die Abwärme der Nutzer zur Schaffung einer behaglichen Temperatur im Inneren ausreicht.
Der Schutz eines Gebäudes vor dem Eindringen von Wasser wird als Bauwerksabdichtung bezeichnet.
Beispiele für die Anwendung von Wärmedämmungen an Personen, Gegenständen oder Anlagen sind Bettdecke, Pelzmantel, Handschuh, Daunenoverall, Kühltasche, Rohrdämmung, Holzfaserdämmplatte. In der Raumfahrttechnik setzt man zum Beispiel Multilayer-Insulation-Folien ein (englisch insulation ‚Dämmung‘).
In allen Fällen wird durch den möglichst kleinteiligen Einschluss (inklusive Windschutz) von Gas oder Vakuum durch festes Material dem Wärmefluss thermischer Energie ein möglichst hoher Widerstand entgegengesetzt.
Gebräuchliche Strukturgeometrien sind:
Gebräuchliche Formen sind:
Gebräuchliche Materialien sind:
Physikalische Maßgröße und Einheit
Zur Kennzeichnung der wesentlichen Eigenschaften von Wärmedämmstoffen dienen verschiedene Größen:
Bei der Planung und anschließenden Berechnung einer guten Wärmedämmung (einer Immobilie) kommt dem Wärmeübergangswiderstand eine wichtige Bedeutung zu. Dabei wird jenem Bereich, der zwischen Bauteil (Fassade / Wärmedämmstoff) und angrenzender Luft liegt, ein auf Erfahrungswerten basierender Übergangswiderstand zugeordnet. Er differenziert die isolierende Wirkung des Dämmstoffes zwischen Innen- und Aussendämmung aufgrund des unterschiedlichen Verhältnisses von Wärmeleitung und Wärmestrahlung.
In der Innendämmung beträgt der Wärmeübergangswiderstand (Ri) erfahrungsgemäß Ri = 0,13 m²K/W.
In der Außendämmung wird der Wärmeübergangswiderstand (Ra) erfahrungsgemäß zu Ra = 0,04 m²K/W angesetzt.
Bei der Perimeterdämmung – der Dämmung erdberührter Bauteile – nimmt man wegen des dominierenden Effekts der Wärmeleitung als Wärmeübergangswiderstand Ra = 0 m²K/W an.
Für ein homogenes Bauteil ist der U-Wert gleich dem <math>\lambda</math>-Wert dividiert durch die Dicke. Ein niedriger U-Wert kann also selbst bei großem <math>\lambda</math>-Wert des Materials erreicht werden, wenn die Dicke genügend groß ist. Andererseits kann ein hoher U-Wert eines Bauteils trotz niedrigem <math>\lambda</math> und großer Dicke entstehen, wenn Konstruktionsfehler oder Beschädigungen zu Wärmebrücken führen, etwa durch Spalte oder durchfeuchtete Stellen.
Wie schnell sich eine Temperaturänderung in einem Material ausbreitet, hängt nicht nur von seiner Wärmeleitfähigkeit, sondern auch von seinem Wärmespeichervermögen ab. Maßgeblich hierfür ist die Temperaturleitfähigkeit, mit der Maßeinheit m²/s.
Die Bandbreite körpereigener Wärmedämmung reicht von der natürlich vorhandenen Behaarung bzw. Befiederung, über das Fettgewebe bis zur Speckschicht gleichwarmer Wirbeltiere (besonders bei polarer oder mariner Lebensweise). Darüber hinaus verwenden viele Tiere beim Nestbau isolierende Materialien. Menschen bedienen sich zusätzlich tierischer Felle oder pflanzlicher oder synthetischer Fasern zur Bekleidung, um sich auch unterwegs vor Wärmeverlusten zu schützen (siehe auch Nacktheit).
Im Zuge der Entwicklung von Kältetechnikverfahren besonders durch Professor Carl von Linde, ab 1868 für mehrere Jahrzehnte an der Technischen Hochschule (heute: Technische Universität München) und der 1879 von ihm gegründeten Gesellschaft für Lindes Eismaschinen Aktiengesellschaft (heute: Linde AG) im Süden Münchens wurde auch die Entwicklung der Wärmedämmung vorangetrieben und 1918 das Forschungsheim für Wärmeschutz (heute: Forschungsinstitut für Wärmeschutz e. V. München, Abk. FIW) in München gegründet.[1]
Der Schutz vor Wärmeverlusten bzw. Kälteverlusten durch 'Wärmegewinne' bei Kältemaschinen und ihren Rohrleitungen (Kälteanlagen), ist sowohl für die Energieeffizienz, als auch für die Anlagenfunktion an sich in vielen Fällen betriebsnotwendig. Durch die gestiegenen Kosten fossiler Energieträger kommt ein ökonomischer Anreiz hinzu.
Die Wärmedämmung von Gebäuden zur Einsparung von Heizenergie hat durch die Verteuerung von Energie in den Jahren 1973 und 1979 und im Rahmen des Bewusstwerdens für nachhaltige Entwicklung einen hohen Stellenwert erhalten. In den 1970er-Jahren wurden gesetzliche Vorschriften zur Wärmedämmung von Gebäuden beschlossen. Die erste Verordnung über einen energiesparenden Wärmeschutz bei Gebäuden trat 1977 in Kraft, weitere Verordnungen folgten. Die erste Fassung der Energieeinsparverordnung ist im Jahr 2002 in Kraft getreten und seitdem sind mehrere Novellierungen erfolgt. Derzeit gültig ist die EnEV 2009 und die nächste Novellierung ist für das Jahr 2012 vorgesehen.[2] Mit steigendem Bewusstsein für die Erschwernisse durch sommerliche Überhitzung des Gebäudeinneren werden die Vorteile einer starken Wärmedämmung für den Sommer deutlicher erkennbar.
Baustoffe wie Stahl, Beton und Glas, aber auch Natursteine sind relativ gute Wärmeleiter, so dass die daraus errichteten Außenwände von Gebäuden bei kalter Witterung sehr schnell die Wärme von der Innenseite an die Außenseite abgeben. Beim Einsatz dieser Baustoffe werden die Außenwände, auch nachträglich, mit so genannten Dämmstoffen versehen, um so den Heizenergiebedarf zu reduzieren. Gleichzeitig wird der sommerliche Hitzeschutz verbessert, da die Wärme nur langsam in das Gebäude eindringt und die Behaglichkeit reduziert. Beim Einsatz von Klimaanlagen führt dies zur Einsparung von Betriebsenergie.
Man unterscheidet Außen-, Innen- und Kerndämmung. In weiten Teilen Deutschlands ist der einschalige Wandaufbau aus tragenden und wärmedämmenden Baustoffen wie zum Beispiel Ziegel oder Bims- und Porenbeton gängig. In Verbindung mit Kalksandstein oder schlecht dämmenden anderen Bausteinen wird eine zweischalige Wand mit vorgesetzter Dämmschicht zu einer geschickten Kombination von Statik, Schallschutz, Wärmespeicherung und Wärmedämmung. In Norddeutschland ist der dreischalige Wandaufbau mit Kerndämmung häufig, bei modernen Fassadensystemen wird oft eine Glas-Luft-Glas-Fassade gebaut. Bei der wärmetechnischen Sanierung des Bestandes wird die zweischalige Konstruktion oft als Wärmedämmverbundsystem bezeichnet.
In manchen Fällen ist eine Außendämmung nicht möglich oder nicht gewünscht. So kann man bei Lehmaußenwänden in Fachwerkhäusern und Gebäuden, deren Außenfassade erhalten bleiben soll, auch nachträglich eine Innendämmung aufbringen. Innendämmungen sind problematischer, da der Taupunkt nach innen wandert und dadurch die Gefahr von Feuchtigkeitsbildung und damit von Gebäudeschäden besteht. Wenn die Konstruktion mit diffusionsoffenen kapillaraktiven Dämmstoffen ausgeführt wird, lassen sich diese Probleme heute im Regelfall beherrschen.
Innendämmungen mit Dampfsperren sind ebenfalls möglich, müssen jedoch sehr sorgfältig ausgeführt werden, da bei Beschädigung der Dampfsperre sich bildende Feuchtigkeit kaum mehr aus der Konstruktionsebene entweichen kann.
Eine recht elegante Alternative ist das Ankleben mineralischer Schaumplatten, die etwa den gleichen Wasserdampfwiderstand haben wie Mauerwerk.
In jedem Fall muss eine Innendämmung durchgehend luftdicht gegenüber der Raumluft abgeschlossen werden, um Hinterlüftung und dadurch zwangsläufig entstehende Kondensation durch Konvektion zu vermeiden.
Eine Wärmedämmung muss physikalische Gegebenheiten berücksichtigen. Nicht fachgerecht ausgeführte Konstruktionen können für erhebliche Probleme sorgen, meistens sind dies Feuchtigkeitsprobleme durch Kondensation (siehe auch Taupunkt).
Einige Beispiele hierzu:
Wärmedämmmaßnahmen wurden oft für Bauschäden verantwortlich gemacht, die sich meistens als Feuchtigkeitsschäden zeigen. Tatsächlich sind Entwurfs- und Baufehler oder falsches Verhalten der Bewohner dafür verantwortlich. Als Planungshinweis bezüglich der Feuchtigkeit dienen die Normen DIN 4108–3 bzw. EN ISO 13788, die eine Berechnung nach dem Glaserverfahren benutzen. Hier wird anhand physikalischer Parameter wie Dampfdruck, Temperaturen und Wärmeleitfähigkeit der Konstruktion bestimmt, ob während der kritischen Winterperiode in der Konstruktion Kondensat auftreten kann und wie viel. Aufgabe des Planers ist es, die Konstruktion feuchtigkeitssicher zu wählen. Ob die nach der Norm allgemein als unkritisch geltende Kondensatmenge von 0,5 bis 1 kg/m² im speziellen Fall auch unkritisch ist, unterliegt dem Fachwissen des Planers – ggf. hat er eine andere Konstruktion zu wählen. In der Regel kann eine geringe Kondensatmenge von der Konstruktion aufgenommen und während der Wärmeperiode wieder abgegeben werden. Wenn der Planer aber nicht berücksichtigt, ob der Konstruktionsaufbau zur Wasseraufnahme überhaupt in der Lage ist, bzw. kapillaraktive Baustoffe das entstehende Kondensat fast sofort ableiten, ist die Berechnung weit von der Realität entfernt. Deshalb gilt das Verfahren als überholt und es gibt ausführlichere Rechenprogramme (Links), die bessere Ergebnisse liefern. In einem neuen Norm-Entwurf soll dieses berücksichtigt werden.
Gegner der üblichen Wärmedämmung stellen wichtige Punkte davon in Frage. Sie vertreten die Meinung, die Bauphysik lasse erhebliche solare Gewinne bei massiven Baustoffen (wie zum Beispiel Ziegeln) unberücksichtigt. Aus diesem Grund erfanden sie einen neuen „effektiven“ Wärmedurchgangskoeffizienten Ueff. Der wissenschaftliche Nachweis für die Richtigkeit dieser Behauptung ist umstritten. Gegen die Argumentation diese Gruppe spricht, dass für den solaren Gewinn – gemittelt über einen ausreichend langen Zeitraum (2 Tage bis 2 Wochen, je nach Speicherkapazität) – allein der U-Wert und die Oberflächengestaltung verantwortlich ist. Bei einer hellen Oberfläche wird zum Beispiel viel Sonnenlicht reflektiert (im Sommer erwünscht – im Winter unerwünscht). Die Masse des Bauteils ist nur für die Zeitdauer der Wärmeausbreitung verantwortlich. Nachfolgend die Erklärung, warum jedoch kein Unterschied im Energiegewinn entsteht:
Zunächst nehmen Konstruktionen aus homogenem Material (ganz gleich ob aus leichten wie zum Beispiel Dämmstoff oder schweren wie zum Beispiel Ziegel) bei gleicher Oberflächenfarbe fast die gleiche Solarenergie auf. Eine leichte Konstruktion heizt sich dabei an der Oberfläche und in der Tiefe schneller und stärker auf, gibt aber wegen der hohen Oberflächentemperatur auch schon während der Einstrahlung mehr Wärme ab. Dabei ist ein Großteil der Wärmeenergie in der Tiefe (innen), so dass nach dem Ende der Einstrahlung relativ wenig nach außen abgegeben wird. Eine massereiche Konstruktion nimmt an der Oberfläche genau so viel Wärme(energie) auf – hat dabei aber eine geringere Temperatur und dementsprechend eine geringere Abstrahlung. Allerdings bleibt die aufgenommene Wärme näher unter der Oberfläche konzentriert, da mehr gespeichert wird. Nach Ende der Einstrahlung wird relativ viel gespeicherte Wärme nach außen abgegeben, da der Weg von der warmen Zone nach innen viel länger ist. Die rechnerische Untersuchung zeigt dabei, dass nach ausreichend langer Zeit der solare Energiegewinn bei gleichen U-Werten der gleiche ist.
Aus wirtschaftlichen Gründen ist eine stärker werdende Wärmedämmung nicht immer zielführend. Zwar nehmen die Heizenergiekosten ab, jedoch werden auf der anderen Seite überproportional zusätzliche Kosten erzeugt die gegengerechnet werden müssen, wie beispielsweise: entgangene Mieteinnahmen durch weniger umbauten Raum oder Material- und Montagekosten.
Jeder Baustoff steht in einem Feuchtegleichgewicht zu seiner Umgebung. Je nach Standort, wo er eingesetzt ist, wird sich das Feuchtegleichgewicht und die Höhe des Wassergehalts anders schnell einstellen.[3]
Die Fähigkeit, Wasser kurzzeitig aufzunehmen und so bei Situationen wie Schlagregen oder Kondensatbildung eine kritische Durchfeuchtung zu vermeiden, wird als hygroskopische Speicherfähigkeit bezeichnet (siehe auch w-Wert, Wasseraufnahmekoeffizient). Kapillaraktive Baustoffe (siehe zum Beispiel kapillaraktive Kleidung) sorgen dann für den Abtransport von Feuchtigkeit innerhalb der Konstruktion. Baustoffe, die beide Eigenschaften vereinen, sind unter anderem Ziegel, Gips, Holzfaserwerkstoffe, Lehm oder Calciumsilikat-Platten. Porenbeton besitzt zwar eine hohe Speicherfähigkeit, ihm fehlt aber die Eigenschaft, das Wasser wieder schnell abzugeben. Wichtig hierbei ist bei den Konstruktionen, dass sie den Wassertransport nicht durch ungeeignete Wandbeschichtungen (Dispersionsfarben, Tapeten, Dampfsperren) behindern.
Neben der Wasserleitung durch Kapillarität gibt es auch Wasserdampfleitung durch Diffusion (siehe dazu auch Wasserdampfdiffusionswiderstand und Atmende Wand).
| Dämmstoff | Rohdichte in kg/m³ | Wärmeleitfähigkeit λR* in W/(mK) | Schadstoffabgabe bei der Nutzung | Schadstoffabgabe entlang der Produktlebenslinie | Primärenergieinhalt | Baustoffklasse** |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Aerogelmatte10 | 150 | 0,013 | nein | nein | gering | A1/A2 B oder E |
| Blähglasschüttung | 270-1100 | 0,040-0,060 | nein | nein | hoch | A1 |
| Blähglimmerschüttung (Vermiculit) | 70–150 | 0,07 | nein | nein | mittel | A |
| Blähperlitschüttung | 90 | 0,05 | nein | nein | mittel | A |
| Blähtonschüttung | 300 | 0,16 | nein | nein | mittel | A |
| Calciumsilikat-Platte | 300 | 0,065 | nein | nein | ? | A1 |
| Celluloseeinblasdämmung (Recycling) | 35–70 | 0,040 | nein | nein1 | sehr gering | B |
| Glasschaumgranulat | 130-170 | 0,07-0,09 | nein | ? | ? | A1 |
| Holzfaserdämmplatte | 130–270 | 0,037–0,05 | nein | nein1 | gering ? | B |
| Holzwolle-Leichtbauplatte | 360 | 0,09 | nein | nein | gering | B |
| Kokosfasermatte bzw. -platte | 75–125 | 0,045 | nein | nein | gering | B |
| Korkplatte | 120–200 | 0,045 | nein3 | nein3 | gering | B |
| Magnesiumoxidzement-Ortschaum11 | 33 | 0,037 | nein | nein | ? | A1 |
| Mineralschaumdämmplatte | 350 | 0,045 | nein | nein | mittel | A1 |
| Mineralwolleplatte (Glas, Steinwolle) | 80 | 0,04 bis 0,032 | möglich2 | ja12 | mittel | A |
| Polystyrolplatte | 15-30 | 0,03 | ja4 | ?4 | hoch | B |
| Polyurethanplatte | 30 | 0,025 | möglich5 | ja5 | hoch | B |
| Porenbeton | 200-700 | 0,08-0,21 | nein | nein | ? | A1 |
| Resolharzplatte9 | >35 | 0,025-0,022 | ? | ? | ? | C |
| Schafwollefilz | 20–120 | 0,04 | nein7 | nein7 | gering | B |
| Schaumglasplatte | 130 | 0,05 | nein6 | nein | mittel | A |
| Schilfrohrplatte | k.A. | 0,06 | nein | nein | gering | B |
| Strohplatte | 500 | 0,11 | nein | nein | gering | B |
| Strohballen8 | 100 | 0,045 | nein | nein | gering | B2 |
| Vakuumdämmplatte | 180–210 | 0,008–0,003 | nein | nein | gering ? | B2 |
| Zellstoffdämmung | 35–60 | 0,04 | nein | nein | gering | B2 |
Neben dem Wärmedämmvermögen sollte bei einem Vergleich von Dämmstoffen auch das Verhalten im Brandfall (etwa bei einem Wohnungsbrand mit aus dem Fenster herausschlagenden Flammen oder nach Einschlag einer Feuerwerksrakete) einbezogen werden.